Die meisten großen Taten, die meisten großen Gedanken haben einen belächelnswerten Anfang.
- Albert Camus
- Kapitel neunundzwanzig -
Undank ist der Welten Lohn
Bulma war gefangen in ihrer kleinen, friedlichen Welt, aus der sie – aufgrund einer erneuten Erschütterung – unliebsam gerissen wurde, wonach ihr Blick hastig nach oben zu Vegetas Gesicht jagte, der ebenfalls, ähnlich wie Bulma, irritiert über seine Schulter blickte, um das ankommende Unheil, sowie die Richtung auszumachen. Sein sonst so klarer Verstand, der ab und an entschied – seit er Bulma kannte – auf Abwegen zu sein, wurde durch den Kuss noch dezimierter, weswegen er sich auch erst einmal sammeln und akklimatisieren musste. Mist, er musste sich schnell fangen. Alles um ihn herum hatte er säuberlich ausblenden können, nachdem Bulma diejenige war, die den ersten Schritt wagte, Vegeta stürmisch in die Arme fiel und... ihn küsste.
Beim heiligen Shenlong, aber auch beim heiligen Polunga, der Kuss war dieses Mal anders – er war sanfter, da es Bulma war, die ihn führte. In Repugnanz zu seinen fordernden, insistierenden Küssen, die er bisher mit Bulma austauschte, waren ihre zurückhaltender, schüchterner, aber umso lieblicher, was ihm wiederum gut gefiel.
Und Vegeta wusste, er hatte mit seiner Entscheidung, das Kind zu retten, keinen Fehler begangen, denn wenn Bulma glücklich war – und das war sie offensichtlich –, dann, ja... dann war auch Vegeta glücklich, was er – ungeachtet der Situation – deutlich spüren konnte. Er konnte es selbst kaum beschreiben, da er eher in anderen Kategorien, die überhaupt keine Verbindung zu Liebenswürdigkeiten aufwiesen, überaus glücklich war. Ja, verdammt. Selbst in dieser misslichen Lage - der sie ausgesetzt waren, da draußen Krieg herrschte - konnte er das Glück fühlen.
Nichtsdestoweniger, Vegeta musste die Oberhand behalten. Er war eben, hinsichtlich der Liebe, ein pöbelhafter Feigling.
„Das... Ich war darauf nicht vorbereitet!", meckerte er anschließend halbherzig, sich darüber bewusst, dass Bulma diese Halbherzigkeit bereits durchschaut hatte. Es war, als könnte er vor dieser Saiyajins nichts mehr verbergen, obwohl das doch immer eines seiner Hauptziele gewesen war – undurchschaubar zu bleiben, keine Regungen zulassen, gar Empfindungen anderer Lebewesen spüren zu wollen. „Das nächste Mal warnst du mich vor."
Belustigt stemmte Bulma ihre linke Hand in die Hüfte, als sie verschmitzt Vegeta und dessen Haltung beobachtete. Anscheinend fiel es ihm sichtlich schwer, sie weiterhin böse zu mustern, denn seine Maskerade bröckelte schneller als sie erwartete. Hinzu kam die fehlende Kontrolle, die ihr Gegenüber brauchte, um sich mächtig zu fühlen. „Das gleiche gilt für dich, wenn du wieder die Beherrschung verlierst und das Verlangen, mich zu küssen, hast. Einverstanden?" Zusätzlich zwinkerte sie ihm noch frech zu.
Bevor Vegeta sich gegen diese haltlose, ja, fast bösartige Behauptung wehren konnte, hatte die blauhaarige Saiyajin ihn bereits an die Hand genommen, um ein geeignetes Versteck zu finden. Das Bedürfnis, nach draußen zu rennen und den anderen zu helfen, war nach wie vor vorhanden. Allerdings behielt sie Vegetas Warnung im Kopf, anlässlich der einmaligen Chance, dank dieser mysteriösen Dragonballs. Aber sie wusste, wie sie sich dafür bedanken konnte, denn seine Verletzungen, die er im Kampf gegen diesen Paragus davontragen musste, hatte sie nicht übersehen. Die tiefen Schnittwunden waren ihr sofort ins Auge gefallen.
Vegeta stoppte sie, ehe Bulma die Tür zur Küche aufstoßen konnte. „Ich werde zurückgehen. Ich kann mich nicht in meinem Palast verschanzen, während die -"
„Na ja, du versteckst dich ja nicht wirklich", unterbrach sie ihn bedächtig. „Du beschützt uns", erklärte sie weiter, den Blick etwas beschämt gen Boden gerichtet. Dennoch fuhr ihre Hand vorsichtig nach vorne, wo sie sich langsam und zittrig um Vegetas Hand schmiegte. Ihre blauen Augen verharrten einen Moment auf ihre ineinander geschlungenen Hände, ehe ihr Blick angrenzend nach oben wanderte und Bulma sehen konnte, wie auch Vegetas Blick einen kurzen Moment auf ihren Händen verweilte. „Ich meine", versuchte sie, sein Fernbleiben des Kampfes zu rechtfertigen, „das ist doch auch eine große Aufgabe, wenn man bedenkt, wie anstrengend ich in den vergangenen Wochen war, oder?"
„Nicht wirklich, denn ich konnte dich immer wieder auftreiben." Darauf war er mächtig stolz, da er ihre Aufstände mit einer Jagd verglich, die sich zwar in die Länge zog, was schlussendlich nicht von Bedeutung war, da Vegeta die Jagd gewann. „Jedoch ist diese Situation eine andere. Hier habe ich nicht dutzende Chancen, meinem Volk beizustehen und die Pflicht eines Königs ist nun einmal, für sein Volk einzustehen."
