Klare Ansagen
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
„Draco? Hey, hörst du mich?" „Was?", murmelte der Blonde halb im Tran. War er etwa eingenickt? Blaise war doch gerade erst weg, oder nicht?
„Du kannst gleich weiter schlafen. Blaise meinte aber, dass deine Schulter ziemlich übel aussieht", erklärte Charlie, womit sich Draco hoch quälte. Irgendwie hatte er dabei ein ganz komisches Gefühl im Körper. Als wäre der gar nicht mehr richtig da, dann aber doch, nur wie in Watte eingepackt. In seinem Kopf schien zudem alles zu schwimmen, an den er sich benommen fasste.
„Oh, scheiße." „Was ist?", fragte Charlie.
„Ich glaub, ich kotz gleich." „Siehst auch so aus", wunderte sich der Brünette, denn sein Freund war auf einmal noch blasser. Auch stand ihm plötzlich verstärkt der kalte Schweiß auf dem Gesicht.
„Was hast du ihm gegeben?", richtete sich Charlie verunsichert an Blaise, der die ganzen Präparate aufzählte. Und je mehr er nannte, umso entsetzter wurde Charlies.
„Bist du wahnsinnig?! Willst du ihn vergiften? Das ist viel zu viel auf einmal! Verdammt, damit kommt sein Körper auf die Schnelle nicht klar!", schimpfte Charlie, worauf Blaise ein wenig verlegen wurde.
„Na ich dachte, lieber alles mit einmal abstellen, bevor es schlimmer wird." „Glückwunsch! Das hast du damit hingekriegt! Die ganzen Tränke behindern sich in ihrer Wirkung so nur gegenseitig!" „Schön, dass mich mein bester Freund auch noch um die Ecke bringen will", meldete sich Draco keuchend zu Wort, zu dem Blaise entschuldigend sah.
„Tut mir leid, aber ich dachte, es hilft." „Das Einzige, was da noch hilft, ist Ruhe", murrte Charlie, betrachtete sich dann aber endlich Dracos Schulter. Als er die Verletzung sah, verzog er ähnlich das Gesicht wie Blaise.
„Wie alt ist das?", fragte er ernst.
„'ne Woche oder so." „Kriegst du das hin?", bohrte Blaise. Charlie gab ihm allerdings keine Antwort. Stattdessen nahm er seinen Zauberstab und eine leere Phiole.
„Was hast du-… AU! Verdammt, spinnst du?", fauchte Draco, als Charlie sich magisch eine kleine Probe des zerfressenen Gewebes abknapste, welches in der Phiole verschwand.
„Ich muss erstmal sehen, was das für Giftstoffe sind, um ein entsprechendes Mittel herzustellen. So wie das aber aussieht… Da bleibt 'ne dicke Narbe zurück", gestand Charlie, was Draco herzlich egal war. Eine mehr oder weniger, fiel doch schon gar nicht mehr auf. Allerdings erinnerte ihn das noch an etwas, was ihm wieder ein bitteres Gefühl bescherte.
„Wie geht's Hermione?" „Hm? Im Moment etwas besser. Ihre äußeren Verletzungen konnte ich heilen. Mit dem Diptam ließ sich das verletzte Gewebe soweit auch problemlos regenerieren." „Und ihr Arm?", fragte Draco unsicher, worauf sich Charlies Blick ein wenig in einer dumpfen Leere verlor.
„Hast du das wegbekommen?", bohrte der Blonde in einer schwachen Hoffnung, doch musste Charlie ihn enttäuschen, denn er schüttelte kaum merklich mit dem Kopf.
„Das sieht ähnlich aus wie deine Schulter. War das das gleiche Messer?" „Keine Ahnung. Ja." „Wenn man es zeitnah behandelt hätte, wäre es vielleicht weggegangen. So aber…", ließ er den Satz offen, womit sich etwas Bedauerndes, leicht Schuldiges auf seine Züge stahl.
„Das bleibt." „Was?", klinkte sich Blaise dazwischen, der nicht verstand, von was die Beiden sprachen, sodass Draco sich zu ihm drehte.
„Ich hab dir doch gesagt, dass hauptsächlich Bellatrix sie so zugerichtet hat." „Ja und?" „Sie hat ihr, in ihrem Wahn, gleich am ersten Tag Schlammblut in den Unterarm geritzt", erklärte Draco tonlos, worauf es Blaise kurz schüttelte und er zu Charlie sah, der kaum merklich nickte.
