So, Kinners — nu aber auf zum Endspurt! Nicht nachlassen! Ich halt ja auch durch. Hungrig und durstig wie ich bin. Aber hier muss ja auch niemand hungern, ohne zu frieren.
Nettnettnettnettnett!
Immerhin haben sie das Licht angelassen, damit man lesen kann, diese Rudelviecher.
Aber vielleicht hat auch einfach der Letzte vergessen, es auszumachen. Wer weiß das schon?
...
Ahh, es ist doch noch jemand da.
Ich soll die Klappe halten und den Beitrag ansagen.
*prrrffffttttt*

Heute gibt's eine freie Arbeit von nicx nihil.

www. fanfiktion. de/u/nicx+nihil

(Nehmt bitte die Leerzeichen nach www. und nach fanfiction. raus)

Nuts of Yggdrasil

Es war einmal vor langer Zeit, als die Götter sich noch hin und wieder den Menschen zu zeigen pflegten, ein kleines Eichhörnchen, das in den Ästen des Weltenbaumes Yggdrasil lebte.
Sein Name war Ratatöskr und von all den flinken Eichhörnchen in der Krone der Esche war es nicht nur das allerschnellste, sondern auch klug, mutig und sehr sehr neugierig.
Eines schönen Herbsttages sprang und kletterte Ratatöskr wieder einmal von Ast zu Ast, um Vorräte für den Winter zu sammeln. Es reckte sich und streckte die kleinen Krallen so weit es konnte, um die besten Samen von den Zweigen zu pflücken. Doch das Jahr war bereits fortgeschritten und immer mehr der köstlichen Nüsse lösten sich direkt vor Ratatöskrs Nase und fielen zu Boden - selbst für das flinkste unter den Eichhörnchen zu schnell, als dass es hätte zugreifen können.
Das ärgerte Ratatöskr mit jedem mal mehr. Es rollte sich auf einem bequemen Ast ein, sah einer fallenden Nuss nach und begann sich zu fragen, wohin all die guten Nüsse wohl verschwunden sein könnten. Lange Zeit dachte es nach und hatte sich schließlich überlegt, dass Odin, der große Göttervater, sicher wissen musste, wohin die Nüsse fielen.

Also machte Ratatöskr sich auf, um Odin zu besuchen und ihn nach den Nüssen zu fragen. Lange wanderte es, bis es schließlich in Asgard, dem Reich der Asen, ankam. Dort musste es zuerst eine mächtige Mauer überwinden, um das wehrhafte Land betreten zu können. Das Eichhörnchen hörte Lärm und sah zwei Asen kämpfen. Es erschrak sich heftig, doch dann merkte Ratatöskr, dass die Schwerter nur aus Holz bestanden und die beiden zu üben schienen. Andere ritten riesige Pferde oder schmiedeten Waffen, doch sie alle sahen den Menschen, die Ratatöskr bereits einmal gesehen hatte, zum Verwechseln ähnlich. Viele Götter musste Ratatöskr befragen, bis es endlich zum Göttervater vorgelassen wurde. Ehrfürchtig trat es vor seinen Thron und erzählte Odin von den Nüssen, die es so gern für sich und seine Freunde haben wollte, die jedoch nirgends zu finden waren. Der Allwissende schwieg lang und dachte nach. So lang dachte er nach, dass Ratatöskr bereits glaubte, er hätte es vergessen. Doch schließlich seufzte der mächtige Gott und sprach. "Ich muss gestehen, ich weiß nicht, was mit den Nüssen geschieht. Niemals hat vor dir jemand danach gefragt. Ich kann dir leider nicht helfen, doch ich weiß, dass alles Irdische irgendwann nach unten fällt. Such weiter unten am Baum nach den Nüssen und wenn du sie findest, so mögen sie dein sein. Geh nun! Ich wünsche dir Glück, kleines Eichhörnchen."
Da nickte Ratatöskr und ging. Den Rat Odins in den Ohren machte es sich auf den Weg Asgard wieder zu verlassen und anderswo nach den Nüssen zu suchen.

