Sooooooo, meine Prüfungen sind vorerst vorbei und ich hab etwas Ruhe. Ich hatte über das Kapitel ja schon gesagt, dass es nur Sinn im Ganzen macht. Ich hoff jedenfalls, dass es nun mit diesem Kapitel Sinn macht und ihr nicht all zu enttäuscht seid ^^ Ich muss zugeben, dass eigentlich eine Szene fehlt, aber ich fand sie dann doch zu heftig. Vielleicht werd ich sie später einfügen, weil ich noch eine bestimmte Szene mit dem Todesser James habe, die ich gerne schreiben möchte. Sie war eigentlich für dieses Kapitel geplant, aber passte irgendwie nicht rein und mir fiel dann ein, wie ich es viiiiiiiiiel besser (das heißt, zu meiner eigenen Zufriedenheit +.+) schreiben kann in einem der späteren Kapitel. Damit viel Spaß beim Lesen.
Review:
Mannequin: Grüß dich =) Ich freu mich immer wieder über deine Reviews. Finds schön, dass du noch immer dran geblieben bist. +freu+
lach, ich bewundere deine Engelsgeduld. Ich glaub, hier würden sie das Prüfungsamt täglich nerven, um die Note zu erfahren und endlich das Zeugnis zu bekommen. Wie sieht's mit dem Wunder aus? ist es passiert? ^^ Du hattest ja gesagt, dass du auch nichts dagegen hättest, wenn du erst mal ein wenig Ruhe bekämst. Insofern wäre es gut, den Job zu haben oder eher schlecht, wenn man ja eigentlich etwas Ruhe wollte? Ich bin momentan ganz froh, dass ich in den Semesterferien bin und werd auch noch das nächste Jahr genießen. Ich freu mich zwar irgendwo auch darauf, wenn ich dann wieder nen richtigen Job habe und arbeite und man sich dann auf den Urlaub freut, aber bis dahin genieß ich lieber noch das letzte Jahr als Studentin. Irgendwo hat man doch ein wenig mehr Freizeit als Student.
Anna - siehe Kapitel XD
James und Lilli sind zwar verheiratet, aber die Vergangenheit lastet schon sehr stark auf beidem. Maria und Dumbledore (und auf eine gewisse Art auch Anna) vertraut James überlegte und angemessene Entscheidungen mit angemessenem Abstand zu treffen. Weil sie älter und erfahren genug sind und das auch in der Vergangenheit stets getan haben. Lilli (wie auch Sirius und Remus) können im Bezug auf ihn nicht mit dem Abstand reagieren, was sie auch oft genug bewiesen haben. James weiß das, weil er selber im Bezug auf Lilli und seine Freunde nicht mit dem nötigen Abstand reagieren könnte, sondern ebenfalls aus dem Herzen heraus handeln würde, was er auch wieder bei Remus gezeigt hat. Er hat sich Lilli nicht anvertraut, weil er sie nicht belasten wollte und vertraute darauf, dass es reichte, wenn Dumbledore und seine Mutter alles wussten. (Mehr dazu ebenfalls in diesem Kapitel). Zwischen Lilli und James ist etwas, was nie ausgesprochen wurde aber stets über ihrer Beziehung hing, wie ein dunkler Schatten. Und beide haben dies mehr oder weniger versucht zu ignorieren.
Nope, sind keine Ausschnitte der Zukunft. Ich weiß, ich hab das ein wenig in BtF gehabt, aber ist hier nicht der Fall. Aber Auflösung ebenfalls in diesem Kapitel.
Azuros Baydon ^^ Who knows, who knows. Er ist auf jeden Fall nicht mehr ganz dicht. Aber das war es mit ihm auf jeden Fall noch nicht. Es ist auf jeden Fall beabsichtigt von mir, dass Chains of Xerchia wirklich eine Ende der Story und aller Charaktere gibt. Ich hab mal gesagt, dass man Black Heart lesen kann, weil es ein Ende hat. Beim erneuten durchlesen ist mir aber dann klar geworden, dass vieles unbeantwortet blieb und das insofern kein sooooo richtiges Ende ist. CoX wird (hoffentlich) ein Ende bieten, das keine weiteren offenen Fragen mehr unbeantwortet lässt.
Maria - siehe Kapitel.
Oh, meine mündliche war eigentlich nett ^^ Ich glaub, wenn der Prof nett ist, braucht man echt keine Angst vor einer mündlichen Prüfung zu haben. War halt meine erste mündliche und die Wartestunden fühlten sich noch schlimmer an als wenn man kurz vor einer Wurzelbehandlung steht. Aber das ist (glaub und hoffe ich) nur beim ersten Mal so. Jetzt weiß ich ja, dass der Prof nett ist und einen nicht mit Absicht in den Boden stampft, wenn er eine Antwort nicht kennt. (Ohne Witz? Ich hatte solche Panik, ich bin kurz vor der Klausur sogar krank geworden und hatte plötzlich nen dicken Schnupfen).
Danke für das liebe Review =) Grüßle
Chapter 28 – Having Faith III
Die 13jährige Anna saß auf ihrem Platz im Klassenzimmer und beobachtete den 13jährigen James Potter, der wenige Sitze vor ihr saß. Der Junge sah müde und gelangweilt aus. Er wäre womöglich eingeschlafen, wenn Sirius ihm nicht plötzlich eine zerknüllte Papierkugel einige Sitze weiter rüber geschmissen hätte, welche James sofort glättete und die Nachricht las. Sein Gesicht hatte sich sofort aufgehellt und er schrieb frech grinsend und voller Tatendrang zurück. Die beiden taten dies die gesamte Stunde über ohne dass Professor Flitwick etwas davon mitbekam. Als James die Blicke der Mitschülerin auf seinem Rücken spürte kam er nicht umhin sich umzudrehen, um seinen Beobachter ansehen zu können und es schien dem Mädchen nicht im geringsten peinlich zu sein, dass man sie erwischt hatte. Anna starrte einen langen Moment lang nicht weg, bis James seine Augenbraue verzog und selbst Sirius sich zu ihr umdrehte. Er grinste breit und warf ihr schließlich ein anderen Zettel rüber, den sie einfach über sich hinwegfliegen ließ ohne überhaupt mit der Wimper zu zucken. Sirius schnitt daraufhin eine Grimasse, deutete ihr mit den Händen an, den nächsten Zettel aufzufangen und warf ihr erneut einen rüber. Sie hatte auch diesen einfach an sich vorbei fliegen lassen, so dass sich der Junge gezwungen sah, den nächsten zerknüllten Zettel etwas tiefer zu werfen, damit sie ihn auch wirklich bekam. Doch Anna rollte mit den Augen und drehte sich ein wenig zur Seite, so dass der Papierknäuel erneut an ihr vorbei flog – direkt gegen Lilli's Stirn. Auch wenn ihre Haare von Natur aus rot waren, so hatte ihre Gesichtsfarbe diese nun ebenfalls angenommen, denn sie starrte ihn fuchsteufelswild an. James und Sirius hatten sofort ihre Mienen verzogen und sich wieder weggedreht.
„Ups," sagte Sirius leise.
Am Ende der Stunde waren alle Schüler rausgestürmt und so auch James, Sirius, Remus und Peter.
„Ich hol euch gleich ein," sagte James und nickte in Richtung Jungen Toilette. Die drei nickten verstehend zurück und gingen schließlich weiter zum nächsten Klassenzimmer. James hatte sich gerade über das Pissoir gestellt als die Tür aufging und er... Parfum wahr nahm. Stirn runzelnd drehte er sich zur Seite.
„Sag mal, hast du sie noch alle? Hier pinkeln Kerle!"
Vor ihm stand Anna White mit verschränkten Armen und scharf stechendem Blick. Dass dies eine peinliche Situation sein könnte war in ihrer Miene jedenfalls nicht zu erkennen gewesen und sie schien auch kein weiteren Ton von sich zu geben. Hatte er sie schon für merkwürdig gehalten als sie sich kennenlernten, so wurde sie ihm von Tag zu Tag unheimlicher und suspekter.
„Was?!" fragte er schließlich ungeduldig. Sie schien jedoch zu zögern, denn ihren Lippen war nach wie vor kein Ton entfahren und auch ihre musternde Haltung hatte sich nicht verändert. James rollte mit den Augen und drehte sich zurück zum Pissoir.
„Wieso sind Jungs pervers, wenn sie in den Mädchenschlafsaal wollen, aber ihr dürft einfach so bei uns ins Klo herein kommen? Nicht, dass ich was dagegen habe, dass du mir beim strullern zusiehst, White."
Er fragte sich wirklich, ob sie nun vor hatte ihn die ganze Zeit zu beobachten, während er sein Geschäft erledigte. Doch als er fertig war und den Reißverschluss wieder hochzog sah er, dass sie sich bereits weggedreht hatte.
„Okay, Anna," sagte er ein wenig amüsiert während er zum Waschbecken ging und sich die Hände wusch. Im Spiegel sah er, dass sie sich ihm wieder zugewandt hatte und erneut einen starrenden Blick auf ihn richtete.
„Du bist offiziell die merkwürdigste Person in ganz Hogwarts und neben all den Geistern ist das wirklich eine Meisterleistung! Ich hab keine Lust zu raten, warum du mich so anstarrst. Machst du's uns beiden leicht und rückst selbst einfach damit raus?"
„Ich weiß was vorletzten Sommer bei dir passiert ist," sagte sie endlich, woraufhin er frech zu grinsen begann, ebenfalls seine Hände verschränkte und sich ihr zuwandte.
„Natürlich weißt du das, du warst da! 3 Wochen lang! Ich hab nicht vergessen was für nen Mist Sirius und du angerichtet habt."
Anna war nicht auf seinen Versuch eingegangen, sich wieder lustig über den Beginn der damaligen Sommerferien zu machen. Stattdessen blieb sie ernst und hatte ihre starre Haltung nicht verändert.
„Meine Eltern sind Diener des dunklen Lords."
Mit einem Mal war das Lächeln aus seinem Gesicht verschwunden und damit auch jegliche Heiterkeit oder frecher Glanz, der in seinen Augen bis dahin noch aufgeleuchtet hatte. Der Junge vergrub seine Hände in seinen Hosentaschen und richtete seinen Blick zur Decke. Seine gesamte Haltung hatte sich verändert und war nun in sich gekehrt und verschlossen. Kein bisschen Freude war mehr in ihm zu erkennen.
„Daher weiß ich, was im letzten Monat der Sommerferien damals passiert ist," fuhr sie fort. Ihre Stimme hatte sich ebenfalls geändert und war nun weicher und gefühlvoller geworden. „Sirius, Remus und Peter wissen nichts davon, hab ich Recht?"
