Für alle: So – ich habe ewig nicht mehr hochgeladen. Das hat zwei Gründe. Zum ersten stecke ich mitten in wichtigen Prüfungen (Die Vorbereitungen dazu sind jetzt nahezu abgeschlossen) und zum andern bin ich umgezogen und besitze zurzeit kein Internet mehr. Ich fühle mich quasi von der Welt abgeschnitten. Ich hoffe aber, dass ich jetzt wieder etwas mehr zum Schreiben komme und dann werde ich natürlich wieder mehr hochladen. Es könnte allerdings passieren, dass ich längere Kapitel in größeren Zeitabständen liefere. Bitte köpft mich nicht.
Culain: Richtig – das ist klischeehaft. Und zwar mit voller Absicht. Als Kind habe ich wahnsinnig gerne Bücher von den drei Fragezeichen gelesen und in mindestens jedem zweiten gab es ein Kapitel mit dem Titel ‚Gefangen'. Solche Konstanten braucht eine Buchreihe einfach. Und deshalb werde ich mich auch schön an alle diese kleinen Klischees von JKR halten.
ChrissiTine: Dann musst du dein Profil ja nicht ändern – gut für dich :-) Die Diskussion zu schreiben hat mir großen Spaß gemacht, aber ich befürchte, dass Aberforth ein wenig zu sehr wie sein kleiner Bruder rüberkommt. Wie man im Laufe der Geschichte noch mitbekommen wird, sind die beiden nämlich durchaus verschieden.
Slytherin Lord: In Kapitel neun begrüßt Professor McGonagall die Schüler und stellt die neuen Lehrer vor. Der neue Lehrer für Verwandlung ist noch nicht eingetroffen und deshalb unterrichtet sie vorübergehend erst einmal weiter. Inzwischen ist der neue Lehrer da, dass er nicht vorgestellt wurde liegt einfach daran, dass zu diesem Zeitpunkt der Geschichte die Abläufe an der Schule irrelevant sind.
Ewjena: Nach nochmaligem Durchlesen, muss ich sagen, dass es wirklich zu plötzlich endet. Es hat aber einen Grund. Ich wollte Harry die wirklich wichtigen Themen mit Dumbledore (Albus) allein besprechen lassen, da ihm Dumbledore (Aberforth) ja doch noch fremd ist und er ihn nicht vollständig einschätzen kann. Die Frage nach der Länge der Geschichte ist nicht so leicht zu beantworten. Von meinem Gerüst habe ich jetzt etwa ein Drittel abgearbeitet. Aber natürlich kommt es auf die Formulierungen an. In JKR umgerechnet habe ich jetzt etwa 250 Seiten. HBP werde ich toppen, aber an den Orden komme ich wohl nicht ran.
Disclaimer: Nichts von dieser Geschichte gehört mir, außer einigen unbedeutenden Nebencharakteren. Alle Rechte bei J.K.Rowling.
Harry Potter
Die Jagd
Kapitel 27
Überraschung
Es lag ein Ton in der Stimme des alten Zauberers, wie ihn Harry noch niemals gehört hatte. „Severus…bitte…" Er klang verletzlich. Natürlich hatte Dumbledore in seinem Leben oft um etwas gebeten. Auch Harry hatte er schon um Dinge gebeten, doch dies war etwas anderes. Dumbledore flehte! Etwas in seiner Stimme war gebrochen, unwiederbringlich verloren gegangen. Hatte er erst jetzt, im Augenblick seines Todes erkannt, wem er all diese Jahre sein uneingeschränktes Vertrauen geschenkt hatte? Flehte er hier wirklich um sein Leben, oder war es vielmehr die verzweifelte Bitte, sich nicht in Snape getäuscht zu haben?
