Kapitel 28

Reise durch die Zeit

„I never made promises lightly
And there have been some that I've broken
But I swear in the days still left
We will walk in fields of gold
We'll walk in fields of gold"

Sirius hörte die klare, hohe Stimme schon lange bevor der Wirbel aus Farben um ihn herum sich gelegt hatte und auch wenn er selbst dieses Lied noch nie gehört hatte, wusste er doch sofort was es war. Als er endlich auf festem Boden stand war die Stimme verstummt und neugierig blickte er sich um. Sirius stand ohne Frage in einem Wald, um ihn herum waren die Bäume voller Blätter und für einen Moment vergaß Sirius was er eigentlich machte, als er sich staunend umsah. Erst als er das leise Rascheln neben sich vernahm sah er nach links und erblickte einen kleinen Jungen von vielleicht sieben Jahren, der durch das Gebüsch spähte und irgendetwas beobachtete, was Sirius nicht erkennen konnte. Neugierig beugte Sirius sich vor und sah überraschenderweise über ein kleines Tal hinweg in dem ein großes Haus stand.

Eine kleine, zierliche Rothaarige saß auf einem Steg und ließ ihre Beine ins Wasser baumeln. Neben ihr saß ein großer, breitschultriger Mann an dessen Schulter sie sich gelehnt hatte. Im Wasser selbst konnte Sirius undeutlich einen großen Jungen erkennen, der gerade ein viel jüngeres Mädchen ins Wasser warf. Unsicher wandte Sirius sich wieder um und besah sich den Jungen im Gestrüpp genauer. Harry war zwar klein und schmal, besaß aber die gleiche Zähigkeit und katzenhafte Eleganz wie auch noch Jahre später. Nur seine Augen waren anders als Sirius sie kannte, sie waren noch nicht so tief schwarz sondern hatten das gleiche Grün wie Lilys und Emmas Augen. Fasziniert sah Sirius wie Harry sich ein Stück weiter nach vorne beugte, als die Frau am Fluss wieder zu singen begann. Noch einmal dasselbe Lied wie zuvor.

„Muss wohl ihr Lieblingslied sein.", murmelte Sirius leise und genau in diesem Moment begriff er, wen er dort vor sich hatte: Phoenix' Familie. Sie selbst hatte es ihm vor Monaten erzählt. Das Lied, das Harry für Emma gesungen hatte, war das Lieblingslied ihrer Mutter.

Ungeduldig wollte Sirius näher heran gehen, er brannte darauf mehr über Phoenix' Familie zu erfahren, aber wenn Harry im Gebüsch blieb, konnte auch er sich nicht zu weit von ihm entfernen. Gerade als Sirius dachte es würde nichts mehr passieren tauchte wie aus dem Nichts ein junges Mädchen vor ihm aus dem Gestrüpp auf, stemmte ihre Hände in ihre Hüften und rief: „Heda, wer bist du denn?"

Sirius fuhr genauso erschreckt zusammen wie Harry, als Phoenix vor ihm auftauchte und musste dann doch grinsen, als er das altbekannte Leuchten in den Augen seines Gegenübers sah.

Harry jedoch schien völlig verschreckt und blieb bewegungslos genau dort hocken wo er schon seit Beginn der Erinnerung gesessen hatte.

„Was ist? Hab ich dir die Sprache verschlagen, Kleiner?", fragte Phoenix plötzlich spürbar besorgt und trat einen Schritt näher an Harry heran, „Was machst du denn so alleine hier hinten? Hast du dich verirrt?"

„Ich verlaufe mich nicht!", rief Harry unvermittelt völlig entrüstet, als wäre es die schlimmste Beleidigung der Welt so etwas überhaupt anzunehmen.

„Dann also nicht verirrt.", schmunzelte Phoenix und trat endgültig zwischen den Bäumen hervor, so dass sie jetzt direkt vor Harry stand und ihn um Längen überragte. Auf Grund von Harrys Alter schätzte Sirius, dass Phoenix nun ungefähr 13 sein musste.

