Disclaimer: Ich bin eine Lehrerin, das heißt, ich verdiene nicht viel. Bitte nicht klagen!

Cassie

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Kapitel 27 – Blacks Sorgen

„Bei der Ausführung der komplizierten Flüche ist es notwendig, einen klaren Kopf zu behalten. Das heißt, deine Kontrolle über die Magie, die du benutzt, nie zu verlieren", sagt Voldemort gerade.

Wir sitzen in seinem Zimmer und er schreitet auf und ab, wenn er redet, was mich so sehr an Tom erinnert. Denn, na ja, er IST Tom.

Die dunklen Augen schauen nicht in meine Richtung, als er weiter redet und seine weißen, langen Finger streicheln seinen Stab.

„Das ist das Wichtigste, was du im Kopf behalten musst, wenn du die dunkle Magie benutzt", sagt er. „Und das ist auch etwas, was du bei den Dämonenbeschwörungen besonders wichtig finden wirst. Denn falls man Angst zeigt, wird sich der Dämon gegen dich wenden. Der dunkle Magier muss immer die Kontrolle über alles haben und er steht sozusagen in der Mitte seines eigenen Universums. Er alleine kontrolliert alles und entscheidet über alles. Er alleine ist die schöpferische und die zerstörerische Kraft zugleich."

Er schaut zu mir und ich schaue ihm direkt in die Augen. Der dunkle Lord kommt zu mir hinüber und mustert mich.

„Hier ist deine erste Aufgabe, mein Lehrling", sagt er mit einem geheimnisvollen Lächeln. „Du hast deine Übungen gemacht, als du die Kunst der Legilimentik gelernt hast?"

Ich nicke schnell, fühle mich aber ein wenig unwohl, weil ich seit langem diese Übungen nicht gemacht habe.

„Jeden Tag – ohne Ausnahme – wirst du über deinen Tag nachdenken, entschieden, was du morgen tun wirst, und dann wirst du diese und ähnliche Gedanken zur Seite stellen. Dein Geist muss vollkommen leer sein, ehe du einschläfst."

Ich stöhne innerlich. Ich weiß, dass diese Übungen sehr nützlich sind, aber die Wahrheit ist, wenn ich schlafen gehe, bin ich hundemüde, also schlafe ich gleich ein.

„Und da du noch nicht zaubern kannst, wirst du mir heute bei etwas helfen", sagt der dunkle Lord.

Er wendet sich um und geht mit langen Schritten zu seinem Tisch hinüber. Ich richte mich neugierig auf. Wobei könnte ICH dem dunklen Lord helfen?

Er kehrt mit einem Stück Papier in der Hand zurück und überreicht es mir.

„Was siehst du?", fragt er einfach.

Ich blicke über die arithmantischen Gleichungen und runzele die Stirn.

„Das hier...", sage ich langsam, mit meinem Finger auf eine Gleichung deutend. „Das scheint die Gleichung für einen Zauber, der etwas in die Luft jagen soll, zu sein... Aber da bin ich mir nicht sicher, denn es enthält Elemente, die nicht hierher gehören."

„Du hast Recht", sagt Voldemort ernst. Ich schaue schnell auf. Ich habe... Recht? Was? „Das ist ein verbesserter Zauber. Aber du hast seine Wirkung erraten. Gut. Weiter."

Ermuntert schaue ich wieder auf die ordentlich geschriebenen Gleichungen hinunter. Wie kann man nur so ordentlich, wie eine Schreibmaschine schreiben?

„Das hier verstehe ich nicht, diesen Teil hier habe ich noch nie gesehen", sage ich, mit meinem Finger darauf deutend.

Voldemorts Augen glitzern und er lehnt sich zufrieden zurück.

„Hast du je etwas über die Verwendung der rohen Magie gehört?", fragt er. Ich lasse das Papier sinken.

„Ich habe davon gelesen, aber ich habe gedacht, so was sei eine Legende", sage ich unsicher.

„Nur ein Tipp", Voldemort unterbricht mich. „Ein echter dunkler Magier gibt vor sich selbst zu, dass er nicht Recht hatte. Aber er wird es nie laut sagen oder zeigen, selbst wenn er nur unsicher ist."

„Verstehe, mein Lord", sage ich grinsend.

„Nun, es ist keine Legende", sagt Voldemort. „Rohe dunkle Magie existiert. Erinnerst du dich daran, wie du während des Rituals ein wenig Magie in den Kessel fallen lassen hast?"

„Ja", sage ich langsam. Mein Gehirn ist jetzt wie eine Lokomotive, die wie verrückt durch England flitzt und Rauchwolken hinterlässt.

„Ich habe das Ritual teilweise geschrieben, aber ich habe es für mich selbst geschrieben, weil ich wusste, dass ich dazu fähig bin, rohe Magie zu verwenden. Du hast es aber getan ohne, dass du gewusst hast, was du dabei tust. Und dein damaliger Lehrer hat es dir nicht gesagt, weil er sehen wollte, ob du es schaffst. Das hast du."

Ich gaffe Voldemort an. Echt? Ich? Rohe Magie?

„Also, dieser Teil stellt rohe Magie dar", fährt er zufrieden fort, mit dem Finger auf die Gleichung deutend. Seine Finger sind so lang, geht mir durch den Kopf. „Und das?"

