Kapitel 29 – Draco und Harry

Draco stand ungeduldig auf dem Turm und trommelte mit den Fingern auf seinem Besen herum. Zugegeben, er war zu früh, aber was konnte den Auserwählten nur so lange aufhalten?

„Bist du bereit?", erklang eine Stimme dicht neben Dracos Ohr. Er fuhr zusammen und hörte einen unsichtbaren Harry auflachen.

„Fick dich, Potter", schnauzte Malfoy und holte tief Luft, um sein rasendes Herz zu beruhigen. Harry gluckste erneut. „Bastard. Du magst unsichtbar sein, aber ich bin es nicht. Wird irgendjemand von deinen Ordensmitgliedern mich sehen und versuchen, uns wieder hierher zurückzuschleppen?"

„Ich bezweifle es. Die meisten von ihnen sind heute Morgen zum Ministerium aufgebrochen, um zu entscheiden, wie mit den Carrows verfahren werden soll."

„Ich könnte ihnen einen Tipp geben", sagte Draco.

„Ich denke, sie suchen nach einer weniger dauerhaften Lösung."

„Narren. Amycus und Alecto wussten nicht viel, oder?"

„Nicht dass ich wüsste. Moody war in einer miesen Laune. Also hatten sie anscheinend nichts Brauchbares zu berichten."

„Wie hast du eigentlich deinen anhänglichen Freunden deine Abwesenheit erklärt?"

„Ich habe ihnen eine Notiz hinterlassen."

Draco brach in lautes Gelächter aus. „Dir gefällt es, gefährlich zu leben, was, Potter? Ich würde nicht gerne in der Nähe sein, wenn Granger das kleine Geschenk findet." Draco hatte Hermines Galleone in seinem Koffer gelassen. Er konnte es nicht gebrauchen, den ganzen Tag von ihr kontaktiert zu werden.

„Lass uns gehen, bevor sie es findet und kommt, um uns umzubringen", schlug Harry vor.

Dich umzubringen", kommentierte Draco. „Das war deine Idee."

Harry gab einen ungeduldigen Laut von sich, so dass Malfoy seinen Besen bestieg und sich vom Boden abstieß.

Sie apparierten in den Vorort von Carlisle, glücklicherweise in ein verlassenes Feld. Ein sehr schlammiges verlassenes Feld. Angewidert riss Draco seinen Fuß aus dem dicken Schlamm und stieg wieder auf seinen Besen.

„Malfoy! Wir könnten von Mugglen gesehen werden!"

„Das ist mir scheißegal! Ich werde nicht durch knöcheltiefen Schlamm waten, wenn ich einen verdammten Besen in der Hand halte!"

Er hörte Harry seufzen und nach kurzer Zeit erreichten sie eine schmutzige Straße, die sich zwischen riesigen Eichen hindurchschlängelte. Draco verbrachte eine geraume Zeit damit, den Schlamm von seinen Stiefeln zu kratzen, bevor Harry fluchte und einen Säuberungszauber auf sie anwandte. Draco schnalzte mit der Zunge.

„Was ist, wenn ein Muggle das gesehen hätte?"

„Siehst du irgendwelche Muggle?", rief Harry.

„Gnädigerweise nicht, sonst würden sie sich wundern, wo zur Hölle deine laute Stimme herkommt. Hast du vor, den ganzen Tag unsichtbar zu bleiben? Nicht dass ich mich beschwere, weil es mich davor verschont, deine hässliche Visage zu sehen."

Harry zog sich den Umhang vom Kopf.

„Hast du vor, den ganzen Tag unausstehlich zu sein?"

Draco nickte. „Ja, eigentlich schon. Macht es dir etwas aus?"

Harry zog an seinen schwarzen Haaren und Draco grinste. Er beschloss, darauf Acht zu geben, wie oft Potter diese bestimmte Bewegung vollführte, nun da Draco ihn sehen konnte.

„In welche Richtung gehen wir jetzt?"

„Zur Küste, Potter."

Sie hatten Glück, das Landhaus überhaupt zu finden. Wäre nicht der zerbrochene Schornstein gewesen, der aus den umgebenden Büschen ragte, hätten sie es vollkommen verfehlt. Dickicht und Bäume umsäumten das, was von dem Gebäude übrig war. Es stand auf einem windigen Hügel und überragte ein steiniges, bröckelndes Kliff.

