Kapitel 28
Harry war nicht motiviert.
Nach den letzten Ereignissen, kam ihm der normale Schulaltag regelrecht surreal vor, aber es wurde wirklich Zeit, dass sie sich wieder etwas um ihre Zukunft kümmerten.
So gesehen hatte Draco ihn heute morgen auf effektivste Weise zum Unterricht geprügelt, auch wenn es nicht jedem im Griffendorturm gepasst hatte, als der Slytherin plötzlich vor ihrer Tür gestanden und lautstark nach Harry Potter verlangt hatte.
Ron, Hermine und einige andere waren drauf und dran gewesen, ihn ins nächste Jahrhundert zu zaubern, aber irgendwie hatte man es am Ende doch noch noch geschafft, sie davon abzuhalten, auch wenn Harry sich nicht mehr so richtig erinnern konnte, wie genau man es angestellt hatte.
Und wieder einmal schien der interessanteste Unterricht, von Ryo und Akira auszugehen...
Die Gerüchte um sie und die anderen beiden Frauen hatten eine ganze Weile für einiges an Gesprächsstoff gesorgt, waren aber in letzter Zeit etwas in den Hintergrund gerückt, da die Schlagzeilen von Dämonenangriffe und die Sichtungen einiger Todesser wieder in den Mittelpunkt der Zeitungen gerückt waren.
Auch wenn es zu keinem weiteren Angriff auf Hogwarts gekommen war.
Und genau diese Ruhe war es, die ihn momentan so beunruhigte. Voldemort plante etwas und unter diesen Umständen musste man mit allem rechnen...
„Mr. Potter, ich wäre ihnen wirklich verbunden wenn sie sich ein wenig mehr für den Unterricht interessieren würden. Anstatt nur aus dem Fenster zu starren," sprach McGonnagall in ihrer üblich ernsten Stimme.
„Tut mir leid, Professor."
Eigentlich tat es ihm nicht leid, da er das meiste, was sie momentan lernten berits beherrschte, aber das konnte er ihr kaum sagen, denn dann würden wieder unnötige Fragen gestellt, die er wirklich nicht beantworten wollte.
Also blieb ihm nichts anderes übrig, als die Langeweile zu ertragen und zu hoffen, dass der Unterricht bald vorbei war...
Mit Draco zusammen hatte er es inzwischen soweit geschafft, dass sie fast den kompletten Stoff dieses Schuljahres perfekt beherrschten und schon bald mit dem sechsten vortfahren konnten.
Wenn sie so weiter machten, würden sie bis Ende des Jahres alles gelernt haben, was diese Schule an Wissen zu bieten hatte.
Dies würde hoffentlich ein wenig gegen die Dämonen helfen. Denn trotz der Tatsache, dass sie inzwischen vier Dämonen an ihrer Seite hatten, war er sich nicht sicher, ob das ausreichen würde, gegen eine ganze Armee dieser Viecher anzutreten?
Wenn sie wenigstens soetwas wie eine Geheimwaffe hätten, aber laut Ryo besaßen Dämonen keine Schwachstellen. Das einzigste was bei ihnen half war rohe Gewalt...
Der erste Weg, nachdem der Unterricht endlich vorbei war, war die Bibliothek. Wie schon so oft in den letzten Wochen zog er sich an einen der etwas versteckt liegenden Tische zurück und wartete.
Doch lange dauerte es nicht, bis er den vertrauten blonden Schopf erblickte.
„Ich dachte schon, dass ich heute alleine lernen müsste..." schmollte er.
„Wenn du weiterhin dieses Gesicht machst, werde ich dich beim nächsten mal noch länger warten lassen," neckte er Harry und setzte sich neben ihn.
Schnell packten sie ihre Bücher aus und stürzten sich an die letzten Seiten, die ihnen noch blieben.
„Mit was wollen wir weitermachen?" fragte Harry, sie waren bei allen Fächern fast durch, so dass es keinen Unterschied machte, mit was sie als erstes abschlossen.
„Am besten Tränke," schlug Draco vor, „Die meisten Rezepturen basieren auf Sachen, die wier bereits gebraut haben. Das sollte also ziemlich einfach werden."
„Tränke ist es also..."
Nicht das es Harry überrascht hätte.
Draco war ein ziemlicher Nerd, wenn es um dieses Thema ging und er schien entschlossen zu sein seinen Patenonkel eines Tages zu übertreffen.
Was, wenn er so weiter machte, nicht lange dauern konnte. Und auch Harry´s Fortschitte waren nicht zu übersehen.
So gesehen, war dieses Fach gar nicht so schwer, wie er immer gedacht hatte. Hermine hatte es ihm nur nicht richtig erklären können.
Eins war sicher, sollte er wieder einmal in solch einer Lage befinden, würde er sich nicht an ein neunmalkluges Mädchen wenden, sondern an das Arschloch...
„Ich weiß nicht, ob ich wirklich wissen will, woran du gerade denkst..." lachte Draco, der die letzte Seite des Buches erreicht hatte.
„Wirklich nicht? Dabei waren es so nette Gedanken," neckte Harry ihn.
„Ich wäre wirklich vorsichtig mit dem was ich sage, Potter..."
Draco war mit seinem Stuhl noch etwas näher gerutscht. Von ihrer Position aus konnten sie von niemanden gesehen werden, trotz der Tatsache, dass die meisten Schüler nur ein paar Meter von ihnen entfernt waren.
Bis dato wusste niemand, wie eng befreundet die beiden wirklich waren und Harry hatte nicht vor, das so schnell zu ändern
Er hatte auch so schon so genug Probleme, da musste er sich nicht auch noch bei jedem rechtfertigen, warum er und sein ehemaliger Erzfeind plötzlich zusammen waren...
„Angst das uns jemand erwischt, Harry?" flüsterte Draco ihm ins Ohr.
Als ihn der warme Atem traf, musste dieser unweigerlich zusammenzucken. Draco wusste, was er für eine Wirkung auf Harry hatte und er nutzte diese Gelegenheiten so oft es nur ging.
Und Harry ließ ihn gewähren.
Aber wer könnte das nicht? Draco hatte den Hundeblick perfektioniert und er setzte ihn zu jeder nur erdenklichen Tageszeit ein, wenn es darum ging, dass zu kriegen, was er wollte.
Genauso wie in diesem Moment...
Und diesmal wusste Harry sogar, was er wollte, ohne das dieser auch nur ein Wort gesagt hätte.
Mit hochrotem Kopf und der Angst, dass sie jemand entdecken könnte, lehnte er sich ein wenig in Dracos Richtung.
Es war nur ein kurzer Kuss, aber in solchen Momenten fühlte er sich wie der glücklichste Mensch auf diesem Planeten.
