Vielen vielen Dank für eure Reviews

heute gehts nach langem Hängen und Würgen, das ich beim Schreiben hatte, wieder weiter ;)

viel Spaß wünsche ich

28. Kapitel

Noch in der Tür zeigte sich auf Dracos spitzem Gesicht in ein süffisantes Grinsen, doch er bemühte sich nicht es zu verbergen.

Wie vom Blitz getroffen fuhr Severus zurück; so plötzlich, dass Hermine beinahe vornüber gekippt wäre, da sie ihre Arme immer noch um seinen Hals geschlungen hatte. Nachdem sie ihr Gleichgewicht wieder gefunden hatte, folgte sie überrumpelt Severus' verärgertem Blick.

Sobald sie Malfoy erblickte und ihr bewusst wurde, in was für einer Situation er sie erwischt hatte, sprang sie so schnell von der Tischkante, als würde diese plötzlich in Flammen stehen. Wie nicht anders zu erwarten, färbten sich ihre Wangen sofort zu einem satten Rotton, der einem Weasley-Haarschopf alle Ehre gemacht hätte.

Hermine hätte schwören können, dass sich das diebische Grienen des Slytherin noch verbreiterte. Sie kam nur noch dazu ihm einen stechenden Blick zuzuwerfen, als der dunkle Zauberer neben ihr wieder zur Höchstform auflief.

„Was zur Hölle fällt Ihnen ein? Ich habe Ihnen in den letzten sieben Jahren immer und immer wieder gesagt, dass Sie keine Ausnahme bilden, Mister Malfoy! Sie haben auf meine ausdrückliche Aufforderung zu warten, bevor Sie mein Büro betreten, wie jeder andere auch!"

Zur Unterstreichung seiner Worte streckte Severus den Arm aus und zeigte auf die offen stehende Tür. Dann baute er sich vor dem Slytherin weit mehr als respekteinflößend mit verschränkten Armen auf, so als wären er nicht gerade in einer ziemlich privaten Situation erwischt worden.

„Schließen Sie die Tür von außen und warten Sie, bis ich sie herein bitte... Sofort!", bellte der Hauslehrer und wartete mit bebenden Nasenflügeln, bis seinem Befehl Folge geleistet wurde.

Beinahe eingeschnappt und mit einem letzten anzüglichen Blick Richtung Hermine verschwand Draco wieder und zog die Tür hinter sich ins Schloss.

Hermine beobachtete ihren Mann, der sich plötzlich mit einer wilden Geste durchs Haar fuhr. Das war eine zermürbende Situation. Sie wusste nicht recht, ob und mit was sie die Stille durchbrechen sollte, die plötzlich im Büro herrschte. Doch die Entscheidung wurde ihr abgenommen.

Severus räusperte sich, machte auf dem Absatz kehrt und ging an Hermine vorbei, um sich wieder an den Schreibtisch zu setzen.

„Es tut mir Leid, Hermine... das hätte nicht passieren dürfen!"

„Nicht passieren dürfen? Wir sind verheiratet... das ist es doch, das du mir schon seit Wochen vorhältst... was also war so falsch an gerade eben?", verstand die Hexe Severus Verhalten plötzlich nicht mehr.

Noch immer konnte sie seine Lippen schmecken und seine Muskeln unter ihren Fingern fühlen. Es war alles noch so real und plötzlich sollte es ein Fehler gewesen sein? Nur weil Draco sie erwischt hatte? Was war so verkehrt daran, dass sich zwei Ehepartner küssten?

In Snapes Stimme schwang Verärgerung mit, als er sich erklärte: „Du verstehst nicht... Es hätte nicht HIER passieren dürfen. In meinem Büro, meine ich... Ich sollte hier arbeiten und nicht... private Angelegenheiten besprechen. Ich sollte mich nicht in so einer Situation, wie eben, von einem Schüler erwischen lassen. Am besten wir reden später weiter..."

