Er hatte ihr die Wahl gelassen, er hatte ich tatsächlich eine Wahl gelassen!
So war er doch normal nie! Für gewöhnlich holte er sich was er wollte, aber dieser Fall war nicht gewöhnlich, oh nein, ganz und gar nicht.
Schon seit Jahren beschäftigt er sich mit diesem Thema, anders kann er nicht.
Seine Gedanken kreisen meist nur um sie, wie es wäre, wenn alles geblieben wäre wie es war, oder wie ihr gemeinsames Wiedersehen aussehen würde.
Draco hatte es so langsam satt, auf sie zu warten, wenn er ehrlich war, langweilte er sich bereits.
Er fühlte sich von Aria betrogen und furchtbar verlassen, auch wenn er ihr vor kurzem versichert hatte, dass ihr Fehler ihm egal sei, irgendwie wollte er ihr doch nicht verzeihen.
Sie schmiss ihr Leben hin, nur wegen diesem kleinen Geheimnis. Gut, so klein war es auch wieder nicht, aber klein genug, um darüber hinweg zusehen. Wenn kümmerte es schon, dass sie seine Cousine war? Na und? Soll es so sein, wo die Liebe hinfällt…
Er hatte die Vermutung, dass sie am Dienstag sowieso nicht kommen würde, ganz gleich was er noch unternehmen würde, denn er hatte einen Plan, einen durchdachten Plan.
Heute war Sonntag und er saß im Salon seines Elternhauses und sah aus dem Fenster. Nichts als Regenschauer, Wolken und Bäumen war zu sehen, dieses Wetter machte England alle Ehre.
Kalt, regnerisch und ungut. Um das Klischee abzurunden, sollte er jetzt auch noch Tee trinken, doch Draco tat es nicht. Eine Flasche Brandy (erinnert ihr euch noch an Kapitel 25? Mehr sag ich nicht xD) stand auf dem Tisch neben ihm, eigentlich gehörte er nicht zu der Art von Männern die ihren Kummer in Alkohol ertrinken, aber manchmal…
Das wird ihre letzte Chance sein, dachte er sich. Ihre letzte, endgültige Chance.
Danach würde er sich nicht mehr um sie bemühen. All die Jahre...
Er hat vergebens um sie gekämpft.
Fast betrachtete er sie schon als verlorene Liebe, spätestens in den nächsten Tagen würde sich seine Theorie bestätigen.
Es war an der Zeit, ein paar Zeilen zu schreiben.
Draco schrieb nicht viel, es war nur ein kurzer Satz auf ein Stück Pergament gekritzelt, das er seine Eule sofort zustellen ließ. Jetzt, da er Arias Adresse wusste und die Wohnung auch gesehen hatte, war er eingeweiht und der Zauber konnte ihm nichts mehr ausmachen.
Während er sein Glas austrank, öffnete sich die Tür und seine Mutter kam rein.
„Draco, kommst du bitte raus, dein Vater braucht d-" Als sie ihn und die fast leere Flasche Brandy sah, wurde Narzissa augenblicklich wütend, sie sah ihn ungern trinken.
„Was wird das denn, junger Mann, wenn ich fragen darf?"
„Was?"
„Du hast wieder einmal den Vorrat von deinem Vater geplündert! Du weißt er sieht es nicht gern, und ich ebenso wenig! Welch Grund hast du nun wieder?"
„Mutter, es geht dich ja eigentlich gar nichts an, aber wenn du schon so nett bittest, du weißt meine Gründe", antwortete er und lehnte sich zurück.
„Du hattest immer noch keinen Erfolg? Von einer ehrgeizigen Person wie dir hätte ich mir mehr erwartet."
„Weißt du überhaupt über was du sprichst?"
„Wie könnte ich nicht? Immerhin wird mir schon seit Jahren dein ach so klägliches Leben nähergebracht. Was ist es dieses Mal, irgendwelche Neuigkeiten?"
„Ja", sagte er knapp. „Und ich glaube es ist bald zu Ende…"
„Ich verstehe nicht", meinte sie etwas verwirrt.
