Hallo ihr Lieben.
Als kleines vorweihnnachtliches Geschenk habe ich hier ein neues Kapitel für euch.
Das Vorletzte.
Ich hoffe es gefällt euch.
Wie immer mein Dank an die leiben Reviewer, vorallem an die, denen ich nicht persönlich antworten konnte.
An euch alle: vielen dank für eure Treue.
Ich wünsche allen Lesern ein fohes, besinnliches und vorallem erholsames Fest.


Kapitel 29

Der Lärm der Schlacht war verklungen, zurück blieben einzig leise Rufe des Jubels.
Sie hatten gesiegt, hatten Voldemort vernichtete, ein für alle Mal.
Zumindest hoffte Hermine das.
Der Sieg war teuer erkauft worden, es lagen mehr Tote auf dem Schlachtfeld, als Überlebende gab, die sich erleichtert am Schloss in den Armen lagen.
Doch daran wollte Hermine zunächst nicht denken, sie wollte den Gestalten, die leblos am Boden lagen, keine Gesichter zuordnen. Zu groß war ihre Angst den Schmerz nicht ertragen zu können.
Harry hatte überlebt.
Doch was war wohl aus den Weasley's geworden?
Die Weasley's die sie aus ihrem Zimmer befreit hatten, nur wenige Minuten nachdem Snape sie dort eingesperrt hatte...
Die hatten ihre Rufe gehört und ein einziger Zauber von Arthur hatte genügt, um die Tür zu öffnen. Die Fragen der Familie waren in der allgemeinen Aufregung untergegangen.

Die Nacht war schwarz.
Der sichelförmige Mond, der als winzige Lichtquelle hätte dienen können, war wolkenverhangen. Regen fiel lautlos zu Boden.
Hermine entfernte sich immer weiter vom Schloss.
Sie war auf der Suche nach ihm.
Warum hatte er sie eingesperrt in ihrem Zimmer zurück gelassen?
Ihr erster Gedanke war gewesen, dass er nun doch sein wahres Gesicht zeigen würde, dass er sich den Todessern zuwenden und ihnen das Eindringen in das Innere des Schlosses enorm erleichtern würde.
Doch so war es nicht gewesen.
Als sie gemeinsam mit den Weasley's die große Halle betreten hatte, war er ihr sofort aufgefallen.
Er stand dicht bei Minerva und redete unentwegt auf sie ein.
Die Leiterin des Ordens hatte nur gelegentlich genickt.
Als sie in sein Blickfeld getreten war, hatte er sich ohne ein Wort abgewandt.
Harry hatte den Saal betreten und verkündet, dass es nur noch einen Horcrux zu vernichten galt und das Voldemort diesen letzten im Kampf mit sich führen würde.
Nur wenige Sekunden später, hatte die Schlacht begonnen.
Snape hatte sie seit dem nicht mehr gesehen.

Sie hatte, nachdem der Sieg errungen war, vor dem Schloss auf so viele Menschen gewartet, auf Menschen die ihr in einem Großteil ihres bisherigen Lebens Freunde gewesen waren.
Kaum einer war gekommen.
Harry hatte überlebt.
Doch das was er in den letzten Monaten hatte erleben müssen, was er in dieser Nacht getan hatte, schien ihn schwer zu belasten.
Er war nicht mehr der Junge, der einfach nur erleichtert war, dem Tod entkommen zu sein. Schmerz zeichnete sein Gesicht.
Er war in ihre Arme gesunken und hatte stumme Tränen geweint, bis Poppy zu ihnen gekommen war.
Das war der Moment gewesen, in dem sich Hermine davon gestohlen hatte.
Anfangs wollte sie sich noch einreden, ihre Freunde zu suchen.
Doch sie erkannte sehr schnell ihre eigene Lüge.
Sie würde noch früh genug von dem Tod so vieler erfahren.
Sie suchte Snape, nur Snape.
Es gab so viele Fragen die er ihr noch beantworten musste. So viel lag unausgesprochen zwischen ihnen.
Er war zu ihr gekommen, mitten ihn der Nacht. Er hatte mit einer Stimme zu ihr gesprochen, die sie ihm nicht hätte zuordnen können, wären ihre Augen verbunden gewesen.
Er hatte sie um Verzeihung gebeten. Für alles...
Sie musste ihm doch noch sagen, dass sie ihm glaubte, dass sie seine Entschuldigung annahm.
Sie musste doch wissen, warum es ihm so wichtig war, dass sie nicht schlecht von ihm dachte.
Sie musste ihn finden, um zu wissen, dass er noch am Leben war.

