Kapitel 28 – Wohin sich das Licht erstreckt

Sie kehrten keine zwei Tage später zurück. Hermine war in der Küche und bereitete noch mehr Tränke für ihr monatelanges Unternehmen vor, das sich rapide näherte. Es brodelten sechs Kessel und sie schnitt Zutaten klein. Sie hörte die Tür aufgehen und Stimmen, doch sie konnte nicht das Messer niederlegen, um sie zu begrüßen. Sie musste ihre Aufgabe beenden.

„Hey, Leute!", rief sie. „Ich bin in der Küche! Pfeilwurz!"

„Hermine?", sagte jemand sehr Vertrautes in einem ungläubigen Tonfall.

Sie erstarrte und drehte sich langsam zur Tür der Küche, wodurch sie es nicht schaffte, den Pfeilwurz in den verlangten sechzig Sekunden zu schneiden. Er zerbarst in kleine blaue Flammen und löste sich in Luft auf.

„Mist!", sagte sie. „Ron? Was in aller Welt machst du hier?", fragte sie, nicht sicher, ob sie sich freuen sollte oder nicht.

„Das gleiche könnte ich dich fragen!", sagte er, sichtlich nervös.

In diesem Augenblick trat Ginny in die Küche. „Ginny!", rief Hermine. „Was geht hier vor sich?!"

„Hermine?", sagte sie matt. „Oh, das ist echt zu viel." Ginny ließ sich auf einen Stuhl fallen.

Dann streckte Harry seinen Kopf herein und grinste Hermine verlegen an. „Überraschung?"

Hermine drehte sich zu Harry, das große Messer in einer Hand. „Harry Potter, du erzählst mir besser sofort, was los ist!", verlangte sie und schüttelte das Messer in der Hand, ohne es zu realisieren.

Sie spürte jemanden hinter sich, doch bevor sie sich rühren konnte, legte sich eine Hand auf ihre und zog ihr sanft das Messer aus dem Griff.

„So ist es besser", ertönte Dracos Stimme. „Keiner braucht jetzt ein Messer, am allerwenigsten du."

Hermine sah ihn an, als er das Messer auf den Tresen legte. Sie war so erleichtert, so glücklich, ihn wohlauf zu sehen, dass sie beinahe die Arme um ihn warf. Stattdessen sagte sie einfach: „Du bist okay."

Er erwiderte ihren Blick und runzelte leicht die Stirn. „Ja. Zwei Unzen, alle vier Stunden, zwei Tage lang, richtig?" Hermine nickte nur. „Meine letzte Dosis ist in… drei Stunden dran, glaube ich."

„Okay", sagte Hermine leise.

Draco starrte sie weiter an und fragte sich, was es war, das ihre Augen so strahlen ließ. Es ging ihm auf, dass sie sich Sorgen um ihn gemacht hatte. Und nur um ihn. Nicht um Harry, nicht um sie beide. Um ihn.

Niemals zuvor war ihre Besorgnis so ausschließlich auf ihn gerichtet gewesen und da war… ein merkwürdiges Gefühl in seiner Brust, beinahe als würde seine Lunge platzen, wenn er auch nur einen Atemzug nahm. Sie hatte sich ehrliche und aufrichtige Sorgen um ihn gemacht. Langsam lächelte er sie an. Ihre Blicke waren immer noch miteinander verschmolzen.

Harry räusperte sich und durchbrach den Augenblick. Hermine blickte zur Küchentür, wo sie Ron mit finsterem Blick und Ginny kopfschütteln sah, als hätte sie offiziell etwas gesehen.

„Äh, ich denke, wir sollten alle in den Salon gehen", sagte Harry. „Wir können es uns genauso gut bequem machen und uns so weit wie möglich von potentiell gefährlichen Waffen aufhalten."

„Harry", sagte Ginny müde. „Was geht hier vor sich? Sag es mir sofort, sonst..."

„Sonst was?", fragte Ron.

Ginny feixte. „Oh, er weiß bescheid."

Harry versuchte zu lächeln, doch es kam nur ein schmerzhafter Gesichtsausdruck zustande.

„In Ordnung, Leute, Salon", sagte Draco. „Das wird eine holprige Fahrt, lasst uns anfangen, damit wir es hinter uns bringen und weitermachen können. Ich jedenfalls habe Hunger und bin müde."

Zuerst rührte sich keiner. Schließlich durchquerte Hermine die Küche und ging in den Salon, wo sie sich schwerfällig auf das Sofa setzte.

Ginny folgte ihr und ließ sich neben Hermine nieder. Als nächstes kam Ron, immer noch mit finsterer Miene, dann Harry und schließlich Draco. Harry setzte sich auf einen Stuhl und Ron zu Hermines anderer Seite. Draco blieb stehen.

