Die Personen und Orte gehören Stephenie Meyer.

Die Originalstory ist von Mara Gaunt.

Edward Cullen 05. Juni 2008

Ich war ohne Rücksicht auf Verluste durch die Straßen gejagt und kam mit quietschenden Reifen vor ihrem Haus zum stehen. Nachdem ich den Bericht gelesen habe, war mir eins klar, sie würde mir nie verzeihen, aber ich werde um sie kämpfen, um ihr Leben.

Ich sprang aus dem Auto und rannte eine Frau um, die gerade aus Bellas Haustür kam.

„Hey!" Schrie sie hinter mir her. „Wo wollen sie den hin?"

Ich hatte keine Zeit zu antworten, ich musste zu Bella. Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, rannte ich die Treppe herauf. Die Frau schrie immer noch, aber sie zählte nicht, Bella war das einzige was zählte.

Mit einem gezielten Tritt gegen das Schloss, machte ich die Tür zu ihrer Wohnung auf.

„BELLA!" Schrie ich wie ein Irrer, aber sie war nicht zu sehen. Die Tür zum Bad war zu und abgeschlossen, aber ich konnte Wasser rauschen hören.

„BELLA!" Schrie ich wieder und trat gegen die Tür. Die Frau war hinter mir und hatte ihr Handy in der Hand. „RUFEN SIE EINEN KRANKENWAGEN! SCHNELL!" Schrie ich sie an, bevor auch diese Tür nachgab.

Mir wurde eiskalt, als ich den zugezogenen Duschvorhang um die Wanne sah und das Wasser, dass sich auf dem Boden sammelte. Mit zitternden Händen zog ich den Vorhang auf und versteifte mich, als ich sie sah.

Endlich hatte ich sie gefunden, dass was noch von ihr da war, dass was ich aus ihr gemacht hatte.

Bella lag in der vollen Badewanne, das Wasser war blutrot, sie hatte die Augen geschlossen und ich konnte die Schnitte an ihren Handgelenken sehen.

Mein Kopf war wie leer gefegt, ich reagierte nur noch. Ich steckte meine Arme in die Wanne, hob Bella heraus und legte sie vorsichtig auf die Matte davor, dann nahm ich ein Handtuch, zerriss es und wickelte die Streifen über ihre Wunden. Ich dankte Gott dafür, dass meine Instinkte funktionierten und nahm sie wieder auf meine Arme. Sie trug ein dünnes Shirt, war aber trotz des warmen Wasser ganz kalt und ihre Lippen waren blau.

Mit ihr auf dem Arm, ging ich an der Frau vorbei, die immer noch aufgeregt in ihr Handy sprach. Ich rannte die Treppe wieder herunter und wusste, dass ich nicht auf den Krankenwagen warten konnte. So vorsichtig wie möglich legte ich Bella auf den Rücksitz und deckte sie mit meiner Jacke zu. Verzweifelt versuchte ich ein Lebenszeichen an ihr zu entdecken, aber da war nichts.

„Was habe ich getan?" Ich sprang wieder ins Auto , warf den Wagen an und trat aufs Gas. Wieder raste ich durch die Straßen, diesmal zum Krankenhaus. Ich ignorierte die roten Ampeln und die wild hupenden Autos um mich wieder beobachtete ich sie im Rückspiegel und murmelte. „Bitte stirb nicht."

Vor der Notaufnahme wartete man, Dank James, schon auf uns. Ich stieg schnell aus und hob Bella vom Rücksitz, aber sie wurde mir fast sofort aus den Armen gerissen und auf eine Bahre gelegt. Ich rannte hinter ihnen her in die Notaufnahme. Sie schrien irgendwelches Kauderwelsch und fuhren mit ihr durch eine große Flügeltür.

Als ich hinter ihr her wollte, schlangen sich irgendwelche Arme um mich und hielten mich fest. Ich kämpfte gegen diese Arme an, aber sie waren dazu da, um mich aufzuhalten.