„Worauf willst du hinaus, White?" fragte er mit einer für ihn untypischen kalten Stimme. Er fühlte sich von ihr attackiert und das war seine Art sich selbst zu schützen.
„Du wusstest also gar nicht, wer ich war alswir uns kennengelernt hatten, hab ich Recht? Bis jetzt."
Und endlich wandte sich James der Hexe zu und blickte sie überrascht an. Ihre Worte waren merkwürdig verletzt und frustriert. Hatte er sich eben von ihr angegriffen gefühlt, wirkte dies nun als ob er sie angegriffen hätte. Das junge Mädchen hatte sich weggedreht und traurig zu Boden geblickt. „Und jetzt, wo du weißt, was du gerettet hast, bereust du was du getan hast."
„Bereuen?" fragte James irritiert. „Wieso sollte ich es bereuen?"
„Weil du dem Kind eines Todesser Ehepaares geholfen hast? Hättest du nicht, dann wäre es eine weniger, vor denen du dich fürchten müsstest."
„Fürchten?" lachte der Junge aus Versehen amüsiert laut auf. „Sorry, White. Aber ich kann nichts Furchterregendes an dir finden, außer vielleicht der Tatsache, dass deine Schulternklappse sich anfühlen wie Prügelattacken. Du weißt schon, dass du für ein Mädchen ziemlich einem Kerl ähnelst?"
Anna sah ihn verwirrt an.
„Dass meine Eltern Todesser sind stört dich nicht?" fragte sie fassungslos.
„Irgendwie nicht," antwortete er von sich selbst überrascht und zeigte dies auch an seinem unentschlossenen Gesichtsausdruck. „Ist das gestört?"
„Ja, leicht," kommentierte sie, kam jedoch nicht umhin ein wenig angenehm überrascht zu lächeln. „Wieso hast du es den anderen nicht gesagt? Ich mein... das mit Voldemort und was er dir angetan hat."
„Du nennst ihn beim Namen?" stellte James verblüfft fest, doch sie zuckte lediglich mit den Schultern.
„Lange Geschichte. Also, warum sagst du's den anderen nicht? Remus, Peter und der nervtötende Falschwerfer sind doch deine besten Freunde?"
„Lange Geschichte," antwortete er ebenfalls, wenn sein Ausdruck sich mittlerweile auch wieder ein wenig wohlwollender geändert hatte und offener wurde. Wenn sie es tat, durfte er es doch auch? Das war jedenfalls seine Meinung gewesen. „Sagst du es ihnen?"
„Nein," antwortete sie leise. „Ist ja deine Geschichte. Ich wollte dir nur sagen..."
Doch sie stockte für einen Moment. James fühlte in diesem Moment vieles. Dinge, die er nicht mehr wiedergeben konnte, weil sie verrückt waren und weil sie ihn durcheinander brachten. Aber woran er sich erinnern konnte war das Gefühl der Spannung, das in der Luft lag.
Hier standen sie beide. 13 Jahre jung und waren seit über 2 Jahren so was wie Freunde. Sie verbrachten ihre Freizeit im Schloss zusammen, bildeten stets eine Gruppe, wenn es um Gruppenarbeit ging und verteidigten einander, wenn andere es wagten den anderen irgendwie anzugreifen oder dumm zu kommen. Sie waren, wenn es auch nie ausgesprochen wurde, enge Freunde. Zumindest hatte James das stets so empfunden obgleich man bei Anna White nie wusste, woran man wirklich wahr.
„Ich weiß von Voldemort's Drohung gegen deine Eltern und deinen Großvater," fuhr sie schließlich fort und hatte ihn wieder angesehen. In ihren leuchtenden Augen glänzte etwas unglaublich Warmes, was er in diesem Moment zum ersten Mal bei ihr gesehen hatte, was jedoch ab da an öfters zu sehen war, wenn sie mit den Jungs zusammen hing. Er hatte damals verstanden, dass sie ihm in diesem Moment Eintritt in ihre Seele gegeben hatte. „Und ich möchte dir helfen. I-i-ich weiß nicht, ob ich wirklich helfen kann," stotterte sie unsicher. „Aber ich möchte es versuchen. Du hast mein Leben gerettet, also steh ich in deiner Schuld."
James schmunzelte, bevor er sich seine Schultasche um die Schulter warf und zur Tür ging.
„Ich hab nen Fluch von dir ferngehalten. Du wärst daran nicht gestorben, White. Allerhöchstens schwarz angelaufen oder bedeutet das Mord und Totschlag, wenn eine White schwarz wird?"
„Du magst es noch als Spaß sehen, James. Aber es hat schon begonnen. Ich weiß nicht, ob ich im Stande sein werde den Prozess aufzuhalten. Ich kann nur versprechen es zu versuchen."
James gab ein trockenes Lächeln von sich, war jedoch nicht mehr näher darauf eingegangen.
„Sag mal, willst du hier in der Jungentoilette ewig stehen bleiben oder gehen wir mal zum Unterricht? Nicht, dass wir etwas besonders Interessantes verpassen – Hey! Hab ich jetzt ein Spannen im Mädchenschlafsaal gut?"
Anna schüttelte amüsiert den Kopf und folgte ihm schließlich zur Tür raus, welche er für sie aufgehalten hatte.
„Depp."
„Du hast mit dem Spannen begonnen, White."
Nicht, dass er sie damals nicht Ernst genommen hätte. Er hatte sich damals selbst nicht mehr wirklich ernst genommen und sie waren auch gerade mal 13 Jahre alt. Wenn nach einem schrecklichen Erlebnis wie damals alle Erwachsenen um einen herum in tiefer Betrübnis und Sorge lebten, dann war es schwer daran zu glauben, dass eine Hexe, die nur wenig älter als er selbst war, die Antwort auf diese Probleme finden würde. Heute wusste er, dass sie es tatsächlich Ernst gemeint hatte und es in der Tat geschafft hatte.
„Hat er Schmerzen?"
'Lilli? Wer ist er? Bin ich schon wieder weggeknickt?'
„Er sieht nicht so aus als ob er Schmerzen hätte."
James versuchte erneut aufzuwachen, seine Augenlider aufzuschlagen, doch egal was er versuchte oder wie sehr er sich anstrengte, es blieb dunkel vor seinen Augen. Seine Finger, seine Arme, seine Beine, sie ließen sich nicht mal bewegen.
„Er sieht aus, als ob er friedlich schlafen würde..."
'Er? Ich?'
„Ich verzweifle hier noch... Wieso hab ich mich so sehr in ihn verliebt? Ich kann nicht loslassen!"
'…...?'
„Das fühlt sich alles nicht real an... Und weißt du, was das bescheuerte an allem ist? Dass mir das hier und jetzt, egal wie weh das tut ihn so zu sehen, noch immer lieber ist als die Angst, eines Tages aufzuwachen, weil das hier nur ein Traum sein könnte. Die Angst, dass wir gar nicht zusammen sind und ich gar keine Hexe bin und er stattdessen mit Melissa Kingcade verheiratet ist... Das ist einfach nur... scheiße."
'Lil,'
Es war ein bedrückendes Gefühl in seinem Herzen zu wissen, dass sie dies fühlte. Von ihren Ängsten wusste er und hatte gehofft diese mit ihrer Hochzeit endgültig verworfen zu haben, doch dies entsprach offenbar nicht der Realität. Oder war dies nur etwas, dass in seinem Inneren vor sich ging und gar nicht wirklich passierte? Er wusste noch nicht mal was das hier überhaupt war und ob die Stimmen, die er in diesem Zustand hörte, nicht doch nur Einbildung waren.
„Ich hatte mir immer geschworen eine starke Hexe zu werden und eine sehr gute Aurorin, die gegen Ungerechtigkeit vorgeht und.. ich wollte es all denjenigen zeigen, die mich für schwach und unnütz hielten und... ich wollte nie eine der Frauen werden, die nur für ihren Ehemann lebt und sich selbst dabei aufgibt. Ich habe solche stets bemitleidet, weil es in meinen Augen dumme Hühner ohne Selbstwertgefühl waren. Ich dachte das über Melissa Kingcade und nun sieh mich an..."
'Lil, komm schon. Das ist doch nicht wahr. Fühlst du dich wirklich so unterdrückt in unserer Beziehung?... Anna sagte mal, dass ich dir nicht genug das Gefühl geben, aber ich hätte nie gedacht, dass - …. Ich bin so ein Arsch... Lil...'
„Eines Tages, Lilli, wirst du dich vielleicht mal mit den Augen sehen, mit denen wir , deine Freunde, James, deine Kollegen oder ehemaligen Mitschüler, dich sehen. Und möglicherweise glaubst du uns dann, dass du alles andere als eines dieser dummen Hühner bist."
'Anna?'
Das war ihre Stimme, dessen war er sich sicher, doch warum war ihm unklar. Träumte er? Wenn ja, warum war dann kein Bild da, sondern nur Dunkelheit? Das ergab doch alles keinen Sinn!
„Was soll ich nur ohne ihn tun? Ich kann mir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Was soll ich nur tun?"
„Wir könnten einen letzten Versuch wagen, aber dazu brauch ich deine Hilfe und... du darfst nicht aufhören, egal was passiert."
„Wie – W-Was sollte passieren?"
Die Schwärze vor seinen Augen verschwand und er blickte wieder eine weiße Decke an. Kopfschmerzen machten sich über ihn breit und er kniff seine Augen zusammen in der Hoffnung sie irgendwie dadurch loszuwerden.
„Morgen, Kumpel," hörte die Stimme seines besten Freundes. Als James seine Augen wieder öffnete sah er ihn neben sich mit dem Zauberstab sowie zwei Tassen dampfenden Kaffee bei sich schwebend stehen und ihn breit angrinsend. Sirius reichte ihm seine freie Hand, um den Freund aus der liegenden Position aufzuziehen und zauberte ihm schließlich eine der Tassen in die Hand.
„Was ist passiert?" fragte James während er den Kaffee trank. Das war genau das was er jetzt brauchte. Etwas, dass ihn wach machte und die Kopfschmerzen vertrieb. „Anna war nicht zufällig hier, oder?"
„Nö," antwortete Sirius skeptisch. „Wieso?"
„Vergiss es..." winkte er sofort ab. Vielleicht war das wirklich blöder Schwachsinn, den er da ständig träumte. Ergab auch überhaupt keinen Sinn, dass sich Lilli von ihm unterdrückt fühlte, denn das tat er doch wohl auf keinen Fall? Gut, er hatte früher seinen Spaß daran mit Mädchen zu flirten, die ihn bewunderten und anhimmelten, aber das war wirklich nur um seine Langeweile zu vertreiben. Wär auch absurd gewesen, wenn ihm dieses Verhalten bis in seine Ehe nachgetragen wird...