Draco und Harry schlugen sich vorsichtig einen Weg durch das Gewächs, obwohl Draco störende Zweige mit grünen Lichtblitzen zu Puder sprengte, bis Harry sich abermals an den Haaren zog. Zweimal, dachte Draco.

„Willst du wohl mit der verflixten Zauberei aufhören?", zischte Harry. Draco warf ihm einen harten Blick zu.

„Reg dich ab. Hier ist kein Muggle weit und breit. Warum denkst du, hat Regulus diese Stelle ausgesucht?"

„Das war vor fast zwanzig Jahren!"

„Im Ernst. Wonach zur Hölle suchen wir? Denn wenn es nicht grün ist und die Gestalt von einem Busch hat, werden wir erhebliche Schwierigkeiten damit haben, es zu finden."

Das Innere des zerstörten Landhauses bestand aus einer Masse von Grün. Selbst das verwesende Holz war mit einer dicken Schicht Moos bedeckt. Harry blickte sich entmutigt um.

„Ich weiß nicht. Ich hatte gehofft, dass wir zumindest irgendetwas finden würden. Sieht so aus, als wäre der ganze Ausflug eine verfluchte Zeitverschwendung."

„Nicht ganz. Du durftest dich den ganzen Nachmittag in meiner Perfektion sonnen." Harry funkelte ihn finster an, die Hand im Haar. Dreimal. Draco gluckste. „Als wir im Riddle- Haus waren, hat Hermine einen magischen Enthüllungszauber ausgeführt. Kennst du ihn?"

Harry dachte einen Moment lang nach. „Ich glaube schon." Er probierte mehrere Zaubersprüche, bis er schließlich ein schwaches Glühen erzeugt hatte. Unglücklicherweise wies der gesamte Ort ein vages Überbleibsel von Magie auf.

„Also schön", sagte Draco und seufzte. „Zeig mir den Zauber. Wir müssen wohl hineingehen und nachsehen, was übrig ist. Es wird schneller gehen, wenn wir uns beide auf die Suche machen."

Der Zauber war relativ einfach und schnell gelernt, so dass Draco und Harry sich trennten, um die Ruinen zu durchsuchen. In den nächsten vierzig Minuten entdeckten sie zerbrochene Phiolen, einen verrosteten Kessel, verbrannte und zerfledderte Umschläge verschiedener Bücher, sortierte Container mit meist unidentifizierbaren Zaubertränkezutaten und ein goldenes Amulett, was Harry aufgeregt aufschreien ließ, bis er den Ruß abgewischt hatte und ein beinahe wertloses Amulett zum Vorschein kam.

Draco befand sich in der Nähe des bröckelnden Kamins und drückte an verschiedenen Ziegeln herum, um nach versteckten Fächern zu suchen, als er spürte, wie sich die Erde unter ihm regte. Alarmiert erstarrte er.

„Oh Schei –", brachte er hervor, bevor die Erde unter ihm zusammenbrach. Er war unten, bevor er auch nur seinen Zauberstab heben konnte. Sein Kopf krachte gegen etwas Hartes und ein sengender Schmerz schoss durch sein Bein, so intensiv, dass er geschrieen hätte, wäre nicht sein ganzer Atem aus ihm herausgepresst worden. Er schnappte nach Luft und versuchte, die übergreifende Dunkelheit abzuwehren.

„Malfoy!", brüllte Harry. Draco sog einen schmerzhaften Atemzug ein. Er konnte hören, wie Potter über ihm herumtrampelte. Großartig. Das war genau das, was ihm noch fehlte, dass der Idiot auf ihn fiel und ihm noch etwas anderes brach.

Er blinzelte in das Licht über ihm. Er war etwa acht Fuß tief gefallen, direkt auf einen unebenen Stapel Etwas. Der Drang, der Schwärze nachzugeben, verschwand langsam und er hob vorsichtig seinen Zauberstab.

„Malfoy!", bellte Harry erneut.

„Ich lebe, Potter! Sei vorsichtig da oben. Du musst jetzt nicht unbedingt auch noch den Rest der Erde einstürzen lassen!"

