Es regnete.

Trist und traurig war die Welt.

Das Wasser, das vom Himmel fiel, war so stark, das es in den Straßenrinnen kleine Bäche bildete. Blitz und Donner herrschten abwechselnd durch die Wolken.

Jill schluckte, schüttelte den Kopf. Ein seichtes Lächeln zierte ihre Lippen. ,,Wenn du das da draußen sehen würdest, dieses Sauwetter, würdest du dich höllisch aufregen…" sie drehte sich um zu ihrer schlafenden Freundin, ,,...Du hast Regen schon immer gehasst."

Das stete Piepsen klang noch immer. Tag ein, Tag aus.

Seit einer vollen Woche schon.

Es war jetzt der achte Januar und Rebecca hatte die ganze Zeit kein Zeichen von sich gegeben. Noch immer lag sie im tiefen Koma.

Jill kam zu ihr ans Bett, hob den grünen Kittel etwas hoch, um ihrem Bauch den nötigen Platz zu geben und setzte sich zu der Brünetten auf die Bettkante.

Ja, noch immer lag Rebecca auf der Intensivstation. Jill hasste dieses Grün, dass sie hier tragen musste, sie hasste überhaupt Krankenhäuser.

Vor drei Tagen erst war Rebecca so weit stabil gewesen, das sie nach Arlington ins Krankenhaus verlegt werden konnte. So war sie näher an ihrem Zuhause, an Carlos, an all den Menschen, die sie liebten.

Der Arzt hatte Jill über Rebeccas Zustand informiert.

Sie hatte sich von dem Autounfall weitgehend erholt, die Operationen gut überstanden, doch es war noch immer ein Rätsel, weshalb sie nicht aufwachte.

Jill machte das fertig.

Noch vor einem Jahr, hatte sie an Chris´ Bett gesessen, jetzt saß sie an dem ihrer besten Freundin und sie hasste es einmal mehr. Es hätte nicht so kommen müssen.

Sanft nahm Jill Rebeccas regungslose Hand in ihre, hielt sie fest, strich ihr über den Handrücken. Seit der Neujahrsnacht saß Jill jede freie Minute, die sie entbehren konnte an ihrer Seite. Sie hoffte ein jedes Mal, das Rebecca endlich ihre Augen aufschlagen würde, doch genauso oft wurde sie bitter enttäuscht.

Blässe lag in dem Gesicht der jungen Ärztin. Kurze braune Strähnen lagen ihr auf der Stirn, die Jill leicht davon schob.

,,Es tut mir wirklich leid, Becca…ich weiß, ich habe dir das schon oft gesagt, aber es stimmt. Ich hätte den Unfall verhindern müssen…Ich hätte dich aufhalten müssen, ich hätte das alles niemals zulassen dürfen…" Jill schniefte, als ihr eine Träne aus dem Auge rann, ,,...Du musst einfach wieder aufwachen!…Bitte, ich will dir so vieles erklären…Du hast das hier nicht verdient. Wir brauchen dich…ich brauche dich…"

Sie musste sich zusammenreißen, um nicht einfach los zu heulen, ,,…Eric fragt jedes Mal nach dir, du fehlst ihm…uns allein eigentlich…"

Es klopfte an der Tür.

Jill schreckte auf, sah hin und es war Carlos der die Nase in das Zimmer streckte.

Umgehend stand Jill auf, sah noch einmal in das Gesicht ihrer Freundin: ,,Wir sehen uns dann…" sie legte ihre Hand zurück. Schweigend trat sie vom Bett zurück, während Carlos sich näherte.

Nie hatte Jill seither mit ihm geredet, so oft sich auch die Wege der beiden hier gekreuzt hatten. Nicht ein Wort, seit jener Nacht, obwohl Carlos sich bei ihr entschuldigt hatte. Totenstille herrschte heute genauso wie immer zwischen den beiden und Jill wusste, dass wenn er kam, sie ging. So war es immer.

Sie verließ das Krankenzimmer und stockte erstaunt, als sie nach einigen Schritte seine Stimme hinter sich hörte.

,,Jill, warte!"

Carlos schloss zu ihr auf, stellte sich vor sie, als sie sich knapp zu ihm umdrehte. Er schlucke, schüttelte den Kopf: ,,Findest du nicht, das wir das Kriegsbeil begraben sollten?…Wir drücken und gegenseitig die Klinke in die Hand, ohne Hallo zu sagen, ich finde das ehrlich gesagt nicht schön."
Jill holte Luft, war weder ärgerlich noch sauer: ,,Es gibt kein Kriegsbeil, Carlos…"

Verdutzt sah der ehemalige Söldner sie an: ,,Ach nein?…Warum redest du dann nichts mit mir? Wie oft soll ich dir noch sagen, das es mir leid tut, was ich euch allen in jener Nacht angetan habe? Wie lange, willst du mich noch dafür bluten lassen?"

,,Carlos…" begann Jill, ,,…ich tue doch gar nichts. Ich will einfach nur meine Ruhe haben, ich besuche Rebecca, weil sie mir verdammt wichtig ist. Ich habe dir nichts zu sagen."

,,Ich dir aber…" fest sah er ihr in die Augen, ,,…Jill, du warst mir immer eine Freundin, ich will wissen, ob das noch der Fall ist?"