„Du hattest aber auch nur die eine Chance, mich ins Leben zurückzuholen. Bitte geh nicht nach draußen, Vegeta. Von mir hast du verlangt, diese Chance nicht zu gefährden und um dasselbe werde ich dich nun bitten. Die Geschichte soll sich nicht wiederholen, sondern nur reimen und das beinhaltet, dass du dich nicht in Gefahr begibst." Das musste er doch einsehen. Er konnte nicht von ihr verlangen, auf etwas zu verzichten, während er infolgedessen das genaue Gegenteil tat. Unmöglich konnte er sein eigenes Leben so leichtsinnig aufs Spiel setzen, aber in erster Linie – egal, wie egoistisch das klang und normalerweise fern von Bulmas Ansichten lag – musste sie an sich, das Kind und den Saiyajin denken, in welchen sie sich verliebte, denn das Herz tat oftmals Dinge, die der Verstand nicht nachvollziehen konnte. „Verstehst du das? Ich..." Sie suchte nach den richtigen Worten. „Ein wahrer Held wird nicht an der Größe seiner Kraft gemessen, sondern an der Kraft seines Herzens, oder?"
„Ich kann dir nicht folgen", grollte er gefährlich leise. Konnte er definitiv nicht, da das romantischer Weiberkram war, was sie ihm gerade erzählte.
„Deine Entscheidung, nach draußen zu gehen, wird negative Konsequenzen nach sich ziehen", sprudelte es nur so aus ihr heraus, um Vegeta zu überzeugen.
Hatten sie nun die Rollen getauscht? War Vegeta nun der empathische Saiyajin, der seinem Volk beistehen wollte? Nein, er wollte lediglich seine eigenen Erwartungen und die, die sein Volk an ihn stellte, erfüllen. Stattdessen stand er vor der Küche, hätte sogar die Möglichkeit nutzen und Amaya zur Schnecke machen können, doch selbst das war ihm gleichgültig geworden, nachdem sein Saiyajin-Herz wieder heftiger zu schlagen anfing, nachdem er wusste, Bulma wäre in Sicherheit und er könnte zurück zu seinen Kämpfern eilen.
„Du... du hattest nie die Absicht, hier zu bleiben, richtig?", schlussfolgerte Bulma nickend und zu Boden blickend, denn Vegeta hatte ihr zuvor nicht geantwortet, woraus sie eins und eins zusammenzählte.
„Nein."
„Aber Kakarott wollte, dass du hier bleibst." Sie kämpfte mit unfairen Mitteln, indem sie versuchte, Vegeta unter Druck zu setzen. Das war ihr klar, aber sie musste in jungen Jahren – ebenso Vegeta – schmerzhafte Verluste verarbeiten. Diese Gedanken, diese Ängste... sie wollte sie in ihren jungen Jahren nicht noch einmal durchleiden, obwohl ihre Brüder für Vegetas Volk ihr beider Leben aufs Spiel setzten. Diese Sorge trieb sie schon in den Wahnsinn und nur Vegetas Anwesenheit konnte sie es verdanken, halbwegs normal zu bleiben. „Du kannst jetzt nicht einfach gehen und mich wie ein Paket hier abstellen, nachdem du es erfolgreich geschafft hast, dass ich mehr für dich übrig habe als Abneigung." Übermannt von ihren Gefühlen, Sorgen und Ängsten, trat Bulma nach vorne, breitete ihre Arme aus und fing – ohne ein Wort der Vorwarnung – an, mit ihren flachen Händen gegen Vegetas Brust zu trommeln. „Das ist nicht fair, Vegeta. Das ist überhaupt nicht fair", warf sie ihm mit Tränen in den Augen vor.
Sollte er doch denken, sie wäre eine Verrückte. Sollte er glauben, er hätte die böswilligste Xanthippe vor sich stehen. Hauptsache, sie konnte ihm begreiflich machen, was er mit seinem Entschluss in Bulma auslöste, ohne die drei magischen Worte zu sagen, die ihr sowieso nicht über die Lippen gekommen wären.
Vegeta dagegen ließ ihren Ausbruch über sich ergehen – zähneknirschend und bis zu einem gewissen Punkt, an dem ihre Sentimentalität auch ihm zu viel wurde. Bestimmend fing er ihre Hände ab, die allem Anschein noch genug Kraft hatten, um Vegetas Brustkorb im Endeffekt zu implodieren. Das wollte sie. Ja, ganz sicher, stellte er immateriell fest.
„Jetzt beruhige dich mal wieder", ermahnte er sie knurrend, da der Saiyajin einfach nicht wusste, wie er mit ihrer Emotionalität umzugehen hatte und würde er dieses Chaos überleben, so war ihm bewusst, dass er noch eine Menge mit ihr – aber auch mit sich selbst – arbeiten musste, um mit den verschiedensten Situationen verantwortungsvoller umzugehen. „Wo gehobelt wird, fallen schließlich auch Späne, klar? Dir scheinen die Pflichten eines Königs -"
„Die Pflichten eines Königs", äffte Bulma verletzt. „Ich war nie ein König", implementierte sie vorwurfsvoll, während sie ihrem Gegenüber zornig in die Augen sah. „Und wenn du kein König wärst? Was wäre dann? Dann würdest du genauso mitmischen wollen. Hör also auf, deinen Titel zu missbrauchen, nur weil du nicht zugeben kannst, dass dir dieses Gekloppe mehr bedeutet, als andere, wichtigere Dinge." Nach und nach wurde ihr bewusst, wie sie sich gerade benahm, woraufhin sie pikiert ihre Hände zurückzog, die sie nachfolgend verschränkte und wütend zur Seite starrte.
„Ich kann das sehr wohl zugeben und -" Oh, wäre Vegeta doch nur aufmerksamer gewesen, dann wäre ihm sofort aufgefallen, dass er die falschen Worte nutzte, um seinen Standpunkt zu vertreten. Oder nein, wäre er aufmerksam, hätte er diese Worte gar nicht erst aus seinem Mund gelassen. Allerdings war er nicht aufmerksam...
„Aha!", entfuhr es ihr bissig. „Demzufolge präferierst du dein Volk... Du... Verflucht, ist dir diese Agonie, dieser Machtkampf wichtiger als... als..." Als was? Wichtiger als Bulma? Ja, das wollte sie sagen. Aber stand ihr diese Aussage zu? Durfte sie eine solche Aussage tätigen, obwohl Bulma diejenige war, der erst vor kurzem einleuchtete, was sie für Vegeta empfand?
