Moin ihr Lieben!

Lasst die Korken knallen, das neue Kapitel ist endlich fertig. Ich weiß, es hat etwas länger als sonst gedauert. Ich entschuldige mich aufrichtig dafür! Die Feuertage und ein fieser Erkältungsvirus hatten mich quasi den ganzen Dezember schreibtechnisch aus dem Verkehr gezogen. Aber nun bin ich seit einigen Wochen wieder fleißig. *breitgrins*

Viel Spaß mit dem neuen, frisch von Federline gebetaten(Danke Danke!) Kapitel aus Harrys Sicht.

Ganz liebe Grüße!

Eure SiamKitty


28. Sowas wie Freunde

Mitten in der Nacht schreckte Harry aus dem Schlaf hoch. Mit aufgerissenen Augen hörte er ins Zimmer hinein, doch nichts rührte sich. Es war stockduster und die einzigen Geräusche, die er vernahm, waren der Wind, das Meer und die Möwen von Draußen, die irgendwie nie Ruhe zu geben schienen. Alles war also wie immer. Im Shell Cottage selbst war es vollkommen still. Die anderen Bewohner lagen sicher in ihren Betten und wateten seelenruhig durchs Land der Träume.

Doch was hatte Harry wach gemacht? Nichts deutete darauf hin, warum er so plötzlich aus dem Tiefschlaf gerissen wurde.

Noch etwas verwirrt setzte er sich im Bett auf und tastete nach seiner Brille. Als er diese aufgesetzt hatte und gleich darauf seinen Zauberstab zur Hand nahm, erhellte er das Zimmer mit einem Lumos-Zauber. Seine Sachen lagen noch überall verstreut, Harry war noch nie der Ordentlichste gewesen. Das Fenster war verschlossen, die Tür ebenfalls. Alles normal und unauffällig soweit. Gerade als er sich zum Nachttisch drehte um seine Brille wieder darauf abzulegen, sah er es. Das verzauberte Buch, über das er immer mit Draco schrieb, war weg.

Auf einmal hellwach sprang Harry auf, schaute die leere Fläche auf dem Tischchen an. Er war sich sicher, dass er das Buch vor dem schlafen gehen genau dort abgelegt hatte. Völlig hektisch suchte er den ganzen Raum danach ab. Es war wirklich weg, einfach so verschwunden. Aber das konnte doch nicht sein?

Harry atmete tief durch und versuchte sich zu beruhigen. Seit sie vor einer Woche hier her gekommen waren und das Buch mit samt seiner Beziehung zu Draco aufgeflogen war, legte er es jede Nacht offen auf den Nachttisch. Es gab ja keinen Grund mehr es zu verstecken. Demnach gab es nur wenige Personen, die es hätten nehmen können. Mr Olivander war bereits in Sicherheit gebracht worden, Bill und Fleur würde Harry so etwas eher weniger zutrauen und dieses Schlitzohr Griphook interessierte sich für etwas ganz anderes. Also kamen nur Ron und Hermione in Frage.

Müde rieb sich Harry die Augen und guckte kurz auf die kleine Uhr an der Wand. Es war 2:16 Uhr mitten in der Nacht und eigentlich wollte er nichts sehnlicher tun, als wieder zu Bett zu gehen und weiter zu schlafen. Eine gefühlte Ewigkeit waren sie in dem Zelt unterwegs gewesen und den Umstand ein bequemes Bett in einem eigenen Zimmer in einem feststehenden Haus zu haben, kam Harry beinahe wie ein längst verloren geglaubter Luxus vor.

Doch die Tatsache, dass sich entweder Ron oder Hermione oder sogar beide des nachts in sein Zimmer schlichen und das Buch einfach so nahmen, fand Harry schon ein wenig daneben. Die Aktion wunderte ihn jedoch nicht im geringsten. Ron sagte zum Thema Draco gar nichts mehr, sondern warf ihm nur den einen oder anderen komischen Blick zu. Hermione war da ganz anders. Natürlich hatte Harry es sich nicht nehmen lassen ihr alles aus seiner Sicht zu erzählen und zu erklären, was alles dahinter steckte. Dennoch wurde Hermione nicht müde immer mal wieder nachzuhaken oder ihn zu warnen, bei jemandem wie Draco vorsichtig zu sein. Insgesamt hatte sie es besser aufgenommen als Ron, aber der Sache so ganz trauen tat auch sie nicht. Harry hoffte inständig, dass sich das bald ändern würde. Er wünschte sich, die beiden würden seine Beziehung zu Draco zumindest akzeptieren. Und bis es soweit war, würde Harry sich wohl in Geduld üben müssen.