„Ich tue nichts, während er hier ist", sagte Ron.

Draco verdrehte die Augen. „Ich schäume auch nicht gerade über vor Begeisterung, dass du hier bist, weißt du. In meinem Haus mit einem Rudel Gryffindors? Nicht gerade meine Vorstellung von Spaß."

Ron riss den Mund auf. „Dein Haus?", sagte er ungläubig. Dann sah er Harry an. „Was machen wir in seinem Haus?"

„Das ist eine lange Geschichte, Ron", sagte Hermine. „Ich bin sicher, all deine Fragen werden beantwortet werden."

Ron verschränkte mit düsterem Blick die Arme und funkelte Draco an, schwieg aber.

„Vielleicht sollte ich draußen warten", sagte Draco.

„Nein", beharrte Harry. „Das betrifft sowohl dich als auch mich. Sie müssen es akzeptieren."

Rons Kieferlade fiel herab. „Dich und Malfoy? Was, bist du verrückt?"

„Ron, halt einfach die Klappe und hör zu, in Ordnung?", bellte Hermine.

Er warf ihr einen scharfen Blick zu, schloss jedoch den Mund und sah zu Harry.

Harry berichtete Ron und Ginny das Wesentliche von den Geschehnissen. Sie hatten in diesem Haus gewohnt und daran gearbeitet, Voldemort zu stürzen. Hermine half ihnen dabei und sie waren kurz vor dem Ziel, weshalb sie eine lange Zeit fort sein würden.

„Wohin geht ihr?", wollte Ginny wissen, plötzlich besorgt.

„Auf eine Mission, Gin. Eine lange. Eine wichtige."

Ginny konnte nur nicken.

„Was für eine Mission?", fragte Ron. „Warum scheine ich der einzige zu sein, der darüber überrascht ist? Und verrät mir bitte jemand, was dieser bleichgesichtige, nichtsnutzige, bösartige Todesser in diesem Zimmer macht, heil und gesund?", fragte Ron, sichtlich frustriert. Als niemand etwas sagte, gaffte er Harry an. „Lass mich zusammenfassen. Du und Malfoy seid zusammen auf einer Mission? Malfoy. Der Malfoy. Das Frettchen. Der Slytherin, den wir hassen. Dieser Malfoy?"

Hermine verdrehte die Augen. „Ja, Ron. Er."

„Hey", sagte Draco und sah sie ein wenig verletzt an.

Hermine erwiderte seinen Blick. „Du weißt, dass wir dich nicht hassen", sagte sie.

„Warum nicht?", wollte Ron schmollend wissen. Hermine warf ihm einen harten Blick zu. Er fuhr fort: „Jedenfalls, Hermine, du hast also zugestimmt, ihnen zu helfen?"

„Ja. Harry hätte meine Erinnerung ausgelöscht, wenn ich es nicht getan hätte."

„Um dich zu beschützen, Hermine, nicht als Drohung", sagte Harry hastig.

„Ich weiß. Trotzdem. Ron, ich hatte die Option, entweder zu einer Arbeit zurückzukehren, die ich hasste, und ohne Harry nach Todessern zu fahnden, oder ihm zu helfen und tatsächlich etwas zu unternehmen, um dieses Monster loszuwerden. Ich hatte nicht wirklich eine Wahl."

Draco lächelte bei ihrer heftigen Verteidigung in sich hinein.

„Aber – ER! Er ist bösartig!"

„Ron… versuch doch zu verstehen", beschwor Hermine. „Er war derjenige mit dem Plan, den Ideen, den Mitteln, um das Ziel zu erreichen. Und…" Sie sah zu Draco. „Was auch immer er in der Vergangenheit war, er ist… nicht mehr diese Person. Falls er es jemals gewesen ist."

Hermines Kommentar ließ alle verstummen. Draco starrte Hermine offen an, die seinem Blick standhielt. Ausnahmsweise war seine Maske der Gleichgültigkeit abwesend und stattdessen lag ein völlig verblüffter Ausdruck auf seinem Gesicht. Harry strahlte sie an und sie wich Ginny und Rons Blicken aus.

Keiner sprach ein paar Minuten lang und in dem Schweigen spürte Hermine das Gewicht von ihrer Rede einsinken. Ihr Herz pochte in ihrer Brust und sie wandte ihren Blick von Draco ab.

„Draco gehört jetzt zu uns", sagte Harry fest und ruhig. „Wir wären nirgendwo, wenn er nicht gewesen wäre."

„Aber – ", begann Ron.

„Oh, halt die Klappe, Ron. Krieg dich wieder ein." Ginny seufzte matt. „Hogwarts war vor Ewigkeiten. Wenn Harry und Hermine sagen, er ist okay, dann solltest du deinen beiden besten Freunden vertrauen. Sie sind nicht übergeschnappt und sie sind beide bei voller Gesundheit. Also hat er ihnen keinen Schaden zugefügt. Jetzt krieg dich endlich wieder ein."