„Bist wieder weggenickt," sagte Sirius schließlich, um den Freund aus den Gedanken zu reißen, in die er sich offenbar vertieft hatte. „Lil war krank vor Sorge."
James atmete schwer ein, bevor er sich zu einem Lächeln durchrang. Zumindest die Kopfschmerzen vergingen mit der Zeit wieder.
„Wo ist sie?"
„Draußen, sich ein wenig beruhigen. Wir versuchen immer noch Dumbledore zu erreichen."
James vergrub sein Kopf in seinen Händen und seufzte. Er fühlte sich wirklich alles andere als gut und wenn er ehrlich war, dann wurde ihm das mittlerweile zu viel. Zu oft geschahen diese Dinge in der letzten Zeit. Nach den Ereignissen im damaligen Sommer hatte er sich von seiner Familie abgewandt und wollte den Rest, den er noch von seinem Leben hatte, einfach leben ohne an einen Morgen denken zu müssen. Dann kamen Lilli und Anna, die ihm sein Leben zurückgaben. Die eine passiv, allein durch das Wissen ihres Daseins und die andere aktiv durch ihr Handeln und er begann wieder am Leben zu hängen und zu kämpfen. Weil er die Mädels und seine Freunde hatte, fand er wieder Spaß und Freude und einen Grund sich auf einen neuen Morgen zu freuen.
Letztes Jahr brach wieder alles zusammen. Sein Vater und sein Großvater starben und er war zu einem Todesser mutiert. Es gab einen Moment, indem er wieder aufgegeben hatte und bereit war zu sterben und alles einfach geschehen zu lassen. Aber sie alle waren nach wie vor an seiner Seite und Lilli war diesmal sogar aktiv dabei. Er war so glücklich mit ihr und verliebt in sie, dass sie allein Grund genug für ihn gewesen war, sich zusammenzureißen und alles zu tun, um einen nächsten Morgen mit ihr erleben zu können. Dennoch war ihm stets klar gewesen, dass er alleine nichts hätte ausrichten können und alles nur ein gutes Ende nahm, weil er die Unterstützung seiner Freunde hatte.
Nun fühlte es sich wieder genau so hoffnungslos, grausam und trüb an. Seine Mutter hatte ihn verraten und zugelassen, dass Baydon ihn unter Drogen setzte. Anna, eine Konstante in seinem Leben, hatte sich ihm plötzlich abgewandt und die Angst, dass sie tatsächlich von Baydon ermordet wurde, war groß und zerrte schmerzhaft an seinem Herz. Remus und Peter waren irgendwo in Gefahr und der Gedanke, dass auch ihnen etwas zugestoßen sein könnte, machte die Situation noch schlimmer. Er kannte Voldemort zu gut und auch zu was dieser Mann fähig war. Zu wissen, dass Lilli das Ganze erdrückte und sie mit der Situation nicht fertig wurde, gab ihm den Rest.
Er nahm seine Hände weg und blickte seinen Freund hilfesuchend an. Sirius hatte sofort verstanden und sich neben ihm aufs Bett gesetzt.
„Yeah, sieht echt scheiße aus," sagte der junge Zauberer und runzelte die Stirn. Das war wahrscheinlich das Letzte was James hören wollte, aber es war auf jeden Fall eine treffende Aussage angesichts ihrer Lage.
„Was nun?"
„Och," antwortete Sirius und sah ganz im Gegensatz zu ihm selbst nicht ganz so hoffnungslos aus. „Ich würd sagen, wir machen weiter. So wie immer."
James sah ihn verwundert an, doch sein bester Freund begann zu grinsen, so wie man es von ihm kannte. Er verlor wirklich nie die Zuversicht, egal wie aussichtslos die Situation auch war. Vielleicht lag dies aber auch daran, dass er nie die gesamte Wahrheit kannte? Was zwischen James und Voldemort damals im Sommer passiert war, hatte Sirius erst Jahre später erfahren und wie es letztes Jahr tatsächlich um sie alle stand, auch das hatte Sirius erst mitbekommen als sie direkt davor standen. Hätte er es sonst vielleicht nicht ausgehalten, wenn er wie Anna alles vorher schon gewusst hätte? Er spielte mit dem Gedanken, seinem besten Freund die wahren Umstände auch dieses Mal weiter zu verschweigen, denn dann würde er zumindest ihn nicht verlieren, doch ihm war bewusst dass dies Sirius gegenüber nicht fair war.
Er atmete tief ein, bevor er sich ihm mit ernstem Gesicht zuwandte.
„Padfoot, Anna ist wahrscheinlich tot."
Wie erwartet versteinerte sich die Miene des besten Freundes und er gab ein merkwürdiges Geräusch der Unfassbarkeit von sich.
„Baydon sagte, er hätte sie getötet."
„Baydon ist ein Lügner, Prongs! Der Kerl erzählt doch nur Schwachsinn. Es ist Anna über die wir reden. Nicht mal Voldemort konnte sie töten."
„Ich wünschte, du hättest Recht, Padfoot. Ich wünschte es wirklich."
„Prongs, Anna ist stark und -"
„Sie war es am Ende nicht mehr," sagte James unbeabsichtigt lauter. Dies wurde ihm eindeutig zu viel und seinen besten Freund deswegen anzuschnauzen machte es nicht besser.
„Sorry... Pad. Der Streit zwischen An und mir, sie sagte, sie hätte genug und keine Kraft mehr, um mir weiter zu helfen. Deswegen ist sie abgehauen."
„Sie hat was?" fragte dieser lächerlich. „Komm schon, Prongs. Sie würde das nie sagen."
„Aber sie hat!"
„Dann war sie es nicht."
„Wart ihr nicht die gesamten letzten Stunden bevor ich wieder aufgewacht war zusammen? Kann sich also keiner als sie ausgegeben haben. Es war Anna."
„Es ist Anna, über die wir hier reden."
„Was ist mit Anna?" kam Lilli's Stimme von der Seite und beide Männer hatten auf der Stelle aufgehört zu reden.
„Nichts," raunzte Sirius und strich sich zur Beruhigung mit den Händen die Haare aus dem Gesicht.
„Hast du was von Dumbledore gehört?"
„Ja, ich hab meinen Patronus losgeschickt und Antwort bekommen. Wir sollten aufbrechen. Er möchte, dass wir nach Hogsmeade kommen."
„Hogsmeade, hm?" sagte James ein wenig trocken. „Ich mein, wir werden von Voldemort, seinen Todessern und den weißen Auroren gejagt und er sagt, kommt nach Hogsmeade! Ganz toll."
Unbeobachtet nach Hogsmeade zu kommen stellte sich als schwerer heraus als gedacht. Starke Kopfschmerzen verhinderte immer wieder ihr Weiterkommen, so dass sie Pausen einlegen mussten. James saß an einem Baum gelehnt auf dem modrigen Boden, die Augen waren zusammengekniffen, um die Kopfschmerzen zu ertragen während seine Arme auf seinen Knien lagen. Er erinnerte sich an dieses eklige Gefühl in seinem Kopf, jetzt mehr denn je. So hatte er sich letztes Jahr auch gefühlt, öfters sogar. Letztes Jahr hatte er es ständig ignoriert und das konnte er gut, sobald er mit seinem Besen in der Luft flog und im Rausch des Quidditchspieles war oder wenn er Lilli bei sich hatte und sie ihre Zeit miteinander verbrachten. Warum ging es also hier und jetzt nicht?
„James?"
„Bin vollkommen wach!" log er, als er ihre Stimme direkt neben sich hörte. Er zwang sich die Augenlider zu öffnen und zu lächeln. Das letzte was er wollte war der Frau, die er liebte, Sorgen zu bereiten. Dass er in zwei besorgte Gesichter blickte schien seine Kopfschmerzen jedoch noch schlimmer zum pochen zu bringen. „Wie sieht's aus?"
„Nicht gut," antwortete Sirius. „Sieht aus als ob es von Todessern nur so wimmelt. Es ist als ob sie riechen würden, dass wir hier her wollten."
„Wie sieht euer Plan aus?"
Lilli und Sirius warfen sich einen kurzen Blick zu, welcher jedoch lang genug für James war, um die Augen zu rollen. Sie hatten absolut keinen Plan.
„Großartig," stieß er trocken aus. Hatte er echt vor einigen Stunden noch gedacht, es geht nicht schlimmer? Es geht immer schlimmer.
„Wir müssen es irgendwie zum Eberkopf schaffen," sagte Lilli schließlich und drückte seine Hand in ihrer. „Nein, wir schaffen es zum Eberkopf."
Und für diesen einen Moment waren seine Kopfschmerzen wieder verschwunden und alles in ihm war wieder in Ordnung. James grinste und drückte ihre Hand zurück.
„Dann auf zum Eberkopf."
Er klang zuversichtlicher als er sich wirklich fühlte, aber den beiden wichtigsten Menschen in seinem Leben gegenüber, wollte er nicht schwach sein, denn tief in ihm drin glaubte er daran, dass sie es schafften, wenn sie es nur wirklich wollten. James erstarrte auf der Stelle, als er die Geräusche aus der Ferne hörte. Es waren Schritte, die sich ihnen in rasender Geschwindigkeit näherten.
Die drei warfen einander einen kurzen Blick zu, bevor sie auf der Stelle aufsprangen und versuchten sich zu verstecken. Ihnen blieb nicht wirklich viel Auswahlmöglichkeit, zumal sie nicht konkret sagen konnten, von wo aus ihre Verfolger sich ihnen wirklich näherten.
„Wohin?" fragte Sirius als Lilli sich kurz umsah und nach oben zeigte. Beide Jungs nickten und so apparierten sie auf dicke Äste hoch, um sich zwischen den dichten Blättern verstecken zu können. Es waren wie erwartet Todesser, die unter ihnen vorbei rannten und nach den dreien suchten.
„Was glaubt ihr?" fragte Sirius nachdem die Luft rein war, sie aber vorsichtshalber auf dem dicken Ast stehen blieben. „Ist Voldemort auch hier?"
„Kann gut sein, muss aber nicht. Wer weiß schon wo er normalerweise steckt. Er taucht immer genau dann auf, wenn man ihm am wenigsten gebrauchen kann und das aus dem Nichts. Er ist ein schreckliches Monster und ich hoffe, dass er nicht hier ist."
Wie Lilli doch Recht hatte und James wusste das. Er schloss seine Augen und atmete tief ein.
Es war letztes Jahr keine einfache unüberlegte Handlung gewesen, dessen war sich James sicher. Als er den ewigen Schwur mit Voldemort eingegangen war, beabsichtigte er Lilli vor diesem Wahnsinnigen zu schützen. Sein eigenes Leben war von diesem Monster überschattet worden, aber sie sollte das nicht durchmachen müssen, was er alles mit diesem Mann durchmachen musste. Was jedoch danach geschah, das hatte er niemals kommen sehen...
