Seine Partnerin hatte Recht, das erkannte Chris auf den ersten Blick.
Dieser Raum, dieses weiß in weiß gehaltene…Labor, es handelte von ihr. Jill.
Der Agent sah Tische, technische Geräte darauf, Regale neben kaputten Kühlschränken mit Chemikalien, alles, was eben als Laborausstattung diente. Dazu mehrer Pulte mit Hockern davor, die wohl einst als Arbeitsplätze dienten.
Langsam ging der Agent, sichtlich geschockt, in den Raum und besah ihn sich im Schein der Taschenlampe genauer.
An einer weißen Glastafel die an der hinteren Wand im Raum stand, waren Röntgenbilder angebracht. Aufnahmen eines Thorax mit einem Metallenen `Ding´ in der Höhe der Brust. Dicht davor blieb er stehen. Chris war klar, das es sich um das einstige Kontrollgerät von Jill handeln musste, denn daneben hingen listenweise Daten über Jill, Reaktionen auf verschiedene Viren, chemische Stoffe und einige Testergebnisse. Außerdem hingen, an einer anderen Tafelwand auch Fotografien von ihr, die sie schlafend, fast nackt im afrikanischen Versuchslabor erst noch mit dunklen Haaren, dann mit blonden zeigten. Zudem standen auf den Pulten jeweils verschiedenen Forschungsgläschen, Reagenzgläser teils mit verkrustetem Blut. War es das von ihr, dem Versuchsobjekt JV-06?
Wahrscheinlich.
Ein heftiger Stich durchdrang das pochende Organ in seiner Brust. Schmerzlich sah er aufs neue, was grausames ihr angetan worden war. Er hasste es und er hasste sich, denn sein Versagen, hatte sie dort hinein getrieben.
,,Was…" begann Chris erschüttert und schluckte ehe er fort fuhr, ,,…Was hast du hiermit zu tun?" Der Agent drehte sich zu seiner Partnerin um und erkannte ihren zitternden Blick.
Sie kam näher.
Ihre Schritte hallten auf dem Fliesenboden wieder, als sie über etliche Dokumente und zerbrochene Reagenzgläser ging, ihre Augen ruhten auf der Tafel, vieles was ihr angetan wurde, war dort sichtbar, lesbar für jeden. Sie fühlte sie erniedrigt und entblößt, hasste es nur ein Objekt zu sein. Ein Ding, das man begaffen und damit forschen konnte.
Zu sehr erinnerte sie das alles hier an ihren höchst persönlichen Alptraum. Sie fühlte sich wie eine armselige Laborratte.
Die Demütigungen, die Angst, die Hilflosigkeit und die Scham, erfüllten sie mit purem, bloßem Hass.
Es sollte endlich und verdammt noch mal aufhören!
Sie ballte ihre Hände zu Fäusten, fühlte beißende Tränen, ihre angestrengte, zitternde Atmung.
…Es musste aufhören!…
Chris wollte schon auf sie zugehen, ihr etwas tröstendes sagen, doch da eilte Jill schon an ihm vorbei.
Wütend griff sie sich einen der Hocker, der vor einem der Pulte stand und schmetterte ihn, ihren Hass nicht länger unterdrückend, gegen die Glastafel. ,,Ich bin nicht mehr dein Haustier!…Nie wieder!" ihre Schreie wurde von zerspringendem Glas untermalt. Prasselnd rieselten die Scherben und Dokumente zu Boden. Jill schlug noch einmal zu, zertrümmerte die Tafel mit den Fotografien, sie wollte es nicht mehr sehen! Sie konnte es nicht mehr sehen!
Tränen der Verzweiflung standen ihr in den Augen, im gleichen Moment ließ sie den Hocker fallen, legte sich eine Hand vor den Mund, die den Brechreiz unterdrücken sollte und taumelte, schwerfällig einige Schritte rückwärts. Ihr Blick ruhte auf `ihren´ Fotografien.
Schwer und tief durchatmend, von diesem dumpfen, unguten Gefühl im Magen geplagt, blieb sie an einem Pult gelehnt stehen. Sie wusste nicht wieso, aber nicht nur dieser Raum hier setzte ihr so zu. Jill war erschöpft, unendlich. Sie wollte und konnte nicht mehr sehen, was sie durchlitten hatte, sehnte sich nach Ruhe. So sehr, das ihre Schläfen schmerzhaft zu pochen begannen. Wieso konnten diese Erinnerungen, diese Bilder tief in ihr nicht einfach verschwinden?
Ehrfürchtig trat Chris vor sie, wusste, das sie das gerade eben nicht zu ihm gesagt hatte, sondern zu ihrem Peiniger…Wesker.
