Ihre Schritte hallten in dem dunklen Gang wieder, und Sheppard ertappte sich das eine oder andere Mal dabei, wie er einen raschen Blick über die Schulter zurück warf. Immer noch hörte er nichts, nicht, das dem sie diesen Gang halb abgelaufen waren, nicht nach dem davor. Endlose Gänge, endend entweder in einer scharfen Kurve oder einer Tür. Die führte in den nächsten Gang, in die Tür direkt dahinter in den Keller eines Konstruktes. Das hatten sie festgestellt und nun wurde jede Tür, an der sie vorbeikamen, zu einer tickenden Zeitbombe.
Die Luft war abgestanden und muffig. Er fragte sich, wer sie zuletzt geatmet hatte, oder vielleicht auch was. Was hatte diese abgestandene Luft zuletzt bewegt, wer war zuletzt diesen dunklen Weg entlanggegangen?
Er konnte McKay atmen hören. Es war merkwürdigerweise keine Erleichterung, ein lebendiges Geräusch in dieser Totenstille zu hören – vielleicht, weil ihm seit geraumer Zeit sehr bewusst war, dass ein gehörtes Geräusch auch leicht wieder ungehört werden konnte, verschwinden.
Sie hatten eine Treppe gefunden, irgendwann. Weiter nach unten. Danach tauchten keine Türen in Konstruktkeller mehr auf.
Sie konnten hier nicht ewig weiterwandern, das wusste Sheppard auf einer rein geistigen Ebene, doch nichts in der Welt hätte ihn jetzt dazu bewegen können, sich an die Oberfläche zu begeben, zurück.
Hinter ihm und vor ihnen war nichts als Dunkelheit. Obwohl Sheppard das wusste, spürte er den dumpfen Schreck in sich aufsteigen, als er sich umwandte, und er wandte rasch den Blick von der Schwärze hinter sich ab, und sah wieder auf den hellen Lichtkegel der Taschenlampe. Stetig wanderte er über die Metallstreben, die zu beiden Seiten des Ganges zur Decke aufragten, und Sheppard wunderte sich, wie ruhig seine Hand sein konnte, auch wenn sein Herz irrsinniger weise schon wieder angefangen hatte, wie wild zu pochen.
McKay taumelte, und Sheppard hörte, wie sein Atem kurz stockte.
„Alles ok?" Seine Stimme klang laut und falsch in der Totenstille, und McKay schüttelte heftig den Kopf, als wolle er ihn zum Schweigen zwingen.
Sheppard beschränkte sich auf ein bestätigendes Nicken. Es ärgerte ihn in der gleichen Sekunde, dass er sich sein Handeln von seiner irrationalen Furcht hatte vorschreiben lassen.
Der Gang hatte leicht angefangen, abzufallen. Das hatte McKay ins Taumeln gebracht, und Sheppard musste selbst darauf achten, wie er seine Schritte setzte. Er konnte alte Rillen im Boden erkennen, die wohl irgendwann angebracht worden waren, um eben diesen Rutschen zu verhindern. Jetzt waren sie alt und abgerieben, und boten kaum Halt.
Er zuckte zusammen. Etwas hatte sich verändert.
Er konnte McKays Blick in der Dunkelheit zu sich huschen sehen, als er abrupt stehen blieb. Langsam hob er die Hand, und selbst das Atmen des Wissenschaftlers war kaum noch zu hören.
Einige lange Sekunden tat sich nichts, dann, erlösend, wiederholte sich das Geräusch, was Sheppard so irritiert hatte. Ein Tropfen, leise und unregelmäßig, und, wie ihre Schritte, in dem metallenen Konstrukt widerhallend.
Sheppard wandte den Kopf zu McKay. Der Wissenschaftler schien das Geräusch ebenfalls gehört zu haben, und schien noch unsicher, ob er es als Bedrohung oder als ungefährlich einstufen sollte. Sheppard konnte sehen, wie seine Lippen eine Frage formten.
„Keine Ahnung", kam er ihm zuvor, und McKay runzelte im stummen Vorwurf die Stirn. Sheppard zuckte nur mit den Schultern, unterdrückte einen Anflug von Verärgerung, und ging dann langsam weiter. McKay folgte nach einigen Sekunden.