„Das ist…", fand Blaise jedoch keine Worte, sodass unter den drei jungen Männern betretenes Schweigen einkehrte. Am Ende war es Charlie der dieses brach und Draco mit einem kleinen Schubs zurück in sein Kissen beförderte.
„Man, was -" „Obdormiscunt", murmelte der Brünette nur, sodass es seinem ohnehin restlos geschwächten Freund sofort die Augen zu zog.
„Was machen wir jetzt?", richtete sich Blaise an Charlie, der Draco die Decke über die Schultern legte und eine kalte Kompresse heraufbeschwor, die er auf seiner Stirn drapierte.
„Ihn schlafen lassen, damit sein Körper richtig zur Ruhe kommt. Ich schau mir das inzwischen genauer an", linste er in die Phiole mit der Probe, bevor er wieder zu Blaise sah.
„Du bleibst hier und behältst ihn im Auge. Falls etwas ist, ruf mich. Ich sag Sally, dass sie dir ein paar Bücher aus der Bibliothek bringt. Dann kannst du schon mal gucken, ob du etwas wegen diesem komischen Fluch findest. Den Rest müssen wir dann sehen." Damit wollte Charlie gehen, Blaise hielt ihn allerdings kurz zurück.
„Warte mal." „Noch was?" „Vielleicht…", begann Blaise nachdenklich und hielt sich den Zauberstab an den Kopf, aus dem er einen silbernen Faden zog, den er in eine der leeren Phiolen gab, die er Charlie im Anschluss reichte.
„Draco hat mir vorhin alles nochmal genau erklärt. Hör es dir selber an, bevor ich was Falsches erzähl. Vielleicht fällt dir zu allem noch etwas ein." „Mach ich." Damit war Charlie aus dem Zimmer raus und wäre um ein Haar mit Tonks zusammengestoßen, die dem Gespräch der Drei interessiert gelauscht hatte. Als Charlie sie so unverhofft vor sich entdeckte, maß er sie kühl.
„Schnüffelst du uns nach?", vermutete er. Tonks rettete sich daraufhin in ein Lächeln.
„Ich wollte nur mal nach dem Dickkopf sehen und ob ihr mit ihm klar kommt." „Davon kannst du ausgehen", meinte Charlie reserviert. Er spürte das Misstrauen der beiden Auroren, die seine Freunde begleitet hatten.
„Wenn du nichts dagegen hast, würde ich mich jetzt gerne noch um das kümmern", hielt er ihr die Phiole unter die Nase und meinte ergänzend: „So wie es aussieht, hat nämlich nicht nur Draco noch immer eine Vergiftung intus, sondern auch Hermione." Damit schob er sich an ihr vorbei, noch bevor Tonks „Sicher" murmeln konnte.
Sie sah ihm kurz nach, ehe sich ihr Blick erneut klammheimlich in dem Zimmer einfand, in dem Blaise auf einem Sessel neben dem Bett hockte und, wie angeordnet, ein Auge auf Draco hatte.
Irgendwann ploppte es und eine kleine Hauselfe tauchte mit einem dermaßen großen Bücherstapel neben dem Slytherin auf, der ihr weit über den Kopf ragte. Blaise nahm ihr diesen gleich ab und bedankte sich knapp, ehe er den ersten Schinken nahm und zu lesen begann. Es war ein Bild, was sich Tonks äußerst fasziniert besah.
Verrückt, dachte sie.
Draco hatte tatsächlich nicht gelogen. Die beiden Jungs waren ihnen in der Tat eine riesengroße Hilfe. Sie lächelte in sich hinein und ging zurück zu Ginny. Sie wollte sehen, ob Charlie mit seiner Prognose Recht behielt und es Hermione wenigstens etwas besser ging.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
Die kommenden Stunden blieb es ruhig, sah man davon ab, dass Charlie irgendwann völlig zerwühlt und auch ein wenig verrußt, erst bei Blaise aufschlug, der inzwischen den zweiten Schinken bearbeitete. In der Hand hatte er eine kleine Phiole mit einem Gegengift, die er Blaise hinstellte.