Ron sah Harry nervös an, der nur die Achseln zuckte. „Ron, ich habe seit August gewusst, dass Harry an einem geheimen Projekt arbeitete, das sein Verschwinden erforderte. Ich wusste aber nichts von den Details, Malfoy oder Hermines Beteiligung, bis heute."

„Warum sollte Harry es DIR verraten und nicht MIR!"

„Ron, wir haben dir etwas zu sagen", sagte Harry. Er nahm Ginnys Hand. Rons Augen weiteten sich. „Wir sind verheiratet. Seit zwei Jahren."

„WAS?!", kreischte Ron und sprang von seinem Sitz hoch. Draco genoss diese Szene ungemein. „Was?", wiederholte Ron. „Warum – wie – ich – " Dann schien er nicht mehr länger stehen zu können und sank auf das Sofa zurück.

„Sorry, Ron, wir haben es niemandem erzählt. Ich meine wirklich niemandem. Malfoy hat es herausgefunden – "

„Was?!", rief Ginny.

„ – und hat es vor Hermine erwähnt. Deshalb musste ich es ihr sagen."

„Wie hat er es herausgefunden?", verlangte Ginny.

„Oh, er wird es dir nicht verraten", versicherte Hermine. „Nicht in den nächsten zehn Jahren. Oder so etwas in der Art. Ist es immer noch bei zehn geblieben?", fragte sie.

Er nickte nur. Rons Augen weiteten sich wieder. „Dieses Pergament, das du zu Weihnachten erhalten hast! Es war von ihm!"

„Ja, Ron."

Er versuchte, es sich in Erinnerung zu rufen. „Was war das mit dem Vogelsiegel?"

Draco erhob endlich das Wort. „Es war eine Erinnerung an etwas anderes, das wir noch besprechen müssen."

Ron schüttelte den Kopf. „Ich verstehe nicht."

„Ron, wir wollen, dass du und Ginny hier bei Hermine seid, während wir fort sind. Sonst wird sie mindestens einen Monat lang allein sein und sie soll wirklich nicht das Haus verlassen. Deshalb hat Draco vorgeschlagen, euch beide in das Geheimnis einzuweihen, damit sie nicht allein ist."

Hermine warf Draco einen Blick zu, der spitz zu Boden schaute. Zuerst war sie überrascht, doch dann überhaupt nicht mehr. Es war seine Idee, Ron und Ginny herzubringen, und er hatte es für sie getan.

„Warum soll sie das Haus nicht verlassen? Werden wir hier wie Gefangene leben?", fragte Ron.

„Nein, natürlich nicht. Es ist nur, dass Hermine eine Zielscheibe ist, und…", begann Harry, wissend, dass es Ron noch mehr erzürnen würde, wenn er seinen Satz beendete.

„Lucius hat sie angegriffen, als sie im Januar zu ihrer Wohnung gegangen ist", sagte Draco.

Ron konnte am Anfang nichts erwidern. Sein Gesicht wurde puterrot und seine Fingerknöchel färbten sich weiß. „Was sagst du da?", flüsterte er.

„Lucius hat sie angegriffen, als sie – ", begann Draco wieder.

„Ich habe dich gehört, Malfoy", blaffte Ron. „Was meinst du damit?"

Draco verdrehte die Augen. „Ehrlich, Weasley, was denkst du denn?"

„Dein Dad hat Hermine verletzt?"

Dracos eigene Wut schien wieder an die Oberfläche zu steigen. „Ja. Hat er. Aber Harry und ich konnten weitere Verletzungen verhindern."

Ron funkelte den Mann mit heißem Hass auf dem Gesicht an. „Du und deine widerwärtige Familie verdient es, gefoltert und dann auf die schmerzvollste Weise getötet zu werden, die möglich ist, und eure Körper sollten dann von Aasgeiern angeknabbert werden, während ihr verrottet."

„Ron!", rief Hermine, erstaunt von seinem Ausbruch, der solchen Hass widerspiegelte.

Hermine konnte Dracos Ärger in seinen Augen wirbeln sehen. Er starrte Ron so heftig an, dass dieser schließlich zusammenzuckte. Dann sagte Draco sehr leise. „Glaubst du etwa, das weiß ich nicht, Weasley? Glaubst du etwa, das weiß ich nicht in jeder einzelnen elenden Minute meines Lebens? Ich hätte meinen Vater dafür umgebracht, was er ihr angetan hat, wenn sie nicht gewesen wäre."

Alle schwiegen ein paar Minuten lang. Ron starrte Draco weiter an, der den funkelnden Blick mit gleicher Feindseligkeit erwiderte.

