Ich hoffe, ihr verzeiht mir, dass ich nun, da die beiden zusammen sind, etwas schneller voran schreite.
Die Zeit bis zu den Weihnachtsferien verging wie im Flug. In gewisser Weise war das Schauspiel, das sie aufrecht erhalten mussten, zur Normalität geworden. Hermine hatte sich daran gewöhnt, dass sie nur abends, wenn sie zu Severus geflüchtet war, sie selbst sein konnte, obwohl es sehr an ihrer Substanz zehrte.
Die Lehrer überhäuften sie mit Arbeit, sodass Hermine gar keine Zeit dazu hatte, ihr Los zu betrauern. Sie schaffte es gerade so ihre Spionage und die schulischen Aufgaben unter einen Hut zu bekommen.
Gerade war sie auf den Weg zu Severus, der ihr (mal wieder) eine Strafarbeit verpasst hatte. Als sie in seine Räume trat, bemerkte sie als aller erstes, dass totales Chaos eingezogen war.
„Was ist denn hier passiert?", fragte sie Severus, der sich gerade bemühte, seine Bücher wieder ins Regal zu räumen.
„Ich hatte einen kleinen Wutanfall", wich er aus und räumte weiter auf.
Hermine zog nur eine Augenbraue in die Höhe und manövrierte ihn auf einen Sessel. „Und warum?", wollte sie wissen, doch er versuchte aufzustehen. „Severus!"
Er ließ sich wieder auf den Sessel fallen und zog sie auf seinen Schoß. „Draco hat einen Brief von seinem Vater bekommen, in dem steht, dass er in den Osterferien seine Weihe bekommen soll. Ich bin einfach nur verzweifelt, weil ich mir geschworen habe, dass ich es nicht zulassen werde, dass er auch das Mal bekommt."
Hermine lehnte sich an seine Schulter und vergrub ihr Gesicht in seiner Halsbeuge. „Das ist allerdings ein Problem", murmelte sie. „Hast du schon mit Albus darüber geredet?"
Severus schüttelte den Kopf. „Er ist momentan nicht in Hogwarts."
Hermine seufzte und stand schließlich auf. „Ich glaube, wir sollten doch weiter aufräumen."
„Das kann ich auch noch morgen machen", wollte er abwinken, doch Hermine schüttelte den Kopf.
„Wenn ich dir helfe, geht es schneller", meinte sie und griff sich ein paar Bücher. „Wohin kommen die hier?", fragte sie und wollte sich zu Severus herumdrehen, doch er war hinter sie getreten und schlang die Arme um sie.
„Ich liebe dich", flüsterte er leise und küsste sie auf den Nacken.
Sie lehnte sich leicht an ihn und genoss die Berührung. „Und die Gefühle werden erwidert."
Nach einer Weile lösten sie sich voneinander und brachten endlich Ordnung in das Chaos. Eine Stunde später waren sie endlich fertig und ließen sich aufs Sofa fallen.
„Danke, ohne dich hätte ich noch ewig gebraucht", sagte Severus und zog sie wieder in seine Arme.
„Gern geschehen", erwiderte Hermine und schmiegte sich an ihn.
„Da fällt mir ein, ich hatte gestern ein kleines Gespräch mit Albus und er hat mir vorgeschlagen die Ferien mal wieder bei mir zu Hause zu verbringen. Hättest du Lust mitzukommen?"
Hermine drehte sich überrascht zu ihm um. „Da fragst du noch? Natürlich!"
Severus küsste sie erleichtert. „Bleibt nur noch die Frage, was du deinen Freunden erzählst."
Hermine winkte ab. „Ich erzähle einfach, dass ich Bekannte in New York besuchen gehe."
„Und wenn sie dich besuchen wollen?"
„Ich beschreibe Laura einfach die Situation, sie wird sie schon abwimmeln."
