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Kapitel 27: Besuch einer alten Freundin

Nach fast 40 Minuten kamen Jude und Kit am Krankenhaus an. Kit hatte angenommen, dass Jude auf dem Weg eingeschlafen war, da sie die ganze Zeit über kein Wort sagte und auch die Augen geschlossen hatte. Er konnte es ihr nicht verdenken, die Ereignisse mussten sie ziemlich mitgenommen haben. Als Kit auf dem Parkplatz fuhr und den Wagen parkte, stieg er leise aus und lief zu der Beifahrerseite. Leise öffnete er die Tür um Jude nicht zu erschrecken und strich ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Judy, komm wir sind da." Flüsterte er in ihr Ohr.

Jude wusste, dass Kit dachte sie würde schlafen und sie war froh, dass er nicht mit ihr gesprochen hatte auf der Fahrt. Sie wusste was sie zu tun hatte und sie wollte es sich und Kit nicht noch schwerer machen. Die ganze Fahrt über, hatte sie nicht die Augen geöffnet. Alles um sie herum war dunkel und genauso fühlte sich Jude auch. Sie hatte das Gefühl in einen tiefen dunklen Brunnen gefallen zu sein, aus dem es keinen Ausweg gab. Dunkelheit und Kälte war alles was sie fühlte und sie wollte niemanden mit in diesen Brunnen der Verzweiflung ziehen.

Du bist nicht für diese Welt geschaffen Judy.'

Als sie Kits Stimme hörte, zwang sich Jude die Augen zu öffnen und sie stieg wortlos aus den Wagen. Sie wollte und konnte Kit nicht ansehen, nicht mehr. Sie starrte nur zu Boden und fühlte wie ihr Herz immer mehr auseinander riss. Sie liebte diesen Mann und sie dachte, sie würden für immer glücklich zusammen sein. Und nun, von einen Augenblick auf den anderen, war alles vorbei. Es gab keine Zukunft mehr. Sie spürte wie Kit versuchte seine Arme um sie zu legen und das war etwas, was sie jetzt nicht verkraften würde. Sie zog weg und ging langsam Schritt für Schritt auf den Eingang des Krankenhauses zu.

Kit fühlte sich, als hätte ihn jemand einen Tritt versetzt. Nie zuvor hatte sich Judy ihm entzogen. Er wollte sie halten, für sie da sein, ihr sagen und zeigen wie sehr er sie liebte. Doch Jude schien das in diesen Moment nicht zu wollen. Er konnte sie verstehen, zu viel war geschehen und doch schmerzte es ihm. Er lief dicht neben Jude, als sie das Krankenhaus betraten. Er sah den leeren Ausdruck in ihrem Gesicht und er hatte gehofft es nie mehr sehen zu müssen. Zuletzt hatte er diesen Ausdruck gesehen, als er sie aus Briarcliff geholt hatte.

Sie braucht einfach Zeit.'

Gerade als Kit mit Jude zu der Patientenanmeldung gehen wollte, blieb sie abrupt stehen. Sie biss sich auf die Lippen und versuchte ihre Worte zu sammeln.

„Würde es dir etwas ausmachen, wenn du das allein machst? Ich habe gerade keine Nerven für Papierfragebögen und ich bin müde."

Kit war froh, dass sie wenigstens wieder mit ihm sprach. Dennoch hatte er ein seltsames Gefühl.

„Sicher…ähm….geht es dir nicht gut? Soll ich gleich einen Arzt holen oder willst du dich hinlegen?" voller Sorge sah er Jude an und versuchte ihr in die Augen zu schauen, doch sie wich seinen Blick aus.

„Nein nein. Ich will mich einfach nur einen Moment setzten und…und einen Moment allein sein. Bitte, ich muss einen Moment allein sein."

Jude ließ sich in einen der Stühle fallen und schloss wieder die Augen. Sie wagte es nicht mehr, den Mann den sie liebte anzusehen.

Kit studierte Jude noch einen Moment. Sie benahm sich seltsam, allerdings war das nach den ganzen Ereignissen auch nicht verwunderlich. Er seufzte und bückte sich zu Jude, um ihr einen kurzen Kuss auf die Stirn zu geben.

„Ich bin gleich wieder zurück." Er machte eine kurze Pause und fügte dann hinzu „Ich liebe dich Judy."

Seine Worte waren wie ein Messer, welches sich immer tiefer in ihr Herz bohrte. Heiße Tränen brannten hinter ihren geschlossenen Augen und drohten sie zu verbrennen. Sie hörte wie sich Kit langsam entfernte und erst als sie sicher war, dass er nicht mehr da war, öffnete sie die Augen. Ein leises und gebrochenes flüstern entkam ihr.

„Ich liebe dich auch….es tut mir leid."

Sie wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und stand auf. So schnell sie konnte, verließ sie das Krankenhaus aus Angst der Mut könnte sie doch noch verlassen.

Es ist besser so…Kit verdient eine richtige Familie!'

Allein lief Jude durch die dunklen Straßen von Boston und obwohl es eine laute und Menschenüberfüllte Stadt war, fühlte sich Jude, als wäre sie ganz allein auf dieser Welt. Sie lief immer weiter, bis sie in einer dunklen Ecke am Rande eines Parks eine alte Bank stehen sah. Jude war mit allem völlig überfordert und sie wusste nicht, was sie jetzt tun sollte. Niedergeschlagen setzte sich Jude auf die Bank und sah in die Dunkelheit.

„Jude! Was machst du hier? Bist du wirklich sicher, dass du mich jetzt bei dir haben willst?"

Ein kleines trauriges Lächeln bildete sich auf Judes Gesicht, als sie zu der Frau sah, die neben ihr auf der Bank saß.

„Shachath"