Sie sah unter sich: ,,Das ist hier nicht der richtige Ort für ein solches Gespräch…" Jill brach ab, wartete bis die sich nähernde Krankenschwester vorbei gegangen war, ,,…Ich will nicht mit dir reden."

,,Weil Chris es dir verboten hat?"

Abrupt blickte sie ihm in die Augen.

,,Ich weiß noch gut, womit er mit gedroht hat, wenn ich es wage mich dir zu nähern, doch wie soll das funktionieren? Rebecca verbindet uns alle."

,,Chris verbietet mir nichts. Das kann er auch überhaupt nicht, also tu mir den Gefallen und hör auf meinen Ehemann indirekt als Diktator zu bezeichnen…" Sie sagte das im ruhigen, wollte sich nicht aufregen, ,,...Er ist nicht so und das weißt du. Er war mal dein Freund."

,,Ja, ein Fehler…" Carlos verschränkte die Arme vor der Brust.

,,Es war kein Fehler…" korrigierte Jill, ,,…du bist der Pate unseres Sohnes, warum kann es nicht Frieden geben zwischen euch?"

,,Frieden?…" Carlos lachte beinahe, ,,…Jill, glaubst du allen ernstes, ich kann dem noch mal unter die Augen treten? Er wird mir den Kopf abreißen, allein schon deswegen, das du wegen mir gestürzt bist."

Ein weiteres Mal blickte Jill unter sich. Sie schwieg, verdrängte die Erinnerung.

,,Wie geht es dir?" wollte er wissen.

Jill nickte langsam: ,,Gut…"
,,Du siehst nicht danach aus..." er musterte sie eingehend, ,,…wann hast du das letzte Mal geschlafen?"

Ein Zucken mit den Schultern war die einzige Antwort.

,,Ich weiß, es geht dir Scheiße, wegen Rebecca und so, aber du darfst dich nicht fertig machen, okay? Es war nicht deine Schuld." er versuchte die Hand auszustrecken, sie zu berühren, doch im selben Moment blickten ihre Augen in seine und ließen ihn stoppen.

,,Das sagst gerade du?…" Jill traute ihren Ohren kaum, ,,…Deine Frau liegt da drin im Koma und du sorgst dich mehr um mich als um sie?…Sag mir ernsthaft, Carlos, hast du sie jemals wirklich geliebt?"

,,Ja…" er nickte, hielt ihren Augen stand, ,,...Natürlich liebe ich sie, aber Jill…" er dämpfte seine Stimme, ,,…was soll ich denn machen? Sag es mir? Wie soll ich dich vergessen?…Ich will für Rebecca der Mann sein, den sie braucht, aber ich kann es nicht, wenn ich immer noch an dir hänge. Verdammt, ich liebe dich doch auch!"

Jill sah seine Tränen, die seine Augen nässten, wusste, das seine Worte ehrlich waren. Es rührte sie, er bereute wirklich. ,,Ich weiß es nicht, okay?…" ihr kullerten selbst zwei Tränen die Wange hinab, ,,…Ich weiß nicht wie du mich vergessen kannst, aber du musst es, egal wie. Gott, das alles wäre niemals passiert, wenn…" sie brach ab, drehte den Kopf zur Seite.

,,Es spielt keine Rolle mehr…" entgegnete er, ,,…Ich liebe dich und du liebt nun mal Chris. Ich kann beteuern wie ich will, das er nicht gut für dich ist und du hältst trotzdem an ihm fest, also werde ich versuchen mich von dir fern zu halten…Das bedeutet, das wir uns hier auch nicht mehr sehen werden."

Sie blickte auf: ,,Was soll das heißen?"

,,Du besucht Rebecca und ich und wir laufen uns über den Weg, das ist nicht gut. Sie ist meine Frau, also wirst du dich darauf beschränken sie nur zu besuchen, wenn ich nicht da bin."

,,Das ist totaler Schwachsinn, Carlos!"

Er schüttelte den Kopf: ,,Ist es nicht!…Glaubst du mir macht das Spaß meine Frau so zu sehen, zu wissen, dass das alles nur wegen mir passiert ist?…Dienstags und Freitags habe ich lange Schicht im Department, da kannst du sie besuchen. An den anderen Tagen, inklusive Wochenende, will ich dich nicht mehr hier sehen."

Jill fand ihre Worte nicht: ,,Carlos…" sie wusste nicht, was sie sagen sollte, ,,…Spinnst du?"

Fest sah er ihr in die Augen: ,,Nein…ich muss anfangen, die Dinge gerade zu biegen und bei Rebecca ist ein guter Start zu finden. Ich will alles in meiner Macht stehende tun, das sie aufwacht, ich werde bei ihr sein, mit ihr reden und ich werde erst aufhören, wenn ich ihr wieder in diese wundervollen Augen blicken kann, ihr erklären kann, wie sehr ich sie vermisse, wie sehr es mir leid tut und wie sehr ich sie liebe...Das musst du verstehen, Jill. Ich will dich nicht mehr sehen, ich kann nicht!"

Tränen kullerten aus Jills Augen: ,,Aber sie ist meine Freundin, sie Einzige…ich…ich habe sonst niemanden…"
,,Claire?"
Jill ließ die Schultern hängen: ,,Sie hat doch kaum Zeit wegen Kathryn. Angela lebt in Philadelphia und Kathy ist mit Barry verreist."