James schritt zurück zu Voldemort, der offenbar tatsächlich geduldig auf ihn gewartet hatte. Er blieb schließlich hinter dem Mann stehen, der mit dem Rücken zu ihm stand. Voldemort drehte sich zu ihm um, sein Gesicht war sichtlich überrascht.
„Was? Sagen sie bloß, sie hätten nicht mehr mit mir gerechnet?"
Der Zauberer gab ihm darauf keine Antwort, dafür schritt er auf ihn zu und reichte ihm schließlich die Phiole. James nahm dieses zwar in die Hand, trank jedoch nicht. Was immer es auch war, was er dabei war zu sich zu nehmen, es gab eine Frage, die er beantwortet haben musste und es schien als ob dies ein Moment war, indem ihm sein Widersacher ihm diese auch beantworten würde. Sie hatten beide nichts mehr zu verlieren.
„Warum?" begann er wütend und frustriert, denn genau das fühlte er. Wut und Frustration über alles was geschehen war. „Sie sagen, dass es reinblütige Zauberer und Hexen verdient haben zu leben. Meine Schwester, mein Vater, mein Großvater, sie waren reinblütig und sie haben alle drei ermordet. Warum?"
Der Zauberer vor ihm hatte den Mundwinkel verzogen und begonnen um James herum zu schreiten wie ein Tiger, der um seine Beute kreiste. Blutrote Augen waren auf ihn fixiert und eine eisige Kälte, die nicht vom Schnee um sie herum kam, kreiste ihn ein.
„Du hast eine Person in deiner Aufzählung vergessen," zischte die hinterlistige Stimme.
Es brauchte nicht lange, um zu verstehen wen er damit meinte, auch wenn er das nie für möglich gehalten hatte. Er war zu jung, damit die Erwachsenen ihn die Wahrheit hätten sagen können und als er alt genug war, da hatte er ein gebrochenes Verhältnis zu ihnen, so dass er nicht mehr fragen wollte. Er dachte stets, es wäre ein einfacher Angriff gewesen, bei dem seine Großmutter zu Tode kam, aber die nun gesprochenen Worte waren genug, um ihn die Wahrheit erkennen zu lassen. James schluckte hart.
„Ja, ich bin in der Tat nach wie vor dafür, dass nur die reinblütigen es verdient haben zu leben. Aber das heißt nicht, dass wenn man mir im Wege steht, ich das einfach so dulden werde. Ich werde ewig leben, James. Ewig."
Das letzte Wort hatte er sanfter ausgesprochen, denn offenbar war es genau das, was er gewollt hatte. James sah ihn merkwürdig an.
„Und mit Gryffindor's Magie werde ich dies für immer besiegeln. Ich werde keine Rücksicht auf andere nehmen, um dies zu bekommen. Auch nicht, wenn es reinblütige Zauberer und Hexen sind. Deine Familie hat sich mir in den Weg gestellt. Jeder einzelne von ihnen. Ich habe ihnen allen angeboten, mir freiwillig das zu geben, was ich will. Sie hätten alle nicht sterben müssen. Ich war gnädig, aber sie haben sich alle bis zum Schluss geweigert. Wie du siehst hatte ich keine andere Wahl, als ihr Leben zu beenden. Ich hielt viel von deinem Vater."
Ein Satz, bei dem James ihn nun finster anstarrte.
„Ich habe ihm einige Male angeboten, unter mir zu dienen. Sein Mut und seine Stärke habe ich stets für gut geheißen. Aber er war stur, bis zu Letzt. Bei dir aber sieht die Sache anders aus."
„Ach, tut es das?" fragte er sarkastisch.
„Wirst du genau so stur bleiben? Oder dich mir beugen? Ich kann mir Gryffindor's Magie natürlich mit Gewalt aneignen. Es gibt genug Mittel und Wege, die man ausprobieren kann, ganz nach meinem Geschmack, um angemessen mit meinen Widersachern umzugehen."
So listig und kalt wie diese Worte ausgesprochen wurden, genau so sah man das üble und entschlossene auch in den Augen des Zauberers. Ihm war bewusst, dass er ihm damit Angst einjagen wollte, doch James war nicht mehr 12 und genauso wenig wie ihn seine Worte damals beeinflussen konnten, taten sie es in jenem Moment.
„Aber wozu mühsam etwas tun, wenn es auch leichter geht? Du bist der letzte der Potters. Komm auf meine Seite, folge mir als einen meiner getreuen Diener. Es ist ein Angebot, welches du nicht ablehnen solltest, James Potter. Eine Ablehnung hat noch niemandem gut getan."
James nahm die Phiole in seiner Hand auf Augenhöhe Richtung Voldemort und sah überheblich in seine Richtung.
„Wenn da Gift drin ist, dann prost. Ich sterbe eher bevor ich auf ihre Seite würde eher jeden Tag all meine Kraft dazu aufwenden, um ihrem Treiben ein Ende zu setzen, als überhaupt für eine Sekunde in Erwägung zu ziehen, ihnen bei ihren Taten zu helfen."
Wenn Voldemort überrascht von der Antwort war, dann hatte er es nicht gezeigt, denn seine Miene hatte sich kein einziges Mal verzogen.
„In dem Fall, James Potter. Trink die Phiole. Jetzt."
Obgleich er den Mund verzog hatte James die Phiole entkorkt und den Inhalt mit einem Mal runtergeschluckt. Lilli war nun zumindest in Sicherheit vor diesem Sadisten, egal was auch immer danach geschehen mag. Hatte er damit gerechnet, was kommen könnte? In den 15 Minuten hatte er sich einige Szenarien ausgemalt, aber die Realität war tausend Mal schlimmer. Der Trank selber schmeckte nach nichts, doch er bewirkte auf der Stelle ein starkes, ekelhaftes Pochen in seinem Kopf und unfassbare Schmerzen in seinen Muskeln. James sank krampfartig zu Boden auf alle Vieren. Also war es Gift? Man wollte ihn nur töten?
„Anna White," hörte er die Stimme des Zauberers ganz in seiner Nähe. Seine Augen waren geschlossen, um das laute Hämmern in seinem Kopf zu ertragen, also konnte er den Mann nicht sehen. Sehr wohl aber spürte er seine Anwesenheit ganz in seiner Nähe. „Es ist beeindruckend, wie sie mit meinem Kunstwerk umgegangen ist. Ich dachte damals wirklich, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis mein Mal, den ich auf deinen Rücken brannte, sich vollkommen entfaltet. Ich war erstaunt als ich herausfand, dass sie der Grund war, weshalb es mir nie gelang, es zu aktivieren und dich zu mir zu rufen. Aber nun gut, sie wird dafür noch früh genug büßen. Es war ein Kunstwerk, dass ich damals begonnen hatte und hier und heute zu Ende bringen werde."
Das Pochen in seinem Schädel wurde unerträglich. Er hatte das Gefühl als ob er kotzen müsste, ihm war übel und alles in ihm brodelte. Es war heiß und kalt zugleich, sein Körper zuckte unkontrollierbar und jeden Moment würde sein Herz aus seiner Brust herausspringen.
„Der Trank, den du eingenommen hast, löscht soeben alle Schutzzauber aus, die diese Anfängerin benutzt hatte, um mein Kunstwerk an seiner kompletten Entfaltung zu hindern. Und dann habe ich endlich das, was ich will."
Er hörte das triumphierende Lachen des Mannes und hätte am liebsten gekotzt, um die Kopfschmerzen und den Brechreiz loszuwerden, doch stattdessen verlor er das Bewusstsein.
„James?" Lilli's Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Sie versteckten sich nach wie vor auf dem Baum vor den Todessern. Genau solche Kopfschmerzen, wie er damals hatte, bekam er sie auch heute wieder. Er konnte sich nicht daran erinnern was passiert war, nachdem er das Bewusstsein verlor, denn das nächste was er sah waren die besorgten Gesichter seiner Freunde als er an einem Bett gefesselt bei ihnen wieder aufwachte. Er konnte sich jedoch vorstellen, dass er kurz davor stand, dies erneut geschehen zu lassen. Voldemort musste das dunkle Mal diesmal stärker gemacht haben.
„Alles okay?"
„Ja, klar," log er. Sie mussten so schnell es ging zum Eberkopf gelangen. Er hoffte, dass Dumbledore dort auf sie warten würde, so dass der Schulleiter dann im Stande war, einzugreifen, falls das mit ihm passieren sollte, was letztes Jahr mit ihm geschehen war. Sollte er wieder zu einem Todesser werden, so hoffte er, dass Dumbledore das Richtige tun würde. Er durfte seine Freunde nicht noch länger in Gefahr bringen. „Ist die Luft rein?"
„Nein," flüsterte Sirius mulmig.
„Da kommt der nächste Haufen. Oh oh."
„Oh oh ist nicht gut."
„Voldemort ist mit dabei, Kumpel."
„Scheiße."
„Das trifft's genau."
„Nein, Padfoot... Ich kann mich nicht mehr halten."
„Was?!" Lilli und Sirius hatten zu spät bemerkt, dass James sein Gleichgewicht verloren hatte und noch bevor einer der beiden nach ihm greifen konnte, entglitt er ihren Griffen und stürzte hinab auf den harten Boden hinab. Was folgte war ein ersticktes Keuchen und ein schmerzvolles Ächzen als er aufprallte. Die beiden hatte nicht gezögert sofort zu ihm hinab zu apparieren, doch es war derselbe Moment, in dem auch sämtliche Todesser um sie herum inklusive Voldemort selber realisierten, wer sich da in ihrer Mitte befand.
Obwohl sein Kopf halb explodierte und sich alles um ihn herum drehte stieß er sich zurück auf die Beine und fand sich im nächsten Augenblick direkt Voldemort gegenüber. Lilli und Sirius befanden sich etwas weiter weg und wurden von Todessern daran gehindert zu ihm durchzukommen. Er sah wie sie sich mit den Gegnern duellierten, um sich ihren Weg zu ihm zu bahnen.
„Ah, du spürst es bereits."
Voldemort's kalte Stimme brachte Unheil mit sich, denn ihm war durchaus bewusst, dass er Recht mit seinem Verdacht hatte. Die Kopfschmerzen waren der Vorbote von dem, was er befürchtet hatte.
Sein Herz begann unkontrolliert zu pochen. Es raste förmlich in seiner Brust.
„Wie ich dir gesagt habe, früher oder später, gehört Gryffindor's Magie mir. Dich dagegen zu wehren wird alles nur noch schlimmer machen. Für dich und für deine Freunde."
James ballte seine Hände zu Fäusten und unterdrückte die Wut, die in ihm aufkeimte.
„Sie können Lilli nichts tun," sagte er entschlossen.
„Ich nicht, aber du."