„Lass mich!" Schrie ich den Sicherheitsmann des Krankenhauses an, aber er war gut für solche Situationen trainiert.

„Wenn sie sich nicht beruhigen, muss ich sie bitten zu gehen." Sagte er mit überraschend ruhiger Stimme.

Wütend sah ich auf die Tür, durch die Bella verschwunden war, ich konnte sehen, dass sich Schatten hinter der Tür bewegten, mehr nicht. Plötzlich assimilierte ich alles was gerade passiert war und ein unmenschlicher Schrei kam aus meinem Inneren, mit dem ich all meine Verzweiflung hinaus schrie. Ich sank auf meine Knie und fing an zu zittern. Ich war hier in dem Krankenhaus, in dem meine Kinder zur Welt gekommen und gestorben waren. Es war meine Schuld, dass ich während der Schwangerschaft nicht bei ihr gewesen war, ihr nicht geholfen habe, sie nicht vor allem beschützt hatte. Und jetzt war Bella da drin und kämpfte um ihr Leben.

In dem Moment hörte ich polternde Schritte hinter mir, aber ich hatte nicht die Kraft aufzustehen und zu schauen, wer da kam. Dann wurde ich an meinem Kragen gepackt und auf die Füße gezogen. Es war Jacob, ich rührte mich nicht, als er knurrend ausholte und mich mit einem gezielten Faustschlag gegen die Wand beförderte, direkt darauf spürte ich seine Faust in meinem Magen.

Ich wehrte mich nicht, ich hatte all diese Schläge verdient und noch viele mehr. Hoffentlich machte er weiter und zerstörte mich, wie ich Bella zerstört hatte. Sollte sie sterben...würde ich es auch, so einfach war das und so egoistisch, wie immer.

„Jacob! Stopp!" Hörte ich eine Frauenstimme, die ich als die von Leah identifizieren konnte.

Er hörte sofort auf und ich fiel wieder auf meine Knie. Zu dem Blut von Bella auf meinem zerknitterten und feuchten Hemd, kam jetzt noch meins dazu. Der Sicherheitsmann kam zu uns gerannt und nahm Jacob mit.

Wieder hörte ich Schritte und sah eine kleine, dunkelhaarige Frau auf mich zukommen.. Sie hatte vom weinen rote Augen und sah mich voller Hass an, schien mir aber gleichzeitig helfen zu wollen. Die junge Frau sprach einen Pfleger an,der gerade vorbei kam.

„Können sie mir bitte Mull und etwas Alkohol besorgen?" Fragte sie höflich.

Der Mann sah erst sie und dann mich an, aber mir war es egal, was er über mich dachte. Das einzige was er nicht versuchen sollte war, mich hier weg zu bringen. Ich würde meine Fingernägel in den Fußboden krallen und mich nicht eher bewegen, bevor ich nicht wusste, was mit ihr ist.

Ich machte meine Augen zu und sah sofort ihr Gesicht vor mir, nicht das schöne und freundliche Gesicht von früher, nein, ich sah ihr extrem blasses und lebloses Gesicht vor mir. Das war die Konsequenz meines entsetzlichen Handelns gewesen. Jetzt bekam ich meine Belohnung dafür, dass ich nicht zugeben wollte, dass ich sie liebte. Ich würde sie für immer verlieren.

Ohne Vorwarnung spürte ich etwas kühles und brennendes an meiner Schläfe. Ich machte die Augen wieder auf und sah, das die dunkelhaarige mir mein Gesicht säuberte. Das hatte ich nicht verdient, ich kannte sie nicht mal, aber sie schien zu wissen, wer ich war.

„Wer sind sie?" Murmelte ich mit meiner aufgeplatzten Lippe.

„Alice..." Antwortet sie schlicht. „Eine Freundin von Bella."