Carlos fiel es schwer das zu tun. Er wusste wie nahe sich Jill und Rebecca standen, doch ihm blieb keine Wahl. Kalt zuckte er mit den Schulten: ,,Ich kann dich vielleicht nur vergessen, wenn ich wirklich Abstand zu dir gewinne…Mein Entschluss steht fest, Jill." Ohne weitere Worte, drehte er sich wieder um, ging zurück in das Zimmer seiner komatösen Frau.

Jill blieb noch stehen. Sie wusste insgeheim das er recht hatte. Sie mussten alle Abstand voneinander haben und sich an das Bett einer Komapatientin zu flüchten war auch nicht das wahre. Es nahm ihr weder Kummer noch Schmerz, da Rebecca nie eine Antwort von sich gab.

Doch wen hatte sie?

Niemanden.

Keiner war da, der mit ihr reden konnte, der sie wirklich verstand. Ohne Rebecca fehlte etwas und das tat einfach nur weh…


,,Eric schläft…" Chris trat ins gemeinsame Schlafzimmer, sah das leichte Nicken seiner Frau.

Jill saß auf der Bettkante und hielt etwas in der Hand.

Neugierig hielt Chris inne damit zum Badezimmer weiter zu gehen und kam zu ihr. Setzte sich neben sie und sah auf ihre Hände.

Das schwache Licht der Lampe auf dem Nachttisch, schien auf die Fotografie, die Jill in den Händen hielt. Ein Bild von ihr und Rebecca. Chris selbst war es gewesen, der dieses Foto geschossen hatte, am Geburtstag von Eric.

Er seufzte leise, wusste das etwas nicht stimmte. Ein jedes Mal, wenn Jill im Krankenhaus war, war sie so bedrückt, doch heute schien noch etwas ganz anderes zu sein. ,,Was ist los, Liebling?…" sanft legte er einen Arm, um ihren Rücken, ,,…Glaub nicht, ich hätte nicht bemerkt, das du geweint hast, als du nach hause kamst. Ich habe nichts gesagt wegen Eric, aber er ist ja jetzt nicht hier…"

Sie schwieg. Ihr Daumen strich unentwegt über das Foto.

,,Liebling…" begann er von neuem, ,,…ich bin nicht Rebecca, aber du kannst trotzdem mit mir reden, über alles. Ich weiß sie fehlt dir unheimlich."

Jill schloss die Augen. Erneut spürte sie beißende Tränen hinter ihren Lidern, atmete tief durch, um das aufschluchzen zu übergehen. Sie wollte nicht an Rebecca denken. Sich zu erinnern, wie ihre Freundin da auf der Intensivstation lag, quälte jedes Nervende, das sie besaß.

,,Sie wird zurück kommen…" Chris versuchte ihr Trost zu spenden, ,,…sie braucht nur ein bisschen Zeit."

Wieder bekam er keine Reaktion von ihr: ,,…Alles okay?"

Chris verstand ihr Schwiegen als Zeichen, das sie allein sein wollte und nickte. Gerade als er von ihr wich, aufstehen wollte, waren es ihre Worte, die ihn inne halten ließen.

,,…Ich fühl mich so allein, Chris…"

Umgebend drehte er sich zu ihr, musterte sie mit fragendem Blick.

Allein?

Sie fühlte sich allein? Wieso?

Als ob sie seine Gedanken lesen könnte, sage sie: ,,Ich weiß nicht wieso…" ihre Augen lösten sich nicht einmal von der Fotografie, ,,…ich weiß nur, das es so ist."

Noch einmal legte Chris seinen Arm um ihre Schultern: ,,Du bist nicht allein. Wir sind alle bei dir."

Doch das war nicht das, was sie meinte, also wurde sie genauer: ,,…Mit Rebecca zu reden hat mir immer geholfen. Sie war immer für mich da und obwohl ich bei ihr sitze, ihr alles sage, was sich in mir anstaut…" Jill schüttelte den Kopf, ,,…Es kommt mir so vor, als würde mein Kopf platzen, der Knoten in meiner Brust immer enger werden…Es ist so verdammt kalt ohne sie."

Jetzt verstand Chris.

Und ja, Jill hatte wirklich niemanden mehr, mit dem sie so reden konnte wie mit Rebecca.

Chris wusste, was die beiden verband, wusste das beide einander Mund und Ohren waren, sich so nahe standen wie Schwestern.

Sanft und bestimmend, zog er Jill in seine Umarmung, hielt sie, während er ihren Worten lauschte.

,,Wie sehr wünsche ich mir, das sie endlich wieder aufwacht, das sie mir antwort gibt…" sie hielt sich an seinem Arm fest, ,,…Ich will ihr so vieles erklären, aber ich fürchte, das sie mich hasst…"
,,Nein, red doch so was nicht…" er sah sie an.

,,Ich muss…" entgegnete Jill, ,,…Die ganze Sache mit Carlos…der Kuss…ich habe ihr so weh getan…"

Chris schluckte, schüttelte den Kopf: ,,Nein…er hat dich dazu gedrängt, sich dir aufgezwungen…ich könnte ihm noch immer den Hals umdrehen…und Jill…Rebecca weiß das, glaub mir."