Es wanderte lange und traf viele andere Tiere in den Zweigen des gigantischen Baumes, bis es schließlich in Wanaheim, dem Reich der Wanen, ankam. Hier sah es ganz anders aus als im Reich der Asen und Ratatöskr wunderte sich. Statt wehrhafter Mauern erblickte es weite, in voller Frucht stehende Felder. An einem kräftigen Herdfeuer wärmten zwei alte Leute ihre Knochen und eine junge Frau stillte ihr Kind. Abermals fragte das kleine Eichhörnchen viele Leute, bis es endlich vor den Thron der Göttin Freya trat. Auch ihr erzählte es seine Geschichte und ebenso wie Odin überlegte sie lang. Schließlich schüttelte sie den Kopf und dem armen Ratatöskr ward ganz bang um sein kleines Hörnchenherz. "Es tut mir leid, mein Freund." sagte die Göttin "Ich weiß nicht, wohin die Nüsse fallen. Such weiter unten, doch sei vorsichtig, da drunten hausen gefährliche Gestalten. Gib gut auf dich Acht und nimm meinen Segen mit."
Wieder nickte Ratatöskr. Es dankte Freya für die guten Wünsche und ging weiter.

Tage vergingen und Ratatöskr war lange auf den Ästen des Weltenbaumes gewandert, als es endlich in Alfheim ankam. Wie staunte das kleine Eichhörnchen, als es die Bewohner dieser fremden Welt erblickte. Noch nie hatte es so schöne Wesen gesehen. Sie strahlten heller als das Licht der Sonne und ihre Haut war blass wie Milch. Mit eleganten Bewegungen wandelten sie in langen Säulengängen einher. Viele von ihnen musste das wackere Hörnchen befragen bevor man ihn schließlich zu Freyr, dem Herrscher der Lichtalben brachte. Er lud Ratatöskr ein, ihm von seinen Abenteuern zu erzählen und da es müde war, nahm das Eichhörnchen gerne an, setzte sich nieder und berichtete von seinen Begegnungen mit Odin und Freya. Auch erzählte es, dass die beiden ihm zwar herzlich Glück gewünscht hatten, ihm jedoch nicht hatten helfen können. Freyr lauschte interessiert den Worten des kleinen Tieres und dachte dann lange nach. "Es ist erstaunlich." begann er "dass sich noch nie jemand gefragt hat, was mit den Samen unseres geliebten Weltenbaumes geschieht. Müssten wir nicht eigentlich mittlerweile einen ganzen Wald davon haben?" Ratatöskr horchte auf. Ein ganzer Wald voller Weltenbäume? Würde das heißen, dass auf anderen Bäumen andere Eichhörnchen lebten? Würden diese genauso aussehen wie es selbst? Würden sie Nüsse mögen? Ratatöskr wusste es nicht und war nur noch mehr verwirrt. Doch Freyr sprach weiter: "Du bist klug mein kleiner Freund. Es tut mir sehr leid, dass ich dir nicht sagen kann, wohin die Nüsse fallen, doch nimm dies hier. Es wird dir auf deinem Weg den Baum hinab nützlich sein." Und er gab Ratatöskr ein Amulett, auf dem in feinster Goldschmiedekunst ein Pferd und ein Eber abgebildet waren. Ratatöskr dankte ihm sehr und verabschiedete sich herzlich, bevor es sich wieder auf den Weg machte.

Nun hatte es denn die ganze Krone des Baumes abgesucht und nichts gefunden. Zweifelnd blickte es am Stamm herunter und haderte mit sich selbst, doch schließlich fasste es sich ein Hörnchenherz und machte sich auf den Weg nach unten. Irgendwo dort mussten die Nüsse schließlich sein.