„Ein Zaubertrank", sage ich atemlos.

Arithmantik ist verdammt schwer und kompliziert, denn man muss die Bedeutung von allem wissen und zudem Erfahrung mit den verschiedenen Gleichungen haben oder sie auswendig lernen, sodass man sie auf der Stelle erkennen oder benutzen kann. Aber zuzuschauen, wie all diese Formeln und Symbole eigentlich einen Sinn ergeben, wie sie sich vor meinen Augen in eine Geschichte verwandeln, ist phantastisch.

„Sehr gut", sagt Voldemort und nimmt das Papier weg. „Der Zaubertrank wird auch dabei verwendet. Das, mein Lehrling, ist ein Teil meines Plans für den Angriff auf Azkaban. Und du wirst mir dabei helfen. Zuerst möchte ich, dass du diesen Trank braust."

Mit dem Rezept in meiner Tasche mache ich mich auf den Weg in die Kerker, wo sich ein Labor befindet. Ich überlege mir, ob ich Draco holen sollte, denn er ist darin viel besser als ich, aber ich weiß nicht, ob es Voldemort gefallen würde, dass ich Hilfe dabei hatte. Das scheint ein Teil von seinem Unterricht zu sein, obwohl das Ergebnis ihm von Nutzen sein wird.

Ich grinse, als ich einen Kessel mit Wasser fülle und meine Hand hebe, um das Feuer anzuzünden. Ich halte inne. Ich habe wieder vergessen, dass ich nicht zaubern darf. Und gestern habe ich auch gezaubert. Stablos, zugegeben, aber ich habe vergessen, dass ich mich noch immer inmitten eines Erholungsprozesses befinde. Ich verziehe das Gesicht und schüttele den Kopf. Ein paar Zauber pro Tag werden mich nicht umbringen. Außerdem fühle ich mich ausgezeichnet. Ich sollte öfter Menschen foltern und Nächte mit Draco in meinem Bett verbringen. So würde ich gewiss keine Gesundheitsprobleme mehr haben.

Da höre ich ein leises Geräusch und halte mitten im Wurzelschneiden inne. Da, bei dem Regal mit den Zaubertrankzutaten, erscheinen zwei gelbe Augen.

„Nagini!", rufe ich laut, wieder zum Trank blickend. Ich möchte ihn ja nicht vermasseln.

Die Umrisse des kräftigen und im Kerzenlicht glühenden Körpers der Schlange werden klarer und klarer.

~Mächtige Morgana, was ist nur los mit dir?~, frage ich, mich bei ihr niederlassend.

Die Schlange betrachtet mich mit einem Ausdruck, der beinah als beleidigt bezeichnet werden kann.

~Der Junge ist ganz schön frech~, erwidert sie hochnäsig. ~Möchte er sagen, dass ich schlecht aussehe?~

~Ja!~, sage ich schnell. Die Schlange stellt sich genervt auf und die gelben Augen durchbohren mich. Nagini ist eine wirklich große Schlange... ~Ich mein, nein, Nagini, du siehst so wunderschön aus wie immer, aber ich wollte sagen... ein wenig anders.~

Die Schlange mustert mich mit ihren gelben Augen für ein paar Momente, als wolle sie feststellen, ob ich sie anlüge. Frauen, geht mir durch den Kopf. Man darf ihnen nie sagen, dass sie schlecht aussehen. Das hätte ich schon lernen sollen, aber leider habe ich keine Freundinnen, an denen ich etwas über den Umgang mit Frauen im Allgemeinen lernen könnte. Hermine zählt nicht, denn ich habe ihr schon oft gesagt, dass sie entweder etwas im Gesicht hat oder dass sie schlecht aussieht, und sie schien nicht beleidigt zu sein.

~Das sollte ich auch, Junge~, sagt Nagini. ~Ich bin gereist. Und noch dazu habe ich Eier gelegt. Das war sehr anstrengend für mich und ich freue mich schon auf ein paar Tage Ruhe.~

~Du bist gereist?~, frage ich ungläubig, im Trank rührend. ~Wie denn?~

~Ich bin eine Bestie aus Metall geritten, die sich sehr schnell bewegt, und du warst drin. Ich bin dir gefolgt~, sagt Nagini ernst.

Ich pruste los. Also hat sie sich in den Hogwarts Express geschlichen und ist auf diese Weise nach London gekommen. Das erklärt aber nicht, wie sie zum Malfoy Manor gelangt ist.

~Ich wollte meinen Meister sehen~, fährt sie fort, ehe ich die Chance habe, sie zu fragen, wie sie hergekommen ist. ~Und ich habe ihn heute morgen gefunden.~

~Gut für dich~, sage ich, die Wurzel in den Kessel werfend. ~Hast du Hunger? Kann ich etwas für dich tun?~

~Nein, mein Meister kümmert sich um mich~, erwidert sie pompös. ~Ich wollte dir aber sagen, dass du bald deinen Gefährten haben wirst.~

~Es freut mich, das zu hören~, sage ich lächelnd, die nächste Zutat mit dem Messer zerteilend. ~Und ich bin mir sicher, dass er oder sie so kräftig und so schlau sein wird wie du.~

~Du hörst dich auch ziemlich schlau an~, erwidert die Schlange. ~Bist du dir sicher, dass du kein Schlangenblut hast?~

~Nun, ich spreche deine Sprache~, sage ich achselzuckend. Nagini ist echt lustig.