Schwer seufzte sie: ,,Ich hoffe, das du recht hast. Ich will sie nicht auch noch verlieren…weißt du, erst vor einem Jahr, da warst du es, der im Koma lag und jetzt sie…Das ist ein Apltraum, ein Drama, das niemals endet…" Jill schüttelte den Kopf, konnte nicht anders ausdrücken, was in ihr war, ,,…Ich weiß nicht, was mit mir los ist, Chris, es ist alles so schwer geworden, seit sie…"

,,Schh…" unterbrach er schließlich, ,,…es wird besser, du wirst sehen. Bald wacht sie wieder auf, ganz bestimmt…" Chris wusste, das Jill drauf und dran war, zurück zu fallen, wieder depressiv zu werden. Das hatte er in den letzten Tagen beobachtet, gemerkt und er wollte das mit allen Mitteln verhindern, ,,…rede mit mir, Liebling, bitte…Vielleicht kann ich Rebecca nicht ersetzen, aber ich werde mein Bestes tun!"

Erst jetzt hob Jill den Kopf aus seiner wohligen Umarmung, blickte auf, in seine tiefblauen Augen. Sie nickte: ,,Ich weiß…" dann legte sie den Kopf wieder zurück an seine Brust, ihre Hand lag auf ihrem Bauch. Sie spürte den heftigen Tritt.

Chris ebenso: ,,Woww…das war aber ganz schön heftig, was?"

,,Ja…" sie seufzte, ,,…warum haben eigentlich alle unserer Kinde deine Trittstärke?"

Er zuckte mit den Schultern: ,,Keine Ahnung, irgendwas müssen sie ja auch von mir haben." Ein Lächeln zierte seine Lippen.

Jill lächelte ebenso, mochte es, wenn er ihr über den Bauch strich. Sie legte seine Hand auf seine, was dazu führte, das er inne hielt. Wieder sah sie auf, in seine Augen: ,,Du hast morgen Mittag auch frei, oder?"

Er nickte: ,,Aber ja…glaubst du, ich würde auch nur einen Arzttermin von dir verpassen wollen?…Zumal wir vielleicht endlich die Geschlechter der Zwillinge erfahren…" Ja, morgen stand ein weiterer Ultraschall an. Bisher waren beide Babys noch etwas scheu und zeigten nicht, ob sie männlich oder weiblich waren Im Grunde war es auch egal, sie waren gesund und das was das einzige wichtige für Jill.

,,…So langsam müssen wir auch mit dem Kinderzimmer anfangen…" sprach Chris weiter, ,,…bis Mai ist nicht mehr lange."

Jill nickte.

,,Ich habe mir überlegt, das Gästezimmer umzubauen. Es ist fast genauso groß wie unseres und hey…zwei Kinder brauchen ja schon ein Stückchen mehr platz. Einverstanden?"

Noch einmal nickt sie.

,,Sollen wir es so gestalten wie Erics Zimmer, oder diesmal ganz anders?"

Jill zuckte mit den Schultern: ,,Keine Ahnung…vielleicht wäre es klüger zu warten bis wir morgen vielleicht wissen, ob wir Söhne oder Töchter bekommen, dann können wir uns stundenlang über Farbe unterhalten."

Chris grinste, hatte noch immer die Hand um sie gelegt, drückte sie sachte an sich und küsste ihre Schläfe.

Jill hatte eine Hand an sein Knie gelegt, sah zu ihm hin und stete durch: ,,Danke…"

,,Wofür?"

,,Das du für mich da bist und mir zuhörst…" sie hob den Kopf und sah ihm in die Augen, ,,…Ich habe lange darauf verzichten müssen…" Jill stieß Luft aus ihren Lungen, ,,…Ich habe einfach alles an dir vermisst."

Jetzt lächelte Chris, beugte sich zu ihr, fasste dabei mit Daumen und Zeigefinger hauchzart an ihr Kinn und küsste sie. Als er sich löste, hielt er dem Augenkontakt stand: ,,Du wirst mich nie wieder vermissen müssen…" seine Hand, die um ihren Rücken lag, streichelte sanft über ihr Kreuz.

Hauchzart hob sich einer ihrer Mundwinkel, als Jill sich streckte, sich ihren Kuss zurück stahl. Sanft berührte sie seine Lippen mit ihren, legte ihre rechte Hand an seinen Hals. ,,…ich mag es dich zu küssen…" ihre Stirn verharrte auf seiner, sie lachte jetzt leise.

Chris entgegnete das, hatte die Umarmung um sie gefestigt, nickte: ,,…ich mag es auch…sehr…" noch mehr Küsse tauschten sie, zupften spielerisch an den Lippen des jeweils anderen, bis Chris einmal mehr grinste und frage: ,,…Weißt du…wa sich noch mehr mag? Weiß du was ich will?"

Sie konnte es sich denken, doch schüttelte dennoch den Kopf dabei.

,,Dich…" er neigte den Kopf, seien Lippen wanderten zu ihrem Hals. Er strich ihr Haar nach hinten, küsste seitlich ihre Haut.

Jill lächelte nur knapp, doch zufrieden. Sie schloss die Augen. Oh, wie sehr mochte sie es, wenn er sie so berührte. Sie fühlte seine Hände unter ihrem Shirt auf ihrer nackten Haut am Rücken und sie wusste ganz genau, auf was er es abgesehen hatte. ,,Sei bloß sanft mit mir…" hauchte sie gespielt drohend, während ihre Sinne bereits davon schwebten, ihre Hände bereits die obersten Knöpfte seines Hemdes öffneten.