Genau so triumphierend, wie diese blutroten Augen glänzten, genauso stark kroch die Angst in ihm selbst hoch.
„Du weißt es, nicht wahr?" fuhr Voldemort langsam fort. „Sobald ich die gesamte Kontrolle über Gryffindor's Magie habe, habe ich auch absolute Kontrolle über dich. Du warst mein ergebener und loyalster Diener und du wirst es wieder werden und dieses Mal für immer. Sobald du einen von ihnen für mich getötet hast, ist mein Fluch besiegelt."
„Nur über meine Leiche, hören sie. Ich werde das verhindern und wenn ich mich selbst töten muss," sagte er entschlossen, denn genau das war er. Er würde sich eher selbst das Leben nehmen und als Feigling gelten als zuzulassen dass dieser Mann ihn dazu brachte einem seiner Freunde zu töten.
„Du hast keine andere Wahl, James Potter. Sobald das Gift in meinem Kunstwerk mit dir fertig ist, wirst du mir sogar all ihre Köpfe auf einem Silbertablett servieren, wenn ich es nur ausspreche. Oh ach ja! Da war ja noch was -" Seine Stimme klang überheblich und der sadistische Ausdruck in diesem Gesicht brachte eine grauenhafte Angst in ihm herauf. Was war jetzt? Was hatte dieser Mistkerl jetzt wieder getan? Voldemort lachte höhnisch.
„Meine Magie ist unbesiegbar. Das weißt du ja sicherlich. Als solche bin ich auch im Stande über dem ewigen Schwur zu stehen."
„Sie lügen," keuchte James atemlos. Er bekam immer weniger Luft und hätte er sich nicht am Baumstamm abgestützt, er wäre sofort wieder auf seine Knie gefallen.
„Du hättest mein Angebot annehmen sollen, aber du musstest ja unbedingt Dumbledore folgen. Mein Angebot auszuschlagen war das Letzte, was du je an falschen Entscheidungen getroffen haben wirst. Du glaubst ich lüge?"
Unter quälenden Schmerzen sah James wie Voldemort sich ihm abwandte und sich zu seinen Todessern drehte, die sich mit Lilli und Sirius duellierten.
„Ich will Evan's tot sehen. Tötet sie und reißt ihr schmutziges Herz heraus!"
Und bevor James überhaupt verstand, was passierte oder was er tat, kochte die Wut in ihm über. Dass sein Kopf halb vom heftigen Pochen explodierte oder sein Körper von diesem krampfartigen Schmerzen überrannt wurde ignorierte er als er mit einem Mal seine Hände um Voldemort's Hals schloss und zudrückte.
„Wie wär's, wenn ich Sie töte!" donnerte James mit bebender Stimme und drückte so fest zu wie er nur konnte. Er sah den geschockten Blick seines Gegenübers, spürte dessen dürren Hände, die verzweifelt versuchten seine Arme von sich wegzuziehen, doch er presste noch fester zu. In diesem Moment wollte er ihm das Leben aus seinem Körper reißen und dem ganzen Schrecken endlich ein Ende setzen. Er spürte Hände, die sich um seinen Bauch schlossen und um seine Arme und versuchten ihn wegzuziehen, doch er ließ das nicht zu. Er würde ihn hier und jetzt töten und dem ein Ende setzen, trotz all der Stimmen um ihn herum, die irgendetwas unverständliches brüllten. Er würde ihn töten. Hier und jetzt würde er es tun.
„James!"
„Prongs, lass los!"
„James, du bringst sie noch um!"
Sie? Er blickte zur Seite und erkannte Sirius, der versucht hatte seinen Arm wegzuziehen und direkt neben ihm Lilli, die ihn vollkommen verängstigt angesehen hatte und ebenfalls an seinem Arm zerrte. James sah zurück zu Voldemort – welcher nicht mehr Voldemort war. Schockiert ließ er los und zog seine Hände ruckartig weg als er bemerkte, dass er Anna gewürgt hatte. Sie keuchte, hustete und schnappte heftig nach Luft. Er sah seine Mutter, die neben ihr stand und versuchte ihr zu helfen. In ihrer Hand war ihr Zauberstab, den sie offenbar gerade gezogen hatte. James verstand die Welt nicht mehr. Er stand nicht mehr in Hogsmeade im Wald umgeben von Todessern. Er befand sich in seinem Schlafzimmer im Potter Haus auf dem Boden mit Lilli, Sirius, Remus, Peter und Diana um ihn herum, welche offenbar versucht hatten ihn von Anna wegzuzerren. Er sah aufgelöst zu, wie sie sich langsam wieder beruhigte, während seine Mutter sicher ging, dass es ihr gut ging.
„Scheiße," sagte er irritiert. „An, bin ich wieder zum Todesser geworden und hab dich angegriffen?"
Diese hielt mit ihrer Hand ihren Hals und schluckte hart bevor sie sich ihm mit halb irren, halb fassungslosen Blick zuwandte.
„Nein," antwortete sie verständnislos. „Du lagst Wochenlang im Koma und bist gerade aufgewacht, um mich zu erwürgen, du kranker Idiot!"
James schien immer noch nicht zu vollkommen zu verstehen, aber Stück für Stück schien es ihm zu dämmern. Sein Blick senkte sich hinab zu seinem Bauch wo er den Verband sah, der die Einstichwunde des Dolches verdeckte und damit kamen auch die stechenden Schmerzen in seiner Brust zurück.
„Ich lag im Koma?" fragte er unfassbar. Das war alles also gar nicht real?
Heilerin Stradford hatte James Zustand überprüft, nachdem er aus dem Koma aufgewacht war. Er hatte herausgefunden, dass Stradford nun auch für den Orden arbeitete, so dass die Verletzten des Ordens jemanden hatten, an den sie sich wenden konnten. Nach wie vor verwirrt, ließ er jedoch alles mit sich machen. Lilli war dabei die ganze Zeit an seiner Seite geblieben, auch wenn sie kein Wort gesprochen hatte. Genauso wenig wie Remus, Diana und Peter, die gleichfalls im Zimmer geblieben waren, wenn auch etwas entfernt stehen blieben. Er hatte den leisen Verdacht, dass sie befürchteten, er könnte sie angreifen, wenn sie nicht auf ihn aufpassten.
Gerade als Anna, Sirius, Maria und sehr zu James Überraschung auch Dumbledore herein kamen, schloss Stradford ihre Behandlung ab. Sie lächelte James an, nachdem sie ihm etwas Blut abgenommen hatte und steckte die Spritze ein.
„Gut," begann sie zufrieden und wandte sich Dumbledore und Maria zu. „Körperlich kann ich keine außergewöhnlichen Schäden feststellen. Der Stich des Dolches scheint endlich zu heilen. Was immer es für ein Zauber auch war, was auf ihm lag, es scheint vergangen zu sein."
„Danke, für dein schnelles kommen," sagte Maria, woraufhin die Heilerin ihr ein weiteres Lächeln schenkte.
„James, du musst dich ausruhen. Ich komme morgen wieder, um nach dir zu sehen."
Stradford gab ihm ein kurzes Nicken, bevor sie schließlich das Zimmer verließ und Dumbledore sich an alle Anwesenden wandte.
„Ich möchte euch bitten uns für einen Moment alleine zu lassen, damit ich James auf den neuesten Stand bringen kann."
Eigentlich waren alle ohne Wiederworte wieder rausgegangen, doch Lilli hatte etwas gezögert. Sie sah ihren Ehemann besorgt an, der ihr aber zuversichtlich zunickte. Mit einem zögerlichen Lächeln gab sie ihm schließlich einen sanften Kuss auf den Mund, bevor sie den anderen nach draußen folgte und die Tür hinter sich schloss.
Dumbledore war daraufhin zu James ans Bett geschritten und hatte sich auf einen Stuhl hingesetzt.
„Wie fühlst du dich?"
Der junge Zauberer dachte über ein passendes Wort für seinen Gefühlswelt nach, doch ihm fiel nichts ein, was die Vorgänge in ihm angemessen beschreiben könnte. Dumbledore lächelte sanft.
„Ich kann dir versichern, dass dies hier die Realität ist. Du schläfst nicht mehr."
„Okay," sagte er, wenn auch nicht wirklich nachvollziehbar. „Was ist passiert?"
„Die Chains of Xerchia. Es waren die Ketten. Nachdem du kraftlos zusammengebrochen bist, haben deine Freunde versucht deinen Zustand zu stabilisieren. Aber du fielst in ein Koma und die Wunde, die durch den Einstich des Dolches entstanden war, heilte nicht so wie erwartet. Ich kam zurück so schnell ich konnte. Wir hatten einen Verdacht, der sich auch leider bestätigte."
„Die Ketten," sagte James bedrückt. Das hätte er sich irgendwo auch denken können. Im Nachhinein wurde ihm klar, dass sich vieles unreal angefühlt hatte von dem was passiert war. Anna, die ihn einfach so im Stich gelassen haben sollte, weil sie genug hatte? Seine Mutter, der er stets vertraut hatte und eher ihr Leben geben würde, als ihn zu verlieren, sollte ihn die ganze Zeit über belogen und verraten haben? Remus und Peter, die stets an seiner Seite waren und mit ihm zusammen kämpften, sollten plötzlich einfach untergetaucht sein? Voldemort sollte einfach so den ewigen Schwur gebrochen haben können? Es waren also wieder die Chains of Xerchia, die mit seinem Verstand und seinem Leben spielten.
„Moment mal." Plötzlich kam es ihm, dass er dieses Mal gar kein Kettenglied bei sich hatte. Er wollte seinen Gedanken gerade mitteilen, als er in das alternde Gesicht seines Mentors blickte und augenblicklich verstand, dass es diesem längst bewusst war. Etwas grauenvolles hatte sich in seinem Inneren zusammengebrodelt. Das bedeutete nichts Gutes.
„Etwas ist schief gelaufen, nicht wahr?"
Dumbledore nickte sanft und bedrückt, woraufhin er traurig den Kopf schüttelte.
„Es ist meine Schuld," sagte er frustriert. „Ich wollte Voldemort wirklich umbringen. Als ich Anna würgte, dachte ich ihn zu würgen. Ich wusste, dass es falsch war und meine schlechte Seite gewann und trotzdem wollte ich, dass er endlich aus meinem Leben verschwindet, selbst wenn ich dafür zum Mörder werde. Ich hab nicht nachgedacht... Schon wieder."
„Es war nicht deine Schuld, James. Der Zauber war dabei dich zu töten, nicht mehr nur zu schwächen. In Absprache mit mir haben Anna und Lilli einen Schlussstrich gezogen und dich mit einem Zauber aus dem Koma geholt."