Was, wenn es nicht so war?
Was würde geschehen, wenn sie hinter dem nächsten Strauch seinen toten Körper finden würde?

Eine Welle des Schmerzes überrollte sie, ihre Schritte stoppten unvermittelt, Tränen sammelten sich in ihren Augen und liefen über ihr Gesicht noch ehe sie sich bewusst war, dass sie überhaupt stehen geblieben war.
Er durfte nicht tot sein.
Sie begann über das Gelände zu rennen.
Entgegen jeglicher Vernunft sprach sie ein Lumos um ihren Weg zu beleuchten. Entgegen jeder Vernunft rief sie seinen Namen.
„Professor Snape... Professor Snape, bitte antworten Sie..."
Immer wieder drangen ihre Rufe über das weite Gelände.
Für jeden lebenden Todesser, der sich noch auf den Länderein befand, wäre sie eine einfaches Ziel für einen letzten Racheakt gewesen.
Doch sie musste ihn finden, egal um welchen Preis.
Ein beinahe geflüstertes „Hermine" lies sie aufschrecken.
Seine Stimme war gebrochen, schwach.
Es dauerte nur wenige Sekunden, bis sie ihn an einen Baumstamm gelehnt fand. Er lag kaum drei Meter von ihr entfernt.

Als der Lichtstrahl ihres Zauberstabs auf ihn fiel, zog sie erschrocken Luft in ihre Lungen.
Er sah schrecklich aus.
Sein Gesicht war weiß, beinahe durchscheinend, die Augen waren tief in die Höhlen gesunken. Dünne Rinnsale Blut liefen ihm aus Mund und Nase.
Sie konnte den Anblick kaum ertragen, wandte sich ab.
„Ich werde Hilfe holen..."
Sagte sie abgehackt.
Sie wollte davon laufen, so schnell sie nur konnte, vor diesem Anblick fliehen, den sie wohl niemals vergessen würde.
Sie wollte Poppy holen und hoffen, dass sie entgegen Hermine's Ängsten noch etwas für ihn tun konnte.
„Nein... Bitte."
Zwei Worte die ihm unendlich viel Kraft zu kosten schienen.
Ihr Atem wurde flach.

Es dauerte Sekunden, bis sie sich wieder zu ihm wenden konnte.
Doch noch bevor sie es tat, flüsterte sie eine Formel. Ein silbrig durchscheinender Otter brach aus ihrem Zauberstab hervor und schien flink in Richtung des Schlosses zu schweben.
Sie sprach kein erneutes 'Lumos' als sie zu ihm ging.
Die Dunkelheit umhüllte das Grauen.
„Biete... ich einen solch schrecklichen Anblick... Schrecklicher als ohnehin schon?"
Mit jedem Wort schien ein Röcheln aus seinem Mund zu dringen.
„Sie sind schwer verletzt.
Sparen Sie sich Ihre Kräfte. Poppy wird bald hier sein..."
„Sie wird zu spät kommen."
Die Worte waren so voller Überzeugung, dass sie Hermine erneut Tränen in die Augen trieben.
„Sagen Sie das nicht."
Ihr Stimme war belegt und zitterte.
Auch wenn er sie nicht sehen konnte, gehört hatte er ihre Tränen nun in jedem Fall. Sie war beinahe darauf gefasst, dass er sie ob ihrer weinerlichen und schwachen Art verspotten würde.

„Sie weinen?"
Nicht die winzigste Spur von Spott oder Hohn war in diesen Worten zu finden.
„Ja."
Hauchte sie in die Nacht hinein. Sie ließ sich neben ihm auf die Knie sinken.
„Warum?"
Es war mehr ein Stöhnen, als ein Wort.
„Ich habe mich in Ihnen geirrt..."
Er antwortete darauf nicht.
Eine Weile herrschte Schweigen zwischen Ihnen, einzig der schwere Atem von Snape war zu vernehmen.