Einsehend nickte Hermine und ging zur Tür, als es nicht den Anschein hatte, dass er noch etwas hinzufügen wollte und sich seinerseits mit finsterer Miene hinter seinem Schreibtisch verschanzte.

Severus war pflichtbewusster, als sie gedacht hatte und sie sah ja ein, dass es nicht so ganz richtig war, dass sie sich hier in seinem Büro küssten, aber so ein Drama brauchte er nun wirklich nicht daraus zu machen. Sie selbst fand es schließlich auch nicht prickelnd von Draco erwischt zu werden, aber wer konnte es ihnen verübeln als Paar einmal ein bisschen privat zu sein.

Bei dem Gedanken an Draco, der immer noch draußen wartete, wollte sie Severus jetzt keine Szene deswegen machen. Umso länger sie hier drinnen war und die Schlange da draußen, umso länger konnte er sich in seinem kranken Hirn sonst welche Gerüchte ausdenken, mit denen er sie dann schikanieren konnte. Denn eins war sicher... das, was Draco gesehen hatte, würde er nicht für sich behalten.

Als Hermine nach draußen in die kühlen Kerkerflure trat, wartete Draco bereits lässig an der Wand gelehnt, die Hände in den Umhangtaschen und mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Ohne ein Wort an ihn zu richten, machte sie sich auf in ihre Räume, wo sie ihre Notizen für morgen noch einmal durchgehen wollte, ehe Severus kam und war schon verwundert, warum der Slytherin keinen dummen Kommentar von sich gab. Sonst würde er sich so eine Gelegenheit auch nicht entgehen lassen. Doch da vernahm sie auch schon die höhnische Stimme von Draco, die ihr spottend hinterher rief.

„So wie das gerade ausgesehen hat, wird das bestimmt eine lange Nacht, Granger, was? Pass nur auf, dass du morgen in den Prüfungen noch sitzen kannst. Sonst wird das ein laaanger Tag für dich."

Sie überlegte, ob sie stehen bleiben und ihm eine reinhauen sollte... Aber sie kam zu dem Schluss, dass Ignorieren bei Malfoy immer noch die beste Methode war. Ohne weiter auf seine verbale Spitze zu achten, bog sie um die Ecke und hörte gerade noch, wie die Tür zu Severus' Büro aufgestoßen wurde.

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„Was bitteschön ist diesmal so wichtig, dass Sie es kaum erwarten können, mich zu belästigen!", eröffnete Severus mit gnadenloser Kälte in der Stimme.

Draco Malfoy erstarb das diebische Grinsen beinahe umgehend und sein Blick wurde trotzig, wie der eines kleinen Jungen, dem man sein Eis weggenommen hatte. Snape wusste, dass sich dieser verwöhnte Reinblüter nicht gerne etwas sagen oder vorschreiben ließ, also wartete er und hoffte auf einen wirklich ernsthaften Grund.

„Verzeihn Sie, Sir! Es wird nicht wieder vorkommen... Wie Sie wissen, lebt meine Frau unten in Hogsmeade und ich möchte nicht länger als nötig von ihr getrennt sein. Also habe ich mir die Zustimmung der Schulleiterin eingeholt, dass ich das restliche Schuljahr nach den Prüfungen bei ihr im Dorf unten verbringen darf. Professor McGonagall meinte, ich solle mich vorher bei Ihnen abmelden, da ich dann ja mein Amt als Vertrauensschüler nicht mehr ausüben kann.", erklärte der Slytherin die Sachlage.

Severus sah den süffisanten Ausdruck in seinem Gesicht mit gemischten Gefühlen. Einerseits war er froh, wenn dieses Schuljahr endlich vorbei war und er damit nicht nur Draco Malfoy für immer los war, andererseits gefiel ihm die Art nicht, wie sich Malfoy hier aufplusterte wie ein Pfau.