~Das stimmt~, meint die Schlange zufrieden. ~Also hast du doch etwas Schlangenblut. Das freut mich. Ich bin müde, Lehrling meines Meisters. Ich gehe schlafen.~

Sie ist weg. Ich kichere und schüttele den Kopf. Ich kann es kaum abwarten, Dumbledores Gesichtsausdruck zu sehen, wenn ich mit Naginis Nachkomme in der Schule auftauche.

Glücklicherweise war der Trank überhaupt nicht schwer zu brauen. Was mich aber beschäftigt, ist die Frage, wozu er gut ist? Denn allem Anschein nach ist er nicht zum Trinken bestimmt. Nun ja, das ist wohl nicht mein Problem. Ich gieße die grüne Flüssigkeit in eine Phiole und verkorke sie.

Ich finde Voldemort in seinem Zimmer und er sitzt noch immer hinter dem Schreibtisch und kritzelt. Der Mann ist unermüdlich. Woran arbeitet er denn jetzt?

„Mein Lord, ich bin fertig", sage ich, die Phiole hochhaltend.

„Sehr wohl", sagt er abwesend. „Stell den Trank auf den Tisch."

Ich tue wie angewiesen und werfe einen Blick auf seine Arbeit. Schon wieder Gleichungen.

„Darf ich fragen, woran Ihr arbeitet?", frage ich. „Kann ich helfen?"

Voldemort legt die Feder ab und schaut mich nachdenklich an. Er neigt den Kopf zur Seite.

„Ich arbeite an Schutzzaubern", sagt er. Ich habe nicht erwartet, eine Antwort zu bekommen und ich ziehe die Augenbrauen in die Höhe. „Da ich hier für eine Weile wohnen werde, möchte ich, dass das Haus gut geschützt ist."

Aber natürlich. Mir ist nicht entfallen, dass er nirgendwo hingehen kann. Er sitzt fest bei den Malfoys und Lucius stört es vielleicht nicht, Narzissa aber...

„Darf ich etwas vorschlagen?", frage ich leise.

Unsere Blicke treffen sich. Der berüchtigte dunkle Lord und der Goldjunge mustern sich gegenseitig und die Wirklichkeit kommt mir in diesem Moment peinlich real vor. Hätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, ich würde jetzt mit dem dunklen Lord in einem Raum stehen und ruhig mit ihm plaudern, hätte ich gelacht, bis ich blau im Gesicht gewesen wäre.

„Ich habe ein Haus von meinen Großeltern geerbt", sage ich, den Blick senkend. Aus irgendeinem Grund finde ich seinen durchbohrenden Blick ziemlich beunruhigend. „Und ich würde es Euch gerne übergeben."

Voldemort lehnt sich auf seinem Stuhl zurück und mustert mich. Ich spüre Druck an meinen mentalen Schilden und ich erlaube ihm Zugang. Früher oder später würde er es herausfinden... Besser früher.

„Black", zischt er.

„Er ist kein Problem", sage ich schnell.

Voldemort steht so schnell auf, dass ich unbewusst ein paar Schritte zurück weiche. Er kommt auf mich zu und greift nach meinem Kinn, auf gleiche Weise, wie Tom es schon unzählige Male getan hat. Die dunklen Augen bohren sich in meine und ich schlucke kräftig.

„Wie kommt es", murmelt er, „dass du, der allem Anschein nach keine Reue oder Empathie empfindest, in diesem Fall Mitleid mit ihm hattest? Erkläre es mir, Harry Potter."

Es ist ein wenig schwer, zu denken, wenn du mein Kinn so fest drückst und mich mit deinem Blick durchbohrst.

„Irgendwohin musste er gehen", gelingt es mir zu sagen. „Und da er den Plan von Azkaban zeichnen musste, hat er einen Ort zu diesem Zweck gebraucht. Da das Haus leer steht, habe ich ihm angeboten, dorthin zu gehen."

„Also würde es dich nicht stören, wenn ich ihn töte?", fragt Voldemort leise.

Töten? Warum denn? Black kann uns – mir – nur helfen.

„Bei allem Respekt, mein Lord, stellt er keine Gefahr dar. Er möchte mir helfen und ich möchte Euch helfen. Und ich habe eigentlich gedacht..."

„Du solltest nicht darüber nachdenken!", zischt Voldemort und drückt noch fester. Ich presse die Lippen zusammen. „ICHwerde darüber nachdenken, ob er für etwas gut ist oder nicht! Verstehst du? Und ich frage dich wieder – was wenn ich entscheide, ihn zu töten?"

Ich atme tief ein und verliere mich in den Tiefen dieser dunklen Augen, die mich magisch anziehen. Eigentlich ist es Voldemorts Magie, die mich anzieht. Das ist mir in wenigen Tagen klar geworden. Unsere Magie mischt sich, als wir uns so nahe stehen und seine Magie ist ein tobender Sturm, ein geflüstertes Versprechen von Macht, ein süßes Geheimnis... Und ich kann verstehen, dass manche Voldemorts Macht mit der Macht der Dunkelheit gleichsetzen könnten.

