Kapitel 29

Feuer, Wasser, Stein

Es war eine riesige Katze, ein Panther. Sein Fell hatte die Farbe seiner Umgebung angenommen, sodass seine Umrisse nur durch das Zittern der Anspannung zu erkennen waren. Er war von der selben Größe und Statur wie eine gewöhnliche Raubkatze. Seine eisig blauen Augen fixierten Draco, der an der Wand Halt suchend, versuchte sich aufzurichten. Dieser warf einen Seitenblick auf Hermine, um sich zu vergewissern, dass sie den Umständen entsprechend wohlauf war.

Beinahe im selben Moment regte sich der Panther. Hermine konnte zunächst kaum erkennen, was eigentlich geschah, doch nach einer kurzen Weile erkannte sie, wie der lange, schlanke Schwanz der Raubkatze durch die Luft wirbelte, und – Hermine riss den Mund auf – einen erneuten, diesmal schwächeren Sturm erzeugte, der scheinbar gezielt auf Draco zukam. Hermine konnte sich nicht erinnern, je von so etwas gehört zu haben. Sie stand da und konnte vor Erstaunen und Furcht keinen Finger rühren.

Der Zauberstab wurde Draco aus der Hand gerissen und flog in hohem Bogen durch die Luft. Dann ließ der Panther seinen Schwanz sinken, und alles wurde still. Hermine sah, wie er Draco beobachtete, als wäre dieser ein Beutetier, hob ihren Zauberstab und flüsterte „Accio Zauberstab!" Beim Klang ihrer Stimme wandte der Panther sich sofort ihr zu. Mit gefletschten Zähnen und einem gefährlichen Fauchen sprang er auf Hermine zu, und zum ersten Mal wurde sie seiner mit scharfen Krallen bestückten Pranken gewahr.

Ohne Nachzudenken warf sie sich zur Seite. Gleichzeitig hörte sie Draco, der seinen Zauberstab aus der Luft gefangen hatte, „Stupor!" rufen. Ein roter Lichtstrahl traf die Raubkatze in die Flanke. Sie taumelte leicht und wich ein paar Schritte zurück.

Draco kam hinüber zu Hermine und half ihr auf. Ihre bereits verletzte Seite hatte erneut Bekanntschaft mit der Steinwand gemacht und bereitete ihr höllische Schmerzen. Sie biss die Zähne zusammen und zwang sich, aus eigener Kraft aufrecht zu stehen.

Draco wandte sich wieder dem Panther zu, der offenbar zu einem erneuten Angriff ansetzte. Draco wartete mit entschlossener Miene, bis die Raubkatze sprang, und zielte blitzschnell auf den Kopf des Tieres. Mitten im Sprung von Dracos Schockzauber getroffen, krümmte der Panther sich zusammen und landete auf allen Vieren auf dem Boden. Dann wandte er sich urplötzlich um und sprang auf die gegenüberliegende Wand zu.

Hermine dachte zuerst, er würde gegen die Wand springen, doch dem war nicht so. Mit geschmeidigen Bewegungen schlich der Panther die senkrechte Wand hinauf.

Hermine stöhnte auf. Was immer dieses Wesen sein mochte, es war nicht nur ein pelziges Chamäleon und eine Art vierbeinige Frau Holle, sondern konnte womöglich auch noch kopfüber an der Decke gehen.

„Siehst du das?", flüsterte Draco.

„Natürlich", antwortete Hermine wispernd.

„Ich meine das Fell. Es tarnt ihn nicht mehr so gut. Vielleicht ist er geschwächt." Hermine kniff die Augen zusammen. Tatsächlich schien der Panther leichter erkennbar zu sein. Sein Fell hatte einen etwas helleren Grauton angenommen, sodass es sich von den dunklen Steinwänden etwas abhob.

„Vielleicht nimmt er, wenn wir ihn weiter schwächen, seine ursprüngliche Farbe an", vermutete Hermine und sah zu, wie sich der Panther bedrohlich an der Kante von Decke und Wand entlang bewegte. „Vielleicht wirkt dann auch Stupor", murmelte Draco grimmig.

