Kapitel 28

Das Gegenwärtige

Regina schlug die Tür ihres Autos zu und zog ihre Jacke fester um ihren schmalen Körper. Häuser warfen tiefe Schatten auf den Asphalt und der Wind trieb Papierfetzen über die Straßen. Die Schwarzhaarige wartete darauf, dass ein Auto sie passierte und überquerte die Straße in einem hastigen Schritt. Ihr Herz klopfte heftig in ihrer Brust, vergrößerte den Kloß in ihrem Hals, doch sie steuerte bestimmten Schrittes auf das Haus zu, in dem Robin und seine Söhne wohnten. An der Haustür angekommen hob sie ihre Hand, führte sie vor dem Klingelknopf und hielt inne. Sie überlegte, ob es nicht besser wäre, zu gehen und ihm nie wieder unter die Augen zu treten, nach dem, was bei ihrem letzten Zusammensein geschehen war, doch sie konnte die quälenden Gedanken nicht mehr ertragen. Robins verletzter Gesichtsausdruck verfolgte sie bis in die wenigen Stunden Schlaf, die ihr vergönnt waren. Mit seinem Gesicht kehrte ein Gefühl der Scham und Schuld in ihre Gefühlswelt zurück, welches sie in diesem Ausmaß noch nie zuvor verspürt hatte. Es tat ihr Leid, wie sie den Hilfssheriff behandelt hatte, tat ihr Leid, als sie sich an seine Worte erinnerte, dass er keiner ihrer Hunde wäre. Es waren nicht seine letzten Worte in dieser Nacht gewesen, doch sie führten ihr vor Augen, wie schäbig sie ihn behandelt hatte. In den wenigen vergangenen Tagen, seit sie ihn, in ihrem Wahn gefangen, schäbig aus dem Haus geworfen hatte, ließ Robin nichts mehr von sich hören. Nicht einmal eine Sms fand den Weg zu ihr. Der Gedanke daran, hatte eine neue Art von Angst in ihr heraufbeschworen. So sehr sie sich vor der emotionalen Nähe fürchtete, es war kein Vergleich zu der Furcht, die sie bei dem Gedanken befiel, dass er sich von ihr abwenden könnte. Der Kloß in ihrer Kehle schwoll an und ihre Finger zitterten, als sie den Mut aufbrachte, zu klingeln. Ein Knarzen erklang an der Gegensprechanlage und für einen winzigen Augenblick glaubte sie, dass ihre Stimme versagen würde, doch Robin öffnete die Tür, ohne zu fragen, wer da sei.

Die Schwarzhaarige ging die Treppe hinauf. Ihre Hand glitt über das kalte Material des Geländers. Ihre Knie waren weich, doch es half alles nichts. Sie musste sich entschuldigen, musste ihn wenigstens wissen lassen, dass es ihr Leid tat. In einem anderen Leben hätte sie selbst alle Bande zerschnitten, hätte sie eine ihrer zahlreichen, unnahbaren Masken aufgesetzt und wäre alles übergangen, doch die Zeiten hatten sich geändert. Sie hatte sich geändert.

Durch die noch geschlossene Tür, drang das Schreien des Babys, woraufhin sie ihre Schritte beschleunigte. Unweigerlich krampfte ihr Herz bei dem Laut und das Bedürfnis die Tür aufzuhexen und zu dem Kind zu stürmen, wuchs in ihrem Innern. Doch bevor sie diesem Impuls nachgeben konnte, öffnete sich die Tür und Robin stand vor ihr.
„Mills?" Überraschung lag in seiner Stimme, doch sein Gesicht spiegelte diese nicht wider. Dunkle Ringe lagen um seine Augen, wie ein düsteres Ufer an einem blauen See. Die Angesprochene versuchte sich in einem Lächeln. Ihr Herz raste, als die Scham der vergangenen Tage sich ihrer Bemächtigte.

„Hi!", sie holte tief Luft, um zu ihrer Entschuldigung anzusetzen, bevor ihr Stolz die Oberhand gewann.

„Ich weiß, du hast mich sicherlich nicht erwartete und es auch war auch nicht einfach hier..."

„Komm rein, Mills. Setzt sich, wenn du willst. Ich muss nach dem Jungen sehen!"

Regina riss die Augen auf und öffnete ihre Lippen leicht, als Robin sie einfach stehen ließ. Sie blickte seiner Gestalt hinter her und erkannte den müden Gang schlafloser Nächte. Regina setzte sich an den Küchentisch und überlegte, ob sie bleiben oder besser verschwinden sollte, doch das lauter werdende Weinen hinderte sie daran, ihren eigenen Gedanken zu folgen.

Robin kehrte mit seinem Sohn zurück und wiegte ihn in seinem Arm. Kurzzeitig verebbte das Weinen, schwoll ab zu einem leisen Wimmern, doch kaum dass der Vater aufhörte zu laufen und zu wiegen, brüllte das Kind von Neuem los. Sein Blick blieb auf das Gesicht seines Sohnes gerichtet, während er in der Wohnküche auf und ab ging und das Wort an Regina richtete.„Entschuldige, ich hatte dich unterbrochen, was wolltest du sagen?"

Regina schüttelte ihren Kopf. Seine momentane Hilflosigkeit, schien die schäbige Nacht in weite Ferne gerückt zu haben und so winkte sie ab.

„Schon okay, das kann warten. Was ist denn los?"

Als Antwort zuckte Robin mit den Schultern.

Er treibt mich in den Wahnsinn, das ist los

„Ich weiß es nicht. Er hat die ganze Nacht nur geweint und gequäkt. Immer wenn er eingeschlafen ist, dann höchstens für ein paar Minuten und dann ist er wieder aufgeschreckt und hat rum gebrüllt. Ich war sogar schon im Krankenhaus, aber ihm fehlt nichts. Und jetzt renne ich schon seit letzter Nacht mit ihm durch die Gegend. Nicht mal mit dem Auto fahren beruhigt ihn und da schläft er sonst nach wenigen Minuten. Und jetzt ist er übermüdet und findet einfach nicht in den Schlaf...ich weiß einfach nicht, was ich noch tun soll. Ich kann ihn nicht wieder die ganze Nacht schleppen."

Plötzlich löste er seinen Blick von dem Antlitz seines Sohnes und schaute Regina direkt in die Augen.
„Ich dreh durch...Ich kann nicht mehr, Regina!"

Der Hilfssheriff stand mit hängenden Schultern und ebensolchen hängenden Mundwinkeln mit dem weinenden Bündel in seinen Armen und wirkte überfordert. Er verhehlte nicht, dass er seine Grenze erreicht hatte, verhehlte nicht, dass es ihm nach allem was geschehen war, einfach zu viel in diesem Moment war.

Regina lauschte seiner Erklärung und konnte das Mitleid nicht verdrängen, welches sich ihres Wesens bemächtigte. Sie erhob sich, ging auf ihn zu und nahm ihm einfach den schreienden Jungen aus dem Arm. Robin beobachtete sie dabei mit einem verdutzten Ausdruck, welcher sich vertiefte, als ihre Stimme sanft in sein Ohr drang.
„Hey, du kleiner Spatz!", redete sie auf das Kind ein. „Was ist denn los?"

Sanft wiegte sie ihn in ihren Armen und streichelte ihm dabei zärtlich über die feuchte Wange.
„Das sind ja richtige Tränen, Spätzchen!...Mhhhh...Alles gut...psch..."

Sie übernahm das auf und ab laufen, welches Robin bis vor kurzem vollführt hatte, löste sich nur einmal kurz von dem Anblick des Kindes in ihrem Arm und wandte sich dem aschblonden Mann zu.

„Gönn dir eine heiße Dusche, ich übernehme ein bisschen!"

Sonst kippst du mir heute noch aus den Latschen, so fertig wie du aussiehst

Unglaube schlich sich in Robins Blick, wie ein Windhauch in einer lauen Nacht. Für einen Augenblick stand er einfach da und starrte sie mit leicht geöffneten Mund an, doch im Nächsten mischte sich Dankbarkeit dazu und ein Ruck durchfuhr seinen Körper. Er ging in Richtung des Badezimmers und blieb vor der Tür stehen. Schnell warf er einen Blick über die Schulter, suchte nach Reginas Gestalt und seufzte, als die Wucht ihrer letzten gemeinsamen Nacht, auf ihn einschlug.
„Du musst das nicht tun..."

Das Lächeln, welches sie ihm schenkte, hatte er nicht erwartet und so riss es ihm den Boden unter den Füßen weg, als sie ihm mit eben diesem antwortete.

„Ich weiß, aber ich will."

Himmel Locksley...die wird noch mal dein Verderben...Wird?...Sie ist es längst

„Danke Mills, das weiß ich zu schätzen."

„Nichts zu danken. Ich hab noch einiges gut zu machen, wegen letztens.", schaffte sie endlich den Ansatz einer Entschuldigung und verteufelte ihn in der nächsten Sekunde dafür, dass er ihr Verständnis entgegen brachte.

