A/N
Hallihallo! Wie habt ihr Weihnachten verbracht? Hoffe ihr wurdet reich beschenkt!!
Einen riesigen Dank an „Die Intoccabile" ! Wie es aussieht, bist du die Einzige, die noch liest… Aber deine Reviews lassen mich überhaupt weiter schreiben!!! drück Danke!
So, jetzt, relativ schnell gg, ein neues Chappi!
Halfmoon
PS
zu den Kapitelnamen…nenn mich einfältig, doch mir fällt nichts ein… Vielleicht, wenn ich alles noch einmal überarbeite, wenn ich fertig bin…. Aber es ist immer so schwer, geeignete Überschriften zu finden…
Und zu Kensington… Kenn ich nicht, falls es anders aussieht…nicht meckern!
Ach ja, das Kapitel ist manchmal etwas hastig geschrieben…weil ich nicht so viel Zeit hatte…sorry
Kapitel 28
Nachdem Rune ihre Haare und ihren Körper von Dreck und Schweiß befreit hatte, ließ sie sich frisches Wasser einlaufen. Vielleicht war es Verschwendung, doch sie hatte keine Lust sich über andere Menschen Gedanken zu machen, die für jeden noch so kleinen Tropfen Wasser dankbar waren. Im Moment trug sie Scheuklappen und wollte nur eins. Sich endlich in das frische und heiße Wasser legen und nichts tun. Rein gar nichts...
Das Brennen ihrer Handflächen und sonstigen Schürfwunden und blauen Flecke hatte nachgelassen und Rune drehte den Hahn, den sie eben zum zweiten Mal geöffnet hatte, wieder zu. Das Wasser schwappte fast bis zum Wannenrand, als sie sich der Länge nach in die Badewanne legte. Gut dass, sie selbst nicht zu groß war, denn so hatte sie viel Platz und konnte sich ausstrecken.
Entspannt ließ sie ihre Arme im Wasser treiben, welches ihr fast bis zur Nase reichte und genoss die Ruhe und die fast schon erlösende Wirkung der Wärme. Ein heißes Bad konnte doch immer noch Wunder vollbringen… Eine Wohltat für Seele und Geist. Fast wie Yoga, nur ohne die Verrenkungen…
Ihr Kopf war leer. Sie verschwendete keine Gedanken an die „Allianz", an Werwölfe, Vampire oder sonst irgendwelche Gefahren. Nur einmal schien sich ein gewisser, katholischer Pater seinen Weg in ihre Gedanken bahnen zu wollen. Für eine kurze Zeit wurde das Wasser zu Händen, die sie streichelten und berührten, doch sie schüttelte diese Gedanken und Gefühle schnell ab.
Sie beobachtete wie die Dampfschwaden, als sie leicht hineinpustete auseinander wirbelten und deren Platz von neuem Dampf eingenommen wurde. Ein kleiner Kreislauf, den zu beeinflussen, ihr Vergnügen bereitete.
Durch die Wolken aus heißem Dampf, die über der Badewanne hinweg schwebten erhaschte sie hin und wieder einen Blick auf die gegenüberliegende Wand.
Das Licht der Lampe über ihr wurde vom Wasser reflektiert und zauberte Lichtspiele an eben diese und Rune hätte ihnen stundenlang zugucken können. Wenn die Entspanntheit nicht durch erneute Müdigkeit abgelöst worden wäre. Man hätte glauben können, dass sie eigentlich hätte ausgeschlafen sein müssen, da sie sich bereits im Garten ausgeruht hatte.
Aber genau das Gegenteil war der Fall. Nach dem Streit mit Andersen, dem Brief und die Wahrheit über ihre Familie hatte sie sich noch erschöpfter gefühlt. Noch ausgelaugter als zuvor.
Immer schwerer wurden ihre Lider, bis sie sie nicht mehr offen halten konnte. Ihre Augen schlossen sich – und ihr Kopf sank ein wenig zur Seite, ohne jedoch ins Wasser zu rutschen. Rune glitt in einen dämmerigen Schlaf, der sie zwischen Schlaf und Wachsein gefangen hielt.
Sie sah nicht mehr, wie ein schwarzer Schatten sich von der Decke gleiten ließ, ganz langsam, wie Honig der zäh von einem Löffel tropfte – bis er neben der Längsseite der Wanne auf dem Boden eine Pfütze bildete. Fast hätte man es für Wasser halten können, wäre es nicht schwarz gewesen…
Ein Zittern lief über die schwarze Oberfläche hinweg und dann begann die Pfütze empor zu wachsen. Immer weiter wuchs sie und bald ließ sich eine Gestalt erkennen, ungefähr so groß wie ein Kind.
Es dauerte nicht lange, bis aus der schwarzen Gestalt Leanor geworden war. Ihre kalten gelben Augen richteten sich auf die ruhig im Wasser liegende Form Runes.
Ihre blassen Lippen verzogen sich zu einem höhnischen Lächeln.
Wächterin…dachte sie und verzog verächtlich ihr kindliches Gesicht. Du bist keine Wächterin, Rune. Genauso wenig wie deine Mutter oder ihre Schwester es gewesen waren. Eine Familie von Unwissenden seid ihr. Nutzlos und schwach… Einzig eure Gabe macht euch zu etwas Wichtigem.
Aber genug des Ganzen. Es wurde Zeit…
Leanor schloss die Augen und ihre Handflächen legten sich auf ihr Gesicht. Für eine Weile geschah nichts, doch dann veränderte sich die Gestalt Leanors erneut. Sie wurde größer und ihr Körper glich bald dem einer erwachsenen Frau. Sie trug eine Jeans und ein dunkles Oberteil und ihre weißen Haare hatten die Farbe von glühendem Kupfer angenommen.
Dann lassen wir das Spiel beginnen, dachte Leanor und ließ sich neben der Wanne auf die Knie sinken. Sie brauchte sich nicht zu vergewissern, dass mit ihrer jetzigen Gestalt alles stimmte. Sie wusste, dass ihre Gestalt der einer wichtigen Person eins zu eins glich.
Einer Person die zu sehen Rune mehr bedeuten würde, als ihr eigenes Leben. Nichts Geringeres als die Seele dieser Person verbarg sich in dem Spiegel Leanors. Gefangen, so lange, bis sie ihrem Zweck gedient hatte.
Die Mutter wird die Tochter verraten...
„Du hast geglaubt, du würdest deine Tochter retten, Morgan", murmelte Leanor leise. „Aber du wirst ihr Untergang sein…."
Trotz aller Sicherheit gelang es Leanor ein leises Gefühl der Unruhe nicht gänzlich zu unterdrücken. Der Erfolg des Plans, der gesamten Operation, hing von der Reaktion Runes ab. Reagiert sie nicht so, wie sie sollte, mussten sie sich komplett umorientieren…
Ohne zu ahnen welch ein Gast in Hellsing – Manor eingekehrt war, befand sich ein kleiner Teil der Soldaten Hellsings unter der Leitung General Fargasons auf dem Weg nach Kensington. Sie hockten dicht gedrängt auf Bänken, die an den inneren Wänden des LKW angebracht worden waren. Über ihnen Schränke, in denen sich zusätzlich Waffen befanden.
