Hallo ihr Lieben

Das letzte Kapitel in dem Snape Hermine via Denkarium seine Gewalttaten als Todesser zeigte wurde sehr kontrovers kommentiert, deshalb noch einige Gedanken von meiner Seite dazu...

Überall wird angedeutet wie schlimm die Todesser und damit auch Snape waren, doch meistens wird das ganz schnell unter den Teppich gekehrt und man geht zur Romantik über. So ein Mann mit dunkler Vergangenheit ist schließlich sehr attraktiv. Ich fand es aber wichtig, dass Hermine diese Vergangenheit klar vor Augen geführt bekommt. Denn Snape ist weit mehr als ein „bisschen" dunkel... er überschreitet sehr klar die Grenze des allgemein Tolerierbaren und die Frage ist, ob man einen solchen Menschen wirklich weiterhin lieben kann.

Was Malfoy und Snape betrifft, so merkt man glaube ich, dass Malfoy Snapes Ventil ist. Hermine wird in diesem Kapitel auch noch einiges dazu bemerken...

Würde mich freuen, wenn ich weiterhin solch vielschichtige Kommentare von euch lesen dürfte. Es macht Spaß zu sehen, dass euch die Geschichte bewegt.

Und nun viel Spaß mit einem etwas leichter verdaubaren Kapitel.

Ranita
Kapitel 29 – Gespräche

Hermine klopfte an die Tür. Es dauerte einen langen Moment bis Snape öffnete. Die Türfalle lag in seiner Hand, er schien unsicher, ob er die Tür gleich wieder schließen würde oder nicht.

„Ich bringe dir das Denkarium zurück", sagte Hermine und hielt es ihm hin.

Wortlos nahm er es entgegen. Als er feststellte, dass Hermine zögerte sich wieder auf den Rückweg zu machen antwortete er mit tiefer Stimme.

„Du hast das Denkarium zurückgebracht, du kannst wieder gehen."

Seine Worte klangen harsch während seine Augen Hermines Gesichtszüge entlang fuhren hätte er sie zum ersten Mal gesehen.

„Lässt du mich herein?", fragte sie, völlig unsicher darüber, was sie von Snape in diesem Moment wollte. Ihr Instinkt verbot es ihr lediglich, den Rückzug anzutreten und diese wohl allerletzte Möglichkeit für ein Gespräch ungenutzt verstreichen zu lassen.

„Du hast es versprochen", setzte sie hinterher, ehe er über eine ablehnende Haltung nachdenken konnte.

Snape gab der Tür mit dem Fuß einen leichten Schubs und gewährte Hermine wenn auch zögerlich Einlass. Hermine folgte Snape, als die Tür ins Schloss fiel.

Hermine war planlos hierher gekommen. Stunde über Stunde hatte sie in ihrem Zimmer über all die Szenen aus dem Denkarium gebrütet, Gedanken hin und her geschoben und abgewägt aber sie war zu keinem Ergebnis gekommen. Gab es Regeln für die Liebe zweier Menschen? Wer bestimmte, wann man jemanden lieben ‚durfte' und wann nicht? Ihr war mehr als plastisch vor Augen geführt worden, was Snape getan hatte, doch konnte sie deswegen ihre Gefühle abstellen wie einen sprudelnden Wasserhahn? Musste ihr Verstand ihr die Gefühle austreiben, weil es unmoralisch war, diesen Mann zu lieben? Sie hatte definitiv keine Antwort auf diese Fragen. Sie, Hermine Granger, war zum ersten Mal in ihrem Leben auf Fragen gestoßen, auf die es keine richtige oder falsche Antwort gab und die in keinem Buch der Welt zu finden waren.

Hermine setzte sich auf das Sofa während Snape im anderen Zimmer verschwand. Wenig später kehrte er mit einer Kanne Kräutertee zurück und setzte sich in den Sessel Hermine gegenüber. Die Erinnerungen aus dem Denkarium hingen wie dicke Bleischwaden im Raum, keiner sagte etwas. Stattdessen schlürften sie Schluck um Schluck heißen Tee. Hermine schwirrten unendlich viele Gedanken und Fragen durch den Kopf. Mit jedem Schluck Tee glaubte sie zu spüren, wie ihr die Zeit davon lief. Es war keine Frage, dass Snape sie früher oder später aus den Kerkern werfen würde.

