Vielen Dank für die lieben Reviews, an dieser Stelle auch an pustix und Zephyr für die anonymen Worte!
Für dieses Kapitel muss ich mal wieder eine Warnung rausgeben, allerdings einer anderen Art. Ihr solltet besser das Essen beiseite legen, es wird grafisch, um es mal mit den Worten meiner Beta auszudrücken. °gg°
Viel Spaß zu wünschen, wäre glaube ich nicht ganz angebracht, deswegen spare ich mir das heute. ;)


oOoOo


Everything you do, everywhere you go now,
everything you touch, everything you feel,
everything you see, everything you know now,
everything you do, you do it for your Lady.

(Inara George – Fools in love)


oOoOo


Kapitel 29 – Kehr' dein Innerstes nach außen

Es war eine bewusste Anstrengung, den Blick vom Spiegel abzuwenden. Hermine musste sich auf jeden einzelnen Muskel konzentrieren – zumindest kam es ihr so vor. Nichts an ihrem Körper schien der kleinen Stimme gehorchen zu wollen, die sie davon zu überzeugen versuchte, dass es unsinnig war, noch länger hier zu sitzen. Es war kalt, feucht und ab einem gewissen Zeitpunkt war auch das Moos unbequem geworden. Ihre Beine waren steif und sie musste zurück, bevor ihre Abwesenheit auffallen würde.

Es fühlte sich an wie ein kleiner Tod, als das Bettlaken die Szenen verdeckte, nach denen sie sich so sehr sehnte. Und gleichzeitig war es eine Erleichterung, denn gefangen vor diesem Spiegel war sie nicht mehr gewesen als ein Spielball ihrer Gefühle. Sie wusste, was Snape davon hielt; sie konnte nicht anders, als sich selbst als schwach zu bezeichnen.

Deswegen ließ Hermine es auch nicht zu, dass ihre Tränen zu fließen begannen. Sie hatte gewusst, worauf sie sich hiermit einlassen würde. Sie hatte gewusst, dass es danach schlimmer sein würde als zuvor. Manche Fehler mussten dennoch gemacht werden.

Nachdem sie es endlich geschafft hatte, alles wieder so herzurichten, wie es bei ihrer Ankunft gewesen war, verließ sie die Hütte und schloss sorgfältig ab. Der Wald versank in milchigem Halbdunkel, die dichten Baumreihen wirkten undurchdringlich und mit dem Frösteln ihres Körpers kam sie sich besonders einsam und verlassen vor.

Rasch wandte sie den Blick von der Schwärze ab, murmelte ein leises „Lumos!" und machte sich auf die Suche nach dem Geheimgang. Ihre Beine begannen allmählich wieder freiwillig das zu tun, was sie wollte, und so umrundete sie die Hütte vorsichtig. Im hinteren Teil erhob sich ein seichter Hügel und sie musste mehrere Schritte nach oben gehen, um weiterzukommen. Dichte Büsche drängten sich gegen das alte Holz und als Hermine einen davon zur Seite schob, schnitt ihr etwas schmerzhaft in die Handfläche.

Zischend zog sie diese zurück und betrachtete sich die Wunde. Ein paar Tropfen Blut sickerten daraus hervor, Schmutz und einige Splitter waren zu erkennen. Sie würde sie erst reinigen müssen, ehe sie den Heilzauber sprechen konnte. „Großartige Leistung, Miss Granger!", tadelte sie sich selbst im besten Snape-Tonfall und ignorierte den verletzten Stich.

Als sie den Blick wieder auf den Busch vor sich wandte, starrte sie in ein Paar großer, runder Augen, die weißlich im Mondlicht schimmerten.

Himmel hilf!

Hermine schrie spitz auf und der Besitzer dieses Augenpaares – ein Tier, das ein bisschen wie ein großes Eichhörnchen aussah – flitzte, einen Baumstamm umkreisend, in schwindelerregende Höhen hinweg. Oben angekommen, starrte es zitternd zu Hermine herab und streckte ihr herausfordernd die Zunge raus.

Sie schnaubte resignierend und versuchte ihren Herzschlag zu beruhigen. Ohne das Tier eines weiteren Blickes zu würden, setzte sie ihre Suche fort.

Nach etwa zehn Minuten war sie eindeutig müde, erschöpft und verzweifelt und die Versuchung, den unbequemen, gefährlichen Weg durch den Wald zu gehen, war groß.