„Dass ich mich überhaupt vor dir rechtfertigen muss, ist eine Frechheit, Onna! Versuch gar nicht, mich in irgendeiner Weise zu instrumentalisieren. Das hat noch nie funktioniert und auch du wirst das nicht effektuieren." Sein Ton wurde um einige Grad kälter, was ihm bedeutend vertrauter vorkam, als die angenehmere Art. „Ich werde jetzt zurückgehen, denn dein Hedonismus geht mir gewaltig auf die Nerven." Ha, ging ihm auch mal etwas nicht auf die Nerven? Würde er das aufzählen, was ihn nicht störte, wäre er bedeutend schneller fertig gewesen. „Ende der Diskussion", beendete er subjektiv seine Aussage. Er war eindeutig nicht dafür geschaffen, sachlich zu bleiben. Murrend marschierte er an Bulma vorbei, ohne Notiz von ihren glänzenden, feuchten Augen zu nehmen und öffnete genervt die Tür, die zur Küche führte. Ohne ihr den weiteren Verlauf seiner Handlung zu erklären, packte er Bulmas Oberarm, deren Körper er in das Innere des Raumes schob. Kurz bevor er die Tür schloss, hielt er inne, senkte seinen Blick und blendete seine Sklaven, die erschrocken in die Ecke rannten, aus.
Die nächsten Worte waren ungewohnt und er wollte ihr dabei nicht in die Augen sehen, aus Angst, er könne dieses Versprechen selbst nicht halten. „Wenn du mir versprichst", begann er seine Worte versöhnlicher, „hier zu bleiben, verspreche ich dir, dich so schnell wie möglich wieder abzuholen."
Damit konnte sie sich nicht abfinden. Das war ein leeres Versprechen, um sie zu beschwichtigen. „Ja, drück dich nur vor dem Gespräch. Sperr mich wieder ein. Das kannst du – von all deinen Talenten – am allerbesten." Gekränkt drehte sich Bulma weg. Sie unterhielt sich, sobald es darum ging, mit Vegeta ernsthaft zu reden, mit einer Wand – einer undurchdringbaren Wand. Vegetas Gehör schaltete offensichtlich automatisch auf Durchzug... Ja, sie hätten eine wunderbare, eine glorreiche, wenngleich eine fabelhafte Zukunft miteinander – sofern es darum ging, sich anzuschweigen und nebeneinander, statt miteinander zu leben.
Im Anschluss konnte sie nur noch hören, wie die Tür ins Schloss krachte, wonach sich Bulmas Rücken streckte, ihr Kinn in die Höhe schoss und sie zu einem der vielen Tische stolzierte, ehe sie mit Tränen in den Augen auf einen der Stühle sank.
Er war ein Arsch. Ein riesiger Oberarsch. Genau.
XxX
Seit dreißig Minuten saß sie wie angewurzelt auf ihrem Stuhl, den starren Blick auf einen Punkt gerichtet. Gleichlaufend tobte außerhalb des Palastes das Chaos. Lediglich ihr linkes Bein schien noch genügend Kraft aufbringen zu können, um auf und ab zu wippen. Das war alles, was im Moment noch funktionierte, denn mit Informationen wurde sie nicht überhäuft, was sie sich hinsichtlich ihrer Angst doch sehr wünschte.
„Magst du einen Tee?"
Maschinell drehte Bulma ihren Kopf, wo ihre leeren, glasigen Augen auf Amayas rote Augen trafen. Doch auch das schien Bulma nicht zu erschrecken, denn sie neigte ihren Kopf wieder stumm und desinteressiert nach vorne. Selbst Amayas wiederholten Wortlaut ignorierte sie mehrere Minuten, bis sie sich entschloss, etwas zu sagen.
„Ich möchte keinen Tee. Ich möchte, dass Vegeta mich ernst nimmt und versteht." Unbemerkt wanderte ihre Hand auf die Tischplatte und erst das Kratzen, das ihre Nägel verursachten, als diese über die Platte strichen, befreite Bulma aus ihrer Schockstarre.
„Hm." Nachdenklich setzte sich die alte Schamanin neben Bulma und richtete ihren Blick ebenfalls nach vorne. „Vegeta besitzt einen sehr komplexen, eigensinnigen Charakter, Bulma, doch darüber hinaus darfst du nicht vergessen, inwiefern sich Vegeta verändert hat. Ist dir das nicht aufgefallen?" Beruhigend vollzogen ihre knochigen Finger Kreisbewegungen auf Bulmas Hand, die Amaya nach erstem Zögern doch berührte. Die junge Saiyajin ließ es wortlos geschehen. „Ich höre nicht auf zu fragen, Bulma", vervollständigte sie ihren Satz persistent, nachdem das Mädchen nichts erwiderte.
„Doch, sehr sogar, aber -"
„Aber? Glaubst du nicht, dass ein aber zu gewagt ist? Insbesondere, da Vegeta ein Saiyajin ist, in dessen Natur eine Veränderung, egal wie sie aussieht, gar nicht vorgesehen war und doch hat er sich zur letzten Instanz herabgelassen, als er dich, mitsamt seines Sohnes, reanimierte, obwohl", fuhr sie betont lauter fort, „das nicht in seine – wie er bis dato angenommen hatte – perfekte Zukunft passte."
„Das tat er nur, damit ich -"
„Stopp", unterbrach sie Bulma mit erhobener Hand. „Vegeta ist immer auf seinen Vorteil bedacht. Er tut das, was das Beste für ihn ist. Das ist unbestreitbar, aber sieh dich an", forderte Amaya sie auf. „Denkst du wirklich, er riskiert Paragus' Rückkehr, um dich zu besänftigen? Er hätte es deutlich einfacher haben können, indem er euren Sohn, sowie Paragus los gewesen wäre und ich versichere dir, es wäre ihm egal - hätte er sich nicht verändert -, was du davon gehalten hättest. Aber dein Befinden ist ihm nicht mehr egal und all das, was du ihm vorwerfen willst, ist auf deinen verletzten Stolz zurückzuführen, der - mit Verlaub - eine böse Eigenschaft aller Saiyajins ist."