Nun aber suchte er in dem Klamottenhaufen neben der Truhe nach seinem Morgenmantel, fand ihn auch zum Glück und zog ihn beim Verlassen des Raumes an. Im oberen Stockwerk war alles ruhig und so tapste er auf nackten Füßen leise die Treppen runter, das Licht der Zauberstabspitze auf ein Minimum beschränkt. Aus dem Wohnzimmer drangen Licht und Stimmen. Mit einem ungesagten "Nox" ließ Harry den Stab in seiner Hand erlöschen und schlich hinüber zur Tür. Die Stimmen von der anderen Seite hatte er sofort erkannt. Gespannt lauschte er der Unterhaltung der beiden.

"Lass mich auch noch was schreiben!", zischte Ron.

"Nein, lass mich das lieber machen. Ihr zwei würdet euch nur weiter anätzen und das führt doch zu nichts", kam die Antwort von Hermione.

Dann hörte Harry nur ein Kratzen. Wahrscheinlich schrieb Hermione gerade mit einer Feder ins Buch.

"Dieses arrogante Frettchen! Wie kann Harry nur mit DEM zusammen sein. Unfassbar…", murmelte Ron, was Harry hinter der Tür dennoch gut verstehen konnte.

"Jetzt lass es doch gut sein!", erwiderte Hermione hörbar genervt. "Guck, er hat sich verändert. Er ist nicht mehr der fiese Malfoy von früher."

"Ich finde er ist noch ganz genauso wie früher! Nur weil er sich bei uns entschuldigt hat, heißt das noch lange nicht, dass er jetzt ein anderer ist."

Bei diesen Worten hielt es Harry nicht mehr aus. Langsam öffnete er die Tür und lugte ins Zimmer. Von grellem Licht geblendet blinzelte er und erkannte die Zwei auf der Couch in ein paar Decken gehüllt. Das Büchlein lag geöffnet vor ihnen auf dem Wohnzimmertisch und Hermione hatte, wie bereits vermutet, eine Schreibfeder in der rechten Hand.

"Hey ihr beiden! Was macht ihr denn da?", sagte Harry mit noch verschlafener Stimme.

Erst erschraken Ron und Hermione, da er auf einmal im Zimmer stand und sie offensichtlich ertappt hatte.

Dann lächelten sie jedoch und Hermione antwortete: "Na, Harry! Da hast du uns doch erwischt."

"Wir schreiben gerade mit deinem … Freund", ergänzte Ron noch und betonte das letzte Wort extra deutlich.

"Lasst ihn mal lieber schlafen. Er muss morgen früh wieder raus. Die Ferien sind vorbei."

Harry schlurfte hinüber zum Sessel, setzte sich hinein und zog die Beine an.

"Wir sind auch fertig. Moment", sagte Hermione und schrieb noch ein paar letzte Zeilen ins Buch, ehe sie es zuklappte und an Harry zurückgab.

"Eigentlich ist das ja echt praktisch. So müssen wir uns nicht wieder in dein Zimmer schleichen und heimlich das Buch zurücklegen", sinnierte Ron mit einem leichten Grinsen. Lässig ließ er sich zurückfallen und legte den Arm über die Sofalehne. Mit den Fingern spielte er ganz nebenbei mit Hermiones Haarspitzen, was diese nicht weiter störte.

Auch Harry sagte nichts dazu, dass die Zwei quasi innig wie ein Pärchen zusammensaßen, sondern freute sich innerlich über diese innigen Gesten. Da sie recht entspannt wirkten, fragte er gerade heraus: "Wieso habt ihr mich nicht einfach gefragt, ob ihr das Buch haben dürft um euch mal direkt mit Draco zu unterhalten?"