Schließlich beschloss Hermine, ihnen darüber hinwegzuhelfen. „Ron, mir geht es gut. Harry und Draco haben mich gerettet und mir ist nichts passiert. Lass dich nicht davon stören."

„Ich soll mich nicht davon stören lassen, dass Lucius Malfoy dich angegriffen hat? Wie soll das bitte gehen?"

„Lass es fallen. Es ist Vergangenheit. Er wird mich nicht noch einmal verletzen."

„Ich werde es nie wieder zulassen", sagte Draco fest, den Blick auf Hermine gerichtet. Sie schenkte ihm ein mattes Lächeln.

Du?", sagte Ron. „Du hast sie wahrscheinlich erst in diese Lage gebracht!"

Jetzt war Draco sehr zornig und konnte seine Fassung nicht mehr bewahren. „Ich würde niemals zulassen, dass Hermine verletzt wird, und ich habe alles in meiner Macht getan, um es zu verhindern. Und ich werde es weiter tun. Alles!" Er brüllte am Ende seines Ausbruchs und versetzte Ron mit einem Blick, der selbst Hermine Angst einjagte.

Hermine starrte ihn nur an. Sie hatte ihn noch nie so heftig von sich sprechen hören, noch niemals. Die anderen starrten ihn ebenfalls an. Rons finstere Miene verschwand langsam.

„Beschuldige mich nicht, mit Lucius in irgendeiner Weise verbunden zu sein", sagte Draco, endlich ruhig genug, um in normaler Lautstärke zu sprechen. „Unser Umgang ist vor Jahren zu Ende gewesen."

„Draco", sagte Hermine, im Inneren flehend, dass er es fallen lassen würde. Als er ihre Stimme hörte, sah er sie an und seine Gesichtszüge wurden etwas weicher.

Er riss sich zusammen und starrte weiter den Boden an.

Immer noch sagte keiner etwas. Schließlich durchbrach Ginny die Stille.

„Wird es gefährlich sein?", erkundigte Ginny sich leise.

„Ja, wird es, Ginny. Aber es ist ein Risiko, das ich bereit bin auf mich zu nehmen. Wir sind bereit."

Sie schien innerhalb weniger Sekunden von Angst zu Wut zu Entschlossenheit zu wechseln. „Okay, Harry. Ich werde bleiben. Natürlich werde ich bleiben. Nur – nur pass auf dich auf, in Ordnung?"

„Du weißt, dass ich jede Absicht habe, zu dir zurückzukommen", sagte er zärtlich. Hermine konnte den Gedanken nicht unterdrücken, dass Harry vielleicht doch einen leisen Schimmer von Romantik besaß.

„Was passiert jetzt?", fragte Ginny. Harry erzählte ihr, dass sie wahrscheinlich einen Monat lang fort sein würden, vielleicht noch länger, um zuerst Lucius, den letzten Horkrux, zu finden und zu töten, und dann endlich gegen den Dunklen Lord zu kämpfen.

„Aber warum wird es so lange dauern?"

„Weil er ständig in Bewegung ist", sagte Draco. „Man muss ihn über Kanäle suchen und obwohl ich ihn vor so langer Zeit verlassen habe, hat er noch keinen Verdacht geschöpft. Zumindest nicht dass ich bemerkt habe. Ich habe immer noch die Fähigkeit, diese Kanäle zu finden. Die Dauer ist nur eine Schätzung. Es wird eine langsame, mühselige Reise werden."

„Aber du wirst die ganze Zeit mit Harry zusammen sein?", wollte Ginny wissen.

„Natürlich. Ich werde sicherstellen, dass er heil vor dem Dunklen Lord ankommt. Und ich werde neben ihm stehen, während wir kämpfen, und alles in meiner Macht tun, damit Harry als Sieger hervorgeht."

Die Endgültigkeit in seiner Stimme alarmierte Hermine. Was bedeutete „alles in seiner Macht"? Würde er sein eigenes Leben hergeben, um Harrys zu verlängern? Sie schauderte bei dem Gedanken und war dann wütend auf sich selbst, dass sie sich mehr Sorgen um Draco machte als um Harry, wenn auch nur für eine Sekunde.

„Warum habt ihr es mir nicht vorher gesagt, Harry? Hermine?", sagte Ron, plötzlich wütend. „Wir wollten es doch zusammen durchstehen und ihr seid verschwunden und habt mich durch Malfoy ersetzt." Er spie den Namen mit so viel Gift aus, wie er aufbringen konnte.

„Ron", begann Harry. „Ich wusste, dass du dich darüber aufregen würdest. Aber ich konnte nur einen von euch auswählen. Malfoy hat darauf bestanden. Hermine hat an etwas völlig anderem als wir gearbeitet. Du hättest diese Aufgabe nicht gewollt, du hättest mit uns trainieren wollen und die Aufgabe zu beenden war sehr wichtig für uns."