„Ich wusste, was du mir zeigen würdest. Trotzdem gebe ich zu, dass ich nicht auf alles vorbereitet war", durchbrach Hermine die erstickende Stille.

Der Film nahm erneut von ihren Sinnen Besitz und beschmutzten das hoffnungsvoll gute Bild, das sie sich von Snape in den letzten Monaten zusammengepuzzelt hatte.

„Das bin ich, Hermine, es gibt nichts zu beschönigen, ich habe all das getan was du gesehen hast und das war nur ein kleiner Teil. Warum bist du hier, Hermine? Du gehörst überall hin nur nicht hierher."

Snapes ruhige Stimme überraschte Hermine. Sie hatte erwartet, dass er einmal mehr kalt und abweisend reagieren würde. Stattdessen wirkte er gefasst, beinahe entspannt.

„Mir gehen die Bilder nicht aus dem Kopf, Severus, vor allem die Frau im Wald. Ich weiß, dass du es tun musstest, um deine Tarnung zu bewahren, aber ich kann immer noch nicht glauben, dass DU es warst. Ich muss mehr darüber wissen. Diese schrecklichen Bilder haben nicht nur Fragen beantwortet, sie haben noch viel mehr Fragen aufgeworfen."

Sie brauchte wirklich Antworten, Antworten auf so viele Fragen, sonst würde sie daran zerbrechen.

„Die Frau im Wald - Warum hast du ihr ins Ohr geflüstert?"

Hermine blickte in pechschwarze Augen, die sie erschöpft ansahen. Snape strich sich gequält die Hände durch die Haare und atmete tief ein. Er zögerte mit seiner Antwort.

„Ich habe ihnen gesagt, dass sie sterben werden und ich sie mit einem Trank vergessen ließe, was sie gleich erleben würden", sagte er schließlich leise.

Hermine starrte ihn einen Moment lang an, während ihre Gehirn das Gesagte verarbeitete.

„Du hast sie betäubt?"

„Ich habe ihnen eine Kapsel mit komprimiertem Obliviate-Saft eingeflößt."

„Obliviate als Saft?", fragte Hermine zweifelnd.

„Ich habe ihn für diese Zwecke entwickelt", antwortete er als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Hermine machte einen geistigen Kniefall vor dieser Leistung. Sie wusste wie schwierig es war, die Wirkung von Zaubersprüchen in Zaubertränke umzuwandeln. Sprüche waren um ein Vielfaches stärker als Säfte.

„Deshalb der Kuss?", fragte Hermine.

Snape nickte.

Hermine war Snape in diesem Augenblick dankbar dafür, dass er ihr Zeit gab, sich ihre Gedanken zu machen. Er drängte sie zu nichts und überließ ihr das Tempo und die Inhalte dieses Gespräches. Bislang hatte er sie nicht wieder wegschicken wollen und sie rechnete es ihm hoch an, dass er ihre Fragen so ehrlich beantwortete.

„Du hast mir viele bewegte Bilder gezeigt, Severus. Doch Bilder können auch täuschen. Du hast oberflächlich betrachtet bei keiner deiner Handlungen auch nur eine Regung gezeigt. Man könnte es kaltblütig nennen. Trotzdem habe ich gespürt, wie angewidert du warst, diese Taten zu begehen. Nur bei einer Sache warst du äußerst emotional – "

Hermine spürte, wie die Übelkeit in ihren Magen zurückkehrte.

„Warum Malfoy?", fragte sie schließlich doch.

Snape hatte großen Respekt vor Hermines Beobachtungsgabe. Eigentlich hätte ihm klar sein müssen, dass sie jedes Detail bemerken würde und die Bilder nicht einfach als Schwarz oder Weiß hinnehmen würde.

„Malfoy hätte die Frau nicht betäubt. Es war die einzige Möglichkeit ihn von der Tat abzuhalten. Gleichzeitig ließ ich meine angestaute Wut an ihm aus. Die verdammte Wut über meine eigenen Taten, die ich nicht verhindern konnte, solange ich Lily rächen wollte. Und dieses Ziel hätte ich niemals aufgegeben. Ich war Spielball zwischen Rachegefühlen und Taten die ich nicht begehen wollte. Ich wollte es so."

