29. Kapitel
Einige Tage später standen Astoria und Draco mit einem Muggelmakler in dem Haus, dass Draco erwähnt hatte.
Astoria fand es sehr schön. Die Aufteilung war praktisch, offen und einladend. Das Erdgeschoss bestand praktisch nur aus einem Raum. Der Eingangsbereich öffnete sich zu einem großen Wohnraum mit Kamin, der wiederum fast übergangslos in eine Wohnessküche überging. Die einzelnen Bereiche waren nur durch halbhohe Mauern voneinander getrennt. Die hintere Wand des Wohnbereichs bestand aus Glas. Diese gläserne Wand ließ sich vollkommen zusammen schieben und dann ging der Wohnbereich in den Garten über.
Alles war hell und freundlich. Die Treppe nach oben führte zu einer Art Galerie, die einmal um den Eingangsbereich herumführte und von dort gingen einzelne Zimmer ab. Das Elternschlafzimmer war groß und hatte ein eigenes, sehr luxuriös eingerichtetes Bad. Ein weiteres Bad und drei weitere Zimmer befanden sich im gleichen Stockwerk.
Dazu gab es einen Dachboden und einen Keller. Der Garten war groß, und wie Draco bereits erzählte hatte, schloss er direkt an ein kleines Waldstück an.
Der Makler führte sie herum und erwähnte dauernd Dinge, die Astoria verwirrten. „Im Erdgeschoss ist eine Bodenheizung eingelassen und im oberen Bereich gibt es Heizkörper in jedem Zimmer. Die Erdgastherme befindet sich im Keller. Wir haben auf dem Dach moderne Sonnenkollektoren. Damit sparen sie Stromkosten im Bereich von 10 bis 15 Prozent."
Draco nickte gewichtig und Astoria fragte sich, ob er tatsächlich wusste, wovon der Mann sprach oder nur so tat. Irgendwann schienen dem Mann die Fakten zum Haus aus zu gehen und er lächelte sie befließend an. „Ich lasse sie jetzt ein wenig allein. Schauen Sie sich um und lassen Sie das Haus auf sich wirken. Wenn Sie soweit sind, finden Sie mich in der Küche."
Als er weg war, sah Astoria Draco neugierig an. „Was sind Heißkörper? Und Sonnensammler?"
Draco nahm sie am Ellbogen und führte sie lächelnd zu einem rechteckigen dünnen Kasten unterhalb eines Fensters. „Das ist ein Heizkörper. Damit wärmt man die Zimmer im Winter. Und Sonnenkollektoren verwandeln die Sonnenwärme in Strom. Und Strom nutzt man für Licht und Geräte, die wir nicht brauchen, weil wir zaubern können."
Erstaunt sah Astoria ihn an. „Erstaunlich! Wer hätte gedacht, dass du jemals so viel über Muggeldinge lernen würdest." Draco lächelte sie an und legte ihr den Arm um die Schultern. „Seit Hermine mich betreut, bringt sie mir dauernd Bücher über Muggeldinge mit. Und es ist unglaublich faszinierend. Das hätte ich nie für möglich gehalten!"
Astoria lächelte zu ihm auf. „Und Muggelspezialist, was machen wir mit dem Haus?" Astoria lehnte sich an Draco. Sie spürte, wie er sein Kinn an ihren Kopf lehnte. „Mir gefällt es. Und von den anderen Häusern kann man das Grundstück nicht einsehen. Und mit ein paar Schutzzaubern hier und da bekommen die Muggel nichts mit."
Astoria nickte. „Aber wie erklären wir, dass du morgens nicht mit dem Auto zur Arbeit fährst, wie alle anderen, aber trotzdem nie hier bist?" Draco küsste ihre Stirn. „Vielleicht sollte ich Autofahren lernen."
Astorias Kopf schoss nach oben. „Niemals! Diese Dinge sind Särge auf Rädern!" Draco kicherte. „Komm' schon, Astoria! Da kann man sicher etwas machen." Astoria schüttelte den Kopf. „Das ist nicht witzig, Draco! Dann hast du das Ministerium gleich wieder am Hals!"
Draco seufzte. „Gut. Dann fahre ich offiziell mit dem Fahrrad zur Bahn und von dort nach London. Der Zug ist immer so voll, da fällt nicht auf, dass ich nicht damit fahre." Astoria sah ihn misstrauisch an. „Und woher weißt du das nun wieder?" Draco beugte sich vor und küsste sie sanft. „Das hat mit Stephen erzählt. Du erinnerst dich doch noch an Stephen?"
