Kapitel 27: Das Ministerium greift ein

Auch in den nächsten Tagen oder besser gesagt in den nächsten Nächten, übernachtete Ginny immer öfters in Harrys Bett. Die Reaktionen der anderen Jungs dabei waren recht unterschiedlich.

Neville war das ganze ziemlich egal. Allerdings wollte er auch nicht direkt über dieses Thema sprechen, da sein Gesicht jedes Mal eine hübsche rote Schattierung dabei bekam. Ansonsten verhielt er sich aber so wie immer.

Seamus war selbst im Moment mit ganz anderen Dingen beschäftigt. Da er sich hauptsächlich in der Nähe eines recht hübschen Hufflepuffmädchens bewegte. So kam er meist als letzter in den Schlafraum zurück und war auch schon morgens schnell zum Frühstück verschwunden.

Zu Harrys großer Verwunderung schien sich Dean dagegen immer noch nicht wirklich mit der Trennung von Ginny zurecht zu finden. Besonders deutlich war dies immer zu erkennen, wenn Ginny morgens recht leicht bekleidet aus Harrys Bett sprang. Dabei schien er einen innerlichen Kampf auszufechten, ob er lieber Ginny anschauen oder Harry umbringen sollte. Zu Harrys großer Erleichterung war aber bisher noch nichts Schlimmeres passiert.

Umso erstaunlicher war es, dass sich Ron mit Kommentaren sehr zurück hielt. Dabei schien es so, als würde jedes Mal wenn er Ginny morgens sah, ein wissendes Lächeln über seine Lippen huschen.

Dieses Lächeln erstarb allerdings genauso schnell, wie Harrys Wohlbefinden wegen der letzten Nacht. Der Grund dafür war ein ziemlich bekannt aussehendes Schriftstück, welches an einer exponierten Stelle (direkt neben dem Portraitflügel) angeheftet war. Wegen diesen Zetteln hatte Harry das letzte Jahr eine Menge Stunden nachsitzen müssen. Dass sie wieder in Hogwarts erschienen war ein ungutes Zeichen.

„Ich glaub´ ich seh´ nicht richtig!", traf Ron genau den Sinn dessen, was allen anderen ebenfalls gerade einfiel.

„Ich dachte die Umbridge wurde vom Ministerium entlassen", entfuhr es Hermine leicht geschockt.

„Nein, nur beurlaubt", korrigierte sie Ron.

„Lass uns schauen was sie sich diesmal ausgedacht haben", versuchte Harry seine Freunde in Richtung des Erlasses zu locken. Viele andere hatten genau dieselbe Idee und so befand sich Harry bald mitten im Gedränge seiner Hauskameraden.

Unterwegs schnappte er einige Worte auf.

„…sie haben ihn einfach abgesetzt."

„…gar nicht vorstellen wie Hogwarts ohne…"

„…dass er so schwer krank…"

Schnell bahnte sich Harry einen Weg durch die letzten vor dem Anschlag und erstarrte als er den Text zu lesen begann.

Das Ministerium für Zauberei und Hexerei gibt bekannt (Erlass Nummer 30):

Der Schulleiter der Zaubererschule von Hogwarts, Prof. Albus Parcival Dumbledore, wurde wegen seines angeschlagenen geistigen Zustandes mit sofortiger Wirkung vorübergehend in den Ruhestand versetzt.

Er befindet sich zur weiteren Behandlung im St. Mungos Hospital, wo sich die besten Heiler um ihn kümmern.

Die Schulräte haben Prof. McGonnagal zur neuen Schulleiterin ernannt.

Für das Ministerium für Zauberei Cornelius Fudge, Minister für Zauberei

Die Unterschrift war mit solch einer schwungvollen Begeisterung darunter gesetzt, dass sich Harry das hämische Grinsen von Fudge beim unterschreiben deutlich vorstellen konnte. Schon seit Jahren hatte dieser versucht seine eigene Position auf Kosten von Dumbledore zu stärken und nun sah es so aus als habe er es endlich geschafft.