„Ich heiße Kathryn.", sagte sie geschäftsmäßig und streckte Harry ihre Hand entgegen. „Kathryn?", dachte Sirius überrascht, „Was war mit Phoenix passiert?"

„Salazar.", antwortete Harry und schüttelte selbstsicher Phoenix' Hand.

„Ist aber ein ganz schön großer Name für so ein kleines Persönchen.", grinste Phoenix vergnügt.

„Dein Name passt auch nicht zu dir.", antwortete Harry trotzig und reckte sein Kinn nach vorne.

„Mh, mir gefällt er.", entgegnete Phoenix schulterzuckend, „Möchtest du mit runter kommen? Dann können meine Eltern deine anrufen und ihnen erzählen, dass du dich verlaufen hast und wo du bist."

„Ich habe mich nicht verlaufen! Bin nur aus Versehen an den falschen Ort appariert.", zischte Harry erneut.

„Appariert? Was soll das denn sein?", fragte Phoenix neugierig und Sirius konnte sich trotz dieser eigenartigen Situation ein kleines Grinsen nicht verkneifen, als er Harrys ungläubiges Gesicht sah.

„Du weißt nicht was apparieren ist?! Merlin, bist du ein Muggel?!", schrie er entsetzt.

„Ein was?", fragte Phoenix misstrauisch nach, doch als Harry nicht antwortete schüttelte sie nur resigniert den Kopf und begann einen kleinen Pfad hinab zu steigen ohne groß darauf zu achten, ob Harry ihr folgte.

Unten angelangt lief sie fröhlich auf den Steg zu, auf dem ihre Eltern saßen und bei näherer Betrachtung konnte Sirius sehen, dass die beiden um eine Picknickdecke herumsaßen und offensichtlich darauf warteten, dass ihre Kinder aus dem Wasser kamen.

„Mum, Dad, ich hab Besuch mit gebracht!", rief Phoenix fröhlich, als sie sich neben ihre Eltern fallen ließ und ihre langen Beine ins Wasser baumelte, „Das ist Salazar. Er hat sich verlaufen."

Harrys Gesicht wurde vor Frustration knallrot, als er erneut rief: „Ich verlaufe mich nicht"

„Wenn du dich nicht verlaufen hast, wie bist du denn an so einen abgelegenen Ort gekommen?", fragte Phoenix' Vater freundlich und deutete auf einen Teller voller Sandwiches neben sich.

Zögerlich kam Harry näher und beäugte das Essen gierig, offensichtlich war er ziemlich hungrig. „Ich wollte apparieren üben und muss wohl am falschen Ort gelandet sein.", sagte er, setzte sich und griff gierig nach einem Sandwich.

Während Phoenix nur genervt die Augen verdrehte, verschwand das Lächeln vom Gesicht ihres Vaters und er warf seiner Frau einen bedeutungsvollen Blick zu, der Sirius keineswegs entging.

„Wo wohnst du denn?", fragte Mrs Wimsey und Sirius zuckte zusammen, als er hörte wie ähnlich sie ihrer Tochter klang.

„Darkheaven.", antwortete Harry mit vollem Mund und schien völlig unwissend zu sein, welche wichtige Auskunft das eigentlich war.

„Findest du allein wieder zurück?", fragte Mr Wimsey leise. "Ich kann dich auch fahren, es sind nur ein paar Stunden Fahrt von hier."

Verwirrt blickte Phoenix zwischen ihren Eltern hin und her, sie hatte offensichtlich nicht die geringste Ahnung was da gerade besprochen wurde.

„Ich finde zurück.", antwortete Harry und griff nach einem weiteren Sandwich, „Ich wollte gerade wieder zurück, als ich Sie singen hörte. Sie singen toll."

„Danke, mein Junge.", sagte Mrs Wimsey und lächelte auf Harry hinab. Sirius bekam das starke Gefühl, dass sie in diesem Moment eine Entscheidung traf.

„Iss ruhig so viel du willst, wir haben genug.", sagte sie und lächelte ihm aufmunternd zu.