„Sobald Draco wach wird, gib ihm das." Damit war er weg und nur etwas später bei Tonks und Ginny, die er akkurat links liegen ließ, als sie ihm stutzige Blicke aufgrund seiner Erscheinung zuwarfen. Stattdessen konzentrierte er sich ganz auf Hermione. Er nahm sie behutsam in die Arme und flößte ihr das Mittel ein. Sie murmelte im Anschluss schwach, schlief aber relativ ruhig weiter.
„Was war das?", fragte Ginny.
„Ein Gegengift", erklärte er knapp. Kurz darauf sah er sich um und entdeckte nur etwas später auch hier einen erheblichen Haufen von Büchern, die sich auf dem kleinen Glastisch vor der Couch stapelten. Er sah diese nur kurz durch, bevor er zwei davon nahm und sie Ginny und Tonks reichte.
„Macht euch mal nützlich und seht nach, ob ihr etwas findet, was auf diesen Fluch deutet, von dem ihr erzählt habt." Mit diesen Worten war er weg, nahm aber noch zwei der Schwarten mit, mit denen er zu Blaise verschwand. Sein Freund schielte kurz zu ihm, ehe er sich erneut in seine Lektüre vertiefte.
Charlie ließ seinen Blick nur nochmal rasch über Draco schweifen, der sich allmählich fing, bevor er sich ebenfalls einen der bequemen Ledersessel ran dirigierte und in diesen sank. Wenig später tat er es Blaise gleich und begann nach entsprechenden Flüchen zu suchen.
Am Nachmittag schlug endlich sein Vater Daniel auf. Und zwar restlos vollgepackt. Charlie klärte ihn lediglich mit allem etwas mehr auf, womit er sich Hermione näher besah und nach Charlie auch noch ein paar spezielle Zauber auf sie wirkte. Dass sie ihre Wirkung taten, genauso Charlies bereits vorangegangene Behandlung, zeigte sich nach einiger Zeit. Hermione murmelte irgendwann und kam, seit dem Vorfall im Cottage, das erste Mal wieder richtig zu sich.
„Süße", hauchte Ginny, als sie erkannte, dass sie die Augen ein Stück offen hatte. Damit legte auch Tonks das Buch weg und beugte sich zu der jungen Hexe, die sichtlich Mühe hatte, die Augen offen zu halten.
„Ich sag Charlie Bescheid", flüsterte Tonks und verschwand. Ginny konzentrierte sich da auch schon gänzlich auf die Brünette, der sie durch die Haare und über die blasse Wange strich.
„Hermione?", hauchte sie, worauf sie den Kopf der vertrauten Stimme zuneigte und nach einer Weile den Rotfuchs erkannte.
„Ginny?", murmelte sie erschöpft, wie auch verwirrt. Ihre Freundin nickte nur und zwang sich zu einem Lächeln.
„Geht's dir besser?", fragte sie behutsam. Hermione sah sich allerdings außerstande ihre Frage zu beantworten, da in ihrem Kopf ein heilloses Chaos herrschte. Sie hatte irgendwie noch immer das beklemmende Gefühl, in ihrem Albtraum festzuhängen, in den sie irgendwann gestürzt war. Das Letzte, an das sie sich wirklich noch klar erinnerte, war das Gespräch mit Malfoy, bevor es geknallt hatte.
„Was… Wo…", murmelte sie völlig fertig und ließ die erschöpften Augen ein wenig wandern. Jedoch ohne Ergebnis, denn ihr war diese Umgebung vollkommen fremd.
„Sch. Es ist alles gut, Süße. Die Jungs haben sich schon um dich gekümmert", versicherte Ginny ihr, womit Hermione allmählich wieder der Grund für die Explosion im Cottage einfiel.
Die Stimmen. Sie war sich im ersten Moment nicht sicher gewesen, aber da Ginny bei ihr war, mussten es tatsächlich Harry und Ron gewesen sein, die plötzlich in der Tür gestanden hatten.
Sie hatten sie wirklich gefunden und scheinbar nach Hause geholt. Nur wo war dieses zuhause? Darüber hinaus stieg ihr die Frage in den Kopf, wo Malfoy war? Was war mit ihm? Sie hatte noch mitbekommen, dass es ihn durch den Angriff ihrer Freunde völlig ausgerußt hatte.
„Wo is-" „Sie ist wach?", unterbrach sie erstaunt eine Stimme, die sie schon eine halbe Ewigkeit nicht mehr vernommen hatte. Kurz darauf tauchte passend dazu der entsprechende Mensch auf, dem noch einer folgte, den sie genauso lange nicht zu Gesicht bekommen hatte. Mit bei den beiden Jungs war Tonks.