„Warum hat Malfoy die Entscheidung treffen dürfen? Warum hat er dich dazu gebracht, dich zwischen deinen besten Freunden zu entscheiden?"

„Weil, Weasley, es mein Plan ist. Ohne mich hatte Potter nichts. Meine Regeln werden befolgt. Immer. Ohne Ausnahme. Wenn ihr jemandem die Schuld geben wollt, dann mir, nicht Harry. Er hat die richtige Entscheidung getroffen."

„Draco", sagte Hermine. Er sah sie an und sie lächelte ermutigend. „Ich möchte dich daran erinnern, dass wir getan haben, was du gesagt hast, weil wir uns dazu entschlossen haben, nicht weil du es verlangt hast."

Er blinzelte und verstand, was sie meinte – am Ende hatten sie und Harry sich dazu entschieden, mit ihm zusammenzuarbeiten, sich entschieden, ihm zu vertrauen. Er wusste, dass Hermine es anfangs aus keinem geringeren Grund getan hatte als weil Harry ihm vertraute. Jetzt aber hatte sie selbst Vertrauen zu ihm entwickelt.

Sie wandte sich zu Ron. „Ich sollte für Harry etwas tun, worin ich gut bin und das mir Spaß machen würde – Recherche. Das ist, was ich monatelang getan habe, während ich hier war. Außerdem bin ich ins St. Mungos gegangen und habe etwas über Heilzauber gelernt, um, wenn nötig, Harry und Draco zu heilen. Es hat sich als recht nützlich erwiesen."

Ginny peitschte ihren Kopf zu Harry herum.

„Nur ich, Ginny", sagte Draco.

„Gut", sagte Ron, immer noch ärgerlich. „Du hast wahrscheinlich bekommen, was du verdient hast."

„Ron!", rief Hermine. „Sag so etwas nicht! Du hast ja keine Ahnung! Du hättest die Aufgaben nicht gewollt, die ich bekommen habe. Und Harry konnte nur riskieren, einen seiner Freunde den Gefahren, die auf dieser Mission lauern, auszusetzen."

„Gefahr? Ich bin jeden Schritt des Wegs bei ihm gewesen, Hermine, wie du auch. Ich kann nicht glauben, dass du die ganze Zeit bei ihm gewesen bist und gegen Voldemort gekämpft hast, ohne mich."

„Ron, bitte", sagte sie flehend, beinahe in Tränen. „Ich habe nicht mit Harry gekämpft. Ich habe hier gesessen, recherchiert, gelesen, Tränke gebraut und so weiter. Nicht mit Harry gekämpft. Nicht ein Mal!"

„Aber Malfoy", sagte er düster. „Er hat Malfoy den Vorzug gegeben."

„Ron, das ist bescheuert", sagte Ginny. „Er hat Malfoy nicht den Vorzug gegeben. Das würde er niemals. Das ist so absurd."

„Draco hat mich gewählt, Ron, nicht andersherum. Er ist zu mir gekommen und hat mir diese Chance angeboten. Ich bin darauf angesprungen."

„Wieder musst du mir die Schuld geben, Weasley, wenn überhaupt irgendjemandem. Harry hatte keine andere Wahl, wenn er die Information und das Training wollte, die ich angeboten hatte. Er hätte dich hergeholt, wenn er gekonnt hätte, da habe ich keine Zweifel. Und es ist nicht, als wären er und Hermine jeden Tag hier gewesen und hätten Kaffeeklatsch gehalten. Wir haben sie die Monate über kaum gesehen. Also hör auf mit dem Selbstmitleid, dass du ausgeschlossen worden bist. Jetzt bist du dabei. Also sei auch dabei."

Hermine sah, dass Ron zum Protest ansetzte, sei es nur, weil Draco es war, der gesprochen hatte. Sie schnitt ihm das Wort ab, bevor er anfing: „Gut gesagt. Bist du dabei oder nicht?"

Ron schaute sie schockiert an. „Natürlich bin ich dabei! Ich gehe jetzt doch nicht. Bist du verrückt?"

Hermine warf ihre Arme um Ron und drückte ihn lange eng an sich. Er errötete, erwiderte aber schließlich die Umarmung. Dracos Eifersucht fing an sich zu regen und er musste sich selbst in Erinnerung rufen, dass sie es schon einmal versucht hatten und es nicht funktioniert hatte. Dennoch, sie hatte ihn noch nie so umarmt. Noch würde sie es jemals tun, dachte er. Er seufzte und sah Harry erschöpft an.

Harry nickte. „Habt ihr noch irgendwelche Fragen?"