„Das ist sehr lecken, sowas gibt es bei uns zu Hause nie.", gestand Harry und lächelte schüchtern. Auch Sirius musste unwillkürlich lächeln, als er sah mit welcher kindlichen Freunde Harry aß und redete, in dem erwachsenen Harry hatte er nie eine Spur davon erkennen können.

„Du bist immer willkommen in unserem Haus, wenn du mal wieder so etwas essen möchtest.", erklärte Mr Wimsey und grinste plötzlich verschwörerisch, „Ich glaube nur nicht, dass du das jemandem erzählen solltest."

Gerade als Harry dankbar lächelte und verständnisvoll nickte begann die Erinnerung zu verschwimmen und plötzlich stand Sirius in einem kleinen Raum aus Holz. Ein Baumhaus, dachte er und sah sich um. Hinter ihm lagen Decken auf dem Boden. Darauf saß Phoenix mit einem Kinderbuch in der Hand, während ihre kleine Schwester sich an sie gekuschelt hatte und Harry auf ihrer anderen Seite saß und sich an die Wand dahinter lehnte. Offensichtlich laß Phoenix den beiden jüngeren Kindern vor.

„Und der Gesang des Phönix erklang nie wieder.", schloss sie mit ruhiger Stimme und klappte das Buch andächtig zu.

„Das war schön.", hauchte Morgaine, „Ich wünschte Phönixe gäbe es wirklich."

„Es gibt sie wirklich.", belehrte Harry wichtigtuerisch, „Mein Vater hat mir mal einen gezeigt."

Die Augen der Sechsjährigen wurden vor Erstaunen und Neid kugelrund, „Oh, sind sie so schön, wie in dem Buch, Salazar?"

„Noch viel schöner. Ihre Federn sind nicht so richtig golden, mehr so wie die Haaren von Kathryn und deiner Mutter.", antwortete Harry nachdenklich.

„Hast du gehört Kathryn, du siehst aus wie ein Phönix!", lächelte Morgaine und nahm ihrer großen Schwester das Buch aus der Hand um darin zu blättern.

„Ja!", rief Harry plötzlich aufgeregt, „Du siehst wirklich aus wie ein Phönix, vielleicht sollten wir dich so nennen!"

„Ich hab schon einen Namen.", antwortete Pheonix ungehalten.

„Wenn du uns dir einen Spitznamen geben lässt, dann darfst du Salazar auch einen geben. Du sagst doch immer sein Name wäre zu lang.", grinste Morgaine.

Harry schien diese Idee allerdings nicht so prickelnd zu finden. Sirius vermutete, das Voldemort ihm wahrscheinlich erzählt hatte, sein Name sei etwas Besonderes. Einen Moment lang schien er mit sich zu kämpfen, dann sagte er gepresst: „Meinetwegen, wenn wir dich Phoenix nennen dürfen, dann darfst du mir auch einen Spitznamen geben. Abgemacht?" Mit diesen Worten streckte er ihr dann seine rechte Hand entgegen.

„Abgemacht… Zari.", antwortete Phoenix und schüttelte die Hand des kleinen Jungen.

Erneut begann die Erinnerung zu verschwimmen und dieses Mal fand Sirius sich an einem Ort wieder, der er nur zu gut kannte: Vor Phoenix' Haustür.

Es regnete in Strömen, doch da es nur eine Erinnerung war blieb Sirius davon verschont. Harry stand neben ihm und triefte vor Regen, sein Gesicht war völlig ausdruckslos und Sirius ließ es sofort eiskalt den Rücken hinunter. Irgendetwas hatte Harry offensichtlich völlig aus der Bahn geworfen.

In diesem Moment öffnete sich die Tür und Phoenix starrte Harry entsetzt an.

„Zari! Du liebe Güte, was ist denn passiert?! Stimmt etwas nicht?", rief sie und mit einer resoluten Bewegung zog sie ihn ins Haus ohne auf eine Antwort zu warten.

Entsetzt sah Sirius zu wie Phoenix Harry ins Wohnzimmer führte, ihm die nassen Klamotten auszog und ihn anflehte ihr zu sagen, was passiert war. Es dauerte Minuten bis Harry endlich reagierte.