Kopfschüttelnd wandte er sich dem älteren Zauberer zu, welcher inzwischen seine einzige Vaterfigur noch darstellte. Ein furchtbarer Gedanken hatte sich in ihm breit gemacht. Also war er zu schwach für die Chains of Xerchia? Zu schwach für Gryffindor's Magie?
„Was jetzt? Hab ich damit den ganzen Zauber ruiniert? Ist Chains of Xerchia nun für mich verloren?"
Dumbledore hatte nicht sofort geantwortet, sondern sah ihn eine Weile lang ausdruckslos an. In gewisser Weise konnte er diesen Ausdruck bei seinem Mentor nicht leiden. Man wusste nicht, ob etwas Gutes oder Schlechtes danach kam, noch wie der Mann sich selber fühlte oder was in ihm vorging. Wenigstens hatte Anna das nicht von ihrem Urgroßvater geerbt, dachte James ein wenig verbittert. Sie rückte zumindest sofort raus, wenn sie etwas zu sagen hatte, ohne diese merkwürdige Stille. Für ihn war der Gedanke erdrückend, dass er ihre harte Arbeit zerstört haben könnte. Er manövrierte sich immer wieder aufs Neue in eine tödliche Situation, aus der einer der beiden ihn mit Müh und Not wieder raus holen musste und was tat er als Dank? Er schmiss ihnen in seiner Wut, dass ausgerechnet ihm so etwas passierte, ständig irgendwelche Schuldzuweisungen entgegen und verstand stets erst im Nachhinein, dass dies unfair von ihm war. Als ob das nicht genug wäre, brachte er nicht mal eine Entschuldigung danach über sich, sondern tat so als ob es nichts gewesen wäre. Dass ihm diese Gedanken nun kamen war nur der Situation zu verdanken, dass Dumbledore nach wie vor kein Kommentar von sich gegeben hatte und langsam fragte sich James, ob er hinter seiner Halbmondbrille vielleicht eingefroren war und spielte mit dem Gedanken ihm auf die Stirn zu stupsen.
„Ich werde dir dazu mehr sagen können, sobald ich einen weiteren Blick in das Buch Xerchia's getan habe," sagte er schließlich langsam. „Ich habe einen Verdacht, jedoch sollten wir keine voreiligen Schlüsse ziehen, bevor wir uns nicht sicher sind."
'Als ob er diesen Satz nicht gleich hätte sagen können' schoss es ihm aufs Neue verbittert durch den Kopf, doch James lächelte Dumbledore verstehend an.
„Ich fürchte, dass der Zauber sich so leicht nicht vorzeitig beenden lässt. Magie hat noch nie den einfachsten Weg genommen, den es gehen könnte. Die Chains of Xerchia sind sehr mächtig und genau so gehen sie auch mit denen um, die sich ihnen aneignen wollen und wollten."
Dazu verzog er verwirrt die Augenbraue und sah seinen Freund misstrauisch an. Wieso hatte er das Gefühl, dass sich nun die nächste Katastrophe näherte, wenn Dumbledore so redete?
„Ich dachte, die Chains of Xerchia sind... na ja gut? Ich will nicht klingen wie ein unverschämter Bengel, aber bisher haben sie nichts als Ärger gebracht. Die Dinger beeinflussen nicht irgendwie, sie sind einfach nur kranke kleine Bastarde, die mit meiner Psyche spielen und mir meine Magie rauben. Ich hab keine Ahnung wie ich zu den anderen beiden Ketten gekommen bin. Gut, ist etwas anderes, Albus."
Dumbledore schien ein wenig verstimmt und traurig zu sein als er schwer einatmete.
„Manchmal, James, sind wir streng und verletzend mit denen, die wir lieben. Es mag unfair und hart klingen und das Verständnis für diese Handlung mag fehlen, aber es dient zum Schutz derjenigen, die wir lieben. Ich garantiere dir, dass dies für beide Seiten nicht leicht ist."
Es brauchte keinen Hellseher, um zu wissen, dass dies eine Metapher zu seiner Beziehung mit seiner Urenkelin sein sollte. Auch dies verstand James nicht wirklich und dass sein Mentor hier nun versuchte beide Situationen miteinander zu vergleichen, regte ihn mehr auf, als dass es abmilderte.
Dumbledore hatte ihn aufgefordert ihm alle zu erzählen, was der Zauber ihn hat im Koma erleben lassen. James schluckte und erzählte.
„Was dauert denn da so lange?" grummelte Sirius ungeduldig, während er im Wohnzimmer immer wieder auf und ab ging. Diana, Remus und Peter saßen ruhig auf einer Couch, Lilli, Anna und Maria ein wenig beunruhigter auf der anderen.
„Das Gespräch ist wichtig, Sirius," sagte Maria mild. „Wenn es noch Stunden dauert, dann soll es so sein. Ich werde Tee kochen. Lilli, Liebes. Wie fühlst du dich?"
„Gut," sagte diese und versuchte zu lächeln. Sie sah müde und erschöpft aus und hatte sich in eine Decke eingewickelt, um sich zu wärmen. Das Feuer im Kamin knisterte wärmend vor sich hin während draußen Schneeflocken vom Himmel herabrieselten und zeigten, dass sie sich mitten im kalten Winter befanden. Maria gab ihr ein warmes Lächeln, bevor sie aufstand und Richtung Küche ging, jedoch am Türrahmen nochmal stehen blieb und sich umdrehte.
„Anna, Liebes, möchtest du mir vielleicht helfen?"
„Ähm... klar," sagte diese verwirrt und folgte der älteren Hexe in die Küche. Es war klar, dass Maria keine Hilfe beim Teekochen brauchte, nur war es nicht offensichtlich, warum sie Gesellschaft dafür wollte. Anna beschloss sie auf sich zukommen zu lassen und holte die Teebeutel und die Tassen aus den Schränken. Sie beobachtete Maria eine Weile lang, wie sie sehr langsam das Wasser in den Wasserkocher fließen ließ und diesen genau so langsam mit einem Zauber schließlich zum kochen brachte.
„Maria, welchen Tee soll ich – Ähm!"
Anna wollte eigentlich nur nachfragen welchen Tee sie in welche Tasse legen sollte als sie sich in einer heftigen Umarmung in Maria's Armen wiederfand. Diese hatte sie so fest an sich gedrückt, dass die junge Hexe überrascht davon gar nicht reagieren konnte und ein wenig erstarrt auf dem Fleck stehen blieb.
„Ich danke dir, Kleines," flüsterte sie ihr leise zu. „Danke, dass du mir meinen Sohn zurückgebracht hast. Ich liebe euch beide so sehr, ich weiß nicht was ich tue, wenn ich einen von euch verliere."
Anna konnte darauf nicht reagieren, also blieb sie wie gefesselt stehen und starrte in die Leere. Es fühlte sich wie eine halbe Ewigkeit an, dass die beiden Frauen so da standen, bevor Maria ihr schließlich einen liebevollen Kuss auf die Stirn gab, sie erneut gefühlvoll anlächelte und sich zurück zum Tee wandte. Die beiden hatten kein weiteres Wort gesprochen, selbst nicht als sie zurück zu den anderen gingen, um den Tee zu servieren.
Dumbledore stand mittlerweile am Fenster und blickte nachdenklich zum Garten hinaus, während James nach wie vor auf dem Bett saß und ein wenig verloren wirkte. Er hatte ihm nun alles haarklein erzählt, weil er wusste, wie wichtig das war, damit man angemessen damit umgehen konnte. Er hatte mittlerweile verstanden, dass sein Mentor stets versucht hatte ihm zu helfen und er wollte ihm keine Steine dabei in den Weg legen indem etwas zurückhielt, nur weil es ihm unangenehm war.
„Albus, ich weiß nicht, wie lang ich das noch tun kann," sagte James schließlich und durchbrach die Stille. Sein Mentor nahm sein Blick vom herabrieselnden Schnee und wandte sich dem jungen Zauberer zu. James verbarg nichts in diesem Moment, jedes seiner Gefühle war frei zugänglich für seinen Mentor. Sowohl die guten Emotionen, Erleichterung, dass die letzten Stunden nicht real waren und Dankbarkeit, dass sie alle hier heil und wohlauf befanden, wie auch die schlechten, die auch eindeutig überragten. Da war Angst, welche Voldemort's Worte nach wie vor in ihm hervorriefen, Schuld, die er nach wie vor spürte, weil er ihnen allen all diese Probleme bereitete und sich nie bedankt hatte, Verzweiflung, weil er sich nun bewusst wurde, dass die Worte, von denen er glaubte, dass er sie nur geträumt hatte, in Wahrheit die Realität waren und damit waren Lilli's Worte real gewesen und noch so vieles mehr, was er nicht einordnen konnte.
Dumbledore jedoch sah keinen 20jährigen heranwachsenden Mann auf dem Bett sitzen. Vor seinem geistigen Auge sah er etwas anderes. Er sah seinen mittlerweile verstorbenen besten Freund, Harold Potter, der das frischgeborene winzig kleine Baby in seinen Armen nah an seiner Brust hielt und strahlte. Er gluckste vergnügt.
„Sieh dir den Kleinen an, Albus! Ich hab einen Enkel!" sagte er heiter. „Bevor Maria Patricia bekam, hatte ich die Hoffnung schon verloren jemals Enkelkinder zu bekommen. Die beiden dachten nur daran zu arbeiten und nun? Sieh an! Sogar noch ein Enkel!"
Harold Potter gluckste aufs Neue und konnte einfach nicht aufhören, das kleine Bündel in seinen Armen anzusehen. Dumbledore hatte sich für seinen Freund gefreut. Nachdem er selber mitansehen musste, wie seine Tochter starb und sein einziger Enkel sich gegen ihn stellte, hatte sich seine Einstellung gegenüber Nachfahren geändert. All die Schreckenstaten seines Enkels zu jener Zeit waren grausam gewesen und der Tod seiner eigenen Tochter und Ehefrau lehrten ihm das Fürchten vor unüberlegten Handlungen aufgrund von eigenen Bedürfnissen und Wünschen. Dennoch gönnte er dieses Glück Nachfahren zu haben jedem anderen von Herzen und erst Recht seinem besten Freund.
„Huch! Albus, tu mir einen Gefallen und halte den kleinen Racker mal schnell! Ich glaub ich brauch ne frische Windel für ihn!"
Und noch bevor Dumbledore sich versah, hatte er das klitzekleine Baby in seinen Armen. Haselnussbraune Augen sahen ihn unschuldig an und die winzigen Fingerchen bewegten sich zart und langsam an seine lange Hakennase. Er blinzelte, um ein Niesen zu unterdrücken als der kleine James Potter zu lachen begann. Es war ein wunderbares Babylachen, was er damals hörte und was ihn an seine eigene Tochter erinnerte. Ein Babylachen, ein Kinderlachen, es war das unschuldigste und schönste was es gab. Es heiterte ihn auf, es brachte seine Welt zum leuchten, es gab ihm Zuversicht. Der kleine James Potter gab ihm all dies zurück mit einem einzigen zarten Babylachen und als der Winzling seine kleinen Finger um Dumbledore's Zeigefinger umschloss war es um den älteren Zauberer geschehen und er lächelte warm.
