Vielen Dank für die netten Kommentare, No_Name, Marylein und Padme.G!

No_Name ich habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut. Schön das du noch mit liest. Ich hätte zwar schon vor eine Romanze daraus zu machen, aber wie gesagt sowohl Hermione und auch Severus sperren sich momentan sehr dagegen. ;-)

Marylein schön das du wieder da bist! Wie schon oben erwähnt, machen mir die Zwei gerade in dieser Geschichte etwas das Leben schwer. Sie wollen absolut nicht so wie ich will. ;-)

Padme. G was Harry und Severus angeht, da kannst du dich auf dieses Kapitel freuen. Die Beiden treffen endlich aufeinander, was für beide natürlich nicht leicht ist.

Liebe Grüße Gaby

29 Neubeginn

Neugierig folgte er ihr zurück zum Schloss. Nur langsam kamen sie voran. Der Weg war weit für ihn und anstrengend.

„Es wird besser werden, Sie werden sehen." sagte sie leise und bereute gleich darauf ihre Worte.

Der alte Severus hätte sie jetzt bestimmt für diese Worte zur Schnecke gemacht. Er ließ keine Schwäche zu, der neue sagte nichts dazu und ging schweigend, natürlich er hatte ja keine Stimme, neben ihr her. Gemeinsam betraten sie das Schloss. Ruhe war wieder eingekehrt. Die Schüler hatten sich in alle Richtungen zerstreut und nur noch vereinzelt liefen welche durch die Halle und warfen dem seltsamen Paar verstohlene Blicke zu. Einzig eine Gestallt löste sich aus einer Gruppe und ging auf die Beiden zu.

„Professor Snape." sagte Hermione, sobald die Gestalt vor ihnen zum stehen kam. „Darf ich Ihnen Harry Potter vorstellen?" Harry sah gespannt hoch zu ihm und streckte ihm offen seine Hand entgegen.

Severus blickte ihm zuerst neugierig entgegen, dann sah er ihm in die Augen. Irritiert ließ er seine Hand, die er ihm hatte reichen wollen, wieder sinken. Etwas an diesem jungen Mann traf ihn wie ein Keulenschlag und ließ ihn zurück weichen. Er konnte es weder benennen, noch erklären warum, aber diese Augen, sie bereiteten ihm Schmerzen. Langsam zog Harry seine Hand zurück. Nur, weil sich für ihn seine Ansichten über den Professor geändert haben, muss noch lange nicht das gleiche für Snape gelten. Er schien ihn immer noch dafür, das er am Leben war und nicht seine Mutter, zu hassen. Manche Dinge würden sich eben nie ändern.

„Es tut mir leid." sagte er schlicht, drehte sich um und ging.

Verständnislos blickte Hermione zu ihm hoch und sah ihn fragend an, aber er konnte es nicht erklären und wenn er es auch könnte, so würde er es nicht tun. Ohne sie weiter zu beachten ging er auf die Stufen, die hinab in den Kerker führten, zu. Er musste alleine sein. Er musste über das hier nachdenken. Er kannte diesen jungen Mann gar nicht und doch schien er ihn mit jeder Faser seines Herzens abzulehnen. Ein sehr starkes Gefühl für ihn, was er, seit er erwacht war, zuvor noch nie erlebt hatte..

Hermione stand noch einen Augenblick unschlüssig in der Halle und überlegte, wem sie nun folgen sollte. Schließlich entschied sie sich für Harry und eilte diesem hinterher. Sie fand ihn draußen auf einer der Brücken, die die Häuser von Hogwarts miteinander verbanden. Er lehnte am Geländer und blickte hinab in die Tiefe.

„Harry?" fragend sprach sie ihn an. Zuerst rührte er sich nicht, schien sie gar nicht gehört zu haben.

„Vor seinem Tod gab er mir von sich Erinnerungen." sagte er leise. Hermione stellte sich mitfühlend neben ihn. Auch er hatte wahrscheinlich Dinge aus Severus Leben gesehen, die man nicht so einfach wegstecken konnte.

