Kapitel 29: Abmachungen und Konsequenzen
Die drei Geiselnehmer unterhielten sich wieder miteinander und anscheinend hatte der Anführer von Andie erzählt, denn er kam zusammen mit einem anderen Mann wieder zu den drei Frauen und die beiden grinsten breit. "ICH habe dir zwar versprochen, deine Schwester in Ruhe zu lassen, aber das gilt nicht für ihn", meinte der Anführer und deutete auf den anderen Verbrecher.
Andie funkelte die beiden Männer mit Tränen in den Augen wütend an. "Nein! Wir hatten eine Abmachung!" Linda drückte sich verängstigt an ihre Schwester, während ihr die Tränen über die Wangen liefen. Auch Allison war dazu entschlossen, nicht noch einmal tatenlos zuzusehen und sie stellte sich den Geiselnehmern in den Weg.
Doch den Männern war das egal. Der Anführer stieß Allison zur Seite, packte Linda wieder am Handgelenk und zog sie in die Höhe. Andie versuchte aufzustehen, aber ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Unterleib und sie sackte zusammen. Lachend nahm jetzt der andere Geiselnehmer Linda bei der Hand und zog sie Richtung Nebenraum. Sie wehrte sich, aber der Mann war wesentlich stärker als sie.
Andie wollte etwas sagen, aber der Anführer hielt seine Waffe in ihre Richtung. "Es reicht, halt die Klappe!"
Caroline hatte sich hinter dem Kleiderständer in den hintersten Winkel gedrückt, als der Geiselnehmer mit Linda an ihr vorbeikam. Während die beiden in den Nebenraum verschwanden, protestierte einer der Männer, der sich unter den Geiseln befand, gegen das Vorgehen der Verbrecherund stand auf. "Sie Schwein!"
"Hey, pass auf was du sagst!", der Anführer packte den Mann wütend am Kragen und hielt im die Waffe unter das Kinn.
Doch ein weiterer Mann stand auf. "Dann müssen Sie mich auch erschießen!" Es entstand ein Gewirr aus Stimmen, als immer mehr Geiseln aufstanden und ihren Protest kundgaben. Die beiden Geiselnehmer standen ratlos vor der Gruppe und fuchtelten mit ihren Waffen in der Luft herum.
Caroline nutzte diesen Moment des Durcheinanders und schlich sich wieder in den Nebenraum. Der Geiselnehmer hatte Linda gegen die Verkleidung einer der Umkleidekabinen gedrückt und versuchte sie zu küssen. "Jetzt stell dich nicht so an!", grinste er sie dabei an. Er wollte jetzt nur seinen Spaß haben und ignorierte was in der Verkaufsebene in der Zwischenzeit vor sich ging. Seine beiden Komplizen würden die Situation schon unter Kontrolle halten.
Caroline erblickte seine Waffe auf einem Stuhl, der in einiger Entfernung stand und nutzte die Gelegenheit. Als sie sich direkt hinter dem Mann befand, hielt sie ihm ihre Waffe gegen den Kopf und flüsterte. "Lassen Sie die Frau los!" Nur allzu deutlich war Wut in ihrer Stimme zu hören. "Und wenn Sie versuchen einen Ihrer Komplizen auf uns aufmerksam zu machen, dann war das Ihr letzter Atemzug!" Im nächsten Moment war das Klicken ihrer Waffe zu hören, als sie diese entsicherte, um ihre Entschlossenheit zu zeigen. Sie würde abdrücken, wenn es sein musste.
Der Geiselnehmer ließ Linda los und Caroline nahm sie beim Arm, um sie hinter sich zu schieben, während sie dem Mann immer noch die Waffe gegen den Kopf hielt. Das Stimmengewirr im Verkaufsraum wurde lauter und im nächsten Moment gellte ein Schuss durch die Luft. Linda schrie erschrocken auf, so wie einige Personen im Nebenraum und Caroline hörte Will "Zugriff!" in das Funkgerät rufen. Im nächsten Moment ging die Sirene des Notausgangs los, jemand schrie "NYPD!" und zwei weitere Schüsse fielen.
Caroline hatte sich einen Moment auf das Geschehen im Verkaufsraum konzentriert und der Geiselnehmer versuchte ihr die Waffe aus der Hand zu schlagen. Doch sie trat ihn in die Kniekehle und er sank stöhnend zusammen. Sie kniete sich auf ihn, wobei sie ihm einen Arm auf den Rücken drehte und legte ihm Handschellen an.
Sie drehte ihren Kopf in Lindas Richtung. "Alles in Ordnung?" Diese zitterte am ganzen Körper und versuchte zu nicken. Da Caroline immer noch die Skimaske trug, konnte Linda nur ihre türkisgrünen Augen sehen, aber an der Stimme und dem Körperbau vermutete sie, dass es sich um eine Frau handeln musste.
Im nächsten Moment stürmten zwei Männer des SWAT-Teams in den Nebenraum und senkten ihre Waffen, als sie sahen, dass Caroline die Lage unter Kontrolle hatte. Sie zogen den Geiselnehmer auf die Beine und führten ihn aus dem Raum.