„Albus?" fragte James, der irritiert feststellte, dass sein Mentor nun doch ein wenig sehr lang in seinen Gedanken versunken war. Da er selbst die Geduld eines 4jährigen Kindes beim öffnen eines lang erwarteten Geschenkes besaß, beschloss er zu prüfen, ob sein Freund überhaupt noch bei ihm war oder mit offenen Augen schlafen konnte. Glücklicherweise war eindeutig zu erkennen, dass er offenbar aus seinen Gedanken gerissen wurde, also fuhr er fort. „Wie wird es ab jetzt an weitergehen?"
Dumbledore lächelte warmherzig, genau so wie er das Baby damals angelächelt hatte und setzte sich zu James neben das Bett bevor er ihm schließlich väterlich und Mut machend seine Hand auf die Schulter legte.
„Wie auch immer es weiter geht, es wird so kommen und wir werden es nehmen. Ich werde euch nun verlassen, damit du dich mit den Ereignissen der letzten Monate vertraut machen kannst."
„Monate?" fragte er entsetzt. „Wie lang war ich bitte sehr im Koma?"
Dumbledore hatte ihm darauf keine Antwort gegeben. Stattdessen stand er auf und war zur Tür gegangen.
„Nimm dir Zeit, um dich zu erholen. Ich werde mich bei dir melden, sobald ich kann."
James nickte ein wenig irritiert als Dumbledore ihm schließlich zunickte und sein Zimmer verließ. Monate? Ihm kam das ganze vor wie wenige Stunden, vielleicht Tage, aber gleich Monate?
„Ohne Scheiß, haben die da oben ne Prüfung oder sind die wieder eingepennt oder was machen die da so lang?" grummelte Sirius. Anna pustete lediglich die heiße Luft zwischen ihren Lippen hervor als sie plötzlich die Stirn runzelte.
„Ich glaube nicht, dass Dumbledore noch oben ist," sagte sie auf einmal schmunzelnd. „Es sei denn er liebt das Potter Haus so sehr, dass er oben alleine die Zimmerwände begutachtet, denn unser lieber Freund steht da draußen im Garten."
Sirius, Remus, Diana und Peter hatten sich auf der Stelle zum Garten gedreht und erstaunt festgestellt, dass ihr Freund sich tatsächlich da draußen befand und mitten auf der Wiese mit dem Rücken zu ihnen gewandt stand.
„Wer geht?" fragte Remus und hatte wieder zurück zu den anderen gesehen. Jeder von ihnen wusste, dass das letzte was ihr Freund in dem Moment gebrauchen konnte war, dass all seine Freunde auf einmal auf ihn zugingen und überrannten. Sie waren sich nur uneinig darüber, wer nun zu ihm gehen sollte. Die Tatsache, dass James sich nicht zu ihnen gesellte, obwohl Dumbledore offenbar bereits gegangen war, ließ nichts Gutes erahnen und diejenige, die für alle offensichtlich war zu ihm zu gehen, schien tief und fest zu schlafen.
„Anna," sagte Remus schließlich. „Du solltest gehen. Lassen wir Lilli schlafen. Sie hat in der letzten Zeit viel durchgemacht."
„Was?" stieß diese ungläubig aus. „Hey, ich glaub kaum, dass er diejenige sehen möchte, die er nach seinem Koma gewürgt hat. Warum nicht Sirius? Er ist der beste Freund."
„Jiah," sagte dieser skeptisch. „Ihr wisst schon, dass ich nen Talent dafür habe mit Prongs ins nächste Chaos zu stürzen, statt über Probleme zu quatschen? Ich kann gehen, wenn du willst, dass wir abhauen und -"
„Okay, okay, okay! Du gehst nicht. Du bringst mehr Ärger," grummelte sie mulmig. „Remus?"
„Ich würde gerne, aber es wird Zeit. Vollmond."
„Vergessen... Sorry."
„Wie wär's mit Maria?"
„Nah, Remus. James würde sich seiner Mutter nicht öffnen aus Angst sie zu sehr zu belasten. Sie ist momentan... ein wenig sehr sensibel... Pete?"
„I-I-I-Ich?"
Damit war klar, dass sie ihn genau so wenig schicken konnten, denn er würde kaum die passenden Worte seinem Freund gegenüber finden, wenn er hier und jetzt schon so unsicher stotterte.
„Wenn du jetzt noch Ayenterro vorschlägst, dann -"
„Schon gut! Ich geh ja," sagte sie schließlich noch bevor Sirius zu Ende klagen konnte. Während Sirius, Peter und Remus sich in eine andere Richtung begaben, um Remus Verwandlung zu kontrollieren, war Anna in Richtung Garten auf James zugegangen, während Diana bei der schlafenden Lilli blieb. Und obwohl es keiner von ihnen sah, hatte es Anna durchaus gefühlt. Lilli hatte nur ihre Augen geschlossen, damit sie alle glaubten, die Freundin wäre eingeschlafen. Sie war wach gewesen und beobachtete nun tief besorgt und für alle anderen unbemerkt, wie Anna zu James hinaus ging.
James stand mitten im Garten und betrachtete den Himmel über sich. Er war klar und mit etlichen funkelnden Sternen neben dem hell scheinenden Mond verziert, wovon einer ganz besonders hell leuchtete. Sein Glanz war beruhigend und schien ganz besonders für ihn zu strahlen.
'Ich vermiss dich echt, Dad. Ich wünschte du wärst hier. Ich bereue so vieles und wünschte, ich hätte es dir noch sagen können. Ich weiß, dass Mum jeden Tag traurig ist, weil du nicht mehr da bist. Ich höre sie sogar ab und zu mit dir reden, als ob du noch bei ihr wärst. Ich glaube, sie braucht das, weil in unserer Familie stets du der Starke warst. Dad, was soll ich nur tun? Ich werd diesen Kampf gegen Voldemort nicht ewig so weiterführen können. Und ich kann nicht immer auf Anna bauen. Was wenn sie wirklich eines Tages daran zerbricht? Wenn sie meinetwegen von Voldemort getötet wird, würde ich mir das niemals verzeihen. Wärst du noch am Leben, der Orden des Phoenix wäre stark genug, um Voldemort zu besiegen. Da bin ich mir sicher. Könntest du mir doch nur sagen, was ich tun soll ...'
Ihm tat weiterhin jeder Atemzug weh, aber im Vergleich zu dem was er gerade durchlebt hatte, waren diese Schmerzen absolut erträglich. Er ertrug diese mit Vergnügen, da er nun wusste, dass diese schreckliche Stimmung als ob die Welt gleich unterging nicht die Realität war.
„Ein nachdenklicher James Potter alleine im Garten stehen," hörte er die vertraute Stimme seiner besten Freundin, welche nur einen Moment später neben ihm stand. „Eine Galleone für deine Gedanken."
Der Zauberer lächelte sanft, bevor er seine Aufmerksamkeit vom Abendhimmel wegnahm und der Hexe zuwandte. Dieses Mal nahm er sich die Zeit, um tief in ihre dunklen Augen zu sehen und den warmen Glanz darin zu verinnerlichen. Er hatte ihn wirklich schmerzlich vermisst und bemerkte auch erst jetzt welche Zuversicht und Stärke sie ihm wirklich immer wieder aufs Neue gaben.
„Okay, jetzt fängst du an mir Angst zu machen," sagte Anna verwirrt, denn sie konnte sich nicht erinnern wann sie ihn das letzte Mal so ernst und ruhig gesehen hatte. Dass er sie förmlich anfixierte machte das unruhige Gefühl in ihr auch nicht besser.
„Sorry," sagte er ehrlich, doch er hatte nicht aufgehört sie anzustarren.
„Was ist passiert?" fragte sie schließlich sanft. „Das Gespräch mit Dumbledore scheint nicht sehr gut gelaufen zu sein."
„..."
Er wollte ihr sagen, dass das Koma ihn in den Abgrund riss und ihm seine schlimmsten Alpträume vor Augen führte und dass er sich von dieser Angst und dieser Last erdrückt fühlte. Aber er tat es nicht aus Sorge eine dieser Erlebnisse wahr werden zu lassen, nämlich seine beste Freundin für immer zu verlieren. Ob es nun Glück oder Pech war, dass er sich vor ihr nicht verschließen konnte und sie dadurch seine Gedanken fühlen konnte, sei dahingestellt. Anna jedenfalls sah mit einem Mal beunruhigt aus.
„Du hast Angst, dass ich abhaue und dich im Stich lasse?" fragte sie unsicher. Er atmete erschöpft aus und nun brach es einfach aus ihm heraus ohne dass er es hätte verhindern können. Obgleich sich sein Verstand dagegen weigerte, hatte sein Herz die Oberhand ergriffen.
„An, als ich im Koma lag – Ich wusste nicht, dass ich im Koma lag und dass es wieder mal die Chains of Xerchia waren, die mit meinem Verstand spielten. Diese Kette... Sie hat mir meine schlimmsten Ängste vor Augen geführt und alles kam zusammen. Warst du jemals in einem Alptraum gefangen, in dem all deine schlimmsten Befürchtungen plötzlich wahr geworden sind, nur wusstest du nicht, dass es ein Alptraum war?"
„Ja," antwortete sie ohne Umschweife, woraufhin er irritiert die Augenbraue verzog, doch sie zuckte lediglich ein wenig amüsiert den Mundwinkel. Es brauchte keine weiteren Worte, um ihm verständlich zu machen, dass sein Alptraum nur ein Teil dessen war, was sie wohl jeden Tag hatte. Umso mehr wurde ihm bewusst, wie stark sie tatsächlich war und wie sehr er sie eigentlich unterschätzt hatte.
„Neben vielen Situationen, auf dessen Eintreffen oder Nichteintreffen ich keinen wirklichen Einfluss habe gab es eine weitere, auf die ich sehr wohl Einfluss habe," fuhr er fort. „Mir ist es nur nie klar gewesen, bis jetzt. Da war eine Furcht, dass du tatsächlich eines Tages die Nase voll haben könntest, mir immer aus der Patsche helfen zu müssen, du deswegen aufgibst und abhaust. Ohne deine Hilfe ging alles kaputt... Ich ging daran kaputt. Mein dunkles Mal kam zurück und ich war drauf und dran wieder ein Todesser zu werden und Voldemort mit meinen bloßen Händen zu erwürgen."
„Dein dunkles Mal?" fragte sie verwirrt.