Unter den Soldaten befanden sich auch Alexander Andersen und Seras – Victoria, beide natürlich weit genug von einander entfernt, um sich geflissentlich ignorieren zu können.
Alucard bevorzugte seine eigene Art zu reisen und flog, getreu den Filmen der alten Hammer – Studios, als Fledermaus voraus. Wahrscheinlich würde für den Rest der kleinen Armee kaum mehr etwas zu tun bleiben, wenn sie an ihrem Ziel ankamen, doch das war General Fargasons geringste Sorge. Er wusste, dass die „Allianz" nicht zu unterschätzen war. Wer verrückt genug war zu versuchen, Hellsing – Manor ohne ersichtlichen Grund mit einem Heer von Ghoulen zu überrennen, dem war alles zuzutrauen. Zumindest machte er sich auf alles gefasst.
Er warf einen kurzen Blick in den Seitenspiegel. Die gelben Frontscheinwerfer des LKWs grüßten ihn, wie es nicht anders zu erwarten war. Der General hatte jedoch gelernt, nichts für gegeben zu nehmen. Selbst ein LKW konnte plötzlich verschwinden und sei es auch nur in einem riesigen Feuerball…
Er richtete seinen Blick wieder auf die Straße vor ihm. Vor dem gepanzerten Jeep, in dem er saß, fuhr noch ein Auto der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht. Ein weiterer der wenigen Vorteile einer militärischen Laufbahn. Wenn es sein musste, konnte auf sämtliche Verkehrsregeln gepfiffen werden, zumindest bei einem Einsatz…
Seras – Victoria lehnte ihre Stirn gegen das kühle Metall ihrer Halconnen.
Sie war müde. Genau genommen hätte sie sofort einschlafen können. So viel Zeit hatte sie bis jetzt mit Nachforschungen und Einsätzen verbracht, dass sie nicht mehr wusste, wann sie zuletzt einen wirklich erholsamen Schlaf gehabt hatte. Tagsüber wälzte sie in ihrem Keller Papierberge und nachts war sie auf der Jagt. Sie war froh wenn diese endlich ein Ende haben würde. Der Ausgang war ihr langsam egal, wenn es nur endlich wirklich etwas zu tun gäbe…
Aber vielleicht geht es schon auf das Ende zu? Fragte ihre innere Stimme sie und bestätigte das Gefühl, welches sie schon die gesamte Zeit hatte, seit sie und Andersen in den Laderaum des Trucks gestiegen waren. Aus den Augenwinkeln warf sie einen Blick über die Soldaten hinweg, zum Priester.
Er hatte sich weder über die Enge beschwert, als er sich mit ihnen auf die Bänke im Laderaum gesetzt hatte, noch sonst irgendetwas von sich gegeben. Immerhin wurde er behandelt, wie ein gemeiner Soldat. Das dürfte ihm doch eigentlich sauer aufstoßen…und doch gab er noch nicht einmal den kleinsten Kommentar von sich. Dieses Verhalten war mehr als merkwürdig…
Wenn sie doch nur in seine Gedanken eindringen könnte, wie Alucard es so oft bei anderen tat. Er wüsste sofort, was den Priester beschäftigte und vor allem was genau im Garten vorgefallen war. Seras – Victoria glaubte, dass es etwas mit Rune zu tun hatte. Die Art, wie diese an ihr vorbeigegangen war…
Sie hat mich einfach abgewürgt, dachte Seras und schloss die Augen, um sich das Geschehen noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die Art wie Rune an ihr vorbeigegangen war – und schließlich der Blick Andersens… Für einen Moment hatte es fast so ausgesehen, als wolle er hinter Rune her. Dieses Starren seiner grünen Augen… So… Seras vermochte es nicht in Worte zu fassen. Als Vampir hatte sie mit Leichtigkeit durch die Dunkelheit sehen können und ihre wäre noch nicht einmal eine Fliege entgangen, wenn sie auf des Priesters Schulter gesessen hätte. Deswegen ärgerte es Seras umso mehr, dass sie, obwohl sie seine Augen genau gesehen hatte, deren Blick nicht deuten konnte.
Etwas ist zwischen den beiden vorgefallen…und ich werde herausfinden, was! Schwor sich die Vampirin.
Andersen ignorierte die Blicke der Soldaten und der Vampirin vollkommen. Er wusste nur zu gut, was sie dachte…
Er hatte jedoch besseres zu tun, als sich über sie Gedanken machen. Denn über ein Individuum nachzudenken, das man in der Zeit eines Lidschlages töten könnte, war reine Zeitverschwendung. Er musste den Blick nach vorne richten: Was sollte jetzt geschehen? Er durfte dieses Spiel nicht weiter spielen. Auf gar keinen Fall! Aber er hatte einen Auftrag und wenn er Pech hatte, war jetzt alles gelaufen. Er hatte sich von Anfang an solch eine Mühe gegeben ihr Vertrauen zu gewinnen – und nun… Er hatte es selbst zerstört, sein sorgsam gesponnenes Netz. Sie hatte sich in ihrer verzweifeltsten Stunde an ihn gewand. Genau so wie er es immer hatte haben wollen. Er hatte auf diesen Moment hingearbeitet! Aber es war aus dem Ruder gelaufen. Er hatte die Kontrolle verloren. Er hatte sie nur weiter an sich binden wollen, nicht mehr. Nur ein bisschen noch.
Aber ging es erfolgreichen Verbrechern nicht eben so? Immer hieß es, nur noch ein einziger Einbruch, nur noch einer… Es wird schon schief gehen – und dann…geht es wirklich schief und die Polizei holt sie ein…und in seinem Fall Gott…
Rune…
Allein ihre Ansichten waren frevelhaft! Ihre Auffassung von der heiligen Kirche… Es schüttelte ihn regelrecht, als er an ihre Worte dachte. Priester waren die Verbindung der Menschen zu Gott. Sie mussten rein sein und durften sich an kein Weib binden. Wer war sie, dass sie glaubte, ihn missionieren zu können?!
Er, ein evangelischer Priester… Pah! Glaubte sie etwa, er würde wegen ihr die Seiten wechseln? Sie war nur ein Frau, nichts weiter!
Diese protestantischen Scharlatane, glaubten doch an gar nichts! Wie konnte man Gott nah sein, wenn die Gedanken immer abgelenkt wurden?
Diese scheinheiligen Idioten biegen sich die Regeln zurecht, so wie es ihnen gerade am besten passt, wetterte Andersen in Gedanken. …und wie sie über Gott gesprochen hat. Als gäbe es ihn nicht… Allein dafür soll sie in der Hölle schmoren! Er verschränkte die Arme vor der Brust, um seine zu Fäusten geballten Hände zu verbergen. Es musste ja nicht auch noch der letzte Vollidiot bemerken, dass er angespannt war. Es reichte ihm schon, dass er mit all diesen Verlierern im Laderaum eines LKWs zusammengepfercht wurde.