Die mühsam erlangte Ruhe Harrys, löste sich allerdings schon beim Eintreten in die große Halle in Luft auf. Der leere Stuhl von Dumbledore schien besonders darauf hinweisen zu wollen, wer nicht mehr da war. Fast alle Schüler und Lehrer in der Großen Halle kannten Hogwarts ohne Dumbledore gar nicht. Nur die älteren Lehrer, hatten zumindest einen anderen Direktor erlebt. So leise und niedergeschlagen wie alle seine Hauskameraden begab er sich zu seinem Haustisch.

Erst als er dort Platz genommen hatte und seine Gedanken langsam zur Ruhe kamen, fielen ihm eine Menge Fragen ein. War Dumbledore wirklich in einem solch schlechten Zustand wie das Ministerium behauptete? Wie war es dazu gekommen, dass sich Dumbledores Zustand dermaßen verschlechtert hatte? Wie konnte man ihm helfen, wenn scheinbar auch die besten Heiler keine Lösung für ihn hatten?!

Schneller als erwartet, wurde er aus seinen Gedanken geworfen. Ein fröhliches Gegröle hatte sich am Slytherintisch erhoben. Fassungslos starrte Harry, wie eine Mehrzahl der Schülerinnen und Schüler zu Malfoy, welcher gerade sein Glas erhoben hatte und mit einigen anderen Slytherins auf Dumbledores Absetzung anstieß.

„Mir ist der Hunger vergangen", murmelte Harry und stand abrupt auf. Schneller als einer seiner Freunde reagieren konnte hatte er die große Halle verlassen.

Obwohl er sich in diesem Moment nur schwer beherrschen konnte, wollte er auf keinen Fall wieder zu seinen bisherigen unangemessenen Wutausbrüchen zurückkehren. Doch von dem schnellen Laufen durch die Korridore verliess ihn seine Wut auch nicht. Im Gegenteil. Er spürte wie sie einen immer größeren Teil seiner Gefühle einnahm. Vielleicht sollte er doch seine Wut an irgendetwas auslassen, um sich Luft zu verschaffen, nur etwas Kleineres kaputt machen…

Als eine Rüstung in seiner Nähe in alle Einzelteile explodierte, blieb Harry erschrocken stehen. Vorsichtig sah er sich im Gang um, konnte aber dort keinen außer sich selbst entdecken. War er das selbst gewesen? Immerhin wollte er etwas zerstören, doch er hatte weder daran gedacht was, noch hatte er einen Spruch gesagt, oder versucht seine Magie zu lenken. Vorsichtig versuchte er seine Gefühle zu überprüfen und stellte erfreut fest, dass er nicht mehr so angespannt war wie vorher. Um jeglichen dummen Fragen zuvor zu kommen reparierte Harry schnell die Rüstung, welche sich, zwar nicht gerade lautlos, aber problemlos wieder in ihren vorherigen Zustand zurückversetzte.

Der Unterricht schien gar nicht enden zu wollen und Snape hatte sich einen besonderen Spaß daraus gemacht, möglichst viele Schüler zu quälen. Scheinbar schien er die Abwesenheit Dumbledores gleich richtig nutzen zu wollen.

Doch selbst der Unterricht bei Snape fand irgendwann ein Ende. Kaum befanden sie sich außer Hörweite, begannen alle zu schimpfen.

„Irgendwann bringe ich ihn um." verkündet Ron mit einem solch finsteren Gesicht, dass es Harry ihm durchaus zutraute.

„Ich helfe dir", fügte Harry grinsend hinzu. Rons finstere Mine war schon wirklich zum fürchten oder man musste darüber lachen.

„Hey, so etwas könnt ihr doch nicht sagen", bemerkte Hermine belehrend.

„Und wieso nicht?", fragte Ron provokativ zurück. „So wie er uns heute gequält hat könnte er glatt Dumbledore vergiftet haben."