„Aus dem Heim?" Fragte ich, obwohl ich mich nicht an ihren Namen oder ihr Gesicht erinnern konnte.

„Nein...aus dem Café Paris."

Sie drückte fest auf meinen Wunden herum und das tat höllisch weh, aber ich verkniff mir meine Flüche. Diese Frau schien genauso anständig wie Bella zu sein.

Und wieder kamen Schritte auf uns zu, aber es war nicht Jacob, sonder ein großer, blonder, junger Mann, der direkt zu uns kam. Er sah mich einen Augenblick prüfend an und wand sich dann an Alice.

„Ich bin sofort gekommen, als ich deine Nachricht erhalten habe. Was ist passiert?"

„Ich weiß es nicht. Bellas Nachbarin hat im Café angerufen und gesagt, dass ein Irrer Bellas Leiche weggeschleppt hat...

Oh Jasper...ich glaube, Bella wollte sich umbringen." Sie ließ den Mull fallen, mit dem sie mich sauber gemacht hatte und warf sich weinend in seine Arme.

Ich fühlte mich, wie der Eindringling, der ich war. Auch ich wollte weinen, konnte es aber nicht. Ich war schließlich der Verursacher des Ganzen und ich hatte kein Recht auf Trost. Bevor ich darüber nachdenken konnte, fragte ich.

„Was...was ist mit dem Babys passiert?"

Alice ließ Jasper los und drehte sich langsam zu mir um.

„Du bist...der Vater der Kinder, stimmts?"

Ich wusste nicht, was Bella ihr erzählt hatte, oder was sie wusste.

„Ja." Antwortete ich und war felsenfest davon überzeugt.

Ich werde nie wieder an Bellas Unschuld zweifeln.

Alice holte aus, legte die ganze Kraft ihres kleinen Körpers in die Ohrfeige, die auf meiner Wange brannte.

„Alice...Bitte." Sagte Jasper ruhig und hielt ihre Hand fest, bevor sie mich noch einmal schlagen konnte, noch ein Schlag, den ich mehr als verdient habe.

„Du weißt genau, dass er es verdient hat Jasper. Er hat sie einfach ihrem Schicksal überlassen...Er ist ein verdammter Bastard!" Sie wollte sich auf mich stürzen, ich hätte mich nicht gewehrt, wenn sie es geschafft hätte. Aber Jasper hielt sie auf. Man konnte merken, wie sehr sie Bella liebte und sie wollte sie einfach nur beschützen.

Jasper legte ihr fest den Arm um die Schulter und brachte sie weg. Innerlich weinte auch ich um Bella, aber meine Tränen schienen in meinem Brustkorb fest zustecken und übten dort einen schmerzhaften Druck aus.

„Familie von Isabella Swan?" Fragte eine dunkle Stimme. Ich sah auf, der Arzt kam mir bekannt vor, er trug einen grünen Kittel, der voller Blut war. Ihrem Blut.

„Das bin ich." Ich ging auf ihn zu und war dankbar, dass die anderen in dem Moment nicht da waren. „Ich bin ihr Mann."

„Ich bin..." Der Arzt hielt mir seine Hand hin und schien auch mich in dem Moment zu erkennen.

„Emmett McCarthy..." Sagte ich, jetzt hatte ich ihn erkannt.

„Mr. Cullen?" Fragte er erstaunt.

„So ist es...etwas lädiert, aber ich bins."

„Das sollte sich jemand ansehen..." Fing er an.

„Nein, ich brauche nichts..." Ich holte tief Luft und sah ihm in die Augen. „Wie geht es ihr?"

Er sah mich schweigend an und schien zu überlegen, was er mir sagen konnte und was nicht.

„Es geht ihr sehr schlecht." Er schüttelte den Kopf. „Mal von den tiefen Schnitten abgesehen, besteht die Gefahr, dass sie neurologische Schäden zurückbehält. Sie war zu lange unter Wasser, die Schlafmittel die sie genommen hat und der nicht auskurierte Kaiserschnitt...das alles zusammen ist sehr viel für so einen zarten Menschen...Sie hat mehrere Bluttransfusionen bekommen und wir haben ihr den Magen ausgepumpt...aber es sieht nicht gut aus..."