Wenn das so weitergeht, braucht es mehr als ein ‚gut gemacht' als Entschädigung… Überlegte Andersen bei sich und rutschte ein wenig auf der harten Bank hin und her, um es sich bequemer zu machen – was bei seiner Größe wahrlich nicht einfach war.
Wichtiger jedoch, als die Probleme mit seiner Größe, war Maxwell Bericht zu erstatten. Natürlich nicht in allen Einzelheiten, denn er hatte längst beschlossen, nichts von dem Vorgefallenen zu erwähnen, doch sein Vorgesetzter musste unterrichtet werden.
Aber was genau würde er ihm erzählen?
Vielleicht dass der Einfluss der Hellsings zu stark war und Rune sich von ihm nicht mehr einlullen ließ? Das könnte gehen… Maxwell wusste um die Überzeugungskraft Integral Hellsings. Oft genug hatte eben diese dem protestantischen Pack einen Vorsprung verschafft.
Du belügst deinen Vorgesetzten? Durchbrach plötzlich Alucards gehässige Stimme seine Gedanken. So weit ist es schon gekommen? Wenn du nicht aufpasst, wirst du doch noch zum Verräter…
Alexander wäre aufgesprungen und hätte sich auf den Vampir gestürzt, hätte das nicht die Zerstörung des LKW nach sich gezogen. Auch wenn es um die Soldaten nicht schade gewesen wäre, so konnte er sich die Aufmerksamkeit, die so ein Verhalten zur Folge hatte, nicht leisten. Er begnügte sich deshalb mit einem geflüsterten: „Nur über meine Leiche…", und hoffte dass der Vampir nicht mehr wusste, als er ihn wissen ließ…
Ich freu mich drauf! Das Lachen des Vampirs hallte noch lange in den Gängen seiner Gedanken nach. Ein irrwitziges Echo, herbeigeführt durch einen wahnsinnigen Untoten und Alexander schwor sich diesen bei der nächst besten Gelegenheit zu töten.
Plötzlich spürte Rune etwas. Ein Luftzug der kühl über ihr Gesicht strich und sie hörte eine Stimme, die zu ihr sprach. Obwohl sie die Worte nicht verstand, erfüllten sie sie mit Wärme. Sie vertraute der Stimme sofort, ohne dass sie wusste, wem sie gehörte.
Vielleicht Seras… Vielleicht…
Sie öffnete die Augen und blinzelte. Träumte sie noch? Denn das was sie sah, konnte nicht real sein.
Eine wunderschöne Frau kniete neben ihrer Badewanne. Ein Schimmer schien sie zu umgeben, als wäre sie ein Engel.
Rote Haare umloderten feurig ein feines Gesicht, das aus Porzellan gemacht schien und ein Meer aus kleinen Sommersprossen bedeckte ihre Nase.
Irgendwoher kannte sie diese Frau… Angestrengt versuchte sich Rune zu erinnern, aber die Erkenntnis um wen es sich handelte, durchbrach erst spät ihren schläfrigen Zustand.
„Mama…?" Sie klang wie ein kleines Kind. Doch sie nahm es nicht wahr – und wenn, wäre es ihr egal gewesen. Hier vor ihr, über den Rand der Badewanne gebeugt, kniete Morgan McCallister. Wäre sie dazu in der Lage gewesen, sich zu bewegen, wäre sie ihr um den Hals gefallen, doch die Schwere ihrer Glieder verbot ihr so ein Unterfangen. Rune fühlte sich, als würde sie aus einer Narkose erwachen. Ihre Gedanken flossen langsam durch ihren Kopf, ohne wirklich klar zu werden. Sie musste darum kämpfen, dass sich ihre Lider nicht wieder schlossen und die Worte, die aus ihrem Mund kamen, klangen nuschelnd.
„Wie ist das möglich?"
Ein sanftes Lächeln umspielte die Lippen ihrer Mutter. „Genau so wie es möglich ist, dass es Vampire gibt…"
Wäre sie bei klarem Verstand gewesen, hätte ihr diese Antwort vielleicht nicht genügt. In ihrem jetzigen Zustand jedoch, ergab alles einen Sinn.
„Warum…warum hast du mich verlassen?"„Ich habe dich nicht verlassen, ich war immer da…" Antwortete die schimmernde Gestalt ihrer Mutter und ihre Stimme erfüllte Rune mit einer Ruhe, die sie nicht mehr geglaubt hatte zu finden. Vor kurzem noch hatte sie sich gewünscht ihre Mutter zu sehen, um sie zur Rede zu stellen. Sie war wütend gewesen und zornig und jetzt wollte sie nichts lieber, als von eben dieser in den Arm genommen zu werden. Sie wollte ihr alles erzählen. Ihre Probleme, ihre Ängste, ihre Sorgen…
„ Hör mir zu, Rune. Das was ich dir jetzt sage, ist wichtig!" Ernst sah Morgan auf sie herab und Rune strengte sich an jedes Wort zu verstehen. „Ich habe es geschafft Damiens Tochter zu entkommen. Sie hat mich, meine Seele, bis jetzt in ihrem Spiegel gefangen gehalten. Ich weiß nicht was geschehen ist, aber bei einem Kampf ist etwas passiert… Der Spiegel…" Morgan schüttelte leicht den Kopf. „Ich kann es mir nicht erklären, aber ich habe es geschafft zu entkommen und mit dir Kontakt aufzunehmen. Ich kann nicht lange bleiben, deswegen hör mir zu: Die Allianz plant England zu unterwerfen und beginnen werden sie mit dem Buckingham Palace! Sie haben ein riesiges Heer! Sag das Integral Wingates Hellsing. Sag, dass du es geträumt hast, denn deine Träume sind, wie die meinen damals, Vorhersehungen!"
Immer schwerer wurden Runes Lider und sie kämpfte verzweifelt dagegen an, nicht einzuschlafen. „Mam, ich…" „Sch…" Morgan legte einen Zeigefinger an ihre Lippen. „Es ist wichtig, dass du Sir Hellsing dies sagst, verstehst du das? Dein Wohl und das deines Vaters hängt davon ab!"
Rune nickte schwach und fühlte, wie das Wasser um sie herum sanft auf ihre Bewegung reagierte. „Ja…"
„Dann wird alles gut." Hörte sie die warme Stimme ihrer Mutter. „Schlaf jetzt…"
„Bleibst du bei mir?" Fragt sie schlaftrunken und obwohl die Erschöpfung sie endgültig zu übermannen drohte und schon dieser eine kleine Satz all ihre Kräfte beanspruchte, öffnete sie ein letztes Mal die Augen. Nur ein letztes Mal wollte sie ihre Mutter sehen…
„Ich werde wiederkommen", antwortete diese und berührt Runes Stirn. „Wir werden wieder zusammen sein." Ihre weiße Hand strich über ihre Haut und für den Bruchteil einer Sekunde lief ein Flackern über das ebenmäßige Gesicht ihrer Mutter.