„Schon okay, dir ging es nicht gut.", führte er ihre fadenscheinige Ausrede an, verschwand ins Badezimmer und ließ die Achtung, welche sie für ihn hatte, um ein Weiteres ansteigen.

Regina blieb mit dem kleinen Jungen zurück und lief weiter mit ihm durch den Raum. Ihre Augen besahen sich das kleine Chaos, welches Robin veranstaltet hatte. Benutzte Teller lagen noch auf dem Tisch, die Couch war mit Decken und Kissen übersät. Der Maxi- Cosi des Jungen stand in der Spüle und die benutzten Flaschen auf dem Boden neben der Eingangstür. Die Schwarzhaarige schüttelte mit leichtem Amüsement ihren Kopf und hob den Jungen in eine andere Positionen. Sie setzte ihn auf und hielt ihn unter den Achseln, bevor sie ihn sachte an ihren Oberkörper schmiegte. Als sein Gesicht in ihrer Halsbeuge verschwand und sie ihre Wange an sein Köpfchen legte, konnte sie sein leises Seufzen vernehmen.

„Psch...alles ist gute, Spätzchen...psch...nicht weinen...", redete sie weiter beruhigend auf ihn ein.

Sie lief weiter mit ihm hin und her und atmete durch, als der Junge allmählich verstummte. Ein Blick auf das kleine Bündel Leben in ihrem Arm und sie konnte sehen, dass er eingeschlafen war, doch Regina wagte es nicht anzuhalten, oder das Baby gar in sein Bettchen zu bringen. Und so lief sie weiter mit ihm bis Robin geduscht und in einem frischen Schlafanzug zurückkehrte. Seine Erscheinung wirkte entspannter, auch wenn die dunklen Schatten unter seinen Augen nicht verschwunden waren. Der aschblonde Mann schaffte nun sogar ein leichtes Lächeln, erst Recht, als er die Stille wahrnahm, die Regina heraufbeschworen hatte.

„Himmel, er ist eingeschlafen?!", kam es leise aus seinem Mund, woraufhin Regina nickte, um den Jungen nicht zu wecken. Robin schritt an sie ran, blickte voller Dankbarkeit in ihre dunklen Augen und streichelte ihr mit eben dieser Dankbarkeit über das Schulterblatt.

Danke Regina

Regina machte einen leichten Kopfdeut in Richtung der Schlafzimmertür und Robin verstand. Er lief voraus, um der Frau die Tür zu öffnen, damit sie das Baby zurück in sein Bettchen legen konnte. Behutsam löste sie seinen schlafenden Körper von dem ihren und hielt einen Moment die Luft an, als seine Beinchen leicht zuckten und er im Schlaf die Lippen verzog.

„Psch...schlaf weiter...", machte sie liebevoll und legte ihn schlussendlich in das Bett. Sie starrten auf den Jungen und wagten erst richtig durchzuatmen, als einige Zeit verstrichen war und der Namenlose nicht erwachte. Robins Hand fand ihr Ziel in Reginas Rücken und forderte sie so stumm auf, das Zimmer zu verlassen. Die Schwarzhaarige kam dieser Aufforderung nach. Kaum erreichten sie die Tür, da zuckten beide zusammen, denn der Junge begann erneut zu weinen. Der Hilfssheriff schloss die Augen und sog die Luft scharf in seine Lungen.

„Ich mach schon, setz dich etwas auf die Couch...", sagte die Bürgermeisterin.

Er wollte ihr widersprechen, wollte ihr sagen, dass sie sich nicht mit seinen Problemen abmühen musste, doch er konnte es nicht. Robin musste sich eingestehen, dass ihm ihre Anwesenheit half, sich endlich wieder zu entspannen, dass ihr Anblick mit dem Jungen etwas in ihm zum Klingen brachte und so kapitulierte er mit einem Nicken, bevor er das Zimmer verließ. Im Wohnbereich ließ er sich auf das Sofa fallen und horchte dem Weinen des Babys, welches allmählich abklang bis es schlussendlich verstummte, ehe es von neuem begann.

Himmel

Der einstige Räuber wusste nicht, wie viel Zeit verging, doch plötzlich kehrte Regina samt des Jungen zurück in den Wohnbereich. Auf ihren Lippen lag eine alte Melodie, welche ihm vertraut war. Mit müden Augen suchte er sie und konnte sich an dem Anblick nicht sattsehen. Sie hielt das Baby an ihren Körper geschmiegt, lief mit ihm durch den Raum und summte eine leise Weise, die ihn an seine eigene Kindheit erinnerte und seine Brust mit Wärme füllte. Es war nicht die Hitze, die sonst von ihm Besitz ergriff, wenn er sie anschaute oder sie in seiner Nähe war. Es war das leise Zerren seiner Seele, welches er viel zu oft versuchte zu verdrängen, aus Angst sie zu verängstigen und das was sie hatten, zu verlieren. Regina fing seinen Blick auf und lächelte leicht.

„Er schläft jetzt schon beinahe dreißig Minuten, ich glaube es ist fast sicher zu sagen, dass er fest eingeschlafen ist."

Die Sanftheit in ihrer Stimme erschrak und faszinierte Robin gleichermaßen. Stumm klopfte er auf die Sitzfläche der Couch, damit sie sich zu ihm gesellte. Sie kam dieser stillen Einladung nach und setzte sich mit dem Jungen in ihrem Arm neben Robin. Vorsichtig, lagerte sie ihn um bis sein Köpfchen auf ihrer Brust ruhte. Ihre Hand streichelte über seinen Rücken, während sie weiter diese uralte Melodie summte. Über die Lippen beider Erwachsenen legte sich ein erleichtertes Lächeln, als das Baby im Schlaf einen tiefen Seufzer ausstieß, jedoch nicht erwachte. Für einen winzigen Augenblick, starrte Robin auf die Frau und das Kind und verlor sich abermals in dem, was er sah. Sein Herz schmerzte und gleichzeitig wollte es vor Freude bersten. Er konnte nicht benennen was er fühlte, konnte nicht verstehen was in ihm vor sich ging, doch das wollte er auch nicht. Alles was er wollte, war, diesen Augenblick auszukosten und so lehnte er sich einfach an die Frau, bettete erschlagen seinen Kopf auf ihre Schulter und schloss seine Augen, als ihre Finger sanft über seine Wange streichelten. Die Ahnung eines Gefühl der Vollkommenheit kroch durch seine Venen, riss ihn zurück in den Moment im Auto und strömte zugleich durch seinen Magen, um sich dort mit der leisen Melodie zu vermischen, welche sie noch immer summte. Das Gefühl ihrer zarten Finger, die ihn streichelten, entfachten nicht das Feuer zwischen seinen Beinen, welches sie sonst so leicht heraufbeschwor, sondern setzte den störrischen Muskel in Brand, den er für lange Zeit als tote Bürde in seiner Brust empfunden hatte. Robin öffnete seine Augen, um Regina ansehen zu können, um sich zu vergewissern, dass es die Schwarzhaarige war, die ihn mit diesen keuschen Zärtlichkeiten verwöhnte, wo sie doch sonst versuchte, alle Intimität zwischen ihnen, zu vertreiben.

Was ist das nur mit uns?

Fragte er sich für einen winzigen Moment, ehe er den Entschluss fasste, nicht mehr darüber nachzudenken. Das Denken hinderte das Fühlen und wenn er es endlich schaffen würde, seinen Verstand auszuschalten, vielleicht würde er die Frau an seiner Seite ebenfalls dazu animieren können, endlich vollkommen los zu lassen und mehr in ihm zu sehen, als das heimliche Vergnügen in der Dunkelheit.

Reginas Augen suchten Robins Gesicht. Ihre Mundwinkel verzogen sich haucheben nach oben, als sie erkennen konnte, wie der aschblonde Mann sichtlich entspannte. Sie konnte nicht erklären, warum es ihr so viel bedeutete, dass es ihm gut ging. Und genau die nicht vorhandene Antwort auf ihre Frage, weckte die Angst in ihr. Doch die Stimme der Angst war leiser geworden, seit sie hier mit dem Jungen und seinem Vater saß. In manchen Momenten, so bemerkte sie, schien die Angst vollkommen zu schweigen, wenn sie in der Nähe des einstigen Räubers war. Dann überkam sie einen Frieden, an den sie sich zu erinnern glaubte. Als sei diese Erinnerung nur ein leises Nachhallen, von etwas, das sie vor langer Zeit verloren hatte.

Warum bist du so wundervoll

Dachte sie fast schon erbost, weil er ihr in den vergangenen Wochen keinerlei Grund gegeben hatte, ihn wirklich auf Distanz zu halten. Er hatte es geschafft durch ihre Mauern zu gehen, hatte direkt auf den Grund ihrer Seele gesehen und die lästige Stimme in ihrem Kopf viel zu oft zum Schweigen gebracht. Sie wusste um das Sehnen in seiner Brust; wusste, dass er mehr wollte, als die heimlichen Treffen und den Weg in ihr Bett. Sie hatte es in seinen Augen gesehen, in den blauen Untiefen, in denen sie sich verloren hatte.