Es wurde merklich kälter, und im kühlen Licht der Taschenlampe konnte Sheppard von Zeit zu Zeit die Wolken seines eignen Atems sehen. Das Gehen hielt noch einigermaßen warm, doch es war klar, hier konnten sie nicht allzu lange bleiben. Früher oder später mussten sie die unterirdischen Gänge erreichen, die McKay auf den Computern entdeckt hatte.
Der Gedanke an die Computer führte zu dem Gedanken an den Jungen, und Sheppard senkte den Kopf in einem Anflug von Schuldgefühl. Vielleicht war es völlig illusorisch gewesen, zu glauben, den Jungen mit zunehmen. Was sie ihm eingehandelt hatten, möglicherweise...
Vielleicht hatte er wirklich nicht mehr als selbstsüchtig gehandelt. Ohne die Hilfe des Jungen hatten sie keine Chance gehabt, McKay hätte nie das Signal absetzen können... Er war ihre einzige Chance gewesen, die sie gehabt hatten. (Hatte er jetzt eine?)
„Verdammt kalt hier", sagte McKay plötzlich, und Sheppard zuckte unangemessen heftig zusammen.
„Ja", stimmte er nach einer Weile zu. „Ja, das stimmt..."
Er ließ das kalte Licht der Lampe über die Wände gleiten. Schmuddelig, bedeckt von einer alten Patina aus Staub und Öl, und hin und wieder glänzte ein freiliegendes Kabel, dessen altersschwache Isolierung brüchig geworden war. Ihm beschlich ein unbehagliches Gefühl, als ihm klar wurde, dass die Rillen in den Wänden, die er für ein Zeichen dafür gehalten hatte, dass die Wände aus einzelnen Platten zusammengesetzt waren, in Wirklichkeit Türen waren. Sie hatten sich während der gesamten Zeit nicht bewegt, doch dass er sie nicht bemerkt hatte...
Unwillkürlich verlangsamte sich sein Schritt. Er hatte nicht wirklich erwartet, Türöffner wie in Atlantis neben den Schiebetüren zu sehen, doch der schmuddelige, halbeingedrückte Knopf war trotzdem eine Enttäuschung. Ob er noch funktionierte?
Vielleicht würde es sich lohnen, das herauszufinden. Der Gedanke kam spät, doch plötzlich. Sie waren nicht abgebogen, sie waren die ganze Zeit gerade weitergegangen, höchstens den gegebenen Kurven gefolgt – wenn nun jemand hinter ihnen herkam, wie leicht würden sie dann zu finden sein?
„Was ist?" Er war stehen geblieben, ohne es bemerkt zu haben. McKay sah ihn fragend an, halb beunruhigt. Wachsam.
„Wir..." Er suchte nach einer geeigneten Formulierung, ohne zu beunruhigend zu klingen. „Wir sollten nicht die ganze Zeit diesen Gang lang gehen. Wir sind... wir sind zu leicht zu finden, so..."
Keiner sehr beruhigende Formulierung, leider. Sheppard sah es an McKays Augen, die sich augenblicklich geweitet hatten.
„Wie - wie meinst du das?" Der Wissenschaftler sah zur Tür hin, zu der auch Sheppard immer wieder unwillkürlich geblickt hatte.
„Hältst du es für angebracht, sich jetzt auch noch zu verlaufen?"
„Niemand hat etwas von verlaufen gesagt, McKay"
„Das muss auch nicht gesagt werden. Ich weiß, wie das endet" McKay schnaubte voller Verachtung, wahrscheinlich für Sheppards Orientierungssinn, und der Colonel verdrehte die Augen und war insgeheim froh darüber, dass McKay wenigstens teilweise zu seinem altem Selbst zurückgefunden zu haben schien.
Mit einem weiteren Blick vergewisserte er sich wenigstens einem halben Einverständnis seitens McKays, und drückte dann auf den Knopf neben der Tür.
Dieser sank unerwartet leicht ein, und ebenso unerwartet war die beinahe augenblickliche Reaktion des Metalls, das mit einem Knirschen und einem Seufzer begann zur Seite zu gleiten, als Sheppard gerade die Hand zurückzog.
