28. Planting the seeds
„Das war deine Idee! Erzähle mir nicht, dass dies nicht deine Idee war, Hermine!"
Wie sie es vorhergesehen hatte, erwartete Severus sie in der Bibliothek. Er lief wild vor der Feuerstelle hin und her und Wut loderte in seinen Augen. Sie hatte sich auf diese Konfrontation vorbereitet, aber sie hatte nicht mit dem Tuch der Traurigkeit gerechnet, das sich in Justins Schlafraum über sie gesenkt hatte.
Sie freute sich nicht auf das Gespräch. Alles, was sie nun wollte, war die Dinge, die sie nun über Justin erfahren hatte, loszuwerden und vielleicht ein guter Heulkrampf auf dem Sofa. Doch dies war nicht der richtige Moment. Severus brauchte einen klaren Kopf, um die Information zu verdauen, die sie ihm geben würde und momentan war er außer sich vor Wut – ganz bestimmt nicht der richtige Augenblick, um so ein sensibles Thema zu besprechen, das war ihr inzwischen klar geworden.
So schob sie ihre Traurigkeit in eine entfernte Ecke ihres Geistes und dachte an das, was sie heute Nacht begonnen hatte und wo es sie hinführen würde.
„Und wovon bitte sprichst du, Severus?" beantwortete sie seinen hitzigen Ausbruch mit einem leicht spöttischen Lächeln und ließ sich auf das Sofa fallen.
„Über ein ausgesprochen faszinierendes Angebot - oder sollte ich eher sagen Befehl - den Albus mir heute Nachmittag unterbreitet hat," knurrte er. „Und versuche nicht einmal so zu tun, als hättest du keine Ahnung davon gehabt. Du hast dem alten Mann die Idee in den Kopf gesetzt, nicht war?"
„Albus hat dir einen Antrag gemacht," rief sie unschuldig, während sie seine Anklage ignorierte. „Nun, Severus, bin ich wirklich schockiert!"
Aber dieses Mal ignorierte er ihre spielerische Neckerei und sie konnte sehen, dass er wirklich wütend war.
„Genug! Ich kann das gerade gar nicht gebrauchen, Hermine. Warum hast du mir nicht eine Chance gegeben darüber nachzudenken, ob ich das wirklich will. Warum hast Du mir vorher nichts gesagt?"
„Weil du die Idee sofort abgelehnt hättest, Severus," antwortete sie und wurde sofort ernst.
„Du weißt, dass du es getan hättest. Du könntest dir niemals vorstellen in so einer Vertrauensposition zu sein und so viel Macht und Kontrolle im Orden auszuüben. Du denkst immer noch, dass sie dich als den missmutigen Todesser sehen, den sie nur wegen seines Nutzens in ihrer Mitte tolerieren.
Nun schaute er grimmig und sah genau aus wie der Todesser. „Hör auf wie ein Psychologe zu sprechen," warnte er sie.
„Das ist keine Psychologie, das ist Beobachtung, Severus. Du hättest dich niemals für diese Position beworben und was noch schlimmer ist, du hättest mir verboten, das vor dem Schulleiter zu erwähnen. Auf diese Art hab ich ihm nur von meiner Idee erzählt. Die Entscheidung lag ganz bei ihm und ich bin recht sicher, dass er sie nicht alleine gefällt hat. Offensichtlich wollen sie dich als ihren Meister der Spione. Und sag mir nicht, dass du den Job nicht willst, Severus! Ich kann schon jetzt das Glitzern in deinen Augen sehen!"
Er schnaubte bei der Idee, dass seine schwarzen Augen gierig glitzerten, aber trotzdem entspannte sich irgendetwas in seiner Statur und er setzte sich schließlich hin.
„Ich dachte Albus würde mich aus dem Orden verbannen," gab er nach einem Moment des Schweigens zu. „Und ich habe meine Entlassung schon akzeptiert, bevor er überhaupt zum Punkt kam. Ich habe ihm sogar angeboten von selbst zu gehen. Er schnaubte wieder, dieses Mal mir einem leichten Anflug von Traurigkeit.