Fünf Minuten! Wenn ich diesen verdammten Eingang in fünf Minuten nicht gefunden habe, gehe ich durch den Wald.

Hermine weitete den Radius ihrer Suche aus und hätte sie sich nicht mit so schlurfenden, antriebslosen Schritten bewegt, hätte sie den Eingang vermutlich nie gefunden. So allerdings blieb ihr Fuß an einem eisernen Ring auf dem Boden hängen und sie stolperte gegen einen Baumstamm. Der Schnitt in ihrer Hand riss weiter auf und sie biss sich hart auf die Unterlippe.

Verdammter Mist! In Momenten wie diesen hasse ich mein Leben!

Seufzend zog sie die Falltür auf, nachdem sie entschieden hatte, dass es schlauer war, mit dem Blutgeruch ihrer Hand nicht allzu lange im Wald zu bleiben. Hier gab es mehr als eine Tierart, die danach gieren würde, sie anzufallen.

Mit dem Zauberstab voran leuchtete sie sich den Weg hinab in den Gang und ein kleiner, überaus rationaler Teil ihres Verstandes hoffte sehr, dass dies wirklich der richtige Gang war. Hermine musterte den schmalen, höchstens anderthalb Meter hohen Durchgang und erinnerte sich dann an das Maß der Verdreckung, mit dem Harry und Ron damals zurückgekehrt waren. Es konnte nur dieser Gang sein.

Also ließ sie sich etwas in die Hocke hinab. Die Falltür fiel scheppernd hinter ihr zu und Hermine holte einmal tief Luft, ehe sie sich auf den Weg machte. In dieser gebückten Haltung begann ihr Rücken schnell zu schmerzen und sie musste sich mit beiden Händen an den Seiten abstützen. Einige sehr spitze Steine ragten aus den Wänden und sie zog sich weitere Schürfwunden zu, die sie allerdings stumm hinnahm. Ihr Körper sah bereits vom Hinweg so geschunden aus, dass sie nachher erstmal einen Rundumzauber würde sprechen müssen. Da fielen die paar Kratzer mehr auch nicht weiter auf.

Oftmals fragte sie sich unterwegs allerdings, ob es das wert gewesen war. Hatte es sich gelohnt, für eine Stunde Träume, Erinnerungen und Sehnsüchte diese Strapazen auf sich zu nehmen? Die Angst, die Anstrengungen, die Gefahren, die Depression, in die sie gerade verfiel?

Bei Merlin, ja!

Sie weigerte sich, weiter über die Zurechnungsfähigkeit nachzudenken, die sie mit dieser Antwort bewies.

Der Rückweg dauerte etwa eine Dreiviertelstunde. Hermine verließ sich ab einem gewissen Punkt nicht mehr auf das, was ihr der kleine Lichtkegel sagte, sondern nur noch auf das, was sie mit ihren Händen ertastete. Mit der Zeit wurde der Gang höher und sie konnte irgendwann aufrecht gehen, auch wenn ihre Haare dabei unangenehm über die Decke schabten.

Ihre Hände glitten mehr als einmal durch weiche, ekelerregende Dinge, die an den Wänden wuchsen, und nachdem sie anscheinend auch etwas davon in die offene Wunde an ihrer Handfläche bekommen hatte, ballte sie die Hand zu einer Faust und tastete sich ebenso mit der Seite voran, wie mit der anderen Hand, die den Zauberstab hielt.

Etwas unvermittelt traf sie schließlich auf einen Widerstand und atmete einmal tief durch, vor Erleichterung und Erschöpfung. Das musste der Ausgang im Schloss sein und da sie die letzten fünf Minuten einen recht steilen Weg beschritten hatte, vermutete sie, dass sie nicht in den Kerkern ankommen würde. Zum Glück! Das Letzte, was sie wollte, war ein unbeabsichtigtes Treffen mit Snape.

Sie lauschte einen Moment in die Stille und versuchte ein hartnäckiges Schwindelgefühl zu verdrängen, dann stieß sie die Tür auf und sah sich blinzelnd in der gedämpften Helligkeit der Flure um. Schließlich blieben ihre Blicke am Steinernen Wasserspeier hängen und ihre Augen weiteten sich erschrocken. Ausgerechnet vor dem Büro des Schulleiters.