Die Anstrengung des Rufens sandte Schmerz durch Dracos Kopf und sein rechtes Bein. Er keuchte auf und hob widerwillig den Zauberstab. Er blickte an sich hinunter und stöhnte auf. Er schloss die Augen gegen eine weitere Welle von Schwindel, als er den dicken Holzsplitter erblickte, der aus seinem Oberschenkel ragte.

Potters Kopf blockierte das Licht von oben.

„Geht es dir gut? Soll ich dich hoch schweben lassen?"

„Zur Hölle nein! Mein Bein – ich denke, es ist... auf etwas aufgespießt."

„Warte! Ich komme runter."

„Ich hatte nicht vor wegzugehen", erwiderte Draco trocken, doch Harry war verschwunden.

Ein paar Minuten später erschien ein Seil in der Öffnung. Potter glitt über die Kante und kletterte herunter.

„Bist du nun ein Zauberer oder nicht?", fragte Draco.

„Mein Schwebezauber ist... nicht besonders präzise."

„Oh, aber du wolltest ihn an mir anwenden?"

„Natürlich."

Harry kniete sich neben Draco. Er betrachtete Dracos Oberschenkel und schluckte schwer. Besorgte grüne Augen trafen auf silberfarbene.

„Es ist ein Stück von einem zersplitterten Balken. Es ist immer noch dran. Wir müssen... dein Bein davon losmachen."

Dracos Kiefer verkrampfte sich, obwohl er es bereits erwartet hatte.

„In Ordnung." Er holte tief Luft. „Lass es uns hinter uns bringen."

„Warte", sagte Harry. Er stand auf und zog seinen Zauberstab hervor. „Ich muss vorher etwas tun."

Er richtete den Zauberstab auf Draco und ein blauer Lichtstrahl war das letzte, das Malfoy sah.

Harry kniete nieder und arbeitete schnell. Er wusste nicht, wie lange Malfoy bewusstlos bleiben würde. Der Splitter ragte etwa drei Zentimeter aus Dracos Oberschenkel. Harry schnitt aus Dracos Umhang mehrere Streifen heraus, um sie als Bandagen zu verwenden. Dann stählte er sich, packte Malfoys Bein und zog kräftig.

Der Schmerz musste qualvoll gewesen sein. Denn Malfoy bog seinen Rücken durch, keuchte und schlug die Augen auf, trotz des Schlafzaubers. Harry legte seine Hände über die Wunde, oben und unten, in dem Versuch, den Blutstrom zu stoppen. Er hielt den Druck für einen Moment und wickelte dann schnell die Umhängestreifen um Malfoys Bein.

„Gott, Malfoy. So viel Blut. Wir müssen dich ins St. Mungos bringen."

„Hast du da unten gesucht?", wollte Draco wissen.

„Wonach?"

„Irgendetwas! Wir sind schon hier und ich habe nicht vor noch einmal herzukommen. Also geh suchen."

Harry funkelte ihn an, führte aber gehorsam den Enthüllungszauber aus. Mehrere Stellen im Keller glühten auf.

„Dort." Draco richtete seinen Zauberstab auf einen glühenden Fleck auf dem Boden. Harry eilte hinüber und riss an den Brettern. Mit einem Lumos- Zauber wurde ein modernder Lederbeutel enthüllt. Harry öffnete ihn. Ein kleines silbernes Kästchen fiel ihm in die Hand.

Er blickte Draco an und ließ den Verschluss aufschnappen. Er hob die goldene Kette in die Höhe, die an einem offenen Medaillon befestigt war. Das Innere des Medaillons war schwarz. Das Medaillon drehte sich langsam und im Licht blitzte ein eingraviertes S auf. Slytherins Medaillon.

„Regulus hat es zerstört", hauchte Harry. Er verspürte einen Anflug von Trauer, als er sich das andere Medaillon in Erinnerung rief. Das gefälschte, das Regulus Black für sie hinterlassen hatte – dasjenige, das Dumbledore in den Tod geführt hatte.

„Nimm es mit", sagte Draco schwach. „Wir müssen sichergehen."