„Charlie?", kam es ihr verblüfft über die schwachen Lippen. Als er und Blaise sahen, dass Tonks nicht übertrieben hatte, stahl sich auf die Gesichter der Zwei ein erleichtertes Grinsen.
„Hey! Unsere Prinzessin ist wieder wach", strahlte Blaise noch etwas mehr und beugte sich zu ihr. Im nächsten Moment hauchte er ihr einen kleinen Kuss auf die Wange.
„Willkommen zurück", meinte er, was Tonks verblüfft zur Kenntnis nahm. Ginny lächelte wiederum furchtbar sanft und erleichtert. Dieses Lächeln verriet Tonks endgültig, dass zwischen den Vier eine, zwar mehr als ungewöhnliche aber dennoch wohl umso tiefere Freundschaft bestand.
Für Hermione war die Gegenwart der beiden Slytherin Jungs gerade zu viel. Zwar freute sie sich, die Zwei zu sehen, nur verstand sie nicht, was sie hier machten?
„Wo … wo kommt ihr auf einmal her?" „Aus dem Nebenzimmer?", schmunzelte Blaise, während Charlie bereits näher nach ihr sah.
„Wie fühlst du dich?" „Was?" „Hast du noch sehr starke Schmerzen?", wurde er ernst, worauf sie kaum merklich nickte, dann aber leicht mit dem Kopf schüttelte, da sie die ganze Situation um sie herum vollkommen verwirrte.
„Was ist passiert? Wo sind Harry und Ron und … und Malfoy?" „Draco pennt im Nebenzimmer und wo die beiden Spinner sind, da fragst du besser Ginny", schnalzte Blaise giftig, sodass Hermione noch immer fertig zu ihrer Freundin sah. Diese erklärte ihr und füllte damit die Lücken in ihren Erinnerungen.
Am Ende sah Hermione wieder zu Blaise und Charlie, als Ginny berichtete, dass es wohl Malfoys Idee war, sie zu Charlie zu bringen. Mehr noch als dieser Aspekt überraschte sie, wie zuvor Ginny, dass Malfoy über die Verbindung in Kenntnis war, die sie und Ginny zu Blaise und Charlie pflegten.
„Er hat das gewusst?" „Überrascht?", grinste Blaise zufrieden, da ihr das recht deutlich ins Gesicht geschrieben stand. Hermione blieb dann auch etwas der Mund offen stehen. Fassungslos.
Er hatte das gewusst und zudem geduldet, dass sich seine besten Freunde mit ihr und Ginny abgaben? Das war doch total verrückt! Genauso verrückt, wie sich der Blonde die letzten Tage ihr gegenüber verhalten hatte.
„Tja, unser guter Draco steckt voller Geheimnisse." „Die meistens keine Guten sind", murrte Ginny und fing sich zur Strafe einen bösen Blick von Blaise ein. Hermione war hingegen noch immer bemüht das Ganze zu verarbeiten, nur war das im Augenblick für ihren hämmernden Schädel zu viel, sodass sie sich vorerst mit weniger zufriedengab.
„Wie geht's ihm?", richtete sie sich an Blaise, den ihre Frage kurz überraschte, bevor er griente.
„Du machst dir doch nicht etwa Sorgen um den Dickschädel?" Daraufhin schwieg sie, spürte zeitgleich aber ein noch heißeres Feuer durch ihre Venen rauschen, als die Frage gänzlich in ihrem Kopf ankam.
„Er wird's überleben", meinte Charlie, worauf Hermione zu ihm sah. Auf der einen Seite seltsam erleichtert, auf der anderen etwas unsicher.
„Was war denn?" „Nichts. Nur das der Schwachkopf Weasley ihn fast abgemurkst hätte", schnalzte Blaise.
„Man, das war ein Unfall!", nahm Ginny Ron in Schutz. Blaise funkelte sie allerdings wütend an.
„Unfall?", zischte er.
„Ich war zwar nicht direkt dabei, aber ich hab das Chaos bei euch gehört, also komm mir nicht von wegen Unfall! Dieses Spatzenhirn hat es doch darauf angelegt! Draco konnte sich noch nicht einmal gegen den Fluch schützen!" „Er ist doch selber schuld, wenn er Ron provoziert!", fauchte Ginny zurück.