Die pochende Ader an Snapes Schläfe zeigte deutlich, dass er im Moment nicht zum Spaßen aufgelegt war. In den letzten Jahren hatte sich das Verhältnis zu seinem Schüler immer mehr verschlechtert. Der Hochmut in dem jungen Malfoy hing dem seines Vaters um nichts nach. Zuletzt war es Severus immer schwerer gefallen seinen Schüler in Schutz zu nehmen und geduldig mit ihm zu sein. Doch seit der dunkle Lord gefallen war, war er der Aufmüpfigkeit des Jungen überdrüssig.

Umso schneller er dieses Gespräch hinter sich brachte, umso schneller würde er Draco und seine wissende Visage los sein. Die hinter seinen grauen Augen versteckten Andeutungen brachten den Zorn in Severus zum brodeln. Genauso wie in der Nacht, als er dem blonden Reinblüter erlauben musste das Schulgelände zu verlassen... auf ministeriale Anordnung!

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Als Severus eine halbe Stunde später mit einem Stapel Bücher im Arm in die gemeinsamen Räume kam, brütete Hermine schon wieder über ihren Schulsachen. Morgen war die Zaubertrankprüfung an der Reihe und es erfüllte ihn mit Stolz, wenn er daran dachte, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit keinen einzigen Fehler machen würde. Denn obwohl sie immer wieder in ihre Notizen starrte, konnte sie all ihre Tränkebücher auswendig.

Nachdem er seinen Umhang an den Hacken gehängt und seine eigenen Bücher an ihren Platz im Regal gestellt hatte, setzte er sich kurzerhand zu ihr auf die Couch, statt in seinen Sessel. (Und es lag nicht daran, dass ihr böse Funkelnde Streuner auf dem Sessel lag) Kurzerhand zog er ihr Notizen und Buch unter der Nase weg.

Erschrocken sah sie auf. Sie war wieder mal sehr vertieft in ihre Arbeit gewesen. Er bemerkte, dass er diese Seite an ihr am meisten schätzte... Diese Faszination für Wissenswertes und dieser Wissensdurst. Die Tatsache, dass sie die Welt um sich herum total vergaß, wenn sie ein Buch vor sich aufgeschlagen hatte. Bevor sie aufbegehren konnte, zog er sie am Nacken zu einem flüchtigen Kuss heran und lehnte sich dann zurück in die Kissen, legte ein Bein locker über das andere und ignorierte ihre verdutzte Miene.

Als er ihr eine erste seiner Meinung nach relevante Frage zum Thema 'Heilende Kräuter und Knollen' stellte, sah er aus den Augenwinkeln, wie ihr der Mund ungläubig aufklappte, ehe sie sich zusammenriss und ihm die Frage fehlerfrei beantwortete. Ein seltenes Schmunzeln zog sich über sein Gesicht, als er weitere Fragen stellte und Hermine jedes Mal richtig antwortete.

Zwei Stunden später war wieder Ruhe eingekehrt. Man konnte nur das Feuer knistern und ab und an eine Seite umblättern hören. Severus und Hermine hatten sich jeweils in eine Ecke des Sofas zurückgezogen und lasen.

Ihr Mann hatte der Hexe geraten sich mit einem anderen Themengebiet oder gar einem Roman abzulenken, wenn sie denn schon lesen musste, um den Geist wieder zu beruhigen, wie er es nannte. Daraufhin hatte sie sich einen ihrer Krimis aus dem Regal genommen und erstaunt festgestellt, das Severus zwei Gläser Wein aus der Küche herbeigezaubert hatte.

Man konnte es beinahe harmonisch nennen, wie sie nun so beieinander saßen. Nur die Tatsache, dass beide wussten, wie schnell das wieder vorbei sein konnte, störte die Idylle. Immerhin waren sie zwei total unterschiedliche Charakter, die unfreiwillig gezwungen worden waren zusammen zu leben.

Ihre Gedanken schweifen lassend, brachte dieses Thema Hermine wieder zurück in McGonagalls Büro, in dem diese ihr zu Gemüte führte, sie sollte doch Draco Malfoy heiraten. Vor Abscheu schüttelte Hermine den Kopf und stürzte den letzten Rest ihres Weines hinunter, ehe sie wieder in ihr Buch starrte.