Regina hörte auf ihn zu streicheln. Stattdessen legte sie ihre Stirn gegen die seine und schloss ihre Augen. Das Baby schlief und so nutzte sie diesen Augenblick der Ruhe und Harmonie und atmete selbst tief durch, nachdem das Schreien bereits ebenfalls an ihren Nerven gezerrt hatte. Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie beide so verweilten, doch als sie ihre Augen wieder öffnete, erwartete sie Robins liebevolles Lächeln, welches ihr durch Mark und Bein ging. Jenes Lächeln, welches nicht einfach so in ihrem Schoß verendete und die Lust in ihr entzündete, sondern dieses besondere Lächeln, von dem sie mittlerweile wusste, dass sie die Einzige war, der er es schenkte. Sie erwiderte dieses Lächeln und löste sich sachte von ihm. Flüsternd erklärte sie.

„Ich glaube, es ist sicher ihn endlich in sein Bettchen zu legen."

Robin zeigte seine Zustimmung mit einem Nicken und wollte ihr den Jungen aus dem Arm nehmen, als Regina ihren Kopf schüttelte. Bevor er etwas erwidern konnte, erhob sie sich und verschwand ins Schlafzimmer. Nach wenigen Minuten kehrte sie zurück und blieb einen Moment hinter dem Sofa stehen. Ihr Augenmerk fiel auf Robins Hinterkopf, während diese verhasste Stimme in ihrem Inneren leise das Wort ergriff und sie drängte nach Hause zu gehen. Dieser lästige Stimme stand das warme Gefühl entgegen, welches sich nicht nur in ihrem Körper, sondern auch in ihrem Verstand breit machte. Das warme Gefühl, nach dem sie sich ein Leben lang verzerrt hatte und vor dem sie nun, da sie es gefunden hatte, nur noch fliehen wollte, aus Angst weiterer Schmerzen.

Verschwinde Schätzchen. Verschwinde und beende es endlich...mach das und du bist eine noch größere Närrin, als man ohnehin glaubt...

Bevor sie eine Entscheidung treffen konnte, wurde ihr diese von Robin abgenommen.


Das Verlorene

Regina saß auf Robins Hengst und hielt Daniel fest an ihren Körper geschmiegt. Sie konnte die Arme ihres Gefährten um ihre Gestalt spüren, seine Nase hin und wieder in ihrem Haar, ihrem Nacken. Das Geräusch trappelnder Hufe vermischte sich mit dem Lachen ihrer beider älteren Söhne, die auf ihren Pferden voraus trabten, während ihre Eltern in gemächlichem Schritt hinterher ritten. Die Schwarzhaarige konnte das Lächeln nicht aus ihrem Gesicht wischen, konnte die Schmetterlinge beruhigen, die in ihrem Magen kribbelte, aber das wollte sie auch nicht. Ihr Blick fiel immer wieder auf die Hand, welche Daniels Rücken streichelte und somit auf den Ring, der sich um ihren Finger schlang. Ein Gefühl der Leichtigkeit hatte sie erfasst und war auf ihren Gefährten übergesprungen. Sie waren auf dem Weg in die Taverne. Robin hatte zum Essen geladen, um ihnen die Kocherei zu ersparen. Er wollte nicht, dass die Leichtigkeit, die sie beide erfasst hatte, vom Alltag vertrieben wurde. Anfangs gefiel Regina der Vorschlag nicht. Sie befürchtete einen riesigen Tumult, obwohl sie erst selbst mit dem eben Erlebten fertig werden wollte. Sie erinnerte sich daran, dass die Männer schon so kurz nach Daniels Geburt sie überrascht und ihr somit kaum Zeit gelassen hatten, um alles verarbeiten zu können. Robin hatte verständnisvoll reagiert und versprochen zu schweigen, so lange sie es wünschte. Auch die Jungen gaben ihr Ehrenwort nichts zu verraten, ganz gleich wie sehr es ihnen auf den Zungen brannte, endlich die Heirat ihrer Eltern zu verkünden.

Die Familie erreichte die Taverne, als die tief sitzenden Schatten der Bäume, vom herannahenden Abend kündeten. Wolken zogen auf, warfen Schatten auf den Boden. Robin stieg von seinem Hengst und nahm behutsam Daniel auf seinen Arm, damit auch Regina absteigen konnte. Roland führte seine Stute bereits zu den Stallungen hinter der Taverne und hielt inne, als ein kleiner Hund vor seinen Füßen herum wuselte, während Henry einen Moment wartete bis auch seine Mutter von dem Pferd gestiegen war.
„Gib her Dad, ich kümmere mich darum." Der aschblonde Mann schenkte seinem Sohn ein Lächeln und reichte ihm die Zügel, bevor er nach Reginas Hand griff und sie vor den Eingang der Taverne führte. Die Tische und Bänke waren vereinzelt besetzt und würden sich im Laufe des Abends noch füllen.

„Setz dich, Liebes. Was möchtest du trinken?" Robin legte den Säugling in die Arme seiner Mutter und wartete auf Reginas Antwort. Danach verschwand er ins innere der Kaschemme.

Die Bänke und Tische waren gut gefüllt und boten kaum noch Platz für neue Gäste. Ruth eilte durch den Raum, setzte immer wieder Becher und Teller vor den Gästen ab und hatte kaum Zeit für ein paar Worte, doch als sie Robins Anwesenheit gewahr wurde, schenkte sie ihm ein Grinsen und rief herüber:

„Hey Robin, was kann ich dir heute Gutes tun? Einen besonderen Wunsch?"

„Lass nur, ich bestell gleich bei Bailey und nimm es mit raus. Du hast hier drin genug zu tun!"
Wie zur Untermalung rief ein weiterer Tisch nach Ruth. Für einen winzigen Augenblick, legte sich Abwesenheit auf ihre Züge, als sie Robin beobachtete. Der einstige Geächtete begrüßte Bailey mit einer Umarmung. Neugierig fragte die Alte:

„Wo hast du den Rest gelassen? Wo sind meine Schätzchens?"

„Die sind alle draußen"
„Alle?"

„Ja, alle!"

Robin löste sich von der Alten. Sein Blick fiel auf Ruth, die vor einem Gast stand und verdrießlich in seine Richtung schaute. Der Herr von Sherwood Forest schenkte ihr ein Lächeln zur Aufmunterung und seufzte, als er die Falschheit in dem ihren sah.

Bailey indes machte die Bestellung fertig und plauderte mit Robin, als sich die Tür öffnete und Roland, Henry samt ihrer Mutter ins Innere traten. Robins Augenbraue hob sich in die Höhe. Bevor er seine Frage verbalisieren konnte, antwortete der Lockenkopf.
„Fängt gerade an zu regnen..."

Bailey ließ es sich nicht nehmen die Familie zu begrüßen. Sie erklärte, dass sie die Bestellung an den Tisch bringen lassen würde und verschwand hinter die Theke. Robin setzte sich zusammen mit Regina und den Kindern an den Tisch und nahm ihr das Baby aus dem Arm, um den Jungen selbst zu halten.

Reginas Schultern zuckten, als sie das Gebell eines Hundes vernahm. Ihr Reginas Blick schnellte zu Ruth, die an der geöffneten Tür stand und das kleine Fell besetzte Wesen am Ohr kraulte, ehe es ganz in die Taverne hinein huschte.

„Also wirklich, Hunde haben in der Gastronomie nichts zu suchen."

Robins schaute sie mit gerunzelter Stirn an, als er auch schon verstand vom wem sie sprach. Ein leises Glucksen entfleuchte seiner Kehle.
„Die Politikerin kommt immer wieder durch, was Liebes?!"

„Ist doch wahr, soll ihn draußen oder im Stall anbinden und nicht zwischen den Gästen frei rum laufen lassen."
„So Leid es mir tut, Gin, aber der Hund war vor dir hier und ich glaub nicht, dass Ruth ihn einfach so aufgeben würde und Bailey wird nicht auf ihre Kellnerin verzichten wollen, deswegen solltest du dich damit arrangieren."

Das Glucksen wuchs zu einem Lachen, welches sich Regina kaum entziehen konnte. Ihre Augen strahlten bereits, doch ihre Lippen spiegelten krampfhaft gespielte Empörung wieder.

„Da kann Bailey froh sein, dass ich sie so gut leiden kann und ihr die Arbeitskraft gönne."
Robin legte seinen Arm um seine Gefährtin und zog sie kurz an sich.
„Da kann Bailey sich wirklich glücklich schätzen."

Seine Stirn lehnte sich gegen ihre. Er grinste sie an und wurde in dem Versuch unterbrochen, ihr einen Kuss auf die Lippen zu drücken.

„Wasser für die Madame", Ruth stellte das Glas geräuschvoll auf den Tisch.
„Apfelsaft für die kleinen Herren!", auch diese beiden Gläser landeten unelegant auf der Tischplatte.
„Und eine Weinschorle für dich Robin."

Die Kellnerin platzierte den Becher direkt vor dem aschblonden Mann und ignorierte alle anderen am Tisch.