„Möchtest du darüber reden?"

Abwehrend schüttelte er den Kopf. Das, was er gesehen hatte war zu persönlich und vermutlich bereute Snape es bereits ihm das gegeben zu haben, schließlich hatte er zu diesem Zeitpunkt gedacht, er würde sterben und nun lebte er.

„Es ging um meine Mutter…ich kann nicht…" flüsterte er. Immer noch hielt er den Blick nach unten gesenkt.

„Gib ihm Zeit, er ist nicht ganz er selbst." sagte sie geheimnisvoll. Sie standen so dicht nebeneinander, sodass sich ihre Schultern berührten.

„Wann verrätst du mir deine Geheimnisse?" Harry schielte von der Seite her zu ihr hinüber und betrachtete genau ihr Gesicht. Würde sie ihm jetzt alles erzählen? Auch das letzte Geheimnis was sie mit Professor Snape verband? Nun war Hermione es, die wehmütig in die Tiefe blickte.

„So wie du kann auch ich noch nicht darüber reden. Ich weiß was du wissen möchtest, aber das ist…" sie wusste nicht so recht, wie sie es ausdrücken sollte.

„Privat?" half er ihr aus, denn so empfand er die Erinnerungen an seine Mutter, die ihm Snape gegeben hat. Das ging nur ihn und Snape etwas an und sonst niemanden. Stumm nickte Hermione mit dem Kopf. Das war das richtige Wort dafür. Es war privat. Einzig mit Severus durfte sie darüber reden und vielleicht noch mit seinem Hologramm, aber ansonsten hatte sie nicht das Recht dazu.

„Es ist schon seltsam, ich habe gedacht der Krieg hat uns alle verändert, aber er ist immer noch der Gleiche. Ich hatte für einen Moment, als er so schwer verwundet am Boden lag, geglaubt, er hat aufgehört mich zu hassen. Ich lag im Irrtum."

Seine Worte waren so bitter und verletzt. Unwillkürlich fragte sich Hermione, warum es ihm so wichtig war, was Severus von ihm dachte.

*

In seiner Kammer schlich er, obwohl er müde war und ihn die Beine schmerzten, soweit wie heute war er noch nie gegangen, unruhig auf und ab. Was hatte dieser junge Mann nur an sich, was ihn beunruhigte? Was? Diese Augen. Dieses grün. Und dann wusste er es. Lily hatte solch grüne Augen. Fast die gleichen. Kannte dieser Harry Potter Lily? Er hätte ihn aufhalten und fragen sollen. Und wie? Du Narr hattest deine Tafel gar nicht dabei und von deinen Lippen würde er es nicht lesen können.

Wieder einmal fühlte er sich in sich gefangen und tollpatschig und das alles nur, weil er rein gar nichts über sich wusste. Nicht wirklich. Beständig lebte er mit diesen Lücken. Mit diesem dunklem Fleck, der sich Vergangenheit nennt. Wieder spürte er den Drang etwas kaputt zu schlagen. Es hatte keinen Sinn hier auszuharren und mit seinem Schicksal zu hadern. Er brauchte Antworten. Entschlossen holte er Luft und verließ erneut seine Räume, doch diesmal nahm er die kleine Schreibtafel mit.

Vor der Tür erwartete ihn Minerva.

„Ich hätte nicht gedacht, dass du es so eilig hast deine Räume zu verlassen, aber ich sollte dich besser kennen. Darf ich dich ein Stück begleiten?" fragte sie höflich und wartete.

Zustimmend nickte er mit dem Kopf. Vielleicht hatte er sie bisher falsch eingeschätzt? Sie versuchte ihr Bestes zu geben und das war bestimmt nicht immer leicht.

„Ich habe gesehen du hast Harry getroffen. Er ist ein guter Junge." sagte sie, als sie neben ihm die Stufen nach oben ging.