Lange wanderte Ratatöskr den Stamm der Weltenesche hinab. Es ging tagein tagaus, bis es schließlich an ein einfaches Bauernhaus kam. Auf den Feldern davor arbeiteten Leute, genau wie in Wanaheim, doch sie waren kleiner und ihr Acker sah nicht halb so fruchtbar aus. Dies musste Midgard, die Heimat der Menschen, sein. Ratatöskr hatte schon viel von ihnen gehört und sogar einmal einen gesehen, der es geschafft hatte, den Stamm Yggdrasils zu erklimmen. Von den Geschichten alter Eichhörnchen wusste es, dass nicht alle Menschen freundlich zu seinesgleichen waren, so bewegte es sich vorsichtig und schaute sich um. Schließlich traf es auf eine alte Frau, die in einem Lehnstuhl unter einem Baum saß und ihren Schoß mit einer Katze wärmte. Vorsichtig schlich Ratatöskr an sie heran und als sie es bemerkte, lächelte sie freundlich. Da freute sich das Eichhörnchen. Es lächelte zurück und trat näher zu der Frau. Es erzählte ihr von seiner Suche nach den Nüssen und von dem langen Weg, den es bereits gekommen war und es fragte sie nach dem Weg zum König. Da schüttelte sie den Kopf und sagte: "Der Weg zum König ist weit und beschwerlich und es wird dir nichts nützen zu ihm zu gehen, denn er weiß es ja auch nicht. Außerdem ist unser König ein grausamer, böser Mann. Geh nicht zu ihm, sonst wird dir ein Leid geschehen! Setz dich lieber zu mir auf den Schoß und lass uns zusammen überlegen, wo du die Nüsse finden könntest." Ratatöskr dachte einen Moment nach und weil es sich nicht vom bösen König das Fell über die Ohren ziehen lassen wollte, stimmte es schließlich zu und kletterte auf den Schoß der Alten. Diese hatte, wie sich herausstellte, in ihrem langen Leben viel erlebt und noch unzählig viel mehr gehört. Sie erzählte dem neugierigen Hörnchen all ihre Geschichten und als sie endete, war die Sonne schon lang unter und wieder aufgegangen. "Ich habe dir alles berichtet, was ich wusste, kleiner Freund." sagte sie schließlich " Ich hoffe, das hilft dir bei deiner Suche weiter. Leb wohl und pass gut auf dich auf!" Ratatöskr dankte ihr von Herzen und wünschte auch ihr viel Glück. Dann ging es weiter und wanderte auf die Grenzen Midgards zu. Die Geschichten der alten Frau hatten es glauben gemacht, dass es die Nüsse bei den Menschen nicht finden würde und so machte Ratatöskr sich auf, sie anderswo zu suchen.