„Bailey sagt, wenn ihr etwas essen wollt, müsst ihr etwas warten. Du siehst, dass es voll ist und ihr Koch hat sich heute Krank gemeldet."

Robin nickte, als Zeichen des Verständnisses und entließ Ruth aus ihren Diensten.

Die Taverne füllte sich mehr und mehr. Bailey und die Kellnerin hatten alle Hände voll zu tun, um alle zufrieden zu stellen. Wenn die Wirtin nicht Becher um Becher füllte, verschwand sie immer wieder in die Küche und trug Speisen auf. Hin und wieder wanderte ihr Blick zu Robin und den anderen und entlockten ihr ein zufriedenes Gefühl, als sie sah, wie sie mit Genuss ihr Essen verspeisten. Mit vier Tellern beladen passierte sie Regina, die sie sanft an der Hüfte berührte. Die Wirtin blieb stehen und schenkte ihr einen fragenden Blick.
„Ich weiß, es ist viel zu tun, aber kann ich kurz in die Küche mit einen Tee aufsetzen. Die Suppe war lecker, aber wenn ich den nicht trink, hat Daniel wieder Bauchschmerzen."

Ein warmer Glanz legte sich auf Baileys graue Augen.
„Natürlich, Gin. Meine Küche ist deine Küche und es tut mir Leid, dass hier heute alles so drunter und drüber geht."

Regina winkte ab, bedankte sich und erhob sich. Sie schob sich durch den gefüllten Raum, wich dem Hund aus, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, Ruth hinterher zu trotten und betrat die Küche. Dort angekommen, schnappte sie sich einen Kessel, füllte ihn mit Wasser und setzte ihn auf den Ofen. Für einen Moment überlegte sie, das alles magisch zu beschleunigen, doch dann erinnerte sie sich an das Armband, das um ihr Handgelenk hing.

Ich vergesse es mittlerweile wirklich oft...

Während das Wasser langsam zu kochen begann, suchte sie nach einem Becher und den Kräutern, die ihr Bailey schon nach der Geburt gebracht hatte, damit ihr Sohn die Muttermilch besser vertrug. Konzentriert maß sie drei Löffel, gab alles in den Becher und wartete darauf, dass der Kessel endlich den erlösenden Pfiff ausstieß.

Die Geräusche der Kneipe drangen gedämpft durch die Türe und wurden jäh lauter und intensiver, als die Tür aufflog und Bailey in die Küche eilte. Schnurstracks ging sie auf den Ofen zu, auf dem große Töpfe mit Suppe, Fleisch und Soßen standen.

„Die Männer heutzutage sind eine Plage", nuschelte sie in ihren nicht vorhandenen Bart. „Lionel hat Rückenschmerzen...deswegen kann er heute nicht kommen. Rückenschmerzen! Mein Rücken schmerzt seit vierzig Jahren, aber bleib ich deswegen zu Hause? Nein!"

Regina wusste nicht, ob Bailey mit ihr oder mit sich selbst selbst redete und schmunzelte über die alte Frau.

„Du stehst gerade an den Tellern, kannst du mir bitte zwei Suppenteller reichen? Danke Schätzchen!"

Die Schwarzhaarige tat wie ihr geheißen und reichte Bailey die Teller. Die Alte blickte von der Suppe weg, die sie gerade durch rührte und schaute direkt auf die Teller, um sie anzunehmen. Aus den Augenwinkeln blitzte etwas Goldenes auf, was sie dazu veranlasste genauer hinzuschauen.
„Himmel!", keuchte sie und ließ die Teller fallen. Klirrend zersprangen sie in tausend Teile. Regina zuckte zusammen und sprang zurück, als der Krach in ihre Ohren stieß.
„Bailey was ist...", weiter kam sie nicht, denn im nächsten Moment spürte sie die dünnen Arme der alten Frau um ihren Körper.
„Hat er dich endlich gefragt?!"

Perplex starrte Regina vor sich hin und ließ sich von Bailey an ihren schmächtigen Körper drücken.

„Das wurde aber auch Zeit, dieser Idiot."
Nur allmählich sickerte das Verstehen ihren Verstand und als die Wirtin sie wieder freigab, konnte sie Tränen in den Augen der anderen Frau erkennen. Die Weißhaarige tat einen Schritt zurück und schüttelte ihren Kopf. Ihre Hand glitt in ihre Schürzentasche und zog ein Taschentuch hervor, mit dem sie sich über die wässrigen Augen fuhr. Sie wirkte wie weit entfernt, als ob das Chaos in der Küche und dem Schankraum nicht existent wäre und sie setzte sich auf einen kleinen Hocker.

„Und ihr sagt kein Wort. Sitzt seit einer Stunde hier und sagt kein Wort...nicht ein Wort..." Wie ein Mantra wiederholte sie sich immer wieder, während sie Wangen und Augen abtupfe und ihren Kopf schüttelte. Schuld legte sich über Reginas Gestalt, wie eine schwere Decke und drückte ihre Schultern nach unten. Langsam ging sie vor der alten Frau in die Hocke und griff nach ihren Händen.
„Es tut mir Leid. Er hat vorhin gefragt und ich muss das erst mal selbst verarbeiten."

Eine Träne löste sich aus ihrem rechten Auge, doch ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln welches das Glück widerspiegelt, das in ihrer Brust schlug.

„Schon gut Schätzchen, schon gut..." Bailey führte ihrer beider Hände an ihre Lippen und hauchte Reginas Handrücken einen Kuss auf. Bevor sie die Hände wieder zur Gänze frei gab, betrachtete sie den Ring. Reginas Lippen zierte noch immer das strahlende Lächeln.

„Hübsch nicht!"

Bailey antwortete mit Schweigen, ohne den Blick von dem Schmuckstück zu nehmen

Du hast gar keine Ahnung, Schätzchen, wie hübsch...

Die Schwarzhaarige konnte die Stille zwischen ihnen nicht deuten, doch sie versuchte es. Die Freude wich augenblicklich und machte Platz für einen bitteren Geschmack auf ihrer Zunge.

Natürlich kennt sie ihn schon...

Sie wollte nicht daran denken, dass dieser Ring bereits von jemand anderem getragen wurde, wollte nicht eifersüchtig reagieren und so schob sie den Gedanken an Robins verstorbene Frau weit von sich. Erst Baileys Aufschluchzen, das mit Freude gespickt war, zerrte sie hinaus aus ihren Überlegungen.

„Ich fasse das nicht, mein Junge wird heiraten!"

Abermals wirkte Bailey, als sei sie in ihrer eigenen Welt gefangen, doch dann kehrte Leben in den alten Körper. Sie erhob sich, packte Reginas Hand und zog sie mit sich hinaus in den Schankraum. Die Geräusche der Taverne drangen in ihrer beider Bewusstsein. Rufe nach Bestellungen und Fragen nach dem Essen kamen auf, doch die Wirtin überhörte all das und baute sich breit grinsend vor Robin auf, der seinen schlafenden Sohn im Arm hielt.

Tränen kullerten noch immer über ihre faltigen Wangen, als sie in Ruths Richtung brülle:

„MACH EINE RUNDE FERTIG, MÄDCHEN, WENN SICH DIE HERREN VON SHERWOOD FOREST ENDLICH VERLOBEN, SOLL KEINE KEHLE TROCKEN BLEIBEN!"

Das Gebrüll erstarb, da schloss sie Robin auch schon in ihre Arme. Der ehemals Geächtete erwiderte die Umarmung und schaute über Bailey Schulter auf seine Verlobte. Er wackelte mit seinen Augenbrauen, während er ihr ein breites wohlwissendes Grinsen schenkte.

Madame wollten es ja nicht an die große Glocke hängen...und erzählt es dann der Dorfwirtin

Regina wich seinem Blick mit einem Schmunzeln aus, da sie seine Gedanken praktisch lesen konnte. Sie vermied es, darauf zu antworten. Ihr blieb nicht einmal die Zeit sich wieder hinzusetzen, da drückte einer der Männer sie bereits an seinen stämmigen Körper und gratulierte ihr und Robin. Der Lautenspieler ließ von der einstigen Königin ab und strahlte seinen Boss an, den er seit so vielen Jahren begleitete. Er blieb bei den beiden, obwohl bereits andere ihre Glückwünsche aussprachen und ihr Glas erhoben bis Bailey ihn bat, Ruth hinter der Theke zu helfen. Lorence kam der Bitte sofort nach und verschwand. Als die restlichen Gratulanten das Paar nach einer gefühlten Ewigkeit freigaben, nahmen Robin und Regina wieder Platz. Bailey tat es ihnen gleich, setzte sich zu ihrer Familie und nahm Robin, der die ganze Zeit das Baby hielt, den Jungen aus dem Arm. Liebevoll küsste sie Daniels Stirn und wandte sich an Henry.

„John hat gewettet, dass er ihr spätestens drei Tage nach Daniels Geburt einen Antrag macht, Cathy gab ihm immerhin noch eine Woche. Die anderen waren schon seit Daniels Geburt raus, außer du und Eddy. Ihr sagtet aller spätestens drei Wochen. Ein schöner Batzen, mein Junge, den du da wieder abgesahnt hast."