Ron und Hermine lösten sich voneinander. Hermine hatte Tränen in den Augen. „Nein", murmelte er.

„Nein", sagte Ginny.

„Keine Fragen?", sagte Hermine noch ein Mal. Niemand erhob das Wort. „Gut. Dann habe ich einen Trank zu beenden und danach Abendessen zu kochen."

„Ich kann kochen", bot Harry fröhlich an.

„Nein!", riefen Hermine und Draco gleichzeitig. Sie sahen einander an und mussten schnell den Blick abwenden, um nicht zu lachen.

Harry sagte finster: „Na schön."

„Ich werde kochen", sagte Draco leise und ohne ihn anzusehen, nickte Hermine.

„Also abgemacht. Ron, du kannst mein Zimmer nehmen. Ich ziehe es vor, draußen zu schlafen. Ginny, ich schätze, du schläfst bei Harry."

„Was?", brüllte Ron. Seine Augen quollen heraus.

„Sie sind verheiratet, weißt du noch?", sagte Hermine geduldig.

Rons Miene verdüsterte sich. „Oh. Richtig. Wie konnte ich es nur vergessen? Bist du auch verheiratet, Hermine? Mit diesem Kerl vom Bücherladen? Hast du irgendwelche Kinder, die hier rumrennen? Sonst noch was, das du mir erzählen willst?"

Hermine errötete und sie konnte Dracos Blick auf ihr spüren. „Nein, Ron. Hör auf, dich so kindisch aufzuführen. Bring dein Zeug nach oben. Ich wohne im ersten Zimmer auf der linken Seite."

*

Das Abendessen verlief größtenteils ruhig. Nachdem alle gegessen hatten, räumte Harry den Tisch ab.

„Nachtisch?", bot Hermine an. „Wir haben Eiscreme."

Ron grinste sie an. „Pecannuss?"

„Natürlich", sagte sie und lächelte zurück.

Harry, Ron und Ginny entschieden sich für Eis und Draco lehnte ab.

Er entschuldigte sich und ging nach draußen auf die hintere Veranda. Er stieß seinen Atemzug aus, erleichtert, endlich von den anderen fern zu sein. Die Spannung war fast greifbar und er hasste es, sich so entblößt und verletzlich zu fühlen. Er wusste auch, dass Ron und Ginny nur auf eine Gelegenheit warteten, ohne ihn mit Harry und Hermine zusammen zu sein, höchstwahrscheinlich um über ihn zu sprechen.

Er zog in Betracht zu lauschen, da er gerne wissen wollte, was Harry und vor allem Hermine über ihn sagen würden. Aber er hatte in der jüngsten Vergangenheit festgestellt, dass er ihre Unterhaltungen nicht mehr belauschen konnte, ohne… Gewissensbisse zu spüren.

Draco lächelte und dachte, dass Salazar Slytherin sich im Grabe umdrehen würde bei dem Gedanken, dass einer der Seinen ein schlechtes Gewissen fürs Lauschen hatte. Er seufzte, setzte sich auf Hermines Platz und rief ein Buch herbei.

*

Sobald Draco die Tür geschlossen hatte, legte Ginny einen Störschutzzauber darauf.

„Also, wie ist er so?", erkundigte sie sich ernst. „Ist er völlig unausstehlich?"

„Nein, nicht mehr. Er ist insgesamt recht angenehm. Was würdest du sagen, Harry?"

Er nickte mit vollem Mund.

Ginnys Augen weiteten sich plötzlich. „Er ist es, oder?"

„Wovon redest du?", fragte Hermine. „Wer?"

ER! Der Kerl mit den Zaubertränken!"

Ron riss ebenfalls die Augen auf. „Ich wusste, dass ich diesem Ekel die Fresse polieren wollte."

„Ja, aber Ginny, Ron, wisst ihr noch, was ich zu euch gesagt habe? Dass ich über ihn falsch gelegen hatte?"

„Er hat dich trotzdem angebrüllt und dich zum Weinen gebracht", sagte Ron wütend.

„Das stimmt", gestand Hermine. „Er hat… es ein paar Mal getan."

„Er hat deine Eltern umgebracht!", sagte Ginny in einem entsetzten Flüstern, als wäre es ihr gerade wieder eingefallen.

Hermine schloss fest die Augen und holte mehrmals tief Luft. „Ich weiß. Es ist – okay. Ich habe ihm verziehen."

Rons Kieferlade fiel herab. „Das kann nicht dein Ernst sein."

„Doch, ist es", erwiderte sie stur. „Er hat sich verändert."

„Ja, klar", murmelte Ron. „Leute wie er verändern sich nicht. Sie lügen."

„Hey", warf Harry ernst ein. „Draco lügt nicht."