Chris hob den Kopf, grinste, während er ihr schelmisch in die Augen blickte. Dann neigte er sich wieder zu ihr, nur um sie erneut zu küssen, mit einem Kuss, der nicht so schnell abebben würde…


Noch völlig übermüdet, aber irgendwie glücklich bereitete Jill das Frühstück für ihre Familie. Sie deckte den Tisch, schnitt das Brot und kochte den Kaffee. Sie stellte gerade das Körbchen mit den frisch aufgebackten Brötchen auf den Tisch, als Chris und Eric hineingeschlurft kamen.

Augenblicklich lächelte Jill: ,,Guten Morgen ihr Zwei…"

Chris legte eine Hand an den Rücken seiner Frau, hauchte ihr einen Kuss auf die Wange: ,,Morgen…" er zwinkerte ihr zu, als er sich wieder von ihr löste, um sich dann kurz darauf etwas zu bücken und seinem Sohn auf den Stuhl zu helfen.

Jill war noch mal zur Küchenzeile zurück gegangen um den Kaffee zu holen. Sie bemerkte, wie verschlafen ihr Kind noch war. ,,Bist du noch müde, Eric?"

Mit einem schmollenden Gesichtsausdruck sah das Kind seine Mutter an, blinzelte und nickte knapp.

,,Das kommt davon, wenn man abends nicht einschlafen will…" meinte Chris trocken, griff in den Schrank unter die Spüle und zog eine Dose Hundefutter hervor.

Ben jubelte, bellte zweimal auf, wedelte mit dem Schwanz und kaum, das Chris ihm den Inhalt in den Napf gefüllt hatte, fing er auch schon schlabbernd an zu fressen.

,,Du alter Schmatzer!…" Chris lachte glucksend, rubbelte seinem Hund über den Kopf, dann erhob er sich, ging zum Esstisch zurück und setzte sich gegenüber von Jill und Eric.

Gemeinsam frühstückten sie, so wie jeden Morgen. Und so wie jeden Morgen, sah Chris zu, wie seine Frau zu ihrem Marmeladenbrötchen mit dem Glas Milch auch ihre Gurken verdrückte.

Er lachte leise, trank einen Schluck von seinem Kaffee und schüttelte den Kopf.

,,Was denn?…" Jill schluckte ihren bissen herunter, ,,…Du müsstest dich doch langsam wirklich an meine Essgewohnheiten gewöhnt haben."

,,Daran gewöhne ich mich sicher nie, Jill…wird Zeit, das du wieder zu den Cornflakes wechselst."

Sie zuckte nur vergnügt mit den Schultern, ehe sie einen weiteren, herzhaften Biss von dem Brötchen nahm. Hunger hatte sie wirklich immer, es war schon fast eine Plage.

,,Wann war der Termin noch mal? Um drei?" wollte Chris noch einmal zur Sicherheit wissen.

Jill nickte, spülte die Gurke mit einem Schluck Milch herunter: ,,…Ja, wir treffen uns einfach vor der Praxis, ich mach früher Schluss."

,,Echt jetzt?…" Chris zog die Augenbrauen hoch, genoss das warme Brötchen mit der halb verlaufenen Butter, ,,…Die lassen dich mal früher gehen? Woww…"

,,Was heißt hier `Woww´?…" entgegnete Jill, ,,…Ich habe alle Hände voll zu tun, solange deine Schwester noch im Mutterschutz ist."

,,Pass nur auf, das du es nicht zu bunt treibst…"

,,Wie meinst du das denn, Chris?"
Er sah sie an, zuckte mit den Schultern: ,,Ich meine nur…du schmeißt die ganze Abteilung da drüber bei TerraSave, hast auch noch die Arbeit meiner Schwester am Hals und…naja, du bist schwanger. Ich will nur nicht, das du dich überarbeitest. Immerhin schmeißt du hier nach der Arbeit, nach Eric auch noch den halben Haushalt."

,,Ich mache es gerne und…" sie hielt seinem Blick stand, ,,…ja, es ist schon manchmal etwas viel, das gebe ich zu, aber ich passe schon auf. Wenn ich merke, es wird zu viel, dann trete ich kürzer, versprochen." Jill schenkte ihm ein Lächeln.

Chris erwiderte das.

,,…Mama…" Eric blickte von seiner kaum angerührten Müslischüssel aus zu ihr hoch.

Jill drehte den Kopf zu ihm: ,,Ja?"

,,Hab…kein Hunger…"

,,So?…" Jill wurde stutzig, ,,…Normalerweise lässt du das Frühstück nie aus. Fühlst du dich nicht wohl?" Sie bemerkte, das ihr Kind irgendwie träge war.

,,Bin müde…" Eric rieb sich eines seiner Augen mit seiner kleinen Faust.

Umgehend legte Jill eine Hand an die Stirn ihres Sohnes, wartete, prüfte.

,,Hat er Fieber?" fragte Chris, beobachtete die Situation.

Jill schüttelte den Kopf: ,,Nein, seine Temperatur ist normal…" dann sah sie wieder zu ihrem Kind, ,,…Hast du sonst noch etwas, oder bist du nur müde?"

