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24.

„Da bin ich auch schon wie…" Rokko stockte, als er Sia nicht da antraf, wo er sie zurückgelassen hatte. „Sia?", fragte er irritiert und sah sich um. „Hey, was soll denn das?", rannte er auf die Gruppe pubertierender Mädchen zu, als er seine Freundin in ihrer Mitte entdeckte. Da die Mädchen offenbar überhaupt nicht mit ihm gerechnet hatten, war es kein Problem für Rokko, sich an ihnen vorbeizudrängeln und vor Sia zu stellen. „Los, verschwindet!", zischte er die Mädchen an. „Wer bist du denn?", wollte das Mädchen wissen, das Sia beschuldigt hatte, ihre Katze gegessen zu haben. „Ich bin ihr Freund und ich will, dass ihr Halbstarken verschwindet." – „Tz", lachte sein Gegenüber. Blitzschnell griff sie in ihre Jackentasche und förderte ein Messer zu Tage. Sie ließ es direkt vor Rokkos Nase aufspringen. „Was willst du?", wollte sie von ihm wissen. „Dass ihr woanders spielen geht", erwiderte Rokko mutig. Der Teenager machte eine hektische Bewegung mit dem Messer, so dass Rokko – in Erwartung, sie würde ihm den Gegenstand in den Bauch rammen – die Augen schloss. „Hahahahahaha", hörte er plötzlich eine Stimme lachen. „Los, Abmarsch", forderte sie ihre Begleiterinnen auf.

Als die Gruppe um die nächste Ecke war und Rokko somit der Überzeugung, dass sie nicht plötzlich zurückehren würden, drehte er sich zu Sia um. „Hey Zorro, wo bist du denn so plötzlich hergekommen?", scherzte Sia gequält. „Ist alles in Ordnung mit dir?", wollte Rokko von ihr wissen. „Hm", brummte sie. Rokko versuchte krampfhaft, Sias Blick zu erhaschen. „Haben die dir wehgetan?" – „Nein", wiegelte Theresia ab. „Und nun sei nicht so lieb zu mir, sonst fange ich noch an zu heulen." – „Und was wäre so schlimm daran? Es ist okay, wenn dich das traurig macht." – „Es macht mich nicht traurig, es macht mich unglaublich wütend – ich würde Trotztränen heulen und das sind diese Tussen nicht wert." Rokko gluckste kurz amüsiert. „Das ist mir seit meiner tiefsten Pubertät nicht mehr passiert", echauffierte Sia sich. „Aber ich werde mir den Tag davon nicht ruinieren lassen. Wir wollten zu Lars' Fest, schon vergessen?" Angesichts Sias entschlossenen Tonfalls hatte Rokko beinahe das Bedürfnis zu salutieren. „Okay, okay. Ich habe den Autoschlüssel. Lass uns fahren."

Insgeheim war Rokko Loretta dankbar, dass sie einen Automatikwagen fuhr. So konnte er seine Hand auf Sias Knie legen und sie so beruhigen. „Weißt du eigentlich, dass wir uns so kennen gelernt haben?", lachte er plötzlich. „Wie bitte?", fragte Sia irritiert. „Naja, an dem Morgen, als Thea dir im Park über die Unterlagen gerannt ist, kam ich gerade aus dem Krankenhaus. Loretta war am Vorabend zusammengeschlagen worden." – „Hm, ich erinnere mich", gestand Sia. „Aber mal ehrlich – egal, wer jetzt seine große Liebe gefunden hat: Ich hätte auf dieses Erlebnis echt verzichten können." – „Das glaube ich", stimmte Rokko zu. „Hey, jetzt vergessen wir die einfach und machen uns einen schönen Tag, ja?" – „Ja", lächelte Sia. „Tut mir leid, wenn ich dir einen Schreck eingejagt haben sollte." – „Du nicht. Diese Tussen schon eher", lehnte Rokko die Entschuldigung seiner Freundin ab.