„Nun das zeigt es, und das weißt du, nicht war," antwortete Hermine ruhig. Dann lehnte sie sich in ihrem Stuhl nach vorne, genau so, wie Albus es einige Stunden vorher getan hatte und berührte seine Hand. Aber irgendwas an dieser Geste war das natürlichste und beruhigenste Ding der Welt und er bemerkte, wie seine Sorgen schwanden.
Sie kommen nicht ohne dich zurecht." Sie setzte sich einfach hin und ihr Blick war warm und liebevoll. „Es gibt niemanden, der so gut ist wie du, Severus. Nun jedenfalls keinen, der so bösartig ist wie du", fügte sie nach einem Moment hinzu. „Selbst Moody kann man nicht mit deinen eher hässlichen Stimmungen vergleichen."
„Oh, vielen Dank auch." endlich schlug er ihren Tonfall an und sie atmete vor Erleichterung auf. Er hatte ihr verziehen. „Und wie bitteschön ist das Teil deines Planes, Hermine?"
„Das kann ich dir erst sagen, wenn du die Position angenommen hast," zog sie ihn auf. „Andernfalls wäre es Top - Secret und ich müsste dich umbringen."
Er seufzte geschlagen, konnte aber nicht ein amüsiertes Zucken seines Mundes verhindern. „Ich beuge mich deiner Impertinenz, Frau", sagte er ihr. „und ja, ich habe den Job angenommen."
Ein strahlendes, erleichtertes Lächeln hellte ihr Gesicht auf und erst jetzt wurde ihm klar, dass sie über diesen Teil wirklich besorgt gewesen war.
„Es ist nicht nur ein Teil dieses Plans. Es ist eine logische Entwicklung und ich ziehe vor zu wissen, wer die Informationen bekommt, die ich herausfinde. Zum Beispiel die Sache, die ich heute Abend herausgefunden habe." Ihre Stimme veränderte sich, wurde dunkler und erwachsener und Severus lehnte sich in seinem Stuhl vor, um ihr in die Augen zu schauen. „Es ist nichts, was jeder im Orden wissen sollte."
Zeig es mir, dachte er und sie öffnete ihre Erinnerungen für ihn.
Sie fühlte seine stille Zustimmung bei ihrer Vorgehensweise und ihrem Einfallsreichtum, seine leichte Irritation bei der Einfachheit mit der sie die Banne umgangen hatte, aber als er den hohlen Bettpfosten erreichte, fühlte sie, wie Severus vor Ärger zischte.
Wer? Fragte er sie und sie antwortete ihm mit einem Bild von MacNair und verglich es mit einer der vermummten Figuren, die Justins Mutter gefangen hielten. Die Größe und die Gestalt des Mannes passten genau.
„Da stimme ich zu", sagte er düster und beendete die Verbindung. „Das hättest du nicht dem Schulleiter zeigen können. Und wie beabsichtigst du es zu benutzen?"
Sie lehnte sich auf ihrem Sofa zurück, schloss ihre Augen vor Erschöpfung und lehnte ihren Kopf an einer Ecke an.
„Das ist eine dumme Frage, Severus," seufzte sie. „Ich werde ihn genau so benutzen, wie du es tun würdest."
„Das dachte ich mir", antwortete Snape und ging, nachdem er von seinem Sitz aufgestanden war hinter sie. Hermine bemerkte den Stolz in seiner Stimme und es nahm ihr ein Stück der Traurigkeit.
„Wer wird die Information einschleusen?"
Sie stöhnte vor Wohlgefallen und Erleichterung auf, als seine schlanken Finger anfingen, ihre schmerzende, steife Schultermuskulatur zu massieren. „Draco, wenn er bereit dazu ist", antwortete sie.