Chris war nicht überrascht über ihren Wutausbruch gewesen, ihm wäre es sicher nicht anders gegangen und er fand es sogar gut, das Jill so reagierte, ihre Gefühle zeigte, denn es würde beitragen darüber weg zu kommen.
Er musterte seine Partnerin, sah ihren traurig, abwesenden Blick und war dabei, eins und eins zusammen zu zählen. Chris sah zu den Blutproben und den Chemikalien und wusste mit einem Mal, was Jill vor ihm verbergen wollte. Was sie ihm nicht sagen wollte, als er sie vorhin, kurz nach dem sie ihn gefunden hatte, danach fragte.
,,Die haben dein Blut genommen…für die Forschungen hier…" begann der Agent und blickte wieder zu ihr.
Jill schluckte. Ihre Augen hingen noch immer auf dem Scherbenhaufen am Boden. Ironie, da ihr ganzes Leben ihr genauso vorkam.
,,Diese Kreaturen waren instinktgesteuert, so wie jedes andere Forschungsobjekt das erschaffen wurde…" begann die Agentin dann leise, ,,…Die Vieren haben diese Menschen, zu dem gemacht, mutiert, was sie jetzt sind, doch jegliche Gehirnfunktionen sind abgestorben, lediglich der Grundinstinkt blieb zurück, das weißt du ja sicher, also hat…Wesker…Er hat meine Antikörper dazu benutzt das Virus ähnlich dem Uroboros verträglicher zu machen, die Hirnfunktionen der Monster wieder herzustellen, ihnen ihre Intelligenz wieder zu geben…" Jill blickte jetzt erst mit reumütigen Augen zu Chris, eine Träne lief ihr über die Wange.
,,…und es erklärt sich auch alles…" Chris schluckte und er begriff, als er in ihre blauen Augen sah, ,,…Dieses Vieh, hat vorhin oben in der Halle vor dir halt gemacht. Wieso hätte es das tun sollen, wenn es dich nicht wieder erkannt hat…irgendwo hat dein Blut sie geprägt."
,,Dann bin ich ein Monster?…Ein Freak? So wie sie?" Jills Blick ging verletzt zu Boden, ihre Finger verknoteten sich gegenseitig.
Chris schüttelte den Kopf und kam einige Schritte auf sie zu: ,,Nein…du bist kein Monster, nur jemand, den sie respektieren. Warum haben denn die Infizierten in Raccoon City sich wohl nicht gegenseitig aufgefressen? Weil sie sich alle irgendwo als gleich betrachten...und ich hoffe du verstehst das jetzt auch richtig."
Sie schniefte und zuckte dabei mit den Schultern: ,,Wäre möglich, ich weiß es nicht, ich war ja selbst überrascht, als dieses Vieh mich nicht zerfetzt hat…"
Er schwieg einen Moment, erkannte das sie erneut, ohne zögern, bereit gewesen wäre ihr eigenes Leben für das seine aufzugeben.
,,Ich konnte es dir nicht sagen…" begann Jill leise, nach einigen, kurzen Momenten des Schweigens.
,,Warum? Du warst doch immer ehrlich zu mir. Ich hätte es schon verstanden."
,,Wie kannst du das verstehen wollen? Nur durch mich, haben diese Bestien überhaupt Verstand, Chris….und ohne mich, wäre das alles nicht passiert! Es wäre so viel Besser gewesen, wenn ich an den Klippen einfach gestorben wäre…" erneut schniefte sie, verbiss sich ihre Tränen und suchte den Augenkantakt zu ihm, ,,…Ich weiß doch, wie sehr du all das verabscheust, wie sehr du das alles hasst, genau wie ich auch!"
Chris blickte sie durchdringend an, erkannte, das sie mit aller Macht gegen ihre Tränen kämpfte. Langsam verstand er ihre ganze Reaktion, ihr ganzes Verhalten, seit ihrer Rückkehr, auch ihm gegenüber. Sie hasste nicht nur sich selbst, sondern sie glaubte wohl auch, das er sie hasste.
,,Jill…" er schüttelte den Kopf, hielt ihren Augen stand, ,,…Glaubst du wirklich, das ich dir dafür die Schuld gebe? Das ich dich verabscheue?…Hasse?…" Chris stellte sich ganz dicht vor sie und wagte es ihr sanft seine Hand an die blasse, kalte Wange zu legen, er streichelte langsam mit dem Daumen über ihre Haut, ,,…Niemals, Jill!…Ich bin so dankbar, das du überlebt hast und…der Typ war krank im Hirn, du konntest doch nichts dagegen machen…"
,,Chris…"
,,Nein!…" er unterbrach sie einfach, seine Stimme war ehrlich, sowie seine Augen, ,,…Niemals! Hast du gehört! Versuch dir zu vergeben...Du musst dich nicht hassen, du darfst dich auch überhaupt nicht dafür hassen, sonst hat `er´ gewonnen!"