Für kurze Zeit wurde es unscharf, wie bei einem falsch eingestellten Film. Das Grün ihrer Augen wurde heller… und bevor Rune ins Land der Träume hinab glitt, fragte eine leise Stimme in ihrem Kopf, wie es sein konnte, dass ihre Mutter gelbe anstatt grüne Augen hatte…
Kaum war Rune eingeschlafen, hatte sich Leanor auch schon ihrer Maskerade entledigt. Eine einfache Handbewegung hatte ausgereicht um aus Morgan McCallister wieder Leanor zu machen. Eine perfekte Schauspielerin in einer perfekten Maske.
Leanor stützte die Ellebogen auf dem Rand der Wanne ab, während ihr Kinn auf ihren Handflächen ruhte. Sie neigte ihren Kopf leicht gen rechte Schulter und betrachtete die junge Frau eingehend.
Dass sie eine Wächterin sein sollte, grenzte an Lächerlichkeit. Ein zitterndes Häuflein Elend war sie bei ihrer ersten Begegnung gewesen. Nicht fähig Gebrauch von ihrer Gabe zu machen…und selbst jetzt war sie keinen Schritt weiter gekommen…
Leanor musste zugeben, dass sie kurze Zeit gezweifelt hatte. Damals, als ihr Vater den Befehl gegeben hatte, die Ghouls als Ablenkung zu schicken, damit sie die Spiegel präparieren konnte.
Sie hat diesen Butler gerettet…
„Bald werden wir wieder vereint sein, mein Vater und ich. Ich muss dir danken…"
Wie schön es wäre, sie jetzt zu vernichten – und so einfach…
In ihrer Vorstellung sah sie, wie sie sich in die Wanne beugte und ihre weißen Hände fest in das schwarze Haar der Wächterin griffen. Gewaltsam drückte sie deren Kopf schließlich unter Wasser. Ihre nackten Glieder zuckten und zitterten, trommelten gegen die Innenwand der Badewanne – und lagen schließlich still.
Leanor konnte das Funkeln in ihren eigenen Augen sehen…und schüttelte den Kopf. Die Bilder verschwanden und mit ihnen die Aussicht auf einen wunderbaren Mord.
Ein leises Seufzen entkam Leanors Lippen, als sie sich erhob. Es wurde Zeit…so gerne sie auch noch ein wenig bleiben wollte, um in ihren Fantasien zu schwelgen, blieb ihr doch nichts anderes übrig als den Rückzug anzutreten. Dieses Mal jedoch fiel es ihr nicht sonderlich schwer, denn die Aussicht auf den letzten Akt ihres bühnenreifen Spiels hieß sie mit freudiger Erwartung willkommen. Wie ein Kind, dass sich nur noch ein wenig gedulden musste, um schließlich in das Zimmer mit dem Weihnachtsbaum und den Geschenken gelassen zu werden.
Alucard sauste im Sturzflug über Kensington hinweg, ohne auch nur das kleinste Anzeichen für einen Ghoul Angriff zu orten. Dabei hatte er sich auf diese Schwächlinge gefreut… Noch nicht einmal einen Vampir oder einen Werwolf konnte er wahrnehmen. Auch wenn er sich noch so konzentrierte…
Schließlich drehte er um und wollte gerade den Soldaten entgegenfliegen. Als eine gewaltige Explosion das Viertel erschütterte. Die Druckwelle war so stark, dass sie ihn erfasste und durch die Luft schleuderte. Wäre er tatsächlich nur eine Fledermaus gewesen und kein Vampir, hätte er an der nächsten Hauswand geklebt.
So jedoch nahm er wieder seine eigentliche Form an und landete mit beiden Füßen elegant auf der Straße, während Mülltonnen umkippten und die eine oder andere Laterne den Geist aufgab.
Er richtete den Blick seiner roten Augen auf eine schwarze Rauchwolke die in den Sternenklaren Himmel stieg, begleitet von einem goldenen Flackern. Kaum zwanzig Meter von ihm entfernt. Eine Reihe Wohnhäuser verdeckte jede weitere Sicht doch für ihn waren sie das geringere Problem. Er hätte einfach nur auf das nächste Dach springen müssen, um wieder besser sehen zu können, doch die Stimmen von Menschen hinderten ihn daran.
Fenster öffneten sich und verängstigte und neugierige Gesichter sahen auf die Straße hinaus, um die Ursache des Lärms zu ergründen. Einige Mutige liefen sogar aus dem sicheren Schutz ihrer Häuser in die Nacht hinaus, in Richtung des brennenden Hauses. Entweder in Bademäntel gehüllt, die sie sich schnell über geworfen hatten, oder in normaler Alltagskleidung.
Obwohl er es noch nicht gesehen hatte, war Alucard sicher, dass es sich um ein Wohnhaus handelte, dass in die Luft gegangen war. Aus dem einfachen Grund, das er diesen kleinen Teil eben gerade überflogen hatte und sich leere Einkaufsläden für einen terroristischen Akt nicht lohnten. Es war doch viel schöner eine Familie auszulöschen, als einen Gemischtwarenladen. Nahrungsmittel brannten einfach nicht so schön wie Menschen… Das konnte er aus eigener Erfahrung bestätigen…
Er dachte daran Seras die Situation mitzuteilen, verwarf den Gedanken dann jedoch wieder. Die Nachhut würde eh in wenigen Minute n eintreffen – und die Explosion hatten sie bestimmt gehört. Vielleicht sah Fargason auch schon die Flammen. Was sollte er sich also die Mühe machen.
Als wäre er einer von ihnen, ließ sich Alucard im Strom der Menschen mit treiben, der ihn mit Sicherheit zu dem Ort der Explosion bringen würde. Er versuchte so weit es ging abseits zu bleiben – doch wie es aussah hätte sich im Moment sogar E.T. unter diese Menschen mischen können – und sie hätten ihn als einen der ihren anerkannt.
Die Lippen des Vampirs verzogen sich zu einem verächtlichen Lächeln. Menschen waren so berechenbar…
Hinter sich hörte er ein Hupen und das Fluchen Fargasons, unter das sich das ferne Geräusch von Sirenen mischte. Anscheinend war wohl endlich jemand auf die Idee gekommen die Feuerwehr zu verständigen. Alucard beschleunigte seinen Schritt und nahm schließlich doch die Abkürzung über eine Garage und durch einen Garten, um schneller am Ort des Geschehens zu sein. Jedenfalls war das sein Vorhaben gewesen. Er kam aber nur bis in den Garten, als eine zweite Explosion irgendwo links von ihm seine Aufmerksamkeit auf sich zog.
Menschen schrieen in Panik und rannten kopflos hin und her.
Anscheinend war eine weitere Bombe gezündet worden, genau in oder an einem der Häuser, das die Menschen gerade passiert hatten, um sich die Feuershow anzusehen. Kaum ein paar Meter von der ersten Explosion entfernt.