"Hättest du es uns denn gegeben?", stellte Hermione die Gegenfrage.

"Vielleicht", überlegte Harry, "So hätte ich Draco auch noch vorwarnen können und er wäre nicht mitten in der Nacht von euch überrumpelt worden."

Ron und Hermione tauschten einen kurzen Blick miteinander aus.

"Naja, eigentlich solltest du ja nicht erfahren, dass wir mit dem Frettch… mit Malfoy noch einen Hippogreif gerupft haben", gab Ron offen zu.

"Ach was, Draco hätte es mir so oder so erzählt." Dessen war sich Harry absolut sicher. Er gähnte einmal ausgiebig und schloss das Büchlein in die Arme. An sich war er seinen Freunden nicht wirklich böse und anscheinend hatte ihre Aktion ja auch was gebracht. Zum Beispiel hatte Ron sich eben das "Frettchen" verkniffen und war schnell zu dem wesentlich besseren "Malfoy" als Bezeichnung für Draco übergewechselt. Eine Entwicklung, die Harry schon positiv auffasste.

"Und?", fragte er daher gespannt. "Wie ist der Stand der Dinge zwischen euch? Könnt ihr damit leben, dass Draco und ich…"

"Dass ihr ein Paar seid?", ergänzte Hermione mit hochgezogenen Augenbrauen. "Ich denke, daran müssen wir uns wohl oder übel gewöhnen. Malfoy scheint sich aber wirklich verändert zu haben und wenn sogar du es geschafft hast, dich in deinen Erzrivalen zu verlieben, dann will ich auch versuchen… mit ihm auszukommen."

Mehr konnte Harry im Moment wohl nicht hoffen. Der Rest würde sich mit der Zeit ergeben. Eigentlich war das mehr als er erwartet hatte, wenn er mal Hermiones und Dracos gemeinsame Vorgeschichte betrachtete.

Doch was war mit Ron? Harry wusste, dass Bill sich seinen jüngeren Bruder bereits zur Brust genommen hatte. Natürlich musste das nicht heißen, dass das Ganze für seinen besten Freund nun in Ordnung war. Allerdings hatte Ron sich gegenüber Harry bis jetzt ausgeschwiegen. Jedoch wollte er einfach wissen woran er war, schaute ihn deshalb gespannt an und wartete einfach, bis Ron bereit war. Dieser suchte jedoch nach den richtigen Worten. Nicht, dass Harry das Folgende falsch verstand.

"Weißt du, Kumpel, ich hab kein Problem damit, dass du offenbar schwul oder bi oder was auch immer geworden bist. Das ist ja nicht so wichtig. Aber bei allen Menschen, die so auf der Erde umherwandern, musst du dich ausgerechnet in Malfoy verlieben?! Ich meine, dieser Typ ist so…" Ron wandte den Blick ab und rang sichtlich mit sich. "Ich verurteile dich nicht, Harry. Aber ich werde noch eine Zeit brauchen, ehe ich ihn als deinen Liebsten akzeptieren kann. Sorry, aber so sieht's aus."

"Okay, das verstehe ich", erwiderte Harry und lächelte einfach. Auch Ron und Hermione sahen nun etwas zufriedener aus. Es hatte ihnen wohl gut getan, sich mal auszusprechen.

"Und was nun?", fragte Ron auf einmal. "Wie soll es weiter gehen. ich meine, willst du ihn in alles mit einweihen?"

Harry seufzte auf. Sie würden noch einen langen Weg vor sich haben. "Das habe ich bereits getan und Draco hat uns nie verraten, die ganze Zeit nicht, obwohl er die Chance dazu hatte."

"Stimmt", mischte sich nun auch Hermione wieder ein. "Malfoy ist in Hogwarts. Er sitzt quasi an der Quelle, kann uns berichten und uns helfen. Harry, er könnte uns vielleicht in die Schule schleusen!"

Diese Bitte überraschte Harry dann doch und auch Ron verzog ungläubig das Gesicht. Klar, sie mussten irgendwie in die Schule kommen, da sie stark davon ausgingen, dass Rowena Ravenclaws Diadem ebenfalls ein Horcrux war und sich höchstwahrscheinlich noch in Hogwarts befand. Aber dennoch...