Mit einem Fauchen sprang der Panther plötzlich in die Ecke über ihren Köpfen. Sie stolperten rückwärts, während die Raubkatze zum Sprung ansetzte und sich dann mit gebleckten Zähnen von oben auf sie stürzte.

Hermine schrie und taumelte, schaffte es aber fast gleichzeitig mit Draco „Stupor!" zu rufen.

Beide Flüche trafen. Doch der Panther, dessen Fell sich schlagartig silbergrau verfärbte, ließ seine

vorderen Pranken durch die Luft schnellen und versenkte, so schien es, seine Krallen in Dracos linken Arm.

STUPOR!", schrie Hermine verzweifelt. Ihr Fluch schleuderte den Panther gegen die Wand, wo er von ihrem Zauber betäubt liegen blieb.

Hermine stürzte zu Draco, dessen Mantel- und Pulloverärmel in Fetzen an ihm herunter hing.

„Draco! Alles in Ordnung? Hat er deinen Arm erwischt?!", keuchte Hermine.

Draco zog seinen Mantel aus und betrachtete seinen zerfledderten Pullover. „Das war eine Maßanfertigung aus Paris", murmelte er und fuhr mit den Fingern über die Kratzer an seinem Oberarm. Hermine verdrehte nicht einmal die Augen, so erleichtert war sie, dass er keine ernsthafte Verletzung davongetragen hatte.

Draco musterte den Panther, der regungslos da lag.

„Solange dieses Vieh da erstarrt herumliegt, sollten wir dafür sorgen, dass das auch so bleibt", sagte er und hob seinen Zauberstab. Noch ehe ein Wort über seine Lippen kam, riss der Panther plötzlich seine Augen auf und stand mit einem Satz in der Mitte des Kerkers. Beim Anblick des silbergrauen Fells und dieser eisig blauen Augen, begann Hermine die Kälte um sie herum erst richtig wahrzunehmen und zu zittern.

„Halt dich fest!", zischte Draco, der als erster gesehen hatte, dass der Panther seinen Schwanz erneut durch die Luft wirbeln ließ.

Hermines Hoffnung sank, als es um sie herum zu tosen begann. Sie bezweifelte, dass sie es überleben würde, noch einmal wild durch die Luft geschleudert zu werden. Doch Draco packte sie und drängte sie gegen die Wand. „Er ist schwach", raunte er in ihr Ohr, wobei seine Haare ihr ins Gesicht wehten. „Er wird es nicht noch mal schaffen, uns herumzuwirbeln."

Hermine wollte es nicht recht glauben, sie war kurz davor abzuheben.

Doch Draco hatte Recht. Der Wind wurde nicht stärker, er fühlte sich beinahe natürlich an, fuhr durch ihre Haare und bauschte ihre Kleidung auf, brauste in ihren Ohren und schlug ihr Kälte ins Gesicht. Und dann brach er ab.

Ohne einen Augenblick zu zögernd, wirbelte Draco herum und erledigte die geschwächte Raubkatze mit einem letzten Schockzauber. Dann schwang er noch einmal seinen Zauberstab und ein eiserner Käfig baute sich wie von selbst um den Panther auf, ohne dass dieser sich rührte.

Von Erschöpfung übermannt, sank Hermine an der Wand lehnend zu Boden. Sie fuhr mit der Hand über ihre Seite und zog vor Schmerz scharf die Luft ein.

Nachdem Draco sich vergewissert hatte, dass der Panther sich nicht befreien konnte, kam er zu Hermine.

„Bist du verletzt?", fragte er und setzte sich neben sie.

„Ich glaub schon", antwortete Hermine, deutete auf ihre Seite und hoffte, dass sie sich keine Rippe gebrochen hatte.

„Hältst du es aus?"

Hermine nickte schluckend.