Henrys Mundwinkel verzogen sich zu einem maskenhaften Grinsen. Fast wie in Zeitlupe drehte er seinen Kopf in Richtung seines Vaters, der ihn mit großen Augen ansah. In seinem Kopf überschlugen sich seine Gedanken nach einem Fluchtweg.

„Du durchtriebener...", Robin presste die Worte aus seinem Mund. „kleiner... Sauhund!"

„Oh oh!", kam es aus Henrys Mund, als er versuchte von seinem Sitz aufzuspringen, doch Robins Arm schlang sich Blitzschnell um seinen Oberkörper und hielt ihn fest.

„Deswegen lagst du mir in den Ohren?!", Er nahm seinen Sohn im Schwitzkasten und wuschelte mit der Faust durch das braune Haar. Der Junge lachte, als auch sei Vater nicht länger Ernst bleiben konnte.

„Du kleiner Schlawiner, aber freu dich nicht zu früh!"

Robin wusste, dass es dem Jungen niemals nur um den Gewinn dieser Wette gegangen war. Er hatte den Kampf und die Schluchzer noch deutlich vor Augen, doch er verdiente eine Abreibung, dafür, dass sein vorgeschlagener Plan, zufällig am letzten Tag der Wettfrist über die Bühne gehen sollte.

„Dir ist klar, dass du die Hälfte von dem Gewinn spenden wirst? Und deinen Kumpel kannst du ausrichten, dass es ihm genauso ergeht!"

Henry stimmte ihm lachend zu, damit er ihn endlich aus dem Schwitzkasten nahm.

Bailey hatte verkündet, dass es kein Essen mehr gebe, da sie nicht mehr den Elan verspürte ihre Gäste zu bedienen. Stattdessen blieb sie mit Robin und den anderen am Tisch sitzen und unterhielt sich mit ihnen bis der ehemals Geächtete ihrer Bitte nachkam und Lorence half ein neues Fass Bier aus dem Keller zu hieven. Zusammen mit den beiden Jungen verließ er den Tisch und ließ die beiden Frauen und das Baby allein zurück. Die Weißhaarige betrachtete den Jungen auf ihrem Arm und konnte das selige Lächeln nicht aus ihrem Gesicht bannen. Sachte wiegte sie ihren Oberkörper hin und her, als der Junge sich im Schlaf bewegte und hörte erst damit auf, als das Kind weiterschlief. Sie riss sich von dem Anblick des Säuglings los und schaute auf die Mutter, die neben ihr an ihrem Wasser nippte. Ihre Augen trafen wieder auf das Schmuckstück, welches sich um ihren Finger schlang und füllten sich mit der gleichen Seligkeit. Regina bemerkte ihren Blick und folgte ihm. Freude und Eifersucht stürmten auf ihr Gemüt ein, als sie selbst auf den Ring schaute.

Jetzt reg dich nicht auf... der Ring wird ihm schon irgendwas bedeuten, wenn er ihn mir gibt

Versuchte sie die neue aufkommende Verstimmung zu bannen und versuchte nicht länger darüber nachzudenken. Sie löste den Blick von ihrem Verlobungsring und sagte:

„Du freust dich wirklich, was Bailey!"

„Natürlich. Vielleicht liegt es an meinem Alter, aber ich hätte ihm am liebsten in den Hintern getreten, damit er dich noch vor der Geburt heiratet. Ich bin da altmodisch."

Die Schwarzhaarige lachte leise bei den Worten der Alten und lehnte sich mit der Seite gegen sie.

Die Wirtin hob Reginas Hand und betrachtete den Ring mit Wegmut in den Augen.

„Das ist das Einzige, was ihm von seinem zu Hause geblieben ist." Baileys Zeigefinger glitt über das Material und streichelte über den Diamanten. „ Seine Großmutter, war das einzige Brauchbare in dieser Familie. Sie hatte ihn längst durchschaut, dass er sich von seinem Vater nicht ausliefern lassen würde. Bevor er floh, steckte sie ihm den Ring zu, damit er ihn versetzen konnte, um über die Runden zu kommen."

Regina sah der Alten ins Gesicht und erkannte Schwermut in diesem.

„Nur ein einziges Mal, hatte er wirklich mit dem Gedanken gespielt ihn zu verkaufen. Das war kurz bevor Roland geboren wurde, aber er hat es nicht übers Herz gebracht." Sie löste sich von dem Anblick und schenkte Regina ein Lächeln.

„Ich glaub auch nicht, dass er seine Frau den Verlobungsring genommen hätte, eher wäre er betteln gegangen...", versuchte Regina Verständnis aufzubringen, auch wenn der Gedanke daran schmerzte.

„Es war nicht ihr ihr Verlobungsring...den hier, Schätzchen, hat er noch nie jemanden an den Finger gesteckt."

Die Augen der Schwarzhaarigen weiteten sich. Ihre Lippen öffneten sich haucheben, doch bevor sie nachhaken konnte, kehrte Robin zurück. Die Schwere in ihrem Magen, seit sie über das Geschenk nachdachte, war verschwunden. Freude und Leichtigkeit kehrte zurück und brachten als ungebetenen Gast Gewissensbisse mit. Sie fühlte sich schäbig auf Grund ihrer Eifersucht.

„Alles erledigt, Herrin!"

Die Wirtin wandte sich Regina ab und erhob sich. Während sie sich bedankte, legte sie Daniel in die Arme seines Vaters und klatschte mit der flachen Hand gegen ihre Stirn.
„Jetzt haben wir deinen Tee vergessen. Bleib sitzen, ich mach ihn dir fertig..."

Die Weißhaarige verschwand und wies die Kellnerin an zu warten, bevor sie die nächste Bestellung an die Tische brachte. Nach kurzen Zeit kehrte sie zurück und reichte ihr die Tasse Tee.

„Hier Ruth, bring das Gin!"

Die Kellnerin nahm die Tasse mit verbissener Miene und legte den Weg zu dem Tisch zurück. Sie stellte den Tee ab und schenkte Robin ein Lächeln, doch der einstige Räuber war in einer Unterhaltung mit seiner Gefährtin vertieft. Mit einem leisen Schnauben machte Ruth kehrt und ging zurück an die Theke und blieb davor stehen. Sie legte das Tablett auf den Tresen, drehte sich um und lehnte mit ihrem Rücken gegen das Holz. Die junge Frau presste ihre Lippen zusammen und verschränkte ihre Arme vor der Brust, als sie Robin dabei beobachtete, wie er das Baby wiegte und mit seiner Verlobten lachte.

„Jetzt will er sie auch noch heiraten. ", nuschelte sie zu sich selbst und fuhr zusammen, als neben ihr eine männliche Stimme erklang.

„Sind wohl immer noch eifersüchtig, was?!", der Gast mit der schweren Alkoholfahne lachte einmal auf, bevor er weitersprach. „Du hast doch wohl nicht immer noch geglaubt, dass er sich...", er holte tief Luft.

Ruth Augenbrauen schoben sich zusammen, während sie den Blick nicht von Robin und Regina abwenden konnte.
„Wie er sie und den Kleinen anhimmelt..."
„Ehrlich Mädel, wenn die mir einen Sohn geschenkt hätte, würd ich sie auch so anhimmeln. Die hätte Narrenfreiheit bei mir für einen Sohn."

„Ja aber gleich heiraten. Ich verstehe immer noch nicht, was er an ihr findest. Was hat sie, was ich nicht habe?" nährte die Eifersucht ihre Worte.

„Tja, Kindchen, wenn ich mir das so anschaue, dann seine Liebe!"


Das Gegenwärtige

Regina stand unverändert vor dem Sofa, doch der Drang zu verschwinden erstarb, als Robin zu ihr blickte und ihr dieses Lächeln schenkte, welches so viel mehr aussagte, als alle Worte dieser Welt. Schweigend überwand sie sich selbst und ging zu ihm. Sie ließ sich auf die Couch fallen, griff nach einem der Kissen und presste es gegen ihren Bauch, während sie ihren Kopf nach hinten, über die Lehne streckte.

„Der kleine Spatz schläft endlich..."

Ohne ihren Kopf von der Rückenlehne zu nehmen, drehte sie diesen und schaute den einstigen Räuber an. Sein Profil brannte sich auf ihre Netzhaut, die müden Augen, umrundet von leichten Fältchen, als er noch immer lächelte. Sie erwiderte es mit einem Kribbeln im Bauch.

Robin fasste nach ihrer Hand und drückte sie. Überwältigt von ihrer Anwesenheit, diesem Moment der Ruhe zwischen ihnen, hielt er ihre Hand weiter fest und wagte kaum zu hoffen, dass sie ihm diese keusche Zärtlichkeit weiter gewähren würden, doch sie belehrte ihn eines besseren. Ihr Daumen streichelte sanft über seinen Handrücken, entlockten ihm ein warmes Gefühl zwischen seinen Rippen.