Er verzog seinen Mundwinkel, statt zu lächeln. Es war frustrierend, aber es war auch die Wahrheit und sie hatte die Wahrheit verdient. Ihm war klar, dass er ihr damit weh tat und er wünschte sich, dass es anders wäre, aber die Ketten hatten ihm gezeigt, dass er Dinge nicht einfach ignorieren konnte.
„An, erinnerst du dich daran, dass ich dir etwas von den Geschehnissen verschwiegen hatte, als ich mich bei Voldemort befand?"
Sie nickte vorsichtig, sah ihn jedoch skeptisch an.
„Ich hab es dir nicht gesagt, nicht etwa weil ich dir nicht vertraue, sondern weil ich nicht wollte, dass du dir Vorwürfe machst oder es dir schlecht geht."
Er schwieg einen Moment, um sich zusammenzureißen und ihr nun wirklich die ganze Wahrheit mitzuteilen in der Hoffnung sie würde es ertragen können und damit auch das richtige zu tun.
„Voldemort hat versucht mich erneut auf seine Seite zu ziehen. Als ich ablehnte sagte er, dass ich keine andere Wahl hätte und auf seine Seite kommen würde. Das dunkle Mal und diesmal, das sagte er, würde es niemand wieder wegbekommen. Du erinnerst dich daran, dass es beim letzten Mal Lucius Malfoy war, der mir das dunkle Mal verpasst hatte? Dieses Mal war es... dein Vater. Er hat im Grunde genommen nur leere Drohungen ausgesprochen..."
Er zögerte mit dem weitererzählen, um ihre Reaktion einordnen zu können, aber dies war in dem Moment nicht möglich. Ihre Augen waren verschlossen und zeigten zwar keine Angst, aber dafür auch keine Entschlossenheit oder ein Zeichen dafür, dass sie ihn wirklich verstanden hatte.
„Ich wurde irgendwann bewusstlos. Als ich wieder zu mir kam, waren sie woanders und Cord Malfoy war der Einzige, der mich bewacht hatte. Den Rest kennst du. Ich wandte mich an Dumbledore und meine Mum. Wir nehmen alle nach wie vor an, dass das Dunkle Mal sich wohl erst mit der Zeit zeigen wird und verblieben daraufhin dabei zu beobachten und auch dabei dir nichts davon zu erzählen."
Ein Glitzern war nun in ihren Augen zu erkennen, was James noch keinem Gefühl zuordnen konnte. War es Traurigkeit? Verständnis? Wut? Eine Herausforderung oder gar Schmerz?
„Wir alle drei waren der Meinung, dass du genug um die Ohren hattest ohne zu erfahren, was schief gelaufen war... Und so wie du damals auf deine Mutter reagiert hattest, hielt ich es einfach nicht für angebracht dir zu sagen, dass dein Vater auf der Bildfläche erschienen ist und... wir haben alle drei beschlossen, dir nichts davon zu erzählen, um dich zu schützen... Wir wollten nicht, dass deine Eltern sich wieder in dein Leben zwingen können ohne dass du es zulässt. Du solltest bestimmen, wann du bereit bist, ihnen wieder zu begegnen."
Er hätte noch mehr zu seiner Rechtfertigung sagen können, doch anhand ihrer Haltung glaubte er, dass es nichts mehr bringen würde. Sie kannte den Grundgedanken und ihre Absichten und er hoffte inständig, dass sie ihnen das nicht nachtrug, sondern verstand, dass sie wirklich nur ihr Bestes im Sinn hatten.
„An, ich bin ein Arsch, ich weiß das okay? Du hast gesagt, ich solle Moony nicht helfen, denn du würdest rechtzeitig kommen. Ich bin ein Vollidiot dass ich es trotzdem getan habe und dir nicht vertraut habe. Ich kann das nicht mal ändern. Ich werd wahrscheinlich immer dieser Vollidiot sein, der unpassend handelt und im Nachhinein dann bereut! Aber An, bitte gib mich nicht auf und verschwinde nicht einfach so aus meinem Leben."
Sie konnte nicht anders als unfassbar den Kopf zu schütteln. Überrascht stellte er fest, dass sich ein Lächeln in dem vertrauten Gesicht seiner besten Freundin gebildet hatte.
„Ja, du bist in der Tat ein unglaublicher Knallfrosch," sagte sie plötzlich, so dass er verwirrt erstarrte, statt etwas zu erwidern. „Aber Sirius ist eine noch größere Erdnussbirne als du und ich date diesen unsensiblen Backstein auch noch! Kannst du's fassen, dass er mich Remus gegenüber als seine Bratpfanne bezeichnet hat?"
James prustete aus Versehen los, riss sich jedoch sofort zusammen und winkte mit der Hand ab.
„Sorry," sagte er, während er sich das Grinsen nur sehr schwer verkneifen konnte.
„Und ja, du hättest mir sagen sollen, was bei Voldemort passiert ist. Denn dann hätte ich dir gesagt, dass gar keine Gefahr mehr darin besteht, dass du jemals wieder zu diesem Monster wirst."
„Ähm?" machte er irritiert.
„James, dachtest du wirklich ich lass dich diese Höllenqualen durchleiden, und gebe Voldemort dennoch die Chance dir das dunkle Mal erneut einzubrennen? Ich hab Vorkehrungen getroffen, dass jeglicher Versuch dir ein erneutes solches Mal einzubrennen scheitern wird. Das dunkle Mal in dir, das ist Vergangenheit. Das wird nie wieder zurück kommen."
Er fragte sich für einen Moment, ob er nicht immer noch im Koma lag, denn ihre Worte waren zu schön um wahr zu sein.
„Dumbledore wusste davon nichts."
„Natürlich nicht! Ich erzähle ihm auch nicht mehr alles, weil er gar keine Zeit oder Nerven dafür hat. Ich tat es zu Beginn als wir mit dem Orden des Phoenix begannen und hörte damit auf als er mir sagte, ich solle ihm nicht alles erzählen, denn er würde darauf vertrauen, dass ich es richtig erledige."
James war sprachlos und überrascht, doch Anna rollte daraufhin mit den Augen.
„Und nur damit du's weißt und ich werde es nur dieses eine Mal sagen – und ehrlich gesagt finde ich es fast ein wenig beleidigend, dass du mir das überhaupt zutraust. Ich werde es jedoch auf die Chains of Xerchia schieben, die dich offenbar komisch machen - Es gibt nichts, was mich jemals dazu bringen könnte aufzuhören dir zu helfen."
Sie lächelte sanft, bevor sie ihre Stirn runzelte.
„Es sei denn natürlich, du killst mich, dann ist es klar, dass ich nicht mehr da bin, um zu helfen. Und wenn du mich das nächste Mal versuchst zu würgen, werde ich dir Furunkeln auf den Hintern zaubern, die sich gewaschen haben, um mich zu verteidigen, also wundere dich nicht, wenn du wieder zu dir kommst und dein Arsch wie die Hölle juckt."
Nun kam auch James nicht umhin zu grinsen. Ihr Sarkasmus hatte ihm wirklich gefehlt. Es war ein Zeichen dafür, dass er wirklich nicht mehr träumte und alles real war.
„Ich werde niemals aufhören dir zu helfen, James. Ich kann nur leider nicht versprechen immer erfolgreich zu sein. Wir sind auch dieses Mal nur mit einem blauen Auge knapp davon gekommen. Ich fürchte, dass irgendwann auch uns mal das Glück wegläuft."
James gab ein trockenes Lachen von sich. Dessen war er sich bewusst gewesen und auch hier konnte er nicht anders, als ihr die Wahrheit zu sagen.
„Du weißt es vielleicht nicht, An und womöglich ist es auch nicht fair dir das zu sagen... aber wir alle, Remus, Sirius, Lilli, Peter und Ich waren immer der Meinung – und womöglich ist das auch der Grund, warum wir uns überhaupt trauen soviel Mist zu bauen – dass solange du da bist, wir auch wieder heil raus kommen. Du hast uns immer irgendwie wieder rausgehauen."
Er wartete in der Hoffnung eine Reaktion von ihr zu bekommen, welches ihm zeigte, dass sie es verstand und ihnen nicht übel nahm. Anna aber blickte traurig zu Boden, gab ihm danach ein kurzes Lächeln, bevor sie sich abwandte und zurück ins Haus ging. Hatte er sie damit unabsichtlich noch mehr belastet? James wusste nicht, ob es gut war ihr das zu gestehen, doch es war die Wahrheit gewesen.
Die junge Hexe hätte es ihm sagen können, aber sie beschloss es für sich zu behalten. Nur weil andere ihr Lasten aufbürdeten musste sie es nicht genau so tun. Sie würde ihre Gefühle für sich behalten und einsperren. Keiner von ihnen würde sie verstehen, genau so wenig, wie sie sich selber in dem Punkt verstand. Vergessen und Ignorieren war zur Zeit einfach leichter, statt sich damit zu beschäftigen. Vergessen und Ignorieren, so lange es ging und noch ging es. Eines Tages würde sie sich damit auseinandersetzen, aber nicht heute und nicht jetzt.
Bevor sie ins Haus rein schritt, hatte sie sich noch mal umgedreht.
„Willst du nicht rein kommen? Es ist kalt und im warmen alles aufholen ist besser und gesünder."
James hatte sie kurz angesehen und sanft gelächelt.
„Ich komm gleich nach."
Sie nickte verstehend und er sah zu wie sie im Haus verschwand. James drehte sich zurück zum Abendhimmel und blickte zurück zum hell leuchtenden Stern. Er brauchte einen weiteren Moment, um sich wieder zu fangen. Bevor das nächste Unheil seinen Lauf nahm, bevor die nächste Katastrophe auf sie zukam und bevor er ihnen mitteilte, dass er womöglich den Zauber der Chains of Xerchia ruiniert hatte und dem Orden damit den Vorteil zerstört hatte, den er so unbedingt im Kampf gegen Voldemort brauchte, wollte er für einen Moment Ruhe haben und sich sammeln können. Er konnte jetzt nicht aufgeben. Er würde jetzt nicht aufgeben. Aber er würde etwas ändern. In diesem Moment hatte er etwas bewusst beschlossen und sich selbst geschworen dies durchzuziehen. Um Lilli's Willen, um seiner Freunde und seiner Mutter Willen und all den Zauberern und Hexen im Orden, die mit ihm zusammen kämpften musste er das nun tun. Seine Freunde würden ihn vielleicht nicht verstehen und es auch nicht gut heißen, aber das brauchten sie auch nicht, denn am Ende war sich James sicher, war es das Beste für alle Beteiligten. Vor allen Dingen aber würde es das Beste für Lilli sein. Er würde niemals zulassen, dass Voldemort ihr zu nahe trat. Koste es was es wolle.