„Da seid ihr ja schon", strahlte Melanie, als sie ihren Sohn und dessen Freundin durch das Tor des Werkstattsgeländes kommen sah. „Lars freut sich schon so auf euch." – „Wo ist er denn?", wollte Rokko wissen. „Irgendetwas vorbereiten. Tut ihr mir bitte einen Gefallen", wurde Melanie ernst. „Was denn, Mama?" – „Trinkt ihr bitte keine Cola… also, zumindest nicht, wenn Lars es sieht? Du weißt ja, wie wild dein Bruder auf dieses Gesöff ist und wie aufgedreht er immer ist, wenn er zu viel Zucker intus hat. Und wenn er euch dann sieht und selbst nicht darf…" Flehend sah Melanie die beiden jungen Leute an. „Das ist kein Problem", versicherte Sia ihr. „Gibt es hier denn irgendeinen Ablauf?", wechselte sie dann das Thema. „Nicht, dass wir irgendeine lustige Aktivität verpassen." – „Ähm, ja… naja… einen gewissen Ablauf gibt es", lächelte Melania. „Gleich geht's los mit der Begrüßung durch den Werkstattsleiter, dann gibt es einen Basar mit Werkstattsprodukten, nebenbei Spiele wie Ringwurf, Eierlaufen, Traktorfahren mit den Landschaftsgärtnern – da ist Lars dann auch. Später gibt es eine Führung durch die Werkstatt. Joah, das ist so die grobe Planung." – „Schön", freute Sia sich.

„Oh, gewinnst du so einen Korb für mich?", bettelte Sia nach einigen Stunden Spaß auf dem Fest. „Du, ich glaube, an einem der Stände gab es die zu kaufen", druckste Rokko herum. „Aber das hat nicht denselben Spaßfaktor. Komm schon", drängte Sia ihren Freund. „Dir ist aber schon klar, dass du bei meinen motorischen Fähigkeiten wahrscheinlich leer ausgehst?" Rokko nahm einen Ring und zielte auf einen der Kegel. „Für die Körbe muss der auf den mittleren", erklärte ihm ein Kollege von Lars. „Oh je", seufzte Rokko. „Gibt's auch Trostpreise?" – „Ja", lachte der junge Mann. „Hier", deutete er auf gehäkelte Topflappen. „Oy, da muss ich mich richtig anstrengen, sonst bin ich gleich wieder Single." Rokko holte aus und verfehlte den Kegel. Sia konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. „Los, noch mal. Es ist für einen guten Zweck – sogar für zwei gute Zwecke, für mich und für die Werkstatt", ermutigte sie Rokko. Dieser griff tief in seine Hosentasche und drückte dem Betreuer des Spiels einen Fünfeuroschein in die Hand. „So, jetzt ist mein Ehrgeiz geweckt."

„Betrachte es so", lachte Sia. „Pech im Spiel, Glück in der Liebe." Sie hielt Rokko ein paar lila Topflappen unter die Nase. „Und die sind ja auch nicht schlecht." Rokko lachte ausgelassen und zog Sia an sich heran. „Mein Ego ist trotzdem irgendwie angekratzt", schmunzelte er. „Was machen wir als nächstes?", wechselte Sia ausgelassen das Thema. „Wir könnten an der Führung durch die Werkstatt teilnehmen. Ich meine, ich kenne sie ja schon, aber mit dir würde ich glatt noch mal mitgehen." – „Au ja, das klingt viel versprechend." Lachend griff Sia nach Rokkos Hand und zog ihn hinter sich her zum Treffpunkt, von wo aus die Führung losgehen sollte.

„Das ist eines unserer Wohnheime", schloss der Werkstattsleiter die Führung. „Ich", flüsterte Lars Sia zu. Irgendwann hatte er sich einfach der Führung angeschlossen und war der Freundin seines Bruders nicht mehr von der Seite gewichen. „Du wohnst hier?", lächelte Sia ihn an. „Ja", kicherte Lars. „Zimmer zeigen", schlug er vor. „Geht das? Ich meine, dürfen wir das? Nicht, dass es Ärger gibt." – „Ach was", winkte Rokko ab. „Die sind hier wirklich großzügig." Lars sah Sia hoffnungsvoll an. „Okay, dann zeig mir dein Zimmer." Lars wollte losgehen, als er sah, dass Rokko die Absicht hatte, mitzugehen. „Nee", quengelte der Autist. „Du kennst." – „Na reizend. Jetzt werde ich einfach ausgeladen", schmunzelte Rokko. „Na gut, geht ohne mich, aber wehe du spannst mir Sia aus", warnte Rokko scherzhaft.