Langsam lichteten sich Hermines wirre Gedanken. Sie erhaschte zum ersten Mal einen Blick hinter Snapes Gerüst aus Gewalt, Schuld und Sühne. Wie hätte sie selbst gehandelt, wenn ihr Dinge widerfahren wären wie Snape? Voldemort hatte ihm Lily genommen. Er hatte sich für den Gang der Rache entschieden und musste jeden Tag die Konsequenzen dafür tragen, auch jetzt noch, als längst alles vorbei schien.

„Malfoy hatte Recht, du hast wirklich immer an allen Fronten gleichzeitig gekämpft..."

Hermine zuckte innerlich als sie erneut diesen Namen in den Mund nahm. Sie hatte diesen Mann jahrelang gehasst, trotzdem stand sie in seiner Schuld, weil er ihr das Leben gerettet hatte. Und nun sollte sie vielleicht sogar Snape an ihn verlieren?

„Malfoy – bedeutet er dir viel?" Es kostete sie große Überwindung diese Frage zu stellen.

Snape senkte den Kopf und lächelte verzweifelt.

„So pervers es für dich klingen mag, er ist mein Freund, ist es immer gewesen. Er ließ sich zu oft mitreißen von Voldemort und dem eigenen Gewaltpotenzial, das er in sich trägt. Er ist kein schlechter Mensch. Aber er hat seine Wut manchmal nicht unter Kontrolle. Lucius suchte seit jeher seine Grenzen und es gab nur zwei Menschen in seinem Leben, die sie ihm aufgezeigt haben – Voldemort und ich."

„Wirst du wieder mit ihm..." Hermine blieben die Worte in der Kehle stecken. Sie hatte keine Ahnung wie sie reagieren würde, wenn Snape ihre Frage bejahte.

Snape sah Hermine direkt in die Augen und schien damit unterstreichen zu wollen, dass diese Antwort keine Umwege kannte.

„Solange Voldemort nicht wieder aufersteht habe ich es nicht vor." Snape löste den Blick nicht von Hermine. „Ich habe Lucius nie begehrt, Hermine. Er war mein Ventil in Zeiten, die man sich als Außenstehender nicht vorstellen kann. Auch wenn es immer so aussah als hätte ich keine Emotionen, so war ich stets nur Meister darin, sie zu verbergen. Ich hatte keinen Platz für meine Wut, die sich über Jahre hinweg immer weiter anstaute. Lucius war der einzige, der einen kleinen Teil davon zu spüren bekam. Gleichzeitig half es ihm dabei, sich selbst in Schach zu halten. Auch er wusste sehr genau, dass unsere Taten unentschuldbar sind."

Snape stand auf um neuen Tee zu holen, während Hermines Knoten in der Brust sich langsam löste. Auch wenn Snape es selbst nicht so sah, es gab viele Dinge, die zu erklären waren. Seine Tätigkeit als Spion hatte ihn zu Handlungen getrieben, die er unter normalen Umständen niemals ausgeführt hätte. Es würde immer eine Grundsatzfrage bleiben, ob er deshalb ihrer oder überhaupt irgend einer Liebe „würdig" war oder nicht und jeder Mensch würde darauf vermutlich eine andere Antwort finden. Sie für ihren Teil sah die Antwort nun klar vor sich.

Als Snape zurückkam stand Hermine im Raum, nahm ihm die Kanne ab und stellte sie auf den Couchtisch. Dann ging sie langsam auf Snape zu und sah ihn mit großen kaffeebraunen Augen an.

„Bitte nimm mich in den Arm, Severus."

Snape wollte gerade ansetzen etwas zu sagen, als sie ihren Zeigefinger auf seinen Mund legte.

„Bitte", flüsterte sie erneut.

Es schien Snape große Überwindung zu kosten, die Distanz zwischen ihnen beiden zu überwinden. Er näherte sich Hermine wie einer zerbrechlichen Statue, die man besser nicht berühren wollte aus Angst sie würde zerfallen.

Hermine nahm Snapes Hand in ihre und zog ihn vorsichtig zu sich heran. Dann lehnte sie sich behutsam gegen seinen Körper. Sein rasender Herzschlag hämmerte gegen ihre Brust.