Als sie aus dem Gang kletterte, musterte der alte Mann im Portrait gegenüber des Wasserspeiers sie mit einer hochgezogenen Augenbraue, eine Hand fest auf sein Schwert gestützt. „Tztztz, wenn das Albus wüsste!"

„Denk' nicht mal im Traum daran!", drohte Hermine mit tiefer Stimme. „Ich habe einen Zauberstab, den ich durchaus zu benutzen gewillt bin, und ich weiß, wo du wohnst. Oder hängst... Und du willst doch nicht eines Morgens Rostflecken auf deiner Rüstung haben, oder?" Diese Äußerung brachte den anderen dazu, seine Augenbraue noch weiter zu heben. „Behalt' es einfach für dich!", sagte sie schließlich.

„Sag das doch gleich! Ich hab nichts gesehen, bin blind wie ein Maulwurf und taub wie ein... alter Mann halt." Er verdrehte theatralisch die Augen.

Hermine grinste dankbar, verzog dann allerdings das Gesicht. Die Wirkung, die der Wasserspeier auf sie hatte, erschreckte sie selbst; ihr war regelrecht schlecht vor Nervosität. Rasch lenkte sie ihre Schritte in die Richtung des Gryffindorturms.

Es kam ihr vor, als würde sie ewig durch die Gänge laufen. Ihr Unwohlsein wurde allerdings nicht besser, sondern immer schlimmer. Sie warf flüchtige Blicke zu ihrer Hand und sah die Schnittwunde tiefrot und feucht glänzend. Ein pulsierender Schmerz breitete sich von dort aus und weil sie nicht darauf geachtet hatte, wohin sie lief, stieß Hermine im nächsten Moment gegen das Geländer einer Treppe. Es bohrte sich in ihren Bauch und nur mit Mühe konnte sie sich davon abhalten, sich genau hier zu übergeben.

Allmählich bekam sie es mit der Angst zu tun. Schwindel, Übelkeit und Erschöpfung vermischten sich zu einem rasenden Herzschlag und Hermine beeilte sich, die letzten Treppen zum Turm hinter sich zu bringen. Die Fette Dame klappte kommentarlos zur Seite, so wie sie es immer tat, wenn sie Schüler bei Regelverstößen bemerkte (auch wenn sie sich sonst gerne einen Spaß daraus machte, das Passwort zu verlangen – was sie vermutlich sogar dann noch tun würde, wenn Voldemort persönlich hinter den Schülern her wäre), und Hermine atmete bemüht ruhig durch die Nase, während sie die Stufen zu ihrem Zimmer anvisierte.

Nur nicht den Mund aufmachen.

Die Tür fiel laut hinter ihr ins Schloss und Hermine warf ihren Zauberstab aufs Bett, während sie direkt ins Bad weiterlief. Ihre Knie trafen hart auf dem Boden auf, als sie den Toilettendeckel nach oben klappte und sich hustend erbrach. Es war wirklich eine Erleichterung, auch wenn es entsetzlich in ihrem Hals brannte und Krämpfe ihren Magen zusammenballten.

Die Minuten danach hatte sie später nur noch vage in Erinnerung. Sie hatte sich einen Moment der Ruhe gegönnt, halb auf der Kloschüssel liegend, als ihr an anderes, drängendes Bedürfnis bewusst wurde. „Ooh, nein, nein, nein, nein, nein", murmelte sie verzweifelt und beeilte sich, ihre Hose loszuwerden.

Ihre Hände klammerten sich am Waschbecken fest, das direkt neben der Toilette in die Wand eingelassen war, und sie ergab sich vollkommen der Gewalt ihres Körpers. Und der hatte eine Menge Gewalt, wie sie wimmernd feststellte.

Sie erbrach sich erneut, dieses Mal ins Waschbecken und drehte den Wasserhahn auf. Ihre Augen tränten unkontrolliert, ihre Nase begann gleichermaßen zu laufen und nichts schien sie wirklich zu kümmern. In Gesellschaft ihrer Schürfwunden und Kratzer und dem psychischen Elend an sich waren es nur weitere Unannehmlichkeiten, mit denen sie sich arrangieren musste.

Zumindest solange, bis sie bemerkte, dass sie blutete. Nicht an ihrer Hand, denn dort hatte sich inzwischen ein ungesund aussehender grüner Film gebildet, den sie sich gar nicht so genau ansehen wollte. Nein, es war vielmehr wie ihre Regelblutung, nur dass sie diese ja vor knapp zwei Wochen erst gehabt hatte.

