29 Kapitel
Manchmal gewinnt man…..
„Ich fass es nicht, dass ich das hier tu", murmelte Ron, der schon seit Stunden über einem dicken staubigen Buch brütete.
„Das war auch mein Gedanke", sage Harry und notierte sich ein paar Worte aus einem weiteren Buch, auf einen Pergament.
Draco, der den beiden gegenüber saß, donnerte ein anderes Buch auf den Tisch.
„Das hat doch kein Sinn!"
Hermine hob den Kopf von einer langen Pergamentrolle.
„Noch vor einigen Stunden hieß es: wir werden schon etwas finden. Ganz gleich wie lange es dauern wird…."
„Es war vor einigen Stunden", bestätigte Harry, „da war ich noch jung und unwissend."
Ron kicherte, Draco warf den Kopf in den Nacken und schloss die Augen.
„Ich hasse es zu sagen, aber wäre es nicht besser nachzufragen?", sagte er. Er brütete am längsten über den Büchern und hat daher nur wenig gegessen oder geschlafen. Er hoffte in den Büchern etwas zu finden, was Snape schützen konnte. Zu seiner Verwunderung kamen die anderen ihm zu Hilfe, sobald sie den Wind von seinem Vorhaben bekamen.
Doch anscheinend gab es nichts, was sie tun konnten und eigentlich wussten sie auch nicht so recht, was sie tun wollten.
„Ich stelle mir schon jetzt Snapes Gesicht vor, wenn er von all dem erfährt", Ron deutete auf mehrere Stapel Bücher und ein Haufen von Pergamentrollen, die überall im Raum verstreut waren.
„Er wird es nie erlauben, dass jemand ihn beschützt", sagte Draco, „er wird unsere Hilfe nie freiwillig annehmen."
„Du bist ein chronischer Schwarzseher, Malfoy", sagte Hermine und errötete, „ich meine Draco…. tut mir leid…", sie stockte. In stillschweigender Übereinkunft wurde Draco, seit seiner Aufnehme in den Orden, beim Namen genannt. Allerdings kamen „kleinere Unfälle" ab und zu vor.
Draco schüttelte den Kopf.
„Ich finde ihr solltet das lieber lassen", sagte er und blickte in die Runde, „wenn euch danach ist, könnt ihr mich Malfoy nennen. Schließlich bin ich ja ein Malfoy."
„Nun wir dachten nur, dass…", begann Hermine.
„Ist ja gut. Wirklich. Ich finde es in Ordnung", seine Antwort klang aufrichtig.
„Hey, ihr Bücherwürmer", rief George, der gerade mit dem neuen Dienstplan in den Händen ins Zimmer kam, „ihr seid heute mit der Patrouille dran."
Die Gruppe murrte unwillig, erhob sich dann aber und jeder ging in sein Zimmer, um sich auf den Einsatz vorzubereiten.
Harry holte sein Mantel und den Besen, seit kurzem flogen er, Ron und Draco ihre Einsätze in der Luft. Unten warteten die beiden Jungs bereits auf ihn.
„Die Mädchen sind bereits los", erklärte Ron, „und Theo hat eine Sonderaufgabe von Remus bekommen."
„Also alles wie immer, OK?", fragte Harry, „keine überstürzten Angriffe, keine Alleingänge!"
„Ja, Mutti", äffte Draco und kassierte dafür einen Schubser von Ron.
Es begann bereits dunkel zu werden, auf den Strassen waren einige Menschen, die ihren Erledigungen nachgingen. In letzter Zeit haben sie Patrouillen dafür gesorgt, dass die Menschen sich etwas sicherer fühlten.
Ron stieg als erster in die Luft, ihm folgten Draco und Harry. Von oben sah die Welt viel friedlicher aus, als es tatsächlich der Fall war. Harry flog ganz nah an der Erde, er machte eine Runde und fand die Mädchen. Wie gewohnt blieb er an der Gruppe dran, er folg ein weinig vor und kehrte dann wieder zurück. Von Boden winkte ihn Ginny zu und Harry flog eine enge Schleife als Antwort.
Harry bewunderte Ginny. Sie war immer diejenige, die die anderen aufzumuntern versuchte. Sie behielt immer einen klaren Kopf und sie war ausgesprochen mutig. Ohne zu zögern stellte sie sich mehrmals den Todessern entgegen. Sie bekämpfte Vampire, Dementore und Wehrwölfe. Und dabei war sie die jüngste von ihnen. Gegen ihre Beziehung hatte inzwischen keiner was dagegen. Mrs. Weasley verlangte von Harry lediglich ein Versprechen „auf die Kleine immer gut auszupassen". Harry gab dieses Versprechen gern. Es wäre ihm lieber, dass Ginny zu Hause sitzen würde, aber er wusste auch, dass es Ginnys Entscheidung war, sie wollte nicht tatenlos Sitzen. Es blieb ihm nur eins, dafür sorgen, dass ihr nichts zustieß.
Über ihm flog inzwischen Draco, sein Blick war ebenfalls an die Gruppe geheftet. Harry fragte sich ob Draco jemals zugeben würde, dass er Julia mochte. Es war so offensichtlich, dass zwischen den beiden etwas war, dass Harry mit dem Gedanken spielte die beiden „aus Versehen" irgendwo einzuschließen, damit sie genug Zeit hätten sich auszutauschen. Julia war die einzige, die Draco ausschließlich mit den Vornamen anredete. Und allein in Dracos Gegenwart lächelte Julia, auf diese besondere Art und Weise, die alles verriet.