Draco hob eine Augenbraue und schüttelte leicht den Kopf. „In deinem Zustand kannst du Harry und Ron auch nicht finden, geschweige denn helfen. Darf ich?", fragte er und zog ihr vorsichtig den Mantel aus. Dann schob er ihren Pullover an der Seite nach oben. Hermine schauderte. Über den Rippen war ihre Haut rot und wund, wies aber dank ihrer gut gefütterten Jacke kaum Abschürfungen auf. Mit seinem Zauberstab fuhr Draco über ihre Rippen und murmelte „Episkey."

Hermine spürte erleichtert, wie der Schmerz ein wenig nach ließ und sah zu, wie ihre Haut heilte. Draco streifte ihren Pullover wieder nach unten und reichte ihr ihren Mantel.

„Danke", sagte sie leise und zog den Mantel an.

Hermines Herz schlug wie wild, als sie von Dracos Gesten ermutigt, die Chance ergriff.

„Sag mir, was vorhin passiert ist, Draco. Ich will wissen, warum."

Schweigend krempelte Draco die Reste seines linken Ärmels hoch.

Hermine schauderte, als sie ihre Augen auf das Dunkle Mal richtete, das sich deutlich von seiner blassen Haut abhob.

„Hast du das hier vergessen?", fragte Draco leise.

Hermine nahm seine Worte kaum war. Sie fragte sich, warum sie das Mal noch nie so genau angeschaut hatte. Vorsichtig fuhr sie mir dem Finger die feinen Linien des Totenkopfes nach. Er war abscheulich. Wut überkam sie, darüber, dass Voldemort Menschen mit diesem grauenvollen Symbol brandmarkte und quälte. „Tut es oft weh?", fragte sie leise.

Als er nicht antwortete sah sie ihm fragend in die Augen. Dann traf sie die Erkenntnis. Sofort zog sie ihre Hand zurück und wisperte: „Es tut jetzt weh."

Draco lächelte gequält. „Du bist ein… Schlammblut. Der Dunkle Lord verbietet seinen Untergebenen den Umgang mit solchen."

Hermine senkte den Kopf. „Es tut mir Leid. Das habe ich nicht gewusst."

„So schlimm ist es nicht."

„Tut es auch weh, wenn ich dich woanders berühre? Oder wenn ich dich… küsse?", wollte Hermine flüsternd wissen.

Draco nickte

„Warum hast du nichts gesagt? War das der Grund?"

„Ich sage es dir jetzt. Und ich hätte es auch eher getan, aber ich konnte nicht ahnen, dass Rons Geistesblitz mich davon abhält."

Hermine starrte ihn an. „Ich meine nicht nur heute Abend. Du hättest es mir von Anfang an sagen sollen! Hätte ich gewusst, dass ich dir Schmerzen zufüge…"

„Lass mich ausreden", sagte Draco.

Hermine nickte.

„Die Schmerzen sind auszuhalten. Außerdem tut das Mal immer wieder weh, manchmal die ganze Nacht, mal mehr, mal weniger. Ich spüre, wenn Er seine Todesser ruft, aber die meiste Zeit schmerzt es wahrscheinlich, weil ich ein Verräter bin… ich weiß nicht, wie groß Seine Kontrolle darüber ist… aber ich glaube, Er kann einen Verräter, wenn Er es für erforderlich hält, durch das Mal quälen. Wie bei Snape… Wahrscheinlich muss Er sich direkt darauf konzentrieren, einem Verräter richtige Schmerzen zuzufügen. Deshalb lässt es sich die meiste Zeit aushalten, weil Seine Gedanken auf andere Dinge gerichtet sind und weil man es blockiert, ähnlich wie bei Okklumentik, nur unbewusst…", Draco sprach leise und scheinbar nachdenklich.

„Ich bin mir nicht sicher, wie viel der Dunkle Lord durch das Mal über mich in Erfahrung bringen kann…", Draco verstummte und blickte Hermine an. „Tut mir Leid, ich bin abgeschweift. Aber so kann ich es besser erklären: Vorhin hatte ich das Gefühl, meinen Schutz… meine… Deckung aufzugeben."