Panik überkam sie und weitere Tränen liefen ihr über das Gesicht. Hermine begann fieberhaft zu überlegen, was sie tun sollte. Bis ihr bewusst wurde, dass niemand in der Nähe war, dem sie Bescheid sagen konnte. Sie würde hier sitzen und leidend sterben. Vielleicht ist das die Strafe für meinen Ausflug, dachte sie in einem Anflug von Sarkasmus.

Dann fiel ihr Blick auf ihre Hose und sie erinnerte sich an die Münze. Vorsichtig lehnte sie sich nach vorne, biss sich auf die Unterlippe, als weitere Krämpfe durch ihren Körper pulsierten und bekam den Stoff schließlich zu fassen. Mit einer schweißnassen Hand wischte sie sich über das Gesicht und tauchte dann in die Tasche, in der sie die Münze wusste.

Beinahe hätte sie sie verloren, als sie die Hose fallen ließ, wimmernd und zitternd umklammerte sie das kalte Stück Metall und japste erleichtert auf, als sie zu glühen begann.

„Bitte, Severus, bitte hilf mir..."

Die Übelkeit wollte nicht abflauen und die Krämpfe schienen immer schlimmer anstatt besser zu werden. Sie zogen sich vom Magen aus auf ihren Rücken und bis in die Nierengegend. Das Zittern wurde unkontrollierbar und irgendwann begann ihre Zähne zu klappern. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie erbärmlich es hier im Bad stinken musste und tiefe Schamesröte überzog ihr Gesicht, als sie daran dachte, dass Snape sie so sehen würde. Sie begann haltlos zu schluchzen.

Die Minuten zogen zäh vorbei und durch die halb geöffnete Tür konnte sie ihr Bett sehen; ein schmaler Lichtstreifen fiel darauf und sie wünschte sich, sie könne jetzt dort liegen und schlafen. Wahlweise auch schlaflos grübeln. Alles war besser als das hier.

Die Angst schnürte ihr die Kehle zu und die schnappte keuchend nach Luft. Eiskalte Finger bohrten sich in ihre Bauchdecke, als sie stöhnend ein erneutes Erbrechen zu verhindern versuchte. Ihre Haare klebten an ihrer nassen Stirn, kitzelnd liefen einige Schweißtropfen ihre Schläfen hinab. Das Musterbild von Menschlichkeit, dachte sie frustriert und verabscheute sich selbst.

Dann stand er plötzlich vor ihr und anstatt dass ihre Tränen abebbten, wurden sie immer schlimmer. „Severus...", schluchzte Hermine ängstlich und war erleichtert, als sie in seinem Gesicht keine Härte, sondern Angst und Bestürzung sah. Und Kontrolle!

Er weiß, was zu tun ist. Er muss es wissen! Merlin, lass ihn mir helfen!

„Was ist passiert?", fragte er ruhig und hockte sich vor sie.

Sie schüttelte den Kopf, kaute weinend auf ihrer Unterlippe und beugte sich zum Waschbecken. Der Brechreiz hatte gesiegt und sie schämte sich furchtbar dafür, dass er es sah.

Doch zu ihrer Überraschung zog er ihr die Haare auf den Rücken, legte eine Hand auf ihre Stirn und stützte sie soweit es ihm möglich war. Hermine keuchte und hustete, doch viel mehr als grünliche Galle brachte sie nicht mehr hervor. Ihr Hals brannte wie Feuer.

„Ich hab' Angst", nuschelte sie unverständlich, während er erneut den Wasserhahn aufdrehte und einen Waschlappen befeuchtete. Rasch wischte er ihr Schweiß, Erbrochenes und Tränen aus dem Gesicht und nahm es dann zwischen seine Hände.

„Es ist in Ordnung, ich bin hier", beruhigte er sie, kontrolliert und zielgerichtet. Sie seufzte erleichtert.

„Severus, ich blute...", flüsterte sie dann leise und wurde erneut rot. Sie schaffte es nicht, seinem Blick standzuhalten.

„Wo?" Sie sah zu ihm auf und ihr Gesicht verzog sich in einem neuen Weinkrampf, den er mit leichter Betretenheit richtig deutete. „Nun, ich denke nicht, dass du dir darum große Sorgen machen musst", murmelte er und öffnete wahllos die Schränke, offenbar auf der Suche nach etwas.