„Danke, Regina!" Die Ehrlichkeit seiner Worte, manifestierte sich in dem Blau seiner Augen.

„Ich sagte doch, nichts zu danken. Ich helfe dir gern, mit den Jungs!"

Manchmal glaube ich sogar, dass du sie liebst

Schoss durch Robins Gedanken, was er sonst in den Abgründen seines Denkens verbarg. Von dem Augenblick und diesem Gedanken beseelt, überbrückte er die kurze Distanz und küsste sie. Zärtlich und fast keusch streiften seine Lippen über die ihren. Angst, dass sie diese Zärtlichkeit ablehnen würde, dass sie wieder das Ruder für eine wilde Odyssee der Lust herumreißen könnte, nagte an seinem Herzen. Umso erstaunter war er, als sie ihn gewähren ließ und ihre Hand an seine Wange glitt, um ihn sacht zu halten. Sie ging auf das Spiel seiner Lippen ein, das liebevolle Streicheln und sanfte Kosen. Er wusste nicht, wann sie ihm je gestattet hatte, sie einfach zu küssen, nicht verlangend nach Erlösung, während er bereits in ihr war, sondern sehnsüchtig und voller Gefühl. Angespornt von dem, was sie in ihm auslöste, wurde er mutiger. Seine Zungenspitze strich sanft über die dünne Haut ihrer Lippen, kostete unschuldig ihren Geschmack, bis sie seiner Zunge den Einlass gewährte, den er erbat. Robin löste sich von der Rückenlehne, wandte seinen Oberkörper ganz dem ihren zu und legte seine Hand in ihren Nacken. Haucheben hielt er sie dort, gab ihr die Möglichkeit sich zu lösen, wann immer es ihr danach verlangte und intensivierte den Kuss, während er mit der anderen Hand das Kissen von ihr nahm und auf den Boden gleiten ließ. Seine Zunge erkundete ihren Mund voller Andacht, als wäre er ein Pilger, der zum ersten mal die Tore seiner Bestimmung durchschritten hatte. In seinem Hinterkopf nagte leise die Furcht davor, dass sie es beenden könnte, doch sie zerstreute seine Ängste.

Reginas Bein schob sich über seinen Schoß, während sie sich in dem Reigen ihrer Zungen hingab. Ihre Hand streichelte über seine Wange, strich über die rauen Stoppeln seines Bartes und fand ihr Ziel in seinem Nacken, um ihn näher an sich ziehen zu können. Ermutigt von ihren Gebärden, schlang Robin seinen Arm um ihre Taille und schmiegte sie an seinen Oberkörper. Er konnte ihren Atem spüren. Das stetige Senken und Heben ihrer Brust, die sich an die seine presste. Für einen winzigen Moment flammte die Leidenschaft auf und zeigte sich in dem Begehren, das beide in den Kuss legten, doch schon bald verwandelte sich dieses in Sehnsucht, die unbeirrbar wie ein Uhrwerk, in ihrer beider Herzen schlug. Robin nahm das Tempo aus dem Kuss bis die Bewegung ihrer Zungen und Lippen zum erliegen kam. Er schaute der Frau in die Augen, verweilte einen Moment in dem Dunkel, welches ihn viel zu sehr an ein zu Hause erinnerte und stahl sich noch einen kurzen Kuss von ihren Lippen, bevor er begann, ihre Bluse aufzuknöpfen. Behutsam, legte er Knopf für Knopf ihre Haut frei und streifte schlussendlich das lästige Stück Stoff von ihren Schultern. Immer noch schweigend, doch nicht ohne seinen Blick von ihren Augen zu nehmen, griff er um ihren Oberkörper und öffnete gekonnt ihren BH, nur um ihr diesen ebenfalls auszuziehen. Erst jetzt schaffte er es, dem Bann ihrer Augen zu widerstehen und sie ganz anzuschauen. Für den Bruchteil einer Sekunde glaubte er Scham in ihrem Gesicht, zu erkennen , während sie versuchte, eine lästige Haarsträhne hinter ihr Ohr zu bannen. Ein Gebärden, das sie jünger und unschuldiger erscheinen ließ. Regina beobachtete das Tun des Mannes und biss sich auf die Unterlippe. Der Blick, mit dem er sie anschaute, löste eine Gänsehaut aus, die einen wohligen Schauer über ihren Rücken jagte. Da war mehr als Verlangen in seinen Augen, mehr als das Wollen ihres Körpers. Diese Erkenntnis war zu groß, zu wunderbar, um sie zu begreifen und so erstarrte sie einen Moment. Sie hinderte ihn nicht, als er sanft ihren Oberkörper auf die Sitzfläche drückte, ihren Rock ihre Beine hinunterzog und achtlos weg warf.

Reginas Brust hob und senkte sich, als sie ihn weiter beobachtete und in seiner Sehnsucht badetet, die er ihr unmissverständlich offenbarte. Ihr Herz schlug wild gegen ihren Brustkorb. Ein stumpfer Rhythmus in ihrem Innern, der all die Stimmen in ihrem Kopf übertönte. In Robins Blick konnte sie seinen Unglauben darüber erkennen, dass sie ihn gewähren ließ. Die stumme Furcht, dass sie ihn abhalten würde, doch sie hatte die Waffen niedergestreckt. In den letzten Tagen war es eine Qual gewesen, nichts von ihm zu hören und zu glauben, ihn für immer vertrieben zu haben, schmerzte mehr, als sie sich eingestehen wollte. Noch während sie diesen süßen Schmerz verklingen spürte, trafen seine Lippen auf ihr Schlüsselbein. Stück für Stück bedeckte er ihre Haut mit kleinen Küssen, kostete von ihr mit der Spitze seiner Zunge und wanderte so ihr Brustbein entlang. Seine Hand glitt an ihre Brust, umschloss sie und neckte ihre Brustwarze mit seinem Daumen, während seine Lippen sich der anderen widmeten. Robin konnte ihre Finger in seinen Haaren spüren, konnte die Empfindung, die er in ihr auslöste, an den Nägeln spüre, die sich sachte in seine Kopfhaut gruben. Der ehemals Geächtete setzte seine Wanderschaft fort. Seine Lippen glitten über ihre Haut, wurde begleitet von seinen Fingerspitzen, die über ihren Körper tänzelten und sie berührten, als sei er ein aufmerksamer Beobachter, der ein Kunstwerk begutachtet, als wäre er von dem Gedanken gebannt, sie mit allen Sinne erfassen zu wollen. Knabbernd bahnte er sich seinen Weg über ihren Bauch, streichelte über ihre Seite und ließ seine Zunge bis zum Bund ihres Höschens gleiten. Seine Augen suchten den Blick in ihr Gesicht. Ihr Haupt hatte sich zur Seite geneigt, ihre Hände noch immer auf seinem Kopf, in seinem Haar, während sie ihn mit Aufmerksamkeit in ihrem Blick beobachtete. Robins Augen erwuchs ein Lächeln, welches sich auf seinen Lippen abzeichnete, als er mit seiner flachen Hand über ihren Schoß streichelte. Nur das bisschen Stoff trennte ihn von dem Gefühl ihrer nackten Haut. Dem Drang erlegen, diese fühlen zu wollen, zog er ihr die Seide vom Körper und ließ sie einfach wortlos auf den Boden fallen.

Himmel...

Sein Blick richtete sich auf die Frau, die in ihrer Nacktheit vor ihm lag. Vorsichtig spreizte er ihre Beine und kniete sich dazwischen. Seine Hände waren wieder an ihrem Körper, streichelten sie mit sanften Druck, während er dem Anblick versank, den sie ihm bot.

Reginas erwiderte seinen Blick und spürte die Sehnsucht, welche in diesem lag, durch ihren eigenen Körper, ihrem eigenen Verstand wallen, als sei die Mauern, die sie vor solchen Gefühlen stets beschütze, von dieser Woge einfach weggespült worden.

Ich will...

Sie schaffte es nicht ihre Gedanken zu Ende zu denken oder gar sie zu verbalisieren, da schien er bereits zu verstehen. Noch immer zwischen ihren Beinen, zog er sich das Schlafanzugoberteil aus und schlüpfte aus seiner Hose samt Shorts, ehe er sich wieder der Schwarzhaarigen widmete und begann ihren Bauch mit seinen Küssen zu bedecken. Er konnte nicht sagen, ob sie es ihm in den letzten Wochen je erlaubt hatte, sie so vollkommen zu genießen, sie so zu berühren und seine Gefühle zu zeigen, ohne dass sie davor zurückgeschreckt war. Konnte nicht sagen, wie lange sie diese Erlaubnis ihm noch erteilen würde und so wagte er sich einen Schritt weiter. Er bettete seinen Körper auf dem ihren, um sie ganz zu fühlen. Um ihre Haut auf seiner zu spüren, ihren Herzschlag an seiner Brust. Er küsste sie und nahm sich den Einlass in ihren Mund, ohne auf Widerstand zu stoßen. Seine Hände streichelten weiter über ihren Körper, versuchten jeden Zentimeter von ihr zu berühren, als fürchtete er sich davor auch nur ein winziges Stück zu vernachlässigen.