Harry legte das Medaillon in das Kästchen zurück und verstaute es mit seinem Tarnumhang zusammen in seinem Beutel. Er eilte zurück zu Malfoy. Es war durch die schwarze Bandage schwierig zu erkennen, doch Harry sah, dass sie von Blut durchnässt war.

„Zeit zu gehen", sagte er.

„Vergiss die Besen nicht." Harry riss sich an den Haaren. Selbst verletzt war Malfoy eine Nervensäge.

„Accio Besen!", schnauzte Harry. Sie flogen durch die Öffnung in Harrys Hand. „Können wir jetzt gehen?"

„Fast. Nimm deine Brille ab."

„Was?"

„Hast du vor, ins St. Mungos zu stürmen und allen zu verkünden, dass Harry Potter eingetroffen ist? Vielleicht solltest du einfach eine Anzeige im Tagespropheten aufgeben."

Harry nahm seine Brille ab und steckte in seine Brusttasche. Draco tippte ihm auf den Kopf und murmelte einen Zauberspruch. Einen Augenblick lang fühlte sich Harrys Kopf eiskalt an.

Malfoy berührte auch seinen eigenen Kopf mit seinem Zauberstab und Harry beobachtete erstaunt, wie Dracos Haar sich dunkel färbte.

„Das muss reichen. Lass uns gehen."

Harry kniete sich auf den Boden und ließ seinen rechten Arm um Dracos Schultern gleiten, da er keine freie Hand mehr zur Verfügung hatte. Seine rechte hielt seinen Zauberstab und seine linke umklammerte ihre Besen.

„Mach nur einen Kommentar und ich lasse deinen Arsch hier, Malfoy", warnte Harry. „Ich schwöre es."

„Du bist schrecklich sexy, wenn du grob wirst, Potter", hauchte Draco. Harry schloss die Augen, bat innerlich um Stärke und disapparierte.

Sie apparierten in die Lobby im St. Mungos. Harry ließ die Besen fallen und richtete Malfoy auf, der nach dem Apparieren kaum noch bei Bewusstsein zu sein schien. Eine Hexe eilte auf sie zu.

„Mein... Bruder war in einem... Flugunfall", platzte Harry hervor. Er wünschte sich, er hätte sich eine Geschichte ausgedacht.

Ein weiterer Krankenhausangestellter kam herbei und ließ Malfoy schnell zu einem Fahrstuhl schweben. „Melden Sie ihn bitte an. Sie werden Ihnen sagen, wohin Sie danach gehen müssen. Ihr Bruder sollte wieder in Ordnung kommen."

Harry sah, wie Malfoy verschwand. Dann hob er die Besen auf und ging zur Rezeption.

„Name des Patienten?", fragte die Hexe im Dienst ruhig.

„... Davis Masters", antwortete Harry.

„Art der Verletzung?"

Harry beschrieb den Flugunfall, wobei er etwas ausschweifte, um Eindruck zu schinden.

„Wie werden Sie uns bezahlen?"

Harry langte abwesend in seine Tasche und zog eine Handvoll Galleonen hervor. Er legte sie auf den Tresen und die Hexe blinzelte ihn überrascht an.

„Bar", sagte sie.

„Sagen Sie... wenn ein minderjähriger Zauberer ins St. Mungos mit einem Patienten appariert... in einem Notfall..."

Die Hexe lächelte. „Mach dir keine Sorgen, mein Lieber. Das Ministerium drückt bei minderjähriger Zauberei ein Auge zu, wenn St. Mungos eingebunden ist. Sie werden ganz sicher keinen Zwölfjährigen bestrafen, der seinen verletzten Großvater ins Krankenhaus appariert. Sie mögen Nachforschungen anstellen, aber in einem Notfall wäre es wirklich unangebracht. Nun, wenn du zu den Fahrstühlen gehst, können sie dich zu deinem Bruder bringen."

Harry nickte. Er bemerkte einen leuchtenden Blutfleck auf seinem Ärmel und einen weiteren auf seinem Unterarm. Seine Hände waren mit Blut, Schmutz und Ruß befleckt. Deshalb machte er einen Zwischenhalt auf der Toilette.