Merlin sei Dank, war sie dem entgangen. Wie das Ministerium nur darauf gekommen war den mit auf die Liste zu setzten? Naja... im Grunde war diese Liste genauso viel Mist wie Malfoy. Diejenige, die ihn abbekommen hatte, tat ihr Leid. Sie wünschte niemanden mit jemanden wie mit Mister Ich-bin-überheblich-und-eingebildet zusammen sein zu müssen.

Plötzlich kam Hermine sein anzüglicher Kommentar von eben wieder in den Sinn. Vorsichtig spitzte sie über ihr Buch zu Severus hinüber. Noch immer fiel es ihr schwer sich vorzustellen, dass sie irgendwann mal miteinander schlafen würden. Küssen... ja. Aber Sex?

Momentan sah er ziemlich entspannt aus. Er wirkte in seinem Buch versunken und so konnte sie ihn besser und eindringlicher untersuchen. Um genau zu sein, fiel ihr gerade erst richtig sein markantes Kinn und die hohen Wangenknochen auf, die seine Nase nur noch größer wirken ließ. Sogar das kleine Muttermal das knapp unterm Haaransatz an seiner Schläfe platziert eigentlich ziemlich auffällig war, bemerkte sie heute zum ersten Mal. Der verbitterte Kniff um den Mund war im Moment verschwunden und schaffte Platz für einen neutralen Ausdruck, der ihn erheblich attraktiver machte.

Wieder mal bekam Hermine es nicht mit, dass sie angefangen hatte zu starren und erwachte erst aus ihrer Trance, als ihr die zwei dunklen Seen, über die sie gerade nachgrübelte, direkt in die Augen sahen. Fragend legte er den Kopf schief und kniff seine Brauen zusammen.

„Stimmt etwas nicht?", fragte er unvermittelt und Hermine schüttelte nur verneinend den Kopf und konzentrierte sich wieder auf ihr Buch.

Severus langte nach seinem Weinglas und leerte es ebenfalls, bevor er auf die Uhr sah. Es war beinahe Sperrstunde. Zeit für seinen Rundgang.

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Hermine war dankbar dafür, dass Severus ihr beim Lernen geholfen hatte, so ging sie am nächsten morgen viel entspannter in die Prüfungen. Auch an den weiteren Abenden setzte er sich zu ihr und fragte sie ab. Hin und wieder stand er auf und zog ein Buch, das dies oder jenes Thema besser erörterte, heraus und las ihr die entsprechenden Kapitel vor, ließ sie sie wiederholen und verbesserte sie dann.

Es erstaunte beide, wie einfach und gemütlich es war zusammenzusitzen und ohne Streiten den Abend zu verbringen. Sogar Krummbein schnurrte friedlich vor dem Kamin und fauchte nicht mehr, wenn sich Severus ihm näherte.

Der Zauberer hatte es sich zur Gewohnheit gemacht ihr einen Abschiedskuss zu geben, bevor er zu seinem nächtlichen Rundgang aufbrach und Hermine konnte sich ihre Vorfreude darauf gar nicht mehr erklären.

Die Hexe genoss die Ruhe und Routine, die wieder in ihr Leben eingekehrt war. Sie wusste zwar, dass es nicht ewig währen würde, aber daran wollte sie jetzt nicht denken. Doch so gut sich Hermine fühlte, umso deprimierter wurde Ginny Weasley.

Die Gryffindor fühlte sich immer mehr von Harry ignoriert und ausgeschlossen. Donnerstag Mittag schüttete sie Hermine ihr Herz aus. Die Brünette wollte sie wieder zur Vernunft bringen, doch die impulsive Weasley schwor sich, wenn Harry nicht bald mit ihr Schluss machte, dann würde sie es tun. So könne es jedenfalls nicht weitergehen und so schwer es ihr auch schließlich fallen würde, sie käme nicht um diesen Schritt herum.

Hermine, die ihrer Freundin versprochen hatte mit dem Weltenretter mal ein ernstes Wörtchen zu reden, bekam erst am Freitag Abend die Gelegenheit dazu.