Alucard katapultierte sich mit einem Satz über den Zaun und das angrenzende Grundstück und Chaos grüßte ihn, als er sicher gelandet war. Hitze schlug ihm entgegen, alas befände er sich in einem Heizofen.
Verkohlte Leichen lagen mitten auf der Straße, neben ihnen Verletzte die um Hilfe schrieen.
Fast wie im Krieg… Der Vampir konnte das Blut riechen, das sich auf dem Beton verteilte. Aber das war auch das einzige. Blut, verkohlte Überreste von Menschen, Schweiß, Angst, das Feuer selbst… Aber keine Spur von Ghoulen oder anderem Ungeziefer….
„Sir, bitte! Oh Gott, bitte helfen Sie mir!"
Alucard runzelte die Stirn. Meinte der Mann, der dort auf dem Boden lag, ihn?
„Bitte, Sir!" Die angstgeweiteten Augen des Bärtigen sahen flehend zu ihm auf. Zweifelsohne meinte er ihn… „Wie passend. Ich verspüre gerade ein leichtes Hungergefühl…." Murmelte der Vampir und nährte sich dem am Boden liegenden Mann, dessen rechtes Bein nur noch aus einem blutigen Stumpf bestand. Der Geruch des roten Lebenssaftes kitzelte seine Nase und lockte ihn mit seinem verführerischen Duft.
„Meister!"
Alucard fluchte leise. „Dein Glückstag", knurrte er den am Boden liegenden Mann an und wandte sich zu Seras – Victoria um. Sie hielt ihre Halconnen unter dem einen Arm und sah ihn mit geweiteten Augen an. Er wusste, dass sie wusste, was er getan hätte, wenn sie nicht aufgekreuzt wäre. „ Was ist!?"
„Wir sollen das Gebiet durchsuchen. Prioritäten liegen bei der Allianz. Vielleicht sind noch ein Paar Mitglieder hier…."
Alucard winkte ab. „Mach was du nicht lassen kannst, Polizistin, aber die sind weg."
„Woher wisst ihr…?" „Weil ich nichts von ihnen spüre…" Antwortete er auf ihre schwachsinnige Frage. Sie dürfte ihn jetzt eigentlich lange genug kennen.
„Wenn auch nur der kleinste Ghoul hier wäre, würde ich ihn spüren – bei Werwölfen und Vampiren erst recht… Man hat uns verarscht. Es gibt nur die Explosionen…"
Die Arbeit eines Stümpers… Fügte Alucard in Gedanken hinzu. Wenn ich schon Bomben zünde, dann nehme ich doch so viele Feinde mit, wie möglich…
Es sei denn, es ist gar nicht deine Absicht… Gab ein kleiner Teil seiner Gedanken zurück.
Seine Augen weiteten sich.
Sie hatten zwar nicht mal die Hälfte der Soldaten dabei, aber trotzdem war jetzt ein guter Zeitpunkt, Hellsing anzugreifen…
Alucard lachte leise. Eine gute Ablenkung… Die Allianz schien wirklich nicht aus Idioten zu bestehen…
„Was ist euer Plan…" fragte Alucard leise und ließ seinen Blick über das Chaos und die brennenden Häuser gleiten.
„Meister?" Fragend sah Seras den Vampir an, der sie jedoch ignorierte.
Wenn Hellsing – Manor angegriffen würde, hätte Integral ihn längst zurückbeordert. Da war er sich sicher, also, was war es, das die Allianz mit dieser Tat bezweckte – außer Unfrieden zu stiften und Menschen umzubringen. Obwohl letzteres, nach Alucards Meinung, kein großes Drama war…
Der Vampir warf einen kurzen Blick zu Fargason, der mit einem der Feuerwehrleute und Sanitäter, wahrscheinlich die, die was zu sagen hatten, diskutierte. Soldaten von Hellsing begannen, die Waffen im Anschlag, nach Ghoulen zu suchen und Alucard spielte mit dem Gedanken, Fargason nichts von seinem Wissen mitzuteilen. Es war einfach zu schön, ihn zu beobachten, wie er die Helfer an ihrer Arbeit hinderte und die paar Verletzten, die hier herumlagen, hatten schließlich selber Schuld…
„Ihr seid Euch sicher, Meister?" Seras wurde ein wenig ungeduldig, das spürte Alucard und er gab nach. Sollte sie Fargason doch die Wahrheit sagen. Er würde nach Hellsing – Manor zurückkehren.
„Ja, kleine Polizistin." Meinte er und de – materialisierte sich augenblicklich.
„Klasse", grummelte Seras und stapfte zu ihrem Vorgesetzten. Sie versuchte so gut es ging, die Schreie der Verletzten zu ignorieren. Wenn sie einem half, musste sie allen helfen – und würde ihrem momentanen Vorgesetzten so in den Rücken fallen.
„General Fargason, Sir?"
„Was!"
„Alucard sagt hier ist nichts mehr."
Die Brauen des Generals schossen in die Höhe. „Ist das wahr?"
Seras nickte. „Die Verletzten sind…" Sie warf einen kurzen Blick zu den beiden Männern, die neben Fargason standen. Einer trug die Uniform eines Feuerwehrmannes, der andere die Kleidung eines Sanitäters und beide wirkten mehr als verärgert. Kaum einige Meter hinter ihnen reihten sich zwei Löschfahrzeuge und zwei Krankenwagen hintereinander auf.
„Sie sind sauber…." Vollendete Seras schließlich den Satz und Fargason reagierte sofort.
„Männer, abrücken!"
Der Befehl verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter den Männern und sie machten sofort kehrt.
Fargason wandte sich noch einmal an die beiden Rettungskräfte. „Wir geben das Gebiet frei.
Bitte verstehen Sie, dass die Absicherung nötig war…"
Seras hörte nicht mehr hin. Das ging sie nichts an, auch wenn ihr die Menschen die dringend Hilfe brauchten Leid taten. Die Gefahr, dass Ghoule oder andere, weitaus schlimmere Wesen sich auch noch auf die Rettungskräfte stürzten, war einfach zu hoch gewesen. Jetzt stand einer Rettung natürlich nichts mehr im Wege – nur würde sie für einige zu spät kommen…
Aus den Augenwinkeln sah Seras Andersen. Er starrte in die Flammen des Hauses, das als zweites explodiert war… Die Klingen, die er noch kurz zuvor in beiden Händen gehalten hatte, waren nun wieder unter seinem Mantel verschwunden.
Was tat er da? Hatte er den Befehl nicht gehört? Wenn sie ihn letzteres fragte würde, würde er wahrscheinlich antworten, dass niemand ihm Befehle erteilte und dennoch konnte Seras es sich nicht verkneifen: „Andersen! Wir fahren!"
Anstatt jedoch einen entsprechenden Kommentar abzugeben, hob er nur kurz die rechte Hand. Eine typische ‚ja,ja – leck mich am A…' Geste.