„Ich würde Eure Entscheidung ohne ein einziges Wort akzeptieren", sage ich durch meine Zähne.

Voldemort überprüft meine Worte, indem er kurz in meine Gedanken eindringt und nach ein paar Sekunden lässt er mich los.

„Gehorche mir und tue was ich dir sage, lerne fleißig", sagt er, sich umwendend. „Und du wirst weit kommen, Harry Potter. Vertraust du mir?"

Ich starre seinen Rücken an und nicke schnell. Es ist die Wahrheit. Tom ist ein Teil von ihm und Tom habe ich immer vertraut, auch wenn ich manchmal seine Gründe nicht verstehen konnte. Ich denke noch immer, dass es eine Verschwendung von Leben wäre, Black zu töten, denn er ist ungefährlich und kann uns nur von Nutzen sein, aber na ja. Voldemort hat wohl seine eigenen Vorstellungen von dem, was ein Hindernis darstellt und was nicht. Ich kenne den Mann ja nicht. Er war einmal ein Freund meines Vaters, aber das ist alles. Und Voldemort... wird mir das Wissen und die Macht geben, wonach ich mich sehne.

„Ja, mein Lord", sage ich leise.

„Gut", sagt er und setzt sich an den Schreibtisch. Er mustert mich billigend. „Ich habe dich als meinen Lehrling akzeptiert und ich werde mich entsprechend benehmen. Trotz dem, was die Hellmagier über mich denken, halte ich mich an mein Wort. Ich bin für dich verantwortlich und ich werde dich unterrichten. Aber wir müssen uns gegenseitig vertrauen."

„Ich vertraue Euch, mein Lord", sage ich leise.

„Ich nehme dein Angebot an", sagt er, die Feder wieder in die Hand nehmend. „Schmeiß Black raus und dann komm zurück zu mir. Wir werden zusammen dein Haus besuchen."

Ich verbeuge mich leicht und verlasse den Raum. Das ist ziemlich gut gelaufen. Obwohl er über Black Bescheid weiß, haben wir noch nicht darüber gesprochen. Eigentlich denke ich, dass es ziemlich doof wäre, ihn zu töten, denn der Mann hat ihm ja nichts angetan und stellt keine Gefahr dar, aber Voldemort ist paranoid. Was soll ich jetzt mit Black tun? Zuerst sollte ich ihn besuchen. Vielleicht könnte ich Draco mitnehmen? Ich sollte Narzissa mitteilen, dass ich ausgehe.

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Ich finde sie im Garten. Sie überwacht die Arbeit der Elfen, die Tische und Stühle im Garten aufstellen. Wird das Julfest hier stattfinden? Es ist ein wenig frisch draußen...

„Oh, Lucius wird ein paar Wärmezauber dafür benutzen", sagt sie lächelnd, als ich meine Gedanken laut ausspreche. „Und Fackeln werden dafür sorgen, dass die Wärme drin bleibt. Ich wollte eigentlich ein großes Zelt haben, aber Lucius wollte davon nicht hören. Er denkt, die Menschen sollen die Schönheit unseres Gartens genießen."

Sie legt eine Hand auf meine Schulter und nickt billigend, als die Elfen Tische durch die Küchentür schweben lassen.

„Narzissa, da gibt es etwas, was ich dir sagen muss", fange ich leise an.

Ich erzähle ihr schnell von den Ereignissen und sie hört aufmerksam zu. Sie kann aber ihre Erleichterung nicht verbergen, als ich ihr mitteile, dass der dunkle Lord mein Angebot angenommen hat.

„Jetzt gibt es bestimmt viel Arbeit für ihn", sagt sie leise. „Und er würde sich sicherlich wohler fühlen, wenn er ein ganzes Haus für sich selbst hätte. Schließlich haben wir Gäste zum Julfest... Hoffentlich stört es ihn nicht, Lucius hat mit ihm darüber gesprochen und er hat nein gesagt... Aber trotzdem. Das war sehr großzügig von dir, Harry."

Sie lächelt mich an und ich grinse zurück. Ist es das, wie es sich anfühlen sollte, eine Mutter zu haben? Denn es fühlt sich gut an. Narzissa stört mich nicht bei meiner Arbeit und gibt mir was auch immer ich brauche. Aber zur gleichen Zeit bietet sie mir ihre Freundschaft und Wärme, falls und wenn ich sie brauche. Es ist ein schönes Gefühl. Sie ist nicht wie andere Mütter, sie versucht niemanden zu kontrollieren und mit ihrer Liebe zu ersticken. Sie ist einfach da, wenn man sie braucht. Aber sie lässt einen machen, was man will. Sie ist jedoch eine dunkle Magierin und ihre Vorstellungen von dem, was richtig und falsch ist, unterscheiden sich von anderen.

„Ich muss Black holen, aber ich weiß nicht, was ich mit ihm tun soll", sage ich. „Und außerdem möchte ich mit ihm reden."

„Ich werde mit Lucius sprechen", sagt Narzissa nach einer Pause. „Es wäre das Beste, wenn er herkommt."