Harry stand unter dem Tarnumhang verborgen und konnte sich nicht bewegen. Er konnte nicht einmal schreien. Wenn er doch nur eingreifen könnte. Warum nur hatte Dumbledore ihn erstarren lassen. Mit Malfoy wäre er spielend fertig geworden. Er hatte das Überraschungsmoment auf seiner Seite gehabt. Unter dem Tarnumhang wäre er leicht hinter Malfoy gekommen. Und dann wäre es ein Kinderspiel gewesen, ihn zu entwaffnen. Doch jetzt? Jetzt war Snape hier. Was hatte sich Dumbledore dabei gedacht?
„Avada Kedavra!"
Harry sah, wie Dumbledore durch die Luft geschleudert wurde, begleitet von einen fürchterlich grellen grünen Licht. Ein Licht, das so viele der Opfer Lord Voldemorts und seiner Anhänger als Letztes in ihrem Leben gesehen hatten. Dumbledore verschwand in der Tiefe und im selben Augenblick versagte der Klammerzauber, der Harry gefangen gehalten hatte. Harry war frei – und Dumbledore war tot.
Harry konnte sich bewegen. Für einen Moment wollte er sich auf den Mörder seines Mentors werfen, doch er stand nicht mehr auf dem Astronomieturm. Verwirrt blickte er sich um, sogleich verschwand die Erinnerung an die eben gesehen Szene aus seinem Kopf. Sie war noch gar nicht geschehen. Er war außer Atem. Er stand auf steinernen Stufen, bei im lag Neville und unter sich konnte er ein Podium erkennen, auf dem er seinen Paten erkannte, der sich mit seiner Cousine Bellatrix duellierte.
„Komm schon, du kannst es doch besser." Verachtung lag in Sirius' Stimme. Er wollte Bellatrix herausfordern, sie provozieren. Sirius war schon zu seinen Schulzeiten ein exzellenter Duellant gewesen und fühlte sich überlegen. Außerdem war ein wütender Gegner ein schwacher Gegner. Ein Gegner, der sich zu Fehlern hinreißen ließ. Harry konnte nichts tun. Er befand sie viel zu weit vom Geschehen entfernt. Es war faszinierend, Sirius in dieser Weise zu sehen. Als Harry ihn kennen gelernt hatte, war er ein beinahe gebrochener Mann gewesen. Zwölf Jahre Askaban und die ständige Anwesenheit so vieler Dementoren hatten seinen Körper und auch beinahe seine Geist zerstört. Dann war er auf der Flucht gewesen. Stets von der Angst verfolgt, entdeckt zu werden. Letzten Sommer schließlich hatte er sich dem Phönixorden angeschlossen, doch anstatt zu kämpfen, war er gezwungen gewesen, in dem verhassten Haus seiner Vorfahren zu hocken und den Babysitter für den Hauselfen Kreacher zu spielen.
Doch jetzt war er zurück. Quasi das erste Mal, seit er Peter Pettigrew auf dieser Straße gegenüber gestanden hatte, umringt von einem Duzend Muggel, schien er wirklich zu leben. Er hatte einen Zauberstab in der Hand; das und sein unerschütterlicher Glaube, alles erreichen zu können, war alles was er brauchte. Dieses Gefühl war es, was ihm seine Jugend erträglich erschienen ließ, denn es wurde ihm von seinen Freunden verliehen. Und nichts und Niemand würde ihn stoppen, wenn ihn dieses Gefühl durchströmte.
Ein Fluch traf ihn mitten in die Brust. Sein Lachen gefror ihm auf dem Gesicht. Eine Mischung aus Entsetzen und Unglaube durchlief ihn. Aber wie konnte das nur sein? Ganz langsam wankte er zurück. Harry sah ihn durch den steinernen Bogen mit dem zerschlitzten Vorhang verschwinden, der auf dem Podium stand. Er öffnete den Mund um den Namen seines Paten zu schreien.