Sie schwieg, drehte den Kopf weg, als sie ihre linke Hand an seine legte und diese von ihrer Wange weg zog. Sie biss sich auf die Unterlippe, wusste nicht, was sie denken sollte und wollte die Berührung vollends unterbrechen, doch Chris ließ das nicht zu.
Er hielt ihre Hand fest.
,,Gib dir doch endlich einen Ruck, Jilly…tu nicht etwas, was du später bereuen wirst. Du kannst mich nicht von dir stoßen."
Jill atmete schweigend durch und blickte erneut zu Boden. Sie wusste, er sprach nun von ihnen beiden und es wunderte sie nicht. Der Abend in Barrys Haus, tat ihr wohl ebenso leid, wie ihm und irgendwie hatte Chris recht.
Zu gehen, das Weite zu suchen, war einfacher, als sich mit allem auseinander zu setzen, aber sie würde genau das sein, was sie nicht sein wollte. Alleine.
Doch konnte sie bleiben, bei ihm?
Würde sie vergessen können, wo sie gewesen war, was mit ihr gemacht wurde, wozu sie benutzt worden war? Jill wusste es nicht. Sie war sich nicht sicher, egal wie oft er ihr versicherte keine Schuld an vergangenem zu tragen, egal wie oft er ihr noch sagen würde, das er froh sei, das sie lebte. Zu viele Vorwürfe hatte sie sich selbst gemacht, zu viel hatte sich in ihr innerstes gebrannt, aber dennoch keimte Hoffnung in ihr auf.
Chris hielt noch immer zu ihr, nach allem was war und was er wusste. Vielleicht also, konnte sie es schaffen, mit seiner Hilfe. Vielleicht würde es dann endlich aufhören, wenn sie nur ihre innere Sperre und ihre Angst vor dem unbekannten Neuen überwinden und diesen einen Schritt auf ihn zu machen könnte.
…Vielleicht…
Sie spürte noch immer den Halt seiner Hand an ihrer und erst jetzt, ganz plötzlich regten sich auch ihre Finger. Zaghaft und zitternd umschlossen sie seine Hand ebenso, wie er es mit der ihren schon die ganze Zeit tat.
Chris nahm es war, erwiderte den Druck und wartete ihre Reaktion geduldig ab, war zuversichtlich, als sie sich aufrichtete und noch einmal tief durchatmete.
,,Es tut mir Leid…" Jills Stimme klang zerbrochen, von Tränen durchzogen, als sie alle Fassung verlor. Sie hatte den Kopf noch immer gesenkt, schluchzend brachte sie weitere Worte heraus: ,,…Und es tut mir so leid das ich dich geschlagen habe…Verzeih mir bitte! Ich…ich konnte nicht…" sie brach ab und legte sie die Rechte Hand vor die Augen, als heftige Schluchzer ihren Körper erschütterten.
,,Komm her!" sanft klang seine Stimme. Chris zog die Augenbrauen zusammen und schloss die Augen, als er Jill ebenso sanft in seine Arme zog. Er hielt sie fest, ihre Zerbrechlichkeit in diesem Moment berührte ihn, fast ebenfalls zu Tränen. Er verfluchte, einmal mehr, alles was ihr angetan wurde, jeden, der Hand an sie gelegt und zu diesen grausamen Versuchen missbraucht hatte. Es machte ihn wütend. Könnte er doch nur alles ungeschehen machen….
Jill hielt sich mit ihrer linken Hand an ihm fest und versuchte ihre Tränen zu stoppen. Sie wusste, das jetzt, hier, nicht der richtige Moment war, doch es gelang ihr einfach nicht. Sie fühlte seine Arme um ihren Körper, eine seiner Hände strich ihr beruhigend über den Rücken.
Chris fand es in gewisser Weise sogar gut, das sie ihre verzweifelte Trauer, ihren Schmerz endlich raus ließ, den sie schon seit vielen, seit sehr vielen, langen Tagen in sich trug.
,,Ist schon gut…Es gibt nichts zu verzeihen…" flüsterte er ihr dann ruhig zu, ,,…nichts werfe ich dir vor."
