29. Master of Secrets

Samstagnachmittag kam und da Ron und Harry ihrem dringenden Bedürfnis Ausdruck verliehen nach Hogsmead herunter gehen zu wollen, begleitete Hermine sie widerwillig und hoffte im Stillen, dass sie heute Abend nicht zu spät zu dem Abendessen in Severus Räumlichkeiten kommen würde.

Er hatte nicht nur Draco eingeladen, sondern auch McGonagall, die angefragt hatte, ob sie ihm bei seiner neuen Arbeit als Meister der Spione unterstützen könne, da sie ganz genau wusste, wie viel Zeit das zusätzlich zu seinem Unterricht und den Trainingsstunden mit Hermine in Anspruch nehmen würde.

„Lasst uns Sirius alte Höhle besuchen", schlug Harry auf einmal vor und riss Hermine aus ihren Gedanken über effizientere Abhörsprüche, die innerhalb des Gemeinschaftsraumes der Slytherins platziert werden könnten.

„Ich weiß nicht, Harry." Sie runzelte die Stirn und versuchte zu verbergen, wie wenig sie diese Idee mochte. „Es könnte gefährlich sein, das Dorf zu verlassen und außerdem ist es immer noch sehr kalt."

„Ach komm schon Hermine," stöhnte Ron. „Gönne dem Mann etwas Freiheit! Hogsmead ist überhaupt nicht gefährlich - was sollte uns denn hier schon passieren?"

Hermine hatte schon eine scharfe Antwort auf ihren Lippen, aber als sie Harrys hoffnungsvolles Gesicht sah, blieb sie still. Sie würden ja doch gehen, dachte sie resigniert. Kein Grund sie deswegen gegen sich aufzubringen.

Überraschenderweise schien alles recht gut zu laufen. Das Areal um die Höhle herum war komplett verlassen, dennoch war sie so umsichtig, einige Alarmbanne um das Gebiet zu legen, bevor sie den Jungen in die Höhle folgte.

Sie verbrachten mehr als eine Stunde in der Höhle, und als Harry ein Feuer entfachte, das ihre Hände und kalten Füße wärmen sollte, redete Hermine sich ein, dass vielleicht einmal nichts um den 'Jungen – der – lebte' herum schief gehen würde.

Aber natürlich erwies sich diese Hoffnung wie immer als vergeblich.

Sie waren auf dem Weg zurück in die Stadt, als Hermines geschärfte Sinne sie warnten. Eine Bewegung zu ihrer Rechten. Irgendetwas folgte ihnen durch das Gebüsch und zwar genauso schnell, wie sie waren. Kein Tier. Also ein Mensch, aber kein Zauberer oder Muggel würde einfach nur so dermaßen still durch den Wald laufen.

Wer auch immer es war, er versuchte sehr stark nicht bemerkt zu werden, und soweit es Ron und Harry betraf, so war er erfolgreich. Sie hatten weder ihren Schatten, noch Hermines Anspannung bemerkt, was eine Erleichterung für sie war. Wenn den Jungen plötzlich etwas Seltsames geschah, teilten sie normalerweise eine spontane Reaktion: Sie verursachten eine Menge Lärm und rannten los, um es zu untersuchen.

Und das konnte sie im Moment gar nicht gebrauchen. Nicht, wenn die Person, die sich im Gebüsch befand, der war für den sie ihn hielt. Und so bewegte sie sich ein Stück nach links, ließ sich lässig ein Stück hinter Harry und Ron zurückfallen und positionierte sich somit genau zwischen ihren Freunden und ihrem unbekannten Verfolger.

„Es ist hier draußen furchtbar kalt, meint ihr nicht auch?", fragte sie in einer langsamen Stimme, die nicht so weittragend war. „Würde es euch etwas ausmachen, wenn wir etwas schneller zu den Drei Besen laufen würden."

„Kein Problem," stimmte Ron zu und kümmerte sich nicht darum seine Stimme leise zu halten. „Aber solltest du dich nicht bei all diesen Spaziergängen draußen über die Ferien an die Kälte gewöhnt haben?"

„Da, wo meine Eltern versteckt sind, ist es wärmer als hier," improvisierte sie. „Es hat da unten nicht mal geschneit!"

„Du Glückliche," kommentierte Harry. „Am Fuchsbau konnten wir wegen des ganzen Schnees für drei Tage nicht einmal das Haus verlassen. Wir haben Rons Mum fast verrückt gemacht!"