„Er hat mich belogen. Er hat mich mein ganzes Leben lang belogen.", flüsterte er leise und legte seinen nassen Kopf müde an Phoenix' Schulter.

„Wer hat dich belogen?", fragte Phoenix liebevoll und strich ihm über die triefenden Haare.

„Mein Vater. Er… er ist nicht mein Vater. Er hat mich als Baby entführt.", flüsterte Harry leise und Sirius schöpfte unwillkürlich Hoffnung, als er in Harrys Gesicht sah. Vielleicht war es ja doch noch nicht zu spät ihn zu retten. Phoenix versteifte sich bei diesen Worten und verzog mitfühlend das Gesicht, auch wenn sie nicht so überrascht schien, wie Harry selbst.

„Bist du sicher? Woher weißt du es?", fragte sie sanft.

„Einer der Todesser, ich weiß nicht mal seinen Namen. Er hat mich zufällig gesehen und ist furchtbar blass geworden. Dann hat er gemurmelt, dass das alles doch unmöglich sei und dass ich doch tot sei."

„Was hat er dir noch erzählen können? Weißt du wer deine richtigen Eltern waren?"", hakte Phoenix nach, Aufregung stand ihr unübersehbar ins Gesicht geschrieben.

„Nicht waren. Sie sind noch am Leben.", brachte Harry erstickt hervor, „James und Lily Potter. Sie sind Widerstandskämpfer. Sie kämpfen gegen meinen Vater, gegen mich."

„Wissen sie es, dass du noch lebst?"

„Nein, sie halten mich für tot. Warum hätte mein Vater mich auch am Leben und als seinen Sohn erziehen sollen, anstatt mich zu töten, das ergibt ja auch keinen Sinn.", stieß Harry aufgebracht hervor.

Einen Moment lang war es still, keiner der Beiden schien zu wissen was sie dazu sagen sollten und Sirius hatte zum ersten Mal wirklich Mitleid mit Harry, verraten zu werden von dem Mann, den man für seinen Vater hält war sicherlich eines der wirklich schrecklichen Erlebnisse im Leben. Völlig unvermittelt begann Phoenix dann zu sprechen: „Was willst du jetzt tun? Du solltest zu ihnen gehen und mit ihnen reden."

Sirius fühlte eine plötzliche Welle von Dankbarkeit gegenüber Phoenix, als er hörte wie sie versuchte Harry dazu zu überreden mit seinen Eltern zu reden.

„Sie halten mich für tot, Phoenix. Was soll ich denn machen? Bei ihnen klingeln und sagen: Hallo, hier bin ich?"

„Das wäre doch einen Versuch wert.", schlug Phoenix vor, konnte sich aber ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen.

„Sie haben Kinder. Einen Sohn, zwei Töchter und noch ein Baby ist unterwegs. Ich bin nicht… sie haben mich vergessen.", flüsterte Harry leise.

„Das bezweifle ich ganz stark, Kleiner.", sagte Phoenix ruhig, „Ich glaube nicht, dass man sein eigenes Kind vergisst. Egal was passiert."

„Und dann was? Soll ich meinen Vater einfach verlassen und mich auf die Seite seiner Gegner schlagen?!", rief Harry aufgebracht.

„Ich weiß es nicht, Zari. Ich kenne weder die Potters noch deinen Vater, aber ich weiß, dass du alles schaffen kannst, wenn du es nur willst. Also musst du einfach nur herausfinden, was du willst.", stellte Phoenix fest.

Wieder schwieg Harry kurz, dann sagte er: „Ich denke darüber nach. Vielleicht ist es wirklich eine Chance für mich ein Leben zu leben wie ich es will."

Als Sirius diese Worte hörte, blieb ihm vor Überraschung der Mund offen stehen und auch als die Erinnerung um ihn herum verschwand und sich eine neue formte, hörte er noch immer nur wie Harry darüber nachdachte Voldemort zu verlassen und nach Hause zurückzukehren.