Ich schaue sie verwundert an. Lucius wird Zustände kriegen, wenn er das hört. Zuerst redet Narzissa mit dem Mann, dann ist er dazu gezwungen, Hermine zum Julfest einzuladen und schließlich das. Er wird sein gut gepflegtes Haar ausreißen, schreiend davon laufen und in mein Haus in Schottland zusammen mit dem dunklen Lord einziehen.

„Wenn du meinst", murmele ich. „Darf Draco mitkommen?"

„Draco ist noch immer mit Lucius im Ministerium", erwidert Narzissa kopfschüttelnd. „Aber vermutlich kommen sie bald nach Hause."

„Hast du irgendeine Vermutung, was sie da treiben?" frage ich neugierig.

„Nun, Lucius wollte ihn ein paar wichtigen Menschen vorstellen", sagt sie leise und starrt in die Ferne. Sie lächelt mysteriös. „Lucius hat mir von seiner Entscheidung erzählt. Es freut mich."

Ich denke über die letzte Nacht nach und ein Grinsen stiehlt sich auf mein Gesicht, das Narzissa nicht entgeht.

„Die Parkinsons sind zwar sehr einflussreich, aber das Mädchen hat mir nie gefallen. Sie ist keine echte dunkle Magierin und ihr fehlen Manieren. Draco verdient jemanden besseren als sie."

„Und derjenige soll ich sein?" frage ich belustigt.

„Ich weiß, dass deine Vergangenheit immer in Frage gestellt werden wird, aber du bist sein Lehrling. Das spricht Bände, Harry."

„Danke", sage ich leise. „Ich habe Draco gerne."

Narzissa zieht mich näher an sich und ich erkenne Anzeichen von Sorge, aber sie sagt nichts dazu. Sie weiß, dass bald ein Krieg ausbrechen wird und dass ich kämpfen werde, aber sie entscheidet, ihre Sorgen nicht zu äußern. Und dafür bin ich ihr dankbar, denn momentan brauche ich so was nicht. Ich habe schon genug am Hals.

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Ich drücke gegen die eiserne Pforte und folge dem schmalen Pfad zu meinem Haus hinauf. Das Haus wurde einmal von meinem Großvater gekauft, aber da meine Eltern nicht in diesem Haus wohnen wollten, weil es ja so isoliert ist, hat es seit dem Tod meines Großvaters leer gestanden. Die Elfen haben gute Arbeit geleistet, seit ich zuletzt hier war.

Die Elfe, die sich schon früher um das Haus gekümmert hat und die ich auch geerbt habe, öffnet die Tür und sinkt in eine tiefe Verbeugung.

„Meister ist da", piepst sie aufgeregt. „Higgy ist so froh!"

„Kipp doch nicht vor Aufregung um", sage ich mit einem hämischen Lächeln. „Wo ist mein Gast?"

„Herr Black ist hier entlang", sagt Higgy, die mich vor Freude hüpfend in den Speisesaal führt.

Ich mustere die Eingangshalle kritisch. Mein Großvater war allem Anschein nach ein Weißmagier. Aber es hängen keine Familienporträts an den Wänden. Jetzt ist es wohl zu spät, Änderungen im Haus vorzunehmen, und ich bezweifele, dass Voldemort es wollen würde, dass man am Haus arbeitet, während er in seinem Arbeitszimmer hockt. So wie ich ihn kenne, wird er es lieber selbst erledigen.

Black sitzt am Tisch und isst, blickt jedoch auf, als Higgy mich hinein führt. Er steht schnell auf, seinen Mund abwischend.

„Harry", sagt er überrascht und streckt seine Hand aus.

Seit wir uns zuletzt gesehen haben, hat er sich drastisch verändert. Er wirkt gepflegt und gesund. Zumindest gibt es keine ungesunde Blässe in seinen Wangen, aber Narzissa hat ja gesagt, dass er viel Zeit im Garten verbringt. Allem Anschein nach schätzt er die physische Arbeit nach all den Jahren, die er in Azkaban eingesperrt verbracht hat.

Ich schüttele ihm die Hand und wir setzen uns zusammen an den Tisch. Ich gieße mir etwas Tee ein und Higgy verlässt, außer sich vor Freude, den Speisesaal mit meinem Umhang in Hand. Hauselfen sind komische Kreaturen... Ich muss wohl Hermine danach fragen, schließlich weiß sie mehr über sie als ich. Hermine denkt, die Hauselfen werden schlecht behandelt und sie setzt sich für sie ein. Aber nach dem zu beurteilen, was ich gesehen habe, genießen die Hauselfen ihre Arbeit und mögen es, den Menschen zu dienen. Ich sollte sie von Dobby weg halten.

„Du siehst viel besser aus", stelle ich unnötigerweise fest.

„Harry, ich kann mich nicht genug bedanken..."

„Lass es", sage ich abwinkend. „Ich habe deine Zeichnung bekommen und sie dem dunklen Lord gegeben."

Black schaut mich vorsichtig an.

„Also, du wirst in Malfoy Manor einziehen", sage ich, an meinem Tee nippend. „Denn ich gebe dieses Haus dem dunklen Lord. Er braucht Ruhe und Narzissa hat gerne Gäste, also wäre es besser für beide Seiten. Hier kann er tun, was er will und außerdem ist der Standort des Hauses gut."

