Liebes-Lied

Wie soll ich meine Seele halten, daß

sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie

hinheben über dich zu andern Dingen?

Ach gerne möchte ich sie bei irgendwas

Verlorenem im Dunkel unterbringen

an einer fremden stillen Stelle, die

nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.

Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,

nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,

der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.

Auf welches Instrument sind wir gespannt?

Und welcher Geiger hat uns in der Hand?

O süßes Lied.

~ Rainer Maria Rilke ~

Felix

Gina hatte sich von Esme ein Hörbuch ausgeliehen mit der festen Absicht, ihr Englisch zu verbessern. Wir lagen also zusammen in unserem Zimmer auf dem Sofa und Gina stoppte mit der Fernbedienung alle paar Sätze die Krimi-CD, um ein Wort oder eine Phrase nachzusprechen. Sie hatten den Kopf auf meine Schulter gelegt und murmelte in mein Ohr. Gelegentlich bat sie mich, ihr einen Ausdruck auf Italienisch zu übersetzen.

Ich bewunderte, mit welcher Entschlossenheit und Konzentration Gina bei der Sache war. Es tat ihr gut, weg von Volterra zu sein; das wurde von Tag zu Tag deutlicher. Sie fühlte sich nicht nur bei mir geborgen, sondern auch hier im Haus und mit den Cullens.

Ich selbst kam mir noch immer Fehl am Platze vor.

Mit Emmet kam ich von allen am Besten zurecht. Er hatte von mir den Kampf bekommen, den er sich gewünscht hatte. Esme und Gina hatten zwar protestiert, es gäbe keinen Grund für einen Ringkampf, bei dem wir uns verletzen konnten, doch unsere Neugier auf die Stärke des anderen siegte.

Vor den Augen aller Mitglieder des Cullen-Clans plus Jake traten wir im Garten gegeneinander an.

Obwohl ich versuchte, nicht allzu brutal mit Emmet umzugehen, brach ich ihm zwei Rippen und einen Finger. Umgekehrt brach er mit einem Faustschlag, unter dem ich hinwegzutauchen versuchte, das linke Schlüsselbein.

Unser Kampf war vorüber, ehe er wirklich begonnen hatte. Carlisle befahl uns, von einander abzulassen und wir gehorchten. Er insistierte, unsere Verletzungen abzutasten, damit er sicherstellen konnte, dass unsere Knochen nicht schief zusammenwuchsen, kommentierte aber nicht weiter.

Emmets Grinsen verriet mir, dass es eine Wiederholung geben würde – und dass ich ihn als Freund gewonnen hatte.

Jaspers leises Lächeln war ein dezenter Hinweis, dass er ebenfalls gegen mich zu kämpfen wünschte. Ich nickte ihm kaum merklich zu. Meine Neugier kannte er. Bald schon würde unser Fight stattfinden.

Ich ertappte mich dabei, Kampftaktiken zurechtzulegen und mögliche Szenarien durchzudenken, als Gina mich beim Namen rief.

Erwischt. „Entschuldige, was hast du gesagt?" Ich küsste ihre Schläfe und bat so um Verzeihung.

„Dir gefällt der Krimi nicht.", warf Gina mir halbherzig vor. Sie selbst klang gelangweilt. Noch vor einigen Tagen hätte sie wesentlich früher aufgehört und einen Wutanfall gehabt, weil sie ihre eigene Ungeduld unterträglich gefunden hatte. Mir gefiel es sehr, nun auch ihre ruhige, entspannte Seite kennen zu lernen.

Ich zuckte mit den Schultern. „Er ist okay."

„Willst du irgendetwas anderes machen?" Der hoffnungsvolle Unterton in ihrer warmen Stimme deutete an, dass sie auf eine gute Idee meinerseits wartete.

Ich musste nicht lange überlegen. Ein Grinsen stahl sich auf mein Gesicht, als ich mich im Zimmer umblickte. „Wir haben unser Bett noch viel zu selten benutzt."

Gina hob fragend eine Augenbraue. „Ist das ein Angebot?"

„Auch. Wenn ich dich aber zuerst an das Versprechen erinnern darf, das ich dir gegeben habe." Ich ließ den Rest des Satzes in der Luft hängen.