Als die nächste Erinnerung um ihn herum Gestalt angenommen hatte, stand Sirius zu seiner Überraschung wieder genau dort, wo er auch schon zuvor gestanden hatte: In Phoenix' Wohnzimmer.

Diese Mal saß Harry im Dunkeln auf einem Sessel während Phoenix nirgendwo zu sehen war. Plötzlich ging die Tür zum Flur auf und sie trat herein, in Schlafklamotten und offensichtlich völlig ahnungslos, dass sie einen Besucher hatte. Fröhlich summend schlenderte sie im Halbdunkel durch den Raum auf ein Bücherregal zu und schaltete eine Leselampe ein. Genau in diesem Moment sah sie Harry und schrie entsetzt auf.

„Großer Gott, Zari! Was soll das denn werden?!", rief sie atemlos und klammerte sich noch immer an das Buch in ihren Händen.

Harry antwortete jedoch nicht und zum ersten Mal seit Sirius in das Denkarium gegangen war glaubte er nicht Harry Potter sondern Lord Salazar vor sich zu sehen. Auch Phoenix spürte sofort, dass etwas nicht stimmte. Mit besorgtem Gesicht lief sie auf ihn zu, ließ sich vor ihm auf die Knie nieder und nahm sein Gesicht in ihre Hände.

„Was ist passiert, Zari?", fragte sie mit Tränen in den Augen, „Was ist mit deinen Augen geschehen. Und jetzt konnte auch Sirius es sehen, Harrys Augen waren nicht mehr grün, sonders pechschwarz.

„Lucrezia ist tot.", sagte er tonlos, das Gesicht völlig ausdruckslos. Entsetzt schlug Phoenix eine Hand vor ihren Mund.

„Oh Gott, was ist passiert?", fragte sie und der Kummer in ihrer Stimme war offensichtlich. Kummer für Harry, nicht für Lucrezia, davon war Sirius überzeugt, als er ihr blasses Gesicht sah.

„Das Ministerium. Auroren.", antwortete Harry abgehackt.

„Aber was… was machst du denn jetzt?", hakte sie nach.

„Sie haben Lucrezia getötet, Phoenix. Ich habe jetzt keine Wahl mehr.", sagte Harry kühl, „Ich muss mich jetzt für eine Seite entscheiden. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Harry Potter ist tot. Es gibt nur noch mich."

Wieder ein Wirbel aus Farben und Formen, dann stand Sirius plötzlich wieder an dem See, an dem Harry den Wimseys das erste Mal begegnet war.

Dieses Mal saß Phoenix auf dem breiten Steg und ließ ihre Füße ins Wasser baumeln, während Harry im Wasser mit einem kleinen, dunkelhaarigen Mädchen spielte.

„Höher, Onkel Zari! Höher!", quiekte sie vergnügt, als Harry sie vor sich ins Wasser warf und dann wieder aufhob, nur um sie noch weiter zu schmeißen. Diese Art von Spaß schien für keinen von ihnen etwas Ungewöhnliches zu sein.

„Ich habe jemanden kennengelernt.", teilte Phoenix völlig unvermittelt mit und sah nicht einmal auf, während sie mit ihren Händen durchs Wasser fuhr.

Verdutzt hielt Harry inne, was ihm lauten Protest von seinem menschlichen Wasserball einbrachte.

„Ach ja?", fragte er misstrauisch, „Muss ja was ernstes sein, wenn du mir davon erzählst."

„Ist es auch.", antwortete Phoenix vergnügt, „Er ist toll. Ihr würdet euch sicherlich gut verstehen."

„Was macht es so?", hakte Harry nach und gab endlich dem lauten Drängen nach, indem er das Mädchen erneut ins Wasser plumpsen ließ.

