Ich fühle mich so unendlich besc°°°°°°, aber die verdammte Schreibblockade hatte sich meiner mal wieder bemächtigt.
Ich hoffe so, dass das endlich ein Ende hat und werde fleißig daran arbeiten.

Noch eine kleine Update-Änderung: Updates nicht mehr zwei-, sondern nur noch einmal die Woche (wg. Uni). An welchem Tag die Updates erfolgen werden, muss ich noch ausklügeln.

Jetzt aber viel Spaß mit dem Kapitel


Kapitel 28

Den ganzen Tag über war Hermine kaum ansprechbar gewesen. Immer wieder ging sie die Aufgaben des Tests in ihrem Kopf durch und mit jedem Mal fühlte sie sich niedergeschlagener. Harry versuchte nur einmal, sie anzusprechen, ließ es jedoch sein, da seine Freundin nicht gerade in der Laune schien, reden zu wollen. Er wollte ihr helfen, doch ihm fiel keine Situation ein, die vergleichbar mit der jetzigen wäre, sodass er einen Rat für sie hätte oder sie aufmuntern könnte. Natürlich war es schon vorgekommen, dass Hermine sich die schlimmsten Testergebnisse ausmalte. Trotzdem wusste sie innerlich immer, dass sie gut gewesen war und ihr Bestes gegeben hatte. Dann verflog diese Stimmung auch binnen weniger Stunden nach einem Test. Doch nun sah es gänzlich anders aus. Beim Mittagessen starrte sie nur so vor sich hin und hatte ihren Tellerinhalt kaum angerührt. Hermine war nie so gewesen. Was hatte sie nur so aufgebracht, dass sie wie ein Häufchen Elend wirkte? Harry begann sich Sorgen zu machen und fühlte sich mit jeder Minute, die er in Hermines betrübtes Gesicht sah, hilfloser. Wenn er nun den Verdacht äußerte, dass Snape etwas damit zu tun hatte, würde er bestimmt nicht glimpflich davon kommen. Andererseits würde Mine dann endlich wieder reden. Was er sich auch überlegte, alles half nichts und so musste er lediglich zusehen, wie sie scheinbar vollkommen neben sich stand, und er nichts dagegen tun konnte.


Hermines Stimmung hatte sich auch am nächsten Tag kaum verändert. Am liebsten wollte sie den ganzen Tag im Bett bleiben und an nichts mehr denken, stattdessen quälte sie sich durch zahlreiche Unterrichtsstunden, die einfach kein Ende nehmen wollten. Hier und da hörte sie einzelne Wortfetzen, wenn sich ihre Mitschüler über den gestrigen Zaubertränketest unterhielten.

So auch auf dem Weg von den Gewächshäusern in die Große Halle. Sie versuchte, einen Vorsprung zu gewinnen, um ihnen nicht mehr länger zuhören zu müssen, ohne dass es aussah, als würde sie wegrennen.

Wie schon am Vortag verlief das Mittagessen schweigsam. Hermine starrte auf ihren Teller und ihr wurde schon allein beim Anblick des Essens schlecht. Ginny erzählte irgendetwas von Professor McGonagalls Unterricht, doch Hermine hörte nur mit halbem Ohr zu. Da erstarrte sie und blickte auf. Ihre Freunde verstummten auf der Stelle, doch auch Hermine blieb still. All ihre Sinne waren zum Zerreißen gespannt. Ein seltsames Gefühl überlief sie, ähnlich dem, das sie während des Tests überrollt hatte. Als sie langsam wieder zu sich kam, bemerkte sie, dass Harry seinen Blick in eine andere Richtung gewandt hatte und folgte diesem. Zwischen den umherlaufenden Schülern sah sie gerade noch wie Professor Snapes Rücken in der Menge verschwand, während er sich offensichtlich einen Weg zum Lehrertisch bahnte.

Wenn sie nun aufstand und ging, wäre das alles andere als unauffällig und Harry würde sie wieder mit Fragen belagern. Je länger sie allerdings sitzen blieb, desto komischer fühlte sie sich. Sie konnte dieses Gefühl weder als gut noch als schlecht bezeichnen und dass es sich nicht zuordnen ließ, machte die Sache nicht besser. Da sie Angst hatte, ihr Innenleben könnte sich auf ihrem Gesicht abzeichnen, bemühte sie sich, eine neutrale Haltung einzunehmen und wenigstens ein paar Happen zu essen, um niemandem einen Anlass zu geben sie zu fragen, ob es ihr nicht gut ginge.

Der Drang, zu Snape nach vorn zu sehen, wurde immer größer und so stand sie auf und wandte sich mit einem aufgesetzten Lächeln an ihre Freunde und verkündete, dass sie sich an die Hausaufgaben machen wollte. Sie hielt es nicht mehr länger hier aus. Was auch immer gerade mit ihr geschah, es passte ihr ganz und gar nicht und musste irgendwie unterbunden werden.