Linda stand zitternd und wie erstarrt da und rührte sich nicht von der Stelle, deswegen berührte Caroline sie vorsichtig am Arm und stütze sie, als die beiden in den Verkaufsraum zurückgingen. Ein Sanitäter kam auf Linda zu und wickelte sie in eine Decke. Während er sie in Richtung Aufzug führte und beruhigend auf sie einsprach, nahm Caroline die Maske ab und sah sich in der Verkaufsebene um, die mittlerweile leer war, da die Geiseln bereits aus dem Gebäude gebracht wurden. Einer der Geiselnehmer lag auf dem Boden und es hatte sich eine große Blutlache neben ihm gebildet, woraus Caroline schlussfolgerte, dass er tot war. Zusätzlich waren in einiger Entfernung mehrere Blutflecken am Boden.
Sie wollte Richtung Aufzug gehen, als ihr Will und Fred entgegen kamen.
„Sag mal, spinnst du?", blaffte Fred sie an. "Was hättest du gemacht, wenn die Spezialeinheit nicht im nächsten Moment eingegriffen hätte?"
Caroline zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung, aber die beiden Geiselnehmer haben ihren Komplizen ohnehin nicht so schnell zurück erwartet und in der Zwischenzeit wäre mir vielleicht etwas eingefallen. Hätte ich zusehen sollen, wie sich diese Ärsche – entschuldigt den Ausdruck –eine Frau nach der anderen vornehmen?" Sie deutete auf die Blutflecken. "Was ist passiert?"
"Einer der Geiselnehmer hat auf eine Geisel geschossen und sie verletzt. Das war auch der Grund, warum ich das Kommando zum Eingreifen gegeben habe.", erklärte Will, der sich bisher zurückgehalten hatte. "Zum Glück wurden keine weitern Geiseln bei der Befreiung verletzt, nur einer der Geiselnehmer wurde von einem meiner Männer erschossen."
"Lieutenant Sorenson?", mischte sich eine weitere Stimme in das Gespräch.
Fred drehte sich um und lächelte, als er erkannte, wer vor ihm stand. "Detective Mac Taylor! Das CSI ist ja wie immer sofort zur Stelle! Einen kurzen Moment noch, dann bin ich für Sie da."
Mac nickte Caroline und Will freundlich zu und ging dann ein paar Schritte zur Seite, während er auf Fred wartete.
"Caroline, die Polizei will noch deine Aussage, danach kannst du eigentlich wieder gehen. Ich rufe dich noch an, wenn der ganze Trubel hier vorbei ist und danke für deine Hilfe!", erklärte Fred und deutete auf einen Polizisten, der mit einem Notizblock bewaffnet, gerade einen der Sicherheitsbeamten befragte.
Caroline verabschiedete sich und ging auf die beiden Männer zu, während Fred sich an Will wandte. "Wir beide sprechen uns noch später, nehme ich an? Ich geben nur schnell Detective Taylor Bescheid, damit das CSI mit der Spurensicherung anfangen kann."
Will nickte. "Ja, klar. Falls Sie mich suchen, ich bin beim Wagen der Einsatzleitung."
Fred wandte sich nun Mac zu, und schilderte ihm kurz, was vorgefallen war, wobei sich dieser einige Notizen machte. "Okay, soweit ist alles klar. Meine Mitarbeiterin Detective Bonasera ist bereits auf dem Weg ins Krankenhaus, um die verletzten Geiseln zu befragen und hier vor Ort werde ich zusammen mit Detective Messer arbeiten", erklärte Mac schließlich.
Tim, Ben und James standen hinter der Absperrung und sahen ungeduldig zum Eingang des Kaufhauses. Seit sie in New York City angekommen waren, hatten sie sich immer wieder abgewechselt und einer von ihnen hatte gewartet, während die anderen beiden mit Maeve in ein nahe gelegenes Restaurant gegangen waren, um sich aufzuwärmen.
Als Tim den Einsatzkräften seine Polizeimarke vorgezeigt hatte, hatte man ihm widerwillig mitgeteilt, dass die Geiselnehmer mittlerweile überwältigt werden konnten. Jetzt waren Polizisten und Ärzte im Gebäude und die Geiseln würden nach einer ersten Untersuchung und einer Befragung nach und nach herauskommen.
Nach einiger Zeit sahen sie Allison und Linda Arm in Arm aus der Türe kommen. Die beiden waren sich nach Andies Aktion mit dem Handy sicher, dass die Männer hier waren und sahen sich in der Hoffnung, sie zu finden, um.
"Mom! Linda! Allison!" Alle drei schrieen gleichzeitig und winkten.
Tim war beunruhigt, da er Andie bis jetzt nicht entdeckt hatte und als er dann die verweinten Augen seiner Mutter und seiner Schwägerin sah, schwante ihm Böses.
Als Linda und Allison endlich bei ihnen an der Absperrung angekommen waren, konnte sich Tim nicht mehr zurückhalten: "Wo ist Andie!?" Seine Mutter konnte ihm nicht in die Augen sehen, als sie die Verzweiflung in der Stimme ihres Sohnes hörte.
Tim versuchte, seine Mutter dazu zu bringen, ihm eine Antwort zu geben und hielt sie an den Oberarmen fest: "Mom, wo ist sie? Wo ist meine Frau?!" Er flehte sie an: "Bitte rede mit mir… Mom, bitte…" Allison blickte Tim an und sah, was sie bereits an seiner Stimme gehört hatte. Er weinte. Allison überlegte kurz, wann sie Tim das letzte Mal weinen gesehen hatte, aber es fiel ihr nicht ein.
"Ist Andie…" Er konnte das, was er befürchtete, nicht aussprechen.