Als er sein Abbild im Spiegel erblickte, keuchte er schockiert auf. Kein Wunder, dass keiner ihn angestarrt und nach seiner Narbe gesucht hatte. Zum einen reichte sein Haar nun beinahe bis zu seinen Augen, um die Narbe zu verdecken, und zum anderen war es weißblond. Ohne seine Brille war er vollkommen unerkennbar. Er drehte seinen Kopf hin und her. Sein neuer Haarschopf stach gegen seine grünen Augen hervor. Er lachte sein attraktives Spiegelbild an. Kein Wunder, dass Malfoy so eingebildet war.

Harry schüttelte seine Verwirrtheit ab und wusch sich Hände und Gesicht, bevor er sich auf die Suche nach Malfoy machte.

Draco lag in das Kissen zurückgelehnt, so gut aussehend wie immer, aber extrem un- Malfoy- isch mit rabenschwarzem Haar. Wenn überhaupt möglich sah er sogar noch besser aus mit dem Kontrast seiner silbernen Augen unter dem dunklen Schopf. Er wirkte blasser als sonst.

„Besser, David?", fragte Harry.

Malfoy nickte. „Sie haben es wieder hingekriegt. Mein Bein war auch gebrochen. Stell dir vor. Und ich hatte eine Gehirnerschütterung."

„Das erklärt deinen Versuch, mich zu küssen."

Malfoy grinste tatsächlich bei der Erwiderung. Seine Augenlider schlossen sich über den grauen Augen. Sein Lächeln verblasste. „Ich bin verdammt müde."

„Du hast eine große Menge Blut verloren. Wir müssen dich zurückbringen, damit du dich ausruhen kannst."

Malfoy nickte, ohne die Augen zu öffnen. „Sie reparieren grad meine Anziehsachen. Sollten bald damit zurück sein."

Draco war bis zur Hüfte unbedeckt. Harry konnte eine dünne, weiße Linie erkennen, die Malfoys Brust in einer gezackten Narbe zierte. Er schluckte hart. Malfoy trug eine bleibende Hinterlassenschaft von Harrys Sectumsempra- Attacke. Nicht zum ersten Mal verspürte Harry einen Stich der Reue. Dracos Augen flogen auf und trafen Harrys.

In diesem Augenblick stürmte eine Schwester in den Raum mit einem Bündel Kleidung. „Bitte sehr, Mr. Masters. Geflickt, gereinigt und so gut wie neu, genau wie Ihr Bein." Sie hielt inne und blinzelte Harry an. „Und Sie müssen der andere Mr. Masters sein. Sobald Ihr Bruder angezogen ist, dürfen Sie ihn abmelden." Sie kicherte. „Brüder. Meine Güte, Sie sehen beide so gut aus. Einer so hell und der andere so dunkel."

Harry gluckste. „Sie haben ja keine Ahnung."

Malfoy rieb sich die Schläfe. „Können wir einfach hier raus, Bruder?"

Harry wartete in der Halle, bis Draco heraushinkte. Harry blickte ihn besorgt an, doch Malfoy schüttelte den Kopf.

„Es ist nur empfindlich. Ich kann laufen. Lass uns hier raus kommen, bevor jemand uns erkennt."

Sie schafften es ohne Zwischenfall nach unten und beinahe zur Eingangstür. Harry machte gerade Anstalten, einen Seufzer der Erleichterung auszustoßen, als die Tür aufschwang und sie beinahe von Rufus Scrimgeour und Percy Weasley umgerannt wurden. Für einen Moment trafen sich Harrys und Scrimsgeours Blicke. Die dicken Brauen des Ministers hoben sich überrascht und Harry stammelte eine schnelle Entschuldigung, bevor er zur Tür eilte. Er hörte Percy sagen: „Kommen mir verflixt bekannt vor, alle beide. Mir fällt nur nicht mehr ein, wo..."

Harry schob die Tür auf und lief hinaus. Malfoy hielt im Schritt inne.

„Ich werde uns zurück nach Hogwarts apparieren. Wir wollen dich nicht in Schwierigkeiten bringen."

Harry verschwendete keine Zeit darauf zu widersprechen. Malfoy streckte den Arm aus und packte Harry an der Schulter, gerade als die Tür aussprang und Scrimgeour brüllte: „Wartet!" Der Minister richtete seinen Zauberstab einen Augenblick zu spät auf sie.

Draco brachte sie weg.