Als ihre Schritte, von Hermine leicht angetrieben, schneller wurden, taten es ihre unbekannten Verfolger auf der linken Seite es ebenso.

In ihrem Geist knurrte Hermine Flüche, die Ron und Harry vor Scham erröten lassen würde. Sie waren zu langsam! In dieser Geschwindigkeit würden sie noch zehn Minuten nach Hogsmead brauchen und das war mehr als eine Gelegenheit für einen Anschlag auf dem Weg.

In diesem Tempo würden sie es nie schaffen.

Nachdem sie zu einer Entscheidung gekommen war, holte Hermine ihren Zauberstab aus dem Ärmel, in dem sie ihn dieser Tage versteckt hatte. Sie fühlte sich furchtbar, weil sie das tun musste, aber es war der einzige Weg weitaus größeres Übel zu verhindern. „Persuado", murmelte sie mit einem vorgetäuschten Husten.

In dem Moment, als der Überzeugungszauber bei ihren Freunden wirkte, klatschte sie in die Hände, ganz so als ob sie plötzlich eine Idee hätte.

„Wisst ihr was? Lasst uns ein Wettrennen zum Drei Besen machen. Derjenige, der zuerst dort ankommt, bekommt von den Andern ein Butterbier ausgegeben."

Normalerweise hätte ihr das nichts als ein Stöhnen von den zwei Jungen eingebracht, aber nun nickten sie eifrig, und noch bevor sie ihren Zauberstab wieder weggesteckt hatte, stürmten sie schon los und rannten in einem plötzlichen Anfall von Energie Richtung Hogwarts.

Fast hätten sie es geschafft. Die Häuser von Hogsmead waren schon sichtbar, als der Fluch aus dem Gebüsch an ihrer linken Seite geschleudert wurde und Hermine, die dafür gesorgt hatte, dass sie einen Abstand hinter den Jungen hatte, konnte nichts weiter tun, als in dessen Weg zu springen.

Der Fluch traf sie genau in den Rücken und verwandelte ihren empfindlichen Rücken in eine Masse verbrannten Fleisches. Großartig dachte sie wütend und dass wo ich nur auf meinem Rücken schlafen kann!

Glücklicherweise waren die beiden Jungen zu sehr in ihren Wettlauf vertieft, um zu bemerken, wie sie stolperte und hinfiel. Aus dem Schutz ihres Zauberstabes sendete sie ihnen einen weiteren Überzeugungszauber, der sie hoffentlich direkt zu den Drei Besen schicken würde, bevor sie ihr Fehlen bemerken würden. Dann brach sie im Schnee zusammen und betete, dass der Verfolger es für eine Ohnmacht halten würde.

In dem Moment, wo sie seine eiligen Schritte an sich vorbei gehen hörte, sprang sie wieder auf, stürmte in das Gebüsch und versuchte dabei so leise wie möglich zu sein.

MacNair hatte die Jungen fast erreicht, als sie freie Schussbahn auf seinen Rücken hatte. Ich kann ihn nicht töten, oder zum Krüppel machen - es wird erwartet, dass ich auf seiner Seite stehe, dachte sie und zielte anstelle dessen auf seine Füße.

„Immobilus", zischte sie und er stolperte über seine plötzlich nicht mehr reagierenden Beine. „Wirf deinen Zauberstab weg, MacNair und gib auf!"

Er knurrte wie ein Tier, als er herumfuhr, um in ihre Augen zu sehen.

„Ich wusste immer, dass wir dir nicht trauen können, Schlammblut," spie er mit Ekel hervor.

„Zauberstab weg," kommandierte sie und er gehorchte, ohne zu zögern. Er hatte gesehen, zu was sie fähig war.

Sie zauberte Seile hervor um ihn zu fesseln und bewegte sich näher an ihn heran, um sicher zu stellen, dass er sicher verschnürt war.

„Ach komm schon MacNair," spottete sie, als sie die Knoten überprüfte.

„Sag mir nicht, dass du mir heute auf Wunsch des Dunklen Lords folgst. Potter ganz auf eigene Faust anzugreifen und seinen Tod zu riskieren. Dieser Verbrennungszauber war recht gefährlich."

„Du bist trotz allem auf seiner Seite!"