Severus zog eine Augenbraue in die Höhe und schüttelte den Kopf. „Erinnere mich bitte daran, dass ich dir nie über den Weg traue", sagte er und Hermine konnte deutlich den Schalk in seinen Augen erkennen.
Sie grinste. „Jetzt weißt du, warum ich nach Gryffindor gekommen bin und nicht nach Hufflepuff."
Severus schüttelte den Kopf. „Das war mir auch schon vorher klar. Ich wundere mich, warum so viel Slytherin in dir ist, obwohl du in Gryffindor bist."
Hermine brach in schallendes Gelächter aus. „Das dürfte wohl an dir liegen", kicherte sie.
„Kann sein", knurrte Severus und erstickte ihr Gekicher in einem langen Kuss.
Hermine befreite sich aus seinen Armen und floh vor ihm. „Kann sein? Das ist mit Sicherheit so!"
„Sicher ist das nicht!", behauptete Severus und stand auf. „Und jetzt komm wieder her. –Bitte."
Sie grinste ihn an und wich ihm wieder aus. „Vergiss es!", lachte sie und floh weiter vor ihm. Sie genoss diese kleine Spiele, die sie immer führten, wenn sie alleine waren. Sie hatte nie gedacht, dass er so kindlich sein konnte.
„Vergessen? Das kannst du vergessen!", meinte er und zog sie mit einer blitzschnellen Bewegung zu sich. Doch die beiden verloren das Gleichgewicht und fielen zu Boden, wobei Severus sie so drehte, dass er unten lag. Er fasste eine ihrer Haarsträhnen und spielte mit ihr.
Hermine schlang ihr Arme um seinen Nacken und schmiegte sich an ihn. „Schon geschehen", murmelte sie.
„Kann es sein, dass wir leicht chaotisch sind?", fragte Severus und strich ihr sanft über die Wange.
„Aber nur etwas", gab Hermine zurück und erwiderte seine Geste. Sie rollte sich von ihm runter und sie standen beide auf.
„Was haben eigentlich deine Freunde dazu gesagt, dass ich dir am vorletzten Schultag eine Strafarbeit verpasst habe?", fragte Severus und setzte sich wieder auf das Sofa.
„Ich zitiere: Ist der Typ verrückt geworden? Es sind bald Ferien! Der hat sie doch nicht mehr alle!" Hermine grinste ihn an.
Severus runzelte die Stirn. „Und wer war das?"
„Du glaubst doch wohl nicht wirklich, dass ich dir das sage, oder?"
Severus lächelte. „Nein."
Sie saßen eine Weile lang nebeneinander ohne zu reden und genossen einfach nur die Stille und das nonverbale Verständnis, das die beiden verband.
„Bleibst du heute hier?", fragte er auf einmal.
„Was?"
„Bleibst du heute Nacht hier? Darf ich neben dir aufwachen?", wiederholte er.
Sie sah ihn einen Moment lang überrascht an, bevor sie antwortete: „Nichts lieber als das."
Am nächsten Morgen hastete sie durch das Schloss und achtete genauestens darauf, nicht entdeckt zu werden.
Endlich, nachdem sie fast über Mrs Norris gestolpert war und auch fast in einen Rawenclaw hineingerannt war, kam sie in ihren Räumen an und spurte erst einmal unter die Dusche.
Das nächste Mal würde sie früher aufstehen, schwor sie sich, als sie zum Shampoo griff und sich die Haare einseifte. Aber andererseits war es auch wirklich ein schönes Gefühl neben ihm im Bett zu liegen und seine Nähe zu genießen.
Sie angelte sich ihr Handtuch und schlang es sich um den Körper. Sie ging wieder in ihr Zimmer und schlüpfte in eine frische Schuluniform.
Während sie hinunter in die Große Halle ging, überlegte sie, wie sie ihren Freunden beibringen sollte, dass sie die Ferien in „New York" verbringen würde.