Und fand sich erneut verwirrt. Sein Mund war wieder geschlossen und seine Umgebung hatte sich geändert. Es war dunkel und sein Bein schmerzte ungeheuerlich. Wieder verblasste die vorherige Szene in seinem Kopf. Neben sich am Boden erkannte er einen glänzenden Gegenstand: den trimagischen Pokal. Urplötzlich durchzuckte ein brennender Schmerz seine Stirnnarbe. So heiß und bohrend, dass er den Schmerz in seinem Bein gar nicht mehr wahrnahm. Er knickte ein und viel keuchend zu Boden. Noch nie hatte seine Narbe so wehgetan. Nicht als Quirrell den Turban abgenommen hatte und auch nicht vor Beginn des Schuljahres, als er von Voldemort und Wurmschwanz geträumt hatte.
Eine Stimme erklang. Sie schien von weit oben zu kommen und es war eine Stimme, die Harry bestimmt niemals wieder vergessen würde. Nichts menschliches lag in ihr und hätte er nicht die Worte verstanden, Harry wäre überzeugt gewesen, dass es kein Mensch oder auch nur ein menschenähnliches Wesen kein konnte, das diese Laute hervorbrachte.
„Töte den Überflüssigen!" Und auf die furchtbar klingenden, gehauchten Worte erklang eine zweite Stimme, krächzend und schrecklich bekannt klingend. „Avada Kedavra!" Etwas flog an Harry vorbei, begleitet von einem Sirren, als wenn ein Pfeil die Sehne einer Armbrust verlassen würde. Harrys Narbe schmerzte noch mehr. Er wollte nicht zu Seite blicken, denn er wusste, was er dort sehen würde. Cedric hatte dort neben ihm gestanden. Und er musste nicht erst das grausige plumpsende Geräusch hören oder das Entsetzen auf dem Gesicht des Siebzehnjährigen Jungen sehen, um zu wissen was gerade geschehne war. Als er einen Moment später die Augen öffnete, die er wegen der Schmerzen hinter seiner Stirn fest zusammen gekniffen hatte, sah er seine Befürchtungen bestätigt. Cedric war tot. Dies war der erste Mensch, den er tot sah, oder?
Noch einmal verspürte Harry Verwirrung. Und als diesmal die Erinnerung verblasste, verschwand mit ihm jedes Wissen und jede Erinnerung, die er jemals besessen hatte. Er lag auf dem Rücken und starrte an eine weiße Decke, die unendlich weit weg zu sein schien. Er fühlte sich glücklich. Zwar wusste er nicht, was Glück war, doch das musste man ja auch nicht, um es zu empfinden. Er hörte Stimmen. Er konnte die Worte nicht verstehen – er wusste nicht einmal, was Worte waren, aber mit den Stimmen verband er Geborgenheit. Er zuckte mit Armen und Beinen und wollte näher bei diesen Stimmen sein, als sie sich plötzlich veränderten. Sie wurden lauter und panischer. Das alles verstand Harry nicht, aber er verspürte eine seltsame Anspannung. Eine Tür wurde aufgerissen. Normalerweise mochte Harry dieses Geräusch, hieß es doch, dass jemand zu ihm kam und er mochte die Nähe derjenigen, die zu ihm kamen. Ein greller grüner Lichtblitz durchzuckte das ganze Haus in dem Moment, als sich jemand über ihn beugte und ihm zulächelte. Dann wandte sich die Person wieder um und begann zu sprechen. Harry verstand die Worte nicht, aber er wollte nicht, dass die Frau so sprach. Sonst war ihre Stimme immer so warm und freundlich. Diesen Ton kannte er nicht und er machte ihm Angst.
Jetzt hörte Harry eine weitere Stimme. Sie war fremd und unangenehm. Auch seine Worte verstand er natürlich nicht. Wieder war da dieser grüne Lichtblitz und die Frau mit den langen roten Haaren und den grünen Augen wurde herumgeworfen. Für einen Moment konnte Harry die Augen der Frau sehen, doch sie sahen anders aus als sonst. Das durchdringende Grün schien gebrochen, dann verschwand sie aus Harrys Gesichtskreis.