Mehr konnte ich von ihm nicht verlangen, er war ehrlich zu mir gewesen. Sie würde sterben...sie war noch viel zu jung...

„Die Schnitte die sie ausgeführt hat, waren sehr präzise, sie wusste genau, wo sie schneiden muss..."

„Wann..." Kann ich sie sehen. „...wie lange müssen wir warten, um Gewissheit zu haben?" Wie konnte eine einfache Frage so weh tun?

„Ehrlich...?" Mit der Frage hatte er meine Frage schon fast beantwortet.

„Ja."

„Es hängt viel von ihr und ihrem Lebenswillen ab..."

Ihrem Lebenswillen, wenn sie selber versucht hat sich das Leben zu nehmen. Wenn sie keinen Grund fand zu bleiben... würde sie einfach gehen. Sie würde die Linie überschreiten und mich hier lassen, ohne sie.

„Kann ich sie sehen?" Ich würde ihr alles sagen, ich würde ihr sagen, dass sie mir mein Herz aus der Brust gerissen hat und es von dem Moment an, als wir uns zum ersten mal geküsst haben, ihr gehört hat.

„Es werden gerade noch die letzten Tests und Untersuchungen gemacht. Ich sag ihnen Bescheid..."

Er drehte sich um und ging, ohne noch etwas zu sagen.

Klarheit...jetzt habe ich sie. Jetzt ist mir klar, das wenn Bella stirbt, es nicht lange dauert, bis ich ihr folgen werde.

Und sollte sie leben...sollte sie leben, werde ich dafür sorgen, dass jeder Tag ihres Lebens ihr glücklichster wird, mit mir oder ohne mich.

Das ist das einzige Versprechen, dass ich ihr geben kann. Das ist das einzige, woran ich mich im Moment festhalten kann, damit ich nicht in die Schlucht der Verzweiflung, des Irrsinns und des Schmerzen falle, zu dem mein Leben geworden ist.

Ich saß Stunde um Stunde auf den harten Stühlen des Warteraums und hoffte auf irgendeine positive Nachricht, aber der Doc ließ sich nicht Blicken. Niemand kam, um mir zu sagen, dass ich sie sehen kann, das war das, was ich mir jetzt am meisten wünschte und brauchte.

So blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten und die Minuten zu zählen, während die Verzweiflung mich innerlich auffraß.

Ich fing an, im Warteraum auf und ab zu laufen, immer unter dem aufmerksamen Blick des Wachmannes. Er schien mir etwas sagen zu wollen, aber vielleicht machte mein Blick ihm klar, dass ich mich auf gar keinen Fall hier wegbewegen werde.

Die Leute die hereinkamen, sahen mich abschätzend an. Ich musste erschreckend aussehen, mit mein zerknitterten, blutbesudeltem Hemd, meinen verstrubbelten Haaren und meinem verbeulten Gesicht. Das war Bellas Blut und der Schmerz in mir, wurde immer und immer größer.

Was hatte ich getan? Fragte ich mich immer und immer wieder, während ich den Sekundenzeiger der Uhr, die an der Wand hing beobachtete. Nur mit meinen Worten und Taten, hatte ich in einer Frau den Wunsch geweckt zu sterben, obwohl sie eigentlich nur leben wollte...mit mir...glücklich...mit mir...

Ich ließ mich wieder auf einen der Stühle fallen und stützte meinen Kopf mit meinen Händen ab, in der Hoffnung, dass er dann nicht mehr ganz so schwer war, etwas was völlig unmöglich war.

Der Wachmann kam zu mir und wartete darauf, dass ich ihn ansah. Als ich das tat sagte er.