Und natürlich waren da noch Ron und Hermine. Sie stritten sich ständig wegen jeder nur erdenklichen Kleinigkeit. Sie Versuchten einander so oft wie möglich auf die Palme zu bringen….. und dann verschwanden sie irgendwo und kamen strahlend wieder. Die nächsten Tage bleiben sie dann ausgesprochen nett und höfflich zu einander, bis dann wieder die Streitereien ausbrachen. Als Mr. Weasley ihnen irgendwann vorschlug „die Katze aus den Sack zu lassen" wurden beide rot und gaben endlich alles zu.
Ein lauter Knall riss Harry aus seinen Gedanken. Unten bannte sich ein Kampf an. Die Mädchen standen plötzlich mehreren Todessern gegenüber. Harry stürze zu Erde, einen Augenblick später raste Draco an ihm vorbei und noch einen Moment danach tauchte Ron neben ihn auf, sie holten Draco ein der ohne jegliche Vorsicht nach unten raste.
Als sie endlich landeten war bereits ein Kampf im Gange.
„Verdammt, es ist eine Falle!", schrie Julia, „es werden immer mehr!"
Tatsächlich wuchs die Zahl der Angreifer auf eine beunruhigend schnelle Weise. Die Gruppe zog sich hinter ein halbzerstörtes Gebäude zurück.
„Wir werden es nicht lange aushalten", meinte Hermine, „und apparieren ist zu gefährlich, hier ist alles mit antiapparier Zaubern verseucht. Die Todesser werfen mit den Dingen nur so um sich."
Harry murmelte den Spruch, den er von Lupin hatte und sah es. Tatsächlich war das ganze Gebiet mit den Zaubern übersehen. Sie verhinderten zwar nicht, dass jemand dazu kam, aber sie sorgten dafür, dass keiner weg konnte.
Zu seinem Schrecken hörte er hinter sich ein leises Plop und als er sich umdrehte sah er Snape, der von Draco zur Boden gerissen wurde. Sofort raste ein roter Zauberstrahl an der Stelle vorbei, wo noch vor einer Sekunde Snapes Kopf war.
„Was mache Sie hier?, fragte Draco seinen ehemaligen Zaubertanklehrer, „sind sie lebensmüde?"
Snape bemühte sich nicht zu antworten. Er sah sich um, stellte offensichtlich fest, dass er nicht disapparieren konnte und sein Gesicht verfinsterte sich.
„Wie viele sind da?", fragte er.
"Das letzte mal als aufsehen konnte, waren es zwölf", sagte Ginny, „seitdem sind bestimmt noch einige dazugekommen."
Als ein Zauber die Wand über ihnen in Staub verwandelte, duckten sich alle noch tiefer. Der Beschuss zwang sie unten zu bleiben, sie hatten keine Möglichkeit zu antworten.
„Sie werden alle sterben, Severus!", donnerte eine magisch verstärkte Stimme, „sie werden hier nicht lebend raus kommen. Dir werden die Zauber nichts anhaben, aber die Winzlinge werden drauf gehen."
„Das ist unmöglich", meinre Hermine, „man kann die Zauber nicht…"
"Man kann", antwortete Snape, „deswegen gibt es keine Kämpfe zwischen den Todessern. Die Todesser können einander nicht verletzten:"
"Aber…"
"Der Lord war damals schwach, die Zauber, die er uns auferlegt hatte waren ebenfalls geschwächt."
„Aber sie sind doch kein Todesser mehr"; wand Harry ein. Ihm behagte es nicht, sich um Snape zu sorgen, aber er konnte nicht anders.
„Ich fürchte das bin ich immer noch", der Mann deute mit dem Blick auf seinen Oberarm.
Ein Zauber schlug in die Wand ein, die Steine flogen in alle Richtungen. Ginny schrie auf und fasste sich an die rechte Schulter. Harry wollte aufspringen, doch Draco hielt ihn mit eiserner Hand zurück.
„Bist du wahnsinnig?"
„Mir geht es gut", versicherte Ginny, „es ist nur ein Kratzer, ich werde es überleben."
Snape, der näher an Ginny war sah sich die Wunde an und nickte. Auf einmal veränderte sich etwas in seinem Gesicht. Er drehte sich an Harry.
„Wenn sie in den nächsten Tagen Post erhalten, Potter, denken sie an ihre Mutter", sagte er und sprang auf.
Harrys Herz setzte aus. Einige Zauber trafen Snape, doch er bleib unverletzt. Ohne ein Blick auf jemanden zu werfen schritt der Trankmeister an ihnen vorbei und nach einem Augenblick wurde es schlagartig ruhig.
Hermine lag flach auf dem Boden, Tränen liefen über ihr Gesicht und hinterließen lange schmutzige Streifen. Ron starrte mit leerem Blick in den Himmel.
„Verdammt!", rief Draco und schul mit der Faust auf den Boden. Langsam stand Harry auf, die Strasse war leer. Überall waren deutlich die Spuren des Kampfes zu sehen. Sie waren am Leben, sie hatten Überlebt und eigentlich musste er Erleichtert sein, aber er war es nicht.
Ginny berühre sanft seinen Arm.
„Harry? Können wir biete nach Hause fliegen?", sie reichte ihm sein Besen. Er sah sie an und begriff, dass er wohl ziemlich lange wie versteinert da stand. Ginny sah bleich aus, was aber eher an der Situation lag, las an der Verletzung.
„Ja, fliegen wir", sagte er und die beiden stiegen in die Luft, einige Momente später waren Ron mit Hermine und Draco mir Julia da. Sie flogen schweigsam nah bei einander. Keinen von ihnen wollte das Gefühl verlassen, eine wichtige Schlacht verloren zu haben.