Amaya drehte ihren Körper, Bulma ebenso, sodass sie sich gegenüber saßen. Die ältere Frau griff nach Bulmas Händen. Sie breitete die Handinnenflächen der jungen Saiyajin aus, ehe ihre Hände Bulmas umschlossen. „Ich möchte dir etwas zeigen, allerdings bitte ich dich, deine Augen zu schließen."
Zögernd kam Bulma der Aufforderung nach und lauschte den nächsten Worten. Sie spürte, wie Amayas Hände ihre umschlossen, wie die faltige Haut über ihre strich und Bulma nicht fähig war, einzuordnen, ob es unangenehm oder betörend war.
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche wird für die Augen immer unsichtbar bleiben", flüsterte eine hohe Stimme, die Bulma unbekannt war, sie ihre Augen jedoch geschlossen hielt und sie der Stimme zunickte. „Was es dir erschwert, Vegetas Veränderung zu sehen, die zwar klein, doch für ihn umso bedeutsamer ist."
„Amaya, das ist -", begann Bulma zerrüttet, als ihre Lider nach oben flogen und sie zeitgleich ihre Hände zurückziehen wollte, dies aber unterbrochen wurde, da Bulmas Augen auf etwas hafteten, das nicht echt sein konnte. Der Anblick lähmte ihre Bewegungen. Vor ihren Augen flimmerte eine hell erleuchtete Kugel, welche die Saiyajin zum Schweigen brachte.
„Was ist es? Kompliziert? Nun, vielleicht, aber nur, weil du es dir verkomplizierst." Die ältere der beiden Frauen beobachtete gespannt die Augen der Jüngeren, die beängstigend auf die Kugel geheftet waren. „Was siehst du?"
Ihre getrockneten Tränen wurden erhellt und die frischen funkelten wie Kristalle im Licht der Kugel. „Wieso zeigst du mir das?", wisperte die Blauhaarige heiser. „Wieso willst du mich leiden sehen?"
„Weil ich nicht in dein Herz sehen kann und die Kugel für mich leer ist. Du siehst das, wonach dein Herz verlangt", erklärte sie ruhig. „Und ich wüsste gerne, was dein Herz verlangt."
„Ich... ich sehe Vegeta", erzählte Bulma stotternd. Ihre Hand, die die Lähmung abschüttelte, raste nach oben um die Kugel berühren zu können. Im Gegensatz zu Vegeta, der die Kugel vor Wochen nicht berühren wollte, tippte Bulma sachte gegen die Hülle, die daraufhin schwappte, als wäre sie aus Wasser erzeugt worden. Ihre blauen Augen konnten sehen, was draußen passierte, weshalb die Bilder in der Kugel immer zwischen Vegeta, Kakarott, Radditz und auch Turles hin und her sprangen. Jedoch war Vegeta das eigentliche Hauptbild. Bulma wurde Zeugin, wie sie alle sich gegen den Feind stellten, wie sie miteinander kämpften um das zu schützen, was ihnen lieb und teuer war – das saiyajinische Volk. Es schien, als würden die Saiyajins eine Einheit bilden, sich gegenseitig stützen und dem jeweils anderen Rückendeckung gaben. „Vegeta, er... er..." Ihre Stimme brach, wonach sie sich verlegen auf ihre Unterlippe biss, nicht mächtig genug, weiterzusprechen.
„Ja?" Bevor Bulmas Hände vor ihr Gesicht fliegen konnten und der Kontakt zur Kugel brechen würde, umschlangen Amayas Hände ihre. „Vegeta kämpft, nicht wahr? Er stellt sich dem Feind – zweifelsohne für sein Volk, für Radditz, Kakarott und Turles, aber allem voran für dich und euren Sohn. Ich kenne Vegeta seit vielen, vielen Jahren. Jahre, die von Dunkelheit und Finsternis durchzogen sind, wie ein lästiger, roter Faden, der jedoch Vegetas Halt war und es fällt ihm gewiss nicht leicht, dich hier alleine zu lassen, Bulma. Denn du... Du hast den böswilligen, roten Faden in Vegetas Leben abgelöst. Du ersetzt diesen negativen Aspekt durch deine positive Art. Eine positive Art, die Vegeta Halt schenkt. Etwas, das - wovon ich bisher ausging - eigentlich nicht möglich war."
„Woher weißt du das?", flüsterte Bulma ehrfürchtig, beeindruckt über die Fähigkeiten, die Amaya ihr gerade offenbarte.
„Weil er sein Leben nicht mehr leichtsinnig aufs Spiel setzt, weil er in kurzer Zeit, dank einer jungen Saiyajin, gelernt hat, was es heißt, tatsächlich Verantwortung zu übernehmen. Weshalb wäre er sonst mit dir hier her gekommen? Wieso hat er dich nicht alleine diesen Weg hierher gehen lassen? Wieso gab er dir ein Versprechen, das er in früheren Zeiten nie gegeben hätte? Um dich zu besänftigen?" Ehe Bulma ihr antworten konnte, fügte Amaya hinzu: „Nein, denn das bräuchte er gar nicht, wenn es ihm egal wäre."
„Aber wieso kann er mir das nicht so deutlich zeigen?"
„Zeigst du ihm denn, was er dir bedeutet?", wollte die Schamanin stattdessen ungerührt wissen. „Nein, und doch versucht er, dich zu verstehen, dir entgegen zu kommen und akzeptiert sogar deinen Widerstand. Einen König der Saiyajins so sehr zu verändern, dass ihm nicht nur sein eigenes Leben etwas wert ist, ist eine beachtliche Leistung, obwohl du dich sehr oft gegen ihn gestellt hast." Dieser jungen Saiyajin musste man die Augen öffnen, ihr ihre Naivität vor Augen führen, sodass sie erwachsen werden konnte. Aber die Schamanin sah auch, wie verletzt die junge Saiyajin war, wie getroffen sie von Amayas Worten war, weswegen sie sanfter hinzufügte: „Das klingt vielleicht etwas hart, nicht wahr?"