Wie versprochen gingen die drei nach ihrer letzten Prüfung in Verteidigung gegen die dunklen Künste zu Hagrid hinunter. Wie üblich zu dieser Jahreszeit stand die Junisonne noch hoch am Himmel und brachte hohe Temperaturen mit sich. Das bedeutete eine weitere entspannte Woche in Hogwarts bevor die Abschlussfeier und Zeugnisvergabe alle in die Zukunft schicken würde.

Ginny, die sich von Harrys schlechter Laune nicht die fröhliche Stimmung, die das Ende des Prüfungsstress' mit sich brachte, verderben lassen wollte, lief nach einem intensiven Blickaustausch mit Hermine schon vor.

Hermine seufzte, als sie Harry am Arm zurückhielt, sodass er stehen blieb und sie verwundert ansah.

„Okay... spucks aus! Was bei Merlin ist los mit dir?", stellte sie ihn zur Sprache.

„Wieso? Was soll los sein?", gab sich der schwarzhaarige Gryffindor unwissend.

Frustriert gab die Hexe ihm einen Klaps auf den Hinterkopf. Das konnte doch nicht wahr sein. Warum nur war er so stur? Dachte er etwa, dass es unauffällig wäre, wie er sich verhielt?

„AU! Was...?"

„Ich will die Wahrheit hören! Du läufst schon eine ganze Zeit lang mit einem Gesicht rum, als wäre Voldemort wieder auferstanden."

„Oh...", schien Harry bedrückt und blickte, sich den Kopf reibend, hinüber zu Ginny und Hagrid, die über Schnupf's jämmerliche Versuche, genau wie Fang an Ginny hochzuspringen, lachten.

„Man Harry. Sag schon, was dich beschäftigt! Du bist nicht alleine... Ginny macht sich schließlich auch ihre Gedanken und hat gemeint, wenn du nicht bald mit ihr Schluss machst, dann würde sie es wohl bald tun. Sie fühlt sich total vernachlässigt von dir!", warf sie Harry vor und hatte kein bisschen Mitleid mit ihm, obwohl er ein sehr gequältes Gesicht machte.

„Das hat sie wirklich gesagt?"

„Ja! Und sie meint das erst... na komm schon... mit mir kannst du doch Reden, Harry! Wenn nicht mit mir, mit wem sonst?"

Das sie damit unabsichtlich auf das Fehlen von Ron aufmerksam machte, drängte sie tief in ihr Unterbewusstsein zurück. Ihre Freunde hatten ihr in den letzten Monaten viel geholfen und waren ihr immer beiseite gestanden. Zeit, dass sie sich revanchierte und die Beziehung der beiden rettete, wenn nötig.

Ergeben seufzte Harry und winkte sie näher zu sich, um ihr sein Geheimnis anzuvertrauen. Hermines Miene hellte sich von Wort zu Wort mehr auf.

Von wegen schlechte Neuigkeiten, dachte sie sich. Wenn sie das gewusst hätte. Erleichtert und gerührt zugleich zog sie Harry in eine stürmische Umarmung, während sie wie verrückt quietschte. Oh sie freute sich ja so. Ihr fiel ein Stein vom Herzen... da hatte sich Ginny doch umsonst Sorgen gemacht... hoffentlich klappte alles so, wie Harry sich das vorstellte.

Mit erheblich besserer Laune schlossen die beiden schließlich die kurze Distanz zu Hagrids Hütte.

„Ihr Lieben... is schön, dass ihr mich noch mal besucht habt!", grinste Hagrid eine Stunde später hinter seiner großen Tasse Tee hervor und langte nach den Felsenkeksen, „Ihr glaubt gar nich... was für eine Freude ihr mir damit macht. Ihr versprecht mir doch, zu schreiben, nicht? Versprecht ihr mir doch?"

„Na klar, Hagrid!", stimmte Ginny beschwichtigend zu, und Tätschelte ihn liebevoll auf dem Arm.

