Hinweis: Da das folgende Kapitel sehr lange geworden ist, aber irgendwie auch zusammengehört und ich nicht einfach ein „William"-Kapitel dazwischenschieben wollte, habe ich es in zwei Teile aufgeteilt. Ich wünsche schon mal viel Spaß mit Emily - mehr von ihr in Part II!

29. Kapitel

Milton Manor, Cornwall – Fanny Watson trifft ein und Elizabeth hofft auf eine neue Freundin (Part I)

Mrs. Thorntons kleiner Plan war wie gewünscht aufgegangen. Die kleine Hannah hatte noch zweimal den Versuch gemacht, Elizabeth ein paar Zeilen zu senden um nachzuhören, warum die Freundin sich nicht mehr meldete. Das Mädchen schrieb, daß sie und auch ihr Papa und Alexander natürlich sich große Sorgen machten und hofften, es sei alles in Ordnung mit Elizabeth und sie wäre hoffentlich wohlauf. Sie bat sie dringend, doch wenigstens kurz zu antworten, nur damit sie gewiß waren, daß es Elizabeth gut ging. Mrs. Thornton warf beide Briefe ungerührt ins Feuer. Ab diesem Zeitpunkt kam keine Post mehr aus Pemberley.

Elizabeth war ihrerseits sehr traurig darüber, daß sie von den Darcys nichts mehr hörte. Drei Briefe hatte sie an Hannah geschickt, aber nie mehr eine Antwort erhalten. Ihre letzte Verbindung nach Derbyshire war somit erloschen. Auch diese drei Briefe waren im Kamin Mrs. Thorntons gelandet. Ebenso wie die Korrespondenz mit Georgiana, Countess of Fenwick, die von Mrs. Thornton ebenfalls in die Kategorie „gefährlich" eingestuft worden war.

Elizabeth konnte das Abbrechen jeglichen Kontaktes seitens der Familie Darcy nur so auffassen, daß man kein Interesse mehr an ihr hatte, ja daß Mr. Darcy seiner Schwester wahrscheinlich sogar verboten hatte, mit ihr zu kommunizieren. Elizabeth war zuerst sehr traurig darüber und enttäuscht, denn ihrer Meinung nach gab es keinen Grund dafür. Dann jedoch verwandelte sich ihre Enttäuschung in Ärger und sie beschloß, die Familie, mit der sie eine so schöne Zeit verbracht hatte, einfach zu vergessen. Sie waren es nicht wert, daß sie ihnen nachweinte!

Zu Elizabeths Pech war auch Mr. Thornton kein großer Briefeschreiber, er hatte auch für höfliches, müßiges Geplänkel überhaupt keine Zeit, also unterhielt er auch keinen nennenswerten Briefkontakt zu Darcy. Und da er darüberhinaus der Meinung war, er hätte seinen alten Freund wochenlang genügend in Beschlag genommen, erschien es ihm jetzt eher unhöflich, ihn auch noch mit Briefen zu belästigen.

So blieb Elizabeth lediglich der briefliche Kontakt zu Jane und ihren Eltern, ihrer Tante Madeline in London, ebenso wie zu ihrer alten Freundin, Charlotte Lucas, die – für alle überraschend – vor nicht allzu langer Zeit einen älteren Pfarrer geheiratet hatte, dessen Haushälterin sie vorher gewesen war. Den guten Mann hatte es jedoch ziemlich schnell nach der Hochzeit dahingerafft – möglicherweise hatte ihn das Temperament seiner jungen Frau in gewisser Weise überfordert. Mrs. Thornton war von den frivolen „Freunden" ihrer zukünftigen Schwiegertochter äußerst angewidert, aber sie konnte schließlich nicht alle deren Briefe vernichten. Der ein oder anderen Brief an Jane jedoch, der einen etwas brisanteren Inhalt hatte – wenn er von den Darcys handelte zum Beispiel – fand oftmals ebenfalls seinen Weg ins Kaminfeuer. Briefe gingen schon mal verloren, da kam es auf einen mehr oder weniger nicht an, oder?