Einige Minuten standen sie einfach nur da und gaben sich gegenseitig Halt. Hermine spürte, wie Snape den Duft ihrer Haare in sich einsaugte, woraufhin sie sich noch näher an ihn schmiegte. Trotz allem was sie gesehen hatte fühlte es sich immer noch richtig an seine Nähe zu spüren.

Es war nur eine vorsichtige Umarmung und doch das Intimste was Severus Snape über all die Jahre hinweg erlebt hatte. Hermine war der erste Mensch, der alle Eckpfeiler seiner dunklen von Gewalt und Hass erfüllten Vergangenheit kannte und trotzdem war sie da. Er strich mit seiner Hand durch ihre zersausten Locken und atmete dabei schwer ein.

„Bei Merlin, Hermine, womit habe ich dich verdient?", flüsterte er.

oOoOo

Hermines Genick schmerzte als sie aufwachte. Die ganze Nacht hatte sie an Snapes Brust gelehnt geschlafen. Doch der Körper konnte schmerzen wie er wollte, ihre Seele hatte die schönste aller Nächte hinter sich.

Sie waren am Abend zuvor noch einige Zeit zusammen auf dem Sofa gesessen und hatten ihr Gespräch in viele verschiedene Richtungen vertieft. Danach lagen sie im Bett noch lange aneinander geschmiegt und genossen diese beiderseitige Nähe. Zum ersten Mal überhaupt hießen beide gleichzeitig die Gegenwart des anderen willkommen.

„Du solltest gehen, ehe jemand etwas merkt", waren Snapes erste Worte des Morgens.

„Nicht sehr romantisch als Gute-Morgen-Begrüßung...", antwortete Hermine und kuschelte sich näher an Snape. War am Abend zuvor noch jedes einzelne Wort eine schwere Last, so leicht sprudelten die Worte an diesem Morgen aus ihr heraus.

„Es ist ziemlich auffallend, wie oft du mich wegschicken willst. Ich dachte wir hätten das gestern Abend geklärt", antwortete sie halb schlaftrunken, halb provozierend.

„Es geht nicht darum was ich will, Hermine." Snape unterbrach seine Antwort indem er Hermine mit leidenschaftlichen Küssen ihren Nacken übersäte. „Sonst würde ich dich heute keine Sekunde aus diesem Zimmer lassen. Du weißt, wie sehr ich dich begehre und daran hat sich zu keinem Zeitpunkt etwas verändert."

Snapes tiefe Stimme vibrierte in Hermines Ohr und überzog sie mit einer dicken Gänsehaut. Sie drehte sich zu ihm um und blickte in vor Verlangen flackernde Augen.

Der gesamte Abend zuvor und auch die gemeinsame Nacht hatte nichts Erotisches an sich gehabt. Es war um unendlich viel mehr gegangen als das. In dieser Nacht hatte ein endlos langer Prozess sein Ende gefunden. Snape hatte endlich akzeptiert, dass Hermine ihn wollte, egal welche Farbe seine Vergangenheit besaß. Sie schafften es endlich, sich direkt in die Augen zu sehen ohne pausenlose Selbstgeißelung und ohne Selbstzweifel.

Hermine hielt seinem verführerischen Blick stand.

„Ich möchte dich küssen, aber dann werde ich heute den Gryffindorturm vermutlich niemals erreichen", grinste sie ihn schräg an.

Es fühlte sich unbeschreiblich an, Snape nicht mehr todernst gegenüberzutreten. Sie spürte eine Leichtigkeit in sich, die ihres Gleichen suchte.

„Heute und morgen bin ich auf Kräutersuche für einige Aufträge von McGonagall, ich komme erst Sonntag spät am Abend zurück. Wenn uns nicht wieder irgend etwas in die Quere kommt würde ich es begrüßen, dich Montag nach dem Unterricht hier wiederzusehen", raunte er ihr entgegen.

Hermine schälte sich aus dem Bett und war einen Zauberspruch später in voller Schuluniform abmarschierbereit. Nach einem kurzen Kuss auf Snapes Wange verschwand sie aus den Kerkern.

Snape lag noch eine Weile auf dem Rücken, seine Arme hinter seinem Kopf gekreuzt und atmete immer noch Hermines Duft ein, der eine wohlige Wärme im Raum verbreitete.


Na, wie hättet ihr euch entschieden? ;-)