Wieder hatte es weit zu wandern. So lang war Ratatöskr nun schon unterwegs, dass es immer mehr Nüsse fallen sah. Der Wind, der die Wipfel Yggdrasils schüttelte, wurde kälter und die Nächte brachen früher herein. Ratatöskr wusste, dass der Winter nicht mehr weit war und all sein Eichhörncheninstinkt drängte ihn dazu nach Hause zurückzukehren und genügend Vorräte für den Winter zu sammeln, damit es nicht hungern musste. Doch es konnte seine Suche nach den Nüssen einfach nicht aufgeben. Und wie es so mit sich rang und haderte, merkte es gar nicht, dass sich die Landschaft abermals verändert hatte. Es war erst wärmer geworden, dann heiß. Er hatte eine weitere Welt erreicht. In dieser war das Grün der Blätter Yggdrasils flammendem Rot und ödem Braun gewichen. Kein Baum, kein Strauch konnte auf dem trockenen Boden überleben und ein zorniger Wind stach Ratatöskr in die Augen. Gerade als das kleine Eichhörnchen hinter einem Stein Schutz vor den Böen suchen wollte, landeten vor ihm zwei große schwarze Raben. Da erschreckte es sich sehr. "Fürchte dich nicht", krächzte einer der Vögel. "Odin schickt uns", ergänzte der andere. Das wunderte Ratatöskr sehr. Warum sollte Odin ihm diese schrecklichen Vögel schicken? "Wer seid ihr ?", fragte es bang. "Hugin" krächzte der erste. "Und Munin" fügte der zweite hinzu. "Wir sind Diener des großen Odins. Er hat lang über deine Frage nachgedacht und beschlossen, dass du Hilfe haben sollst. Er schickt uns, dich zu warnen. Du bist hier in Muspelheim, dem Reich der Feuerriesen. Hier herrscht Surt. Er hasst die Asen und die Wanen. Wir wissen, dass Freyr dir ein Amulett geschenkt hat. Wenn Surt es sieht, wird er dich töten. Gib uns das Amulett, wir heben es für dich auf." Als Ratatöskr das hörte, ward ihm Angst und Bange, doch es wusste nicht, ob es den beiden Vögeln Glauben schenken sollte. Es wollte das Amulett, das Freyr ihm geschenkt hatte, ungern hergeben. "Wenn Surt so böse ist, gehe ich wohl besser nicht zu ihm." sagte es zu den Raben. Diese krächzten ablehnend "Nein, geh! Er könnte etwas Wichtiges wissen, doch gib uns vorher das Amulett. Wir heben es für dich auf. Sag ihm nicht, dass du bei Odin und Freyr gewesen bist. Vielleicht wird er dir helfen." Ratatöskr dachte lange nach, dann kam ihm eine Idee. "Also gut", sprach es und gab Hugin und Munin sein Amulett. "Wir warten hier auf dich. Surt darf uns nicht sehen.", krächzten sie ihm nach, als es sich schon auf den Weg zu Surts Palast gemacht hatte.
Es dauerte auch gar nicht lang, bis es vor einer großen Festung aus gebranntem Ton angekommen war. Der Wind blies hier noch stärker und ihm schien, dass es auch noch viel heißer geworden war. Ratatöskr fasste sich ein Hörnchenherz und trat schließlich vor Surts Thron.
"Wer bist du, Wurm und was willst du?" grollte der Feuerriese und Ratatöskr schauderte. "Ich heiße Ratatöskr und ich will dich etwas fragen, großer Surt." antwortete das kleine Eichhörnchen tapfer.
"Frag, aber schnell, sonst entscheide ich mich vielleicht doch noch dich zu braten und aufzufressen." Als der Riese so sprach, war sich Ratatöskr plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob sein Plan wirklich eine gute Idee war. Doch es wollte die Nüsse. Es musste es versuchen.
"Ich komme aus den Wipfeln Yggdrasils und suche nach den Früchten des Baumes. Ich sah sie viele Male fallen und fragte mich, was wohl aus ihnen würde. Also ging ich zu Odin und fragte ihn danach. Doch er ist lange nicht so allwissend, wie man behauptet. Keinen kleinsten Hinweis konnte er mir geben und da dachte ich, dass du sicher mehr wissen würdest als er und mir weiterhelfen könntest." Als es in Surts Augen blitzte, wusste Ratatöskr, dass es gewonnen hatte. Der Riese lachte dröhnend. "Der alte Odin kennt also doch nicht alle Geheimnisse. Das freut mich zu hören. Es wäre doch gelacht, wenn ich dir nicht mehr helfen könnte als der alte Knispel da oben." Er dachte einen Moment nach und auf seiner Stirn bildeten sich steile Falten. Ratatöskr ahnte bereits, was kommen würde. Surt knurrte und fuhr von seinem Thron auf. Mit Schritten, die den ganzen Palast zum beben brachten, stapfte er davon und als er schließlich wiederkam, hielt er etwas in der Hand. Er setzte sich wieder hin und streckte seine riesige Pranke nach dem Hörnchen aus. "Komm her!" Ratatöskr tat wie ihm geheißen und der Feuerriese streckte ihm einen kleinen Helm entgegen. Es nahm den Helm und versuchte ihn sich aufzusetzen, doch es wurde von Surts dröhnendem Gelächter unterbrochen. "Dies ist ein magischer Fingerhut", erklärte Surt. "er wird dir immer das geben, was du gerade brauchst. Wirf ihn ins Wasser und er wird ein Boot. Wirf ihn in die Flammen und er schützt dich vor Feuer. Nutze ihn weise. Ich will doch hoffen, dass dich mein Geschenk den Nüssen näher bringt als die leeren Worte des alten Mannes da oben. Und nun geh, bevor ich es mir anders überlege." Ratatöskr dankte ihm schnell und verließ dann flink den Palast. Draußen warteten bereits die Raben auf ihn, einer das blitzende Amulett im Schnabel. "Du bist schlauer als wir dachten.", krächzten sie. "Hier, nimm dein Amulett zurück und sei vorsichtig auf deinem weiteren Weg." Als das kleine Eichhörnchen ihnen den Anhänger abgenommen hatte, flogen sie ohne ein weiteres Wort davon. Ratatöskr blickte ihnen einen Moment nach, dann wandte es sich ab und setzte seine Reise fort.