„Wenn er seine scheiß Klappe gehalten hätte, wäre es gar nicht erst soweit gekommen!" „Draco kann seine Zunge aber nicht im Zaum halten! Davon abgesehen ist das kein Grund auf einen Wehrlosen loszugehen!" „Ach nein? Dann sagt das mal euren Death Eatern! Die interessiert es doch auch nicht, ob sie einen Wehrlosen, Unschuldigen quälen und töten!" „Steck uns ja nicht mit denen in einen Topf, das sag ich dir!", wurde Blaise nun wirklich wütend, was sich überdeutlich in seinen dunklen Augen widerspiegelte und dafür sorgte, dass Ginny sich im Kommenden auf die Zunge bis, da sie schon den nächsten Spruch parat hatte. Nämlich, dass Malfoy zu denen gehörte, auch wenn das alles, was gerade war, für sie sehr suspekt war.
„Es reicht!", sprach Charlie ein Machtwort, als beide nachfeuern wollten.
„Wenn ihr zwei nicht sofort die Schnauze haltet, schmeiß ich euch raus!", drohte er ihnen.
„Wir haben im Moment ganz andere Probleme." Damit warf er Ginny das Buch wieder auf den Schoß, die durch das plötzliche Gewicht ein wenig zuckte. Blaise zerrte er wiederum vom Bett runter, bevor er sich pampig an Ginny wandte.
„Habt ihr irgendwas gefunden?" „Nein", murrte diese, sah allerdings schuldig auf das dicke Buch, von dem sie noch nicht einmal die Hälfte durchgesehen hatte. Charlie ließ es dann auch auf sich beruhen und sah nun wieder ruhig zu Hermione, der die Zankerei ihrer Freunde nicht geheuer war.
„Kannst du dich an irgendetwas erinnern? Weißt du vielleicht, was für Flüche es noch waren, außer dem Cruciatus?" Daraufhin wurde sie kurz richtig weiß, bevor sie kaum merklich mit dem Kopf schüttelte und recht dünn „Nein" murmelte. Charlie seufzte.
„Okay dann… Ruh dich aus. Wir finden etwas. Wir stellen das alles ab und dann geht's dir wieder gut. Versprochen", lächelte er lieb und strich ihr durch die zerwühlten Haare.
„Versuch noch ein bisschen zu schlafen. Ich hab dir ein paar Tränke fertig gemacht. Die sollten die Schmerzen so weit eindämmen, damit du Ruhe hast", deutete er auf das Tablett, was auf dem Tisch neben dem Bett stand.
„Danke", zwang sie sich zu einem Lächeln und spürte recht deutlich, wie ihr die Tränen über die heißen Wangen kullerten. Die Beiden waren wirklich lieb.
„Aber nicht dafür. Wenn du jemandem Danke sagen willst, dann sag das Draco, sobald er wieder wach ist. Es war seine Idee, dich zu uns zu bringen. Und so wie ich das verstanden habe, hat er dich ja auch aus dem Manor rausgeholt." „Hm", machte Hermione daraufhin, als sie an die Schattengestalt zurückdachte, die sich erst um sie gekümmert und sie letztlich auch in Sicherheit gebracht hatte. Dass sich dieser Schatten nun zunehmend als Malfoy entpuppte, hätte sie nie gedacht. Überhaupt alles was war. Dennoch schien es so zu sein.
,Tja, unser guter Draco steckt voller Geheimnisse', hatte Blaise grinsend gemeint, was immer mehr den Tatsachen zu entsprechen schien. Sie fragte sich erneut, was sich noch alles in ihm, wie auch hinter seiner eigentlichen Erscheinung verbarg, die sie sonst nur zu Gesicht bekommen hatte?
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
Es war bereits spät am Abend, schon fast frühe Nacht, als sich die Wirkung des Schlafzaubers, sowie der Tränke, legte und Draco ziemlich verpeilt zwischen den beiden Kissen hervor blinzelte.
Er war noch immer nicht richtig wach und der Versuchung unglaublich nahe, den Kopf einfach wieder unter den Kissen verschwinden zu lassen. Allerdings hatte Blaise es bemerkt und legte das Buch weg. In der nächsten Sekunde zog er seinem Freund eines der Kissen vom Kopf.
