So, ich melde mich mal wieder mit einem neuen Kapitel. Wir sind ja nun des Rätsels Lösung schon recht nah, heute lassen wir die Katze mal endgültig aus dem Sack, wobei ich damit wohl keinen mehr überraschen werde;-) Monique, tttt, Tini und sittingPencil, wie immer einen riesen Dank für eure lieben Reviews, ohne euch würde es nicht annähernd soviel Spaß machen.
Ich galube die alerts funktionieren wieder...
Kapitel 29
Die ganze Nacht wälzte sich Felicita in ihrem Bett von einer Seite auf die andere.
Sie würde morgen keine Vorlesung besuchen, ihr Entschluss zum Ministerium zu gehen, stand fest, doch sie brauchte dringend eine glaubhafte Ausrede um zu erklären, was sie dort suchte.
Zunächst wollte ihr keine einfallen, doch irgendwann, als der Schlaf schon so schrecklich nah war, entwickelte sie eine unglaubliche Kreativität im Lügen.
Insgesamt schlief sie nur knapp zwei Stunden, an Frühstück war nach dem Erwachen kaum zu denken, ihr Magen war schon unruhig genug. Irgendetwas Unerwartetes würde heute geschehen, das spürte sie.
Viel zu früh apperierte sie nach London. Eine ganze Weile schlenderte sie ziellos durch die Straßen, bis sie sich dann ihrem eigentlichen Ziel näherte.
Fünf Minuten vor acht, niemals waren die Zeiger ihrer Armbanduhr so langsam von einer Zahl zur nächsten gekrochen.
Seit zehn Minuten stand Felicita nun schon vor der Telefonzelle in einer Seitenstraße von Großbritanniens Hauptstadt, unruhig wie sie war, hatte sie es nirgendwo mehr ausgehalten, nur hier wollte sie noch sein, so nah bei des Rätsels Lösung. Sie konnte ihre Beine kaum still halten.
Noch vier Minuten. Mit schnellen Schritten trat sie in die Zelle hinein und nahm den Hörer von der Gabel. Sie hoffte, das der Empfang überpünktlich besetzt war.
Ihr Herz machte einen freudigen Sprung, als sie eine freundlich Frauenstimme hörte.
„Ministerium für Zauberei, was kann ich für sie tun?"
„Guten Tag, mein Name ist Felicita McDermod, ich möchte für einen Forschungsauftrag einige Erkundigungen bei Ihnen einziehen."
Inständig hoffte sie, dass die Notlüge ausreichen würde um Zutritt zu den Unterlagen zu erhalten. Der Gedanke, dass alles an einer unzureichenden Ausrede scheitern könnte, war kaum zu ertragen. Doch der erste Schritt in die richtige Richtung war getan, die Telefonzelle bewegte sich rasant nach unten.
Das Mädchen war noch nie im Ministerium für Zauberei gewesen und jetzt hatte sie kaum Nerven, sich in Ruhe umzusehen. Nur im Vorbeigehen, sah sie die großen Fenster die Tageslicht in die Empfangshalle warfen, obwohl das ganze Gebäude tief in die Erde gebaut worden war.
Es gab unzählig viele Schalter in der Empfangshalle, sie brauchte einige Sekunden, um den richtigen zu finden. Der für die Magierregistrierung stand ganz rechts, beinahe in einer Ecke, wahrscheinlich weil nur selten Menschen Zutritt erbaten.
Diese Abteilung enthielt die Daten über jedes Mitglied der magischen Gesellschaft Großbritanniens. Nur das Zaubereiministerium war für diese Menschen zuständig, in der Mugglewelt waren sie von amtswegen nicht existent.
Dinge wie Geburts- und Heiratsurkunden wurden hier ausgestellt, denn hier liefen die Fäden zusammen. Alle Daten eines Zaubers waren hinterlegt, man konnte herausfinden, wo ein jeder wohnte, wann er Geburtstag hatte und ob er in seinem Leben schon einmal straffällig geworden war.
Einsicht erhielt jeder, der ein berechtigtes Interesse nachweisen konnte. Besucher mussten sich einem Zauber unterziehen, der verhindern sollte, dass sie ihr Wissen über persönliche Daten gegenüber Dritten zu einem anderen Zweck, als hier genannt nutzen und verbreiten konnten.
Felicitas größtes Problem bestand nun darin, ein berechtigtes Interesse nachzuweisen.