Ginas Gesichtszüge änderten sich von fragend zu nachdenkend, dann verstehend. Ihre Pupillen weiteten sich. Erstaunen, Verlegenheit und Erregung.

Die Verlegenheit überwog, denn ihre nächsten Worte waren: „Du musst nicht, wenn du nicht willst."

Ich ergriff ihre Hand, küsste ihre Fingerknöchel. „Du ahnst nicht, wie sehr ich dich auf diese Art begehre."

Gina

Als Vampir hatte ich mich anfangs in klaren Momenten insgeheim geschämt, so sehr auf Sex versessen zu sein. Das ständige Bedürfnis, mich auf Felix zu werfen und ihn zu nehmen, hatte mich irritiert. Als Mensch hatte ich mir nie allzu sehr etwas aus Sex gemacht. Der Junge, mit dem ich in der Schulzeit zusammen gewesen war, war wie ich ein unerfahrener Teenager gewesen. Der Freund, den ich an der Uni gehabt hatte, war nach einer anfänglich aufregenden Beziehung immer mehr zu einem guten Freund geworden. Gemeinsame Ausflüge, Museumsbesuche, leckeres selbstgekochtes Essen und Kuscheln vor dem Fernseher waren irgendwann wichtiger geworden als der Sex. Und One-night-Stands hatte ich nach zwei sehr peinlichen, alkoholseligen Versuchen wieder aufgegeben.

Jetzt in diesem Moment war es einfach nur komisch, nicht mehr erröten zu können. Ich schlug die Augen nieder und meine Wangen blieben dennoch kühl.

Felix hob sanft mein Kinn an, weil ich ihn wieder ansehen sollte. Doch störrisch weigerte ich mich, meine Lider zu heben. Er küsste meine Augenbrauen.

„Sieh mich an, Liebste.", forderte er mich leise auf. Ich konnte hören, dass er schmunzelte.

Ich gehorchte.

Eigentlich schämte ich mich auch gar nicht mehr richtig. Nein, jedenfalls nicht mehr wie noch vor einem Augenblick. Vielmehr spielte ich jetzt mit ihm.

Erregung flutete durch meinen Körper, pochte noch zaghaft in meinem Schoß.

Ich wollte Felix' Mund auf meinem ganzen Körper spüren, seine Zähne auf meinen Nippeln, seine Lippen begierig auf meinen, seine Zunge, die langsam in meinen Schoß eindrang.

Ich sah in seine dunklen, glimmenden Augen und wusste, dass es nichts auf dieser Welt gab, wofür ich mich vor Felix je schämen könnte.

Ich fragte: „Soll ich mich ausziehen oder willst du?"

Felix lächelte mich an und küsste mich dann. Stunden schienen zu verstreichen, so langsam glitten unsere Zungen übereinander, so minimal waren seine Bewegungen, mit denen er mein T-Shirt über meinen Bauch nach oben schob, meine Arme hob, mir aus den Ärmeln half.

Seine Hände massierten meine schwer werdenden Brüste durch den bestickten Stoff des BHs hindurch. Als Alice mich überredet hatte, mit ihr zusammen online Unterwäsche zu bestellen, hatte sie versprochen, ich würde es nicht bereuen.

„Darf ich?", fragte Felix, seine Hände nun auf meinem Rücken nach oben gleitend. Ich nickte und er öffnete zuerst die BH-Häkchen und schob die Träger ein wenig über meine Schultern hinunter. Das bisschen Wäsche blieb mehr recht als schlecht an seinem Platz, und das auch nur, weil wir so dicht beieinander standen. Felix löste nun meinen Haargummi und entwirrte meinen geflochtenen Zopf, bis mein Haar über meine Schultern fiel.

„Viel besser", kommentierte er lächelnd. Mein geöffnetes Haar übte immer wieder eine erstaunliche Anziehungskraft aus.

Ich hielt mich an seinen muskulösen Oberarmen fest und lehnte mich gerade so weit zurück, bis der BH von meiner Haut glitt. „Und jetzt?"

„Oh, noch besser." Mit einem umwerfenden Grinsen schnappte er mich und trug mich zum Bett.