„Vielen Leuten, die in einer ähnlichen Situation wie sie waren..." Er räusperte sich. „Also, es hat ihnen geholfen, unsere kleine Kapelle zu besuchen."

Wie irre musste ich aussehen, dass dieser Mann mir riet, eine Kirche aufzusuchen? Ich war noch nie sehr religiös, oder gar gläubig gewesen und zweifelte doch stark daran das Gott, nachdem ich mich so verhalten hatte, wie ich es getan habe, mir zuhören würde. Aber ich folgte trotzdem der Wegbeschreibung des Wachmannes und ging zu der kleinen Kapelle des Krankenhauses.

Schon als ich die Tür der Kapelle öffnete, fühlte ich mich wie ein Eindringling. Seit der Beerdigung meiner Eltern hatte ich keine Kirche mehr betreten. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass es einen so friedlichen und ruhigen Ort gibt.

Ich setzte mich auf eine der Bänke und betrachtete alles um mich herum. Die Kapelle war klein, aber es fehlte nichts. Es gab einen mittelgroßen Altar und darüber hing ein Kruzifix aus Holz. Auf dem Altar standen brennende Kerzen, die alles in ein warmes Licht tauchten. Vor mir sah ich die niedrige Bank, die dazu diente sich hinzu knien.

Hatte ich, nachdem was ich getan habe, ein Recht darauf? Sollte ich mich nicht eher dafür schämen, dass ich geboren wurde?

Ich würde es einfach versuchen. Ich kniete mich hin, faltete die Hände, sah zu dem Kruzifix und wollte beten. Es dauerte einen Moment, bis mir das Vaterunser wieder einfiel.

Leise murmelte ich die Worte vor mich hin und jetzt kamen die Tränen.

Ich bat um Vergebung, bat darum stark genug zu sein, um das alles durchzustehen. Ich bat um ein wenig von dem Mut, den Bella gehabt hatte, um ihre Kindheit zu überstehen.

„Herr.." Sagte ich und erklärte mich selber für verrückt, weil ich in einen leeren Raum sprach. „Ich brauche Hilfe."

Das waren die Worte, mit der man meinen inneren Kampf beschreiben konnte. Ich brauchte Hilfe und zwar schon seit Jahren, seit dem Tod meiner Eltern brauchte ich sie, die Hilfe, die ich nicht hatte haben wollen, als ich sie endlich gefunden hatte. Das Schicksal hat mir eine Frau geschenkt, die mich hätte retten können und ich habe sie in den Tod geschickt.

„Rette sie Herr." Bat ich immer wieder und erinnerte mich daran, wie ich mit meiner Mutter die Kirche besucht hatte. „Hilf mir dabei, all das Leid das sie erfahren musste, wiedergutzumachen. Du kennst meine Absichten, du weißt das, wenn du sie leben lässt, ich mich darum kümmern werde, dass Worte wie Schmerz, Leid und Lüge nie wieder ihren Weg kreuzen werden. Du weißt das sie es verdient, Bella verdient es glücklich zu sein."

Als ich dreizehn Jahre alt gewesen war, musste ich in der Schule das Buch Maria von Jorge Isaacs lesen, es war eine tragische Romanze. Damals hatte ich, aufgrund meines Verlustes, eine tiefe Abneigung gegen Romantik und Liebe gehabt. Ich wusste in dem Alter schon, was es bedeutet verlassen und hilflos zu sein.

Aber ich musste es lesen, um eine gute Note zu bekommen. Ich hatte den Autor dafür verflucht, dass er so log und seinen Lesern weismachte, dass der Tod einer geliebten Frau einen Mann in den Wahnsinn treiben konnte und ihn dazu veranlassen konnte, ihr folgen zu wollen.

Ich hatte ihn kritisiert und fand mich jetzt in der gleichen Situation. Efrain, die Hauptfigur des Buches, starb an seiner großen Liebe zu Maria.