Dahinter, Schwärze. Mit der anderen Hand hatte Sheppard vorsichtig die Waffe gezogen, und jetzt nahm er die Taschenlampe wieder in die, die den Knopf gedrückt hatte. Er hatte sie sich ohne groß zu überlegen zwischen die Zähne geklemmt, und nun war sein Mund von einem unangenehmen metallischen Geschmack erfüllt.
Ein großer Raum. Der Lichtkegel erreichte die hintere Wand nur schwach, und – was war das? War da etwas gewesen?
Er sah zu McKay hin, unauffällig, doch der Mann hatte sich nicht gerührt, und wahrscheinlich hatte er sich das Geräusch nur eingebildet. Langsam trat Sheppard einen weiteren Schritt vor, über die Schwelle. Die Tür verharrte in dem offenen Zustand, ein Umstand, für den er augenblicklich sehr dankbar war.
Regale? Der Colonel sah nach oben, folgte dem wandernden Strahl der Lampe. Metall glänzte, etwas weniger staubig und verdreckt als draußen auf dem Gang.
Wie ein Archiv, dachte er – riesige, mehrere Meter hohe metallene Schränke zu beiden Seiten, und ein recht schmaler Gang vor ihnen.
Eine Bewegung hinter ihm führte dazu, dass sich seine Nackenhaare aufstellten, als er schon längst begriffen hatte, dass es McKay gewesen war, der hinter ihm in dem Raum getreten war. Auch sein Blick glitt über die stillen Metallwände, und er sah nicht so aus, als würde er diesen Raum für sicherer halten als den überschaubaren Gang hinter ihnen.
„Nur einmal umsehen", sagte Sheppard, und ärgerte sich darüber, sich flüstern zu hören. Es schien, als halle der Klang seiner Stimme in diesem Raum noch mehr als auf dem Gang draußen – als spräche dort, irgendwo hinter den metallenen Reihen noch etwas, flüsternd, wiederholend.
Er versuchte, den Gedanken zu verdrängen. So etwas nützte nun wirklich nichts, und selbst der eher schreckhaft veranlagte McKay schien nichts gehört zu haben.
Langsam gingen sie vorwärts. Sheppard voraus, und McKay einige Schritte hinterher. Merkwürdig, dass die Totenstille hier mehr an den Nerven zerrte als auf dem Gang.
Etwas ließ ihn stehen bleiben. Der Colonel verharrte abrupt, und konnte aus den Augenwinkeln wahrnehmen, wie auch McKay stehen geblieben war. Er konnte das Weiße seiner Augen sehr deutlich in der Dunkelheit sehen.
„Was?"
Sheppard antwortete nicht sofort. Er schwenkte den Lichtkegel der Taschenlampe abermals herum, wartend (lauernd) und lauschte gleichzeitig. Nichts war zu hören außer dem Klopfen seines Herzens, so laut, dass es alle anderen Geräusche zu übertönen schien.
Hatte er sich geirrt? War hier doch nichts?
Und dann fuhr der Lichtkegel nach rechts, und er bemerkte es wieder, diesmal bewusster, da er darauf geachtet hatte: Etwas blinkte in der Dunkelheit, links, dort wo es der Strahl der Lampe nicht überdecken konnte.
Er ließ die erhobenen Waffe ein wenig sinken, doch nur ein Stück, nicht viel. Nur ein Licht?
Einige Schritte, und dann blieb er stehen, wieder einmal. Hier teilte sich der schmale Gang auf einmal, ohne dass er darauf gefasst gewesen war: Er führte nun nicht mehr nur genau geradeaus, sondern zweigte nun auch im perfekten rechtem Winkel nach links und nach rechts ab, als ein anderen Gang ihn zu kreuzen schien. Ein rascher Blick zu beiden Seiten bestätigte Sheppards früh gemachte Vermutung: Die metallenen Schränke zu beiden Seiten liefen in vielen, vielen Reihen, und sie waren nur einen der vielen so entstandenen Gänge entlanggelaufen.
Wieder das Licht – eine winzige Lampe an einem der Schränke. Auch hier, tiefer im Konstrukt, schien auch noch jede Menge zu funktionieren. Der Colonel trat näher. Es schien eine Art Schaltfläche zu sein, nicht unähnlich der, die sie entdeckt hatten, als sie in das Bauwerk eingedrungen waren.
„McKay?"