Regina erwiderte das Spiel seiner Zunge und ergab sich in dem Kuss. Die Stimme in ihrem Kopf unternahm einen letzten Versuch, sie zur Vernunft zu bringen, doch seine Zärtlichkeit und die Sehnsucht in ihrer Brust, brachten sie zum schweigen. Sie genoss das Streicheln, das Gefühl seiner Haut, genoss all das mit geschlossenen Augen. Sie verbot sich zu denken und zwang sich nur noch zu fühlen. Für einen kurzen Moment spürte sie einen kalten Lufthauch an ihrer Brust, als Robin sich hoch drückte und seinen Oberkörper von ihr löste, damit seine Hand zwischen ihrer beider Körper passte. Wieder in dem Dunkel ihrer Augen versunken, ließ er seine Finger in ihren Schoß gleiten. Er bahnte sich seinen Weg mit langsamen Streicheleinheiten zwischen ihren Beinen bis seine Fingerspitzen das kleine Bündel Nerven fand, der ihr, kaum dass er es zu massieren begann, ein Seufzen mit halb geschlossenen Lidern entlockte. Der leise Klang ihrer wachsenden Lust. Robin hielt seinen Blick auf ihr Gesicht gerichtet, sog ihren Anblick auf, aus Angst er könnte eine Regung verpassen. Er konnte hören, wie ihre Atmung sich veränderte, wie sie anschwoll, gleichwie er die Massage intensivierte. Mit einem Finger betastete er das Fleisch zwischen ihren Schenkeln, umspielte neckend den Eingang ihrer Weiblichkeit. Abermals entlockte er ihr ein leises aufseufzen, einen hohen Ton, während sie versuchte das Grinsen zu unterdrücken, indem sie auf ihre Lippen biss. Der aschblonde Mann erwiderte das Grinsen und ließ seinen Finger provokant in sie eintauchen. Langsam, fast schon quälend, während sein Daumen weiter das Nervenbündel massierte, das ihre Atmung durcheinander brachte. Der aschblonde Mann konnte nicht nur sehen und hören, wie er ihr Lust bereitete, sondern konnte es an seiner Hand, seinem Finger spüren. Gemächlich verebbte die Massage an ihrer intimsten Stelle bis seine Bewegung zum erliegen kam. Noch immer bannte er ihren Blick mit seinen blauen Augen und ohne diesen zu lösen, zog er genauso quälend langsam seinen Finger aus der Hitze zwischen ihren Beinen, nur um ihn von neuem in sie zu tauchen, als wolle er sicher gehen, dass sie genau verstand, dass er es war, der ihrem Körper diesen Genuss entlockte. Seine Mundwinkel begann zu zucken, als er fühlen konnte, wie die Erregung von ihr Besitz ergriff, wie sie mehr und mehr bereit war, ihn vollkommen zu empfangen. Dies Erkenntnis entlockte ihm ein Grinsen, während er die Bewegung seines Fingers intensivierte.

Schwer atmend starrte Regina auf den Mann. Seine Finger waren zärtlich, seine Bemühungen wirkungsvoll. Zu dem Sehnen in ihrer Brust, mischte sich ein Verlangen nach ihm, das sie so noch nie erlebt hatte. Sie wollte ihm sagen, dass sie mehr wollte, wollte ihn unmissverständlich wissen lassen, dass sie sich nach ihm sehnte, doch er schenkte ihr das Lächeln eines Schuljungen, dem ein besonderer Streich gelungen war, während er seinen Finger aus ihrem Schoß löste und und den feuchten Glanz mit Triumph besah. Regina verdrehte ihre Augen, legte ihren rechten Unterarm auf ihre Stirn und konnte das Kichern über sein Gebärden und Anblick nicht zurückhalten.

Du bist unmöglich...

Dachte sie liebevoller, als sie wollte. Robin fiel in ihr leises Lachen ein, während er die kurze Distanz ihrer Körper überbrückte und sich wieder auf die Frau bettete. Mit einem Schlag schwand das Knisternd des Augenblicks und machte Platz für eine Welle der Vertrautheit. Er küsste ihren lachenden Mund und glaubte sich an einem Ziel angekommen, von dessen Existenz er bisher nichts gewusst hatte. Regina schlang ihre Arme um seinen Hals, presste ihn nah an sich, als wolle sie sichergehen, er würde sich nicht nochmal von ihrem Körper lösen. Verspielt schnappte sie nach seiner Unterlippe, knabberte an dieser und versank in dem Wirrwarr ihrer Gefühle, ohne sich zu ängstigen. Ihre Finger kraulten seinen Nacken, während er seine Stirn auf die ihre legte. Immer wieder entfleuchten ihnen leise Laute des Lachens. Der einstige Räuber konnte sich nicht daran erinnern, wann sie ihn jemals so nah an sich gelassen hatte, wann sie ihn nicht nur in ihren Körper, sondern in ihre Seele gelassen hatte und so setzte er alles daran, diesen Moment nicht nur auszukosten, sondern in die Länge zu ziehen. Sein Herz raste in seiner Brust, pumpte sein Blut durch seinen Körper und setzten eine Freude in Gang, welche er nie zuvor verspürt hatte. Er konnte spüren, wie ihre Hand über seinen Rücken wanderte und ihr Ziel an seinem Hintern fand, um ihn dort zu streicheln. Erst sanft und zärtlich, doch schon bald fest und fordernd. Regina ließ ihre Finger über seine Haut gleiten und löste dort ein Kribbeln aus, wo sie ihn berührte. Sie konnte spüren, wie sich das Sehnen, welches sie in ihm auslöste, in Begehren verwandelte. Beherzt griff sie nach seiner Männlichkeit, massierte sie mit festen Druck und spürte nicht nur Stolz in ihrer Brust schlagen, als sie ihm ein leises Ächzen entlockte. Mit einem kessen Grinsen auf den geschwollenen Lippen, zog sie das Tempo ihrer Massage an bis Robin atemlos das Wort ergriff.

„Madame, haben es wohl eilig!" Kaum dass er die Worte gesprochen hatte, nahm er ihre Hand von sich und küsste sie, bevor sie etwas erwidern konnte. Er bemerkte die wachsende Ungeduld der Schwarzhaarigen, die ihre Becken zu bewegen begann, bemerkte das Wollen, welches sie ihm entgegenbrachte und so löste er den Kuss und legte seine Hand an ihre Wange. Zärtlich streichelte sein Daumen über ihre Gesichtszüge, liebkoste ihre weiche Haut, während er sich erlaubte für einen Moment die Welt still stehen zu lassen. Er wusste nicht, warum er sich so sehr danach verzerrte, mehr von ihr zu haben, als das was sie ihm gab, verstand nicht, warum er sich sehnte nicht nur den Weg in ihr Bett zu finden sondern in ihr Herz, doch in diesem Moment, in diesem Augenblick, war er sich sicher, dass er durch das Eis und die Mauern, die sie um ihr Herz gelegt hatte, einen Weg finden konnte. Dass er nicht nur die Narben auf ihrer Seele sehen, sondern auch verstehen konnte.

Oh Liebes, du bist so viel mehr, als eine schnelle Nummer...

Er streichelte weiter andächtig über ihre Wange, während sie ihre Augen im Genuss schloss.

...ich wünschte mir, du würdest das endlich selbst erkennen...und akzeptieren...

Seine Gedanken wurden zur Wahrheit für ihn, doch er würde es ihr nicht sagen können, würde nie die richtigen Worte finden, ohne sie zu verschrecken, ohne sie zu verlieren und das brauchte er auch nicht, denn er würde es ihr zeigen können. Liebevoll legte er seine Lippen auf die ihrigen und drang mit seiner Zunge in ihren Mund in dem Moment, als er sie sich zu eigen machte. Nicht schnell und ungeduldig, sondern langsam und genießend.

Regina stöhnte leise in seinen Mund, als er in sie eindrang. Ihre Arme legten sich, einem Automatismus folgend, um seinen Hals und hielten ihn so fest sie nur konnte.

Robin genoss das Gefühl, sie allumfassend um seine Erregung spüren zu können, genoss die Nähe, die sie zuließ und küsste sie voller Gefühl, bevor er sich zu bewegen begann. Langsam und kraftvoll, stieß er tief in sie hinein. Fast zur Gänze zog er sich aus ihr zurück, nur um sie von neuem kräftig zu erobern. Ihr Atem dehnte sich durch seinen Mund, als sie bei jedem Stoß aufkeuchte und die Umarmung intensivierte. Mit aller Kraft presste sie ihn an sich und schlang ihre Beine um seine Hüften. Gemächlich drang er immer wieder in sie ein und entlockte ihr süße Laute ihrer Erregung. Seine eigene Atmung schwoll an und setzte das Sehnen in seiner Brust in Brand. Das Bedürfnis sie vollkommen erleben, vollkommen spüren zu wollen, trieb ihn dazu an, das Tempo anzuziehen. Robin löste den Kuss, versenkte sein Gesicht in ihrer Halsbeuge und griff nach ihren Oberarmen, um sich dort festzuhalten, während er weiter kräftig in sie hineinstieß. Das Sofa knarzte , doch Regina nahm nur den Mann wahr, der sich immer wieder tief in ihr versenkte. Ihre Finger lösten sich aus seinem Nacken, fanden ihr Ziel an seinem Hinterkopf, krallten sich in sein aschblondes Haar und hielten ihn dort fest. Reginas Verlangen strömte stöhnend aus ihren vollen Lippen und verendete heiß auf seiner Haut. Sie hatte es ihm gleichgetan, hatte ihr Gesicht in seiner Halsbeuge versenkt. Sie wollte ihn nicht nur fühlen, sondern mit allen Sinnen erfassen. Sein Geruch stieg in ihre Nase, eine vertraute Erinnerung an den Wald.