„Ich diene niemandem außer dem Dunklen Lord", schrie sie und benutzte ihre Legilimentikfähigkeiten, um diesen Gedanken tief in seinen Gedanken zu verankern. „und ich werde dafür sorgen, dass Potter tot zu seinen Füßen liegt, aber nur, wenn der Befehl vom Dunklen Lord selbst kommt!"

Sie seufzte irritiert, während sie ihren Blick über ihn wandern ließ, und versteckte nicht, wie wenig sie von seiner Intelligenz hieß.

„Ich werde ihnen nur folgen, um sicher zu gehen, dass sie nichts bemerkt haben. Versuche nicht noch mal so einen dummen Stunt, MacNair."

Sie ging von ihm weg und hatte schon fast den Rand des Waldes erreicht, als MacNair plötzlich hinter ihr seine Stimme zu einem triumphalen Schrei erhob.

„Crucio," schrie er und der Schmerz durchfuhr sie, schickte sie als ein zuckendes, krampfendes Bündel zu Boden.

Eine raue Hand entwand ihren Zauberstab aus ihrem Griff und sie sah zu MacNair auf, der sie teuflisch angrinste und ihn wegsteckte. In seiner Hand war jetzt ein anderer Zauberstab, der auf sie zeigte und ihr den Fluch durch Mark und Bein schickte.

Er hat einen zweiten Zauberstab versteckt, dachte sie, als der Schmerz sie völlig umhüllte. Severus hatte Dich gewarnt, dass er der extra vorsichtige Typ ist! Dumm, dumm, dumm!

Als der höllische Schmerz all ihre Zellen ausfüllte und das Atmen mit der Zeit immer schwieriger wurde, ließ sie ihren Körper komplett bewegungslos werden. Ihre Augen verdrehten sich nach oben und ihre Hände, die sie in den Boden gekrallt hatte, stellten ihre Bewegungen ein.

Sie biss fest in die Innenseite ihrer Wange und, als sie das warme Blut auf ihrer Zunge spürte, öffnete sie leicht ihren Mund und ließ es in einer Spur über ihre Wange laufen. Als sie langsam ihre Zuckungen und Krämpfe weniger werden ließ, was etwas war, was einen gewaltigen Teil ihrer Kraft erforderte, wo sie eigentlich nichts anderes wollte, als vor Schmerzen aufzuschreien, schien MacNair endlich ihren Zustand zu bemerken und beendete mit einem besorgten Gesicht abrupt den Fluch.

In ihrem gegenwärtigen halbbewusstlosen Zustand wirkte Hermine für die ganze Welt wie jemand, der gerade mit einer Überdosis des Crutiatus zu tun hatte, wahrscheinlich mit tödlichen Konsequenzen.

Ich denke nicht, dass du unserem Lord erzählen willst, dass du sein kostbares Schlammblut getötet hast, nicht wahr MacNair, dachte sie, als MacNair seinen Zauberstab senkte und sich halb zu ihr runter kniete, um nach ihrem Zustand zu sehen. Guter Junge. Lass uns nun spielen.

Und plötzlich schoss sie nach oben. Ihre Muskeln schrien protestierend und der Schmerz in ihrem Inneren erreichte einen neuen Spitzenwert, doch bevor ihre müden Beine unter ihr zusammenbrechen konnten, saß sie mit einem zu seiner Kehle zeigenden Messer auf seiner Brust und hielt seinen Zauberstab in ihrer Hand.

„Sie sind mein Opfer", zischte sie und der dunkle Zorn in ihren Augen ließ ihn von ihrer Berührung zurückweichen.

Sie musste gerade jetzt regelrecht furchterregend für ihn aussehen, vermutete sie. Ihr Gesicht war mit Blut bedeckt und das Messer glitzerte im Sonnenschein, während sie über ihm ragte, wie eine Katze über ihrem Opfer. Nicht, wie ein einfaches Schlammblut, das er im inneren Kreis kennengelernt hatte, sondern eine himmlische Göttin. Grausam und gnadenlos.

„Niemand wird ihre Köpfe haben, außer dem Dunklen Lord und ich werde sie für ihn besorgen. Komm mir wieder in die Quere und du wirst dir wünschen, dass die Dementoren dich erwischt hätten, MacNair!"

Er nickte ein schweigendes, panisches Zeichen, dass er sie verstanden hatte und sie ließ ihn mit einem Schlenker seines eigenen Zauberstabes erstarren. Erst, als sie ihren eigenen Zauberstab zurückgeholt, Seile beschworen und erstmal seinen einen Zauberstab außerhalb seiner Reichweite platziert hatte, während sie seinen zusätzlichen für ihre eigenen Zwecke einsteckte, ergab sie sich den Schmerzen, die ihren Körper beben ließen.