Als Severus sich an den Tisch gesetzt hatte, zog es seinen Blick immer wieder zu Hermine. In sich zusammengesunken saß sie da und brachte durch ihren Anblick etwas in ihm zum Klingen, das er nur schwach bemerkte und zu ignorieren versuchte.

Noch nie hatte er sie so gesehen. Er musste ihr sagen, dass mit ihrem Test alles in Ordnung war. Wie er sie einschätzte, machte sie sich viel zu viele Gedanken darum und bis zur nächsten Zaubertränkestunde würde sie vermutlich platzen.

Er hatte nicht gerade viel Appetit und nachdem sie gegangen war, erhob auch er sich und verließ die Halle.

Ziellos lief er auf dem Schlossgelände herum. Die frische Luft tat ihm gut. In letzter Zeit hatte er sich viel zu viele Gedanken gemacht. Gedanken, die er so nicht akzeptierte und auch nicht dulden wollte. Gedanken an Miss Granger. Es spielte keine Rolle, welcher Art diese Gedanken waren, denn allein die Tatsache, DASS er an sie dachte, machte ihm zu schaffen. Es entzog sich seinem Verständnis und trotzdem konnte er nichts tun, um sie zu stoppen.

Die Kälte holte ihn langsam aus seinen Gedanken zurück und als er merkte, wie er zu zittern anfing, ging er zurück ins Schloss. Er folgte blindlings dem Weg, den ihm seine Füße auftrugen.


Hermine hatte sich in die Bibliothek verzogen, da sie im Gemeinschaftsraum keine Ruhe würde haben können. Sie zog ein Zaubertränkebuch nach dem anderen aus dem Regal und schlug Informationen zu den Testaufgaben nach. Was sie auch las, kannte sie schon, aber hatte sie ihr Wissen auch im Test niedergeschrieben? Je mehr Bücher sie wälzte, desto unzufriedener wurde sie und so verließ sie die Bibliothek nach einer guten Stunde frustrierter als zuvor.

Unschlüssig, ob sie am Abend zu Snape ins Labor gehen sollte, wurde ihr die Entscheidung, als sie auf dem Weg in den Gryffindor-Turm war, abgenommen.

„Miss Granger" Wie angewurzelt blieb sie stehen, als sie seine Stimme vernahm. Sie fühlte, wie ihr Herz begann, schneller zu schlagen und wie die Aufregung in ihr stieg. Gleichzeitig wurde ihre Niedergeschlagenheit stärker und sie fühlte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals bildete. Warum musste er sie jetzt ansprechen? Langsam drehte sie sich zu ihm um. Aufmerksam sah er sie an, bevor er sprach.

„Kommen Sie heute Abend ins Labor. Wir müssen ein paar wichtige Tränke besprechen, bevor Sie sich daran machen, sie auseinanderzunehmen." Er versuchte, einen Plauderton aufzusetzen, wie er ihn bei Albus so oft hörte, doch die Sorge in seiner Stimme konnte er nicht vollständig unterdrücken, was Hermine allerdings als weiteres Indiz dafür auffasste, dass der Test schlecht gelaufen war. Sie presste ein leises „In Ordnung" aus sich heraus, das sich jedoch mehr nach einem missglückten Räuspern anhörte, und wollte gehen, doch etwas hielt sie zurück. Ihre Gedanken rasten wie verrückt, sodass der Befehl „Geh" seinen Weg scheinbar nicht bis zu ihren Beinen fand.

„Miss Granger", seufzte er in leicht ungeduldigem Ton, „ich weiß ja, dass Sie mir sowieso nicht sagen werden, was mit Ihnen los ist, aber wenn es um den Test gehen sollte: machen Sie sich keine Sorgen", sagte er und ging augenblicklich schnellen Schrittes davon, was Hermine endlich dazu brachte, sich aus ihrer Starre zu lösen.

„Professor Snape! Professor Snape, bleiben Sie stehen. Was soll das heißen, ich soll mir keine Sorgen machen? Jetzt warten Sie doch."

„Das heißt, was es heißt, Miss Granger", rief er, ohne langsamer zu werden, über seine Schulter zurück und ließ Hermine perplex stehen.


Ihre Aufregung stieg mit jeder Treppenstufe, die sie in die Kerker führte. Im Moment wollte sie nichs mehr, als endlich zu wissen, was Sache war. Kaum hatte Severus die Tür geöffnet, stürmte sie auch schon an ihm vorbei.

„Was ist mit dem Test?"

„Ihnen auch einen Guten Abend, Miss Granger"

„Oh, ja, richtig. Guten Abend, Professor", gab Hermine kleinlaut zurück.