Als sie auf die Frau hinter dem entsprechenden Schalter zu kam, lächelte diese sie freundlich an.
„Miss McDermod nehme ich an?"
Felicita konnte nur nicken, die Aufregung schnürte ihr die Kehle zu.
„Um was für einen Forschungsauftrag handelt es sich denn?"
Felicita begann von einer Studie zu berichten, die sich mit der Quote von geborenen Squibs beschäftigte, eine verzauberte Feder schrieb diese Angaben mit.
Sie erzählte, die Daten würden benötigt, da in Cambridge nach möglichen Ursachen für die Geburten von nichtmagischen Kindern in Zaubererfamilien, und magischen Kindern in Mugglefamilien geforscht wurde. Sie, so erklärte die junge Frau weiter, solle nun aus den Dokumenten der letzten 100 Jahre die genaue Anzahl der geborenen Squibs und 'unerwartet magischen' Kindern heraus finden. Es klang in ihren eigenen Ohren so unglaubwürdig.
Doch die Frau lächelte immer noch freundlich und fragte Felicita dann nach einer Immatrikulationbescheinigung. In diesem Moment war sie froh, dass sie die Lüge auf ihren wahren Namen aufgebaut hatte. Wie schlecht hätte es jetzt für sie sonst ausgesehen, wenn auf der Bescheinigung ein anderer Name stand, als der den sie der Mitarbeiterin gerade genannt hatte.
Zunächst hatte sie gezweifelt, ob sie ihre wahre Identität Preis geben sollte, sie hatte sich vor Nachfragen in der Universität gefürchtet.
Doch die Angestellte fragte nicht einmal Felicita nach Details. Sie notierte nur kurz ihren Namen auf eine Besucherliste, danach musste sich das Mädchen einigen Zaubern unterziehen, die ihr Schweigen sicherten.
Die Frau stand nun auf und führte die Ravenclaw einen langen Gang hinunter, von dem mehrere Türen abgingen. Vor einer blieb sie schließlich stehen und sprach ein Passwort. Sie betraten einen der vielen Archivräume.
Hier erklärte die Mitarbeiterin kurz, was die Studentin zu beachten hatte, es war dem gelangweilten Tonfall zufolge eine Standardbelehrung.
„Hier befinden sich Dokumente der letzten 100 Jahre, zu anderen Bereichen haben Sie, ohne Rücksprache mit mir zu halten, keinen Zutritt.
Die Akten sind chronologisch sortiert, in sich dann alphabetisch.
Sollten Sie versuchen, eine der Seiten zu entfernen, wird ein Alarm ausgelöst.
Bei Fragen oder Problemen, können Sie sich jederzeit an mich wenden."
Felicita bedankte sich und war erleichtert, als die Frau den Raum verließ.
In den letzten Sekunden hatte sie ihre Aufregung kaum noch unterdrücken können, ihre Hände zitterten und ihre Beine fühlten sich, als ob sie das Gewicht ihres Körpers nicht mehr lange tragen könnten. Das Lügen war eindeutig zu aufregend für sie, vorallem wenn ist mit ihrer ohnehin bestehenden Anspannung gepaart wurde.
Sie atmete noch drei Mal tief durch und schritt dann zielstrebig in die Regalreihe an deren Seite die Zahl 1932 prangte.
Sie hatte keine Ahnung, unter welchem Namen das Kind geboren worden war, da Cosima zu diesem Zeitpunkt ja bereits mit dem Muggle verheiratet gewesen war. Das Mädchen trug demzufolge den Namen des Stiefvaters.
Die Anzahl der Akten war überschaubar, im Jahr 1932 waren nur ca. 40 magisch veranlagte Kinder geboren. Da sie sich nur auf Mädchen konzentrieren musste, würde die Suche also nur wenige Minuten in Anspruch nehmen.
Eva Alworthy war nicht das gesuchte Kind, genauso wenig wie die fünf folgenden Mädchen waren, doch als sie dann die nächste Akte betrachtete stockte ihr der Atem.
Diana Michaels.
Konnte das ein Zufall sein?
Ihr wurde schwindlig, sie musste an einem der Regale Halt suchen.
Mit der freien Hand zog sie die Akte heraus.
Diana Michaels war die Tochter von Cosima Formosus und Frederick Jackson.
Sie war die letzte Erbin Gryffindors? Nein, Snape war demzufolge der letzte Erbe.