Für eine lange Zeit lag sie einfach zusammengerollt im Schnee und zwang Luft in ihre brennenden Lungen. Dann, als sie bemerkte, dass sie wieder atmen und sich bewegen konnte, richtete sie sich auf und trocknete sich mit einem Spruch.

„Gute Nacht, MacNair," murmelte sie und weckte ihn wieder auf, bevor sie zum Eingang der Drei Besen apparierte.

Das Mädchen, das die Bar betrat, hatte nichts mit der gefährlichen Kriegerin zu tun, die vor nicht einmal zwanzig Minuten einen Todesser besiegt hatte. Ein gut angebrachter Verschleierungszauber hatte ihre Wangen gerötet, alle Spuren des Kampfes beseitigt und ein glückliches Lächeln in ihrem Gesicht ließ die Köpfe der anderen zustimmend in ihre Richtung drehen.

Sie lachte, als sie Rons und Harrys Tisch erreichte. „Sorry Jungs, aber ich habe meinen Schnürsenkel verloren und bin ein bisschen zurückgefallen. Dann habe ich vor Zonkos McGonagall getroffen. Ich muss in wenigen Minuten nach Hogwarts zurückkehren, weil sie mich für ein wichtiges Experiment braucht!"

Beide schauten etwas missmutig bei dem Gedanken, dass ein weiterer Nachmittag mit ihnen zusammen gekürzt werden würde, aber als sie fragte, wer den Wettlauf gewonnen hatte und Ron, der erfolgreich seine längeren Beine verwendet hatte, sein Gewinnerbutterbier gekauft hatte, ließen beide sie ohne Weiteres gehen.

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Also sie endlich, durch ihren schmerzhaften Rücken und den generellen Schmerzen behindert, die Räumlichkeiten von Severus erreichte, war sie wiedereinmal zu spät.

Professor McGonagall und Draco waren schon angekommen und hatten, wie es schien, den geschäftlichen Teil des Abends schon ohne sie hinter sich gebracht. Sie belagerten die Couchecke, die dem Kamin am nächsten war, und schauten erwartungsvoll nach oben, als sie durch den Wandteppich trat.

„Severus ist in der Küche," kündigte Draco an und Hermine grinste, als er seinen Vornamen so stolz verwendete. Anscheinend hatte Severus ihn nun seine Kollegen zugeordnet.

„Ist das ein Verschleierungszauber oder bist du so glücklich uns zu sehen, Hermine," erkundigte er sich, da er offensichtlich ihrem gesunden Erscheinungsbild misstraute.

„Ein Verschleierungszauber", gab sie zu, als sich die Küchentür öffnete und Severus, ein Tablett mit Besteck und Tellern tragend, den Raum betrat. Sie beendete den Zauber mit einem Schütteln und das Luftschnappen, das McGonagall nicht unterdrücken konnte sagte ihr alles, was sie über ihr Aussehen wissen musste.

„Was ist geschehen", fragte Severus, platzierte das Tablett auf dem Tisch und ging schnell zu ihr hinüber.

„Harry, Ron und ich hatten in Hogsmead einen kleinen Zusammenstoß mit MacNair", erklärte sie aus Höflichkeit zu ihren Gästen laut. McGonagall wusste noch nichts von ihrer Gedankensprache und sie war sich nicht sicher, dass Severus ihr das erzählen wollte.

„Glücklicherweise würden die beiden einen Angriff nicht bemerken, selbst wenn er vor ihnen hoch und runter springen würde", fuhr sie fort und merkte erst jetzt wie müde und irritiert sie eigentlich war. „Aber es hat mich einiges an Zeit gekostet um unseren Freund MacNair los zu werden und sie davon zu überzeugen, dass alles in Ordnung war."

„Was ist mit Ihrem Gesicht geschehen Miss Granger, es ist voll von getrocknetem Blut? ", fragte McGonagall besorgt. „Wie ..."

„Mach kein Theater, Minerva", unterbrach sie Severus unwirsch. „Das sind nur Kratzer. Ihr Rücken ist das wirkliche Problem. Dreh dich um, Hermine. Liegen irgendwelche Flüche darauf?"