„Sehr hart", entgegnete Bulma seufzend. Dennoch sah sie, was ihr Gegenüber ihr mitteilen wollte. Ihre Worte waren einschneidend, grob und verletzend, aber sie brachten Bulma zum Nachdenken. „Ich war oft gemein zu ihm, habe ihm Dinge auf eine Art und Weise mitgeteilt, die ich eventuell feinfühliger hätte sagen können. Aber ich war so oft verletzt von seinen Worten, seinen Handlungen und seiner Art", rechtfertigte sie sich reumütig.
„Ihr seid charakterlich sehr unterschiedlich", präzisierte Amaya kichernd, „und doch seid ihr euch vom Wesen her so ähnlich. Beide stolz und einer sturer als der andere."
Ihr wurde klar, dass in ihr etwas brennen musste, was sie in anderen – in ihrem Falle Vegeta – entzünden wollte. Dieses Mal konnte Bulma ihre Hand aus Amayas Griff befreien, doch bevor sie das Licht nochmalig berühren und Vegeta etwas näher sein konnte, explodierte die gegenüberliegende Wand. Die Fassade brach in sich zusammen. Die Decke konnte nicht mehr gestützt werden, die unweigerlich in sich zusammenstürzte und Bulma unter sich begrub. Doch statt in die angenommene Ohnmacht zu fallen, war Bulma bei Bewusstsein. Vergraben unter den Trümmern, drang der ohrenbetäubende Radau gedämpft zu ihr hindurch, was Bulmas Lebenswille antrieb. Sichtlich erschöpft, schaffte es Bulma, die Steine von ihrem Körper zu schieben, wonach sich vereinzelte Lichtstrahlen durch die Rillen der über ihr noch befindlichen Steine schlichen. Keuchend stieß sie einen Stein nach dem anderen von sich, bis sie sich aus den Trümmern befreien und aufrecht stehen, sowie das Ausmaß der gewaltigen Explosion sehen konnte.
Um sie herum sah sie leblose Körper, aber wo war Amaya? Sie rief mehrmals nach ihr und erhielt keine Antwort. Verflucht! Die eigenen Schmerzen, das Blut auf ihrer Haut und das Dröhnen in ihrem Kopf missachtete sie, weil sie mühevoll die herumliegenden Steine entfernen wollte. Manche Brocken waren jedoch so groß, dass sie sie keinen Zentimeter bewegen konnte.
Die eben spürbare Ohnmacht kam zurück. Bulmas Beine fühlten sich an, als wären ihre Knochen verschwunden, woraufhin sich ihre Haut der Schwerkraft beugen und in sich zusammenfallen wollte. Ihr fehlte schlicht und ergreifend die nötige Kraft, trotz des Wissens, inmitten eines Krieges zu sein. Stöhnend näherte sie sich dem gigantischen Loch in der Wand, wodurch sie hinab in den Hof sehen konnte – Knappe fünf Meter trennten Bulma vom Boden, weshalb sie sich einmal zusammen riss, sich konzentrierte und nach unten flog.
Vielleicht fand sie einen Saiyajin, der die anderen bergen konnte, während sie nach Vegeta suchte? Ja, das war ein guter Plan. Aber es musste schnell gehen, bevor die anderen Wände nachgaben.
Unvermeidbar wurde die junge Saiyajin nach ihrer Landung von Nebel umhüllt, doch das hier war kein gewöhnlicher Nebel, der entstand, wenn warme und feuchte Luft abkühlten. Sie wurde von schwarzen Rauchschwaden ummantelt, deren Quelle sie ausmachen konnte, als sie ihren Blick nach oben zum höchsten Turm des Palastes hob. Bestürzt erkannte sie die riesige Flamme, die hierfür verantwortlich war. Weiter rechts erkannte sie zwei kleine Punkte, die miteinander kämpften und Bulmas Hände empört vor ihrem Mund landeten.
„Was machst du hier? Verschwinde von hier!"
„Turles!", röchelte sie und wandte sich zu der Stimme, doch sie sprach nicht weiter, nachdem sie sah, wen Turles stützen musste, sodass der verletzte Körper nicht zusammenbrach. Vegetas Arm lag schlaff um Turles Schultern. Sein Körper sackte sekündlich weg, doch sein Wille war ungebrochen, da er seinen Kopf heben und sie wütend mustern konnte.
„Onna, du... du kannst nichts für deinen Ungehorsam, was? Ich sollte meine Aussage, bezüglich deiner Intelligenz, allen Ernstes revidieren, wenn ich mir so ansehe... wie du dich, trotz mehrmaliger Warnungen, meinen Befehlen widersetzt."
Wortlos schüttelte sie ihren Kopf, trat an die beiden Saiyajins heran, damit ihre Hand zügellos nach oben preschen konnte – zu Vegetas blutendem Gesicht. Weitere tiefe Schnittverletzungen, die die alten Wunden übermalten, zierten sein Gesicht. Sein Kampfanzug war soweit zerstört worden, dass sein Oberkörper frei lag und nur die goldenen Träger und ein Teil der weißen Panzerung dieses Massaker überlebten. „Lass ihn los, Turles. Bitte", stammelte sie, nachdem der Angesprochene ihrer Aussage nicht nachkam, sondern Vegeta weiterhin festhielt. Daraufhin löste Bulma autoritativ den Griff, wonach ihre Arme um Vegetas angeschlagenen Körper griffen, ihm dabei halfen, sich auf den Boden zu setzen, während Turles sich schützend vor die beiden am Boden befindlichen Saiyajins stellte und seine Umgebung wachsam beäugte.
