Es geht weiter.
Ich selbst hatte für dieses Wochenende am wenigsten mit einem Update gerechnet, aber dann hat mich die Schreibwut gepackt;-)
Wie immer einen Riesendank an die fleißigen Reviewer.
Viel spaß beim Lesen.
Kapitel 28
Sie war fort, gegangen mit dem festen Vorsatz ihn niemals wieder zu sehen.
Er war ein solcher Narr, hatte sich der Hoffnung hingegeben, dass sie irgendwann etwas anderes in ihm sehen könnte, als das was er war.
Ein Monster, dass in seiner Wut nur allzu schnell die guten Vorsätze vergaß.
Vorsätze, die er niemals würde einhalten können.
Diese Nacht hatte eindrucksvoll bewiesen, dass er nicht in der Lage war, seine Wut zu kontrollieren, dass es für Hermine nichts als Gefährdung darstellte, in seiner Nähe zu sein.
Die Nähe die er sich sehnlicher wünschte als alles andere.
Hermine, die er doch nur von sich stoßen konnte.
Niemals zuvor hatte er es deutlicher gesehen als in dieser Nacht.
Er liebte sie.
Es bereitete ihm beinahe körperlich schmerzen, sie nun ein für alle Mal in die Flucht geschlagen zu haben. Er hatte sie unwiderruflich verloren.
Verloren, bevor er sie auch nur annähernd besessen hatte.
Sie wollte ihn niemals wieder sehen...
Er konnte sie nur zu gut verstehen. Er selbst konnte sich kaum ertragen.
Mit den niedersten Worten beschimpfte er sich, im Nachhinein nicht wissend, ob er die Worte tatsächlich laut zu sich selbst gesprochen hatte. Doch irgendwann erlosch seine Wut, es blieb nichts als Verzweiflung zurück.
Verzweiflung und der Wunsch es wieder gut zu machen.
Wie oft hatte er sich in den letzten Tagen geschworen, ihr zu danken und auf Knien ihre Verzeihung zu erbitten. Wie oft hatte er sich eingeredet, er müsse nur den richtigen Moment abwarten.
Er war niemals gekommen. Oder er hatte ihn nicht erkannt.
Er hatte es versucht, kurz bevor sie sein Quartier so fluchtartig verlassen hatte.
Sie hatte ihre Schritte verlangsamt, hatte sich zu ihm umgedreht.
Doch anstatt ihr alles zu offenbaren hatte er diese Gelegenheit genutzt, um sie anzugreifen.
Wie unglaubwürdig mussten ihr seine Worte nun erscheinen.
Er hatte so gehandelt wie er es stets in seinem Leben getan hatte. Er stand nicht zu seinen Fehlern, er wollte der Verantwortung dafür entgehen. Anstatt offen und ehrlich zu ihr zu sein, hatte er versucht, ihr Erinnerungen an die letzten Minuten zu nehmen.
Nicht zuletzt weil er befürchtete, sie könne zu viel von seinen eigenen Empfindungen gespürt haben, als er in ihren Geist eingedrungen war.
Er hatte die Chance auf eine Entschuldigung ein für alle Mal verpasst.
Sie konnte jetzt nur unangebrachter sein, als jemals zuvor.
Dieser Gedanke kam ihm, als er sich schon längst auf den Gängen in Richtung des Gryffindor-Turms befand.
Er ließ ihn unbeachtet.
Einmal wollte er etwas richtig machen, nur einmal wollte er etwas zu ende führen. Wenn er es in dieser Nacht nicht tat, würde es niemals geschehen.
Hermine würde ihm aus den Weg gehen, ihn meiden.
Wie unglaubwürdig würden seine Worte in einem späteren Moment wirken, so viel unglaubwürdiger, als sie ohnehin schon waren.
Zum ersten Mal bedankte sich Severus Snape im Stillen für die Redseligkeit McGonagall's.
Nur dieser Tatsache war es zu verdanken, dass er seine Schritte zielsicher in den Schlafsaal Hermines lenken konnte.
Es war ihr wichtig gewesen, dass jeder Bewohner den Aufenthaltsort der anderen kannte, dies sei im Falle eines Angriffs von bedeutender Wichtigkeit.
Ja, in diesem Moment dankte er ihr für diese Annahme.
Der Gemeinschaftsraum war nur schwach durch die rot glimmende Glut im Kamin beleuchtet.
Doch es genügte Severus um den Hindernissen auf dem Weg zu der schmalen Wendeltreppe, hinauf zu den Schlafsäälen auszuweichen.
Sein Herz raste, als er die erste Stufe der Treppe betrat.
Das fahle Licht des Kamins reichte nur bis zu den ersten Stufen. Dann war er auf das schwache Licht seines Zauberstabs angewiesen. Er war kaum in der Lage, diese einfache Formel auszuführen.
Sie würde ihn für verrückt halten.
Es war ihm gleichgültig, sie musste es wissen, alles.
Sein Atem beschleunigte sich, Schweiß trat ihm auf die Stirn.
Er konnte es nicht, er sollte umkehren und sein Vorhaben vergessen...
Doch seine Schritte führten ihn immer weiter hinauf, er wurde nicht langsamer. Im Gegenteil, sein Körper schien versucht, der Schwäche seines Geistes durch noch schnellere Schritte entgegen zu wirken.
Er erreichte ihre Tür und ohne weiteres Zögern öffnete er sie, schritt hindurch um die Tür wieder leise ins Schloss fallen zu lassen.
Inständig hoffte er, sie schlafend vorzufinden. Es wäre die letzte Möglichkeit ihr auszuweichen.