„Wieder unter den Lebenden?" „Schnauze", murrte Draco nur und sah sich müde um. Inzwischen war auch Charlie bei ihm.
„Geht's dir besser?" „Hm", murmelte er noch immer im Tran.
„Siehst auch nicht mehr ganz so wie ausgekotzt aus", stichelte Blaise.
„Wer hat denn versucht mich zu vergiften?", zischte Draco, doch der Dunkelhäutige grinste bloß.
„Als ob du dich so leicht vergiften lässt." „Wo wir gerade dabei sind", klinkte sich Charlie dazwischen und hielt dem Blonden eine Phiole hin, auf die er skeptisch sah.
„Noch mehr?" „Das ist gegen die Vergiftung des Messers", erklärte er und legte die Hand auf Dracos Stirn.
„Damit sollte das Fieber weggehen, also frag nicht, sondern schluck es! Es müsste recht schnell wirken. Danach guck ich nochmal, ob ich deine Schulter halbwegs hinbekomme. Und dann isst du was! Du siehst aus, als hättest du seit Wochen nichts hinter gewürgt!"
Kam sogar hin, dachte Draco müde und nahm seine Medizin. Kurz darauf spürte er recht deutlich, dass Charlie nicht untertrieben hatte. Das Stechen und Brennen ebbte ab, sodass sein Kreislauf allmählich zu einem normalen Rhythmus zurückfand und er sich seit Tagen doch etwas wohler fühlte.
„Zu viel versprochen?", grinste Charlie, in was Draco matt einstimmte und ein wenig wirsch „Danke" murmelte.
„Das aus deinem Mund?", zog Charlie ihn auf und bekam zur Belohnung den gewohnt genervten Malfoy Blick.
„Das sieht eher nach dir aus", schmunzelte er, wurde allerdings gleich wieder ernst.
„Ich sag Sally wegen Essen Bescheid. Du kannst dich solange ja noch hinlegen." „Ich wär mehr für eine Dusche zu haben." „Oder so was. Dann seh ich mir aber nochmal deine Schulter an. Klar?" „Klar."
Daraufhin kroch Draco aus dem Bett, dem Blaise auf das angrenzende Bad deutete, in dem er dankbar verschwand. Er huschte unter die Dusche und ließ sich die ersten zehn, fünfzehn Minuten einfach nur von dem angenehm warmen Wasserstrahl berieseln. Dabei ließ er den ganzen Stress, die Angst, Unruhe und was ihn nicht noch alles erdrückt hatte, in den Abfluss fließen.
Es war ihm eine unvergleichliche Wohltat, mehr schon ein längst vergessen geglaubter Luxus, mal richtig abschalten zu können und alles hinter sich zu lassen. Vergessen zu können, gleich so, als wäre der Schrecken der vergangenen Jahre nie gewesen. Dieser holte ihn in Form von Charlies Ruf jedoch viel zu schnell wieder ein, womit ihm erneut klar wurde, wo er war, allen voran warum. Was passiert war.
Als das der Fall war, drehte er den Wasserstrahl nochmal kurz auf eiskalt, um richtig wach zu werden und seinem müden Kreislauf einen ordentlichen Tritt in den Hintern zu verpassen.
„Bist du eingeschlafen?", rief Blaise und steckte den Kopf ins Bad. Zum Dank wurde er mit einem genervten Blick belohnt. Blaise ließ sich nicht davon stören, sondern legte Draco ein paar frische Sachen hin.
„Komm in die Hufe, das Essen wird kalt." Damit war er weg und Draco an dem Kleiderhaufen. Er schlüpfte rasch in die dunkelgraue Jeans, das weiße Shirt und hellblaue Hemd, bevor er wieder ins Schlafzimmer trat. Nebenher rubbelte er sich die Haare trocken, durch die Blaise ihm neckisch strich.
„Nimm die Pfoten weg", knurrte Draco, der dieses Gefummel auf den Tod nicht ausstehen konnte. Und genau deswegen machte Blaise fröhlich weiter, bis Draco ihn wütend am Handgelenk ergriff, was er ihm doch etwas fester zusammendrückte.
„Wenn du nicht sofort aufhörst, vergeß ich mich!" „Nur zu", grinste Blaise und reckte ihm einladend das Kinn hin. Draco kam jedoch nicht dazu, ihm den unausgesprochenen Wunsch zu erfüllen, da Charlie ihn zurück und damit auch das Hemd über der Schulter ein wenig runter zog.