Astoria nickte. Stephen war einer von den jungen Männern gewesen, die sie im Pub kennengelernt hatte. Sie wackelte mit den Augenbrauen. „Einer von Giorgios Freunden?" Draco küsste sie noch einmal. „Eifersüchtig?" Astoria kicherte. „Sollte ich?"
Seine Arme schlossen sich enger um sie. „Du riechst besser. Ich glaube, ich bleibe bei dir!" Sie versuchte ihn zu boxen, konnte sich aber fast nicht mehr bewegen. Draco küsste sie wieder. Dieses Mal nahm er sich sehr viel Zeit. Astorias Körper schmolz gegen Dracos.
Seufzend vergrub er dann seine Nase in ihrer Schulterbeuge. „Lass' uns das Haus kaufen!" Astoria nickte. „Du hättest mich aber auch einfach fragen können und ich wäre einverstanden gewesen. Auch wenn ich mich nicht beschwere, aber die Küsse waren nicht nötig – mir gefällt die Glaswand!"
ooo
Astoria,
Ich muss sagen, dass ich wenig begeistert von deinen Neuigkeiten bin. Zum einen habe ich mir natürlich gewünscht, das meine jüngste Tochter nicht heiraten muss, weil sie schwanger ist.
Aber damit könnte ich mich vielleicht noch anfreunden. Aber musste es den ausgerechnet ein Todesser sein? Und dann auch noch einer, den jeder kennt?
Ich bin sehr enttäuscht von deinen Entscheidungen und mache mir selber schwere Vorwürfe. Ich hätte mich mehr um dich kümmern sollen.
Ich bitte dich, dir alles noch einmal gut zu überlegen.
In Liebe,
Mama
Astoria,
Ich kann es nicht glauben!
Hatte ich dich nicht gebeten, aus Rücksicht zu deiner Familie diese Affäre zu beenden? Aber nein, du musstest daraus ja eine griechische Tragödie machen!
Die ganzen Jahre hast du einen Bogen um alles gemacht, was nur nach Slytherin aussah – deine eigene Schwester eingeschlossen - und jetzt lässt du dich von Draco Malfoy schwängern und willst ihn auch noch heiraten!
Du erwartest doch nicht wirklich, dass wir zu deiner Hochzeit kommen? Edwards und meine Stellung in der Gesellschaft wird durch deine dumme Entscheidung schon genug zu leiden haben!
Wir wären dir dankbar, wenn du dich noch anders entscheiden würdest!
Daphne
Draco hielt die zwei Pergamente in seiner Hand und war sprachlos. Astoria saß auf dem Sofa und knetete nervös an ihren Händen. Draco verstand nicht, wieso sie nervös war. Schließlich bat ihre Familie sie, ihn zu verlassen. Draco sah zu ihr.
Letztendlich fragte er: „Und? Was wirst du nun tun?"
Sie sah ihn stumm an, dann zuckte sie die Schultern. „Ich werde ohne meine Familie heiraten. Es ist ja nicht so, als hätte ich etwas anderes erwartet." Draco sah ihr an, dass sie vielleicht nicht wirklich mit einer anderen Antwort gerechnet hatte, aber gehofft hatte sie trotzdem. Aufmunternd lächelte er sie an.
„Die Damen meiner Familie werden schon Chaos genug verbreiten." Astoria lachte. „Da hast du sicher recht. Außerdem wird es ja sowieso kein großes gesellschaftliches Ereignis." Draco lachte bitter. „Jedenfalls nicht im positiven Sinn."
Draco ließ die Pergamente auf den Tisch gleiten und setzte sich neben seine Verlobte auf die Couch. „Und? Wie stellst du dir die Hochzeit vor?" Darüber hatten sie noch gar nicht gesprochen.
Astoria runzelte die Stirn. „Wild und romantisch!"
Draco lachte. „Und was soll das heißen? Traditionell afrikanisch?" Astoria lachte mit ihm. „Nein, wohl kaum." Sie lehnte sich zurück. „Wahrscheinlich reicht auch romantisch. Ich bin dauernd so müde, dass wild wahrscheinlich nicht klappen würde."