Der kleine Junge wollte weinen, doch plötzlich waren all seine Erinnerungen wieder zurück. Er befand sich auf dem Gelände von Hogwarts. Vor ihm sah er, wie weiße Flammen und weißer Rauch ein marmornes Grabmahl um den toten Körper Albus Dumbledores geschaffen hatten.
„So ist das Leben!" Erklang es nehmen ihm. Er sah zur Seite und erblickte einen Mann, der ihm selbst zum verwechseln ähnlich sah. Nur war er älter und es fehlte ihm die blitzförmige Narbe auf der Stirn. Auch hatte er braune statt grüne Augen. In diesem Moment bekam er von hinten einen leichten Klaps in den Nacken. Eine schöne Frau mit langen roten Haaren beugte sich über ihn. „Sei nicht so melodramatisch. Das steht dir gar nicht."
Von Harrys anderer Seite klang ein heiteres Kichern und jemand legte ihm eine Hand auf die Schulter. „So waren sie schon, als wir noch hier zur Schule gingen. Die Lehrer hat James zu Verzweifelung getrieben." Und nach einer kurzen Pause fügte Sirius hinzu. „Und ich habe natürlich auch so meinen Teil dazugesteuert. Ach ja – Harry, der Junge hier geht mir schon die ganze Zeit auf den Geist."
Harry sah an seinem Paten vorbei und blickte in das Gesicht Cedric Diggorys. Er lächelte scheu und irgendwie erschien es Harry nicht richtig, dass er ihn so ansah. Zwar war Harry jetzt selbst beinahe in dem Alter, in dem Cedric gestorben war, doch er hatte ihn immer als drei Jahre älter in Erinnerung behalten. „Danke Harry. Danke, dass du meinen Körper mit zurück genommen hast. Danke, dass du meiner Familie ermöglicht hast, mich zu begraben."
Harry schluckte. Ein furchtbar großer Kloß saß ihm im Hals. Eine einsame Träne trat ihm ins Auge und plötzlich waren auch seine restlichen Erinnerungen wieder da. Noch immer saß er vor Dumbledores Grab, doch jetzt wusste er, dass die Trauerfeier bereits Monate zurücklag. Und das erste Mal seit diesem Tag verspürte er der Drang zu weinen. Er blickte sich um, doch plötzlich war er ganz alleine. Erst, als er wieder nach vorn sah, erblickte er Albus Dumbledore in einen prächtigen blauen Umhang, der ihm freundlich zuzwinkerte.
„Dies ist wieder nur ein Traum."
„Aber natürlich ist er das, Harry. Wie sollte es auch anders sein. Und du musst aufwachen. Es ist wichtig, dass du aufhörst, in der Vergangenheit zu leben. Sieh endlich nach vorn."
Harry starrte ihn an. „Aber wenn ich das gar nicht will?" Eine Träne rann ihm über die Wange. „Was ist, wenn alles was lebendwert war, in meiner Vergangenheit liegt?"
Dumbledore sah ernst aus. Dann nickte er. „Du weißt natürlich, dass jede Antwort, die ich dir gebe, aus deinem eigenen Innern kommt. Du weißt diese antwort also schon. Aber ich werde sie dir dennoch geben. Du glaubst selbst nicht an das, was du gerade gesagt hast. Oder warum träumst du von den Begebenheiten, bei denen dir Leid widerfahren ist. Um deine Eltern zu sehen? Oder Sirius? Das könntest du leichter haben. Nein – du weißt um die Vergänglichkeit der Vergangenheit – oh, diese Formulierung muss ich mir merken." Er lächelte verschmitzt. „Jedenfalls siehst du deshalb den Tod in deinen Träumen. Seinen eigentlichen Schrecken hat der Tod für dich doch schon längst verloren. Und auch das ist eine Gefahr, die du nicht unterschätzen solltest. Aber jetzt habe ich keine Zeit mehr. Ich muss noch in einigen anderen Köpfen herumspuken. Und du musst aufwachen, Harry. Aufwachen Harry! – Harry!"