,,Müde…" Eric sah hoch zu seiner Mutter und sie nickte. Jill erkannte, das etwas nicht stimmte: ,,Vielleicht solltest du heute zuhause bleiben…"

Strickt schüttelte Eric den Kopf: ,,Mag gehen…Zahnarzt kommt…"

Sie nickte einmal mehr. Ja, die Eltern waren darüber informiert worden, das heute ein Zahnarzt in den Kindergarten kommen würde, um den Kindern die Angst davor zu nehmen und um einmal in den Mund rein zu sehen. Eric, der ein eher unerschrockenes Kind war, hatte sich als einer von wenigen darauf gefreut.

,,Okay…"

Chris nickte zustimmend: ,,Seine Kindergärtnerin wird ja anrufen, wenn etwas ist, aber ich denke, er ist einfach nur müde, weil er mit allen mitteln nicht zu Bett gehen will."

Jill stürzte die Lippen, blickte ihren Ehemann an und nickte ebenfalls, dann wandte sie sich wieder an ihren Jungen: ,,…Sag aber Lucy bescheid, wenn du nach hause willst, sie wird uns dann anrufen, ja?"

,,Mach ich…"

Sie lächelte: ,,Gut, ich werd dir ein Sandwich machen, das kannst du im Kindergarten essen, wenn du Hunger bekommst und nicht bis zum Mittagessen warten kannst." Ja, Eric blieb immer bis um fünf im Kindergarten, ein Lunch gab es dort auch jeden Mittag für die Kinder…


Sehr sorgfältig untersuchte Dr. Alexandra Green ihre Patientin.

Jill wurde jedes Mal gründlich unter die Lupe genommen. Sie kannte das Prozedere schon, es war schließlich etwas, das alle zwei, drei Wochen anstand.

,,So…" Dr. Green vermerkte gerade ihre Ergebnisse in ihrer Akte, ,,…Wie geht es Ihnen sonst so, Misses Redfield?"

Jill, die auf der Untersuchungsliege saß, die Beine nach unten baumeln ließ, zuckte mit den Schultern: ,,Gut soweit…außer den üblichen Rückenschmerzen habe ich nur das Gefühl, ich trage zwei Bowlingkugeln mit mir herum." Sie lächelte.

Ihre Ärztin sah zu ihr, entgegnete das Lächeln, ehe sie dann zu Chris blickte: ,,Und bei Ihnen?"

Der werdende Vater teilte das Grinsen der Frauen und nickte: ,,Geht bestens, danke…Ist alles in Ordnung?"

Dr. Green drehte sich zu dem Ehepaar und neigte den Kopf zur Seite: ,,Im Prinzip schon…" sie musterte Jill, ,,…Sie arbeiten noch Vollzeit, nicht wahr?"

Die Blondine schluckte verdutzt: ,,Em…ja, warum?"

Die Frauenärztin schob sich die Brille zurecht: ,,Nun, wie Sie sich sicher noch erinnern können, haben wir bei der letzen Untersuchung einen etwas erhöhten Blutruck festgestellt…Das ist bei einer Zwillingsschwangerschaft etwas ziemlich normales…Sie haben mir ja vorhin noch erzählt, das eine gute Freundin einen Unfall hatte und Sie deswegen sicher noch aufgeregt sind…"

Jill senkte den Kopf: ,,Ja etwas…" sie dachte an Rebecca.

,,…Ich hoffe sehr, dass es ihr bald wieder gut gehen wird, aber worauf ich eigentlich hinaus will, Misses Redfield…" Dr. Green blickte Jill in die Augen, ,,…der erhöhte Blutdruck ist nicht zurück gegangen, ob nun durch das Ereignis beeinträchtigt oder nicht. Es ist zwar noch nicht kritisch, aber ich muss Ihnen dringend nahe legen, etwas kürzer zu treten."

,,Etwas kürzer treten? Ich verstehe nicht…" Jill war plötzlich verunsichert, ,,…Ist das was schlimmes?"

Die Frau war ehrlich zu ihr: ,,Noch nicht, aber es kann sich verschlimmern, der Blutdruck kann ansteigen und das wäre für Sie alle drei nicht gut, es könnten Komplikationen entstehen, bis hin zu einer Präeklampsie-Erkrankung. Momentan ist er nur leicht erhöht und wir können das ohne Medikamente in den Griff bekommen, wenn Sie sich an meinen Rat halten…"

,,Und der wäre?"

,,Ruhe und Schonung…" gab ihre Ärztin ihr zur Antwort, ,,…Sie sollten nicht mehr ganz so viel unternehmen, sich öfter ausruhen. Eine Zwillingsschwangerschaft belastete den Organismus der Mutter eben doppelt, daher sollten sich diese Frauen auch früher zurück halten. Ich werde Ihnen außerdem ein Beschäftigungsverbot ausstellen…"
,,Was?…" Jill unterbrach sie, schüttelte knapp den Kopf, ,,…Ist das denn so ernst?" Sie gab zu, das sie doch beunruhigt war. Fragend tauschte sie einen Blick mit Chris, nur um in seinen Augen die gleich Sorge zu sehen.

Dr. Green schüttelte noch mal den Kopf: ,,…Nein, wie gesagt, es ist noch nichts ernstes. Ich möchte nur, das Sie es ab jetzt etwas langsamer angehen lassen. Ich werde Sie natürlich im Auge behalten, denn ein ständiger hoher Blutdruck, sollte er sich denn weiter erhöhen, kann auch Ursache für eine Frühgeburt sein, aber momentan sollen Sie sich noch keine Sorgen machen, es ist noch alles im grünen Bereich…und wie gesagt, ich möchte nur sicher gehen, allein schon wegen der Fehlgeburt, die Sie hatten, das Sie sich wirklich etwas mehr ausruhen."