Black schluckt seine Kartoffeln runter und mustert mich.

„Und Lucius? Er ist kein Fan von mir", sagt er leise.

„Narzissa hat sich um alles gekümmert."

„Harry, es ist in Ordnung, ich kann wieder im Wald schlafen, es macht mir nichts aus", sagt er, mich traurig anschauend.

„Narzissa möchte, dass du kommst", sage ich überrascht. Warum würde er im Wald schlafen wollen, wenn er in Malfoy Manor wohnen kann?

„Ich sollte sie selbst danach fragen", murmelt Black.

„Dazu ist keine Zeit", zische ich. „Der dunkle Lord möchte das Haus heute schon leer haben."

Als Black mich mustert, gibt es Spuren von Sorge in seinen Augen.

„Du stehst ihm nahe, oder?", fragt er leise.

„Ich bin sein Lehrling", antworte ich durch meine Zähne, den Blick nicht abwendend.

„Bist du... bist du ein Todesser?", hakt er nach.

Ich mustere ihn kalt und ziehe meinen Ärmel nach oben. Blacks Augen weiten sich und er flucht in seinen Bart. Er sieht entsetzt und traurig zugleich aus. Aber irgendwie scheint es, als hätte er es schon erwartet.

„Aber das ist irrelevant", sage ich kühl. „Du sollst nach dem Abendessen mitkommen."

Black nickt nur und schluckt kräftig. Als er wieder aufblickt, sehe ich Tränen in seinen Augen. Ich mustere ihn unbeeindruckt.

„Ich hatte keine Ahnung, dass du einen dunklen Kern hast", flüstert er, sich das Gesicht abwischend. „Versteh mich nicht falsch, ich habe nichts gegen dunkle Magie. Deine Eltern schon, aber das ist wohl eine andere Geschichte. Ich verstehe es und ich weiß, dass es falsch ist, gegen deine eigene Natur und gegen dein Blut zu kämpfen. Aber ich denke nicht, dass man aus diesem Grund ein Todesser werden und sich IHM anschließen muss."

„Warum hast du also deine Herkunft verleugnet?", frage ich neugierig. Ich habe nicht die Absicht, mich vor ihm zu rechtfertigen. Meine Entscheidungen sind meine eigenen und keiner sollte sie in Frage stellen. „Wenn dir klar ist, dass die dunkle Magie in deinem Blut ist?"

„Ich... ich konnte sie nicht benutzen", antwortet Black. „Mein Bruder... er war ein Todesser. Meine Eltern waren so stolz auf ihn..." Er schüttelt den Kopf. „Er wurde ermordet. Nachdem ihm das dunkle Mal eingebrannt wurde, wurde er zu einer Art Familienheld. Meine Mutter war von der dunklen Magie und unserer Herkunft besessen...Sie hat uns beinah dazu gezwungen, die dunkle Magie zu erlernen und ich wusste, falls ich ihr sage, ich wolle die dunkle Magie nicht benutzen, dass meine Familie mich enterben und mich rausschmeißen würde. Aus diesem Grund habe ich meine Familie früh verlassen."

„Also war es eine Art Rebellion", sage ich nickend. „Ich verstehe."

„Am Anfang, ja", sagt Black. „Aber später ist mir klar geworden, dass ich die dunkle Magie wirklich nicht benutzen will. Das war meine eigene Entscheidung."

„Auch wenn sie in deinem Blut ist?", frage ich verwirrt.

Black zuckt nur mit den Schultern. Vielleicht ist er zu schwach, um ein dunkler Magier zu sein. Schließlich sind dafür Kraft und Wille erforderlich. Aber Black kommt mir nicht wie ein Feigling oder Schwächling vor. Vielleicht ist der Einfluss meiner Eltern dafür verantwortlich? Vielleicht haben sie ihm eingeredet, dass die dunkle Magie etwas Böses sei? Oder ist Blacks Mutter dafür verantwortlich, weil sie ihm ja ihre Ansichten und die dunkle Magie aufgezwungen hat?

„Nun, es wird dich freuen, dass ich deine Unschuld bestätigt habe", sage ich, mich zurücklehnend. „Ich habe mit Pettigrew gesprochen und ich habe die Wahrheit aus ihm herausgekitzelt. Er wurde von jemandem bezahlt, dir einen Mord anzuhängen. Und ich denke, dass wir beide wissen, wer dieser jemand ist."

Blacks Augen blitzen auf und werden so lebendig wie noch nie. Dieser Schatten, der immer in seinen Augen anwesend war, seit er aus Azkaban geflohen ist, ist jetzt nicht mehr da. Stattdessen brennt da eine zerstörerische Flamme.

„Hast du einen Beweis?", fragt er leise. Sogar seine Stimme zittert vor Wut. Ich schüttele den Kopf und zucke mit den Schultern.

„Wer wollte, dass du in Azkaban landest?", frage ich zornig. „Wer wollte dich vertreiben? Wer wollte, dass ich bei den Muggeln aufwachse?"

Black steht schnell auf und die Gabel fällt klappernd zu Boden. Ich schaue belustigt zu, als er durch den Speisesaal tigert, Zorn in seinen Augen brennend.