Hermine lächelte ihn an. Sie war berührt davon, dass er sie gut genug kannte, um ihren Gesundheitszustand anhand ihrer Haltung und ihren Bewegungen beurteilen zu können. Sie gehorchte und hörte ihre Verwandlungslehrerin wieder nach Luft schnappen. Dieses Mal wahrscheinlich eher begründet.

„Unvorsichtig", murmelte Severus und untersuchte kritisch die Wunde. „Warum hast Du kein Schild benutzt?"

„Er war für Harry gedacht", erklärte sie. „Alles, was ich tun konnte, war, ihn an seiner Stelle auf mich zu nehmen und es zu vertuschen."

Während er den Schnitt magisch säuberte und heilte, schickte sie ihm die Erinnerung an dem Angriff und ihre Reaktion darauf.

Gut gemacht, hallte seine zustimmende Stimme in ihrem Geist. Elegant gehandhabt, bis auf den zweiten Zauberstab. Eines Tages machen wir noch eine Slytherin aus dir.

Ich hoffe doch nicht, gab sie spielerisch zurück und beendete den Blickkontakt.

„Das Seltsame an der Sache ist, dass es so schien, als wüsste er genau, wohin wir gehen wollten", überlegte sie laut.

„Was ist daran seltsam?", fragte Draco nach. „Es war ein Hogsmeadewochenende. Alle aus der Schule waren da. Selbst die Lehrer!"

„Ja, aber wir haben die Höhle seit einem Jahr nicht mehr besucht. Justin kann MacNair das nicht im Voraus gesagt haben, was bedeutet, dass sie eine Art spontaner Kommunikation benutzen, oder dass Justin ihn so oder so treffen wollte und unseren Aufenthaltsort als kleinen Bonus mit angegeben hatte. Ich frage mich ..."

Es war der Moment, als das Klappern der Küchentüren sie aus ihren Gedanken riss und sie sich ihrem Abendessen zuwendeten. Severus hatte den kleinen Tisch, an dem Hermine und er normalerweise gegessen hatten, vergrößert und deckte ihn nun mit edlem Porzellan und Silberbesteck.

Jane schenkte Hermine ein strahlendes Lächeln und Draco einen warnenden Blick. Wahrscheinlich wegen all der Geschichten, die Dobby über die Malfoys verbreitete. Sie schüttelte die Hand von McGonagall und wies Severus an sein „Temperament im Zaum zu halten". Dann apparierte sie zu einem weiteren Lehrabend fort und ließ die am Tisch Sitzenden schwindelig und leicht überfahren zurück.

Während sie Janes hervorragendes Essen genossen, zogen sich Minerva und Severus wie üblich glücklich auf. Minerva hatte wiedereinmal ein Muggelbuch gelesen, das perfekt auf Severus zutraf. Dieses Mal war es „Wuthering Heights" und war nun dementsprechend in der Lage lange und dramatische Passagen daraus aus dem Gedächtnis zu zitieren, wohingegen Severus dann mit langen Passagen aus der Odyssee und der Ilias konterte, wo, nach seiner Aussage, genau gezeigt würde, dass jemand mit dem Namen Minerva kein Gefühl dafür hatte, einen Charakter einzuschätzen.

Anfänglich war Draco schockiert zu sehen, wie sich die Lehrer der zwei am meisten rivalisierenden Häuser so gut verstehen konnten, aber nachdem er die erste Panik überwunden hatte, neben den zwei streitlustigsten Menschen dieser Erde zu sitzen, griff er sogar in die Unterhaltung ein und platzierte ein oder zwei Kommentare zur Verteidigung seines Zaubertranklehrers.

Als Minerva ihn dann beschuldigte, seinem Hauslehrer zu Hilfe zu kommen, hielt Severus einfach seinen Kopf ein bisschen höher und informierte sie darüber, dass er sehr wohl in der Lage sei, sich selbst zu verteidigen und dementsprechend diese Hilfe gar nicht bräuchte.

„Wer die Wahrheit verteidigt, verdient nur Ehre," zitierte Draco dreist einen von Godric Gryffindors frecheren Mottos und Minerva konnte ihr Grinsen nicht verhindern.

Hermine jedoch nahm nicht an dem Geplänkel teil. Sie beobachtete die Anderen, konzentrierte sich auf ihre Mahlzeit und ging immer und immer wieder die Ereignisse des Tages durch.

Bis sie hoch und in Severus Augen schaute.

Du bist besorgt, dachte er ihr zu und sein Amüsement verschwand sofort. Warum?