Und jetzt, da das Wetter wieder besser wurde, konnte Elizabeth endlich auch wieder ausreiten – das erste mal seit Pemberley. Thornton hatte zuerst Bedenken, ihr das Ausreiten alleine zu gestatten, aber er hatte schließlich eingesehen, daß er sie nicht andauernd ans Haus festketten konnte und sie zu begleiten war ihm unmöglich. Es tat ihm leid, daß er so wenig Zeit für Elizabeth erübrigen konnte, aber es war bis auf weiteres nicht zu ändern. So schlug er ihr vor, mit Kallistoauszureiten wann immer sie Lust dazu hatteund Elizabeth nahm das Angebot gerne an – unter Thorntons Bedingung, daß sie sich nicht zu weit entfernen und sich vor den Klippen in acht nehmen würde. Elizabeth versprach es und war glücklich – was in letzter Zeit nicht allzu häufig vorgekommen war. Aber nun hatte sie wieder eine Möglichkeit mehr, ihrer Schwiegermutter für eine gewisse Zeit zu entrinnen.

Auch hier auf Milton Manor hatte es Elizabeth mit ihrer offenen, freundlichen Art schnell geschafft, sich bei den Angestellten beliebt zu machen und einen besonders guten Draht hatte sie zum Stallmeister, Mr. Finch. Auf den ersten Blick hätte der junge Mann ein Bruder Mr. Darcys sein können, großgewachsen, die gleichen widerspenstigen, dunklen Locken, jedoch mit helleren Augen. Mr. Finch lebte mit seiner Frau und drei kleinen Kindern im alten Pförtnerhaus von Milton Manor und Elizabeth schaute oft bei Mrs. Finch vorbei, die gerade erst ihre jüngste Tochter zur Welt gebracht hatte. Mrs. Thornton waren diese Besuche ein Dorn im Auge – die Herrschaft verbrüderte sich schließlich nicht mit den Dienstboten – und hatte sie ihr verboten, aber Elizabeth setzte sich in diesem Fall eigenmächtig darüber hinweg. Sie würde sich nicht mehr alles gefallen lassen! Mrs. Thornton schäumte.

So hatte Elizabeth zumindest einige kleine Freuden in ihrem ansonsten eher eintönigen Leben. Sie beklagte sich nicht, sie war entschlossen, das beste daraus zu machen. Auch wenn es ihr manchmal sehr, sehr schwerfiel. Die Ablehnung ihrer Schwiegermutter störte sie mehr, als sie sich eingestehen wollte und sie litt insgeheim sehr darunter, aber sie fand einfach kein Rezept dagegen. Es zerrte an ihren Nerven und wäre vielleicht einfacher zu ertragen gewesen, wenn sie bereits verheiratet wäre. Sie wünschte, daß der Sommer endlich kommen würde, sie sehnte sich nach körperlicher Nähe zu ihrem Zukünftigen – mehr, als er momentan aus Gründen der Schicklichkeit geben durfte. Sie freute sich auch darauf, endlich Mutter zu werden. Insgeheim hatte sie die Hoffnung, daß ein Enkelkind Mrs. Thornton sanfter stimmen würde. Aber momentan konnte sie tun und lassen, was sie wollte, sie konnte ihre Schwiegermutter in spe nicht zufriedenstellen. Dazu kamen die ungerechten Anschuldigungen, die Mrs. Thornton mit Vorliebe in Anwesenheit ihres Sohnes vorbrachte, meist beim Abendessen. Miss Bennet zeigt kein Interesse an der Hauswirtschaft, sie pflegt ein zu intimes Verhältnis zu den Bediensteten (vor allem zu Mr. Finch), sie ist heikel mit dem Essen und besteht auf extravaganten Sonderwünschen, sie ist verschwendungssüchtig und und und.