Jill schniefte und beruhigte sich allmählich. Sie zitterte nicht mehr ganz so heftig, die stetig größer werdende Last auf ihren Schultern war ein klein wenig gelindert…
Nach einigen Momenten, waren ihre Tränen vollends versiegt, sie lehnte lediglich noch immer gegen seine starke Brust, genoss die Trost spendende Hand auf ihrem Rücken.
,,Geht es wieder einigermaßen?" fragte Chris dann vorsichtig und leise, sah zu ihr hinab und strich ihr zwei Haarsträhnen aus der Stirn.
Jill schniefte noch einmal und nickte langsam. Dann drückte sie sich von ihm weg, ohne seine Berührung zu unterbrechen. Sie sah ihm in die Augen und schluckte: ,,Danke…" Ihre linke Hand wanderte unbewusst zu ihrem rechten Arm.
Es war ein einfaches Wort, doch Chris wusste, das der Halt, den er ihr gab, ihr noch sehr viel mehr bedeutete. Er wusste, das sie noch immer weit davon entfernt war sie selbst zu sein und das dies hier, alles in ihr wieder aufgewühlt hatte.
,,Ist schon okay…" hauchte er zurück und strich ihr mit dem Knöchel seines Zeigefingers die letzte Träne von der Wange, ,,…verschwinden wir hier, ja?"
Sie nickte.
Chris löste sich nun von ihr, wusste, das es jetzt dennoch wichtigeres gab, als ihr beider Gefühlschaos und wollte los, als er abrupt stockte und sie erneut musterte.
Jill rieb mit ihren behandschuhten Fingern ihre Verletzung, kratzte fest.
,,Alles klar?" wollte er wissen, ein Hauch von Besorgnis lag in seiner Stimme.
Sie sah ihn unsicher an.
,,Es…juckt?" fragte Chris nervös und erhielt ein stilles Nicken als Antwort.
Er nahm ihre Hände in seine und sagte: ,,Dann ist es der T-Virus…du hast dich infiziert…"
Jill nickte erneut und blickte unter sich ,,Ich weiß…"
Chris war sichtlich angespannter als vor wenigen Sekunden. Er verdrängte krampfhaft den Gedanken daran, sie vielleicht wieder zu verlieren: ,,Komm, wir müssen hier weg…"
Jill griff an seine Arme, ließ ihn inne halten, als er sie hinter sich her ziehen wollte und als er den Kopf wieder zu ihr drehte, sagte sie: ,,Tu mir nur einen gefallen, okay?"
Er wollte sie unterbrechen, wusste, was sie von ihm wollen würde, denn er würde das selbe von ihr verlangen, doch Jill sprach einfach weiter, sah ihm fest in die Augen, ,,Wenn du siehst, das es nicht mehr geht, das ich nicht mehr ich bin…jag mir bitte eine Kugel in den Kopf!" Sie meinte das ernst. In ihren Augen las er Verzweiflung, ja sie hatte Angst zu sterben.
Chris trat wieder näher zu ihr und legte ihr eine Hand in den Nacken. Er blickte in ihre eisblauen Augen und schüttelte den Kopf: ,,Das kann ich nicht!…Ich kann nicht und ich werde es auch nicht tun!…Vielleicht ist es auch überhaupt nicht nötig…" er erinnerte sich abrupt an das, was er von der afrikanischen Ärztin über Jill erfahren hatte und sah sie weiterhin an, hoffnungsvoll diesmal, ,,…Jill, du bist vielleicht die einzige Person auf der ganzen Welt, die Antikörper gegen diese Viren besitzt und genau das ist es, was dir heute das Leben retten wird…Ich bin mir ganz sicher, du wirst nicht sterben!"
Jill hielt seinem Blick stand. Sie überlegte und wusste nicht ob er recht hatte, allerdings war es schon einleuchtend.
Ja, sie trug die Antikörper in sich, das hatte ihr auch Rebecca versichert, aber würden sie auch helfen? Sie würde es bald auf die eine oder andere Art herausfinden, denn ein Gegenmittel war momentan schier unerreichbar.
Chris hatte überhaupt nicht wahr genommen, das seine andere Hand sich derweil instinktiv an ihre Hüfte gelegt und auch Jill hatte sich während des kurzen Gesprächs instinktiv wieder an ihn gedrückt hatte. Ihre linke Hand ruht auf seinem Arm.
Sie bemerkte erst im letzten Moment, das Chris dabei war ihre Lippen mit seinen zu verschließen und nichts würde sie lieber tun, als den Kampf dagegen endlich abzulegen, doch sie konnte nicht. Sie stockte, denn etwas war zu ungewiss.