„Siehst du nicht, dass du störst, Onna?", grummelte der König missgestimmt, nicht begeistert, aufgrund der Tatsache, dass er bereits so angeschlagen war, dass er sich eingestehen musste, sich zurückzuziehen, um Kraft und Energie zu tanken und gleichzeitig auf die Hilfe anderer angewiesen war. „Ich habe dir ausdrücklich untersagt, dich -"
„Ich weiß, aber die Küche... Sie... sie existiert vermutlich gar nicht mehr." Ebenso wie Vegeta, sah auch sie zu dem Loch, durch welches sie eben waghalsig geflogen war, ohne ihre Umgebung überhaupt zu überprüfen. „Ist das Kakarott da oben?", stellte sie die Frage, vor deren Antwort sie sich fürchtete.
„Ja." Am Boden sitzend, blickte auch Vegeta mit einem halb geöffneten Auge nach oben, wonach er missmutig seinen Mund verzog. Es war nicht Kakarotts Aufgabe, diesen Verräter zu eliminieren, sondern seine – Vegetas Aufgabe alleine. Schon in der ersten Version schaltete sich Kakarott ein, um gemeinsam mit ihm gegen Paragus zu kämpfen und nun? Nun musste er vom Boden zusehen, nicht mehr leistungsfähig genug, diesen Kampf für sich zu entscheiden.
„Hier, nimm das."
Überrascht huschten seine Augen zu Bulmas Hand zurück, in der sie ihm eine ihrer blauen Strähnen entgegenhielt. Das schimmern ihrer Haare zog Vegeta in seinen Bann, doch nach wenigen Sekunden fasste er sich, kam zur Besinnung und sah Bulma dahingehend nur geringschätzig an. „Was soll ich damit?", zischte er übel gelaunt, nicht gewillt, seine Schwäche zu zeigen, doch seine Gefährtin war schon lange im Bilde, aber störte sich der König daran? Nicht im Geringsten. „Ich habe selbst Haare, die – wie es sich für einen Saiyajin gehört – schwarz sind und jetzt geh zum Palast zurück. Ich", Vegeta hielt inne und sah zur Seite, „werde keine Chance mehr bekommen, wenn dir etwas passiert." Zischend stützte er sich mit beiden Händen am Boden ab, atmete schwerfällig die Luft ein und lehnte sich ein Stück weit nach hinten, um dem Kampf besser folgen zu können.
„Ich weiß, aber die habe ich auch nicht, wenn dir etwas passiert, Vegeta." Konziliant hob sich ihre Hand, die vorsichtig auf Vegetas verletzter Wange landete. „Und jetzt nimm bitte mein Haar."
„Was wird passieren?", wollte er skeptisch wissen, den Blick zu ihr zurückgewandt.
„Lass dich überraschen." Auffordernd hielt sie ihm abermals ihre Strähne vor seine schwarzen Augen, doch alles was er tat, war, sein Kinn in die Höhe zu heben und arrogant zur Seite zu sehen, ehe er wieder zu ihr sah.
„Ich stehe nicht auf Überraschungen, wie dir aufgefallen sein müsste." Er spielte auf ihre Schwangerschaft an. Als er davon erfuhr, wurde er auch eiskalt ins Wasser gestoßen und verließ fluchtartig das Bett, obwohl er gerne noch liegen geblieben wäre, als er sich nach Freezers Angriff auskurieren sollte. Dass Bulma ihn offensichtlich schon während des Kampfes mit Freezer im Thronsaal heilte, ohne dass sie davon etwas bemerkte, kam in seine Gedanken zurück. „Außerdem hast du mich schon einmal geheilt. Während der Schlacht, nachdem Freezer dich aus dem Fenster katapultierte", erwähnte er offen und sprach weiter. „Anschließend hast du mich, allem Anschein nach unbewusst, geheilt. Damals war deine Haut von einem bläulichen Schimmer umgeben, als Kakarott mit dir zurückkam."
„Wirklich?", fragte sie erstaunt nach und schreckte im nächsten Augenblick zurück, nachdem eine gewaltige Explosion zu hören war und der oberste Turm des Palastes in sich zusammenbrach. Anstandslos wurde sie von Vegeta in den Arm genommen. Fast fürsorglich hatte er seinen muskulösen Arm um ihren Rücken geschlungen, sie zu sich herangezogen und seine andere Hand um ihren Kopf gelegt, sodass ihre Stirn in seine Halsbeuge gedrückt wurde, wodurch sie vor Schaden bewahrt werden sollte. Er selbst rückte näher an Bulma heran, presste seine Nase in ihren Haaransatz, wonach er sofort wieder von ihrem Duft, der sich in seine Nase zwängte, umnachtet wurde. Würde man ihn jetzt tödlich treffen, wäre er nicht einmal erschüttert, da er sein Mädchen im Arm hielt – allerdings war das das Problem... Bulma war hier, weswegen er kein Risiko eingehen durfte und wiederholt den Himmel absuchte.
Aber wo war Turles? Hatte er sich in Sicherheit bringen können?
Durch den Westflügel seines Domizils rannten bereits mehrere Sklaven hinaus – auch einige der Yadratjins, die er gefangen nahm. Am Himmel lieferten sich Paragus und Kakarott einen erbitterten Kampf, den Vegeta mitverfolgte, bis zu einem Punkt, an dem auch sein bester Kämpfer für eine Sekunde unaufmerksam war, Kakarott abschließend im Gesicht getroffen und zu Boden geschleudert wurde. Paragus folgte dem gefallenen Soldaten zur Erde, doch statt sich diesem zu widmen, wanderte sein wahnsinniger Blick zu Vegeta und Bulma, die noch immer in Vegetas Umarmung gefangen gehalten wurde. Erst nach den ersten Schritten des Feindes, löste Vegeta die Berührung, um Bulma gleichzeitig zur Seite zu schieben – immer weiter nach hinten, bis sie hinter ihm verschwand, ihre Hände auf seine Schultern legte und zitternd über dessen Schulter blickte.