Abermals ging es lang und kam schließlich in ein Land, dessen Bewohner ebenso riesig waren, wie in Muspelheim, doch hier wuchsen wieder Bäume und es war weit weniger heiß. Es hatte als ganz kleines Eichhörnchen einmal Geschichten von einem Ort namens Jötunheim gehört - das Reich der Riesen. Dies musste es sein. Es dauerte nicht lang, bis Ratatöskr den ersten von ihnen traf. Es fragte ihn nach den Nüssen, doch er wusste nichts davon. Allerdings schickte er Ratatöskr zum Hause eines Riesen namens Wafthrudnir, der als einer der Weisesten von allen Riesen bekannt war. Wer sollte es wissen, wenn nicht er? Das Hörnchen dankte dem Riesen und suchte Wafthrudnir. Es fand ihn schließlich vor einer einfachen Hütte sitzend und trug ihm sein Anliegen vor. Da dachte der weise Riese lange nach und schließlich nickte er. "Du hast Glück, junger Freund. Ich weiß, wo du die Nüsse finden kannst. Doch nichts in dieser Welt ist umsonst. Ich liebe Rätsel. Wenn du eines von mir lösen kannst, verrate ich dir, wohin dich deine Suche führen muss." Ratatöskr wurde ein wenig bang und es wollte sich gar nicht vorstellen, was wohl passieren möge, wenn es das Rätsel nicht würde lösen können. Doch wie sonst sollte es die Nüsse finden? Also stimmte es zu und Wafthrudnir sprach: "Ein Tal voll und ein Land voll, doch am End' ist's keine Handvoll."
Nun war es an Ratatöskr lange nachzudenken. Es rollte sich einfach auf dem Boden vor Wafthrudnir ein und überlegte gründlich. So lange überlegte es, dass darüber bereits die Sonne untergegangen war. Als der Riese gerade eine Lampe anzünden wollte, schreckte das Eichhörnchen plötzlich auf. "Nebel", sprach es. "Nebel ist die Antwort. Er kann ein Tal oder ein ganzes Land füllen, doch ist er am Ende nicht mehr als eine handvoll Wasser." Wafthrudnir nickte anerkennend. "Du hast mein Rätsel gelöst, kluger kleiner Freund. Nun sollst du deine Belohnung haben. Doch sei gewarnt! Wenn du die Nüsse wirklich finden willst, musst du dich in große Gefahr begeben. An den Wurzeln Yggdrasils, in der dunklen Welt Niflheim, entspringt die Quelle Hvergelmir, die alle Flüsse speist. In dieser Quelle lebt ein schreckliches Ungeheuer, das man Nidhöggr nennt und mit ihm viele Schlangen. Dort unten irgendwo wirst du die Nüsse finden. Geh zu Nidhöggr, nur er kann dir die Nüsse geben. Doch sei vorsichtig. Er wird einen Preis verlangen." Ratatöskr nickte und dankte Wafthrudnir. Endlich hatte es erfahren, wohin es gehen musste. Aber die Wahrheit war furchteinflößender als erwartet. Das kleine Eichhörnchen zauderte abermals, doch schließlich hatte es sich selbst genug Mut gemacht, um weiterzugehen. Es war nicht so weit gekommen, um nun umzukehren. Und mutig machte es sich auf den Weg hinab zu Yggdrasils Wurzeln.