Elizabeth hatte keine Gelegenheit, sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen, Mr. Thornton wollte von diesen, seiner Meinung nach unsinnigen und sich ständig wiederholenden Streitereien nichts hören. Er wußte, daß seine Mutter einen Hang dazu hatte, zu übertreiben und legte ihr bloß nahe, Elizabeth mehr in das Führen des Haushalts einzubeziehen. Elizabeth hätte ihm gerne erklärt, daß es seine Mutter noch immer ablehnte, sie an den täglichen Gesprächen mit der Haushälterin teilnehmen zu lassen, daß sie von den Bohnen und anderen Hülsenfrüchten, die es auf Milton Manor sehr häufig gab, regelrecht krank wurde. Daß sie einfach gerne freundlichen Kontakt mit den anderen Bewohnern Milton Manors pflegte, ohne irgendwelche unzüchtigen Hintergedanken dabei zu haben. Aber Thornton winkte nur müde ab. Für ihn waren das Lappalien im Vergleich zu den Sorgen und Nöten, mit denen er sich tagein, tagaus herumschlagen mußte. Seine Verantwortung für das Anwesen, für seine Familie war erdrückend und er konnte sich beim besten Willen nicht noch mit so etwas abgeben. Er wollte nicht zwischen den beiden Frauen stehen und gingen den etwas feigen Weg – die beiden sollten sich gefälligst zusammenraufen, ohne daß er sich einmischen mußte.

So war jeder neue Tag ein kleiner Machtkampf zwischen der alten und der zukünftigen Mrs. Thornton – ein Machtkampf, bei dem Elizabeth meist den kürzeren zog. Ausgerechnet eine traurige Nachricht schien ihr jedoch eine neue Freundin zu bescheren – denn eines Tages stand Fanny Watson, geborene Thornton, mit einem kleinen Mädchen an der Hand völlig unverhofft vor der Tür – John Thorntons Schwester war vor wenigen Tagen erst Witwe geworden und hatte ihre Heimat Hals über Kopf verlassen, um nach Cornwall zu kommen, ihre Stieftochter Emily im Schlepp.

Die überraschende Ankunft der beiden Damen sorgte natürlich für großen Aufruhr auf Milton Manor. Fanny Watson hatte sich gar nicht erst die Mühe gemacht, ihre Familie zu benachrichtigen, sie hatte das Kind geschnappt und war mit der nächstbesten Kutsche übereilt losgefahren in Richtung Cornwall. Nun standen die beiden ohne viel Gepäck vor der Tür und begehrten Unterschlupf.

Elizabeth war nach ihren Erfahrungen mit ihrer Schwiegermutter nicht besonders erstaunt über die kühle Aufnahme von Seiten Mrs. Thorntons. Sie hatte kein Wort des Trostes übrig für ihre Tochter, geschweige denn für das verängstigte und eingeschüchterte kleine Mädchen, das sich ständig hinter den Rockzipfeln ihrer Stiefmutter versteckte und diese keinen Augenblick losließ.

Elizabeth hatte Mitleid mit der Kleinen. Ihre Stiefgroßmutter ignorierte sie vollkommen – es war schließlich nicht ihre eigene Enkelin, ihre Stiefmutter war mit ihr völlig überfordert und schimpfte meist nur mit dem Kind. Thornton tat das Mädchen zwar leid, aber er konnte nicht viel tun. Er ließ immerhin ein paar Spielsachen besorgen und versicherte seiner Schwester, daß sie so lange auf Milton Manor bleiben konnten, wie sie wollten. Darüberhinaus stattete er sie mit einem großzügigen Geldbetrag aus, damit sie sich eine angemessene Trauergarderobe zulegen konnte. Der unerwartete Tod seines Schwagers verursachte ihm allerdings noch mehr Probleme und Sorgen, als er ohnehin schon hatte. Thornton war gezwungen, umgehend nach Milton zu reisen, um den Nachlaß des Verstorbenen zu regeln. Er hatte die Befürchtung, daß er lange unterwegs sein würde.

Am Abend vor seiner Abreise bat er Elizabeth in sein Arbeitszimmer. „Es tut mir so leid, Liebes, daß ich morgen für längere Zeit verreisen muß," sagte er leise und nahm sie in den Arm. „Ich wünschte, ich könnte dich mitnehmen. Aber ich verspreche, ich beeile mich. Schließlich haben wir bald einen wichtigen Termin, den wir wahrnehmen wollen, nicht wahr...?" Er lächelte und strich mit einem Finger sanftüber ihreWange."Oh Gott, ich werde dich so vermissen..." Seine Lippen näherten sich ihren und Elizabeth erwiderte die Umarmung und den Kuß mehr als willig. Es war einer der seltenen Augenblicke in letzter Zeit, in dem sich Elizabeth wohl und geborgen fühlte. Und es würde für lange Zeit der letzte sein, es würde Wochen dauern, bis John zurückkehrte.