Besorgt musterte Draco Astoria. „Geht es dir gut? Sollen wir zum Heiler?" Astoria schüttelte lächelnd den Kopf. „Nein, Draco! Das ist vollkommen normal. Wie wäre es, wenn wir im Garten deiner Mutter heiraten? Und viele Gäste werden es sowieso nicht."
Draco lehnte sich zurück und zog Astoria an sich. „Das mit dem Garten gefällt mir. Meinst du, wir schaffen es, in unserem eigenen Garten zu feiern?" Astoria sah zu ihm auf. „Das wäre schön. Wir müssen uns ja nicht beeilen. Alle wissen schließlich, dass ich schwanger bin."
Er strich über ihre Haare. „Du möchtest also mit Babybauch heiraten?" Sie strich mit den Fingern über seine Brust. „Würde dich das stören?" Er fing ihre Hand ein. „Nein, Astoria. Ich bin sicher, dass du auch mit Babybauch wunderschön aussehen wirst!" Draco war sich sogar sicher, dass sie unglaublich schön aussehen würde, mit seinem Baby im Bauch.
Behutsam streichelte er über ihren Bauch. Ein wenig wölbte er sich schon. Entschlossen sah er Astoria an. „Wir werden in unserem Garten heiraten. Wir werden von Anfang an unsere eigenen Wurzeln haben!"
Fragen sah sie ihn an. „Keine Traditionen?" er küsste sie auf die Nasenspitze. „Wir machen unsere eigenen Traditionen!"
ooo
Astoria stand in ihren formellsten Ministeriumskleidern im Wartezimmer des Amts für Eheschließungen. Draco wollte von der Arbeit direkt hierher kommen. Mittlerweile war er schon fünf Minuten zu spät. Besorgt lief sie im Zimmer auf und ab. Den Blick immer auf die Tür gerichtet, durch die Draco kommen musste.
Er war bisher nur einmal zu spät gekommen: an ihrem ersten Termin im Ministerium. Sie überlegte gerade, ob sie in das Atrium hinunter gehen sollte, als die Tür aufgerissen wurde und Draco hereinstürmte.
Mit einem Schritt lag sie an seiner Brust. „Entschuldige, Astoria. Im letzten Moment war der Herzkrafttrank soweit gereift, dass ich Ingwer einrühren musste und Wobbles war bereits mit zwei anderen Tränken beschäftigt."
Sie konnte den Ingwer noch an ihm riechen, zusammen mit anderen Zauberzutaten und seinem eigenen würzigen Geruch. Er hielt sie fest und vergrub seine Nase in ihren Haaren.
„Hast du dir Sorgen gemacht?" Flüsterte in ihre Haare und sie nickte. „Das tut mir leid, mein Schatz!" Sein Griff wurde fester.
In diesem Moment hörten sie beide ein lautes Räuspern. Erschrocken drehten sie sich zu einem Mann, der in einer blauen Tür stand. Er hatte einen runden Kopf, mit lustig funkelnden Knopfaugen und einer Knollennase. Um seinen Kopf stand wirr ein weißer Haarkranz ab. Er lächelte sie lustig an.
„Na, dann kommen Sie mal herein." Er lief schon wieder in sein Büro zurück. Dort setzte er sich hinter einen großen Schreibtisch und deutete ihnen an, sich in die zwei Stühle davor zu setzen.
Das Zimmer war mit Pflanzen übersät. Jede waagerechte Ebene war von Töpfen, Schalen und Kästen bedeckt. Es gab sogar schwebende Pflanzen in den Ecken des Zimmers.
„Mein Name ist Herman Stone. Ich werde ihre Trauung vollziehen und zuvor mit ihnen alle Formalitäten durchsprechen. Haben sie ihre Abstammungsurkunden dabei?"
Astoria und Draco nickten stumm und legten jeder eine Pergamentrolle vor den Mann auf den Tisch. Dieser griff zuerst zu Astorias und kopierte Daten mittels seines Zauberstabs auf ein neues Pergament. Als er damit fertig war, reichte er die Rolle lächelnd wieder an Astoria.
Dann griff er nach Dracos Pergamentrolle. Astoria spürte, wie Draco sich neben ihr anspannte. Unbewusst griff sie nach seiner Hand.
Stone hatte die Rolle ausgerollt und warf einen Blick darauf. Seine Augen wurden groß, dann warf er Draco einen kurzen Blick zu und sah wieder auf das Pergament. Dann wurde er puterrot. Der Beamte nahm die Rolle und warf sie Draco zu.