„WAS HAT ER SICH DABEI GEDACHT?", brüllt er auf einmal. Ich grinse breit. Es ist eine gute Abwechslung, ihn zornig zu sehen. „Ich habe seinetwegen Jahre in Azkaban verbracht, ok, damit kann ich mich abfinden, obwohl es mich natürlich stört, und vielleicht könnte ich ihm das verzeihen. Aber, dass er bereit war, so weit zu gehen, das hätte ich mir nie vorstellen können. Und deine Eltern und ich haben ihm vertraut. Sie würden sich im Grab umdrehen, wenn sie es nur wüssten."

„Möchtest du mir bei dem Mord helfen?", frage ich lächelnd, mit meinem Löffel spielend. Denn momentan sieht er so aus, als würde er gerne dabei helfen.

Black wirbelt herum und mustert mich.

„Harry, du bist erst dreizehn", murmelt er. „Es ist ein wenig zu früh, um deine Hände blutig zu machen."

„Ist schon geschehen", sage ich achselzuckend. „Was das angeht, bin ich keine Jungfrau mehr."

Er schaut mich durch seine dunklen Haarsträhnen an und ich muss zugeben, dass sein Haar, sein Aussehen im Allgemeinen und sein Zorn ihn ziemlich angsteinflößend machen.

„Wen hast du getötet?", fragt er mit einer hohlen Stimme.

„Meine Verwandten", antworte ich kühl.

Black richtet sich langsam auf und mustert mich. Entsetzen wird durch Traurigkeit ersetzt und er blickt auf seine Schuhe hinunter.

„Und das Haus wurde niedergebrannt und die Leichen wurden nicht gefunden", murmelt er. „Hast du das getan?" Ich nicke nur.

Kommentarlos kehrt er wieder zu seinem Stuhl zurück und vergräbt sein Gesicht in den Händen.

„Ich sehe ein, dass du dich schon für einen bestimmten Lebensstil entschieden hast und was auch immer ich sage, es wird keinen Unterschied machen. Oder?" Ich schüttele den Kopf. Er nickt betrübt und reibt sich die Stirn.

„Ich helfe dir", sagt er leise. „Was auch immer du brauchst... ich helfe dir. Mir ist bewusst, dass ich dadurch auch dem dunklen Lord helfe, aber das ist mir egal. Ich möchte DIR helfen."

„Stehst du zu ihm? Falls er das möchte? Schließlich bist du ein dunkler Magier, ob du es akzeptieren möchtest oder nicht", frage ich, mit einem Schimmer von Hoffnung. Das würde einiges vereinfachen.

„Ich...", fängt er an, stockt und seufzt. „Ich weiß nicht, welche Seite die richtige Seite für mich ist. Denn wenn man Dumbledore als den Vertreter des Lichtes betrachtet, möchte ich keinesfalls daran teilnehmen. Er hat alle Prinzipien und alles, woran das Licht glaubt, verraten und zerstört. Aber zur gleichen Zeit ist mir natürlich klar, dass Dumbledore nicht das Licht darstellt, sondern die Hellmagier."

„Du musst nicht gleich antworten", sage ich gelassen. „Denke darüber nach. Aber denke auch darüber nach, was du als Todesser tun würdest. Bist du dafür bereit?"

„Bist du dafür bereit?", fragt er leise und schaut mich fassungslos an. Sein Zorn ist verraucht und jetzt sieht er ein wenig müde aus.

„Ich trainiere und lerne jeden Tag", antworte ich. „Ich gebe mein Bestes, dafür bereit zu werden."

„Das ist es nicht, was ich gemeint habe", murmelt Black und mustert mich besorgt. „Du bist dreizehn. Bist du bereit, zu kämpfen?"

Ich nicke sofort und meine Züge verhärten sich.

„Zu töten?", beinahe flüstert er.

„Was getan werden muss, wird getan werden", sage ich ruhig, wieder mit dem Löffel spielend.

Black senkt den Blick und presst die Lippen zusammen.

„Ich stehe zu dir. Auch wenn ich nicht da sein konnte, als du mich wirklich gebraucht hast. Also werde ich es jetzt tun. Hoffentlich ist es nicht zu spät."

Er hebt den Blick und er wird sanfter.

„Mir ist zwar übel, wenn ich daran denke, was du vorhast", sagt er leise. „Aber ich möchte dir helfen und werde dich nicht verlassen."

Vielleicht gibt es doch Hoffnung für ihn.

„Abgemacht", sage ich breit grinsend. „Bist du fertig? Gehen wir?"

„Mir gehört sowieso nichts", murmelt Black, der den Teller von sich weg stößt. „Wir können gehen."