Das verhasste Kind einer Hure, der Bastard, der es gewagt hatte Hogwarts zu betreten war der letzte Nachfahre von Godric Gryffindor. War das möglich?
Sie traute ihrer Erinnerung nicht und wollte gerade aus dem Archiv stürzen, um in Hogwarts nochmals in die Schülerakte von Severus Snape zu schauen, ob Diana Michaels wirklich seine Mutter war. Beinahe hätte sie vergessen, wo sie sich gerade befand.
So lief sie dann nur einige Meter weiter, zu dem Regal mit Akten aus dem Jahr 1960.
Schnell fand sie die von Severus Snape. Und tatsächlich, Diana Michaels war seine Mutter. Und er war der, nach dem sie solange gesucht hatte.
Sie wusste nicht ob sie lachen oder weinen sollte. Sieben Jahre lang hatte sie ihn täglich gesehen, nicht ahnend welche Bedeutung er für sie in Zukunft haben sollte.
Wie verzweifelt hatte sie nach einem Grund gesucht, ihn zu sehen, zu ihm zu gehen?
Jetzt hatte sie einen verdammt guten.
Und sie war in der Tat schon einmal so dicht dran gewesen, in der Nacht, als sie einfach seine Akte genommen hatte.
Und da hatte sie es doch auch gefühlt, ein Wärme, die in ihr aufsteigen war,bei der bloßen Konfrontation mit seiner Vergangenheit.
Überglücklich entschied sie sich nun welcher Gefühlsregung sie nachgeben sollte. Beiden, sie lachte und weinte sie gleichzeitig. Es war mehr als die bloße Aussicht, sich endlich jemanden mitteilen zu können. Sie würde es ihm erzählen. Dem Mann, dem sie sich ohnehin schon verbunden fühlte.
Sie würde nach Hogwarts reisen, noch heute. In der Mittagspause des Professors würde sie ihn sprechen.
Felicita war aufgeregt, sie würde ihn heute schon wieder sehen.
Er würde ihr nicht glauben, es würde Stunden in Anspruch nehmen, um ihm das zu erklären. Wie würde er reagieren und wie sollte sie am besten beginnen? Doch bei allen Zweifeln in ihr, war da doch vor allem die Vorfreude, ihn tatsächlich zu sehen.
Was sollte sie jetzt bis zum Mittag machen?
Sie verließ mit schnellen Schritten die Räume und bedankte sich nochmals bei der freundlichen Frau. Diese warf ihr einen zweifelnden Blick zu, Felicita war für die geschilderte Aufgabe nun wirklich nicht gerade lange im Archiv gewesen.
Sie entschuldigte sich für die Unannehmlichkeiten und erklärte, ihr ginge es aus privaten Gründen nicht gut. Bei diesen Worten sah sie die Frau bedeutungsschwer an.
Sollte sie in den Satz hinein interpretieren, was sie wollte, die Ravenclaw hatte keine Ruhe mehr, sie musste hier raus.
Als sie aus der Telefonzelle heraus kam, schaute sie das erste Mal wieder auf die Uhr.
Es war kurz nach zehn.
Professor Snape würde erst in mehr als zwei Stunden Zeit haben. Doch sie musste ja auch einige Vorbereitungen treffen.
Zunächst apperierte sie nach Cambridge um ihre Aufzeichnungen zu holen. In diesem Zug aktualisierte sie diese auch gleich.
Ein Blick in den Spiegel ließ sie erschrecken. Sie sah sehr müde und gestresst aus.
Doch daran konnte sie jetzt auch nichts mehr ändern.
Schnell packte sie das Buch ihres Vaters und den von ihr aufgezeichneten Stammbaum der Gryffindors in eine Umhängetasche und verließ dann mit wehendem Umhang das Haus um an die Grenzen von Hogwarts zu apperieren.
Es war so schön, als sie das nächste Mal die Augen öffnete.
Hier in den Highlands schien die Natur gerade aus ihrem Winterschlaf zu erwachen. Die Bäume schlugen aus und die Wiesen standen in voller Blüte.
Sie spazierte langsam über das Gelände, sog den Duft des Frühlings in sich ein.
Es musste bis vor kurzem hier geregnet haben, denn der Boden war aufgeweicht und Erde blieb an den Sohlen ihrer Schuhe kleben.