„Er ist in der Sicherheitsbranche. Keine Ahnung was genau, er ist da nicht so gesprächig.", erklärte Phoenix und ließ sich mit einer einzigen fließenden Bewegung ebenfalls ins Wasser gleiten. Mit einem Schlag wurde Sirius klar, dass sie von ihm redete, also hatte ihre Beziehung nichts mit Harry zu tun gehabt. Augenblicklich spürte er, wie ihm eine große Last von den Schultern genommen wurde, auch wenn diese Erkenntnis beileibe keines seiner Probleme löste, so war es doch eine ungeheure Erleichterung zu wissen, dass er sich nicht so grundlegend in Phoenix getäuscht hatte, wie er befürchtet hatte.

„Ach ehrlich? Sag mir wie er heißt, dann kann ich ihn überprüfen.", sagte Harry ruhig.

„Was?! Wieso das denn?", fragte Phoenix entgeistert.

„Ganz einfach: Wenn er nicht gut genug für dich ist, dann räume ich ihn aus dem Weg.", grinste Harry, auch wenn Sirius sicher war, dass das nicht nur ein Scherz gewesen war.

„Auf garkeinen Fall. Halt dich aus meinen Beziehungen raus. Ich wollte es dir nur sagen, um höflich zu sein.", brummte Phoenix und nahm das kleine Mädchen auf ihren Arm um sich dann dem Ufer zuzuwenden.

„Was meinst du damit? Heißt das, ich darf nicht auf meine große Schwester aufpassen?", rief Harry ihr hinterher und folgte den beiden ans Ufer.

„Genau das heißt es.", stellte Phoenix fest und begann das Mädchen anzutrocknen.

„Ich will noch nicht rein, Tante Phoenix.", quengelte die Kleine.

„Tut mir Leid Kenzie, aber ich muss gehen. Ich werde wohl für einige Zeit nicht her kommen können.", erklärte Harry und streichelte ihr liebevoll über die dunklen Haare.

Kenzie begann erst zu schniefen und dann tatsächlich zu weinen: „Aber… aber das kannst du doch nicht machen!"

„Tut mir wirklich leid mein Engel. Ich werde für ein paar Wochen weg sein, vielleicht weniger, vielleicht mehr. Es gibt da etwas, was ich erledigen muss.", antwortete Harry ruhig.

Phoenix warf ihm einen düsteren Blick zu und sagte: „Ich halte das für keine gute Idee, was wenn etwas schief geht?"

„Das wird es schon nicht.", versuchte Harry sie zu beruhigen, „Wenn ich es schaffe, dann sind wie alle ein klein wenig sicherer, ok?"

Phoenix' Antwort konnte Sirius schon nichtmehr hören, denn schon löste sich die Erinnerung erneut auf und er stand plötzlich sich selbst gegenüber.

Entsetzt sah Sirius dabei zu wie er selbst gemeinsam mit Remus versuchte den tobenden James von Harry wegzuzerren, doch dieses Mal hatte er Zeit zu beobachten, wie Phoenix auf Harry zu rannte, vor ihm auf die Knie ging und sein Gesicht betrachtete. Damals war es niemandem aufgefallen, weil alle viel zu geschockt waren um darauf zu achten, doch dieses Mal sah Sirius den entsetzten, ungläubigen und völlig verzweifelten Ausdruck auf Phoenix' Gesicht und auch das Aufleuchten von Erkennen in Harrys noch immer benebeltem Gesicht.

Erneut veränderte sich die Szene und jetzt stand Sirius neben Harry in seinem Zimmer in der Rumtreiberhöhle. Harry saß auf der Fensterbank, laß ein Buch und trug noch immer seinen schwarzen Umhang. Als die Tür geöffnet wurde, sah er noch nicht einmal, bis Phoenix mit unsicherer Stimme fragte: „Zari?"

Harrys Kopf schnellte nach oben und er ließ das Buch sinken, als er auf Phoenix zu rannte, sie umarmte und ihr dabei fast das Tablett mit Essen aus der Hand schlug.

„Was tust du hier, Phoenix? Was hast du mit all dem zu tun?", fragte Harry atemlos und blickte in Phoenix' schuldbewusst wirkendes Gesicht.