„Ein schönes Zimmer hast du hier. Die Farbe der Wände ist toll", bestaunte Sia Lars' Zimmer ganz besonders enthusiastisch. „Rokko", erklärte Lars. „Er hat die Farbe ausgesucht?" – „Nee. Ich." – „Du hast die Farbe ausgesucht. Also hat Rokko gestrichen?" – „Nee", erwiderte Lars. Sia grübelte – irgendwie gingen ihr die Möglichkeiten aus, inwiefern Rokko mit der Farbe an Lars' Wänden in Verbindung stand. „Herr Kowalski hat die entscheidende Finanzspritze für die Umbauarbeiten geleistet", drang plötzlich eine Frauenstimme von der Tür zu Sia durch. Diese sprang sofort vom Bett auf. „Ähm, Lars wollte mir nur sein Zimmer zeigen. Ich bin so gut wie weg", versicherte sie. „Das ist doch überhaupt kein Problem. Eine Freundin der Familie?" – „Ich bin Rokkos Freundin", erklärte Sia. „Ach menno", lachte die Betreuerin. „Jetzt habe ich 20 Euro verloren." – „Bitte?", hakte Sia verwirrt nach. „Naja, ich hatte gewettet, dass Lars' Bruder Single ist. Für ihn freut es mich natürlich – nur für meinen Geldbeutel nicht." Sia konnte ein Lachen nicht unterdrücken. „Tja, also, wenn es Ihnen hilft, ich schwärze Sie bestimmt nicht an, wenn Sie diese Information nicht weitergeben und sich das Geld sparen." – „Schon gut. Wettschulden sind Ehrenschulden – außerdem wollen Sie doch nicht, dass meine Kolleginnen Ihren Freund angraben, oder? Ich lasse Sie dann mal wieder alleine. Sollte es Probleme geben, ich bin im Zimmer am Ende des Flurs, ja? Ich wollte wirklich nur sicher gehen, dass Lars sich nicht vom Fest abschottet. Das macht er nämlich gerne – nicht wahr Lars?" – „Nee", kicherte Rokkos Bruder. „Lügst du?" – „Ja", lachte Lars wieder. Sia betrachtete ihn. „Woher wissen immer alle, wann er lügt und wann nicht?", wollte sie von seiner Betreuerin wissen. „Dann wandern seine Augen so schnell hin und her", erklärte die Betreuerin. „Naja, das merken Sie auch schon noch irgendwann. Auf jeden Fall freut es mich, dass Lars so einen guten Kontakt zu Ihnen hat", versicherte sie Sia. „Nun lasse ich Sie aber wirklich in Ruhe."

Eigentlich wollte Sia schon wieder zu Rokko gehen, aber Lars hielt sich immer wieder zurück. Er zog eine Schublade nach der anderen in seinem Zimmer auf. In der allerletzten – der untersten von seinem Nachttisch – fand er dann, was sein Herz begehrte: Eine Einwegkamera. „Willst du Fotos vom Fest machen?", fragte Sia, als sie Lars' Schatz entgegennahm. „Lars, das tut mir leid. Die ist abgelaufen. Es könnte sein, dass du keine schönen Bilder damit machen kannst." Lars' Gesicht verzog sich weinerlich. „Hey, nicht traurig sein. Rokko hat eine Kamera dabei. Du kannst ihn fragen, ob er Fotos für dich macht." – „Kein Computer", erwiderte Lars. „Das ist doch nicht so schlimm. Man kann die Fotos doch ausdrucken. Das ist wirklich kein Problem. Komm, wir gehen gleich mal zu Rokko und fragen ihn, ob er Fotos für dich machen kann, ja?" Misstrauisch musterte Lars, wie Sia aufsprang und ihm ihre Hand hinhielt. „Oooo-kay", erwiderte er zögerlich, bevor er nach ihrer Hand griff.

„Ich hatte schon Sorge, ihr würdet gar nicht mehr wiederkommen", schmunzelte Rokko, als seine Freundin und Lars zurückkamen. „Wir haben ein großes Problem", eröffnete diese ihm gespielt ernst. „Lars hat eine Einwegkamera, deren Haltbarkeitsdatum überschritten ist. Er hätte aber gerne Fotos vom Fest. Du bist die Rettung. Du hast deine Kamera doch dabei, oder?" Rokko griff wortlos in seine Hosentasche und holte besagten Gegenstand hervor. „Was willst du denn fotografieren, Lars?" – „Sia und dich." – „Du willst ein Foto von uns beiden? Das musst du dann aber selber schießen." Rokko stellte die Kamera an und zeigte Lars, wo er gucken und abdrücken musste. „Wir müssen dann auch irgendwie eine Möglichkeit finden, dass Foto für ihn auszudrucken. Das habe ich ihm versprochen", raunte Sia ihm zu. „Kein Ding", lächelte Rokko ihr zu. Er war mehr als dankbar, dass Sia so gut mit Lars konnte.