Ich starb aus Liebe zu Isabella Swan. Wie hart und gleichzeitig schmerzhaft leidenschaftlich war die Wahrheit. Ich liebte sie und sie liebte mich.

Auch ich wollte sterben. Ich war ein egoistisches, arrogantes Tier, ohne Gefühle.

Ich betete, flehte und heulte weiter wie ein kleiner Junge. Dieser Junge, den ich ganz tief in meinem Inneren begraben hatte, als ich viel zu schnell erwachsen werden musste und der jetzt die Tränen weinte, die er sein ganzes Leben lang zurückgehalten hatte.

Ich hörte schwere Schritte hinter mir, drehte mich aber nicht um und trocknete auch meine Tränen nicht. Ich hatte meine Gefühle viel zu lange unterdrückt und fühlte, dass ich diese, an diesem Ort, ohne Angst freien Lauf lassen konnte.

Die Person die rein gekommen war, ging in die Bankreihe hinter mir, kniete sich ebenfalls hin und fing an zu beten.

Die Neugierde trieb mich dazu, mich umzudrehen und ich sah, dass es Jacob war.

Jacob sah mich einen Augenblick lang nachdenklich an, dann seufzte er tief.

„Tut mit Leid was vorhin passiert ist." Murmelte er und seine tiefe Stimme hallte in der kleinen Kirche wieder. „Ich bin eigentlich nicht gewalttätig..."

Ich war so in meiner eigenen Welt eingeschlossen gewesen, dass ich nicht erkannt habe, welche Menschen wirklich Menschen waren. So wie der Mann, der jetzt hinter mir saß. Jetzt, wo meine Augen wirklich sahen, erkannte ich in seinem offenen Gesicht nur Freundlichkeit und Mitgefühl.

Ich antwortete nicht, meine Stimme gehorchte mir nicht.

„Nie hatte ich es geschafft das Bella...mich liebte...schon im Heim...hatte ich Angst sie anzusprechen, für mich war sie schon immer ein besonderer Mensch gewesen..." Er erzählte mir von ihr und so weh jedes Wort auch tat, musste ich es hören.

„Ich hab sie immer im stillen geliebt...und ich hab sie immer im stillen beschützt, soweit es mir möglich war. Klar, an dem Ort an dem wir waren, konnte ich nicht immer viel ausrichten. Da waren zwei Jungs in unserem Jahrgang...sie waren wütend auf das Leben und haben den anderen das Leben zur Hölle gemacht...Sie wollten sie und ich musste jeden Tag dagegen ankämpfen, ihnen nicht den Hals umzudrehen, damit sie Bella in Ruhe ließen. Ohne mich hätten sie Bella wirklich vergewaltigt...ich war da und hab sie gestört...konnte Bella dann aber nicht mehr helfen, weil sie direkt am nächsten Tag aus dem Heim verschwand..." Jacob seufzte wieder.

Ich setzte mich hin, um ihm weiter zuzuhören.

„Ich will nicht dein Feind sein..." Sagte er langsam. „Das könnte ich gar nicht, weil ich genau weiß das, trotz allem was du getan hast, sie dich über alles auf der Welt liebt." Ich fragte mich, ob das jetzt noch so sei.

„In unseren Gesprächen warst du oft ihr Thema Nr. 1 und ich verdanke ihr, mein neues Leben. Ohne sie wäre ich nie auf die Idee gekommen, mir die Welt anzusehen und meine Wurzeln zu suchen. Und ich fand noch etwas viel wichtigeres, ich fand Leah und sie ist jetzt die Frau an meiner Seite, die ich nie wieder missen möchte."

Er musste mir nicht sagen, dass Bella ein Engel war, dass hatte ich selber auf schmerzlichste Weise herausgefunden.