Als das Schloss nach einer Biegung, die der schmale Pfad den Hügel hinauf schlug, in Sichtweite Felicitas kam, hätte sie vor Freude schreien können.
Wie oft war sie hier als Kind entlang gegangen? Wie alltäglich hatte sie diesen Anblick hingenommen und wie sehr bewegte er sie jetzt? Imposant lag Hogwarts vor ihr.
Milde Sonnenstrahlen kitzelten ihr Gesicht.
Das schwere Eichenportal war weit geöffnet, eine befremdliche Tatsache, machte man sich bewusst, in welchen Zeiten man lebte.
Doch Hogwarts schien immer für seine Schüler offen zu stehen, auch für die ehemaligen.
Als sie im Schloss an der großen Halle vorbei ging und einen Blick auf die Stundengläser mit den Hauspunkten warf, musste sie lächeln. Wie wichtig waren einem diese lächerlichen Punkte doch einmal gewesen. Wie oft hatte sie Snape verflucht, weil er ihr Punkte abgezogen hatte. Sie erinnerte sich als wäre es gestern gewesen, an das letzte Mal, damals kurz bevor sie von ihrer wirklichen Herkunft erfahren hatte. Und er davon erfahren hatte.
Das war jetzt alles schon eineinhalb Jahre her, wie konnte das nur möglich sein, wo war die Zeit geblieben?
Der Weg in den Kerker war ihr so vertraut vor, als wäre sie ihn erst gestern das letzte Mal gegangen. Aus den Klassenräumen, an denen sie vorbei kam, drangen die ihr bekannten Stimmen von Schülern und Professoren.
Sie erreichte den Unterrichtsraum für Zaubertränke, erst hier schaute sie wieder auf die Uhr. Noch eine halbe Stunde.
Still lauschte sie, zunächst hörte sie nur ihren eigenen Herzschlag, doch dann drang durch die dicke Zimmertür die Stimme von Severus Snape.
Er war gereizt, dass war nicht zu überhören. Felicita vermutete, dass er wohl gerade die Gryffindors unterrichtete, auf die war er ja nie besonders gut zu sprechen gewesen.
Welch eine Ironie des Schicksals.
Seine Stimme ließ ihr Herz immer höher schlagen, dann als sie die Aufforderung von ihm vernahm, die Schüler sollten eine Probe ihrer Tränke abgeben, hielt sie es kaum noch aus.
Sie war schrecklich nervös, wie würde er wohl reagieren, wenn er sie sah?
Als die Tür geöffnet wurde, war in ihr tatsächlich kurz der Gedanke, einen Rückzieher zu machen. Das letzte Mal, als es zwischen ihm und ihr im weitesten Sinn um seine Herkunft gegangen war, war er sehr wütend gewesen. Aber dieser erneute Zweifel flammte nur kurz auf.
Die Schüler sahen sie verwundert an, doch keiner von ihnen richtete ein Wort an sie. Sie waren sehr jung, kaum einer kam Felicita bekannt vor.
Als kein weiterer Schüler mehr aus der Tür trat, schaute Felicita vorsichtig in den Raum hinein.
Der Professor stand an seinem Tisch, er suchte sich einige Unterlagen zusammen, hin und wieder war ein Kopfschütteln von ihm zu sehen.
Sie nahm allen Mut zusammen und bin ihn zu. Er schien sie noch überhaupt nicht wahrgenommen zu haben. Gerne hätte sie etwas zu ihm gesagt, auf sich aufmerksam gemacht, doch ein dicker Kloß in ihrem Hals verhinderte das. Sekundenlang stand sie an seinem Tisch, ihre Augen ruhten auf ihm.
Er sah müde aus, tiefe Ringe lagen unter seinen Augen, dünner war er auch geworden.
Er hatte geschrieben, sie solle sich keine Sorgen um ihn machen, es gäbe dafür keinen Grund. Doch was sie nun sah, sprach eine ganz andere Sprache.
Plötzlich wandte er sich um.
Als er bemerkte, dass er nicht allein war, verfinsterte sich seine Miene für einen Augenblick, doch als er sie erkannte, wurden seine Gesichtszüge sofort wieder etwas weicher.
„Was machen Sie denn hier?"
Fragte er dann eher matt als überrascht.
Hat es euch gefallen? Eure Vestilia
An dieser Stelle die gleiche Bitte wie immer;-)
Bis bald.