Gerade als sich ihre innere Anspannung ein wenig zu löse schien, als sie glaubte, die Krankenschwester könnte sie tatsächlich rechtzeitig erreichen, begann Snape stark zu krampfen. Seine Glieder zuckten unkontrollierten, jeder Atemzug von ihm schien ein Kampf um das Überleben zu sein.
Sie streckte ihre Hand nach ihm aus, einen Augenblick zögerte sie, doch dann berührte sie ihn sacht an der Schulter.
„Beruhigen Sie sich. Bitte. Poppy wir gleich hier sein, nur noch einen Augenblick. Bitte!"
Sie flehte ihn an, als ob er den Tod besiegen könnte.
Doch natürlich stand es nicht in seiner Macht. Er ließ sich zu Boden gleiten, begann zu zu wimmern.
Hermine sprang auf.
Sie konnte es nicht ertragen, sie würde ihm nicht beim Sterben zusehen. Es musste doch endlich Hilfe kommen...
Sie würde Poppy holen.

Er flüsterte nur noch.
„Lassen Sie mich nicht allein..."
Ein Schluchzen entfloh ihrer Kehle.
Sie wollte fort, einfach weit fort von seinem Leid.
„Bitte."
Das Flehen in seiner Stimme war nicht zu überhören.
Erneut ging sie auf die Knie, erneut streckte sie ihre Hand nach ihm aus.
Beinahe hätte sie aufgeschrien, als er sie mit unvermittelter Kraft ergriff.
„Bitte... lass mich nicht allein..."
Der mögliche Rest des Satzes ging in einem gurgelnden Geräusch unter.
Wo sie noch eben vor dem Grauen fliehen wollte, konnte sie nun nicht anders als ihn näher zu betrachten. Sie musste wissen, wie es um ihn stand, ob es noch hoffnung für ihn gab.
Sie zückte ihren Zauberstab und sprach die benötigte Formel.
Er sah entsetzlich aus. Tot.

Doch noch weilte Leben in ihm. Er musterte sie aus glasigen Augen.
Sein Brustkorb hob und senkte sich unter großen Anstrengungen. Fast so als müsse er seinen Körper zwingen seinen Dienst zu tun.
Sein schwarzer Umhang glänzte feucht.
„Es ist nicht... lange her. Wie damals bin ich verletzt. Wieder willst du fliehen."
Jedes seiner Worte schien ein Kampf.
Sie schüttelte den Kopf.
„Ich möchte Hilfe holen..."
Er verzog sein Gesicht zu einer scheußlichen Grimasse, es sah einem Lächeln auf groteske Weise ähnlich.
„Es ist... zu spät."
Sie schüttelte entsetzt den Kopf.
„Nein."
Schrie sie als Antwort darauf in die Nacht.
Er führte ihre Hand an sein Gesicht, betete sie an seine Wange.
„Ein süßer Tod..."
Sie legte ihre zweite Hand an sein Gesicht, umfasste es nun sanft.
„Nein..."
Er lächelte, ein wirkliches, sanftes Lächeln.
„Ich liebe dich."
Es war als würden seine Worte tröpfchenweise in ihr Bewusstsein dringen.
Er liebte sie...
Sein Blick war offen, er wartete auf eine Antwort.
Ihr Mund schien ihm diese ohne Abstimmung mit ihrem Kopf zu geben.
„Ich liebe dich auch."
Eine Lüge.
Doch wen interessierte das schon... Sie wollte ihn nicht enttäuschen. Er sollte nicht leiden. Er sollte nur leben.

„Eine Lüge..."
Sagte er entschlossen, jedoch frei von jeglichem Vorwurf.
„Nein, keine Lüge. Ich werde es beweisen..."
Er lächelte.
Dann fielen ihm die Augen zu.
Er atmete nicht mehr.

Aus der Ferne konnte sie die Rufe von Poppy hören.


Und, was sagt ihr dazu?