„Wer nicht will der hat schon." Seras stieg, nachdem sie ihre Waffe zuerst in den Laderaum geschoben hatte, zu den anderen Soldaten in den LKW. Sie nahm sich vor auf der Rückfahrt ein wenig die Augen zu schließen und Schlaf nach zu holen… Wenn sie es denn konnte, denn sie fühlte, wie sich die Dunkelheit langsam verzog. Nicht schnell genug, dass es für sie zu einer ernsten Gefahr wurde, doch es war wie das stete Ticken einer Uhr. Das sie immer wieder daran erinnerte, dass die Zeit verging… Wichtig, aber auch nervig.
Das Landhaus, dem gen Ende dieser Geschichte noch eine tragende Rolle zu Teil werden wird, befand sich etwa eine dreiviertel Stunde Autofahrt von London entfernt. Es war ein alter Backsteinbau, zweistöckig, mit hohen Fenstern und weißen Fensterläden und stand halb in einem kleinen Wald. Es hätte hübsch ausgesehen, wäre es nicht so heruntergekommen. Denn auf den zweiten Blick waren die Fensterscheiben dick mit Staub bedeckt und die Fensterläden hingen schief in den Angeln.
Efeu rankte sich um die Front und verdeckte sie, bis auf einige Fenster und die Eingangstür, mit seinen knotigen Armen fast gänzlich. In seinem grünen Sommerkleid hätte es verwunschen gewirkt, jetzt im Winter sah es aus, als sei das Haus Gefangener einer dunklen Macht. Wie sehr dies der Wirklichkeit entsprach hätte ein einfacher Beobachter nicht sagen können. Ein Wanderer der sich zufällig in diese einsame Gegend verirrte hätte beim Anblick vielleicht ein komisches Gefühl gehabt. Er hätte sich aber wahrscheinlich nichts dabei gedacht, denn Geister gab es bekanntlich nicht…
Das Interessanteste war auch nicht das Haus selbst, sondern das, was es beinhaltete – und wen… Wenn Integral glaubte Maxwell befände sich in Italien, dort, wo er hingehörte, dann irrte sie. Anstatt nach ihrem Treffen nach Italien zurückzukehren, war er geblieben. Sämtliche Telefonate die Hellsing betrafen, auf seine Anweisungen hin, in zu einem Vertrauten nach England durchgestellt und von diesem dann in sein „neues" Büro geleitet worden.
Natürlich bemerkte der Anrufende die langen Wartezeiten, doch er wusste nicht, wo genau Maxwell sich aufhielt – und darum ging es schließlich.
Seinen Vorgesetzten hatte er erklärt, dass seine Anwesenheit in dem gefährdeten Land wichtig war und es hatte keine weiteren Fragen gegeben.
Obwohl das Haus von außen aussah, als bräche es jede Sekunde zusammen, war sein Inneres intakt und meiste Zeit auch recht belebt. Momentan jedoch nur das letzte Zimmer im zweiten Stock.
Der Raum war klein und der riesige Schreibtisch, der vor den beiden Fenstern stand, wirkte irgendwie fehl am Platz. Zu dunkel und zu wuchtig für das kleine Zimmer schien er einen stummen Kampf gegen die Wände zu führen. Als wolle er sie, durch seine bloße Anwesenheit zwingen, zurückzuweichen um mehr Platz für seinen Besitzer zu schaffen. Eben diese dachten jedoch nicht im Entferntesten daran und drangen mit ihren rissigen, in kräftigem rot getauchten Körpern ebenfalls auf ihn ein. Eine geräuschlose Schlacht, bei der es keine Gewinner oder Verlierer geben konnte.
Der in einem hellen beige gehaltene Boden hatte auch schon mal bessere Tage gesehen. An einigen Stellen war der Teppich aufgerissen und gab den Blick auf sein mageres Innenleben frei. Andere Ecken jedoch ließen das Werk von Mäusen erahnen, die den Teppich mit ihren kleinen Zähnen bearbeitet hatten. Oder es vielleicht noch taten…
Dem jetzigen Besitzer konnte dies allerdings gleich sein. Das zu einem notdürftigen Büro umfunktionierte Zimmer diente einzig und allein einem Vorhaben, welches bald abgeschlossen war. Ein Vorhaben, das England komplett verändern würde. Die Machtverhältnisse würden kippen und ehe die Menschen begriffen was geschah, wäre schon wieder alles vorbei und sie würden aus den Trümmern klettern und von einem neuen Zeitalter begrüßt werden.
In diesem Büro, indem man eher Humphrey Bogart mit Trenchcoat und Schlapphut erwartet hätte, liefen alle Fäden zusammen – zumindest fast alle…
Enrico Maxwell ging hinter seinem Schreibtisch ungeduldig auf und ab. Er stieß ein frustriertes Knurren aus und verschränkte die Arme vor der Brust. Er bot einen ungewöhnlichen Anblick, in seinen grauen Morgenmantel gehüllt und mit schwarzen Pantoffeln an den bleichen Füßen. Dermaßen ließ sich das Oberhaupt der dreizehnten Kongregation Iscariot normalerweise nie gehen. Auch wenn er für sich allein war, war er normalerweise immer gut gekleidet. In seinen Augen die einzige Schwäche, die er hatte.
Jetzt jedoch war früher Morgen und außer ihm war keiner im Haus. Zumindest niemand der ihn stören könnte.
Er drehte sich zu einem der Fenster, um hinauszusehen. Der Morgen war noch nicht angebrochen und trotzdem konnte er sehen, wie weißer Reif auf den Bäumen und dem Rasen vor dem Haus glitzerte und alles schien mit einem Mal aus einem Buch entnommen worden zu sein. Einem Buch mit Winterlandschaften. Maxwell konnte sich gut vorstellen, wie das Haus aussah und die Wahrheit, die hinter dem schönen Schein steckte schaffte es fasst seine düsteren Gedanken zu vertreiben. Welch eine Ironie, dass die Natur noch nicht einmal vor diesem Haus halt machte.
Sie behandelt uns alle gleich….die Natur. In ihren Augen gibt es kein Gut und Böse…
Das Oberhaupt Iscariots seufzte leise und zog dann mit einem Ruck die schweren Vorhänge zu. Das gleiche wiederholte er auch bei dem zweiten Fenster, so dass der Raum schließlich in völlige Dunkelheit getaucht war. Einzig der Bildschirm des Computers warf ein bläuliches Licht in den ansonsten dunklen Raum.
Keine Nachricht von Alexander Andersen… Immer noch nicht. Er hätte sich schon längst melden müssen.
Vielleicht… Doch er schüttelte den Kopf, noch bevor er den Gedanken weiterspinnen konnte.
Du fantasierst! Schalt ihn seine innere Stimme auch so gleich. Leg dich schlafen – und dann kannst du wieder klar denken.