/Blacks Sicht

Da gibt es nichts, was ich für ihn tun kann. Ich hatte genug Zeit, um darüber nachzudenken und Narzissa hat mir viel über Harry erzählt. Laut ihr ist er von der dunklen Magie besessen und ihn interessieren gefährliche Sachen. Ich habe am Anfang gedacht, es sei die Sucht, die anstatt ihm spricht. Aber er hat dieses Ritual ausgeführt und der dunkle Lord ist auferstanden. Und das, was ich heute gesehen und gehört habe, beweist, dass er tief eingetaucht ist und dass er es ernst meint. Er ist erst dreizehn; aber es ist Dumbledores Schuld, dass er nie die Chance hatte, Kind zu sein. Er musste viel zu schnell wachsen und jetzt benimmt er sich auch wie ein Erwachsener. Er trifft seine eigene Entscheidungen und möchte nicht, dass man sich in sein Leben einmischt, was ich nach dem, was passiert ist, sehr gut verstehen kann. Er möchte nicht, dass ich mich in sein Leben einmische, also falls ich irgendetwas dagegen sagen würde, würde es überhaupt keinen Unterschied machen, könnte aber alles noch schlimmer machen. Auf diese Weise habe ich wenigstens sein Vertrauen und er wird mich nicht aus seinem Leben schmeißen.

Aber es tut mir leid und es macht mich so wütend, zu wissen, zu was er hätte werden können, falls Dumbledore und der dunkle Lord sich nicht eingemischt hätten. Und meiner Meinung nach sind sie beide schuld. Seine Verwandten haben ihn so gequält, bis er sie letztendlich getötet hat. Auf einer Seite verstehe ich, was ihn zu solch einer verzweifelten und radikalen Lösung angetrieben hat; aber auf der anderen Seite bin ich von dem, was er getan hat, angeekelt und entsetzt. Er hat ein – nein, zwei! – Leben genommen, als er erst dreizehn war. Als ich zweiunddreißig war, haben Potter und ich ein paar dunkle Magier gefangengenommen und ich kann mich so gut daran erinnern, als wäre es gestern. Wir haben gekämpft und natürlich kann man im Kampf nicht aufpassen, was alles passiert. Aber einer von ihnen ist meinetwegen gestorben und diese Tatsache werde ich lebenslang bereuen. Harry ist aber erst dreizehn und schon jetzt hat er Blut an seinen Händen. Es ist einfach falsch. Er ist ein Kind und er wird sich eines Tages damit abfinden und wird mit den Folgen seiner Taten sein ganzes Leben lang leben müssen. So was kann man nicht vergessen oder einfach verschwinden lassen. Wenn man jemanden ermordet hat, wird man für den Rest des Lebens als Mörder abgestempelt. So was zerstört die Seele.

Und doch habe ich all das runtergeschluckt und ihm meine Hilfe angeboten. Ich habe ihm in die Augen geschaut und ich habe gewusst, dass es ihm nicht Leid tut. Vielleicht begreift er noch nicht, was er getan hat. Vielleicht wird er es begreifen, falls es ihm je gelingt, Dumbledore zu töten. Ich habe so den Eindruck, dass er einfach leer ist; dass er innerlich kalt und leer ist und dass die dunkle Magie teilweise diese Leere füllt. Ich kenne das Gefühl, schließlich haben mich meine Eltern jahrelang dazu gezwungen, die dunkle Magie zu üben. Sie verleiht einem das Gefühl von Macht und Unbesiegbarkeit und vielleicht ist es genau das, was ihm fehlt, was diese Leere in ihm füllt und ihn vollkommen macht. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis er zusammenbricht. Er wird mehr und mehr wollen und in gewissem Sinne kann ich auch verstehen, warum Bellatrix mit dem Foltern nicht aufhören konnte. Aber irgendwann zerbricht etwas tief in der Seele und man wird sich klar, dass man trotz all der dunklen Magie, trotz all der Macht, noch immer alleine und leer ist. Hoffentlich werde ich ihm helfen können, ehe das passiert.

Das sind Lilys Augen... Aber ihre Augen waren so freundlich, so liebevoll, so voller Leben... Harrys Augen sind einfach eiskalt und es zerreißt mir das Herz. Als er mir das dunkle Mal gezeigt hat, wurden meine schlimmsten Vermutungen bestätigt. Er wiederum hat weder stolz, noch glücklich gewirkt. Und ich frage mich, was ihm diese verdammten Muggel angetan haben, dass sie einem Kind die Lebenslust und Freude geraubt haben. Ich frage mich, ob sein Lächeln je wieder warm und freundlich sein wird und ob er je wieder glücklich sein kann.

Also der dunkle Lord unterrichtet ihn. Auf eine ganz verrückte Weise beweist das etwas, denn er hat nie und nimmer jemanden unterrichtet. Niemand war es würdig, sein Lehrling zu sein. Harry aber schon. Und was auch immer ich vom dunklen Lord halte, eins ist sicher. Er ist ein mächtiger Magier und wenn er ihn tatsächlich als seinen Lehrling aufgenommen hat, bedeutet das etwas. Die Verbindung zwischen einem Lehrer und einem Lehrling kann nicht gebrochen werden. Auch wenn er Harry auszunutzen oder ihn töten wollte, hätte er es schon tun können. Vielleicht hofft er, dass Harry Dumbledore töten wird und dann hat er vor, ihn loszuwerden? Wie kann er nur hoffen, dass Harry das gelingt, was ihm nie gelungen ist?

Ich wiederum sollte meine Gedanken für mich behalten und Harry in seinem Vorhaben unterstützen. Für ihn da sein. Denn das ist der Grund, warum ich aus Azkaban geflohen bin, oder?