Schon den ganzen Abend hatte der Halbriese diese melancholische Stimmung.

„Genau!", bekräftigte auch Harry, der bemüht war, nicht nachdenklich zu wirken, „Wir sind ja nicht aus der Welt. Wir kommen dich besuchen Hagrid... ist doch selbstredend!"

In Hagrids schwarzen Käferaugen standen schon Tränen der Rührung. Nun war es bald soweit und für seine Freunde wäre die Zeit in Hogwarts vorbei. Noch nie war es ihm so schwer gefallen, sich einzugestehen, dass ein Schuljahr zu Ende war. Sie würden nun alle ihren eigenen Weg gehen und in ein Paar Jahren würden sie sich lachend an die Zeit auf Hogwarts zurückerinnern.

„Das wär schön, Harry... das wärs!", nuschelte der Halbriese in seinen Bart und trank noch einen Schluck.

Dann wanderte sein Blick zu Hermine, die die ganze Zeit grinsend dagesessen hatte, mit dem kleinen Schnupf auf dem Schoß.

„Nu... spätestens, wenn bei Hermine mal 'n Baby schreit, wird hier wieder mächtig was los sein, schätz' ich.", meinte Hagrid irgendwie beruhigt.

Hermines Grinsen verflog so plötzlich, wie es ungläubig weit aufgerissenen Augen nur weichen konnte. Hatte sie sich gerade verhört? Nein... bestimmt nicht... Harry hatte seinen gerade getrunkenen Tee wieder in den Becher gespuckt und hatte heftig zu Husten begonnen, als er diese Worte gehört hat. Sie hoffte doch schwer, dass der sanfte Halbriese sie nur aufziehen wollte. Sie und ein Baby? … mit Severus?

Ginny, die am wenigsten Geschockt von dem scheinbar selbstverständlichen Kommentar war, fing sich als erstes wieder und sah Hagrid kopfschüttelnd an.

„Wie kommst du denn auf die Idee, dass Hermine mit Snape ein Baby kriegt?", wollte sie zweifelnd von ihm wissen und tauschte kurz einen Blick mit der immer noch baffen Hermine.

„Na... was denn? Die beiden sin doch verheiratet, oder...? Da ist es doch normal, dass man n Baby kriegt. Und wenn das Ministerium..."

„Es ist nicht normal mit Snape ein Baby zu kriegen!", rümpfte Ginny die Nase und Hermine spürte einen leisen Stich, wenn sie Ginny so abfällig über Severus reden hörte.

Vielleicht lag es daran, dass sie ihn nicht mag... bzw. nie mochte? Oder war sie einfach schlecht gelaunt, wegen Harry. Hermine tippte grübelnd auf die zweite Möglichkeit. Immerhin war Ginny ihr eine große Hilfe gewesen, besser mit Severus auszukommen. Ach... wenn sie ihrer Freundin nur sagen könnte, dass sie sich nicht mehr so zu grämen bräuchte.

„Hey... moment mal. Moment! Was hat das Ministerium damit zu schaffen?", stoppte Harry den Gedankenfluss in ihrem Kopf.

Sofort flogen die Blicke der Mädchen zuerst zu Harry und dann interessiert zu Hagrid, der auf einmal herumdruckste und nervös mit seinen großen Pranken seinen Keks klein bröselte.

„Hagrid!", drängte Hermine fast hysterisch.

Sie hatte genug von Neuigkeiten aus dem Ministerium... egal ob sie gut oder schlecht waren! Aber wenn es wieder einmal sie betraf, wollte sie wissen, auf was sie sich nun wieder einzustellen hatte.

„Hätte es nich erwähnen dürfen...", brummte er ärgerlich, „Weiß auch nichts weiter... hab nur ein paar Gesprächsfetzen zwisch'n McGonagall und einem Abgeordneten des Ministeriums aufgeschnappt... ging um 'ne voraussichtliche Erweiterung des Erlasses..."