Ich denke immer klar! Kommentierte Maxwell seine eigenen Gedanken und hätte sich im selben Moment am liebsten gegen die Stirn geschlagen. Jetzt redete er schon mit sich selbst…
„Unfassbar, was zu wenig Schlaf anrichten kann…" Murmelte er und ließ sich in seinen Sessel sinken. Den Blick auf den Bildschirm seines Computers gerichtet. Das bläuliche Licht der Maschine gab seinen Zügen etwas Unwirkliches und zu gleich Verschlagenes…. In seinen grauen Augen schien ein blauer Schimmer zu liegen und obwohl man davon ausgehen konnte, dass sie das Licht des Computers reflektierten wirkte es gefährlich.
Trotz des fehlenden Berichtes von Andersen fasste Maxwell jedoch den Entschluss, ihm die Plan Änderung mitzuteilen. Normalerweise hätte er noch etwas gewartet, doch der enge Zeitplan ließ ihm keine andere Wahl. Für den Priester würde es kein Problem darstellen. Seine Aufgabe, das Vertrauen des Subjekts zu gewinnen, war nicht mehr wichtig. Er würde Hellsing Manor nur zur richtigen Zeit verlassen müssen. Das war alles.
Warum er seinem Untergebenen das nicht schon früher mitgeteilt hat? Weil er es selbst erst vor knapp einem halben Tag von der Tochter des Meisters erfahren hatte… Natürlich war er fuchsteufelswild gewesen. Dass man ihm solch wichtige Änderungen nicht mitteilte grenzte an Verrat! Warum machte man Pläne? Damit nichts schief gehen konnte! Es war alles abgesprochen. Alles!
….und dann kommt dieser kleine Satansbraten und macht alles zunichte… sagen Sie ihrem Priester, er soll mir ja nicht in die Quere kommen… Äffte Maxwell Leanor in Gedanken nach und schob sich die Tastatur so zu Recht, dass er ohne Probleme schreiben konnte.
Mit wenigen ‚Klicks' mit der Maus hatte er das Internet und die E – Mail Funktion seines Rechners geöffnet und begann in kurzen Sätzen die Situation zu beschreiben. Natürlich so, dass zwar Andersen daraus entnehmen konnte, dass es eine Änderung im Vorgehen gegeben hatte – jeder andere jedoch nicht wissen konnte, um was es ging. Nachdem er die Mail abgeschickt hatte, lehnte er sich wieder in seinen Sessel zurück.
Nie hätte er geglaubt gemeinsame Sache zu machen mit den Wesen deren Vernichtung seine Aufgabe war.
Aber wenn man es genau nahm – und er nahm es sehr genau – arbeitete er mit einem Mann zusammen. Weder einem Vampir, noch einem Werwolf, nein, einem Mann. Einem äußerst gebildeten, charismatischen Menschen, mit Fähigkeiten ausgestattet, die selbst Alucards übersteigen sollten – zumindest behauptete Damien das.
Natürlich hatte er anfangs Zweifel gehabt, als man ihn kontaktiert hatte. Immerhin war er ein Mann Gottes. Doch war es nicht ein Segen, dass dieser Zauberer und seine Tochter existierten? Ein wahrer Glücksfall? Denn eines hatte Maxwell begriffen:
Wenn er Hellsing vernichten wollte, würde er das nur durch ihn schaffen. Den Meister der Spiegel…
Und wenn das einmal geschehen ist, gibt es kein zurück… Maxwell rieb sich gedanklich die Hände. Wie gerne würde er Integral Hellsings Gesicht sehen, wenn sie verstand… Wenn sie begriff, dass ihr Kampf umsonst war und dass weder Soldaten, noch anderweitig Hilfe von Iscariot zu erwarten war….
Natürlich hatte sein kleiner Pakt auch einen Preis. Er hatte ein Stück seiner Seele verkauft, für den Vatikan wäre er schon bald ein Verräter und er bezweifelte, dass seine Vorgesetzten seine Beweggründe verstehen würden, wenn er sie vorbrächte. Sie waren schon immer viel zu antiquiert und steif gewesen. Nicht flexibel genug. Wenn sich einem die Möglichkeit ergab, etwas verändern zu können, so sollte man die Gelegenheit ohne zu zögern beim Schopfe packen! Wahrscheinlich würden sie ihn für verrückt erklären… Aber um die Wahrheit zu sagen, er hatte noch nie so klar gedacht. Er sah alles ganz genau vor sich…
Eine neue Welt , in der es nur einen Glauben gab, nur einen Gott…
Er lachte leise.
…und wenn dass nicht im Sinne Damiens ist? Fragte eine leise Stimme des Zweifels.
Es ist in seinem Sinne! Brachte Maxwell die Stimme sofort zum Schweigen. Aber belog er sich nicht selbst? Glaubten Wesen wie er nicht an gar nichts? Außer vielleicht an sich selbst?
Er hat mir ein Land meiner Wahl zugesichert, sobald er seine Macht ausgedehnt hat! Zerstreute Maxwell seine eigenen Zweifel. …und in diesem auserwählten Land wird es nur Katholizismus geben! All die anderen Plagen werden entweder konvertieren oder verschwinden…und was den Rest der Welt betrifft, werden wir sehen, wie sich der Meister macht. Immerhin haben wir noch Andersen…
Er würde den Weg für Gott ebnen, dass hatte sich Maxwell schon vorgenommen, als er im Alter von acht Jahren das erste Mal in einer Kirche saß. Die Macht, die Liebe aber auch die Unberührbarkeit des Allmächtigen hatten ihn sofort berührt. Für die Menschheit war er der einzige Weg aus dem Verderben – dass hatte der kleine Jungen, der damals in der Kirche saß und andächtig der Rede des Pastors lauschte, augenblicklich erkannt. …und auch jetzt hatte sich an dieser Ansicht nichts geändert. Im Gegenteil… War er als junger Bursche noch zögerlich gewesen, so ging er jetzt umso drastischer mit Andersgläubigen ins Gericht. Er verfolgte seine Ziele hartnäckiger und er duldete keine zweite Meinung neben der seinen.
Ein Gegner seiner Ansichten hatte ihn einmal als einen Radikalen beschimpft. Radikal… Früher hatte er diesen Ausdruck steht's verteufelt und ihn mit „besonders leidenschaftlich" beschrieben, im Sinne von hartnäckig. Jetzt machte es ihm nichts mehr aus. Sollten seine Gegner ihn doch als Radikalen beschimpfen – sie waren nur neidisch auf seine Stärke und das, was er erreicht hatte.
Er hatte es satt für wirklich wichtige Entscheidungen stets die Einwilligung seiner Vorgesetzten zu brauchen…und dieses Haus würde ihn seinem endgültigen Ziel noch näher bringen. Es gab von außen vielleicht nicht viel her. Dafür war es im Inneren umso wertvoller. Eine geheime Einsatzzentrale in die er Jahrelang heimlich Zeit und Geld investiert hatte, um sie bereit zu machen…. Bereit für den letzten großen Akt, wie er selbst immer zu sagen pflegte.
Fast war es soweit. Es fehlten nur noch wenige Teile, die dem Puzzle hinzugefügt werden mussten. Aber ab dem Abend würden sie alle auf ihrem Posten sein.