„I-Ich hatte meine Periode aber erst. Was ist, wenn es etwas anderes ist?" Sie klang wirklich jämmerlich, aber sie hatte die Hoffnung, dass der erste Spuk vorerst vorbei war. Ihr Darm hatte sich seit geraumer Zeit beruhigt, die Krämpfe wurden weniger und sie war froh, dass sie heute so ausnehmend wenig gegessen hatte. Die Leere in ihr war wohltuend und quälend zugleich.

Snape sah sie mit scheelen Blicken von der Seite her an. Für einen Moment schloss er die Augen. „Mach dich etwas sauber, ich sehe es mir an", beschloss er dann und verließ das Bad.

Hermine schluckte eine neue Welle aus Tränen und griff nach dem Toilettenpapier. Die Spülung zu betätigen, schien schon einen großen Teil des Gestankes zu vertreiben, den er wortlos hingenommen hatte.

Wenige Augenblicke später tapste sie auf wackeligen Beinen in ihr Zimmer und er griff rasch nach ihrem Arm, als er ihre Unsicherheit bemerkte. „Leg' dich hin!", wies er emotionslos an und Hermine tat es.

Sie richtete ihre Blicke in sämtliche Ecken, nur nicht auf sein Gesicht. Schließlich landete sie bei Krummbein, der mit wachen Augen auf dem Bücherregal saß und beobachtete, was vor sich ging. Hermine keuchte auf, als Snapes Hände an ihrer Scham spürte. Das letzte Mal, als er dies getan hatte, hatte sie als eindeutig angenehmer in Erinnerung.

„Es ist eine Regelblutung, Hermine", sagte er dann und schob ihre Knie entschlossen zusammen. „Ich weiß nicht, woher sie außerhalb der Reihe kommt, aber es... ist nur eine Regelblutung. Tu... was immer du sonst auch tust."

Ein paar Tränen liefen auf ihren Augenwinkeln und sie nickte. „Okay." Nur ein stummer Hauch. „Es tut mir so Leid, Severus..." Sie legte sich eine Hand vor den Mund und versuchte sich zu kontrollieren. Nun, da Übelkeit und Krämpfe sich einigermaßen, wenn auch nicht vollkommen, gelegt hatten, dominierte das Schwindelgefühl und die Erschöpfung ihr Denken. Sie fühlte sich ausgelaugt und vollkommen zerschlagen, beinahe so, als hätte sie seit Tagen nicht mehr geschlafen. Kopfschmerzen pochten zwischen ihren Schläfen und ihr Rücken tat entsetzlich weh.

„Was tut dir Leid, Hermine?", fragte er nach und sie schüttelte den Kopf.

„Das alles hier. Es... tut mir Leid, dass du... hier sein musst... Ich kann mir vorstellen, du warst mit... weitaus angenehmeren Dingen beschäftigt." Sie schniefte und hustete abgehackt und zitternd, fuhr sich mit dem Handrücken über die Nase.

„Nun, ich...", setzte er an, doch Hermine erfuhr nie, was er hatte sagen wollen. Wortlos griff er nach ihrer Hand und besah sich die aufgerissene Wunde. „Wo hast du die her?", fragte er dann schneidend und Hermine verging das Weinen. Sie starrte ihn mit geweiteten Augen an und allein das schien ihm als Antwort zu genügen. „Bist du im Wald gewesen?" Sie antwortete nicht. „Sag es mir, Hermine! Warst du heute Nacht im Verbotenen Wald?" Seine Stimme war ein lautes Donnern, das sie verzweifelt winseln und nicken ließ. „Hast du irgendetwas in diese Wunde bekommen? Möglicherweise einen Pilz?"

Sie zitterte und zuckte unkontrolliert und rollte sich zu einem Ball zusammen. „Ich weiß es nicht", jammerte sie schließlich hilflos und hörte ihn stöhnen.

„Versuch dich zu erinnern, Hermine! Es ist wichtig und ich mache keine Scherze!"

„Ach was!", schrie sie ihn heulend an. „Das hab ich auch schon gemerkt!" Sie hatte sich mit einer erstaunlichen Kraft aufgesetzt und schlang nun die Arme um ihre Knie. Entschlossen entriss sie ihm ihre Hand und legte ihr Gesicht auf die Beine. Ihre Schultern bebten und sandten dabei empfindliche Schmerzreize durch ihren Körper.