Nach einem langen, beschwerlichen Weg, kam Ratatöskr in ein Land, das noch viel seltsamer war, als alles, was es bisher auf seiner Reise gesehen hatte. Menschen wanderten hier umher ebenso wie die verschiedensten Tiere, doch keiner beachtete es und sie alle wirkten seltsam schattenhaft. Wie erschreckte sich das kleine Eichhörnchen, als ihm bewusst wurde, dass es in Hel, dem Reich der Toten angekommen sein musste. Ängstlich schaute es sich um und war über alle Maßen erstaunt, als es ein anderes Eichhörnchen erblickte. Doch damit nicht genug. Es kannte dieses Eichhörnchen. Seine kleine Schwester Fredegund hatte den letzten harten Winter nicht überstanden. Ratatöskr erinnerte sich noch gut daran, wie sehr sie alle geweint hatten, als sie gestorben war und nun stand sie plötzlich wieder vor ihm. Es rannte auf sie zu, doch sie schien es nicht zu bemerken. Erst als Ratatöskr direkt vor ihr stand, hob sie den Blick. "Ratatöskr", sagte sie. "Was machst du hier?" Vor lauter Rührung konnte das kleine Eichhörnchen nicht antworten. Es trat auf seine Schwester zu und wollte sie umarmen, doch diese wich zurück. "Nicht! Wir sind nur Schatten. Du lebst und gehörst nicht hierher. Noch kannst du gehen, doch wenn du einen von uns berührst, wirst du diesen Ort nie wieder verlassen können." Da erschrak Ratatöskr und machte ebenfalls einen Schritt zurück. Traurig wollte es sich abwenden, als seine Schwester abermals fragte: "Was machst du hier?" Da erzählte es ihr von seiner Reise, von all den seltsamen Wesen, die es getroffen, und von den Geschenken, die es erhalten hatte und schließlich berichtete es von seinem Vorhaben, das schreckliche Monster Nidhöggr zu suchen. Da fing seine Schwester an zu weinen. Kleine schattenhafte Tränen traten aus ihren Augen und sie schniefte leise. "Nidhöggr wird dich töten. Geh nicht zu ihm! Vergiss die Nüsse und geh heim! Du hast schon jetzt viel zu viele Gefahren gesehen. Noch einmal wirst du nicht so viel Glück haben. Geh! Geh wieder hinauf und bleib, wo du in Sicherheit bist!" Doch Ratatöskr wollte nicht aufgeben, nicht jetzt, wo es die Nüsse schon fast riechen konnte. Eine Weile stritt es mit Fredegund und schließlich ging sie davon und ließ es stehen. Den traurig herunterhängenden Puschelschwanz hinter sich herziehend, ging Ratatöskr davon. So hatte er sich das Wiedersehen mit Fredegund nicht vorgestellt. Warum wollte sie einfach nicht verstehen, dass es so kurz vor dem Ziel nicht aufgeben konnte? Betrübt wanderte es einher und achtete nicht weiter auf seine Umgebung.