Jill seufzte.

Ja, mit einer solchen Anamnese hatte eben jeder ein besonderes Auge auf einen. ,,Aber gleich ein ganzes Beschäftigungsverbot?…" fragte Jill, ,,…Meine Schwägerin und Kollegin ist selbst im Mutterschutz und wir sind ohnehin unterbesetzt…"

,,Es ist nur zu Ihrem Besten, Misses Redfield…" entgegnete die Ärztin.

Chris legte eine Hand an die Schulter seiner Frau: ,,Ist denn deine Arbeit wichtiger wie deine Schwangerschaft? Unsere Kinder?"

Jill sah auf zu ihm, in seine Augen und schüttelte den Kopf: ,,Natürlich nicht, du hast recht. Ich habe nur nicht erwartet jetzt schon zu Hause zu bleiben…"
Dr. Green lächelte: ,,Na, dann werde ich das Formular fertig machen…" sie räusperte sich, ,,…Ansonsten kann ich nichts bemängeln. Für die zweiundzwanzigste Woche ist alles rundum wohl geraten, wenn auch sie ruhig noch ein, zwei Kilo drauf packen könnten, aber Sie waren ja schon immer sehr schmal. Ich bin sicher, das kommt noch…" die Ärztin kam näher zu Chris und Jill, ,,…Wir werden jetzt noch einen Ultraschall machen, mal sehen, wie es den Kleinen so geht."

Jill lächelte umgehend, nickte.

Chris sah voller Vorfreude zu, wie Jill sich hinlegte, die Ärztin ihren Bauch frei legte und das kühle Gel darauf verteilte. Er nahm Jills Hand, hielt sie und beide tauschten einen Blick.
Ja, sie freuten sich darauf ihre Kinder zu sehen.

,,Bin ich immer noch richtig in der Annahme, das Sie beide auch die Geschlechter wissen wollen?" fragte Dr. Green und blickte bereits auf den Monitor, begann den Ultraschall, fuhr mit der Sonde über Jills Bauch.

,,Ja…" Chris nickte, ,,…wir wollen es dieses Mal wissen." Er sah ebenfalls auf den Monitor.

Die Ärztin nickte: ,,Okay…Ah, da haben wir schon einen Kopf…" sie tastete mit der freien Hand gleichzeitig sanft den Bauch ab, blickte dann zu Jill, ,,…Wollen Sie mal fühlen?"

Jill nickte, streckte ihre frei Hand aus und ließ sich von der Ärztin an die entsprechende Stelle führen. Etwas seitlich neben ihrem Bauchnabel und Jill fühle es. Etwas, eine kleine `Beule´, ein Kopf. Sie lachte.

Zwar hatte sie zuhause selbst mal ab und an gefühlt, aber sich nie getraut so ran zu gehen wie ihre Ärztin.

,,Hier…" Jill nahm Chris´ Hand, führte ihn ebenfalls hinzu und auch er lachte leise, beugte sich zu ihr runter und hauchte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Schläfe…

Die Zeit, die Minuten in denen die Ärztin den werdenden Eltern erneut erklärte, wo welches Körperteil von welchem Kind zu sehen war, verging viel zu schnell, aber man konnte von jedem Baby ein schönes Bildchen machen, das als Ausdruck mit nach hause gehen würde.

Jill liebte es. Sie könnten stundenlang auf den Monitor starren. Alle anderen Sorgen waren dann vergessen, alles andere ausgeblendet.

,,Mal sehen…" begann die Ärztin und fuhr mit der Sonde weiter seitlich an Jills linker Bauchseite entlang, doch schüttelte den Kopf, ,,…nein…tut mir leid. Dieses Baby ist noch immer etwas scheu, es versteckt sich etwas hinter seinem Geschwisterchen und es will die Beine heute wohl einfach nicht breit machen…" sie ging auf die andere Seite, blickte auf den Monitor und brauchte ein, zwei Sekunden, um ein Bild zu festigen. Sie lächelte jedoch dann und sagte: ,,Und da haben wir wenigstens einen Zwilling…" sie sah in die gespannten Gesichter der werdenden Eltern und sprach es aus, ,,…Ganz eindeutig, ein strammer, kleiner Mann."
,,Ein Sohn?" hauchte Chris.

Jill strich sich das Haar hinters Ohr: ,,Wirklich sicher?"

Dr. Green zeigte auf den Monitor: ,,Sehen Sie genau hier…kann man es ganz eindeutig erkennen."

Chris lachte: ,,Machen Sie davon auch ein Bild, Doktor, kommt direkt ins Fotoalbum."

Tadelnd kniff Jill ihm sanft in den Oberarm: ,,Hey!…Schon mal was von Privatsphäre gehört?" Doch sie lächelte dann, als sie in seine Augen blickte…


Stolz betrachtete Chris noch immer das Ultraschallbild. Das Letzte von den dreien. ,,Mann…" er atmete durch, konnte es noch immer nicht fassen.