„Hermine, bitte", begann er erneut, dieses Mal sanfter und hörbar um Beherrschung bemüht. „Ich muss es wissen. Wenn du in diese Wunde einen Pilz bekommen hast, brauchst du ein Gegengift. Es würde deine Symptome erklären, aber ich kann es dir nicht geben, wenn ich es nicht sicher weiß."

Sie kämpfte gegen den Drang, sich unter der Decke zu verstecken, an und wischte sich erneut über das Gesicht. Der Riss brannte empfindlich, als die salzige Flüssigkeit hineingelangte. In Gedanken allerdings schritt sie noch einmal den Weg ab, den sie, nachdem sie sich die Hand verletzt hatte, begangen war. Schließlich nickte sie. „Da war etwas Weiches, irgendwie schmierig. Ich denke, ich habe etwas davon in die Wunde bekommen."

Er atmete sichtlich auf und nickte. „Gut, das ist gut. Leg dich ins Bett und versuche dich zu entspannen. Keine großen Bewegungen, wenn es nicht nötig ist. Es würde den Pilz nur noch weiter in deinem Körper verteilen. Ich gehe nach unten und bereite das Gegengift zu. Ich bin bald wieder da." Zu ihrer Überraschung beugte er sich kurz vor und küsste sie auf die feuchte Stirn. Hermine griff nach seiner Hand und klammerte sich daran fest.

„Lass mich nicht alleine!", bat sie geflüsterte, doch er machte sich entschlossen von ihr los.

„Ich muss! Stell dich nicht so an, Hermine!" Sie erschrak über seinen harschen Ton, woraufhin er ihn direkt zu bereuen schien. „Ich bin bald wieder da." Er sah sie eindringlich an und Hermine wusste, dass sie ihm vertrauen konnte. Dennoch schaffte sie es nicht, seine Hand loszulassen. „Miss Granger, lassen Sie mich endlich los!", donnerte er schließlich und das wirkte. Zwar löste es auch ein erneutes Weinen aus, aber vor Schreck zog sie sich weiter auf ihr Bett zurück und mit einem letzten Blick verließ Snape ihr Zimmer.

Die ersten paar Minuten blieb sie zitternd und fiebrig liegen, dann wurde sie sich ihrer Blutung wieder bewusst und ging ins Bad, um sich ausreichend zu versorgen. Im Waschbecken sah sie die Überreste ihrer vorherigen Eskapaden und zusammen mit dem Geruch, der noch immer in der Luft lag, rebellierte ihr Magen erneut. Dieses Mal zog sie es vor, gleich die Toilette zu benutzen und gab noch etwas mehr Magensäure von sich. Es tat so unendlich weh, sich zu übergeben.

Hermine fühlte sich schwindelig, besann sich dann allerdings auf ihr ursprüngliches Vorhaben und angelte in einem Schrank nach den Tampons. Sie entschied sich für die größte Größe, denn im Moment verlangte es sie am meisten danach, die Tür zum Bad zu schließen und sich in ihrem Bett zu verkriechen. Und das so lange und ungestört wie nur irgend möglich.

Ein paar Minuten später kehrte sie in ihr Zimmer zurück, suchte sich eine kurze Hose heraus und zog sie sich über. Der verdreckte Pullover und das T-Shirt, die sie getragen hatten, landeten in einer Ecke und sie suchte sich ein sauberes, nicht verschwitztes Oberteil heraus. Dann reinigte sie ihr Bett von den Blutspuren, freute sich über die Annehmlichkeiten eines Zauberstabes und kroch müde und zitternd unter die Decke.

Entgegen ihrer Hoffnung, sie würde sich dort endlich aufwärmen und beruhigen können, wurde das Zittern noch schlimmer und Hermine zog ihre Beine bis an ihren Bauch hinauf. Mit trägem Blick fixierte die ihre Tür und hoffte, dass Snape bald zurückkommen würde.

Irgendwann sprang Krummbein vor ihr aufs Bett und sie löste angestrengt eine Hand aus dem klammernden Griff um ihr Kopfkissen, um ihren Kater zu kraulen. Nach ein paar weiteren Minuten versiegten endlich ihre Tränen, doch dafür verschloss sich ihre Nase, so dass sie durch den Mund atmen musste. Die Symptome eines Magen-Darm-Infekts wandelten sich immer mehr zu denen einer Grippe und Hermine war sich nicht sicher, was ihr besser gefallen hatte.