„Testrückgabe ist wie immer in der darauffolgenden Unterrichtsstunde, falls Sie das vergessen haben sollten", sagte er.

„Ich will es aber jetzt wissen", entfuhr es ihr und Severus' Augen verengten sich zu Schlitzen.

„Miss Granger", sagte er mit leiser, tiefer Stimme. „Ich bin keiner Ihrer kleinen Freunde, die sie herumkommandieren können, wie es Ihnen passt. Sie haben in dieser Hinsicht nichts zu wollen, sondern sich an die Regeln zu halten."

Nachdem Hermine darauf nichts mehr erwiderte, machte er sich daran, die Unterlagen zu den Tränken, die er mit ihr besprechen wollte, herauszusuchen und auf dem Tisch auszubreiten. Während er die Texte mit ihr durchging, bemerkte er wieder ihre Unkonzentriertheit. Wo war sie eigentlich mit ihren Gedanken?

Als es daran ging, die Anweisungen ins Praktische umzusetzen, erreichte Hermines Nervosität ihren Höhepunkt. Andauernd fragte sie nach, was sie tun und in welcher Reihenfolge sie die Anordnungen ausführen sollte.

„Miss Granger, so geht es nicht weiter", sagte er nach einer halben Stunde, die sie mehr schlecht als recht für ihre Arbeit genutzt hatten. Hermine antwortete nicht und so gab er schließlich nach.

„Also schön... Ihr Test war gut."

„Wie gut?", platzte es sofort aus ihr heraus.

„Sie haben alle Aufgaben richtig bearbeitet."

„Was... wirklich? Ich meine..."

„Zugegeben, Sie hatten einige Schwierigkeiten. In den letzten Aufgaben finden sich massig durchgestrichene Sätze. Sie waren sehr nervös. Genau wie Sie jetzt ebenfalls nervös sind. Miss Granger, es ging dieses Mal gut, aber wenn Sie beim Brauen von Tränken auch nur eine Sekunde lang unaufmerksam sind, könnten Sie den größten Schaden anrichten! Wie gesagt, Sie machen Ihre Sache nach wie vor gut, aber seit Sie so nervös sind, wird die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen ein Leichtsinnsfehler passiert, größer. Ich möchte nicht, dass Ihr Können darunter leidet."

Die Gedanken in Hermines Kopf drehten sich um sich selbst. Sie hatte den Test gut absolviert! Das war fantastisch! Aber er hatte ihre Nervosität bemerkt. Oh, oh. Was, wenn er daraus irgendwelche Rückschlüsse zog?

„Professor?" setzte sie vorsichtig an, „darf ich Sie etwas fragen? Warum kümmern Sie sich darum? Es war Ihnen doch sonst auch immer egal, wenn sich jemand selbst um eine gute Note brachte."

Für einen Moment schien Severus ernsthaft zu überlegen.

„Sie sind gut, Miss Granger, das ist alles. Sie haben ein großes Talent, was das Brauen von Zaubertränken angeht und da dies heute seltener anzutreffen ist, finde ich es lediglich schade, wenn man es sich zunichte macht. Das hat rein gar nichts mit Ihnen zu tun."

„Verstehe." Ein seltsames Gefühl von Traurigkeit machte sich in ihr breit und ihr Blick enthielt eine Art Verletztheit und vor allem Enttäuschung, die Severus keinesfalls verborgen blieb.

„Hören Sie: Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, wenn Sie nicht reden wollen, dann ist das Ihre Sache. Und hören Sie gefälligst auf, mich so anzusehen", sagte er schärfer als beabsichtigt.

„Bitte? ICH will nicht reden? Oh ja, sicher, daraus machen SIE mir einen Vorwurf", gab sie zurück.

„MISS GRANGER!"

„Sie brauchen nicht zu schreien, mein Gehör funktioniert ausgezeichnet, vielen Dank."

Unwillkürlich ballte Severus die Fäuste.

„Miss Granger. Was auch immer mit Ihnen los ist, kriegen Sie es in den Griff!"

„Aber natürlich", gab sie sarkastisch zurück. Severus platzte der Kragen.

„Es reicht mir mit Ihnen! Wenn Sie sich nicht zusammenreißen oder sich wenigstens benehmen können, dann bitte! Gehen Sie!"

„Was?" fragte sie ungläubig.

„GEHEN SIE!" schrie er und seine Augen funkelten zornig. Hermine sah ihn ein paar Sekunden lang einfach nur an.

„Nein", erwiderte sie, als wäre es die offensichtlichste Antwort.

„Wie – bitte?" Einen kurzen Moment lang rang Severus mit der Fassung.

„Nein."