So bemerkte es nicht, wie die Gegend, in die es kam immer bergiger wurde. Schroffe Gipfel erhoben sich zu beiden Seiten des Weges. Hier und dort konnte man die Eingänge von Höhlen, wie klaffende schwarze Mäuler, in den Felswänden sehen. Und schließlich versperrte eine massige Gestalt mit einem langen Bart und einer riesigen Doppelaxt Ratatöskr den Weg. "Wer bist du?", fragte die Gestalt. Ratatöskr schreckte aus seinem Gram und antwortete: "Ich heiße Ratatöskr und wer bist du?" "Stell nicht so dumme Fragen.", grollte das Wesen "Du bist nach Svartalfheim gekommen, also wirst du wohl wissen, wer ich bin." Das Hörnchen zuckte zusammen – ausgerechnet Svartalfheim. Es hatte schon viele schreckliche Geschichten von diesem Ort gehört. Hier lebten die Schwarzalben, manche nannten sie auch Zwerge – habgierige, garstige Wesen, die nichts mehr fürchteten als von Eindringlingen um ihren Besitz gebracht zu werden. Es hätte wirklich besser auf den Weg achten sollen. Doch dafür war es nun zu spät. Der Zwerg erhob seine riesige Doppelaxt und hieb damit nach Ratatöskr. Dieses konnte sich im letzten Moment in Sicherheit bringen. Um ein Haar hätte der kalte Stahl seinen hübschen Puschelschwanz erwischt. Doch das machte den Zwerg nur noch wütender. Immer wieder hieb er mit einer Axt nach dem armen Eichhörnchen und schrie dabei: "Dieb! Eindringling! Spion!" Ratatöskr spürte, wie es die Kräfte verließen. Es hätte auf Fredegund hören sollen. Nun war es aus. Ein oder zwei mal würde es der Axt noch ausweichen können, doch irgendwann würde es sich einfach hinlegen und dem Tod ins Auge blicken. Der Zwerg holte schon wieder aus. Als jedoch plötzlich ein Geräusch von kräftigen Flügelschlägen die Luft erfüllte, hielt er inne. Zwei Raben hatten sich unweit auf einem niedrigen Busch niedergelassen. "Das Amulett", krächzte der erste. "Ist deine Rettung.", fügte der Zweite hinzu und schon waren sie wieder verschwunden. Ratatöskr hatte keine Zeit mehr, lange über diesen Hinweis nachzudenken. Es zog eilig das Amulett hervor, das Freyr ihm geschenkt hatte, und warf es dem Zwerg hin. Als dieser es sah, ließ er die Axt sinken. "So, Freyr schickt dich also." murmelte er und plötzlich fiel es Ratatöskr wieder ein: Die Schwarzalben waren den Lichtalben Untertan. Der Fremde würde es nicht wagen einen Gesandten des Herrn der Lichtalben anzugreifen. Warum war es nicht von selbst darauf gekommen?
Dies war allerdings weder der richtige Ort, noch die richtige Zeit um weiter darüber nachzudenken und Ratatöskr rannte so schnell es konnte davon, bevor noch ein weiterer Zwerg kommen würde, der weniger leicht einzuschüchtern war.