„Ja... warte einen Moment" Er trat näher, nun wieder eifrig scheinend. Sheppard leuchtete ihm, während er selbst es vermied, allzu direkt in den hellen Strahl des Lichtes zu sehen und stattdessen seine Ohren anstrengte.
Das Gefühl etwas nicht zu bemerken war beinahe übermächtig geworden. Da war etwas, irgendwas, was er beständig zu bemerken schien, doch nie wirklich zu bestimmen fähig war. Verdammt!
Die Schaltfläche knisterte, und erwachte dann plötzlich zu leben unter McKays Händen. Sheppard, der nicht besonders auf das geachtet hatte, was der Mann tat, konnte einige freie Drähte sehen.
McKay summte zufrieden. Mit dem Gesichtsausdruck eines Künstlers, der den letzten Pinselstrich an einem großen Werk tut, drückte er einem der Hebel runter.
Etwas knackte. Sehr laut. Ein hohles, wiederholtes Pochen folgte, und während sich Sheppard und McKay noch unwillkürlich duckten –
Es war wie ein Schlag. Licht, Licht, Licht, tausend Lampen schienen auf einmal den Raum zu erhellen, strahlend. Sheppard fluchte, und versuchte schon halb blind nach der Konsole zu tasten, um es abzuschalten, auch wenn er nicht die geringste Ahnung hatte, wie, als ein erneutes Knacken und Knistern folgte, und gut zwei drittel der Lichter wieder erloschen. Die restlich spendeten ein trübes, flackerndes Dämmerlicht, und mit tränenden Augen blickte Sheppard zu McKay.
„Verdammt"
„Tschuldigung" Es klang nicht wirklich danach, doch Sheppard glaubte besseres zu tun zu haben als McKay dessen zu tadeln. Falls sich jemand (etwas) hier verborgen gehalten hatte, dann war es sich jetzt ihrer Anwesenheit bewusst. Und vermutlich auch halbblind und von Kopfschmerzen geplagt, um den positiven Aspekt etwas mehr herauszustreichen.
Er machte einen etwas halbherzigen Schritt – was genau hatte er eigentlich vor? – als ihm mit einem Mal bewusst wurde, dass das, was die ganze Zeit lang an seinen Nerven gezerrt hatte, nun plötzlich ganz offensichtlich – oder besser gesagt, gut hörbar – war: Eine Art Stampfen, ein tiefes, weit entferntes Pochen, und darunter, ein Rauschen...
Er blickte zu McKay hin, der langsam nickte. Seine ahnungs- und ratlose Miene war verschwunden. Auch er hatte dasselbe gehört wie der Colonel, und Sheppard war seine eigene Erleichterung darüber beinahe unheimlich.
„Was meinst du...?", setzte McKay an, und Sheppard zuckte mit dem Schultern.
„Klingt ein bisschen wie Pumpen..."
„Aber – " McKay verstummte, und Sheppard konnte es praktisch in dem Kopf des Mannes arbeiten sehen. „Irgendetwas muss die Energie für das hier alles liefern..."
„Vielleicht finden wir hier ja ein paar ZPMs, stell dir nur vor, McKay", sagte Sheppard, scherzhaft, doch der andere schüttelte den Kopf, ohne auf die Bemerkung einzugehen.
„Nein... ich glaube... dieses Rauschen, es klingt wie ein Fluss, nicht wahr? Vielleicht nutzt dieses Ding hier die Energie des Wassers?"
Er schien nicht wirklich auf eine Antwort von Sheppard zu warten, doch der Soldat gab sie ihm trotzdem: „Ja, das würde Sinn machen – auch wenn mir die ZPMs natürlich besser gefallen hätten..."
„Hm – ich konnte von dem Computer dort oben auf vieles nicht zugreifen, und gerade die Pläne der unterirdischen Gänge waren leider recht vage – aber das würde Sinn machen – deshalb sind sie auch alle miteinander verbunden... ein unterirdischer Fluss! Das könnte ein ganzes Höhlensystem sein, unter dem Feld und vielleicht noch weiter – und sie hätten es nicht einmal graben müssen...!"
Sheppard nickte stumm. Es machte Sinn, in der Tat, auch wenn er noch nicht wusste, was er damit anfangen konnte. Würde der Fluss sie schließlich in eine Sackgasse führen, oder würde er ihnen eine Möglichkeit geben, zu entkommen? Und die Anzahl der Gänge – nun schien die Möglichkeit, sich zu verlaufen, auf einmal wieder ganz unerfreulich real und wahrscheinlich.