„Deckung?", wiederholte Hermine stirnrunzelnd. „Du meinst, du… du warst anfälliger – also, ich meine Voldemort hätte dir durch das Mal etwas tun können?", fragte Hermine schnell sprechend und unerklärlicherweise stieg ihr Wärme ins Gesicht.

Dracos Mundwinkel zuckten und er lächelte kurz.

Hermine starrte etwas verlegen auf ihre Hände. Es schien also so zu sein, dachte sie, dass Draco beim- also vorhin, so etwas wie einen mentaler Schutz, den wohl auch Snape unbewusst aufrecht erhielt, durch extrem starke Gefühle verloren oder aufgegeben hatte… Dadurch konnte dann der Hass, der Wille ihm Schmerzen zuzufügen, den Voldemort immer verspürte - auch wenn er nicht daran dachte - auf ihn wirken.

„Was hast du gespürt?", fragte sie.

Draco starrte auf das Dunkle Mal, murmelte „Reparo" und sah zu, wie ein neuer Ärmel es verdeckte. „Das Mal hat gebrannt und mir wurde kalt. Ich wusste nicht, was passiert, was noch passieren würde…"

Hermine räusperte sich. „Es hatte also nichts mit mir zu tun? Ich meine", fuhr sie hastig fort, „ich habe nichts… falsch gemacht?"

Bevor Draco antworten konnte, stellte Hermine rasch eine weitere Frage. „Warum hast du mir es nicht gleich gesagt, sondern bist im Badezimmer verschwunden?"

Draco seufzte. „Ich musste mich erstmal sammeln. Außerdem… ist mir noch etwas eingefallen", er machte eine Pause, in der er Hermine mit einem seltsamen Ausdruck in seinen Augen ansah. Sie glaubte fast, kurz so etwas wie Unsicherheit in ihnen aufflammen zu sehen.

„Verzeihst du mir, was ich dir, euch, in den letzten Jahren angetan habe?"

Überrascht öffnete Hermine den Mund „Draco", sagte sie leise und rang nach Worten. Damit hatte sie nicht gerechnet und nie hatte sie darüber nachgedacht. Sie konnte sich noch daran erinnern, wie sie ihm vor Wochen all die Dinge der letzten Jahre vorgeworfen hatte. Die Beleidigungen von Rons Familie, ihrer eigenen Abstammung, die Sache mit Hagrid, sie ständigen Sticheleien gegenüber Harry…

„Draco", wiederholte sie, „das kann man nicht", und sah, wie seine Mundwinkel erneut zuckten, „einfach mal", sah, wie er sich ihr entgegenlehnte, „so ver-" und spürte seine Lippen auf ihren.

Hermine zögerte keine Sekunde, seinen Kuss zu erwidern. Es schien ihr der Beweis, dass er es wirklich ernst meinte und sein Verhalten bereute. Es war ein, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubender Kuss, der Hermine all die Trauer der letzten Stunden vergessen ließ. Für einen Moment verschwand die Kälte aus ihren Gliedern und der verbliebene Schmerz über ihren Rippen.

Als Draco sich von ihr löste, fragte er lächelnd: „Was wolltest du sagen?"

„Verziehen", hauchte Hermine gegen seine Lippen und küsste sie.

Doch Draco zog sich zurück und sah sie ernst an. „Ich meine es ernst, Hermine. Und ich verstehe-"

„Ich meine es auch ernst", unterbrach Hermine ihn sanft aber vollkommen überzeugend. Und damit meinte sie so viel mehr, als sie in Worte fassen konnte.

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Später standen Hermine und Draco auf, um zur Halle zurückzukehren.

Hermine fühlte sich etwas schuldig, da sie Harry und Ron so lange alleingelassen hatten, fragte sich aber gleichzeitig besorgt, warum die beiden nicht zu ihnen gekommen waren.