Sein Zauberstab sandte einen schwachen Lichtkegel bis an das Fußende ihres Bettes. Es genügte um zu erkennen, das sie sich darin befand.
Falls es überhaupt möglich war, beschleunigte sich sein Herzschlag ein weiteres Mal. Beinahe schmerzhaft schlug es gegen seine Brust.
Der erste Schritt auf sie zu kostete ihm viel Überwindung, jeder weitere tat sich beinahe von selbst.
Als der Lichtkegel schließlich ihr Gesicht erreichte, fuhr er erschrocken zusammen.
Ihre Augen waren wachsam auf ihn gerichtet.
„Wollen Sie zu ende führen, was Ihnen vor kurzem verwehrt geblieben ist?"
Es dauerte einen Moment bis er den Sinn ihrer Worte verstandt.
Er schüttelte den Kopf, ging weiter auf sie zu, bis er die Bettkante erreicht hatte.
„Was wollen sie dann hier Snape?"
Er konnte beobachten wie sich zunehmend Verwunderung auf ihre Züge stahl, mehr noch als er ihr nicht zu antworten schien.
Sie setzte sich vorsichtig auf, schien Angst davor zu haben, dass ihre Bewegungen ihn aus seiner inzwischen eingetreten Starre befreien würden.
Und tatsächlich begann er zu sprechen.
„Es tut mir leid, Miss Granger.
Ich bedauere von Herzen, was in meinem Quartier geschehen ist..."
Sie schnaubte.
„...Von Herzen..."
Sie musste zu ihm aufschauen und auch wenn sie mit so viel Verachtung zu ihm sprach, konnte er doch Furcht auf ihrem Gesicht erkennen.
Er hockte sich an ihr Bett, streckte seine Hand aus, um seinen Zauberstab auf ihrer Bettdecke abzulegen, er wollte ihr damit zeigen, dass er nichts böses im Schilde führte.
Doch statt sie zu beruhigen, erschreckte sie seine Bewegung, sie wollte aufspringen.
Er verhinderte das, in dem er nach ihrem Handgelenk griff.
Er konnte spüren, wie sie Hermine unter dieser Berührung versteifte.
„Ja Miss Granger, ich bedauere es von Herzen. Wenn Sie die Existenz eines solchen anzweifeln, müssen Sie mit Blindheit geschlagen sein."
Sie versuchte sich aus seinem festen aber nicht groben Griff zu lösen.
„Wenn Sie gekommen sind um mich zu beleidigen, hätten Sie sich und mir ihre Anwesenheit ersparen können. Das haben sie nämlich schon zur Genüge getan."
Als er auf diese Worte antwortete, hörte er zu seinem entsetzten eine Tiefe Verzweiflung aus seiner Stimme.
Auch ihr schien es nicht entgangen zu sein, denn sie schaute ihn vollkommen verwundert an und gab den Versuch sich zu befreien auf.
„Ich will sie nicht beleidigen. Im Gegenteil.
Ich bitte Sie aufrichtig um Verzeihung. Für alles was ich getan habe..."
Sie schüttelte mit dem Kopf.
„Sie kommen mitten in der Nacht hierher um mir das zu sagen?
Nachdem sie mich erst auf die brutalste Art gedemütigt haben und mir dann meine Erinnerungen nehmen wollten?"
Er antwortete schlicht.
„Ja."
Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus.
Mit einem Mal wurde ihm sehr bewusst, dass er noch immer ihr Handgelenk umklammert hielt.
Er wollte ihr so viel sagen, doch die Worten kamen ihm nicht in den Sinn.
Für einige Minuten genoss er einfach das Gefühl bei ihr zu sein, sie berühren zu können. Er genoss den Gedanken, dass sie ihn nicht des Zimmers verwiesen hatte.
Er schaute auf, blickte in ihr noch immer verwirrtes Gesicht.
Ihre Haare waren wild und vollkommen zerzaust, ihre Haut war blas und ihre Augen geschwollen.
Sie war bildschön.
„Hermine, ich..."
Er hatte nicht gewusst, wie dieser Satz enden würde, als er ihn zu sprechen begonnen hatte. Er sollte es auch niemals erfahren.
Die magisch verstärkte Stimme Minerva's unterbrach ihn.
„Versammelt euch umgehend in der großen Halle.
Todesser haben das Gelände betreten."
Severus ließ sie los, als habe er sich verbrannt.
Hermine sprang augenblicklich aus ihrem Bett.
Bisher hatte ihre Bettdecke die Sicht auf ihren Körper verborgen. Sie trug ein schlichtes, weißes Nachthemd, ohne Schmuck oder Zierde. Es umspielte ihren Körper und zeichnete sanft ihre Figur nach. Im Licht des Zauberstabs erschien es beinahe durchscheinend.
Sie sah aus wie ein leibhaftiger Engel.
Niemals wollte er diesen Anblick vergessen.
Sie bemerkte gar nicht, das seine Augen auf ihr ruhten. Sie hatte nach ihrem Umhang gegriffen und warf ihn sich über.
Sie würde sich den Todessern stellen.
Der Gedanke an Blut auf ihrem Nachtgewand ließ Severus schnell zur Tür schreiten.
„Sie werden hier bleiben, Miss Granger."
„Was...?"
Er wartete nicht auf ihre Widerworte.
Mit einem Zauber versiegelte er die Tür.
Er würde sie holen sobald es überstanden war. Ihr durfte nichts geschehen, unter keinen Umständen.
Allein würde sie sich nicht aus ihren Räumen befreien können.
So, was meint ihr?
Ich habe mich jetzt übrigens für ein Ende entschieden. Und es wird nicht mehr lange auf sich warten lassen;-)
Bis bald
Eure Vestilia