„Ich muss hier noch mal in ihre Systeme rein kommen", murmelte McKay, der offenbar in der Entdeckungsfreude wieder einiges an seiner Lebhaftigkeit und an seinem Optimismus zurückgewonnen hatte. „Wenn wir einige ordentliche Karten davon hätten – das wäre die Gelegenheit, zu entkommen!"
Sheppard nickte. Er sah es genauso wie McKay, wollte aber etwas vorsichtiger sein, bevor er sich unrealistische Hoffnungen machte.
„Hältst du es für sinnvoll, sich hier nach einer Stelle umzugucken, um zu versuchen, die gesperrten Bereiche zu öffnen?", fragte er, in betont nüchternem Tonfall, und McKay sah auf, für kurze Zeit ebenfalls recht auf dem Boden der Tatsachen.
„Nein. Ich denke, dies hat allein der Datenspeicherung gedient, und wird höchstens mit einem Bildschirm in einem angrenzenden Raum verbunden sein. Ihre Methoden zur Speicherung von Daten scheinen noch etwas... rückständig zu sein"
„Dann lass uns weitergehen", entschied Sheppard. Er bemerkte plötzlich, dass er leichte Kopfschmerzen hatte, vielleicht schon länger gehabt hatte. Das trübe, manchmal flackernde Licht tat sein übriges, und das ferne Stampfen begann an seinen Nerven zu zerren. Die Luft war schlecht, schien seine Kehle zu trocken und seine Lungen zu verkleben, und er hustete unterdrückt, bevor er in einer plötzlichen Eingebung die Taschenlampe zur Decke richtete.
„Ahh!" McKay war nicht langsam gewesen, Sheppards Gedankengängen zu folgen. Das Licht der Taschenlampe huschte über mehrere dicke, schmutzige Kabelstränge, von den flackernden Lampen nur ungenügend hervorgehoben, die da an der Decke wie schwarze Wurzeln klebten, und einen Augenblick lang hatte Sheppard die Vorstellung, in einem tiefen, verlassenen Bau unter einem mächtigen Baum zu sein, klein und unbedeutend, in der schwarzen, ewigen Erde.
Langsam folgten sie dem Verlauf der Kabel, immer wieder die Taschenlampe erst auf den Weg vor ihnen richtend und dann wieder an die Decke, denn das Licht war schwach, und es blieben für Sheppards Geschmack viel zu viele Schatten über.
Er wusste, dass sie beide lauschten – doch es war nichts zu hören als das Geräusch ihrer Schritte, dass in dem Raum wiederhallte, sowie das leise, elektrische Summen der Lampen und das ferne Stampfen von irgendwo tief unten.
Auch die nächste Tür öffnete sich so widerstandslos und rasch wie die zweite, wenn auch mit einem Quietschen, das Sheppard das Gesicht verziehen ließ.
Er leuchtete mit der Taschenlampe in das Dunkel vor ihnen, und beiden entfuhr ein unwillkürlicher, erleichterter Seufzer, als sie erkannten, dass sie Glück gehabt hatten. Die selben altertümlich und robust anmutenden Bildschirme und Tastaturen standen dort in dem Raum, wie sie sie im Eingangsbereich des Konstruktes gesehen hatten.
„Meine Fresse", seufzte McKay, der vor Erleichterung blass geworden zu sein schien, und entlockte Sheppard ein Grinsen. Der Wissenschaftler schob sich wiedereinmal rasch an dem Colonel vorbei, und hatte in Windeseile einen der Computer dazu gebracht, zu seufzen, zu rauschen und schließlich, mit einer Kaskade von blinkenden Lichtern, zu seinem digitalen Leben zu erwachen.
McKay summte und seufzte ebenfalls , während er auf die knarzende Tastatur hämmerte, bis sich stockend ein Plan des Gebäudes auf dem Bildschirm aufbaute. Sheppard pfiff anerkennend, und schlug dem Mann auf die Schulter, was – nicht verwunderlich – ihm einen strafenden Blick eintrug.