„EY!" „Jetzt halt still!", murrte Charlie und deutete mit seinem Zauberstab auf die Verletzung.
„Episkey", murmelte er. Damit schloss sich die Wunde gänzlich, da die Giftstoffe die Heilung nicht mehr behinderten. Allerdings blieb um den Einstich eine deutliche Vernarbung zurück. Genauso wie Charlie befürchtet hatte. Auf diese träufelte er Draco noch etwas Diptam, um wenigstens die Wulst des zerstörten Gewebes verschwinden zu lassen, sodass nur noch ein großer, heller, fast weißer Fleck, auf Dracos Schulter prangte. Der Blonde tastete nur kurz mit der Hand darüber, um festzustellen, dass dort nichts mehr war.
„Und jetzt?" „Essen", grinste Blaise.
„Ich hab keinen Hunger", muffelte Draco.
„Das kannst du sonst wem erzählen. Setzen", scheuchte Blaise ihn zum Tisch. Draco murrte.
„Ihr seid schlimmer als zwei Glucken!" „Selber schuld. Wir hatten ausgemacht, dass du dich meldest!", meckerte Charlie.
„Ich konnte halt nicht, okay? Oder denkt ihr ernsthaft, ich lass mich freiwillig mit diesen Psychopathen wegschließen?!", fauchte Draco, worauf sich Blaise und Charlie kurz schuldig ansahen, bevor sie ihrem Freund wieder gut zusprachen.
„Die bist du jetzt aber los." „Merlin sei Dank", murmelte er und sah etwas angewidert auf seinen Teller. Zwar stimmte es, dass er die letzten Tage, mehr noch Wochen, so gut wie gar nichts in den Magen bekommen hatte. Das dumpfe Hungergefühl hatte irgendwann jedoch soweit nachgelassen, dass es ganz verschwunden war und auch keine Anstalten machte zurückzukommen.
„Iss!", drängte Charlie, allerdings drückte sich Draco geschickt um die Aufforderung.
„Wie geht's ihr?" „Was?" „Hermione." Daraufhin sahen sich Charlie und Blaise ein wenig unschlüssig an, was Draco unruhig stimmte.
„Was?" „Nichts. Sie war vor ein paar Stunden kurz wach." „Sie war wach? Richtig wach, oder -" „Richtig wach", wusste Blaise ihn zu beruhigen und lümmelte sich in den nebenstehenden Sessel.
„Sie war anfangs noch ein bisschen neben sich, bis wir ihr alles erklärt haben." „Was erklärt? Ihr habt ihr doch nicht etwa…", wurde Draco bleich.
„Natürlich nicht. Sag mal…?", schüttelte Blaise mit dem Kopf, ehe er spitz grinste.
„Das erklärst du ihr alles schön selber." Daraufhin schwieg Draco. Sie würde das alles doch ohnehin nicht glauben. Dafür war zu viel passiert. Dafür klang es zu verrückt!
Schließlich stand er auf und war weg, noch bevor Blaise oder Charlie ihn zurückhalten konnten. Sie riefen zwar nach ihm, doch er ignorierte die Beiden und verschwand in das Zimmer, in dem Hermione lag. Charlie und Blaise im Nacken.
„Man, was hast du jetzt -", brach Blaise ab, als Draco an der Tür zum Schlafzimmer stehen blieb und bedrückt auf das vor sich sah. Blaise musterte ihn kurz, ehe er seinem Freund beruhigend die Hände auf die Schultern legte und sich zu ihm beugte.
„Sie wird wieder gesund. Wir finden etwas. Also mach dir keinen Kopf. Und dann erklärst du ihr endlich alles. Und zwar von Anfang an. Hast du mich verstanden?" Draco gab ihm auf den Hinweis jedoch keine Antwort. Stattdessen fraß sich sein Blick schuldig an Hermione fest, was auch Tonks und Ginny bemerkten. Die Rothaarige maß ihn recht kühl, während Tonks erleichtert grinste.