„Aber… trotzdem! Du bist dir so sicher! Nach allem, was passiert ist, Hermine. Er hat dich beschimpft und die schlimmsten Sachen über dich gesagt. Und Harry, er hat dich von Anfang an gehasst und genauso mies behandelt."

„Ron, es ist, wie Ginny gesagt hat. Hogwarts ist lange her. Ewigkeiten, so kommt es mir vor. Tage, da das Schlimmste, was man tun konnte, eine Beschimpfung oder ein Gummibeinfluch war. Jetzt leben wir in einer Welt, in der Todesser Babys töten. Es ist ein Riesenunterschied zum Schulgehänsel. Jetzt… sind wir alle erwachsen, haben wir uns alle verändert. Ist es wirklich so schwer zu glauben, dass er sich auch verändern kann?"

Ron warf ihr einen harten Blick an und sah einen Schimmer von seiner Hermine, die so unerbittlich für Hauselfenrechte und Snapes Güte einstand, in ihren Augen aufleuchten – völlige und unerschütterliche Überzeugung, die ein Feuer in ihrer Seele entfachte. Er lächelte. „Ich schätze nein, Hermine. Es tut mir leid."

Sie schnüffelte mit der Nase. „Das solltest du zu ihm sagen, Ron."

„Das hättest du wohl gern", sagte er, jetzt grinsend.

„Jetzt erzählt uns von eurem Plan", sagte Ginny nach einem Augenblick Schweigen. Als Hermine ihr einen dankbaren Blick zuwarf, lächelte Ginny.

Harry brachte sie auf den neuesten Stand und weihte sie von Anfang bis Ende in den Plan ein.

„Lass mich zusammenfassen. Diese Mission, auf die ihr gehen wollt, besteht darin, Voldemort ausfindig zu machen und zu töten?", sagte Ginny, als er fertig war.

„Ja", erwiderte Harry.

„Nur ihr müsst zuerst Lucius Malfoy töten."

Harry nickte langsam.

„Ich habe versucht, Informationen darüber zu finden, wie man den Prozess, der einen Horkrux kreiert, rückgängig macht", sagte Hermine. „Aber ich hatte überhaupt keinen Erfolg."

Harry sah sie ungläubig an. „Warum hast du danach gesucht?"

„Eigentlich für euch beide. Ich meine, Lucius ist sein Vater."

Harry runzelte die Stirn. „Und warum für mich? Ich verstehe, warum du es für ihn tun wolltest, aber warum auch für mich?"

„Weil du gewusst hast, seit du fünfzehn warst, dass du am Ende Voldemort entgegentreten und ihn wahrscheinlich töten musst. Er hat deine Eltern umgebracht, er hat unzählige andere umgebracht und er ist der bösartigste Zauberer aller Zeiten. Du hast dich an den Gedanken gewöhnt, ihn zu töten, du bist darauf vorbereitet. Du hast es als Realität akzeptiert, um seine Herrschaft des Bösen und Schreckens zu beenden.

Lucius ist völlig neu. Sicher, er ist auch böse, aber du hast keine persönliche Fehde gegen ihn wie gegen Voldemort. Er ist auch sehr deutlich nicht Voldemort. Er ist ein Anhänger, jemand, der Grausamkeit und Gehässigkeit genießt, aber nur unter dem Mantel einer schwarzen Maske und dem Schutz von jemandem, der noch grausamer ist als er. Kannst du ihn wirklich genauso leicht töten wie Voldemort?"

Harry wand sich auf seinem Sitz und starrte weiter auf seine leere Schüssel.

„Harry?", sagte Ginny und griff nach seiner Hand. „Was ist los?"

Er schaute Hermine an. „Ich hatte gehofft, nicht darüber nachdenken zu müssen."

„Tut mir leid, Harry. Aber es hat mich nicht losgelassen."

„Mich auch", brummte er. „Vielleicht kann Draco es tun."

„Nein", sagte Hermine bestimmt.

„Warum nicht?", fragte Ron. „Er hat es schon Tausende Male getan. Was schadet schon ein Mal mehr?"

„Zuerst einmal ist es sein Vater. Zweitens tötet er nicht mehr. Drittens, es ist sein Vater, Ron. Wie kann man jemanden bitten, seinen eigenen Vater umzubringen?"

Ron höhnte: „Ich kapiere nicht, warum wir uns Sorgen darum machen, was er denkt. Und wer sagt, dass er nicht mehr tötet?"

„Es stimmt", sagte Harry.

„Und ihr glaubt ihm?", fragte Ron.

„Ja, tun wir." Harry seufzte. „Schaut mal, es hat uns eine Menge Zeit gekostet, ihm zu vertrauen. Hermine viel länger als ich. Deshalb erwarten wir nicht von euch, ihm zu vertrauen, nur weil wir sagen, dass ihr es könnt oder sollt. Nur – bitte vertraut uns."