"Ich denke, das übersteigt doch seine Möglichkeiten. Wie soll er das denn anstellen ohne aufzufliegen?", fragte Harry und klang dabei mehr als skeptisch.

"Aber Todesser in die Schule schmuggeln, das konnte er ohne Probleme…", murmelte Ron und erntete genervte Blicke der anderen beiden. Solch alte, eigentlich längst geklärte Geschichten wieder und wieder durchzukauen, würde sie nun wirklich nicht voranbringen.

Einen Augenblick grübelte Hermione weiter, bis sie sagte: "Sind nicht Neville und Ginny und einige andere noch in Hogwarts! Wie wäre es, wenn sich Draco zumindest ihnen gegenüber offenbart? Dann wäre er nicht so alleine, sollte doch jemand… Verdacht schöpfen."

"Das hab ich ihm auch schon vorgeschlagen", erwiderte Harry, "Doch es ist halt schwierig. Naja, ihr wisst ja warum."

Ron verschränkte die Arme vor dem Brustkorb. "Ich finde, wenn Malfoy es wirklich ernst meint, dann sollte er auch ganz zu unseren Leuten überlaufen. Ich mein, das Ganze ist für jeden von uns extrem gefährlich. Warum sollte es ihm da anders ergehen. Er wird sich nicht ewig verstecken können. Irgendwann muss er sich offenbaren und ich hoffe sehr, dass er dann wirklich auf unserer Seite steht und nicht wieder einen Rückzieher macht."

"Ron hat Recht", sagte Hermione hinterher. "Du wirst Malfoy nicht für immer schützen können. Es geht nicht, dass er spioniert und wenn es ernst wird, sich dann einfach zurückzieht. Entweder ganz oder gar nicht."

Ja, auch Harry würde sich viel wohler fühlen, wenn Draco nicht so allein auf weiter Flur stehen würde und dafür waren seine Freunde, die noch in Hogwarts verblieben waren, eigentlich am besten geeignet. Doch war Draco schon bereit dafür, sich ihnen anzuvertrauen und vor allem, waren die anderen dafür bereit? Es dürfte beispielsweise jemanden wie Neville oder Ginny schwer fallen, Draco Vertrauen zu schenken. Wer sollte es ihnen verübeln, bei der Vorgeschichte die sie alle mit ihm haben. Dennoch musste es einfach klappen. Harry hoffte inständig auf das Verständnis seiner Freunde.

Sie saßen noch einige Zeit da und außer ein paar Einwürfen von Ron à la "Ich kann es nicht fassen, Malfoy in unserer Mitte!" gab es keine zweifelnden Kommentare mehr in dieser Richtung. Irgendwann zu fortgeschrittener Stunde überkam sie alle doch noch die Müdigkeit und sie beschlossen noch ein wenig zu schlafen, bevor Fleur sie morgens zum Frühstück rief.

Wieder in seinem Zimmer angekommen, fand Harry jedoch nicht wirklich zur Ruhe. Das Büchlein, welches nun wieder auf seinem Platz auf dem Nachtschränkchen lag, zog ihn viel zu sehr in den Bann. Unsicher blickte er weiter auf das zugeschlagene Buch, schien es mit den Augen regelrecht zu hypnotisieren. Sollte er, sollte er nicht? Wahrscheinlich würde Draco ihm Morgen sowieso von seiner Unterhaltung mit Ron und Hermione berichten, da könnte er diese doch genauso gut selbst nachlesen. Andererseits, die beiden wollten ja eigentlich nicht, dass Harry etwas davon mitbekam. Wäre es dann in Ordnung, wenn er einfach so ihr Geschriebenes las? Doch wahrscheinlich würden sie es sich denken können, dass Harry den Dialog durchgehen würde. Er rang weiter mit sich, wog das Für und Wider ab, ein klassisches Dilemma. Dennoch siegte irgendwann die Neugier. Harry setzte sich auf und griff das Buch, welches er die letzten Minuten nachdenklich angestarrt hatte. Erst jetzt merkte er, dass die ganze Zeit über seine Brille noch auf hatte. Für Harry war es unterbewusst wohl schon beschlossene Sache gewesen, dass er die Unterhaltung nachlesen würde.