Der Grund dafür wurde ihr klar, als sie die Halle erreichten. Hermine streckte ihre Hand erschrocken nach Draco aus und stammelte „Das kann nicht sein. Das… das ist unmöglich. Wir sind eingesperrt!" Sie starrte auf die Mauer aus Fels vor ihnen, die mindestens drei Meter hoch zu sein schien, und ließ entmutigt die Schultern hängen. Sie fühlte sich auf einmal zu erschöpft und ausgelaugt, um ihrer Verzweiflung freien Lauf zu lassen.

Draco trat von ihrer Seite und legte eine Hand auf den Fels, als wolle er sich vergewissern, dass er wirklich da war. Dann hob er seinen Zauberstab und murmelte Wörter, die Hermine nicht verstand. Sie zeigten keinerlei Wirkung. Daraufhin ging er einen Schritt zurück und schleuderte Flüche gegen den Felsen. Manche prallten einfach ab, andere hinterließen kleine Risse im Gestein. Dracos Stimme wurde mit jedem Zauber lauter, während in Hermine die Angst wuchs.

Reductio!" rief Draco. „Destructo!" Kleine Felsstücke splitterten ab, Staub wurde aufgewirbelt und ein quaffelgroßes Loch war im Stein entstanden.

Draco hob einen kleinen Stein auf und schleuderte ihn wütend gegen den Felsen. „Verdammt!"

„Draco!", rief Hermine panisch und sank zu Boden. Sie fühlte sich so klein und hilflos. Wenn sie die Augen schloss, sah sie, wie die Felsen von allen Seiten langsam näher kamen um sie zu erdrücken. Und es gab keinen Ausweg, kein Licht, keine Farben, keine Luft.

Frustriert fuhr Draco sich mit der Hand durchs Haar und ließ sich neben der an der Wand lehnenden Hermine nieder.

„Was sollen wir jetzt machen? Wo sind Harry und Ron? Oh Gott, Draco… hier gibt es nichts… nur Stein…"flüsterte Hermine gegen seine Schulter, während er sie im Arm hielt. Draco gab ihr keine Antwort. Er wusste keine.

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Nachdem Ron ein paar Mal zwischen Halle und Kerker hin und her gelaufen war, setzte er sich in der Halle gegen die Wand gelehnt auf den Boden. Vielleicht hätte er doch bei Harry bleiben sollen, um ihm zu helfen. Falls der nicht auch eingesperrt war. Ron dachte zurück an den See. Die unsichtbare Wand hätte Harry niemals alleine durchdringen können…

Er legte seinen Kopf in den Nacken und starrte in die Dunkelheit hinauf. Sein leuchtender Zauberstab lag am Boden, sein Licht verlor sich in der Höhe.

Vielleicht sollte er versuchen den anderen Nachrichten zukommen zu lassen. Aber wie?

Ron seufzte. Und dann tat er das Unglaublichste, was man in solch einer Situation tun konnte: Er schlief ein.

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Nachdem Harry vor Verzweiflung geschrieen und geflucht, alle möglichen Zauber ausprobiert und sich aus Frustration gegen den Felsen geworfen hatte, sah er ein, dass sein Rückweg und damit der Weg zu Ron, Hermine und Draco versperrt war. Er verstand noch immer nicht, wie der Felsen einfach so von der Decke fallen konnte, noch, dass er so riesig war, um ihn in diesem Gang einzuschließen.

Harry drehte dem Felsbrocken schließlich seinen Rücken zu und betrat den engen Gang. Er konnte nicht erkennen, wohin dieser führte, nur dass er genau so schmal und niedrig war, wie der durch den sie gekommen waren.

Seine Gedanken kreisten um Ron, Hermine und Draco, als sich nach einigen Minuten die Einsamkeit wie ein erdrückendes Tuch über ihn legte. Er blieb stehen und sah zurück. Das Licht seines Zauberstabes erreichte den Eingang nicht mehr. Er sah nur Schwärze. Vor ihm bot sich das selbe Bild. Nichts als Finsternis. Harry glaubte, sein eigenes Herz gegen seine Rippen schlagen zu hören. Sonst drang außer seinem Atem nichts an seine Ohren.