Wir knieten uns gegenüber und entledigten uns langsam dem Rest unserer Kleidung. Felix lachte schallend, als ich seine Jeans aufknöpfte und mich anzüglich erkundigte, ob er sich freue, mich zu sehen. Ich liebte ihn dafür, dass Sex mit ihm stets unbekümmert und entspannt war. Falls wir es nicht gerade wie die Tiere trieben…

Als ich die Finger unter das Bündchen meines Slips schob, schüttelte Felix den Kopf. Er wollte mich selbst vom letzten bisschen Stoff befreien, das uns noch trennte.

Gemeinsam fielen wir aufs Bett, ich räkelte mich auf dem Rücken und Felix war auf allen Vieren über mir, küsste meine Lippen, meinen Hals, meine Brüste und wanderte dann mit den Lippen tiefer. Er kniete am unteren Ende des Betts und hob zuerst meinen linken Fuß an und küsste meinen Knöchel, ehe er mein Bein angewinkelt aufstellte, dann wieder holte er das ganze mit meinem rechten Bein.

Langsam streichelte Felix meine Waden, küsste meine Knie, liebkoste die Innenseiten meiner Schenkel. Meine Beine zitterten, als er endlich bei meinem Schoß angelangt war. Zuerst knabberte er an meinem noch bekleideten Schoß und streichelte mich durch den Stoff hindurch. Wir beide keuchten erregt auf, als Felix mit den Zähnen die Seide zerriss.

Ich sah seine Schultern vor Erwartung zittern, als er sich über mich beugte und meinen Geruch witterte. Er beugte sich noch weiter vor. Sacht küsste er meinen Venushügel, dann meine Schamlippen, so dicht an der Stelle, an der ich ihn wollte, und doch viel zu fern.

Ich war schon halb von Sinnen, als er endlich begann mich zu lecken. Mein Körper pulsierte, wo er mich mit seiner Zunge berühte.

Felix schob seine Hände unter meinen Po, um uns noch näher aneinander zu bringen. Bald schon konnte ich nicht länger ruhig liegen bleiben. Ich flog mit geschlossenen Augen auf einer Woge der Lust dahin ihm entgegen.

Felix' Hände waren auf meinen Oberschenkeln und zogen mich über das Laken zur Bettkante. Vorsichtig drang er mit zwei Fingern in mich ein. Sein Mund verließ mich dabei nicht, im Gegenteil, seine Zunge tanzte noch schneller über mein erregtes Fleisch und seine breiten Schultern drängten sich gegen die Innenseiten meiner Schenkel, als sich mein Körper ihm entgegenwölbte.

Felix

Ich liebte sie so sehr, dass ich sie ganz verschlingen wollte – mich ganz mit ihr umhüllen und in ihr versinken wollte. Ich hatte ihr Blut gekostet, das nun nicht länger in ihren Adern floss; damals war ich von Sinnen gewesen, und jetzt, bei klarem Verstand, begriff ich, dass Gina auf diese Weise zu schmecken göttlicher war, als ich es mir je hätte ausmalen können.

Und was das In-ihr-Versinken anging, konnte ich ihr wohl kaum mehr näher kommen als mit meinem Kopf zwischen ihren weißen Schenkeln, meiner Zunge in ihrem Schoß, den sie mir entgegendrängte. Wir waren verloren in völliger Hingabe und Ekstase, um so vieles intimer als schlichter Sex.

Gina

Ich muss fühlen, wie seine Schultern gegen meine Schenkel drängen, nicht nur, wie seine Zunge in mich stößt, wie seine Finger mich erkunden. Ich muss meine Finger in die Laken krallen. Ich muss wissen, dass es Felix' Haare sind, in die sich meine Hände wühlen, als ich ihn seinen Kopf zwischen meinen Beinen festhalte.

Ich muss –

Und dann hält mich nichts mehr hier. Eine weißglühende Lawine aus Ekstase erfasst mich, explodiert in mir, spült mich davon.

Ich zittere noch immer, als Felix sich neben mich legt. Seine Nase und sein Kinn glänzen feucht von mir, und er grinst. Bevor er sich mit dem Handrücken abwischen kann, küsse ich ihn. Hart drängt er sich gegen meine Beine, die sich für ihn öffnen. Ich schließe meine Hand um seinen Penis und lausche beinahe andächtig den schweren Atemzügen, die ich meinem Liebsten entlocken kann.