Schnell tippte er mit dem Zauberstab gegen den Ledereinband und flüsterte: "Aparecium." Wenn Harry ganz ehrlich sein sollte, dann war er riesig gespannt. Schnell erkannte er auch den Beginn des Gesprächs und konnte Dracos feine, Hermiones geschwungene und Rons breite Handschrift schnell ausfindig machen und sehr gut auseinander halten.

H: Hallo Malfoy, hier sind Ron und Hermione. Bitte antworte, wir müssen reden.

D: Wie seid ihr an das Buch gekommen? Harry wird es euch doch bestimmt nicht so einfach gegeben haben.

H: Nein, wir haben es uns ausgeliehen. Harry schläft schon und weiß hiervon nichts. Wir wollen, dass das auch so bleibt. Schließlich haben nur wir untereinander was zu besprechen.

D: Was mag das wohl sein…

R: Du weißt ganz genau worum es geht! Stell dich nicht so an!

D: Komm runter Weasley. Es ist spät und wenn es nach mir geht, können wir die Sache hier schnell abhaken. Ich wollte sowieso noch mal mit euch sprechen und kann verstehen, wenn ihr überrascht seid.

H: Überrascht ist vielleicht nicht ganz das Wort, mit dem wir unsere Gedanken beschreiben würden. Ehrlich gesagt, dachte ich erst Harry will mich veralbern.

R: Fassungslos trifft es eher. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass wir dir einfach so trauen, nach all dem was vorgefallen ist. Letztes Jahr hast du versucht mich umzubringen!

D: Das ist nicht wahr und das weißt du auch. Dass es dich getroffen hat tut mir leid und war nicht beabsichtigt. Ich bin sehr froh, dass Harry so schnell reagiert hat und du nicht gestorben bist. Damals befand ich mich in einer schlimmen Lage. ER hatte gedroht, meine Eltern zu töten, wenn ich nicht tue was er befielt. Ich dachte, dass wenigstens jemand wie du, dem seine Familie ja auch sehr wichtig ist, mich verstehen kann. Zumindest hab ich das geglaubt.

R: Ja, schon… Aber was wäre denn gewesen, wenn mich der Wein wirklich getötet hätte?

H: Schluss damit! Das führt doch zu nichts. Malfoy, erzähl wie es weiter ging. Harry hat uns zwar schon alles erzählt, aber ich will deine Version hören.

Und Draco erzählte, sagte ihnen, wie verloren er sich damals gefühlt hatte und wie viel Angst er um seine Familie gehabt hatte. Gestand, dass er sich ebenfalls nicht traute, hilfesuchend an den Phönixorden zu wenden, da er befürchtete, sie würden kein Mitleid mit ihm haben. Viel zu groß war auch seine Furcht vor dem Dunklen Lord gewesen. Harry war der erste Mensch gewesen, der angeboten hatte ihm zu helfen. Doch damals dachte Draco, es sei bereits zu spät. Längst hatte sich die wahnwitzige Idee verankert gehabt, dass er mit dem Mord an Dumbledore alles wieder würde geraderücken können. Für alles in der Welt hätte er seine Eltern geschützt. Das Empfangen des dunklen Mals und die Mordanschläge auf Dumbledore zeigten nur, wie weit Draco für seine Lieben gehen würde.

Und dann war da auf einmal Harry, der ihn mit dem Sectumsempra schwer verletzt und anschließend im Krankenflügel Hilfe angeboten hatte. Draco gab zu, dass ihn Harrys Verhalten damals sehr gerührt hatte und er deswegen mit ihm in Kontakt getreten war. Ausgerechnet sein Erzfeind war es gewesen, der ihm nun beistehen wollte. Aus dem anfänglichen jemanden zum Reden haben wurden freundschaftliche Gefühle und schließlich Verliebtheit.

D: Wisst ihr, ich will nicht so weit gehen und von inniger Liebe sprechen. Dafür wäre es bei weitem noch zu früh.