Sie erwachte aus einem oberflächlichen Schlaf, als ihre Tür geöffnet wurde. Snape, nur mit schwarzer Hose und passendem Hemd bekleidet, betrat das Zimmer und zündete einige Kerzen an, ehe er sich an ihr Bett hockte. „Streck' deinen Arm aus!", forderte er sie ohne Umschweife auf und scheuchte Krummbein von der Matratze.

„Warum?", fragte sie träge und versuchte ein weiteres Mal, ihre Nase freizubekommen. Sie scheiterte kläglich.

„Das Gegengift muss intravenös verabreicht werden." Sie beobachtete, wie er einen altertümlichen Stauschlauch vor sich aufs Bett legte (vermutlich war er im Krankenflügel plündern gegangen und Madam Pomfrey würde ihre Utensilien später suchen), um dann eine kleine Spritze mit dem Gegengift aufzuziehen. Hermine schluckte, stellte ihm aber ihren Arm zur Verfügung.

Als ob er so etwas schon hunderte Male getan hätte, staute er ihren Arm ab und suchte sich eine Vene, die er als brauchbar einstufte. Dann setzte er eine Nadel auf die Spritze, deutete mit dem Zauberstab kurz auf ihren Arm – sie vermutete dem leichten Prickeln nach, dass das zur Desinfektion diente – und setzte den Stich gezielt. Bevor er ihr das Gift injizierte, löste er den Schlauch wieder, prüfte, ob er nach wie vor in der Vene war und injizierte ihr das gelblich schimmernde Mittel.

Hermine spürte, wie sich Wärme von dem Punkt über ihren Körper ausbreitete, die sich allerdings schnell wieder verflüchtigte. Enttäuscht seufzte sie und sah gerade noch, wie er die Einstichstelle mit einem Zauber verschloss.

„Das Gegengift wird nicht gegen die Symptome wirken. Dein Körper versucht das Gift des Pilzes auf allen erdenklichen Wegen auszuscheiden, was deine Symptome erklärt. Das Gegenmittel wird das Gift binden und den Pilz töten, erholen muss dein Körper sich allerdings von alleine. Er wird weiterhin versuchen, die Reste loszuwerden, aber das sollte nicht ganz so unangenehm werden."

Während er ihr diese Dinge erklärt hatte, hatte er nach ihrer Hand gegriffen und die Wunde gereinigt. Hermine hatte das Brennen und Stechen stumm über sich ergehen lassen und beobachtete die konzentrierte Miene ihres Lehrers. So sehr er auch versuchte, vollkommen dieser Lehrer zu bleiben, die vertraute Anrede und die auffällige Sanftheit, mit der er bei ihrer Behandlung vor sich ging, verrieten ihn.

„Du musst Remus Lupin Bescheid sagen", fiel ihr vollkommen zusammenhanglos ein.

„Warum?" Snape runzelte verwirrt die Stirn.

„Er gibt mir Unterricht im Kämpfen. Zweimal die Woche. Morgen wollte er wieder herkommen." Hermine schniefte träge.

Snape nickte. „Ich werde ihm eine Eule schicken." Er schloss die Versorgung ihrer Wunde ab und barg anschließend Hermines kalte Finger in seiner großen Hand. „Du solltest jetzt schlafen und dich erholen, solange dein Körper es dir erlaubt", sagte er leise und Hermine schluckte angestrengt.

„Ich hab Durst", ging sie nicht auf seine Aussage ein und er nickte.

„Ich weiß, aber glaube mir, es würde dir nicht bekommen, jetzt irgendetwas zu dir zu nehmen. Und wenn es nur Wasser ist." Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem feuchten Gesicht und wollte aufstehen.

„Lass mich nicht alleine", bat sie weinerlich und hielt seine Hand mit einer erstaunlichen Kraft fest.

„Ich sollte wirklich gehen, Hermine. Du musst schlafen und ich... ich sollte nicht länger als nötig hier bleiben. Ich täte es auch nicht, wenn wir nicht..." Er brach ab und fuhr sich mit der freien Hand über die Stirn. „Ich sollte gehen", bekräftigte er dann noch einmal und unterstützte es mit einem Nicken.