Hermine spürte, wie sich die besorgten Blicke ihrer Freunde auf sie legten, doch sie ignorierte das unangenehme Kribbeln, das sie überfiel. Sie zwang sich ein Lächeln ab und trank den letzten Rest ihres Tees, der plötzlich keinen Geschmack mehr zu haben schien.

„Naja... ist ja noch nichts beschlossen!", versuchte sie die Sache locker zu sehen, doch die Stimmung war unwiderruflich an ihrem Tiefpunkt angelangt.

„Also, ich sollte dann mal lieber gehen. Ich wollte noch einen Brief an Fred und George schreiben.", löste Ginny schließlich die Runde auf und sie verabschiedeten sich noch mal herzlich bei Hagrid und versprachen, sich noch mal bei ihm blicken zu lassen, bevor der Zug nach London sie abholen würde.

Obwohl der kleine graue Hund protestierend bellte, setzte Hermine Schnupf wieder behutsam auf den Boden, ehe sie den betrübt wirkenden Halbriesen noch einmal umarmte.

„Tut mir Leid, Hermine... Das war nich' meine Absicht..."

„Las gut sein, Hagrid.", klopfte Hermine ihm beschwichtigend auf den kräftigen Arm und beeilte sich dann hinter Harry und Ginny herzukommen.

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Als Hermine an diesem Abend im Bett lag, kamen ihre Gedanken mal wieder nicht zur Ruhe. Diese ganze Sache hier begann ihr über den Kopf zu wachsen. Wie sollte sie es überstehen, wenn dem Ministerium immer wieder etwas Neues einfiel? Sie fragte sich, wie die anderen Betroffenen damit klar kamen...

Draco Malfoy schien jedenfalls nicht sehr betroffen zu wirken. Beinahe könnte man glauben, die Ehe hätte ihn irgendwie reifer gemacht... Unfähig ihre eigenen Gedanken zu glauben, verdrängte sie diese schnell wieder.

Vorhin, als sie von Hagrid gekommen war, hatte sie einen Brief an ihre Eltern geschrieben, um ihnen mitzuteilen, dass die Prüfungen gut gelaufen waren. Einen schwachen Moment lang dachte sie daran, dass die beiden ihr ja angeboten hatten, sie könne jederzeit vorbei kommen, wenn sie Probleme hatte... Doch... was sollten ihre Eltern schon groß tun? Beschwerde beim Ministerium einlegen?

In diesem Moment hörte sie die Wohnungstür und einen Augenblick später trat Severus ins Schlafzimmer. Irgendwie sah er müde aus... Hermine wusste, dass es momentan auch für ihn nicht leicht war. Als sie seine kurze Begrüßung mit einem Lächeln beantwortete, fasste sie neuen Mut.

Momentan lief es so friedlich bei ihnen. Sicher würden sie schon bald miteinander zurecht und der Alltag wieder kommen. In den Ferien war genug Zeit, um sich richtig kennen zu lernen und Vergangenes ruhen zu lassen. Danach würde die Welt wieder anders aussehen... dann würde sie auch keine dummen Entschuldigungen von Freunden oder sonst wem entgegennehmen, bloß weil sie dachten, sie könne zerbrechen, wenn man etwas Falsches sagte.

Hermine beobachtete Severus wie er ratlos nach seinem Pyjama-Oberteil suchte und grinste ihn schelmisch an, als er bemerkte, dass sie es sich vorhin für sich geschnappt hatte. Die Hexe versuchte sich nicht viel auf das Glänzen in den Schwarzen Augen zusammenzureimen und schlug einladend die Decke für Severus zurück.

Dies war der Abend, an dem sie sich das erste Mal selbstständig an ihrem Mann kuschelte, nachdem er sich zu ihr ins Bett gelegt hatte und komischerweise auch der erste Abend seit der Hochzeit, an dem sie ruhig und schnell einschlief.

...

oh... beinahe zu schön um wahr zu sein was? ... tut mir leid... aber so schnell gibts trotzdem noch kein Happy End ;) LG Liesl Snake