„Ich weiß ja nicht, warum Lars ein schiefes Foto von uns geschossen hat, aber ich finde, wir sehen toll zusammen aus", bemerkte Rokko kritisch, als er mit Sia aus einem Copy-Shop kam. „Ich finde es witzig – gerade Fotos kann doch jeder schießen", lachte diese. „In der Tat. Sie sind wirklich gut geworden. Ich kenne Fotografen in der Modebranche, die das nicht viel besser könnten. Ich finde es nur amüsant, dass bei den knapp 100 Fotos, die Lars in so kurzer Zeit geschossen hat, kein einziges dabei ist, dass wirklich gerade ist." Rokko blieb plötzlich stehen. „Was ist?", wollte Sia wissen. „Das ist ein Blumenladen." – „Ähm, der Kandidat hat volle Punktzahl", zog Sia ihn auf. „Ich würde gerne… also… ich war ewig nicht mehr bei meinem Vater auf dem Friedhof", gestand Rokko leise. „Dann geh rein, hol ihm ein paar schöne Blumen und wir fahren hin", ermutigte Sia ihn.

„Möchtest du, dass ich mitkomme oder soll ich hier warten?", wollte Sia von Rokko wissen, nachdem er Lorettas Jeep vor dem Friedhof geparkt hatte. „Ich glaube, es wäre mir lieber, wenn du mitkommst", seufzte Rokko. „Gut, dann komme ich mit", erwiderte Sia mit fester Stimme. „Ein zweiter Strauß?", fragte sie, als sie die Blumen von der Rückbank holte. „Hm, meine Oma ist hier auch begraben. Mein Vater hat sich ja nie viel aus Blumen gemacht, aber es erschien mir irgendwie ungerecht, nur ihr Blumen mitzubringen." – „Du bist so süß", lächelte Sia. „Na komm, es wird nicht leichter, wenn du jetzt zögerst."

„Ich war 12, als meine Oma starb. Ich habe sie sehr geliebt", gestand Rokko. „Sie war eine wichtige Bezugsperson in meinem Leben." – „Sind Omas das nicht immer?", sinnierte Sia. „Ja, vermutlich." Rokko ging in die Hocke und steckte den Blumenstrauß in eine Vase auf dem Grab. Anerkennend bemerkte Rokko, dass sich sein Mutter wirklich gut um sowohl um das Grab ihres Mannes als auch ihrer Schwiegermutter kümmerte. Rokko stand wieder auf und warf noch einmal einen Blick auf das Grab seiner Oma, dann einen auf das daneben liegende Grab seines Vaters. Er spürte genau, wie Sia nach seiner Hand griff und sie drückte. „Lass uns gehen", forderte er sich gequält lächelnd auf. „Sicher? Wir können gerne noch bleiben, wenn du das möchtest." – „Nein, das war genug für heute", versicherte Rokko ihr.