Beide Männer beugten sich vor, und betrachteten die Grafik. Einige Minuten war es ganz still, bis schließlich beide auf unterschiedliche Punkte zeigten und anfingen zu reden.
„Siehst du, da sind wir-"
„Ich wette, da ist die Energiequelle..."
Beide stockten und sagen sich an, leicht amüsiert.
„Noch einmal", fing Sheppard an, langsamer diesmal. „Ich glaube, dass wir hier sind-" Er zeigte, und McKay nickte. „Und wahrscheinlich wird da der Strom für diese Anlage immer noch produziert" Er klopfte mit dem Zeigefinger auf die entsprechende Stelle, und McKay drückte einige Tasten. Eine Art Cursor erschien, huschte im Zickzacklauf über den Bildschirm, bis der die Stelle, die Sheppard berührt hatte, erreichte, hielt dann kurz inne und flackerte schließlich auf, und die Grafik verschwand und wurde durch ein anderes Bild ersetzt.
„Sieht wie Turbinen aus", sagte McKay, der den Kopf schief gelegt hatte. „Die eine Strecke, die wir eben gesehen hatten..." Wieder drückte er einige Tasten, und sie kehrten zu der vorherigen Ansicht zurück. „Ein Fluss, siehst du? Und er führt hier weg..."
Unwillkürlich hatte Sheppard den Atem angehalten. Jetzt ließ er ihn entweichen, und sein Seufzer klang unerwartet laut in dem Raum. „Weg sagst du?"
McKay nickte eifrig, hämmerte wieder auf der knirschenden Tastatur. Wackelnd und ruckelt zoomte der Computer etwas heran, und zeigte dann den Verlauf des Flusses. Er schien tatsächlich ein ganzes Stück weit weg zu-
„Verdammt!" Es war weniger ein Aufschrei des Entsetzens als einer der Überraschung gewesen.
„Meine..." McKay hatte den Zoom angehalten, und starrte jetzt auch auf den Bildschirm. „Das kommt nicht nur mir so bekannt vor, oder?"
„Nein" Ungläubig schüttelte Sheppard den Kopf. „Ganz und gar nicht..."
Das Lager. Da war es wieder, und er hatte es sofort erkannt. Wie auf der Karte, die sie gesehen hatten im Lager der Aufseher, vor unendlich langer Zeit, wie es schien. Die geraden Reihen der Hütten in einer rechteckigen Fläche – der Gestank, das Glühen der Lampen, der Stacheldraht im Nachtlicht, das was keine Karte zeigen konnte, es war auf einmal wieder ganz nah.
Sheppard hatte sich ein Stück zurückgelehnt, jetzt atmete er wieder tief durch. So endet es also, dachte er. Wie es begann. Das ist sehr passend...
„Das ist vielleicht nicht schlecht, weißt du" Er lächelte, auch wenn sich sein Gesicht merkwürdig steif anfühlte. „Wir kamen daher, wir gehen wieder dahin. Dort ist das Stargate..."
„Mitten in die Höhle des Löwen...", murmelte McKay. Es war mit zuwenig Gefühl gesagt, um wirklich Wirkung zu erzielen, doch Sheppard konnte den Abscheu des Mannes spüren.
„Der Jumper ist da", sagt Sheppard, und noch als er es sagte, konnte er eine heftige Welle der Sehnsucht in sich aufsteigen fühlen. Ein Jumper, Sicherheit, ein Tarnmodus, Türen, die aufglitten, wenn er sich ihnen näherte, Menschen in den Gängen, die er kannte...
„Ja" McKay klang immer noch unglücklich, doch sein Gesicht war eine Maske finsterer Entschlossenheit. „Das ist vielleicht auch nicht bescheuerter, als alles, was wir sonst hier tun. Gehen wir dort hinunter, zu den Turbinen. Folgen wir dem Fluss unterirdisch, wenn wir es können, bis er im Lager wieder an die Oberfläche tritt. Eine andere Chance haben wir sowieso nicht. Anders können wir nicht hier raus"
Sheppard sparte sich eine Antwort. Der Mann hatte völlig Recht, und so nickte er nur einmal, und richtete sich dann wieder auf.
„Versuch mal, einen Weg nach unten zu finden, McKay. Wir müssen ihn uns einprägen – einen Drucker werden wir hier wohl nicht finden..."