Dem konnte Harry eigentlich zustimmen und dennoch war da dieses Stechen in seinem Bauch und der Wunsch, dass er im Bezug auf Draco von Liebe sprechen wollte. Irgendwann in der Zukunft sicher, wenn sie über all den Stress hier nur noch müde lächeln würden. Ja, inzwischen konnte sich Harry vorstellen, ganz lange mit Draco zusammen zu sein. Da ging es ihm wohl ähnlich wie Hermione und Ron, nur die Vorgeschichte mit Draco war komplizierter.

D: Doch ich hab Harry sehr gern und ich möchte, nein, ich verlange, dass ihr mir ihm zuliebe eine Chance gebt.

R: Würde es dir wehtun mal bitte zu sagen?

D: Ich spreche eine Bitte aus, wenn ich sie für angebracht halte. Zum Beispiel bitte ich euch um Entschuldigung, dass ich früher so ein Arsch war. Ich für meinen Teil möchte mit euch in Zukunft klarkommen. Jetzt ist es an euch einen Schritt zu machen. Aber ich werde nicht darum betteln, dass wir uns annähern.

Harry musste den Kopf schütteln. Draco war stolz wie eh und je. Hoffentlich durchschauten Ron und Hermione das Getue und gaben nach. Denn eigentlich war Draco nicht so dermaßen arrogant, wie er manchmal rüberkam. Er war halt einfach ein blasierter, riesengroßer Snob.

H: Nun komm mal wieder runter, Malfoy. Wir versuchen es, Harry zuliebe. Doch lass dir gesagt sein, wenn du Harry weh tust oder ihn und uns alle hintergehst, dann hast du den Phönixorden, die gesamte Familie Weasley und meine Wenigkeit gegen dich. Keiner von uns würde auch nur eine Sekunde zögern dich dann ins Nirvana zu hexen. Kapiert?

D: Wenn du so wütend daherredest bist du richtig niedlich. Ich wette Haare stehen dir gerade noch mehr zu berge als sonst.

R: Letzte Warnung, Malfoy!

D: Ganz ruhig, Weasley. Okay? War nicht so gemeint. Also was ist nun? Können wir uns zumindest auf einen Waffenstillstand einigen?

H: Ja, das geht klar. Dann mach's gut!

D: Ich wünsche noch eine ruhige Nacht!

Harry war sich sicher, dass Hermione und Ron die letzte Bemerkung von Draco gar nicht mehr gelesen hatten. Er hatte sie ja unterbrochen und Hermione hatte noch schnell ihre letzten Worte geschrieben und das Buch dann zugeklappt. Doch jetzt, nachdem er ihre Unterhaltung gelesen hatte, war Harry unglaublich erleichtert. Es war ein Anfang und mit etwas Geduld und Spucke könnten selbst die Drei vielleicht Freunde werden. Wer wusste schon so genau was die Zukunft für sie bringen würde. Da wollte Harry jede noch so kleine, schöne Begebenheit genießen. Und selbst wenn das nur die utopisch anmutende Idee war, dass Hermione und Ron sich mit Draco anfreunden könnten.

Er sah auf die Uhr und erschrak, da es bereits nach 4 Uhr in der Früh war. Bald würde Fleur sie zum Frühstück rufen und sie würden sich anschließend zurückziehen und die letzten Details ihres Gringotts-Einbruch-Plans, besprechen. In ein paar Tagen wollten, nein, mussten sie es riskieren. Denn jeder von ihnen Drei hatte das Gefühl, dass die Sache keinen weiteren Aufschub mehr duldete. Harry hoffte nur, dass alles einigermaßen glatt ablaufen würde und keinem von ihnen etwas passiert. Denn wenn er ehrlich war, dann wüsste er nicht wie er weitermachen würde, sollte Ron oder Hermione oder beiden etwas passieren.

Drei Horcruxe waren zerstört, blieben noch die anderen Drei. Den Kelch, von dem sie wussten, dass er in Bellatrix' Gringotts-Verlies versteckt lag, dann das Diadem und schließlich Voldemorts Schlange. Doch eins nach dem anderen. Erst einmal war Helga Hufflepuffs Trinkkelch dran, dann würden sie sich überlegen müssen, wie sie nach Hogwarts gelangen konnten, da sie die Tiara dort vermuteten. Aber das war eine Angelegenheit, bei der sie auf die Hilfe von Draco angewiesen waren.