Neugierig sah er sie an. Hermione hatte Harry Potter zum ersten Mal im Quidditchstadion erwähnt und nun tat das auch Minerva. Keinen anderen Jungen, nur diesen. Was war an ihm so besonders, außer den grünen Augen, die er mit Lily gemein hatte? Ihn beschlich ein unbestimmtes Gefühl, dass er etwas wissen sollte. Er hob die Tafel und schrieb. Danach zeigte er sie Minerva.

„Gut wir werden ihn suchen." versprach sie und schritt mit ihm an ihrer Seite durch die Halle. Vor einem rothaarigen Jungen blieb sie stehen.

„Mr. Ronald Weasley haben Sie Harry irgendwo gesehen?" fragte sie diesen. Dieser starrte zuerst auf sie und dann ablehnend auf Snape.

„Ich weiß nicht wo er ist, Professor McGonagall." erwiderte er gezwungen höflich.

Für ihn war und blieb Snape ein Todesser. Er hatte versucht seinen Bruder zu töten und ihn dabei verstümmelt. Niemals würde er diesen Menschen mögen. Für ihn gehörte Snape nach Askaban und nicht hierher nach Hogwarts, egal was McGonagall oder Harry sagten.

Minerva runzelte die Stirn, nachdem Ron gegangen war. Sie hatte den Hass und die Ablehnung im Gesicht des Jungen gesehen. Man mochte Severus von allen Anklagepunkten posthum frei gesprochen haben, aber in den Herzen und Köpfen der einzelnen Menschen war er es noch lange nicht. Das Einzige, was sich geändert hatte war, das er nicht länger tot war.

Wieder kamen ihr Zweifel an ihren Entscheidungen was ihn betraf. Machte sie alles nur falsch?

„Du kannst, wenn Du möchtest auch im großen Speisesaal deine Mahlzeiten einnehmen. Umso mehr Du dich wieder an einen geregelten Alltag gewöhnst, umso schneller kommen vielleicht auch deine Erinnerungen zurück." schlug sie zaghaft vor.

Sie hatte geglaubt sie wäre alt genug, um mit so einem Fall fertig zu werden, aber war sie das wirklich? Sie hätte sich professionelle Hilfe holen müssen und zwar gleich von Anfang an. Sie hatte versagt. Schweigend gingen sie nebeneinander her.

„Das Schloss ist sehr groß." Sie las die Worte auf der Tafel und nickte wieder mit dem Kopf.

„Das ist es. Es wurde vor langer Zeit von vier großen Zauberern und Hexen gemeinsam erbaut." begann sie ihm die Geschichte des Schlosses zu erzählen.

„Da waren Godric Gryffindor, Helga Hufflepuff, Rowena Ravenclaw und Salazar Slytherin. Letzterer war mehr von der dunklen Seite der Magie angetan, aber sie alle hatten großes für die Zaubererwelt geleistet."

Gebannt lauschte er ihren Worten.

„Nach ihnen wurden auch die vier Häuser in Hogwarts benannt. Du warst im Haus der Slytherin und einige Jahre nach der Schule kamst Du zurück und wurdest von diesem Haus der Hauslehrer." erzählte sie weiter und wurde dann ganz still.

Er war hier schon seit fünfzehn Jahren Lehrer und sie hatte ihm ernsthaft vorgeschlagen sich wieder als Schüler unter all die Jugendlichen zu setzen. Er hatte an ihrer Seite, ohne das sie es wussten, gegen Voldemort gekämpft und das nicht erst in der großen Schlacht, sondern schon viele Jahre zuvor.

Was ihn zu seinem Sinneswandel bewogen hatte, hatte sie nie erfahren. Dumbledore hatte darüber immer beharrlich geschwiegen. Immer wenn sie Severus Loyalität angezweifelt hatten, sagte Dumbledore nur, dass er ihm vollkommen vertraute. Minerva hatte Albus immer im Verdacht, dass dieser etwas über Severus wusste, woran er aber niemanden teilhaben ließ. Severus und sie liefen durch das halbe Schloss. Sie zeigte ihm Klassenräume, Labore, wo die verschiedenen Häuser untergebracht waren und die Große Halle.