Sie setzte sich neben Ginny und versuchte die Aufmerksamkeit ihrer anderen beiden Freunde auf sich zu ziehen. Nachdem sie es einige Minuten lang vergeblich versucht hatte, griff sie zum letzten Mittel.
„Strafarbeit, ihr beide, bei Filch", sagte sie laut und deutlich und augenblicklich hatte sie die volle Aufmerksamkeit von Harry und Ron.
„Endlich hört ihr mir zu. Ich werde nicht mit in den Fuchsbau kommen. Ich wurde von Freunden aus New York eingeladen und werde die Weihnachtsferien dort verbringen", verkündete sie und gab Ginny einen Knuff, weil diese skeptisch eine Augenbraue hochgezogen hatte.
„Aber warum?", fragte Ron.
„Ich habe sie seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen", gab Hermine gelassen zurück und löffelte in aller Seelenruhe ihr Müsli.
„Und dieses „New York" liegt nicht zufällig in Snape Manor", wisperte ihr auf einmal Ginny ins Ohr und ließ sie erschrocken zusammenzucken.
Wieder verpasste sie der Jüngeren einen Knuff und versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
„Und warum gehst du sie nicht in den Osterferien besuchen?" Ron ließ nicht locker.
„Weil ich dann den Stoff für die UTZ's wiederholen werde und jetzt lass mich bitte frühstücken. Wir haben gleich Verwandlung."
Am nächsten Tag fieberte Hermine wie noch nie London entgegen. Und das so sehr, dass es sogar Harry und Ron auffiel, doch die beiden kümmerten sich nicht sonderlich darum.
Als der Zug endlich hielt, war sie eine der ersten, die aus dem Zug traten. Sie würde zwar noch warten müssen, bis die meisten verschwunden waren und Severus sie abholen konnte, aber es war wenigstens etwas, dass sie schon am Bahnhof war.
„Du kannst es wohl kaum erwarten, bis du nach New York kannst", spottete Ron, als er hinter ihr aus dem Zug trat.
„Allerdings", erwiderte Hermine, stellte ihren Koffer an eine Säule und ließ sich selbst darauf sinken. „Wir sehen uns dann nächstes Jahr."
Die beiden verschwanden ohne jeden Abschiedsgruß. Nur Ginny zwinkerte ihr schelmisch zu und winkte zum Abschied. „Bis nächstes Jahr!"
Hermine wartete rund eine halbe Stunde, bis Severus endlich auftauchte.
„Wenn du so weit bist, können wir", sagte er, als er auf sie zukam.
Hermine lachte, als sie sich zu ihm umdrehte. „Ich glaube, das werden wunderbare Ferien", meinte sie, bevor sie disapparierten.
Hermine staunte nicht schlecht, als sie in der Eingangshalle des Manor ankamen. „Wow!", war das einzige, das sie dazu sagte.
„Gefällt es dir?", fragte Severus, bevor er einem Hauselfen zuwinkte, damit er ihren Koffer wegbrachte.
„Es... ist... eindrucksvoll", sagte sie und drehte sich bewundernd im Kreis.
Severus lachte dunkel und zog sie sanft in seine Arme. „Das hängt von der Betrachtungsweise ab", sagte er. „Ich mag dieses ganze pompöse Zeug überhaupt nicht. Aber das ist ja auch egal. Komm, ich zeig dir erst einmal dein Zimmer und führe dich dann noch ein bisschen rum."
Hermine nickte und folgte ihm über eine Treppe, die in das erste Stockwerk des Hauses? führte. Hermine wurde ganz schwindelig von den ganzen Gängen, Ecken und Treppen und sie war sich sicher, dass sie den Rückweg nicht mehr finden würde.
„Orientierungslos?", fragte Severus belustigt, während er sie von der Seite betrachtete.
Hermine nickte. „Mindestens", gab sie zu.
„Das legt sich noch", versicherte er ihr. „So! Wir sind da!" Er öffnete eine Tür auf der linken Seite.