„Wieder unter den Lebenden?", scherzte auch sie, worauf Ginny kaum hörbar „Leider" murmelte und die Nase zurück in ihr Buch steckte. Draco schenkte den Beiden nur kurz minimale Beachtung, ehe er ganz ins Zimmer trat, um richtig nach Hermione zu sehen. Sie schlief relativ ruhig, war aber noch immer so bleich, ebenso wie ihr der kalte Schweiß auf dem Gesicht glänzte. Auf den Anblick legte er ihr die Hand auf die Stirn, bevor er stinkig zu Charlie sah.
„Hast du nicht gesagt, du hast dich um sie gekümmert?" „Hab ich doch! Dass sie noch immer so glüht, liegt an etwas anderem." „Eine Lungenentzündung?", warf Draco in den Raum, worauf Charlie mit dem Kopf schüttelte.
„Es sind weder ihre Verletzungen noch die Lungenentzündung. Darum haben Paps und ich uns gekümmert. Es hängt vermutlich mit diesem Fluch zusammen." Damit richtete er sich an Tonks.
„Habt ihr etwas gefunden?" „Noch nicht." „War sonst noch was? War sie nochmal wach?" „Nichts", erklärte Tonks, während Ginny Draco gefährlich im Auge behielt. Ihr war nach wie vor nicht geheuer, dass er ihrer Freundin so nah war, auch wenn er wohl wirklich nichts Böses im Sinn hatte. Sie traute ihm dennoch nicht weiter, als sie Kingsley werfen konnte.
Draco hatte die Anwesenden inzwischen komplett ausgeblendet, als er Hermione durch die Haare und über die blass-kalte Wange strich. Es interessierte ihn nicht, dass Tonks und allen voran das Miniwiesel, ihn spitz musterten. Tonks wusste durch seine Mutter ohnehin schon zu viel und was Weasley anging… Die war ihm scheißegal. Sollte sie denken, was sie wollte. Er würde sich jetzt hier, solange es Hermione noch so schlecht ging, nicht wie der letzte Arsch benehmen, nur weil gewisse Leute so ein Verhalten von ihm erwarteten.
Schließlich richtete er sich auf und verschwand in dem angrenzenden Bad. Dort nahm er einen der Lappen und tränkte ihn in dem frischen Eiswasser, bevor er zurück kam und Hermione den kalten Umschlag auf die Stirn legte, was sie leise seufzen ließ. Ginny konnte auf das Bild jedoch nicht mehr an sich halten.
„Okay, was soll das?", fragte sie und sah ihn wütend an, sodass er sie giftig von unten taxierte.
„Was?" „Frag nicht so blöd! Das weißt du ganz genau! Ich will wissen, was du vorhast? Was das soll!? Wieso tust du das alles? Warum mimst du uns hier auf einmal den ach so hilfsbereiten und besorgten Freund? Denkst du ernsthaft, das kauft dir irgendjemand ab? Dass es irgendetwas ändert? Denkst du wirklich, du könntest so alles, was du getan hast, ungeschehen machen? Dass man einem Death Eater wie dir glaubt?!" „Ginny!", fuhr Tonks ihr scharf dazwischen, doch die junge Hexe funkelte den Blonden weiter wütend an, der sie seinerseits bissig taxierte.
Am liebsten hätte er sie auf alles, was sie ihm vorwarf, angeschrien. Stattdessen fraß er es in sich hinein und rauschte ab, dem Blaise gleich folgte. Charlie drehte sich kurz giftig zu Ginny.
„Du hast keine Ahnung, was du da gerade gesagt hast!" Damit war auch er weg. Ginny sah ihm allerdings nur einen Moment sauer nach, bevor sie sich erneut ihr Buch nahm, um weiterzulesen. Tonks sah sich auf alles jedoch etwas im Regen stehen.
Auf der einen Seite wollte sie mit Draco reden und ihn… Nun ja, wieder aufmuntern, dass Ginny das sicher nicht so gemeint hatte. Auf der anderen war da die Rothaarige, der sie überlegte ein paar von den Dingen zu erklären, die sie durch ihre Mutter und Tante erfahren hatte.
„Ginny, das war … gemein." „Ich hab nur die Wahrheit gesagt", knurrte sie und blätterte um. Tonks erkannte daran überdeutlich, dass sie sich so schnell nicht von ihrer Meinung und den Gedanken abbringen ließ. Dass es vergebliche Liebesmüh war, ihr andere Dinge vor Augen zu halten. Am Ende nahm sie sich ebenfalls ihr Buch, damit sie diesen verdammten Fluch endlich fanden.
Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ