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„Harry! – wach doch auf!"
Harry schlug die Augen auf, und für einen Moment glaubte er, der Traum habe ihn in eine weitere Zeitebene katapultiert. Er verspürte erneut diese seltsame Verwirrung und er konnte nicht sagen, wo er sich befand. Über ihn gebeugt sah er ein Gesicht, das von langen roten Haaren umrahmt wurde. Mum? Wollte er fragen, doch im selben Augenblick fiel die Verwirrung von ihm ab. Er war aufgewacht und die junge Frau über ihm hatte dunkle statt grüne Augen. Es war nicht seine Mutter – es war…"
„Ginny!"
Auf ihrer Stirn bildete sich eine Falte. „Oh – der Herr erkennt mich."
„Was bei allen guten Geistern machst du hier? Wie bist du hierher gekommen? Und warum überhaupt?"
Ginny saß auf seiner Bettkante und ein leichtes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. „Eins nach dem anderen. Was mache ich hier? – Ich sitze. Wie bin ich hierher gekommen? – Mit einen Wort: Tonks." Bei diesem Wort schaute sich Harry nach allen Seiten um. „Oh keine Sorge – sie hat mich nur hergebracht und ist dann zum Fuchsbau zurückgekehrt. Und zu deiner dritten Frage: Warum bin ich hier?" Ich stemmte sich entrüstet beide Fäuste in die Seiten und sprach mit einer Empörung, aus der Harry ganz deutlich Mrs Weasley heraushören konnte. „Harry Potter – es ist Weihnachten. Du glaubst doch nicht etwa, dass wir dich heute hier allein sitzen lassen? Ich bin quasi als Botschafterin hergeschickt worden und meine Eltern nebst fünf Brüdern, einer Schwägerin in Spe und diversen Freundinnen von eben erwähnten Brüdern haben mir sehr klar zu verstehen gegeben, dass ich ohne dich gar nicht mehr auftauchen musste."
Zischen ließ sie die Luft entweichen und Harry sah deutlich, dass sie diesen Satz eingeübt hatte. „So so – deine Eltern wissen also, dass du hier bist."
„Aber sicher. Sie haben mich ja zu dir geschickt."
„Du willst mir also erzählen, dass deine Mutter weiß, dass du in meinem Schlafzimmer, auf meiner Bettkante sitzt, während ich gänzlich unbekleidet bin?"
Ginny blieb die Antwort im Hals stecken und ein zartes rosa erschien um ihre Nase herum. Doch sofort hatte sie sich wieder im Griff und währen ihr Blick die Bettdecke, unter der sich sein Körper abzeichnete, entlang huschte, sah Harry etwas in ihrem Blick, dass er auch ohne sonderlich viel Phantasie als anzüglich bezeichnen würde.
„Ginny!" Er legte jedes bisschen Entrüstung in dieses eine Wort, das er aufbringen konnte.
„Harry!" imitierte sie perfekt seine Tonlage. „Ich bin sechzehn Jahre alt und kein kleines Kind mehr. Wenn der Großteil meiner Brüder das akzeptieren kann, dann solltest du das auch lernen." Und sie beugte sich zu ihm hinunter und fügte mit einer Stimme hinzu, um die sie Professor Trewlaney beneidet hätte: „Ansonsten muss ich dir noch so einiges beibringen, mein Lieber."