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Die Zeit schien ihnen während der nächsten Tage zwischen den Fingern zu zerrinnen, und bevor Hermine es überhaupt realisiert hatte, war der Sonntagnachmittag herangekommen und damit erfüllten wieder die Schüler die Hallen und Schlafsäle von Hogwarts.
Als die Zeit näher und näher rückte, auf die sie sich vorher mir McGonagall geeinigt hatte, sah sich Hermine, wie sie in der Bibliothek stand - ihre Koffer geschrumpft und eingepackt - nicht in der Lage war, sich von diesem Ort loszureißen.
Sie wollte nicht gehen.
Jede Zelle in ihrem Körper schrie ihr zu da zu bleiben, diesen Himmel der Sicherheit nicht zu verlassen, den sie endlich gefunden hatte. Trotz der Dunkelheit, die über ihren Köpfen geschwebt hatte, waren diese Wochen die Glücklichsten gewesen, an die sie sich seit frühster Kindheit erinnern konnte und das Wissen, dass sie nun enden würden, dass sie zu den Schülern und ihrem Problemen zurückkehren musste, machte sie krank. Zurück zu den überfüllten Mahlzeiten in der Großen Halle und den bedeutungslosen Unterrichtsstunden, die sie sich selbst hätte beibringen können.
Kälte breitete sich um ihr Herz aus und ein Blick in Severus Gesicht zeigte ein Spiegelbild ihrer Gefühle.
Er wollte auch nicht, dass sie ging.
Ein Schritt war genug, um die Distanz zwischen ihnen zu überbrücken. Ein Schritt und sie war so fest von seinen Armen umschlossen, dass dort für Sorge und Angst kein Platz war.
„Wir werden uns jeden weiteren Abend, während der Mahlzeiten und während der Unterrichtsstunden sehen", flüsterte er in ihr Ohr, wobei seine Stimme rauer war, ganz anders als der samtweiche Tonfall, den sie von ihm gewohnt war.
Sie nickte gegen seine Brust. „Es ist nur so, dass ...", fing sie an und er nickte ihr aufmunternd zu. „Es ist, dass ich mich zum ersten Mal seit Jahren zuhause gefühlt habe", flüsterte sie.
Sie schwiegen für eine lange Zeit, genauso wie sie es an diesem Morgen in ihrem Schlafzimmer gemacht hatten. Dann trat Hermine zurück und verließ seine Umarmung.
„Wir sehen uns beim Mittagessen", sagte sie und sendete ihm mit ihren Gedanken ein sanftes Lächeln.
Schweigend sah ihr Severus zu, wie sie ging, und war von der plötzlichen Leere in seiner Wohnung erstaunt.
Der Unsichtbarkeitsmantel verbarg Hermine vor den Blicken der Anderen, während sie durch die vielen Korridore von Hogwarts wanderte. Hoch, bis sie die Tür von McGonagalls Büro erreichte. Dort wartete sie ca. fünf Minuten, bis sie hinter McGonagall das Büro betrat.
Dieses Mal jedoch, verließ sie es nicht durch die Bürotür, sondern durchquerte es zu ihrem eigenen Zimmer, dass die Verwandlungslehrerin ihr vor einigen Monaten gegeben hatte und hoffte im Stillen, dass Draco ihre Nachricht erhalten hatte.
Offensichtlich hatte er es. Er sprang auf, als sie in den Raum schlüpfte, aber er kannte sie mittlerweile gut genug, um sie nicht zu umarmen, ja um sie nicht mal ohne ihre Zustimmung zu berühren. Erst als sie, mit einem strahlenden Lächeln in ihrem Gesicht, die Distanz zwischen ihnen überbrückte, nahm er sie in die Arme.
„Draco," seufzte sie erleichtert und war froh, dass er wieder sicher in Hogwarts war, weit genug weg von seinem verrückten Vater und seiner versnobbten Mutter. „Wie war dein Weihnachtsfest?"