Elizabeth wollte nicht, daß der Moment vorüberging. Sie brauchte seine Nähe, wollte sie so lange wie möglich auskosten. Sie hatte plötzlich das vollkommen abstruse Bedürfnis, etwas verrücktes, ja etwas geradezu schamloses zu tun. Ihre Hände glitten vorwitzig über Thorntons Brust, machten sich an seinem Halstuch zu schaffen, öffneten die obersten Knöpfe seines Hemdes. Sie wollte Johns nackte Haut unter ihren Fingern spüren, sie wollte, daß er sie ebenfalls berührte. Sie wollte sich in den kommenden, einsamen Wochen, die vor ihr lagen, so an ihn erinnern.

Thornton beobachtete das Vorgehen seiner Braut verblüfft, aber er hielt sie nicht davon ab – ihre verführerische Leidenschaft erreichte ihr Ziel schnell und ohne Umwege und er reagierte genauso, wie Elizabeth es sich gewünscht hatte. Seine Hände waren warm und sanft, trotzdem erschauerte sie regelrecht, als seine Finger die nackte Haut ihrer Brust berührten. Sie stöhnte leise, als sie nur kurze Zeit später seine Lippen an gleicher Stelle spürte und ein wohliges Gefühl durchströmte ihren ganzen Körper. Noch nie hatte sie ein Mann dort angefaßt, geschweige denn geküßt, und es war einfach unbeschreiblich.

Nur wenige Augenblicke später löste Elizabeth das gleiche Gefühl in Thornton aus, als sie es endlich geschafft hatte, sein Hemd vollständig aufzuknöpfen und sanft über die warme Haut seiner Brust zu fahren. Er schloß die Augen und stöhnte auf, als sie zögernd, aber immer mutiger werdend an einer Brustwarze spielte. Ihre Lippen trafen wieder aufeinander und so standen sie eine Zeitlang engumschlungen, ihre halbnackten Körper aneinandergeschmiegt. Sie vergaßen völlig die restliche Welt um sich herum.

Und wurden durch ein sehr empörtes „John!" urplötzlich wieder äußerst unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Mrs. Thornton stand mit nur mühsam unterdrücktem Zornvor ihnen – ihre Blicke fassungslos auf die beiden Liebenden gerichtet, die nach diesem Schreck regelrecht auseinandergestoben waren und sich nun hastig bedeckten. „Hinaus!" donnerte sie, Elizabeth anfunkelnd und unmißverständlich mit ausgestrecktem Arm zur Tür deutend.

Thornton, der sich schnell wieder gefaßt hatte, hielt Elizabeth zurück. „Nein, Liebes, bleib," sagte er leise und wandte sich seiner Mutter zu. „Ich würde es sehr zu schätzen wissen, wenn du in Zukunft anklopftest, bevor du mein Arbeitszimmer betrittst, Mutter," sagte er und der Blick aus seinen blauen Augen war eisig. Mrs. Thornton erwiderte seinen Blick unbeeindruckt und hob stolz das Kinn. „Ich kann mich in meinem Haus bewegen, wie ich es für richtig halte, John Thornton, aber ich würde es hingegen sehr zu schätzen wissen, wenn du dir deine sittenlosen und frivolen Aktivitäten mit dieser...dieser Person für die Zeit nach deiner Eheschließung aufspartest!

Und mit diesen Worten rauschte Mrs. Thornton hocherhobenen Hauptes aus dem Zimmer, ohne sich die Mühe zu machen, die Tür hinter sich zu schließen.

Nach dieser unerfreulichen Szene wurde Elizabeths Leben auf Milton Manor naturgemäß nicht gerade einfacher. Mrs. Thornton lehnte ihre zukünftige Schwiegertochter jetzt nicht nur einfach ab, sie ließ sie auch deutlich spüren, daß Elizabeth ihrer Meinung nach nicht sehr viel mehr war als eine ordinäre Dirne, die versuchte, ihrem wehrlosen Sohn mit ihren frivolen Verführungskünsten die Sinne zu verwirren. Armer John, und er fiel auf eine solche Person herein! Sie hatte es ja von Anfang an gewußt. Es war schlicht unerträglich.