Ron seufzte. „Ich bin hier, oder nicht? Ich vertraue euch beiden, aber es geht hier um Malfoy. Merlin, wir haben ihn jahrelang gehasst."

„Ja, haben wir, Ron", stimmte Hermine zu. „Und jetzt tun wir es nicht mehr."

Ron schüttelte den Kopf. „Es wird bei mir einige Zeit dauern."

„Jetzt erzähl mal, Hermine", sagte Harry, der von diesem unberechenbaren Thema ablenken wollte. „Was hast du zu dem Thema rausgekriegt? Ich hatte keine Ahnung, dass du Recherchen zu Horkruxen betrieben hast."

Sie lächelte ihm matt zu. „Seit wir herausgefunden hatten, dass Lucius der Horkrux ist, habe ich versucht, Wege zu finden, den Horkrux selbst anzugreifen und nicht den Wirt. Oder den Horkrux vom Wirt zu entfernen, um ihn so zu beseitigen. Aber ich hatte absolut kein Glück. Es gibt nur zwei Bücher in der gesamten Ministeriumsbücherei, die Horkruxe auch nur erwähnen, und sie sind überhaupt nicht informativ.

Das ist sehr Dunkle Magie und erfordert Dunkle Schriften zu dem Thema. Dumbledore wusste nicht einmal viel über sie. Also jemanden zu finden, der nicht nur einen erschaffen oder dabei zugesehen hat, sondern auch versucht hat, den Fluch rückgängig zu machen…" Sie schüttelte den Kopf. „… sollte im Dunkelsten Buch stehen, in der dunkelsten Ecke in der Bücherei des Dunkelsten Zauberers."

„Tja, da hast du Glück! Er wohnt hier!", sagte Ron.

„Er weiß nichts über sie, Ron. Zumindest nichts, wonach ich suche. Meinst du nicht, wenn er herausgefunden haben sollte, dass es möglich ist, den Horkrux rückgängig zu machen, hätte er nach dem Weg gesucht? Ich habe nicht einmal herausgefunden, welcher Zauber das Ding erschafft."

„Ich wette, er weiß mehr, als er zugibt", sagte Ginny leise.

Harry sah zu Hermine. „Hast du ihn gefragt?"

„Nein, Harry, habe ich nicht! Ich weiß nicht, ob so etwas überhaupt möglich ist, und ich will meine Idee nicht erwähnen, ohne etwas, das sie unterstützt."

„Was für eine Idee?", ertönte Dracos Stimme von der Tür.

„Was weißt du von Horkruxen, Malfoy?", fragte Ron anklagend.

„Nicht viel. Warum?", wollte er wissen, während er weiter in den Raum trat.

Ron sah Hermine an, deren Rücken zu Draco gewandt war. „Hermine hat eine Idee, dass es vielleicht rückgängig gemacht werden kann."

Draco legte seinen Kopf schief. „Wirklich?"

Hermine drehte sich zu ihm um. „Es war nur ein Gedanke von mir. Ich hatte noch kein Glück."

„Macht nichts", sagte Draco. „Er wird bekommen, was er verdient."

Sie wollte protestieren, ihn fragen, wie er so etwas über seinen eigenen Vater sagen konnte, aber sie erkannte von seinem Gesichtsausdruck, dass er nichts mit solch einer Unterhaltung zu tun haben wollte.

„Und was ist mit dir?"

„Ron!"

Draco warf ihm einen scharfen Blick zu, nicht ganz finster, aber auch nicht harmlos. Ron zauderte schließlich. „Ich auch, Weasley", sagte er leise. Ron schaute Harry an und Draco wandte sich an Hermine. „Granger, es wird heute Nacht regnen. Aber nicht allzu heftig."

Sie nickte und Draco lief durch die Küche die Treppe hoch. Kurz darauf hörten sie seine Zimmertür zufallen.

„Warum hat er dir gesagt, dass es regnen wird?", erkundigte Ginny sich, der nichts anderes zu sagen einfiel.

Hermine seufzte. „Damit ich daran denke, einen Schirm aufzubauen. Ich schlafe doch draußen, weißt du noch?"

„Hermine, du kannst dein Zimmer haben", sagte Ron. „Es macht mir nichts aus, auf dem Sofa zu schlafen."

„Danke, aber nein. Ich mag es wirklich, draußen zu schlafen." Sie lächelte ihre Freunde an. „Ron, ich bin ehrlich, ehrlich froh, dass ihr hier seid. Ihr habt mir furchtbar gefehlt."

„Ihr mir auch", sagte er lächelnd.

Sie lächelte zurück und dann Harry. „Es tut gut, wieder mit euch zusammen zu sein."


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