„RON" unterbrach Hermine entsetzt, „er ist ein Lehrer."

„Und?", fragte Ron angriffslustig. „Das war Quirrel auch!" Einen Moment war Hermine sprachlos, bis sie ihren scheinbar letzten Trumpf auszuspielen versuchte.

„Aber er ist im Orden des Phönix und Dumbledore vertraut ihm!" Mit siegessicherem Blick sah sie Ron an, der sofort wieder konterte.

„Und er ist ein Todesser! Und das bleibt man sein Leben lang!" Hermine sah ihn nur noch einen Moment wütend an, bevor sie sich abwandte und demonstrativ die Portraits an den Wänden ansah.

Den Rest des Weges legten Ron und Hermine, ohne sich noch einmal anzusehen, zurück. Harry dagegen, konnte und wollte sich gar nicht in diese Diskussion einmischen. Er fand beide Argumentationen schlüssig und wusste nicht so recht, welcher er zustimmen sollte. Natürlich hatte Snape sie auch schon früher gemein behandelt und auch dem Orden wichtige Informationen zukommen lassen, aber warum bekam das Voldemort dann nicht mit? Und was konnte Snape diesem an Informationen bringen, ohne den Orden zu gefährden? Oder waren alle nur zu dumm und erkannten einen Todesser in ihren eigenen Reihen nicht?

In den nächsten Tagen schien es Harry jeden Tag mehr aufzufallen, dass Dumbledore nicht mehr in Hogwarts war. Früher war es ihm nicht aufgefallen, wenn der Direktor mal nicht zum Essen kam. Nun aber ertappte er sich oft dabei, wie er vor jedem Essen einen hoffnungsvollen Blick zum Lehrertisch warf, nur um jedes Mal wieder von dem Anblick seiner Verwandlungsprofessorin enttäuscht zu werden. Auch heute war wieder ein solcher Tag. Doch er wollte langsam etwas dafür tun, dass es Dumbledore wieder besser ging. Mit dem Vorsatz nach dem Essen sofort bei Remus vorbei zu schauen, begann Harry seinen Teller mit Kohl, Kartoffeln und Bratwürsten zu beladen.

Gegenüber von Harry war Seamus schon zum Nachtisch vorgestoßen. Nach einem weiteren Löffel mit Mousse au chocolat, meinte er beiläufig: „Ganz schön trostlos seit Dumbledore nicht mehr da ist, oder?"

„Jaaaah", entfuhr es Harry trotz seines recht vollen Mundes.

„Irgendwie fehlen mir besonders seine verrückten Sprüche." Nach einer Pause fuhr er fort.

„Hast du mittlerweile heraus bekommen was er genau hat?"

„Nein, ich werde nach dem Essen mal mit Re…Professor Lupin reden, ob er etwas Neues weiß. Willst du mitkommen?" Nun war es an Seamus sich fast zu verschlucken.

„Ähh..eigentlich schon aber ich habe mich direkt nach dem Essen mit …mhhh…Karina verabredet. Daher…" Harry konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, vor allem da Seamus Gesicht nun wie die untergehende Sonne in einem schönen rot erglühte.

„Soso, Karina heißt SIE also. Ich habe mich schon gefragt, wann du sie mir vorstellen wolltest."

„Ich…, naja ich war mir noch nicht so sicher …uhm…egal, ich wollte einfach noch ein bisschen abwarten bis…", unsicher brach er ab und Harry tat es schon fast leid ihn so getriezt zu haben.

„Woher weißt du eigentlich von ihr?", fragte Seamus nach einem Moment leise nach. „Bisher hatte ich es nämlich immer geschafft allen aus dem Weg zu gehen, wenn wir uns getroffen haben."

„Schon vergessen, ich habe auch eine Freundin", sagte Harry locker. „Sie hat mir erzählt, dass sie es von Christina gehört hat, welche es von Lavender weiß, welche es von Parvati hat, die es von Padma hat, und weiter weiß ich auch nicht mehr so genau…" Harry hob entschuldigend seine Augenbraue, was Seamus ein Grinsen entlockte. Harry wollte nicht verraten, dass er es beiläufig auf der Karte der Marauder gesehen hatte, wie die beiden in einer Besenkammer verschwunden waren. Natürlich hatte er es auch von Ginny gehört, der er natürlich sofort von der Geschichte mit der Besenkammer erzählen musste.

„Musst du dir viel solchen Klatsch anhören?", fragte Seamus nach einem kurzen Schweigen in einem teilnahmsvollen Ton.

„Eigentlich nicht. Normalerweise sind wir mit…ähhh…anderen Dingen… beschäftigt. Und was macht ihr so?", fragte Harry scheinheilig. Schließlich wusste er, oder glaubte es, genau zu wissen was, oder eher wo sich die beiden rumtrieben.

„Wir…ähm…gehen spazieren und sind letztens fast von Filch erwischt worden", versuchte Seamus wieder auf ein sicheres Gesprächsthema zu kommen.

„War das in einer Besenkammer?", konnte sich Harry nicht verkneifen zu fragen.

„Ähhh…was…wie…kannst du das wissen?", Harry hatte ihn sichtlich geschockt. „Ich…wir sehen uns". Damit stand Seamus so schnell wie nie auf und war schnell im Gedränge der Schüler verschwunden.

Harry fühlte sich auf einmal wieder besser. Über die Liebe konnte man immer sprechen und am besten natürlich, wenn man selbst mit seiner großen Liebe zusammen war.

Auf den Korridoren zu Remus Büro war es heute so ruhig wie schon lange nicht mehr. Das Schloss selbst schien darüber zu trauern, dass es einen großartigen Direktor verloren hatte. Harry beschleunigte noch einmal seine Schritte und wäre dabei fast mit einem der Auroren kollidiert.

„Entschuldigung", murmelte Harry und war in Gedanken schon bei Remus.

„Macht nichts, Mr. Potter", entgegnete dieser für Harrys Geschmack viel zu freundlich und verschwand mit einem freundlichen Lächeln. Doch Harrys Gedanken hatten sich schon wieder den Gesprächthemen mit Remus zugewandt.

„Hallo Remus", begrüßte Harry seinen Professor etwas niedergeschlagen.

„Ich habe dich schon erwartet", antwortete dieser mit einem kurzen schelmischen Grinsen. Auf Harrys verwunderten Blick, fuhr er fort.

„Es war eigentlich zu erwarten, nachdem Dumbledore abgesetzt worden ist, dass du genaueres über die Umstände hören wolltest."

Harry lächelte etwas gequält und nickte zustimmend.

„Nun, ich kann dir leider auch nicht besonders viel dazu sagen", begann Remus erneut. „Letzte Nacht wurden wir zwar von der nicht besonders leisen Abreise Dumbledores geweckt, aber mehr als seine Pfleger aus dem St. Mungos haben wir nicht gesehen. Das heisst natürlich, abgesehen von unserem Zaubereiminister, der -"

„Was der war hier", unterbrach Harry aufgebracht seinen Lehrer und Freund.

„Ja, immerhin musste doch jemand die Ministeriumserlässe im ganzen Schloss aushängen und das wollte sich unser werter Herr Minister wohl nicht entgehen lassen." Remus sarkastischer Unterton war Harry keineswegs entgangen.

„Ich denke, er war sehr zufrieden mit sich", grummelte Harry wütend in seinen nicht vorhandenen Bart.

„Allerdings! Du hättest mal seine Sprüche hören sollen. Endlich kann das Ministerium auch in Hogwarts Veränderungen herbeiführen."
„Er meint wohl eher kontrollieren." zischte Harry wütend.

„Das denke ich auch." Bei genauerem hinsehen sah Remus ebenfalls ziemlich besorgt aus.

Irgendwie war schon das Zusammensein mit einem Gleichgesinnten angenehm, denn Harry fand das kurzzeitige Schweigen alles andere als unangenehm.

„Weiß immer noch keiner was genau Dumbledore hat?" Harry wollte unbedingt etwas Genaueres über dessen fortschreitende Krankheit, oder was immer es war, wissen.

„Nein, leider nicht." seufzte Remus, „aber wir sind uns fast sicher, dass er vergiftet wurde."

„Und keiner hat eine Ahnung was es sein könnte?" Zur Antwort schüttelte Remus nur seinen Kopf.

„Aber warum hat der, der ihn vergiften wollte, nicht gleich ein sofort tödliches Gift verwendet?" Harry verstand den Sinn von dieser ganzen Aktion nicht wirklich. Nach dem Gesicht von Remus, ging es ihm auch nicht besser.

„Das habe ich mich auch schon oft gefragt." nachdenklich lies er immer wieder seine Feder durch die Hand gleiten.

„Vielleicht... wollte derjenige Dumbledore einfach unspektakulär aus dem Weg räumen. Stell´ dir doch mal den Aufstand vor, welcher bei Dumbledores offensichtlicher Vergiftung losgebrochen wäre. Jeder in der Zaubererwelt wäre aufgeschreckt worden, aber so bekommen es die meisten gar nicht richtig mit."

„Hmmm", war alles was Harry dazu sagen konnte. Aber seine Gedanken wirbelten schon wieder unruhig hin und her. Wer hätte davon einen Vorteil? Dafür kamen wirklich viele in Frage. Voldemort, Malfoy, Fudge, Umbridge und wahrscheinlich noch jede Menge anderer Menschen. Und einen solchen Zaubertrank zu besorgen war für alle dieser Verdächtigen nicht besonders schwer.

„Kann ich noch was für dich tun?", holte ihn Remus aus seinen Gedanken zurück.

„Nein", setzte Harry an, überlegte es sich aber doch noch anders.

„Ja. Ich hatte bisher immer bei Dumbledore Unterricht und wollte dich Fragen, ob du mich in der Zeit weiter unterrichten könntest?"

„Wann hattest du diese Stunden?", fragte Remus nach, während er schon seinen Kalender zu Rate zog.

„Donnerstags morgen eine Doppelstunde."

„Tut mir leid, da unterrichte ich gerade die Zweitklässler von Hufflepuff und Ravenclaw."

„Naja, nicht so schlimm, du kannst ja nichts dafür."

Auch zu den wenigen anderen Zeiten in denen Harry keinen Unterricht hatte, hatte Remus selbst zu unterrichten. Daher nahm sich Harry vor, in dieser Zeit, einfach selbst etwas weiter zu üben.

Der erste Donnerstag ohne die bisherige Stunde mit Dumbledore kam schneller als erwartet. Irgendwie war es schon seltsam auf einmal in einem Klassenraum ohne einen Lehrer zu stehen und für sich zu üben.

Um sich warm zu machen versuchte Harry zuerst einmal wieder die Übungen mit den Bällen zu wiederholen. Erfreut konnte Harry feststellen, dass er auch mit 10 verschiedenen Bällen keinerlei Probleme hatte. In den letzten Stunden hatten sie auch an verschiedenen Formen gearbeitet. Die Bälle hatten dafür verschiedene Bahnen im Raum bekommen, auf welchen sie einen am besten beschützen konnten und Angreifer durch nicht zu stupide Bewegungen verwirrten. Wichtig war zum Beispiel immer wieder in sehr unregelmäßigen, aber nicht besonders lang auseinander liegenden Sequenzen Bälle, oder später die Waffen, vorbei fliegen zu lassen.

Bei den komplexeren Formen scheiterte Harry allerdings wie in den letzten Stunden wieder einmal. Das Bewusstsein für die fliegenden Gegenstände in seinem Rücken war bisher noch nicht sehr ausgeprägt. Verbissen übte Harry weiter daran. Nicht zu denken, was passieren würde, wenn er einen der Säbel in seinem Rücken aus der Kontrolle verlor. Bestenfalls würde er schwer verletzt werden. Und das wollte er ganz sicher nicht. Ganz zu schweigen von dem Ärger, den er von Madam Pomfrey und erst von Ginny bekommen würde.

So verabschiedete er sich von dem Gedanken heute diese Übungen schon mit Säbeln und Schwertern auszuführen und gab ein paar Minuten vor dem Ende der Stunde entnervt auf.

Gerade als Harry nach seinen Übungen den Klassenraum verlassen hatte, traf er wieder auf einen der Auroren. Es war wieder derselbe, welcher ihm in letzter Zeit recht oft über den Weg lief. Tonks hatte ihm erzählt, dass er Ted McNamara hiess und schon seit 16 Jahren im Ministerium als Auror arbeitete. Als der Auror näher kam, konnte Harry auch wieder das harte Gesichtsprofil erkennen. Der kurze Bart sollte wohl das meist sehr gezwungen aussehende Lächeln vertuschen. Durch Tonks wusste er auch, dass die Ursache für dieses schiefe Lächeln, ein unbekannter Fluch gewesen war. Harry versuchte daher ebenfalls ein freundliches Lächeln auf sein Gesicht zu zaubern.

„Guten Tag, Mr. Potter", kam auch schon die freundliche Begrüßung, welche fast durch die unheimlich kalten schwarzen Augen widerrufen wurde. Fast wie Snape seine Augen schoss es ihm durch den Kopf, nur, dass man in dessen Augen nichts lesen konnte. McNamaras Augen hatten aber einen abschätzenden Ausdruck. Wahrscheinlich war das auch so eine Vorraussetzung für erfolgreiche Auroren. Natürlich kam keiner an Moody heran, was gefangene Todesser anbelangte, aber McNamara hatte ebenfalls einige Todesser nach Askaban gebracht.

„Hallo, Mr. McNamara." Bei der Nennung seines Namens konnte Harry in dessen Augen kurz etwas wie Freude aufblitzen sehen, aber einen Moment war es schon wieder verschwunden.

„Was machen sie hier so allein, während der Unterrichtszeit?", fragte McNamara beiläufig. „Soweit ich weiß, findet hier in dem Korridor gar kein Unterricht statt."

„Hier hatte ich bisher immer bei Dumbledore Unterricht und wollte für mich selbst ein bisschen weiter üben."

„Und, hat es geklappt?"

„Nicht wie ich erwartet habe, aber es hat trotzdem etwas gebracht", antwortete Harry ausweichend.

„Wenn du willst, kann ich mit dir üben." Harry überlegt schnell, aber es fiel ihm kein Grund ein, dieses freundliche Angebot abzulehnen, zumal Remus ja keine Zeit für ihn zum trainieren hatte. Schnell entschlossen antwortete er also.

„Ja, gerne. Ich hoffe nur, dass Sie am Mittwoch nach dem Abendessen Zeit haben. Sonst habe ich nämlich keine Zeit." Mr. McNamara schien noch nicht einmal zu versuchen seine Überraschung darüber zu verbergen.

„Sehr engagiert. Aber sie haben Glück, dass ich nur montags und donnerstags meine Nachtschicht habe."

„Ich muss jetzt zu Muggelkunde, sonst komme ich zu spät", versuchte sich Harry loszueisen. „Wo treffen wir uns?"

„Was hältst du von diesem Raum?", fragte McNamara und deutete auf den Klassenraum, aus dem Harry gerade getreten war.

„OK, bis nächste Woche und danke", verabschiedete sich Harry.

Während Harry schnell den Weg zum 3. Stock einschlug, sah ihm Ted McNamara mit einem gruseligen Lächeln hinterher und seine Augen hatten angefangen im Dunkeln zu funkeln.