Eine entsetzliche Panik befiel ihn plötzlich, so dass er such gegen die kalte Wand lehnen musste, um sich wieder zu beruhigen. Am liebsten wäre er umgekehrt, doch auch dann wäre er allein in der Finsternis.

Schließlich zwang er sich dazu, weiterzugehen. Seine eigenen Schritte dröhnten so laut in seinen Ohren, dass er glaubte, was auch immer am Ende des Ganges auf ihn lauerte, wüsste längst, dass er auf dem Weg war. Den Zauberstab fest in der Hand ging er weiter, ohne zu wissen wie lange und wie weit.

Irgendwann veränderte sich plötzlich der Klang seiner Schritte. Harry hob den Zauberstab in die Höhe und erstarrte. Sein erster Gedanke war, er sei zurück in Hogwarts. Oder vielmehr darunter: in der Kammer des Schreckens. Er befand sich in einer langen, düsteren Halle. An den Seiten erhoben sich steinerne Säulen, die bis zur Decke reichten und um die sich Schlangen aus Stein schlängelten. Säulen wie die, in deren Schatten Harry in seinem zweiten Schuljahr gegen das Monster Slytherins gekämpft hatte, nur dass diese Säulen hier aus dunklem Wasser ragten. Harry stand auf einem etwa zwei Meter breiten Steinsteg, der geradewegs zur anderen Seite der Halle führte. Darunter war das Wasser, das aussah, wie schwarze Tinte. Harry trat näher an den Stegrand und leuchtete mit dem Zauberstab auf das dunkle Nass. Das Licht wurde reflektiert, wie von einem Spiegel, sodass Harry nicht auf den Grund blicken konnte.

Noch während er auf die Wasseroberfläche starrte, hörte er ein leises Plätschern. Er fuhr zurück und blieb in der Mitte des Stegs stehen. Mit angehaltenem Atem suchte er nach dem Ursprung des Geräuschs. Schon plätscherte es wieder. Harry spähte umher, bis sein Blick an einer kleinen Welle direkt bei einer Säule hängen blieb. Es gluckerte und gurgelte leise, als das Wasser gegen den Stein schwappte.

Harry wartete mit wild klopfendem Herzen ab, doch nichts durchbrach die Wasseroberfläche. Langsam drehte er sich in der anderen Seite der Halle zu und ging geradeaus. Nach wenigen Schritten erkannte er im Schein seines Zauberstabes eine kreisrunde, geschlossene Tür, jedenfalls hoffte er, dass es eine war, aus glattem, schwarzem Stein.

Als er die Hälfte des Stegs hinter sich gebracht hatte, hörte er wieder etwas plätschern. Er drehte sich mit schweißnassen Händen nach rechts und entdeckte, wie sich das Wasser kräuselte.

Dann plätscherte es direkt hinter ihm, diesmal länger und lauter. Harry stand wie angewurzelt da. Das pure Grauen packte ihn, als er hörte, wie sich etwas aus dem Wasser auf den Steg zog. Er hörte Wasser auf Stein tropfen und schauderte, als ihm plötzlich bittere Kälte in die Glieder fuhr. Er war wie festgefroren.

Nasse, kalte und lange Finger glitten über seinen Nacken und legten sich langsam, fast liebkosend, um seinen Hals. Harry hörte auf zu atmen. Er spürte eisigkalte Wassertropfen über seinen Rücken laufen. Ihm war seltsam fiebrig zumute, doch er wusste, was seine einzige Möglichkeit war. Bevor sich die zweite Hand um seinen Hals schlang, sprang er mit einem lauten Schrei herum.

Incendio!", hallte seine Stimme von den Wänden wieder. Das furchtbare Wesen vor ihm taumelte vor den Flammen zurück. Harry wusste, was es war. Ein Inferius. Schreckliche Erinnerungen kamen in ihm hoch, die Toten in der Höhle, Dumbledore, der den Trank schluckte…

Der Inferius vor ihm ließ sich leise zurück in das dunkle Wasser gleiten. Harry sah den Kopf unter Wasser tauchen, als er sich mit einem Mal der Geräusche um ihn herum bewusst wurde. Die Schritte nackter Füße, das Knirschen von Fingernägeln auf Stein und überall Wasser, das gegen die Säulen schlug, Wasser, das auf den Steg tropfte, Wasser, das von toten Körpern durchbrochen wurde.