„Wieso halten wir hier?", wollte Sia auf dem Rückweg zu Melanies Wohnung plötzlich wissen. Rokko warf einen Blick auf das Gebäude, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite lag. „Hier hat mein Onkel gewohnt. Das hatte ich völlig vergessen", seufzte er. „Das muss ewig her sein, oder? Sieht so aus, als würde das Gebäude bald abgerissen", stellte Sia fest. „Hm, schon möglich." – „Besuchen wir jetzt deinen Onkel?", fragte Sia fröhlich – sie freute sich darauf, noch mehr Mitglieder aus Rokkos Familie kennen zu lernen. „Nein. Rüdiger ist schon seit Jahren tot", erklärte Rokko knapp. „Oh", entfuhr es Sia. „Aber auf dem Friedhof… es gab kein Grab von ihm – zumindest nicht bei deiner Oma und deinem Vater…" – „Onkel Rüdiger wurde anonym bestattet. Alle hatten Angst, das Grab könne geschändet werden." – „Geschändet? Wieso denn das?", bohrte Sia weiter. „Ich glaube, die Eltern von dem kleinen Mädchen, dass er auf dem Schulweg entführt und hinterher missbraucht hat, hätte es nicht so gut gefallen, wenn er irgendwo freizugänglich namentlich beerdigt wäre, von seinem Opfer einmal abgesehen. Die Geschichte war wochenlang in allen Zeitungen." Theresia traf diese Information so unvorbereitet, dass sie nicht wusste, was sie antworten sollte. „Der feige Hund hat sich einfach am nächst besten Baum aufgehängt, nachdem er aufgeflogen war. Es hat ihn einen Scheißdreck geschert, wie es Lars und diesem Mädchen geht…" – „Lars?", hakte Sia entsetzt nach. „Ja, da tun sich die Abgründe der Kowalski-Familie auf. Ja, mein Onkel hat meinen Bruder missbraucht." – „Hat er es bei dir auch mal probiert?" – „Nein. Ich bin ja auch nicht in meinem Körper gefangen. Ich hätte nicht geschwiegen und das wusste er. Ich meine, Lars einzureden, dass Mama sterben würde, wenn er nicht mitmacht." Rokko stellte den Hebel von „Park" auf „Drive". „Lass uns fahren. Es gibt sicherlich schönere Dinge, die wir in Bremen tun können." Während Rokko stur geradeaus sah, warf Sia einen letzten Blick auf das Haus, in dem Rokkos Onkel gewohnt hatte. So schlimm diese Geschichte auch war – innerlich war sie froh, dass Rokko ihr davon erzählt hatte. Er vertraute ihr also doch!

„Lars hat sich wie ein Schneekönig über das Foto von uns gefreut. Wie gut, dass ich es zweimal ausgedruckt habe. Eines hat er nämlich gleich gefaltet und in seine Bauchtasche gesteckt und das andere in sein Regal gesteckt", verkündete Rokko, als er in sein Zimmer kam. Sia sah von ihrem Buch auf. „Das freut mich für ihn." – „Übrigens, bevor wir morgen nach Berlin aufbrechen, bringen wir Lars zurück in sein Wohnheim. Dann hat meine Mama einen Weg weniger und er hat uns noch einmal für sich ganz alleine. Ich hoffe, das ist dir Recht." – „Ist es", bestätigte Sia. Mittlerweile hatte sie ihr Buch ganz weggelegt und lächelte Rokko an. Dieser kletterte zu ihr ins Bett und gab ihr einen innigen Kuss.

Rokko spürte, wie Sias Hand vorsichtig unter sein T-Shirt wanderte. Fragend sah er sie an. „Ähm", errötete sie. „Ich… also… lass uns doch einfach mal etwas probieren, ja?" – „Und was?", fragte Rokko unsicher. „Naja…", begann Sia zu erklären. „… wir könnten doch einfach mal… naja… den Körper des anderen erkunden – ohne den Druck, bis zum äußersten gehen zu müssen. Das wird sicher auch noch passieren – irgendwann, später." – „Du meinst, wir sollten Petting haben?", zog Rokko seine Freundin auf, die mittlerweile feuerrot im Gesicht glühte. „Petting?", hakte sie nach. „So haben die von der ‚Bravo' das immer genannt." – „Du hast die ‚Bravo' gelesen?", zog Sia ihn auf. „Jep. Nicht, dass ich mich wirklich für irgendwelche Sänger und Schauspieler interessiert hätte, aber… naja… ich war ja schon wunderlich genug. Weißt du, ich musste ja immer sofort nach Hause – wegen Lars, bin nur selten mit zu Klassenkameraden gegangen und mit zu mir habe ich nie jemanden genommen… naja bis jetzt", grinste er Sia an. „Tja, ich habe mir dann von Zeit zu Zeit eine ‚Bravo' gekauft, um wenigstens ein bisschen mitreden zu können." Sia legte den Kopf schief. „Tz, du versuchst doch nur, Mitleid bei mir zu erregen", grinste sie. „Naja, vielleicht", gab Rokko ebenso grinsend zu. „Funktioniert aber nicht", lachte seine Freundin. „Tja, einen Versuch war es wert", schmunzelte Rokko. „Aber was deinen Vorschlag betrifft", wurde er dann ernst. „Lass es uns versuchen", ging er auf Sias Wunsch ein. „Das ist, als würden wir unsere Pubertät jetzt nachholen." – „Genau", lächelte Sia, weil Rokko verstand, worum es ihr ging. „Wir streicheln uns einfach ein bisschen und küssen uns und…" Rokko legte seine Lippen auf Sias und brachte sie so zum Schweigen.