„Es ist bald zu Ende, Mutter. Das alles hier. Dieses ewige Warten, mein Leben in Enttäuschung: Ich habe Aria ein Ultimatum gesetzt. Wenn sie sich für mich entscheidet, soll sie am Dienstag in die Winkelgasse kommen, wenn nicht… Werde ich neu anfangen, ohne sie. Ich werde mir jemanden suchen, jemanden neuen, jemanden der einfacher ist als sie."
„Diesen Schritt hätte ich schon eher unternommen, wenn ich du wäre. So sehr ich mir eine erneute Verbindung zwischen euch auch wünsche… Aria benimmt sich wirklich lächerlich und unreif."
Draco nickte und sagte: „Ich weiß nur nicht, wie es sein wird wenn sie wirklich kommt… Zwar habe ich viele Erinnerungen von früher, aber… Ich weiß nicht wie ich es angehen soll."
„Ich verstehe deine Angst, aber du wirst es überleben, mein Sohn. Und jetzt entferne die Flasche und geh dann raus zu deinem Vater. Er sucht seine Pfauen, sie sind schon wieder abgehauen."
„Tz, Vater und seine dämlichen Viecher. Ich weiß bis heute nicht wie sie heißen… Mit Lentia, Lea und Elias liege ich falsch, nicht wahr?"
Narzissa lachte kurz auf und antwortete ihm: „Sie heißen Valentina, Leander und Aurelius. Du hast ein schreckliches Namensgedächtnis, was diese Pfauen angeht."
„Mag sein, aber ich muss sie mir ja auch nicht unbedingt merken. Wo warst du eigentlich die ganze Zeit?"
„Ach, war nur… unterwegs. Und jetzt geh. Los!"
Draußen war es eiskalt und der Regen prasselte auf den Steinboden vor dem Haus. Eigentlich hätte er einen Zauber anwenden können, um sich vor der Nässe zu schützen, aber er hatte seinen Zauberstab irgendwo drinnen vergessen.
Na toll, dachte sich Draco, jetzt werde ich auch noch pitschnass, nur wegen drei dummen Vögeln, die ihren Weg nicht zurück finden.
Sein Vater wartete unter einer großen Eiche auf ihn, er war nicht nass.
„Da bist du ja, Draco. Warum hast du keinen Zauber gesprochen, um den Regen abzuschirmen? Dummer Junge, du bist doch ein Zauberer!"
Das sah Lucius Malfoy ähnlich, seinen Sohn zu kritisieren, was er falsch machte, was er nicht gut konnte oder was er gar nicht zu Stande brachte.
„Ich habe meinen Zauberstab im Haus vergessen, Vater, es tut mir leid."
Als er auch unter dem Baum stand, zog sein Vater seinen Zauberstab und sprach auch über ihn den praktischen Zauber.
„Komm schon, gehen wir. Es ist gar nicht gut für ihre Federn, wenn es so regnet, du musst wissen, es…"
Während die beiden den Weg durch die vielen Bäume entlang gingen, konnte sich Draco einen weiteren Vortrag über Pfauenpflege anhören. Wie man ihre Federn richtig pflegt, wie man sie angemessen behandelt, was sie am liebsten fressen und auch wie sie sich paaren, was er ja eigentlich gar nicht wissen wollte…
Lucius war eben ein wenig besessen von diesen Tieren, so wie Narzissa Kleidung liebte, verfiel er diesen reizenden Wesen.
„Vater, du hast sie schon seit Jahren, warum finden sie immer noch nicht ihren Weg zurück?"
„Sie haben anscheinend einen schlechten Orientierungssinn und sind auch nicht mehr die Jüngsten, was ihr Alter betrifft, ihre Schönheit aber nicht im Geringsten mindert. Das Malfoy Anwesen ist groß, ich weiß du hast bis jetzt noch nicht alle Ländereien erkundet, es würde dich noch Jahre kosten."
„Du übertreibst. Jahre? Ich bitte dich."
„Nun, vielleicht übertreibe ich doch ein wenig, aber unser Park ist riesig."
„Ich sage ja nicht, dass ich schon alles gesehen habe, aber können Pfauen so weit davon laufen? Ich dachte sie sind standorttreu, es wurde in irgendeinem Buch mal erwähnt, das ich gelesen habe…"
„In der Tat, eigentlich sind sie standorttreu, aber meine sind anders… Sie haben höchstwahrscheinlich magisches Blut."