Harry fühlte sich, als ob er von einer Ganzkörperklammer kalt erwischt worden wäre. Das seltsame Wesen, das seit dem Augenblick, an dem er zum ersten Mal Cho Chang bewusst wahrgenommen hatte, in seiner Brust lebte, und dass das gesamte letzte Jahr über seine Kunststücke getrieben hatte, wann immer Ginny in der Nähe gewesen war, schien von innen gegen seinen Oberkörper zu springen und um Auslass zu bitten. Dann begriff Harry, dass es sein Herz war, das wie wild um sich schlug. Aber noch immer konnte er nichts sagen. Er öffnete den Mund, doch nur ein trockenes Krächzen war zu hören.
Ginny lächelte. „Was wolltest du sagen?"
Ja – was wollte er denn sagen? Besser war bestimmt, dass er das was er wirklich sagen wollte, besser nicht sagen würde. Für einen Moment dachte er daran, wie Ron reagieren würde, wenn er sie beide jetzt sehen könnte und das ließ ihn einen Teil seiner Fassung wiedergewinnen. Er riss seinen Blick von Ginnys Augen los und schaute an ihr entlang. Sie trug einen dunklen Pullover, den er noch nie gesehen hatte. Wahrscheinlich war es das übliche Geschenk von Mrs Weasley, und obgleich es aus dicker Wolle gestrickt war, konnte er nicht verbergen, dass Ginny recht hatte: Sie war eindeutig kein kleines Kind mehr.
Harry kämpfte mit sich, doch er konnte nicht verhindern, dass sich ein einzelner Schweißtropfen an seiner Schläfe bildete. Ginny hatte sich soweit über ihn gebeugt, dass er ihr Gewicht auf seiner Brust spüren konnte. Mit diesem Gefühl, dachte Harry bei sich, würde er einen Patronus beschwören können, der alle Dementoren dieser Welt vernichten würde.
Wie hatte es nur soweit kommen können. Während der Trauerfeier für Dumbledore hatte er Ginny zu verstehen gegeben, dass er nicht mehr mit ihr zusammen sein konnte. Schon damals hatte Ginny ihn gefragt, was wäre, wenn ihr die Gefahr in seiner Nähe zu sein, nicht interessierte. Doch dann hatte sie überraschen schnell nachgegeben. Doch spätestens seit er sich regelmäßig mit seinen Freunden in der heulenden Hütte traf, war ihm klar geworden, dass sie ihn noch lange nicht abgeschrieben hatte. Und jetzt hatte sie ihn wie es schien genau in der Position, wie sie ihn haben wollte. Er versuchte sich aufzurichten, unter ihr hervor zu kriechen, doch sie ergriff seine nackten Schultern und drückte ihn zurück auf die Matratze.
Plötzlich war Harrys Stimme wieder da. „Ginny…" flüsterte er „…erwartet dich deine Familie nicht zurück?"
Auch Ginny flüsterte jetzt. Ihr Gesicht war nur noch Zentimeter von seinem entfernt. „Sie haben mir gesagt, dass ich mir alle Zeit nehmen soll, die es braucht, um dich zu überreden."
Irgendetwas in Harry sagte ihm, dass diese nicht die Art Überredungskunst war, die sich Mr und Mrs Weasley vorgestellt hatten, doch andererseits, hätten sie ja auch Ron schicken können. Harry schaffte es, die Arme unter der Bettdecke hervor zu bekommen und jetzt schob er seine Hände unter ihren Pullover und ließ sie ihren Rücken hinauffahren. Die Haut war unglaublich glatt und weich. Er presste Ginny die Hände auf den Rücken und zog sie mit sanfter Gewalt zu sich herunter. Er konnte Ginny noch lächeln sehen, dann schloss er die Augen und spürte ihre Lippen auf seinen.
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So – da gab es jetzt einen ziemlich großen Zeitsprung und auch einen Sprung in der Handlung. Ich musste das machen, damit die Geschichte so langsam mal in Fahrt kommt. Die versäumte Zeit wird aber durch Erzählungen und Rückblicke hinreichend erklärt werden.
Es geht direkt weiter. Viel Spaß - Federwisch
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