Sie brachte ihn zum Gemeinschaftsraum der Lehrer, wo sich überraschender Weise alle aufhielten und stellte ihm jeden einzeln vor. Alle musterten ihn offen neugierig und nur wenige feindselig, aber auch hier waren nicht wirklich alle glücklich über seinen Anblick. Minerva speicherte diese Information und kam erneut ins Grübeln. Vielleicht war hier nicht der beste Ort für ihn. Zu viele erinnerten sich noch an ihn als einen Todesser, als die rechte Hand von Lord Voldemort.

*

Sie blieben lange auf der Brücke stehen. Es war fast schon Zeit für das Abendessen, als sie sich entschlossen zurück zu gehen.

„Was wirst Du jetzt tun?" fragte Harry Hermione, kaum das sie wieder im Inneren des Schlosses waren. Sie zuckte mit den Schultern.

„Dasselbe wie immer." erwiderte sie ausweichend. Irgendwie wollte sie noch immer nicht ganz verraten was sie unten im Kerker tat und was sie mit Severus verband. Eigentlich verband sie nicht wirklich etwas mit ihm. Sie war in diese Geschichte, einer Geschichte voller Traurigkeit nur zufällig hinein gestolpert und nun saß sie mitten drin, ob sie wollte oder nicht.

„Und Du?" fragte Hermione zurück. Sie machte sich Sorgen um Harry. Die Begegnung mit Severus hatte diesem, aus einem für sie unerfindlichen Grund, ziemlich zugesetzt.

„Ich mache dasselbe wie Du." Er zwinkerte ihr zu und sie gingen weiter. Vor dem Portrait der fetten Dame hielt Hermione Harry plötzlich am Arm fest.

„Hör mal, ich gehe heute Abend wieder hinab in den Kerker und würde Dich gerne mitnehmen, wenn Du möchtest." schlug sie ihm spontan vor. Vielleicht konnte er das Hologramm sehen, oder den echten Severus noch einmal treffen.

Es musste eine Möglichkeit für die beiden geben, sich ohne Vorurteile kennen zu lernen. Harry war ein guter Mensch und so wie sich Severus, ohne seine Erinnerungen gab, war er es auch. Es war seine Vergangenheit, die ihn zu dem machte was er war – ein verbitterter, zynischer und einsamer Mensch, der sterben wollte. Schon seit achtzehn Jahren.

*

Still saß sie im Dunkeln in ihrem Büro und starrte ins Nichts. Sie hatte, seit er erwacht war, einen Fehler nach dem anderen gemacht. Sie hatte ihn eingesperrt, seine Existenz verschwiegen, ihn angelogen…Es war ein Wunder, dass er daran nicht erneut zu Grunde gegangen war. Sie musste damit aufhören. Sie war mit allem hier einfach überfordert. Zuerst ließ sie Dumbledore im Stich, ohne ihr zu sagen, auf welcher Seite Severus stand, dann brach hier die Hölle aus und nun kehrte ein vermeintlich Toter zu den Lebenden zurück. Sie war Lehrerin, mehr wollte sie nie sein, doch das Schicksal hatte anders entschieden und es fiel ihr immer noch verdammt schwer sich in dieser Rolle zurecht zu finden. Niemand hatte ihr gesagt, dass das ihr Weg war.

Sie war auf das alles hier nicht vorbereitet gewesen. Lange Zeit kämpfte sie an Dumbledores Seite um das Leben des Jungen und dann war sie von einem Tag auf den nächsten ganz alleine. Fest schlug sie mit der flachen Hand auf den Tisch. Schluss mit Jammern, jetzt musste sie Entscheidungen treffen. Sie war nicht mehr länger eine Lehrerin, sie war nun die Schulleiterin. Sie erhob sich und machte Licht im Raum. Nachdenklich stand sie noch einen Augenblick im Raum, dann schob sie entschlossen das Kinn nach vorne und verließ ihr Büro. Es wurde an der Zeit das Richtige zu tun.