Es könnte sein, dass ich die Gefahr, die von Justin ausgeht, unterschätzt habe, gab sie schweigend zu. Dieses Schloss ist einfach zu geschwätzig um den Informationsfluss komplett zu kontrollieren, und eine Szene wie heute muss sich nicht wiederholen. Stell dir vor Harry und Ron währen alleine gewesen!

Ich werde Albus davon überzeugen, dass er ein weiteres Treffen mit dem persönlichen Fluch deiner Existenz und seinem Kumpan einplant, schlug er vor. Vielleicht können der Schulleiter und ich ihnen die Konsequenzen ihrer Gedankenlosigkeit näher bringen.

Das würde aber nicht das Problem mit Justin lösen, warf sie ein. Und das nicht nur, weil sie wusste, wie sich Severus bei so einem Treffen gegenüber Harry und Ron verhalten würde.

Dann müssen wir einen Weg finden, um Justin ein bisschen sicherer kontrollieren zu können, oder die Gefahr, die er darstellt, zu beseitigen, antwortete Severus, während er unbewusst die Hände um sein Weinglas legte. Irgendwelche Ideen?

Nur die, ihn vor dem Orden zu enttarnen, und ich denke immer noch nicht, dass das ein guter Weg wäre, antwortete Hermine langsam und ihre Gedanken spiegelten deutlich ihre Unzufriedenheit mit dieser Alternative wieder.

Die Anderen, die um den Tisch herumsaßen, waren still geworden. Draco erkannte, was sie taten und versuchte sie nicht zu unterbrechen und McGonagall beobachtete sie mit einem unlesbaren Ausdruck auf ihrem Gesicht.

„Ich frage mich, was wir wegen Justin unternehmen sollten," stellte Severus das Thema laut vor. „Was denkst du Minerva?"

„Ich denke, dass ich nie gewusst habe, dass Legilimentik in dieser Art verwendet werden kann. Es ist sehr erstaunlich", antwortete Minerva und überraschte damit die Anderen.

Severus seufzte. „Manchmal frage ich mich, ob es überhaupt jemand einmal geschafft hat, etwas vor dir zu verheimlichen," antwortete er gut gelaunt.

„Nicht lange," antworte sie und dieses Mal konnte nicht einmal Hermine ein Grinsen unterdrücken.

„Aber zurück zu Justin", führte sie die Diskussion zurück zum Thema, aber zu ihrem Erstaunen war es Draco, der das Thema aufgriff.

„Es scheint mir, dass wir drei Möglichkeiten haben, wenn wir verhindern wollen, dass so etwas noch einmal passiert. Erstens könnten wir Justin aus der Schule entfernen oder seine Eltern befreien und somit seine Arbeit als Spion beenden. Zweitens könnten wir ihn dazu überreden, mit uns zusammenzuarbeiten, also quasi als Doppelagent." Er warf Hermine und Severus ein kurzes Lächeln zu, die intensiv zuhörten.

„Und drittens könnten wir einen effektiven und sicheren Weg finden, um zu kontrollieren, welche Informationen er MacNair übergibt und wie schnell er das tut. Ich dachte in so einer Art wie mit dem Obliviate, den ihr bei mir benutzt habt. Vielleicht kann man den Spruch so verändern, dass er Justin daran hindert, Informationen weiter zu geben, die zu frisch oder zu wichtig sind."

„Die erste Variante sollte unser letzter Ausweg sein", griff McGonagall Dracos Gedanken auf. „Ich würde gerne die Möglichkeiten, die Justin darstellt, solange wie möglich aufrecht erhalten. Wir sollten wie auch immer einen Weg finden, seine Eltern in dem Falle zu schützen, falls MacNair entscheiden sollte, dass Justins Nutzen ein Ende hat. Ich würde vorschlagen sie zu lokalisieren und dann ein Auge auf sie zu haben."

„Gute Idee", stimmte Snape zu. „Ich denke wir können die zweite Möglichkeit ausschließen. Von dem, was ihr zwei mir erzählt," dabei nickte er Draco und Hermine zu, „und meiner eigenen Erfahrung im Unterricht kann ich sagen, dass der Junge ein grauenvoller Spion ist. Er ist nicht einmal in der Lage einem Herrn ordentlich zu dienen. Wenn wir auf ihn zu kommen, dann würde er sein Vorhaben sofort verraten."