Sie ächzte seinen Namen im Takt seiner Stöße, labte sich an dem Keuchen und Stöhnen, welches aus seinem Mund drang und gab sich ihm mit allem hin, was sie in diesem Moment war. Robin zog das Tempo abermals an. Sein Becken bewegte sich fest, presste ihren Körper immer wieder in die weiche Sitzfläche der Couch, ohne dass er mit seinem Körper von ihr ließ; ohne auch nur einen winzigen Moment das Gefühl ihrer Haut auf der seinen, vermissen zu müssen.

Himmel...

Der aschblonde Mann konnte spüren wie sich wie er sich dem Höhepunkt zubewegte; konnte das verräterische Zucken um seine Männlichkeit spüren, das ihm verriet, dass es ihr ebenso erging und so behielt er Kraft und Tempo bei, keuchte gegen ihre feuchte Haut und stöhnte verlangend, dass sie los lassen, sich gehen lassen sollte.

Kaum hatte er seine Bitte ausgesprochen, nahm das Zucken um seine Männlichkeit zu und ein letztes hohes Keuchen seines Namens verriet ihm, dass er sie über die Klippe gejagt hatte. Nach wenigen weiteren Stößen ließ auch er endlich los und kam mit ihrem Namen auf seinen Lippen.

Seine Bewegungen kamen zum erliegen. Atemlos lauschte er ihrer Bemühung, ihren Atem wieder unter Kontrolle zu bekommen, ohne sich von ihr zu erheben. Für einen Augenblick badete er in den Nachwehen des eben Erlebten und labte er sich an dem Gefühl ihrer weichen Haut. Für den Moment schien die Welt dort draußen verstummt.

Was war das?...Ich weiß nicht...aber genau das will ich...

Robin versuchte seine Sinne wieder beieinander zu bekommen und löste sich nun endlich von ihr, aus Angst, sie doch zu sehr zu belasten. Vorsichtig rutschte er von ihr und kam neben ihr zum liegen. Noch immer von der Nähe und der Wärme in seiner Brust beseelt, wagte er sich, sie in seine Arme zu ziehen, sie zu halten und ihrer Stirn einen Kuss aufzuhauchen. Für den Bruchteil einer Sekunde schaute er sie mit Angst in den blauen Augen an.

Jetzt bin ich doch zu weit gegangen, ich sollte mein Glück nicht überstrapazieren

Begannen seine Gedanken zu rasen, als er nach der liebevollen Zärtlichkeit erwartete, dass sie ihn davonjagen würde, doch Regina brachte seine Gedanken zum schweigen. Ihre Hand schob sich über seine Brust, gleichwie ihr Bein sich an ihn schmiegte. Mit einem verliebten Lächeln schaute sie ihm in die Augen und stahl sich einen Kuss von seinen Lippen, da sie genau wusste, dass ihre Stimme versagen würde. Dass der Schatten über ihre Gedanken nur darauf wartete vom Klang ihrer Stimme heraufbeschworen zu werden. Robins Hand legte sich an ihre Wange, während er ihr Lächeln erwiderte. Zärtlich streichelte er ihre Haare aus dem Gesicht und hauchte ihrer Stirn einen weiteren Kuss auf. Noch immer schien die Welt still zu stehen. Regina schloss ihre Augen, genoss das warme Gefühl seiner Haut, die Geborgenheit, die sie in seinen Armen empfand. Sie versuchte sich daran zu erinnern, wann sie das letzte Mal in den Armen eines Mannes gelegen hatte. Wann sie das letzte mal nicht nur die Nähe zu einem Körper zuzugelassen, sondern jemanden in ihrer Seele willkommen geheißen hatt. Der Gedanke, so schön er auch war, begann langsam, wie Regentropfen auf verdorrten Land, in ihren Verstand zu sickern. Sie öffnete ihre Augen und konnte die Angst, die sich so schleichend um ihr Herz legte, einfach nicht länger ignorieren. Das Lächeln blieb auf ihren Lippen, doch es schaffte den Weg nicht mehr in ihre Augen, als sie sich stumm von ihm löste und sitzend ihren Rock aufklaubte. Robins fuhr mit seinem Körper auf und legte seine Hand auf ihr Schulterblatt.

„Hey!", machte er liebevoll.„Bleib doch noch. Roland schläft bei Bailey und John kommt nicht vor morgen früh nach Hause!"

Für einen winzigen Moment hielt Regina inne und schloss ihre Augen.

Bleib doch einfach...das ist doch nicht so schwer Schätzchen...doch das ist es...für mich ist es das

In ihren Blick stahl sich ein schlechtes Gewissen, als sie ihren Kopf schüttelte.

„Lass uns essen gehen?" , erklang Robins Stimme erneut

Seine Worte entlockten ihr ein sachtes Schmunzeln.
„Wir haben den Jungen mit Müh und Not zum schlafen bekommen", ermahnte sie leicht amüsiert, während sie ihre Bluse überzog.
„Dann koch ich uns was...nur..."

Robin verstummte und suchte den Blick in ihr Gesicht.

„...bitte geh nicht einfach...", er wusste noch bevor er seinen Satz beendet hatte, dass er sie nicht zum bleiben animieren konnte, doch bevor die neuerworbene Hoffnung, die sie vor kurzen in ihm entfachte hatte, gänzlich erlosch, sah er sie sich zu ihm beugen.

„Es ist besser wenn ich gehe, Robin." Kaum hatte sie ausgesprochen, da presste sie ihre Lippen auf die seinigen. Für einen Augenblick ergaben sie sich in den Kuss, ehe Regina diesen löste und sich erhob. Der Hilfssheriff schnappte sich seine Shorts und schlüpfte in diese hinein, bevor auch er sich von dem Sofa erhob und Regina zur Tür geleitete. Dort angekommen, griff er einfach wieder nach ihrer Hand.

Du willst nicht gehen...warum fällt es dir nur immer so schwer das zu tun, was du willst

Er würde sie nicht weiter bedrängen zu bleiben, denn er hatte gelernt, dass er nur mit Ruhe und Geduld ganz durch ihrer Barrieren kommen konnte und der Abend hatte ihm gezeigt, dass seine Taktik begann, sich auszuzahlen. Beflügelt von dieser Erkenntnis, zog er sie an sich und war nicht im Geringsten überrascht, dass sie keinen Widerstand leistete. Seine Lippen fanden ihr Ziel auf den ihren und verweilten dort bis der Sauerstoffmangel seinen Tribut forderte. Regina biss sich auf die geschwollenen Lippen und öffnete bereits die Tür, nicht jedoch ohne sich nochmal zu ihm zu beugen und ihn abermals zu küssen.

Hör auf Mädchen...geh jetzt endlich

Drängte eine innere Stimme, doch kaum war sie aus dem Türrahmen und fast schon auf den Weg zu den Treppen, da zog Robin sie noch mal zu sich zurück. Dieses Gewolltsein, begann die Dunkelheit in ihrem Denken zu vertreiben, doch schaffte es nicht, sie vollkommen zu bannen.

„Ich..."

...kann nicht bleiben...ich kann es einfach nicht

Blickte sie ihm entschuldigend in die Augen und spürte im nächsten Moment seine Stirn an ihrer.
„Ich weiß...!", teilte er ihr sein Verständnis mit und verabschiedete sie mit einem letzten Kuss, ehe er sie freigab. Die Schwarzhaarige lief zu den Treppen und stieg die ersten Stufen hinab. Sie war fast aus seinem Blickfeld verschwunden, da ertönte seine Stimme.

„Hey Regina!"

„Ja!"

„Danke!"

Regina wusste nicht, ob er sich für die Hilfe mit seinem Sohn oder die Zärtlichkeit bedankte, die sie zugelassen hatte, doch die Wertschätzung, die er ihr entgegenbrachte, ließ ihren Herzschlag an Tempo zunehmen.

Als Antwort schenkte sie ihm ein Lächeln und verschwand schlussendlich. Zurück blieb Robin, der sich einmal mehr darin bestätigt sah, dass er sie nicht so einfach aufgeben würde, dass es nicht verlorene Liebesmüh war, sich den Weg in ihr Herz zu erkämpfen.