„Ve-Vegeta... er... er hat uns entdeckt. Lass... Lass uns gehen, schnell!"
„Aah", ächzte er, nachdem er seinen verletzten Arm heben wollte und den erst später einkehrenden Schmerz bemerkte. „Nein... zu spät", stöhne er stumpf. „Das schaffen wir nicht mehr. Du vielleicht schon, ich jedoch nicht, da meine Kraft nicht ausreicht."
Bulma handelte instinktiv, als sie ihre Strähne über Vegetas Schulter warf und entschlossen nach seiner Hand griff, die sie übergangslos um ihre Strähne legte. „Ich lasse dich hier nicht alleine zurück." Konzentriert, die Augen geschlossen, versuchte sie, etwas zu bewegen – egal was. Hauptsache, es tat sich etwas, denn sie war sich sicher, richtig zu agieren und Vegeta somit heilen zu können.
Leider – auch wenn Bulma alles richtig machte – erstreckte sich der Schimmer um Bulmas Körper nur schrittweise. Mist, die Heilung würde zu lange dauern, denn Paragus sah zwar erstaunt zu ihr und Vegeta, doch das hinderte ihn keinesfalls am Fortbestand seiner Schritte, welche ihn immer näher zu den beiden Saiyajins brachte. Vegetas Hand dagegen, die noch immer schmerzte, langte nach hinten - während die andere weiterhin rigoros Bulmas Strähne hielt - zurück zu ihrem Körper, um sie irgendwie zu schützen, ihr das Gefühl zu vermitteln, dass sie nicht alleine war. Zugleich feixte er, sah herablassend zu Paragus und wartete darauf, dass dieser Mistsack etwas tat.
Vermutlich würde er ihr nie mehr das sagen können, was ihm durch den Kopf schoss. Ja, die Wahrscheinlichkeit stieg tendenziell an und würde er, wie durch ein Wunder, überleben, hätte er ihr die folgenden Sätze wohl auch nie gesagt, denn es waren Gedanken, Worte, Erinnerungen und Gefühle, die er stets verachtete und plötzlich waren sie so bedeutsam für ihn geworden, dass er all seinen Mut zusammennahm, Paragus fokussierte und doch waren die Worte nur für sie – für seine Bulma – gedacht. „Bevor... bevor hier alles endet, solltest du wissen, dass..." Vegeta stoppte, da der bläuliche Schimmer begann, seinen Körper zu umhüllen. Voller Begeisterung sah er dem Wunder zu, das Bulma zustande brachte, auch wenn alles zu spät war, so war er manisch darauf fixiert, dem zu folgen, gleichzeitig Bulma aber die Wahrheit, betreffs seiner Gefühle, zu offenbaren. „Ich... Bulma... Du solltest wissen, dass ich mein Leben – hätte ich die Wahl – immer für dich geben würde, wenn ich deines und das meines Sohnes retten könnte; jederzeit!", keuchte er, robbte sich – und Bulma gleich mit – weiter über den harten Boden nach hinten, um einen weiteren Abstand aufzubauen, doch das nützte nichts mehr. Paragus war schon viel zu nahe.
Der auch kurzerhand zu sprechen anfing. „Ich liebe es, wie du im Staub vor mir liegst und versuchst, dich von mir zu entfernen. Deinen Anblick werde ich nie vergessen, Vegeta. Diese Angst... Sie ist genial", flüsterte Paragus verheißungsvoll. Ja, er ergötzte sich daran, weshalb er auch nicht sofort zu ihnen flog, sondern die quälend langsamen Schritte priorisierte, um den König einzuschüchtern, ihn das Fürchten zu lehren, um ihn schlussendlich auf grausame Weise aus dem Leben zu reißen. „Und deinen Erben werde ich dir gleich hinterher schicken."
„Bastard!", knurrte er dem Saiyajin entgegen, der sein Leben jede Sekunde beenden würde. Nach all den Strapazen, nach all den neuen Entdeckungen mit und für Bulma, sollte sein Leben enden? Das war sein Ende? Grundgütiger, gerade fühlte er sich, als könnte er Bulma all das gestehen, was er für sie empfand. Es gab so vieles, das er ihr sagen wollte, gleichzeitig dachte er aber auch, dass sie sich stundenlang anschweigen könnten und trotzdem die beste Unterhaltung geführt hätten, doch er könnte dies nie in Erfahrung bringen, da ihm schlichtweg die Zeit fehlte... Ja... Bulma würde ihn nie rechtzeitig heilen können, obwohl er bereits Besserung spürte, sowie neue Lebensenergie, welche seinen Körper flutete.
Trotz der Situation, war sie brillant. Sie schaffte es endlich, sich zu konzentrieren! Sie blieb hier, das war wahre Loyalität.
„Ha ha, ja, du bist ein Dreckskerl. Eine Krähe hackt der anderen doch bekanntlich kein Auge aus, Paragus." Seinen Kopf konnte er dieses Mal leichter anheben, dank ihrer Heilung.
„Beleidige mich nur, das stört mich nicht, denn im Grunde sind wir gleich, Vegeta. Auch an deinen Händen klebt das Blut tausend Unschuldiger, ebenso die vielen Augen, die du bereits zahlreichen Krähen rausgehackt hast."
„Richtig, aber ich bin viel gewissenloser als du. Ich handle sofort und laber zwischenzeitlich keinen Stuss, dass meinen Opfern die Ohren bluten." Zirka sieben Meter war Paragus von ihm entfernt und mit jedem Schritt verdunkelte sich der Himmel mehr. Es war, als regnete es Blut. Der ältere Saiyajin kam langsam näher, zog das Messer in Form seiner stärksten Attacke, um tödlich zuzustechen. Vegeta, angeschlagen und noch immer verletzt, würde einen alleinigen Kampf gegen Paragus – der weniger angeschlagen und noch fitter war – antreten, der, im Kontrast zu Vegeta, wie eine Hundert Mann starke Armee vor ihm stand.
