Ich hatte Recht behalten und wirklich gut geschlafen, ohne Albträume oder dergleichen. Ich glaube, ich habe sogar traumlos geschlafen! Der Tag versprach schön zu werden und ich freute mich einfach nur darauf nach Hause zu Tantchen zu kommen, auch wenn mir Hausarrest blühte. Also nichts wie zum Bus! Die anderen Schüler waren schon mit Einladen beschäftigt, als Rosa und ich dort aufschlugen. „Habt ihr auch alles mitgenommen? Nachdem ich die Schlüssel abgegeben habe, gibt es kein Zurück mehr!", sagte Mr. Boris. Rosa und ich gaben dem Busfahrer unser Gepäck und quetschten uns wieder durch zur Rückbank. Nach einiger Zeit setzten sich Nathaniel und Kentin wieder vor und Kim und Viola neben uns. Das würde eine entspannte Busfahrt werden! Ich bin nach einer Weile weggenickt und das erste was ich wieder mitbekam war, das Rosa an meinem Arm rüttelte. „Aufwachen, wir sind da!", sagte sie fröhlich. Tatsächlich, stand der Bus vor der Schule. Einige Eltern standen schon da mit ihren Autos um ihre Kinder einzusammeln, darunter auch Tantchen. „Soll ich dir mit deiner Tasche helfen?", fragte Nathaniel mich. „Gerne!". Er packte sie sich und schlenderte mit mir zu Tantchens Auto, wo sie mir sogleich um den Hals viel. „Ich bin so froh dich wieder zu sehen, mein Schatz!", sagte sie fröhlich. „Ich freue mich auch dich zu sehen!", sagte ich ernst gemeint. Erst jetzt bemerkte sie Nathaniel. „Maike, möchtest du mich deinem kleinen Freund nicht vorstellen?", fragte sie etwas zu laut. Nathaniel wurde rot. „Natürlich! Tantchen, das ist Nathaniel, er ist der Schülersprecher hier und Nathaniel, das ist meine Tante", stellte ich die beiden vor. Nathaniel gab ihr höfflich die Hand. „Freut mich sehr sie kennen zu lernen!", sagte er. Mein Tantchen lächelte gutmütig. „Ich muss los Maike, meine Eltern warten!". „Okay, bis dann!". Er drehte sich um und schlenderte zu einem gigantischen, schwarzen Geländewagen, der in der Nähe stand. „Können wir?", fragte Tantchen. Wir fuhren mit Tempo 70 durch die Innenstadt. Tantchen hatte mir noch einmal ausdrücklich erklärt, das es okay sei wenn man sich zur Wehr setzt, jedoch das körperliche Gewalt nie eine Lösung wäre! Da sie aber kein Fan von Hausarrest war, wurde mir lediglich für einen Monat mein Taschengeld gestrichen. Ich war erleichtert! „Das ist ein sehr netter junger Mann, dieser Nathaniel!", setzte sie nach einer Weile an. „Oh ja, er ist wirklich sehr nett!", bestätigte ich. „Läuft da was zwischen euch?", wollte sie wissen. „Warum fragst du?". „Weil er auf dich steht!", sagte sie gerade heraus. Mir klappte der Mund auf. „Du redest zwei Sätze mit ihm und willst gleich wissen, dass er auf mich steht? Woher?", fragte ich irritiert. Sie lachte. „Seine Augen haben geglänzt, als er dich angesehen hat". „Und?", bohrte ich nach. Sie verdrehte die Augen. „Bei Jungs sieht man immer an den Augen ob sie verliebt sind, weil sie dann anfangen zu funkeln, wenn ihre Herzdame in der Nähe ist. Bei Mädchen sieht man es am Lächeln, wenn sie von ihrem Traumjungen sprechen!", belehrte sie mich. Ich war verblüfft was meine Tante als Single aus Leidenschaft alles wusste. „Er sieht außerdem echt gut aus", zwinkerte sie. „Lass ihn dir nicht wegnehmen. Da sind bestimmt noch andere, die Augen im Kopf haben!". Ich sah ein Bild von Melody vor meinem inneren Auge und musste ein Würgen unterbrechen. „War da was zwischen euch auf der Fahrt?", bohrte sie weiter nach. „Du bist echt unglaublich!", sagte ich. Sie grinste mich an und konzentrierte sich wieder aufs Fahren. „Ach Tantchen, wenn du nur wüsstest!", dachte ich still bei mir und legte meinen Kopf gegen die Scheibe, während draußen der Großstadtjungle an uns vorbei rauschte.