„Der Doc hat gesagt, dass Bella neurologische Schäden zurückbehalten könnte. Ich hab vorhin mit ihm geredet...und..." Murmelte er weiter, aber ich hörte genau zu, auch wenn er mir jetzt etwas sagte, was ich schon wusste. „Und ich bin hierher gekommen, um für sie zu beten. Das bin ich ihr schuldig und noch viel mehr."

Er schlug mir freundschaftlich mit seiner großen Pranke auf die Schulter und sorgte dafür, dass meine Rüstung Risse bekam. Bis jetzt war James der einzige Mensch in dem ich so was wie einen Freund gesehen habe und jetzt sagte mir Jacob, dass er nicht mein Feind sein wollte.

„Wenn sie am Leben bleibt." Sagte ich mit rauer Stimme. „Werde ich alles was in meinen Möglichkeiten steht tun und noch viel mehr, damit sie glücklich wird."

„Das wird schwierig werden." Sagte Jacob und seufzte wieder. „Weil ich glaube, dass sie nur mit dir glücklich sein kann und du..."

„Ich werde dafür sorgen, dass sie glücklich wird, mit mir oder ohne mich." Unterbrach ich ihn schnell und fragte mich gleichzeitig, wie ich es je schaffen sollte, mich von ihr Fern zu halten.

Jacob schlug mir nochmal kurz auf die Schulter, drehte sich dann um und ging. Er ließ mich mit meinen Schuldgefühle allein.

Ich blieb in der Kapelle sitzen und hoffte in der Stille etwas Erleichterung zu finden. Wieder hörte ich Schritte hinter mir, sie waren noch schwerer als die von Jacob und als ich mich umdrehte, sah ich den Doktor auf mich zukommen.

„Sie können sie jetzt sehen." Sagte er und sah mich mitfühlend an.

Ich stand ohne ein Wort auf und folgte dem Doc. Diesmal hielt mich keiner auf, als ich durch die große Flügeltür ging. Es roch nach Chemikalien, Blut und Tod.

Es war ein penetranter Geruch und ich bekam Angst. Ich hatte immer damit geprahlt, dass mir solche Kleinigkeiten nichts ausmachten, aber jetzt war ich kurz davor zusammenzubrechen. Ich war wieder zehn Jahre alt und ging durch die gleichen Gänge, durch die ich damals gegangen war, um meine Eltern zu identifizieren. James hatte mich abhalten wollen, aber ich hatte darauf bestanden, ich musste sie sehen, sonst hätte ich mich nicht von ihnen verabschieden können.

Und jetzt war ich wieder hier und das Gewicht meiner eigenen Handlungen lag schwer auf meinen Schultern und der Schmerz den ich fühlte, war stärker als alles was ich bis jetzt gefühlt hatte.

Ich ging durch die zweite Tür und da sah ich sie.

Mein erster Impuls war es, meine Augen zu schließen und zu hoffen, dass es sich nur um einen sehr realistischen Alptraum handelt, der bald aufhört. Und wenn ich aufwache, würde ich an meine Frau gekuschelt in meinem Bett liegen und es hat nie einen Vertrag und keine Lügen gegeben.

Aber es war kein Alptraum, vor meinen Augen sah ich eine leblose Bella und es war meine Schuld.

Es steckten jede Menge Schläuche in ihr, ich konnte erkennen, dass sie künstlich beatmet wurde, was kein gutes Zeichen war. Ihre Augen waren geschlossen und es lagen dunkle Schatten unter ihren Augen, ihre Haut war viel zu blass, sah aber noch immer aus wie weiche Rosenblätter, um ihre Handgelenke waren dicke Binden gebunden.

Hinter mir ging die Tür zu, ich hatte den Doc ganz vergessen. Langsam ging ich zu ihr und wurde wieder von ihrem unverwechselbaren Duft gefangen genommen, der sie selbst jetzt noch umgab und für mich stärker war, als es alle chemischen Gerüche es je sein könnten.

Dieser Duft nach Vanille war ihr natürlicher Duft und wenn der noch da war, gab es noch Hoffnung.