zu dieser Szene: Die Geschichte hinter dem letzten Abend in Scarborough.
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- Nachdem Hermine das Bad verlassen hat und in ihr Zimmer gegangen ist (Kapitel 25).
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„Weißt du nicht mehr, wie besonders dein erstes Mal für dich war, Severus?"
„Ich hab es mit einer Hure in der Nokturngasse hinter mich gebracht."
„Und dennoch hat es dich geprägt."
„Es hat mir eine neue Art, meinen Frust loszuwerden, eröffnet."
„Es hat dich zu einem anderen Menschen gemacht."
„Es hat mich zu einem Mistkerl gemacht."
Auf diese Feststellung hin schwieg die altkluge Stimme in seinem Kopf und gab Severus die Möglichkeit, sich komplett auf das zu konzentrieren, was er durch den schmalen Spalt in der geöffneten Zimmertür sehen konnte.
Er war gerade auf der Treppe gewesen, als Hermine vom Bad in ihr Zimmer gegangen war. Mit nicht mehr als einem Handtuch, das ihren Körper verhüllte. Ihre weißen Waden glänzten im flackernden Licht der Kerzen, die in den Ständern an den Wänden brannten, und von einigen Haarsträhnen, die unter dem Turban hervorlugten, tropfte Wasser auf ihre Schultern. Als sie eilig nach dem einen Ende des Handtuches griff, konnte er deutlich die Muskeln erkennen, die sich unter der glatten Haut bewegten. Und das Schulterblatt.
Lautlos, wie er sonst nur Schülern nach der Sperrstunde folgte, war er die letzten Stufen hinaufgestiegen und durch die Schatten geschlichen, bis er sie wieder sehen konnte. Sie stand mit dem Rücken zu ihm, klemmte sich den Stoff des Handtuchs unter den Arm und hatte den Kopf gesenkt.
Ein Bein war angewinkelt, so dass er ihre rosige Ferse sehen konnte. Die Achillessehne ragte straff zwischen den beiden Kuhlen hervor. Langsam tasteten seine Blicke sich weiter nach oben und ihr Bein schien immer länger zu werden, bis der Saum des lästigen Stoffes ihm die Sicht nahm.
Severus rümpfte die Nase und knurrte. Blinzelnd erlangte er seine Fassung zurück und ballte die Hände zu Fäusten. „Ich sollte da reingehen und ihr sagen, dass sie weglaufen soll, solange sie noch kann."
„Oder du gehst da rein", schlug Albus' Stimme prompt vor, „und sorgst dafür, dass sie das Erlebnis bekommt, das sie verdient hat."
„Stiftest du tatsächlich gerade einen deiner Lehrer zum Sex mit einer Schülerin an, alter Mann?"
„Meinen Lehrer? Ich bin nicht mehr der Schulleiter, Severus. Hier bin ich nichts weiter als ein Partner für deine unsinnigen Diskussionen."
„Ich führe keine unsinnigen Diskussionen!"
„Natürlich tust du das. Immerhin steht schon am Anfang einer jeden Diskussion mit mir fest, was du tun wirst. Es ist reine Zeitverschwendung."
Der Tränkemeister knurrte erneut. Seine Blicke ruhten allerdings noch immer auf Hermines Rücken. Dort, wo die Schulterblätter sich unter ihrer Haut bewegten.
„Was ist, wenn sie eine falsche Meinung hat? Was, wenn sie denkt, mein Verhalten letztens wäre normal?"
„Sie ist ein kluges Mädchen, Severus."
Er schnaubte. „Ich bin nicht der Richtige für sie. Sie sollte jemand anderen finden, um ihr die Geheimnisse dieser zwischenmenschlichen Aktivitäten zu zeigen. Ich kenne sie ja nicht mal selbst."
„Und doch wirst du hineingehen." Albus' Stimme war sehr leise und entging Severus' Aufmerksamkeit komplett, während Hermine sich etwas drehte und ihr Profil gegen das Licht einer Kerze hielt.
Es war ein sonderbarer Moment. Und seine letzte Chance. Vorhin hatte er Minerva Bescheid gegeben, dass er nach Hogwarts zurückkehren würde. Zurück in eine Welt, in der niemand ihre Rollen als Schülerin und Lehrer so einfach ignorieren würde, wie Albus es in seinem Kopf tat.
Und so schob er das Kinn vor, biss die Zähne fest aufeinander und stieß die Tür zu Hermines Zimmer auf.