„Grauenvoll," antwortete Draco trocken. „Sie haben nicht miteinander gesprochen. Nun, außer wenn Mutter schrie, zeterte und Sachen herum warf. Ich habe sie noch nie so unkontrolliert gesehen. Sie hat sogar mit den Auroren gedroht. Das war der Augenblick, in dem er heraus stürmte, um sich für drei Stunden mit dir zu treffen.
„Oh," murmelte Hermine und wurde unfreiwillig wieder in die Ereignisse dieser Nacht hineingezogen. Das war es also, warum er so durchgedreht war. Und wenn er nicht das verrückte Monster Lucius gewesen wäre, dann hätte sie ihn dafür sogar bedauert.
„Ich war verrückt vor Sorge", gab Draco zu und entließ sie aus seinen Armen, um ihr Gesicht und ihren Körper vorsichtig zu untersuchen. „Erst als der Brief von Snape ankam, konnte ich etwas entspannen. Als Vater zurückkehrte, hatte er einen Ausdruck auf seinem Gesicht ... ich dachte wirklich, er hätte dich in dieser Nacht umgebracht."
„Das hat er fast," gab sie ruhig zu, nur um wieder fest umarmt zu werden. „Wie geht es dir Liebes," flüsterte er in ihr Ohr. „Was hat er dir angetan?"
Ein Blick in sein Gesicht sagte ihr, dass Lucius ... wenigstens einmal davon abgesehen hatte, vor seinem Sohn zu prahlen. Sie war sehr versucht ihn über die dreckigen Geheimnisse seines Vaters im Unklaren zu lassen, aber sie brauchte ihn, damit ihr Plan funktionieren konnte. Und so berichtete sie es ihm.
Als sie ihre Geschichte erzählt hatte, wobei sie natürlich ausließ, was zwischen ihr und Severus geschehen war, sah sie Tränen der Wut in Dracos Augen stehen.
„Wir müssen ihn aufhalten," flüsterte er. „Da muss es etwas geben, was wir tun können!"
„Ich bin froh, dass du das so siehst," sagte sie ihm, erleichtert, dass er bereit war, ihr zu helfen. „Ich habe einen Plan. Es würde mich vor seinen abscheulicheren Launen schützen, ihn aber nicht verärgern. Ich werde deine Hilfe brauchen, damit es funktioniert und du müsstest deine Rolle als loyaler Todessersohn für mich spielen."
Er schnaubte. „Wenn du diese Treffen mit dem Dunklen Lord überstehen kannst, sollte ich wohl in der Lage sein, den arroganten Sack Malfoy zu spielen, denkst du nicht auch? Was willst du, dass ich tue. Sie grinste ihn plötzlich mit einem verspielten Glitzern in den Augen an. „Unser neuer Meister der Spione will dich rekrutieren."
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Sie traf Harry und Ron im Aufenthaltsraum, wo sie bei einem Spiel Schach auf sie warteten.
Beide schauten aufgrund ihres veränderten Aussehen verwundert und erst jetzt wurde Hermine klar, wie gut ihr die Trainingsstunden und der regelmäßige Schlaf während der Ferien getan hatten. Während sie sich selber einredete, dass sie nun Kleidung tragen müsste, die mehr verdeckte, da sie mittlerweile ihre Alten all zu sehr ausfüllte, erklärte sie die Veränderungen mir den vielen netten Spaziergängen über Land, die sie mit ihren Eltern unternommen hatte.
„Siehst Du?", kommentierte Ron. „Ich habe schon immer gesagt, dass dir einige andere Hobbys außer Lernen gut tun würden. Es ist einfach nicht natürlich, seine ganze Zeit über ein Buch gebeugt zu verbringen Hermine!"
„Das einzig Unnatürliche in diesem Raum ist dein absolutes Desinteresse an deinen Noten, Ronald Weasley," schnappte sie, da sie annahm, dass jeder den leicht herrischen Ton mit ihrer Hausaufgabensucht verband.
Ron hob seine Hände in spöttischer Niederlage. „Nimm es nicht persönlich, Mine" sagte er ihr mit einem Grinsen. Sie schnaubte und er drehte sich zu Harry herum.
„Mann, wie sollen wir diesen Sommer überleben, wenn sie schon jetzt so verrückt ist?" flüsterte er, aber für ihre geübten Ohren war es leicht zu verstehen.
Sie drehte sich weg und schaute den Flammen zu, die lustig im Kamin flackerten. Da war eine seltsame Spannung in ihrem Körper und erst, als sie ihre Schultern berührte, merkte sie, dass ihr Rücken sich wieder verspannt hatte. Fort war die Entspannung der letzten Woche und fort war ihre gute Laune.
Trostlosigkeit legte sich wie eine schwere Decke auf sie, die ihre Gedanken dämpfte und ihre Gefühle verbarg. So, da sind wir wieder, dachte sie und kämpfte gegen die plötzliche Trauer. Willkommen zurück in deiner Realität, Hermine.
Bis zum Abendessen unterhielten sie sich mit Geschichten über ihre Weihnachtserlebnisse. Ron und Harry erzählten ihr über Schneeballschlachten, lauten Abendessen mit der Familie Weasley und Hermine ersann sich Geschichten über lange Gespräche vor dem Kamin, über das Kochen mit ihrer Mutter und über Dinge die Muggel in ihren Ferien so unternahmen. Es war dennoch nicht schwer für sie Freude vorzuspielen, wenn sie sich an die letzte Woche erinnerte und ihre Freunde die anscheinend bemerkten, wie zufrieden sie war, schienen erleichtert zu sein.
Sie sind gute Freunde, dachte sie, als sie bemerkte, wie sehr sich die beiden wohl über die Ferien Sorgen gemacht hatten. Wenn sie doch nur nicht so Gryffindor wären!
„Lasst uns zum Abendessen gehen", schlug sie vor und erntete einen dankbaren Blick von Ron. „Ich bin schon am verhungern! Einer von diesen Nebenwirkungen der Spaziergänge, denke ich."
„Ja, lasst uns das machen", stimmte Ron zu, was keinen überraschte und zusammen mit Ginny und Neville verließen sie Aufenthaltsraum.
Die Lautstärke in der Großen Halle überwältigte Hermine beinahe, die sich während der letzten Wochen an die Ruhe und Sicherheit in Severus Wohnung gewöhnt hatte. Sie zuckte jedes Mal zusammen, wenn jemand schrie oder sie versehentlich berührte und in ihrer Zauberstabhand juckte es fürchterlich.
Es gibt hier keine Gefahr, sagte sie sich immer und immer wieder. Entspann dich. Die Lehrer passen auf uns auf, da gibt es gar keine Gefahr.
Aber leider war sie weit davon entfernt solchen Versicherungen zu glauben und sie halfen kein bisschen gegen die sich schnell ausbreitenden Kopfschmerzen. Fünf Minuten, nachdem sie die Mahlzeit angefangen hatte, schlugen die Türen der Großen Halle auf und Severus stürmte mit einem ungewöhnlich übellaunigen Gesichtsausdruck hinein.
„Was ist denn in den gefahren?" fragte Hermine die Anderen, während sie ihrem Zaubertranklehrer ein gedachtes Lächeln und eine warme Begrüßung sendete.
„Muss diese neue Sache sein, an der der Orden ihn arbeiten lässt. Wir wissen nicht, um was es sich handelt, aber Mum und Dad haben viel über Weihnachten darüber gesprochen," bot Ron an, senkte aber schnell seinen Kopf als Severus, in ihre Richtung starrte, als ob er sie gehört hätte.
Nur Hermine konnte sein spöttisches Grinsen in ihrem Kopf widerhallen hören. Guten Tag, Liebes, dachte er. Wie ist das Leben zurück bei den Dummköpfen?
Sie machen mich schon komplett verrückt, gab sie zu, nachdem er seinen Platz am Lehrertisch eingenommen hatte, sich sein Abendessen nahm und jeden in seiner näheren Umgebung anstarrte.
Ein hämisches Grinsen zierte einen Moment seine Lippen. Nun dann, vielleicht sollte ich ihr Arbeitspensum ein bisschen anheben, sodass sie keine Zeit haben dich zu belasten?, erkundigte er sich. „Es wäre mir ein Vergnügen."
Oh Gott nein! protestierte sie mit stillem Grauen. Sie würden nur wollen, dass ich ihnen helfe und wenn du jemals einen ihrer Zaubertrankaufsätze liest, wirst du wissen, was das für ein grausames Schicksal ist!
Ich habe nie etwas gelesen, dass aus Potters Händen stammte, sendete Snape ihr. Ich schreibe nur einige abwertende Kommentare unten drauf und teile eine schlechte Note nach der anderen aus.
Sie starrte ihn mit einem solchen unverschleierten Unglauben an, dass Ron ihren Blick bemerkte.
„Was ist los," fragte er, klopfte ihr leicht auf die Schulter und sie zuckte zusammen. Sie hatte vergessen, wie oft Ron und Harry Berührungen und Umarmungen verteilten. Es würde nicht leicht sein ihre Reflexe zu kontrollieren und noch schwerer, nicht zu zeigen, wie wenig sie im Augenblick körperliche Nähe mochte.
„Ich habe mich nur an den Aufsatz erinnert, den Snape uns über die Ferien aufgegeben hatte," antwortete sie hastig. „Ich habe nur 12 Fuß und ich denke wir sollten mindestens ..."
„Mein Gott, Hermine. Gönn uns eine Pause!", stöhnte Ron und wendete sich wieder seinem Essen zu.
Das machst du nicht wirklich. Hermine hob ihr Glas Kürbissaft, um den Blick zu verdecken, den sie dem Lehrertisch zuwarf.
Nein, Enttäuschung verdunkelte seine Gedanken. Natürlich habe ich jeden davon gelesen. Leider. Aber stell dir vor, wie wunderbar es wäre ...
Seine verdrehten Augen und der höhnische Blick zum Tisch der Gryffindors ließ sie grinsen und sie konzentrierte sich schnell auf ihr Kartoffelpüree.
Draco ist willens und bereit, erzählte sie ihm zwischen ihrem Essen und dem Gespräch mit ihren Freunden aus Gryffindor. Wir werden den Plan morgen früh ausführen. Sehe ich dich heute Abend?
Auf jeden Fall, antwortete er ihr, erhob sich plötzlich und verließ mit einem kurzen Nicken zu seinen Kollegen den Tisch und einem Letzten starren Blick in ihre Richtung.
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Es ist eine Wahrheit, die von jeder Frau und jedem Mann in diesem Metier anerkannt wurde, dass ein dummer, enttarnter Spion immer besser war, als ein unbekannter. Deswegen war Justin, der vorher nie eine wirkliche Gefahr dargestellt hatte, nun zu einem wahren Schatz geworden. Denn wer würde den Informationen misstrauen, die von seinem eigenen Spion kamen, vor allem Informationen, die so erwünscht und interessant waren?
Draco hatte Justin in dem Moment bemerkt als er und Theodore Nott den Korridor betreten hatten und vergewisserte sich, dass die Schlüsselworte 'Hermine Granger' und 'mein Vater' fielen, während sie an ihm vorbei gingen. Er konnte sehen, dass sich seine Augen vor Interesse weiteten und er stimmte Hermines Erkenntnis stillschweigend zu.
Der Junge war ein lausiger Spion, doch das war umso besser für sie. Während sie die bevölkerten Korridore um die Klassenräume herum verließen und zu dem Treffpunkt gingen, auf den er sich mit Hermine geeinigt hatte, fütterte er Theodore mit Geschichten von der Position seines Vaters im Inneren Zirkel. Theodores Vater war auch ein Todesser, jedoch kein so mächtiger, wie Dracos Vater, und bevor Dracos Welt sich nach der Nacht im Ministerium so brutal verändert hatte, waren sie gute Freunde gewesen. Oder halt das, was man unter den Todessern so als guten Freund bezeichnen konnte. Draco hatte nie gedacht, dass es da noch etwas Besseres geben konnte, als planen, verschwören und sich über ihre Überlegenheit den anderen gegenüber zu freuen, bis Hermine ihm gezeigt hatte, was Freundschaft wirklich bedeutete.