„Es wird keiner etwas bemerken, Severus. Niemand muss es jemals erfahren. Bitte, ich möchte nicht alleine sein." Sie hasste es, dass sie ihre Worte noch zusätzlich mit Tränen unterstreichen musste, doch sie war so erschöpft, dass sie dem nicht viel entgegenzusetzen hatte.

Snape stand hin und her gerissen vor ihrem Bett. Eine seiner Hände lag nach wie vor in ihrer und Hermine sah ihn flehend und bemitleidenswert hilflos an.

„Oh zum Teufel, nun bleib' schon hier, verdammt!", quäkte der Spiegel aus dem Hintergrund. „Sonst heult sie mir die ganze Nacht die Ohren voll."

Snape wandte dem störenden Ding einen erstaunten Blick zu, ehe er wieder Hermine fixierte. „Er hat Recht", fiepste sie leise und schwor sich, dass sie ihren bisher ungeliebten Mitbewohner von nun an mehr schätzen würde.

Sie konnte erkennen, wie Snape seine Entscheidung traf und ihr Herzschlag beschleunigte sich rapide, als er schließlich nickte. „Also gut. Ich werde bleiben. Ich werde mich hier an den Tisch setzen und werde da sein." Er versuchte wirklich, einen angewiderten Unterton in seine Stimme zu legen, aber es gelang ihm nicht.

„Nein, bitte halt mich fest!", bat sie weiter und wusste, dass sie sich auf dünnes Eis begab. Andererseits würde sie lange Zeit nicht mehr so große Chancen haben, ihren Willen erfüllt zu bekommen, wie jetzt. Schließlich musste man aus jeder noch so grausamen Lage irgendwelche Vorteile schlagen, nicht wahr?

„Haahaalt sie feheest", intonierte der Spiegel, woraufhin Snape sich abwandte, seine Hand Hermine Griff entzog und das Tuch, das Hermine selbst zu diesem Zweck immer auf der Kommode darunter liegen hatte, über die glatte Oberfläche hängte.

„Man sollte wissen, wann man besser schweigt!", zischte er, stand dann allerdings recht verloren im Raum. Wiederum sah Hermine ihn um eine Entscheidung kämpfen und sie wusste, dass er sich liebend gerne hinter der Fassade des Lehrers versteckt hätte. Aber anscheinend hatte sie ihn schon zu sehr um ihren Finger gewickelt, denn er seufzte, als würde er etwas gegen besseres Wissen tun, und ging dann um das Bett herum, um sich hinter sie zu legen.

„Dafür versprichst du mir, jetzt zu schlafen", verlangte er in einem Ton, der keinen Widerspruch zuließ.

Hermine nickte und zog seinen Arm fest um ihre Taille. Sie wollte nicht riskieren, dass er sie einfach so hier liegen ließ, wenn sie eingeschlafen war. Es war die erste Nacht, die sie zusammen mit ihm einschlafen würde und sie wollte, dass sie auch zusammen mit ihm wieder aufwachte.

Zitternd und bebend, wie sie in diesem Bett lag, brauchte sie sich allerdings nicht lange anzustrengen, um die geborgene Umarmung zu bekommen, die sie sich so sehr wünschte. Anscheinend mit dem Vorhaben, sie aufzuwärmen und ihre Nerven zu beruhigen, zog er sie dicht an sich und seine Nase drängte sich in ihr verschwitztes Haar.

Hermine war froh, dass sie ihn nicht ansehen musste, als sie sagte: „Ich hätte duschen sollen. Ich muss erbärmlich stinken."

Er schüttelte hinter ihr den Kopf. „Du würdest dich keine fünf Minuten auf den Beinen halten." Doch dass sie stank, das stritt er nicht ab. Hermine musste unwillkürlich lächeln.

„Ich liebe deine Ehrlichkeit, Severus", murmelte sie sehr nasal klingend und verfluchte ihre verstopfte Nase. Um ihre Worte noch zu unterstützen, rieb sie über seinen Handrücken und schloss dann die Augen. Die Müdigkeit zerrte an ihrer Wahrnehmung und kurz darauf rissen ihre Erinnerungen komplett ab.


TBC…
So, ich hoffe, ihr habt es einigermaßen überstanden. °unsicher in die runde blickt° Ich war nicht ganz nett zu Hermine, das ist mir durchaus bewusst, aber wir kennen das ja: ‚Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort, große etwas später…' ;)