„Ich weiß nicht, wie Sie auf die Idee kommen, sich derartige Antworten herauszunehmen", begann er, während er langsam einen Schritt nach dem anderen auf sie zu machte. „Aber offensichtlich wissen Sie nicht mehr, mit wem Sie reden." Hermine hatte zwischenzeitlich mit jedem Schritt, den er ihr näher kam, einen Schritt nach hinten gemacht und stieß nun unsanft gegen die Tür.

„Was ist? Wollen Sie mir drohen?" ‚Verdammt, Hermine, sei endlich still, du redest dich um Kopf und Kragen, bist du von allen guten Geistern verlassen, wie redest du denn mit ihm, er ist dein Professor, du hast sie ja nicht mehr alle, bist du noch bei dir?' Ihre Gedanken prasselten ungebremst auf sie nieder. Ja, wieso sprach sie so mit ihm? Woher nahm sie den Mut – oder sollte sie besser sagen, die Dummheit? -, so mit ihm zu sprechen?

„Miss Granger, ich warne Sie! Treiben Sie es nicht zu weit!" Seine Stimme sank in eine bedrohliche Tiefe und dröhnte in ihrem Kopf, obwohl er die Lautstärke drastisch gesenkt hatte.

Unaufhörlich war er näher und näher gekommen und stand Hermine erneut so nahe, dass sie den ihm eigentümlichen Duft wahrnehmen konnte. Ihr wurde heiß, ihr wurde kalt, ein Schauer wie von tausend Nadeln gespickt durchfuhr sie, und das alles mit einer vielfachen Intensität des Gefühls beim Test. Dieses seltsame Gefühl schien ihr die Kehle zuzuschnüren und sie innerlich zu erdrücken und zu zerreißen zur selben Zeit.

Augenblicklich wich jeder Mut und jede noch so provozierende Antwort aus ihr. In ihrem Kopf stapelten sich die Erinnerungen an jene Momente, in denen er ihr so nah war wie jetzt und die Angst überfiel sie. Doch nicht die Angst vor ihm, sondern vielmehr die Angst vor sich selbst und ihren Gefühlen. Den Gefühlen, die er auslöste, wenn er vor ihr stand. Sie wollte nur noch eines: weg. Und zwar so schnell sie konnte.

„Ich gehe jetzt", sagte sie, doch der Klang ihrer Stimme war weit ab von der Bestimmtheit, die sie versucht hatte, hineinzulegen.

„So? Tun Sie das?" fragte er und hob gespielt und spöttisch eine Augenbraue. Mittlerweile hatte er beide Arme neben ihr auf der Tür abgestützt.

„J...ja. Professor, ja. Ich gehe."

„Warum sehe ich Sie dann immer noch vor mir stehen?" fragte er in einem sonderbaren Ton. Es machte sie fast wahnsinnig. Seine spöttisch blitzenden Augen, die sie erwartungsvoll anblickten und sie fragten, was sie als nächstes tun würde. Sein Mund, der dieses fast anzügliche Lächeln trug. ‚Hermine, du verlierst den Verstand!'

„Lassen Sie m-mich gehen", stammelte sie.

„Sie haben es wohl auf einmal sehr eilig, wie? Komisch. Das hat sich eben noch anders angehört."

„Professor Snape", sagte Hermine nun lauter, „Sie haben kein Recht mich festzuhalten. Und wenn ich gehen will, dann gehe ich auch."

„Bitte. Tun Sie sich keinen Zwang an", erwiderte er großzügig, wich jedoch keinen Zentimeter von ihr. Panik stieg in Hermine auf. Sie musste weg. Sofort. Kräftig stieß sie ihm die Hände vor die Brust, doch er rührte sich nicht. Sie wollte seinen Arm beiseite schlagen, doch im gleichen Moment hatte er ihr Handgelenk gepackt und drückte sie gewaltsam gegen die Tür. Je mehr sie sich wehren wollte, desto stärker wurde sein Griff. Sein Gesicht war nur noch Millimeter von ihrem entfernt. In einem letzten Versuch sammelte sie all ihre Kraft und bäumte sich auf, hämmerte mit der freien Hand auf seinen Oberkörper ein. Mühelos nahm er ihr auch diese Freiheit und im nächsten Augenblick fanden sich seine Lippen auf ihren wider und elektrische Ströme durchflossen Hermines Körper. Sie wollte sich wehren, doch sie konnte nicht. Oder vielmehr: sie wollte es nicht einmal. Alles drehte sich um sie und sie vergaß wer sie war und wo sie war. Alles was zählte war das hier und jetzt. Die schwindende Welt um sie herum interessierte sie nicht mehr.

Doch schon nach wenigen Sekunden konnte sie sich zu gut erinnern. Severus stieß sich von ihr. In seinem Blick lag blankes Entsetzen. Was hatte er getan? Noch ehe er den Mund aufmachen konnte, war Hermine auch schon herumgewirbelt und aus dem Raum gerannt.