„Ich liebe dich", wispern meine Lippen, als er in mich dringt. Ich weiß, dass er nicht lange brauchen wird um zu kommen. Felix keucht meinen Namen, als er das erste Mal in mich stößt. Ein zweites Mal, und schon beim dritten Mal fühle ich, wie er sich in mich ergießt.

Danach halten wir einander, streicheln uns.

Die Bewegungen unserer Hände verwandeln sich von zärtlich zu fordernd. Mein Knie schiebt sich zwischen Felix' Beine. Er schlingt seine Arme um mich und zieht mich auf seine Brust, bis ich ganz über ihm liege. Beinahe von selbst gleitet er in mich. Ich setze mich auf, meine Hände auf seinem muskulösen Bauch aufgestützt, und beginne Felix zu reiten. Er lässt mich das Tempo bestimmen. Ich weiß, dass er es mag, hart geritten zu werden, doch zuerst foltere ich ihn ein wenig, indem ich meine Hüften langsam über ihm kreisen lasse. Nur allmählich steigere ich die Geschwindigkeit meiner Bewegungen, bis Felix mich praktisch anbettelt, ihn härter zu ficken.

Ich entdecke an mir selbst, dass ich es genieße, auf diese Weise Macht über ihn zu haben. Und ich entdecke, dass ich auf der Jagd nach meiner eigenen Lust nicht mehr in Gefahr gerate, meinen Liebsten zu verletzen. Ich habe Kontrolle über meinen Körper erlangt. Keine gebrochenen Knochen mehr.

Es sind mein Orgasmus und meine Schreie, die Felix nach mir in den Höhepunkt reißen.

Als ich neben ihm liege, den Kopf auf seine Brust gebettet, genieße ich zufrieden lächelnd meine neue Macht. Ganz allein ich war es, die ein zufriedenes Grinsen auf Felix' Lippen gezaubert hat.

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Gina

Wir duschten und ich nahm die Handtücher, um sie draußen auf der Wäscheleine aufzuhängen, so lange Felix noch vor dem Spiegel stand und an seinen Haaren herumzupfte. Nun ja, er hatte seine Selbstverschönerung unterbrochen, um mich zwischen die Brüste zu küssen, als ich ihm eines der Kleider vorführte, das Alice für mich ausgesucht hatte.

Es war ein lindgrünes, ärmelloses Wickelkleid, dessen langer Rock sich je nach meinen Bewegungen an meine Haut schmiegte oder mir nachflatterte.

Ich war so in Gedanken, dass ich nicht bemerkte, dass außer mir noch jemand im Wohnzimmer war, ehe Emmet mich ansprach.

Ich zuckte so sehr zusammen, dass ich beinahe die Terrassentür aus ihren Angeln riss und gleichzeitig die Handtücher fallen ließ.

„Gleich so gut, hm?" Emmet lachte leise darüber, wie ich mich erschrocken hatte. Er saß auf dem Sofa, die nackten Füße auf den Couchtisch gelegt, ein aufgeschlagenes Buch auf den Oberschenkeln.

„Was? Oh!" Er dachte wohl, ich sei in Gedanken noch bei Felix und dem fantastischen Sex, den wir gerade gehabt hatten. „Ich war doch nicht etwa zu laut?", fragte ich zurück und grinste dabei frech. Ich hatte inzwischen oft genug mitbekommen, wie Emmet Bella nur wissend anzulächeln brauchte, um sie zu ärgern. Ich war nicht so schlagfertig wie Felix, aber was Anzüglichkeiten anging, hatte ich einiges von meinem Liebsten gelernt.

„Beim Sex gibt es kein zu laut." Emmet stand auf und hob die Handtücher für mich auf. „Lass dir das vom Weltmeister des lauten Sex gesagt sein." Er öffnete die Tür und deutete eine Verbeugung an. „Nach Euch, Mylady."