Aber was konnte man tun, wenn die Welt aufhörte, sich zu drehen, da man das, was man mochte, nicht mehr hatte? Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Niemand würde ihn verstehen, der nicht schon einmal in der Hölle gewesen wäre, denn das hier, diese Vorstellung, war Vegetas Hölle – nichts ausrichten zu können und zuzusehen, wie das, was man liebte, verloren ging. Ja, darauf würde es hinauslaufen. Aber Vegeta wusste, nichts war für immer und ewig. Diese Klinge – Paragus' Waffe – sie war tödlich, das sah man in den wahnsinnig gewordenen Augen, woraufhin sich die Augen des Königs verbissen zum Himmel richteten – stolz, tapfer und bereit, dem Tod ins Auge zu blicken. Er würde seine Seele verlieren und nichts weiter als den schwarzen Horizont erkennen können und bisher dachte er, es wäre nicht schlimm, wenn die Schatten sich um seinen Körper legten, doch da wusste er noch nicht, wie viele Qualen dies mit sich brachte.
Verdammt...
Das Bild einer Landschaft schlich sich vor seine Augen, doch es war keine schöne Landschaft, sondern der Abgrund. Sein einst wunderschönes Leben hing am Abgrund, an der Klippe, und sein eiskaltes Ich wollte den Abzug endlich drücken, um den Qualen zu entfliehen.
„Und darauf, auf dein fehlendes Gewissen, bist du wohl besonders stolz, hm?"
„Ja", spottete Vegeta blasiert. „So richtig stolz. Auf was kannst du denn stolz sein? Auf deine Arschkriecherei? Darauf wäre vielleicht Freezer stolz, ob man jedoch selbst darauf stolz sein kann, wage ich zu bezweifeln. Aber weißt du was? Du wirst Freezer gleich fragen können, ob er stolz war", versprach Vegeta entschlossen.
„Tze, tze, tze. Sag 'Lebewohl', Vegeta", höhnte Paragus verächtlich, dessen Hand nach oben schoss, in der sich seine Attacke bildete, die er sofort nach dessen Erschaffung abfeuerte.
„Nicht, wenn ich noch ein Wörtchen mitzureden habe, Arschloch!" Ein Flimmern erschien, nachdem die unsichtbare Stimme sprach. Danach erschien Turles, direkt vor Vegeta. Seine Pranke holte aus und er schlug im richtigen Moment zu, sodass die Attacke unabwendbar auf Paragus zurückgeschmettert wurde. „Hier, das geht zurück an den Absender, zur Hauptbasis der Blödheit", spie Turles persifliert.
„Daneben!", kicherte Paragus' Stimme durch den aufgewirbelten Staub.
„Und wenn schon. Es erhört viel eher den Spaßfaktor", spottete Kakarotts Ebenbild sardonisch grinsend, der sich den Schweiß von der Stirn wischte. „Stört mich jedenfalls nicht, falls du das denkst, Penner. Oder sollte ich dich elender Verräter nennen? Sag schon - bin echt anpassungsfähig, was das angeht, Idiot."
Bulmas Heilung war fast abgeschlossen und Vegeta fühlte sich stark genug, aufzustehen und sich endlich zu rächen. Das altbekannte Grinsen kehrte in sein Gesicht zurück, nachdem er wieder auf den Beinen stand, sich unverzüglich neben Turles gesellte und – ohne eine Vorwarnung – seine Handinnenfläche nach außen hielt. Tja, er musste einsehen, dass er den steinigen Weg nicht immer alleine gehen musste, sondern auf die Treue seiner Kämpfer bauen und die Hilfe derer annehmen konnte. Aber einen Teil seiner Ehre wollte er wiederherstellen. „Big Bang Attack!", hallte die eiskalte Stimme Vegetas durch den Innenhof, bevor der gigantische, blaue Ball sein Ziel suchte.
Jaahhh, diese Energie hatte ihm die ganze Zeit gefehlt, um zum finalen Schlag auszuholen. Ja, ja, ja! „Verrecke! Ja, verrecke, Paragus! Stirb durch meine Hand, damit du in der Hölle schmoren kannst!" Ob er abermals eine Finale Explosion riskieren konnte, vermochte er nicht zu sagen – daher sah er von dieser gewaltigen Attacke ab, um seinen Planeten nicht instabiler zu machen, als er womöglich schon war, aufgrund der Kämpfe.
Bulma dagegen sank mit dem Rücken zu Boden. Fast ihre gesamte Energie steckte in Vegetas Körper, aber sie wusste, dass es keine verschwendete Energie war. Nein, denn sie hatte Vegeta sehr genau zugehört... Er würde sie schützen, mit all seinen Mitteln. Jedoch hoffte sie, dass er sich selbst auch schützte, da sie ihm gerne dasselbe sagen würde... Nachdem ihre Kraft zurück kam. Dann... Dann würde sie es ihm sagen.
Paragus fiel vergleichsweise wie Bulma zu Boden, doch im Gegensatz zu ihr, rührte er sich nicht mehr. Bevor sich Vegeta allerdings ausruhte, drehte er sich triumphierend zu Bulma, die mitgenommen auf der Erde lag. Sein Grinsen verwandelte sich daraufhin in einen argwöhnischen Gesichtsausdruck. „Onna, es ist vorbei." Sofort sah er zurück – zurück zu Kakarott, dessen Anblick ihm gerade lieber war, denn Vegeta hatte überlebt... und das schlimme war, dass Bulma wusste, was er ihr in Todesangst sagte, doch das Gesagte musste ihm nicht peinlich sein, oder?
Nein!
„Du hast es geschafft, Vegeta." Bulma hob ihren Kopf und wartete, bis Vegeta sie ansah. Als er das tat, lächelte sie ihm zu, hob ihre Hand und streckte ihren Daumen nach oben, woraufhin Vegeta die Geste imitierte und es ihr gleich tat, ehe er zu ihr schritt, um ihr auf die Beine zu helfen. Ebenso Turles, der zu Kakarott eilte und ihm half.