…Nein!…
Blitzschnell hob sie die linke Hand und legt ihm diese auf die Brust, um ihn sanft von sich zu drücken, dann schüttelte sie den Kopf: ,,Chris, nicht!…Wir wissen nicht, ob ich giftig für dich bin." Es war nur ein Flüstern, doch Chris hörte es. Er verstand, was sie meinte.
Ja, sie hatte ihn auch küssen wollen, das konnte er in ihren Augen lesen, an ihrer Körpersprache spüren. Sie hatten sich gegenseitig vergeben, wieder versöhnt, doch Jill wollte einfach nicht, das er sich wohlmöglich irgendwie an ihr infizierte. Der Erreger war zwar nur im Blut vorhanden, doch es war offensichtlich, das nach all den Jahren dieser T-Virus mutiert, wahrscheinlich mit anderen Stämmen gekreuzt und verändert worden war, also war das Risiko ihn über Speichel zu übertragen zu hoch, als das Jill das eingehen wollte. Sie war besorgt um ihn, niemals würde sie ihn gefährden. Das wusste er.
Leicht nickte Chris, dann gab er ihr allerdings einen federleichten Kuss auf die Stirn, drücke sie ebenso leicht in einer kurzen Umarmung an sich.
Jill schloss die Augen und lehnte sich an ihn. Sie bereute alles, was sie ihm angetan hatte, was sie zu ihm gesagt hatte. Chris war es, den sie wollte und brauchte, nicht Carlos. Das war schon immer so gewesen, nur hatte Jill sich das nie eingestehen wollen und je mehr sie sich dagegen wehrte, desto stärker sehne sie sich nach ihm, ihrem Partner.
Allerdings war hier und jetzt wirklich der absolut falsche Ort, um noch länger zu verweilen. Noch immer wurden sie gejagt. Sie mussten ihren Auftrag erledigen, denn noch nie, in all den Jahren, hatten sie ihr Ziel nicht erreicht, wenn auch Verluste mitgespielt hatten.
,,Wir…" begann Jill dann und löse sich aus der Umarmung, ,,…wir sollten hier verschwinden!"
Chris sah ihr erneut in die Augen, dann nickte er abermals und ging los, zurück zu dem kleinen Büro, zu der kleinen Tür unter dem Lüftungsschacht aus dem sie vorhin gekommen waren.
Jill folgte ihm umgehend, doch erneut wurde ihr Übel und ganz plötzlich schwarz vor den Augen. Sie stoppte, fühlte den Juckreiz und die Taubheit in ihrem Arm steigen, die Kopfschmerzen und das beengende Gefühl in ihrer Brust.
Schwankend hielt sie sich am Türrahmen fest und legte sich eine Hand an den abrupt, heftig krampfenden Bauch. Sie keuchte vor Schmerz und krümmte sich, ihr wurde kotzübel.
Chris hielt bei dem Geräusch inne und drehte sich zu ihr um. Erschrocken eilte er zu ihr zurück, als er sie so kümmerlich dort hängen sah. Er fasste ihr an die Schultern: ,,Was ist los?…Jill, stimmt was nicht? Ist dir schlecht?"
Er hatte Angst um sie. Mit welcher Mutation hatte er es zu tun? Es machte ihn nervös. Inständig hoffte er, das er mit seiner Theorie recht behielt. Chris hoffte, das Jills Antikörper wirklich stark genug gegen die Infektion waren. Er hörte ihren angestrengten Atem, wie sie versuchte tief durchzuatmen und betete, das sie nicht sterben würde.
Ein poltern erklang plötzlich aus dem Lüftungsschacht, gefolgt von knurrendem Gebrüll und dem vertrauten Geräusch von knochigen Krallen auf Metall. Die CI´s waren nicht mehr weit entfernt.
,,Komm hoch…" Chris fasste ihr an die Hüften, wollte das sie sich aufrichtete, sie mussten beide hier verschwinden, doch Jill schaffte es nicht. Sie stöhnte gequält auf, denn ihre Innereien schienen sich ineinander zu verknoten, sie krümmte sich vor Schmerzen nach vorne und plötzlich dann, gaben ihre Beine vollends nach und sie ging in die Knie. Ihr Atem ging stoßweise, sie stützte sich mit der freien linken Hand am Boden ab. Ihre Umgebung verschwamm.
,,Jill!" Chris hatte sie kaum halten können und hockte sich neben sie, legte eine Hand an ihren Rücken, wollte ihr wieder aufhelfen. Völlig perplex wusste er nicht, was er sonst tun sollte, im selben Moment begann Jill zu würgen und erbrach sich …