„Das mache ich nicht!" Sein Blick war hasserfüllt, als er nun Draco musterte.
Astoria sah, wie Draco sich weiter anspannte und entschloss, die Situation in die Hand zu nehmen.
„Entschuldigen Sie, Mister Stone, was genau, machen Sie nicht?" Der rundliche Mann wandte sich ihr zu und sein Blick wurde weicher. „Ich werde niemanden mit Draco Malfoy verheiraten!"
Astoria nickte bedächtig. Dann sah sie ihn so entschlossen, wie es ihr möglich war an. „Aber ich will, dass Sie genau das tun!" Stone wurde, wenn das überhaupt möglich war, noch roter.
„Dann hat er sie unter den Imperiusfluch gestellt!" Astoria hörte, wie Draco neben ihr schnaubte. Aber sie ließ den Beamten nicht aus den Augen. Sie verstärkte nur den Griff um Dracos Hand.
„Mister Stone, Draco steht unter Beobachtung des Ministeriums. Jeder Zauber, den er vollführt, wird im Aurorenbüro aufgezeichnet. Ich denke, wir können den Imperiusfluch ausschließen!"
Stone sah sie mitleidig an. „Dann hat er sie unter einen Trank gesetzt oder Ähnliches. Wenn man etwas will, dann gibt es immer einen Weg!"
Astoria verlor langsam ihre Geduld. „Mister Stone, das ist lächerlich! Ich will und werde Draco Malfoy heiraten, egal, ob Ihnen das gefällt oder nicht! Bitte fahren Sie mit den Formalitäten fort!"
Stone stand auf und lief zur Tür. Er öffnete sie und wandte sich wieder ihnen zu. „Bitte verlassen Sie mein Büro! Ich werde diese Ehe nicht schließen und auch kein anderer in diesem Ministerium!"
Astoria sah ihn nur ungläubig an. Aber Draco war schon auf seinen Beinen, griff sich sein Dokument und zog Astoria hinter sich zur Tür. Kurz blieb er vor Stone stehen. Der runde Mann ging ihm nicht einmal bis zum Kinn.
„Wir werden heiraten, ob mit oder ohne Ministerium! Ich lasse mir mein Leben nicht von kleingeistigen Squibbs vorschreiben!" zischte er den Mann an und war auch schon im Wartezimmer.
Astoria hörte, wie hinter ihr die Tür mit einem Knall geschlossen wurde. Verwirrt und verärgert lief sie hinter Draco zu den Aufzügen.
„Sollen wir mit Hermine reden? Er kann uns die Eheschließung nicht verweigern ohne einen guten Grund!" Astoria hatte nun zu Draco aufgeschlossen.
Dieser drückte ungeduldig mehrere Male auf den Aufzugsknopf. Dann sah er sie an. Sie konnte seine Wut hinter den grauen Augen sehen. „Nein! Mir geht dieses verdammte Ministerium allmählich ganz gehörig gegen den Strich. Sollen die sich doch alle ... Ich habe es so satt!" Wütend schlug er gegen den Knopf. Dann holte er tief Luft und drehte sich wieder zu Astoria.
„Wir werden einen Weg ohne Ministerium finden! Vielleicht werden wir nicht in unserem Garten heiraten, aber ich werde nicht noch einmal betteln, um ein normales Leben führen zu können! Wenn die uns nicht wollen – ich kann gut ohne das Pack hier leben!"
Astoria verstand ihn gut. Aber ihr war auch klar, dass das alles nur Gerede war. Er würde noch viele Jahre mit dem Ministerium und den Schikanen gegen seine Person auskommen müssen. Trotzdem hatte er recht – sie mussten nicht so heiraten. Es gab noch Alternativen und das Einzige, was das Ministerium machen konnte, war im Nachhinein die Eheschließung nicht anzuerkennen.
Der Aufzug kam an und stumm traten sie ein. Wie immer erkannte jemand Draco sofort und das Getuschel begann hinter ihnen. Sie machte einen Schritt näher an Draco und kuschelte sich an seine Brust. Sie hörte, wie das Getuschel kurz verstummte, nur um dann hektischer wieder einzusetzen. Draco legte den Arm um ihre Schulter und zog sie näher an sich.
In diesem Moment konnte Astoria das Getuschel ausblenden. Sie würden den Rest ihres Lebens gegen den Rest der Welt stehen. Aber solange sie zueinanderstanden, würden sie es schon irgendwie schaffen.