„Deine Idee mit dem Obliviate allerdings ist es wert, drüber nachgedacht zu werden", fuhr er fort und schenkte Draco ein kurzes Lächeln. „Wir könnten einen Befehl in seinen Geist implantieren, mir alles zu berichten, entweder per Eule oder sonst wie, bevor er zu MacNair geht. Das würde uns die Zeit geben, die Informationen zu evaluieren und wenn nötig, zu handeln.

„Aber ist das nicht furchtbar riskant?", fragte McGonagall. „Falls MacNair bemerkt, dass an Justins Geist rumgepfuscht wurde, oder, wenn er auf die Idee kommen käme, den Jungen zu Voldemort zu bringen, dann hat er keine Chance!"

„Wahr", stimmte Severus zu. „Potter in dieser Art zu beschützen, würde das Risiko für Justin erhöhen."

„Das bedeutet, dass wir mit einem unschuldigen Leben spielen, Severus," sagte McGonagall warnend. Es war klar erkenntlich, dass sie die Richtung auf die alles herauslief, ganz sicher nicht mochte.

Severus lächelte dünn bei diesem Kommentar. „Ich werde uns eine philosophische Diskussion über die Natur der Unschuld ersparen", antwortete er. „Dein Punkt ist auf jeden Fall hieb – und stichfest.

Er drehte sich plötzlich zu Hermine um, die der Diskussion mit ruhigen und dunklen Augen still gefolgt war.

„Was denkst du Hermine", fragte Severus. „Immerhin hast du ihn enttarnt und das macht ihn in einer Art zu deiner Verantwortlichkeit. Ihn beschützen, oder in weiter zu benutzen und sein Leben dabei riskieren."

Draco fühlte bei Severus Worten auf einmal den Ärger in sich aufsteigen. Er wusste, wie sehr sich Hermine für jeden um sie herum verantwortlich fühlte. Diese Last auf ihre Schultern zu laden schien ihm völlig falsch.

Aber Hermine blieb ruhig und als sie schließlich auf Severus Frage antwortete, war es mit der kühlen Professionalität eines Spions und nicht den Emotionen der Gryffindor.

„Ich denke wir müssen das Risiko eingehen", sagte sie ruhig, und als sich McGonagall nach vorne lehnte, um zu protestieren, hob sie mit einer ruhigen Geste ihre Hand.

„Ich weiß was ich sage, Professor, und ich weiß das das den Tod von beiden, Justin und seinen Eltern bedeuten kann. Aber Krieg ist nie fair und es sterben jeden Tag unschuldige Menschen. Wer bin ich zu entscheiden, wer gerettet wird – Justin oder all die Menschen, die mit seinem zusätzlichen Wissen gerettet werden könnten. Justin ist in einer Situation gefangen, die unschön, aber stabil ist und er hat keinen Lehrer oder Mitschüler deswegen um Hilfe gebeten."

Sie seufzte vor Müdigkeit. „Wir können diesen Krieg nur gewinnen, wenn wir unsere Augen auf die Gesamtheit richten. Das ist etwas, dass ich aus der Beobachtung von Dumbledore gelernt habe. Und um es geradeheraus zu sagen: Im Endeffekt ist Harrys Leben weitaus wichtiger, als das von Justin."

Schweigen umgab sie. Vorbei war der Spaß und das Necken die sie vorher umgeben hatten und alle Augen waren auf Severus gerichtet.

„Ich stimme Hermine zu", sagte er mit grimmigem Gesicht und nach einer Pause, die für die Gruppe viel zu lange war. „Wir haben also Folgendes beschlossen: Justins Eltern werden so gut wie wir es können beschützt, aber Justin wird weiterhin für MacNair ein Spion sein, der jedoch von mir kontrolliert wird."

Hermine nickte langsam. Ihr Gesicht war angespannt und ihre Augen glitzerten im Schein des Feuers.

„Sein Tod läge dann auf meinen Schultern", flüsterte sie und es klang für die Anderen wie ein Gebet.

McGonagall schaute sie nur an. Aller Protest war vergessen und ihre Augen waren alt und unlesbar.

„Du bist wirklich erwachsen geworden, mein Mädchen", sagte sie schließlich. „Ich weiß nur nicht, ob ich froh, oder traurig darüber sein soll."

„Sei froh, denn ohne sie währen wir in diesem Krieg nicht weiter gekommen ", antwortete Severus, als Hermine nicht reagierte, da sie immer noch ihren Gedanken nachhing.