Thornton hatte Elizabeth zwar nach diesem „Zwischenfall" versucht zu beruhigen, sie tröstend in die Arme genommen und ihr versichert, daß sie sich keine Gedanken zu machen brauchte und er unverbrüchlich auf ihrer Seite stünde, aber er hatte gut reden. Elizabeth mußte die nächsten Wochen ohne ihn, ohne seinen Schutz und seine Nähe auf Milton Manor verbringen – und es graute ihr schrecklich vor dieser Zeit. Nur der Gedanke an seine Rückkehr mit der bald darauf folgenden Hochzeit gab ihr ein wenig Trost und sie nahm sich fest vor, stark zu sein und die Zeit so gut es ging zu überstehen.

Die kommenden Tage nach seiner Abreise brachten etwas Ablenkung für Elizabeth in Gestalt der kleinen Emily. Das Mädchen mochte sich einfach nicht eingewöhnen. Vor ihrer „Großmutter" hatte sie offensichtlich Angst und Fanny Watson war viel zu sehr damit beschäftigt, sich über ihr eigenestragisches Schicksal zu beklagen. Elizabeth versuchte, Zugang zu dem Kind zu finden. An einem regnerischen Tag fand sie das Mädchen alleine im vorderen Salon vor und sprach sie an.

„Hallo, Emily!"

Keine Antwort.

Elizabeth trat näher und nahm neben ihr auf dem Sofa platz.

„Ich heiße Elizabeth. Möchtest du etwas spielen?"

Schweigendes Kopfschütteln.

Elizabeths Handarbeitsbeutel lag neben dem Sofa und sie griff danach. Momentan arbeitete sie an einem Taschentuch für ihren zukünftigen Ehemann. Sie hatte einen feinen, sehr edlen Seidenstoff gewählt und begnügte sich nicht nur mit einem Monogramm, sondern verzierte das ganze mit vielen zierlichen, saubergearbeiteten Ornamenten – in Anbetracht der Tatsache, daß Elizabeth sich nicht allzuviel aus Handarbeiten machte, eine große Leistung. Sie hatte allen Grund, stolz auf sich zu sein, denn das Tuch war wirklich sehr exquisit und wunderschön geworden. Sie mußte jetzt nur noch ein paar letzte Verschönerungen anbringen, dann war es fertig und Thornton würde es erhalten, wenn er wieder zurückkehrte.

„Kannst du Sticken, Emily?"

Schweigendes Kopfschütteln.

„Möchtest du es gerne lernen? Ich kann es dir beibringen, wenn du magst. Du kannst deiner Mama ein Tuch besticken."

Zögerndes Schulterzucken.

Elizabeth lächelte und nahm ein Stück einfaches Baumwolltuch heraus sowie eine Nadel und einen knallgelben Faden. Geduldig zeigte sie dem Mädchen, wie es die Nadel zu führen hatte und die Kleine schien sogar ein wenig Spaß daran zu haben, auch wenn sie kein Wort sagte. Es dauerte nicht lange, und sie hatte ein paar saubere Stiche gearbeitet, die man durchaus als „E" erkennen konnte. Elizabeth lobte sie. „Siehst du, schon hast du den ersten Buchstaben deines Vornamens gestickt. Möchtest du noch ein „W" versuchen?"

Emily nickte und machte sich daran, auch noch ein „W" zu sticken. In diesem Moment betrat Mrs. Thornton das Zimmer und runzelte sofort die Stirn, als sie Elizabeth mit dem Kind erblickte.

„Emily, deine Mutter sucht dich," sagte sie in ihrem üblichen Befehlston, dem sich auch das Kind nicht entziehen konnte. Sie ließ Tuch und Nadel fallen und verließ ohne ein weiteres Wort den Salon. Mrs. Thornton warf ihrer zukünftigen Schwiegertochter ihren wie immer geringschätzigen Blick zu und folgte dem Mädchen. Elizabeth hörte, als sie die Kleine draußen im Flur ansprach und ihr einschärfte, sich besser vor diesem ordinären Flittchen namens Miss Bennet in achtzunehmen.

Elizabeth schossen Tränen in die Augen. Aus welchem Grund hetzte sie nun noch das unschuldige Kind gegen sie auf? Sie fragte sich ernsthaft, was sie dieser Frau getan hatte, daß sie sie so sehr haßte. Würde sich das je ändern? Langsam verlor sie jegliche Hoffnung.