Es war kalt und der Nachtwind zerrte an meinem Kleid und an meinen noch feuchten Haaren, aber die Kühle konnte mir nichts mehr anhaben. Es war seltsam, dass ich mich so lebendig wie nie zuvor fühlte. Das taufeuchte Gras, die Dutzende verschiedener Blumenstauden weiter unten im Garten, die steinernen Bodenplatten, die gerade die letzte Wärme des Tages verloren, jedes einzelne Insekt, das in der Luft schwirrte – ich konnte alles riechen, alles in der Dunkelheit erahnen, alles mit nie gekannter Schärfe wahrnehmen. Es war überwältigend.

Emmet stand neben mir am Rand der Terrasse und registrierte alles genau wie ich. Zwei Vampire, die sich ihrer Umgebung versicherten, das Gelände überwachten.

Wie sehr sich mein Leben durch Felix verändert hatte, wurde mir in solchen Momenten klarer denn je.

„Ganz allein heute abend?", fragte ich, als ich die Handtücher über die Wäscheleine legte.

„Ja", seufzte Emmet. „Alice und Bella haben Rosie entführt." Er reichte mir eine Handvoll Wäscheklammern. „Keine Rosie und dann haben auch noch die Mariners verloren. Ausgerechnet gegen Chicago."

Edward stammte aus Chicago, das hatte ich irgendwann mitbekommen. „Warum, was hat Edward zu dir gesagt?", erkundigte ich mich.

„Gesagt nicht viel, aber sein dreckiges Grinsen… herzzerreißend." Emmet verzog das Gesicht, als habe seine Baseball-Mannschaft nicht nur das Spiel verloren, sondern sei bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Zu achtzig Prozent war ich mir wirklich sicher, dass die Mariners etwas mit Baseball zu tun hatten…

Einige Minuten verstrichen. Die Vampirsache, immer genau wissen zu können, wieviel Zeit gerade verstrichen war oder wieviel Uhr es war, hatte ich noch nicht ganz raus.

Wir sprachen nicht, sondern standen einfach nur nebeneinander im Gras und blickten in die Nacht. Wieder musste ich daran denken, welch wundersame Wendung mein Leben genommen hatte, seit ich Felix begegnet war. Dabei hatte die Art unseres Kennenlernens unsere Beziehung ja unter keinen guten Stern gestellt. Für Vampirpaare war das Kennenlernen wohl immer schwierig, nahm ich an.

Hier und jetzt, obwohl Felix nicht einmal in meiner unmittelbaren Nähe war, war ich fest davon überzeugt, dass mein Leben noch nie vollkommener gewesen war als in dieser Nacht. Ich fühlte mich so unglaublich glücklich, dass ich das Bedürfnis verspürte, dieses schöne Gefühl zu teilen.

„Kennst du das, wenn auf einmal alles in deinem Leben perfekt ist?" fragte ich Emmet leise.

Emmet legte den Kopf schief, so dass er mich ansehen konnte. Er lächelte. „Mein Leben ist immer dann perfekt, wenn Rose bei mir ist.", entgegnete er schlicht.

Ganz schön tiefgründig für einen Mann wie Emmet. Aber ich hatte inzwischen herausgefunden, dass er sein Licht gerne unter den Scheffel stellte. Ihm behagte es mehr, das Klischee des Muskelprotzes zu spielen als das eines Strebers.

„Wusstest du von Anfang an, dass Rose die Richtige für dich ist?" Meine Neugier war geweckt.

„Oh ja!" Emmets Lächeln wuchs zu einem Grinsen. „Ich wusste, dass ich sterbe, als sie mich in ihren Armen gehalten hat. Und gleichzeitig war ich noch nie zuvor so glücklich wie in dem Moment. Irgendwie konnte ich spüren, dass sie mich retten würde und wir dann für immer beisammen sein würden. Absurd, nicht wahr?"

„Nein. Genauso wenig absurd, wie den Kerl zu bespringen, den man doch eigentlich hasst, weil er einen ausgesaugt hat. Und sich dann auch noch in ihn verlieben." Am Ende meiner Worte grinste ich von einem Ohr zum anderen. „Ich hatte als Mensch ein paar Beziehungen, aber ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich einen anderen je so sehr lieben könnte."

Emmet nickte. „Ich weißt genau, was du meinst."

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