Es rannte so schnell, dass es gar nicht lange dauerte, bis es merklich dunkler und kälter wurde. An den Sträuchern abseits des Weges glitzerten Eiskristalle und Ratatöskr fror erbärmlich. Hier unten musste ewiger Winter herrschen und es war so dunkel, wie nicht einmal in seiner Höhle bei Nacht. Das tapfere Hörnchen schauderte, doch es ging weiter. Schließlich kam es an ein großes Wasser, an dessen Ufern Nebelschwaden drohend aufwallten. In einiger Entfernung konnte Ratatöskr die Köpfe seltsamer Wesen in der Dunkelheit erkennen, die aus den Fluten auftauchten, bevor sie wieder verschwanden. Weit hinter ihnen war eine Insel zu erkennen. Dies musste der richtige Weg sein. Doch wie sollte es das Wasser überwinden? Selbst wenn es hätte schwimmen können, wäre es viel zu kalt gewesen. Es hätte nicht einmal die Hälfte geschafft, bevor es jämmerlich erfroren wäre. Ein anderer Weg musste her. Es dachte an seine bisherige Reise zurück, wie es Odin besucht hatte und Freya und wie es schließlich den Feuerriesen Surt überlistet hatte. Da fiel ihm plötzlich der magische Fingerhut wieder ein. Surt hatte gesagt, er würde ihm ein Boot sein, wenn man ihn ins Wasser warf. Also nahm es den Fingerhut und setzte ihn behutsam auf die spiegelnde Oberfläche. Sogleich nahm er auf magische Weise an Größe zu und es wurde ein kleines Boot daraus, gerade groß genug für ein einzelnes Eichhörnchen. Ratatöskr nahm all seinen Mut zusammen und bestieg das Boot. Es brachte das Hörnchen sicher an den furchteinflößenden Wesen im Wasser vorbei bis zu der Insel. Dort angekommen ging Ratatöskr an Land und sah sogleich den riesigen Drachen Nidhöggr auf einem immensen Berg Nüsse liegen. Die Augen der Echse waren geöffnet und starrten Ratatöskr an. "Du!", sprach eine Stimme, die so alt klang wie die Weltenesche. "Was willst du hier?" "Nüsse", antwortete Ratatöskr und als ihm einfiel, dass das nicht sehr höflich gewesen war, setzte es von neuem an und erzählte von seiner Reise und seinen Abenteuern. Der Drache fletschte die Zähne "Die Nüsse gehören mir. Sag mir einen guten Grund, warum ich dich nicht auf der Stelle auffressen sollte." Dem armen Ratatöskr wurde ganz anders vor Angst und es sah abermals sein Ende gekommen aber es fasste sich ein Herz und sagte: "Vielleicht kann ich dir nützlich sein." Nidhöggr lachte: "Wie willst du Wurm mir nützen?" Es brach Ratatöskrs kleines Herz, so kurz vor dem Ziel zu scheitern, doch es wusste keine Antwort. Vielleicht wussten ja die Raben Rat. Sie hatten ihm auf seiner Reise schließlich schon mehrmals geholfen. Aber wo waren sie? Ratatöskr öffnete einfach sein kleines Mäulchen und schrie aus voller Kehle "Huuuuuugin, Muuuuuuunin." Und tatsächlich, es dauerte gar nicht lang, da erklang Flügelschlagen und zwei Raben landeten links und rechts von ihm. "Nidhöggr liegt mit einem Adler im Streit." krächzte Munin. "Und er kann hier nicht weg." fügte Hugin hinzu. Dann erhoben sie sich wieder in die Lüfte und waren schon verschwunden. Ratatöskr dachte über ihre Worte nach und ihm kam eine Idee. "Ich hörte, dass ein Adler dich ärgert." sagte es zu Nidhöggr. "Doch soweit ich weiß, kannst du selbst hier nicht weg. Ich schlage dir einen Handel vor: Du lässt mich leben und gibst mir einen Teil der Nüsse ab. Dafür überbringe ich dem Adler deine Botschaften, sodass du dich nicht mehr im Stillen über ihn ärgern musst." Nidhöggr knurrte leise, doch er antwortete nicht sofort. Eine Weile sprach niemand, bis schließlich die uralte Stimme die Stille zerriss: "Also gut. Ich nehme dein Angebot an. Ich werde dich nicht fressen und lasse dich gehen. Du läufst so schnell du kannst zum Adler und überbringst ihm meine Nachricht. Danach kommst du mit seiner Antwort wieder. Dafür darfst du jedes mal so viele Nüsse mitnehmen, wie du tragen kannst." Da nickte Ratatöskr eifrig. Es legte seine winzige, pelzige Pfote in die Klaue des Drachen und damit war der Handel besiegelt. Nidhöggr überreichte ihm die erste Nachricht und mit einem Sack voller Nüsse auf dem Rücken machte sich Ratatöskr wieder auf den Weg nach oben.

Unterwegs traf er alle Weggefährten, die ihm geholfen hatten, wieder und jedem von ihnen schenkte es zum Dank für ihren Beistand eine Nuss. Als es schließlich dem Adler die Nachricht gebracht hatte und endlich wieder in seiner Höhle angekommen war, war der Sack auf seinem Rücken leer. Doch es grämte sich nicht und legte sich beruhigt schlafen. Das Geheimnis der Nüsse war gelüftet und schon bald würde der Adler eine neue Nachricht für den Drachen haben und Ratatöskr würde sich den Sack mit neuen Nüssen füllen können.

Liebe Leser, ich hoffe, ihr hattet Spaß mit meinem Märchen. Dieses widme ich allen Rudeltieren, die beim letzten FT dabei waren. Sie wissen schon warum. ;) Mein besonderer Dank gilt Wikipedia für die tatkräftige Unterstützung in Sachen Mythologie. Ach und bevor ich's vergesse: Das Rätsel, das unser Held lösen muss, stammt nicht von mir. Das habe ich gegoogelt.