Jill, die neben ihm in dem belebten Kaufhaus her ging verdrehte amüsiert die Augen: ,,Ja, das du ein Mann bist, weiß ich…" sie seufzte, fuhr den Einkaufswagen und packte die Lebensmittel ein, die sie brauchten, ,,…Oh je, ob ich damit fertig werde? Eine ganze Mannschaft voll von Redfeld-Männern?…" Sie lud gerade Pasta, verschiedene Nudeln in den Wagen zu dem Obst und Gemüse, ,,…Wenn die alle deinen Appetit haben, sehe ich da Schwarz."

Chris steckte das Bild endlich zurück in seine Hosentasche, blickte zu seiner Frau: ,,Ach komm…so schlimm bin ich doch auch nicht…"

,,Ich sehe es an Eric…" Jill schob den Wagen weiter, in den nächsten Gang hinein, zum Brot, ,,…er ist ja jetzt schon ein ebenso großer Esser wie du."

Chris griff ein Brot, zeigte es ihr und als sie nickte, legte er es ebenfalls in den Wagen: ,,Ach komm, der Junge ist im Wachstum…er muss ja schließlich mal so groß werden wie ich."

Jill nickte: ,,Ja, ihr werdet mir alle über den Kopf wachsen, ich weiß es…" sie griff sich an den Bauch, als sie einen Tritt spürte und sah ihren Ehemann an, ,,…Siehst du? Ich glaube unser zweiter Sohn gibt mir recht."

Lächelnd legte Chris seine Hand an ihren Bauch und schüttelte den Kopf: ,,Unglaublich…echt…wie so was…in dir wachsen kann."
,,Das selbe hast du bei Eric damals auch gesagt."

,,…weil es mich eben genauso überwältigt hat…" er legte einen Arm um ihre Schultern, als sie weiter gingen, ,,…Mal ehrlich, Jill…wie ist das physikalisch möglich, das ist einfach…woww…"

,,Das nennt man Natur…" sie griff zur Seite, holte ein Päckchen Mehl auf dem Regal, ließ es in den Korb rutschen.

Kurz herrschte schwiegen, nachdem er genickte hatte, doch er war es auch wieder, der das Wort ergriff: ,,Zwei Söhne…Mann, bin ich ein Glückspilz…" Chris blickte grinsend zu Jill, ,,…Und das andere? Was glaubst du? Noch ein Junge?"

Jill zuckte mit den Schultern: ,,Unsere Zwillinge sind zweieiig, es steht also fünfzig zu fünfzig…" sie blickte zu ihm, fragend, ,,…Wir haben diese Unterhaltung doch schon mal geführt, oder?"

Chris überlegte, nickte: ,,Ja…aber jetzt macht das rätseln und raten doch erst richtig Spaß…" er hielt ihrem Blick stand, ,,…Was würdest du dir denn wünschen?"

Umgehend sah Jill zur Seite, war stehen geblieben und drehte sich zu einem der Tiefkühltheken, vor denen sie nun angekommen waren. Sie griff verschiedene Gemüsesorten und Pizzen. ,,Keine Ahnung…"

,,Ach, komm…" er sah ihr zu, ,,…Jetzt sag nicht den Spruch, denn wir alle kennen. Unsere Kinder sind gesund, okay?…Also kann man ruhig mal ´ne Wette abschließen. Sag, was möchtest du denn haben?"

,,Was ich möchte spielt keine Rolle…" Jill griff den Wagen, schob ihn weiter, ,,…Das Geschlecht steht sowieso schon fest und…"
,,…ein Mädchen…"

Abrupt drehte sie sich zurück zu ihm, blickte ihm überrascht in die Augen.

Chris hob einen seiner Mundwinkel, wusste, das er recht hatte. Er näherte sich, legte seine Hände an ihre Seiten. Nicht einmal riss der Blickkontakt ab: ,,…Ich kenne dich, Jill Valentine Schrägstrich Redfield…Du wünscht dir eine Tochter."

Sie hob die Schultern: ,,Ist das so abwegig? Wir haben einen Sohn, der Zweite ist unterwegs…Wir hätten dann auf jeden Fall mit dir drei Männer im Haus und…"

,,…und du fühlst dich dann in der Unterzahl?"

,,Das ist nicht der Grund…" Jill seufzte, ,,…Es ist so, ich…Ja, ich wünsche mir ein Mädchen. Ich kenne mich mit Söhnen gut aus, Eric hab ich immerhin auch bis jetzt groß bekommen…und ich möchte auch einfach gerne erfahren, wie es ist eine Tochter zu haben."

Er lächelte: ,,Da geht es dir, wie mir…Claire war und ist meine Schwester, nicht meine Tochter, aber ich kann schon sagen, das ich dir da etwas voraus bin, allerdings, um ehrlich zu sein, so ein kleines Mädchen, das hätte was, da wären wir fünf einfach perfekt…" er dachte kurz nach, ,,…Wir sechs eigentlich, wenn man Ben mitzählt. Da fällt mir ein, wir brauchen noch Hundefutter."

Jill nickte amüsiert und löste sich aus seiner Umarmung: ,,Aber keine Sorge Captain Redfield, bei meinem Glück und deinen Freischwimmern sind alle unsere Kinder männlich…jetzt komm, das Hundefutter ist vorne und außerdem muss ich mal."

Er überging ihren Scherz, um die Augenbrauen zu heben: ,,Schon wieder? Du warst doch erst vor zehn Minuten."

Sie sah ihn an: ,,Ja und? Einer deiner Söhne drückt mir auf die Blase."
Chris grinste, lachte dann und schüttelte amüsiert den Kopf…