„Ich… ich habe dir doch erzählt, dass ich jemanden kennengelernt habe… es… Sirius Black. Ich bin mit Sirius Black zusammen.", presste sie hervor und sah dann voll dunkler Vorahnung in Harrys Gesicht, der verzog jedoch keine Miene.

„Was soll ich jetzt tun, Zari?", fragte sie verzweifelt, als Harry noch immer nichts gesagt hatte.

„Was willst du denn tun?", erwiderte Harry leise.

„Ich weiß es nicht.", flüsterte Phoenix verzweifelt, „Ich liebe ihn, Zari. Ich liebe ihn wirklich."

Sirius begann bei diesen Worten leicht zu zittern, als die Erinnerung erneut verschwand und er sich nun in Hogwarts wiederfand. Harry ging gerade die Treppe zum Astronomieturm hinab, als er ein leises Weinen hörte.

Phoenix saß in einer Fensternische und hatte das Gesicht in den Händen verborgen.

„Phoenix?", fragte Harry besorgt, „Phoenix, ist alles in Ordnung mit dir?"

Sie sah nicht einmal auf, als Harry sich neben sie setzte und einen Arm um ihre Schulter legte.

„Was ist passiert?", drängte Harry, „Erzähl es mir, dann kann ich helfen."

„Nein.", schluchzte Phoenix, „Kannst du nicht. Das liegt außerhalb deiner Reichweite."

„Dann erzähl es mir trotzdem. Wir finden schon eine Lösung.", versicherte Harry ihr und wirkte nun mehr als nur besorgt, fast schon ängstlich.

„Ich gehöre hier nicht hin, Zari. Ich kann niemals hierher gehören. Ich habe mir etwas vorgemacht, als ich hoffte, das könnte funktionieren."

„Wieso glaubst du das plötzlich", fragte Harry überrascht.

Die nächsten Worte hörte Sirius zwar, doch er war sicher, dass er sich verhört haben musste, denn das konnte, durfte einfach nicht wahr sein.

„Ich bin schwanger.", hauchte Phoenix und blickte zum ersten Mal auf. Ihr hoffnungsloser Blick wandte sich Harry zu, „Was tue ich jetzt, Zari? Ich kann doch kein Kind mit Sirius haben! Ich… das ist Wahnsinn! Unmöglich!"

„Nein, ist es nicht.", antwortete Harry nach kurzem Zögern, „Nicht wenn ich verschwinde."

„Was?", fragte Phoenix ahnungslos.

„Ich halte mich fern von euch. Niemand wird je etwas davon erfahren, dass wir uns kennen. Dann kannst du mit Sirius glücklich werden. Du kannst ihn deiner Familie vorstellen und ihr werdet ein Leben im Orden führen können."

Entrüstet sprang Phoenix auf. „Was redest du denn da? Was soll dieser Unsinn?!"

„Phoenix, wenn ich jeden Kontakt zu euch abbreche, dann kann für dich und dein Baby alles gut werden, dann gibt es keine Gewissenskonflikte mehr.", erklärte Harry ruhig und Sirius spürte einen plötzlichen Anflug von Sympathie ihm gegenüber. Egal wer er war oder was er getan hatte, er war bereit gewesen alles zu tun, damit Phoenix glücklich werden würde.

Doch Phoenix schüttelte energisch den Kopf. „Er ist mein Freund. Du bist mein kleiner Bruder. Wenn ich mich entscheiden muss, dann ist hier meine Antwort." Plötzlich wieder selbstbewusst ging sie auf ihn zu, strich sich die Tränen aus dem Gesicht und griff nach Harrys rechtem Arm.

„Erdbeerweingummi.", flüsterte sie und mit einem leisen Zischen verschwand Dumbledores magisches Armband.

Wieder flimmerte es um Sirius herum und als er das nächste Mal seine Augen öffnete, war er wieder in seinem Zimmer. Völlig ahnungslos was er nun tun sollte und allein mit seinen Gedanken. Wie betäubt legte er sich aufs Bett und rollte sich zusammen. Schlafen, er wollte nur noch schlafen und wenn er morgen aufwachte, dann hoffte er dass dieser Albtraum zu Ende war.