Er hatte sich schon seit einer ganzen Zeit von seinen Freunden aus Slytherin distanziert und bevorzugte die Stille gegenüber ihrer ehemaligen Prahlerei und Imponiergehabe. Aber das Weihnachtsfest bei seinen Eltern hatte ihn zu seinen ehemaligen Reinblutverhaltensweisen zurückkehren lassen und so war es viel leichter den jungen Todesser zu spielen, als es sein sollte.
Doch wenigstens war er nun in der Lage etwas mehr zu tun, als nur die Briefe seines Vaters wiederzugeben. Gemeinsam mit seinen Aufgaben hatte Hermine ihm eine Einladung für Samstagabend gegeben, wo Snape mit ihm über seine weitere Bereitschaft sprechen würde, ein „Auge auf die Slytherins" zu werfen.
Endlich! Und mit Snape als ihrem neuen Meister der Spione, wäre es Draco weniger unangenehm die Informationen weiter zu geben, als mit Dumbledore und seinen ewig glitzernden Augen, dem Draco genauso sehr misstraute, wie es jeder guter Slytherin tun würde.
Nachdem sie sich dem Ostflügel zugewendet hatten und einige Stufen hinab gestiegen waren, erreichten sie den Korridor, auf den er sich mit Hermine geeinigt hatte, und fanden sie gegen die Wand gelehnt vor. Genau wie geplant. Und selbst obwohl er wusste, dass es nur ein Schauspiel war, so musste er doch ein Schaudern unterdrücken, als er sie sah. Sie sah schlimmer aus, als vor ihrem Entzug. Ihr Gesicht blass, ihre Haare buschiger als jemals zuvor und ihre Schultern waren vor Müdigkeit gebeugt. Sie straffte sich müde, genau als Draco hörte, wie Justins Schritte hinter ihnen verstummten.
„Draco, Nott," grüßte sie sie genau mit der richtigen Mischung aus Arroganz und Unterwerfung. „Was macht ihr hier?"
„Das geht dich nichts an Schlammblut," sagte er affektiert kalt und sah, wie sie zusammenzuckte. „Nur weil mein Vater dich als Hure hält, musst du nicht denken, dass wir dich jemals als gleichwertig ansehen werden. Hau ab!"
Während dieser Worte war ihr Gesicht sogar noch blasser geworden und, als Nott in abwertendes Gelächter ausbrach, ging sie nur ein wenig zu schnell von ihnen weg, um ihre Verletzung vollständig verbergen zu können.
„Hast du gesehen, wie sie aussah?" fragte Draco Nott, der erfreut nickte. „Das ist das Werk meines Vaters. Er lachte teuflisch. „Er erzählt mir nicht so viel, wie ich gerne hätte, aber nach dem was ich gehört habe, hat eines seiner kleinen Spiele sie über Weihnachten fast umgebracht. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie es nicht länger aushält – keine Geliebte meines Vaters hat so lange überlebt. Muss eine großartige Schlampe sein, dieses dreckige kleine Schlammblut."
Und als sie ihren Weg fortsetzten, drehte sich ihr Gespräch weiter um die heissen Mädels aus Slytherin, die sie gerne mal während einer Nacht in das Schülersprecherbad einladen würden. Erst, als sie um die Ecke gegangen waren, riskierte Draco einen Blick über die Schulter nach hinten. Da stand Finch - Fletchley, schmerzlich sichtbar im Korridor, das Notizbuch in der Hand und einem Ausdruck des puren und unverfälschten Schocks auf seinem ehrlichen Gesicht.
Es schien, als ob ihre Ratte den Köder gefressen hatte.