Harry sah sie überall, wie sie auftauchten, sich auf den Steg zogen und auf ihn zukamen. Er ließ Flammen aus seinem Zauberstab lodern und bewegte sich vorsichtig auf die geschlossene Tür zu. Er konnte im flackernden Licht nicht erkennen, wie viele Inferi es waren, denn sie hielten sich außerhalb der Reichweite seiner Flammen.

Doch bald hatten sie ihn eingekreist. Verzweifelt versuchte Harry sich mit dem Feuer einen Weg zur Tür zu bahnen, aber die Inferi kamen näher und näher, nach ihm greifend und tastend, die leblosen Augen schienen feurig zu flackern.

Harry flehte mit jeder Faser seines Körpers, dass sich die Tür öffnen würde und rannte mit gehobenem Zauberstab vorwärts. Er nahm kaum wahr, wie sein Feuer das tote Fleisch angriff und fühlte kaum die weißen Finger, die ihn streiften. Er sah nur, dass er es schaffen konnte.

Die Hitze des Feuers und die Kälte des Todes um ihn herum schienen seinen Körper zu lähmen, doch Harry brachte all seine Willenskraft auf, zwang sich weiter und weiter und kämpfte sich einen Weg durch die Inferi. Die schrecklichen Wesen wichen im letzten Moment vor dem Feuer zurück.

Beinahe wäre er gefallen, als eine Hand sein Bein zu fassen bekam. Lange Fingernägel gruben sich unbarmherzig in sein Fleisch, sodass Harry vor Schmerz stöhnte. Er wirbelte herum und richtete seinen Zauberstab auf die Hand. Flammen schossen hervor und er entkam dem Griff des Inferius.

Er drehte sich wieder um und kurz danach stieß seine ausgestreckte Hand gegen den glatten Stein der Tür. Harry fuhr herum und presste seinen Rücken dagegen. Mit einer Hand tastete er die Tür ab, drückte und schob, mit der anderen versuchte er die Inferi in Schach zu halten, die sich geschlossen auf ihn zu bewegten.

Mit Verzweiflung stellte Harry fest, dass die Tür sich auf diese Weise nicht öffnen ließ. Ihm fiel nur eine Möglichkeit ein.

„Aufmachen", flüsterte er. Er versuchte, den Schrecken vor seinen Augen zu verdrängen, sich zu konzentrieren, rief sich eine Schlange ins Gedächtnis und sprang herum.

Öffne!", rief, nein, zischte er - auf Parsel. Und die Tür schob sich leise zur Seite. Harry hastete hindurch und schob sie mit letzter Kraft wieder zu.

Keuchend sank er zu Boden.

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A/N: Als erstes wiederhole ich, was ich beim letzten Mal schon gesagt habe: die ein oder andere Sache wird noch erklärt und wirkt dann vll logischer

Gifty: Wow, danke für den lieben Kommi

Tanya: Du bist bei Ron schon auf was Wichtiges gestoßen, auch wenn du's wahrscheinlich gar nicht gemerkt hast –gg-

Noch kurz zu dem Panther: 1. Ich hasse Katzen –lol- 2. Er wirkt vll ein bisschen übertrieben mächtig, mit dem Tarnen, dem Sturmerzeugenden Schwanz und dem an der Decke laufen… ich hab mir das so gedacht, dass er für diese ganzen Fähigkeiten ziemlich viel Kraft braucht, aber ziemlich schnell geschwächt wird, weshalb er letztendlich nicht so gefährlich ist, wie man es vll erwartet… mehr über ihn wird Hermine, falls sie dazu je wieder die Chance hat, in der Bibliothek rausfinden –gg-