„Aber…"
„Shht, hast du das gehört? Könnte sein dass hier einer ist…"
Er bog beim Weg links ab und ging dann zwischen den kleinen Büschen und Bäumen hindurch, um nach zusehen.
„Aurelius! Da bist du ja! Komm her, mein Lieber!" Lucius schob ein paar Zweige weg, um besser zu ihm zu kommen.
„Und da haben wir auch Valentina, habt ihr euch vor Leander versteckt?"
Das Pfauenweibchen hockte neben Aurelius und starrte ihren Herrn an.
Augenblicklich folgte Draco seinem Vater, er wollte es sich nicht entgehen lassen, wie er zu seinen Lieblingen sprach, denn er benahm sich bei ihnen immer sehr sonderbar, es belustigte Draco.
„Wie viele hast du gefunden?"
„Zwei, Aurelius und Valentina. Ich binde ihnen nur noch schnell ihre Leine um, dann können wir uns auf die Suche nach Leander machen."
Leander, was für ein bescheuerter Name, dachte sich Draco. Könnte man Pfauen nicht auch mit einem einfachen Aufrufezauber herbeiholen?, überlegte er.
„Geh schon mal vor", sagte sein Vater zu ihm.
Wahllos ging Draco weiter und weiter. Keine Spur von diesem Pfau namens Leander, sein Vater kam auch nicht nach und langsam hatte er das Gefühl, als ob er sich verirren würde.
‚Unser Park ist riesig.' hatte Lucius gesagt, das erkannte Draco auch nun viel besser als früher. Zwar ging er hier schon oft mit seinen Eltern spazieren, aber er konnte natürlich nicht behaupten, dass er hier schon einmal gewesen war.
Es regnete immer noch, aber die Landschaft war wunderschön. Man hatte einen atemberaubenden Blick auf die umliegenden, sanften Hügel und die Bäume waren in satten Orange- und Gelbtönen gefärbt, außerdem lag viel Laub auf dem Boden, so dass er jeden Schritt von sich hören konnte.
Etliche Minuten vergingen und er hatte nichts Besseres zu tun, als in der Gegend rum zulaufen und nach… wie war sein Name noch gleich…Leander? zu suchen.
Ein paar Mal glaubte er, ein anderes Rascheln als seine eigenen Schritte zu hören, aber das war reine Einbildung. Er dachte auch manchmal, etwas Weißes aufblitzen zu sehen, aber einmal war es ein Kaninchen und das andere Mal war es ein Eisbär – nein, Scherz. Er war sich nicht sicher was es war, aber es sah nicht Pfauenartig aus.
Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit bemerkte er tatsächlich etwas Helles im Gebüsch, es bewegte sich nicht.
War der Pfau tot?
Draco trat näher heran und konnte es bestätigen.
Seine Federn waren teilweise rot, vom Blut gefärbt und die Augen geschlossen. Es sah nicht so aus, also ob er angegriffen worden war, eher nach Suizid… Begangen Pfauen (!) etwa auch schon Selbstmord?
Leander lag direkt neben einem Baum, auf dessen Stamm ein großer Blutfleck war.
Nicht zu fassen, dachte Draco, man konnte sich mit einem Baum umbringen. In welcher Welt lebe ich?
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Ich konnte es einfach nicht lassen, wieder etwas über Lucius' Pfauen zu schreiben xD
Leider ist Leander tot... ratet mal warum, ich bin gespannt ob jemand dahinter kommt!
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Vorschau
„Warum hast du mich herbestellt, Mum?"
„Darf ich nicht mehr meine eigene Tochter sehen?"
„Um das geht's nicht. Du planst doch irgendetwas, nicht wahr?"
„Ich doch nicht."
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich sie an, ehe sie mir antwortete: „Ich habe für heute ein paar alte… Freunde eingeladen, ich dachte es würde uns allen gut tun. Sie werden in etwa einer halben Stunde kommen. Wie gesagt, zum Kuchen essen."
„Und wer wird kommen?"
„Das wird eine Überraschung, du wirst schon sehen. Und jetzt entschuldige mich bitte, ich muss alles im Esszimmer arrangieren. Beschäftige dich derzeit mit Teddy."