Vielleicht sollte er sich noch einmal vergewissern, ob auch wirklich alles bereit war?
Dummkopf! Hast du das nicht erst gestern getan?
…aber wie sagt man noch? Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste… Gab Enrico zurück, nahm einen schweren Schlüsselbund an sich, der auf dem Schreibtisch lag und verließ sein Büro. Natürlich hätte er dies unter anderen Umständen nie getan, nicht in seinem derzeitigen Aufzug. Aber dass er derzeit allein in einem der Hauptquertiere der Allianz war, ließ ihn unvorsichtig werden.
Er warf einen kurzen Blick in die provisorisch eingerichtete Krankenstation. Ein Arzt und eine Krankenschwester behandelten normalerweise Verletzte. Jetzt war der quadratische Raum verlassen. Drei Betten standen dicht an dicht an der, von ihm aus gesehen, rechten Wand und ein breiter Schrank befand sich an der linken. Gefüllt mit allerhand Medikamenten, Mullbinden, Pflastern, Spritzen etc…. Eine gute Versorgung der Verletzten war bei ihrem Vorhaben wichtig. Sie brauchten jeden einzelnen Mann.
Enrico Maxwell schloss die Tür und ging die schmale Treppe hinab in das Erdgeschoss, nur um eine weitere Treppe hinab zusteigen, die in den Keller führte. Fast augenblicklich, als er an der schweren Stahltür angekommen war, änderte sich die Beschaffenheit der Wände. Sie bestanden nun aus grob gehauenen, grauen Steinen.
Der Schlüsselbund klimperte, als er diesen aus der Tasche zog und einen der Schlüssel auswählte um mit ihm die Tür zu öffnen.
Es kostete ihn einige Kraft die Tür zu öffnen und bevor er ganz hindurch schritt, tastete er an der rechten Wand nach dem Lichtschalter und betätigte ihn schließlich.
Grelles Neonlicht erhellte augenblicklich einen Gang, kaum zehn Meter lang und drei Meter breit. An seinen beiden Enden war jeweils eine Tür.
Seine Pantoffeln ermöglichten es ihm völlig lautlos über den Steinboden zu gehen.
Die von ihm aus rechte führte in einen kleinen fensterlosen Raum. Ein steinernes Gefängnis für die Wächterin. Momentan noch leer und uninteressant.
Maxwell wandte sich zur linken Tür. Auch hier musste er, nachdem er sie aufgeschlossen hatte, sich wieder abmühen sie zu öffnen. Doch als er es geschafft hatte und das Licht brannte und er den riesigen Raum der dahinter lag betrat, erfüllte es ihn erneut mit Erfurcht.
Wie immer, wenn er hier her kam.
Früher einmal hatten in diesem Teil des Kellers Weine gelagert. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie die Regale, die hier und dort sogar noch die ein oder andere Flasche enthalten hatten, entfernt worden waren, um Platz zu schaffen. Ohne die Regale, die bis an die gewölbte Decke gereicht hatten, wirkte der Raum alt. Als gehöre er zu einer Burg und nicht zu einem einfachen Landhaus.
Provisorisch angebrachte Glühbirnen baumelten von der Decke und bewegten sich leicht aufgrund des Luftzugs, der durch Maxwells Eintreten entstanden war.
Der Raum an sich war riesig. Maxwell schätzte ihn in etwa auf die Größe eines Fußballfeldes.
Seine Wände waren manchmal etwas ungerade und uneben, sodass die Wände einem entgegen zu kommen schienen, wenn man nur lange genug darauf starrte.
An der hinteren Wand glitzerte etwas und davor schien etwas zu stehen.
Er durchschritt den Raum mit der Sicherheit eines Besitzers, bis er zu dem Etwas vor der hinteren Wand kam.
Es entpuppte sich als ein steinerner Tisch, ohne große Schnörkel oder Verziehrungen. Ein rechteckiger Klotz der ihm gerade bis zur Hüfte reichte – auf dessen Oberfläche vier eiserne Ringe befestigt waren. Zwei befanden sich relativ gen Ende des Klotzes und zwei ein Stück weiter oben. Etwa in das obere Drittel des Klotzes, war eine runde Vertiefung gehauen, die je tiefer sie ging, spitzer zulief. Maxwell wusste, dass auf der anderen Seite ein dünnes Eisenrohr aus dem Klotz ragte, das mit dem Kegelförmigen Loch verbunden war. Das Blut der Wächterin würde in den Kegel tropfen und schließlich durch das dünne Rohr und in eine Schale laufen, die einer von Damiens Jüngern halten würde. Mit diesem Blut würde Leanor schließlich die in den letzten Zügen liegenden Siegel brechen und Damien, Meister der Spiegel wäre frei…. Er wusste nicht genau, wie das Blut zu Damien gelangen sollte.
Aber er wusste, dass es etwas mit dem Spiegel zu tun hatte. Sein Blick richtete sich auf den rechteckigen Spiegel an der Wand.
Es hatte sie einige Mühe gekostet, ihn anzubringen. Letztendlich hatte er jedoch gehangen, sehr zur Zufriedenheit Leanors. Maxwell wollte sich gar nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn der Spiegel bei dem Versuch gefallen und versehentlich kaputt gegangen wäre….
Der Tochter des Meisters zu folge, war dieser Spiegel der erste und wichtigste. Er bildete die Verbindung zu Damien in seinem unterirdischen Verließ. Wenn es stimmte, was ihm erzählt worden war, so hatte Leanor diesen wichtigen Spiegel geteilt. Die eine Hälfte hing nun an der Außenwand von Damiens Gefängnis und die andere Hälfte hing hier im Hauptquartier. Diese beiden Hälften waren so etwas wie ein Tor, durch das die Siegel von hier aus gebrochen wurden und Damien befreit werden konnte.
Hätte Integral mehr gewusst, hätte man ihn und das Haus bewachen müssen, doch so wie die Dinge lagen, wusste weder Integral noch ihr treuer Vampir, etwas darüber.
Integral hatte ihn, wie er es gewünscht hatte, auf dem Laufenden gehalten. Sie war einfach zu naiv…
Es war einfach, fast zu einfach…
Ein Lächeln stahl sich auf Maxwells Lippen.
Viele Kreaturen und Menschen hatten zu dieser Zeit Anweisungen und alles lief wie in einem Schweizer Uhrwerk.
Präzise und genau…
A/N
Ich hoffe gen Ende wird es nicht zu platt!
Das Maxwell größenwahnsinnig wird, war schon eine recht frühe Idee von mir. Hoffentlich wirkt es nicht zu übertrieben aber ich denke schon, dass man Enrico Maxwell zutrauen kann, wirklich drastische Mittel zu ergreifen, um seinen Glauben auszuweiten – und seine Macht. Ich habe schon das Gefühl dass, wenn er das Angebot bekommen würde, er darauf eingehen würde, mit dem Hintergedanken, dass er durch Andersen immer ein Ass im Ärmel hat. Er kam mir einfach von Anfang an fanatisch rüber…wie Andersen…
