Hallo Mädels! Danke wieder für Eure Reviews!
Da macht das Schreiben ja doppelt Spaß!!!!!
29. Das ganz normale Leben!
Hermine konnte lange nicht einschlafen. Mehrmals stand sie auf, ging zum Fenster und starrte durch die von Eisblumen geschmückten Glasscheiben hinaus auf den See.
Sie hätte froh und glücklich sein müssen, dennoch stellte sich dieses Gefühl nicht ein.
Ihr Schlaf kam spät und wenig erholsam und als am nächsten Morgen ihr ganz normales Leben wieder begann, war sich Hermine sicher, dass es nie wieder so normal sein könne wie zuvor.
Dennoch saß sie bald wieder am Tisch der Gryffindors und nahm ihr Frühstück ein.
Ihre Freunde und Freundinnen hatten sie stürmisch begrüßt und sie mit dem Klatsch und Tratsch der letzten vier Wochen versorgt. Himmel, wer wollte schon diesen Mist wissen!?
Einzig Ginnys Erzählungen konnte sie Interesse entgegenbringen, aber ein Auge hatte sie immer auf dem Lehrertisch. Genauer gesagt auf Snapes Platz, der noch verwaist war.
Sie konnte sich nicht erklären, warum sie so unruhig war. Er konnte ihr doch eigentlich egal sein. Doch wenn sie ehrlich mit sich selber war, da wusste sie nun, dass er nicht so schlecht war wie sein Ruf.
Am Abebben des Stimmengewirrs merkte sie sofort dass er die Halle betreten hatte. Ihre Augen verfolgten seine Gestalt, die wie ein schwarzer Vogel an dem Slytherintisch vorbeiglitt, ohne nach rechts oder links zu schauen. Seine Lehrerkollegen nur mit einem kurzen Kopfnicken begrüßend, ließ er sich gewohnt mürrisch auf seinem Platz nieder.
Hermine sah zu ihm hin. Würde sie einen Blick von ihm bekommen, ein Zucken seiner Augenlieder zum Gruß. Aber er hielt den Blick gesenkt, starrte in seine Tasse, aß nichts.
Seine ganze Haltung signalisierte das übliche "Sprich mich nicht an, sprich mich ja nicht an!"
Nur wenige Minuten später sprang er unvermittelt auf und rauschte wortlos mit unbewegter Miene aus der Halle.
Hermine spürte fast so was wie Enttäuschung in sich. Bei ihren gemeinsamen morgendlichen Mahlzeiten hatte sie ihn oft dabei ertappt, dass er sie belustigt über den Rand seiner Tasse hinweg angesehen hatte. Sie hatte sich immer sehr unsicher gefühlt, unter diesem Blick, doch jetzt fehlte er ihr. Verloren saß sie zwischen ihren Freunden, in ihrem normalen Leben und kam sich verlassen vor, ohne seine Augen die auf ihr ruhten.
Nach zwei langweiligen Stunden Geschichte der Zauberei und zwei ebenso langweiligen Theoriestunden in Kräuterkunde, hatte sie eine Doppelstunde Zaubertränke.
Mit langen Gesichtern schlichen ihre Klassenkameraden in den Kerker. Auch Hermine war still, aber ihr Herz klopfte.
Als Snape mit lautem Türeknallen und ihm Sturmschritt durch die Klasse fegte, da spürte sie den Saum seiner Robe an ihrem Bein entlang streifen und den Windzug seiner Bewegung in ihrem Gesicht. Jener Windzug trug Geruchsfragmente aus seinem Wohnzimmer mit sich, machte die Erinnerung an seine Bibliothek lebendig. Auch roch sie das Feuer seiner Laborkessel, gemischt mit einem leichten Hauch seiner Seife.
Betroffen schloss sie einen Moment die Augen. Ein kleines Gefühl der Wehmut machte sich in ihrer Brust breit, schlug leicht mit den Flügeln wie ein Rabe und pickte mit seinem krummen Schnabel an ihr Herz.
Wenigstens durfte sie ihn jetzt ansehen, ganz ungeniert. Schließlich war er ihr Lehrer, er gab ihnen Unterricht dem sie artig zu folgen hatten.
Snape stand neben seinem Lehrerpult.
Der linke Arm ruhte lässig auf der Tischplatte. Seine rechte Hand unterstrich mit kleinen Bewegungen seine Ausführungen über die Wirksamkeit von diversen Pilzgiften und ihre Einsatzmöglichkeiten.
Langweilige Wiederholung aus der sechsten Klasse. Monoton schnarrte seine Stimme durch das Gewölbe.
Vereinzelt stellte er Fragen, niemand meldete sich, nur ihre Hand schoss wie gewohnt nach oben.
Früher hatte er sie dann angesehen mit einer Mischung aus Spott und Wut und nur wenn wirklich niemand, aber auch wirklich niemand ihrer Klassenkameraden die Antwort wusste, dann hatte sie sprechen dürfen.
Doch heute bekam sie nicht einmal den abfälligen Blick, so sehr sie die Hand auch in die Luft hielt. Als sie später einen einfachen Trank zubereiten mussten, hatte Snape alle Schüler paarweise zusammengestellt. Da es eine ungerade Schülerzahl war, blieb Hermine alleine übrig. Sie arbeitete konzentriert an ihrem Kessel. Nicht einmal kam er zu ihr herüber um auf ihren Trank zu schauen, nicht einmal sah er naserümpfend zu ihr hin.
Beim Abfüllen der Proben trödelte sie absichtlich und stellte die kleine Flasche als Letzte
Vor ihm ab.
„Bitte schön, Professor!"
Sie wartete einen Augenblick, doch Snape sah nicht einmal von seinen Unterlagen auf.
Wortlos war sie dann gegangen.
Sie sah ihn beim Abendessen, er sah sie nicht. Sie sah ihn in der Bibliothek, er sah sie nicht. Vielmehr war es ihr schnell klar, dass Snape sie nicht sehen wollte.
Als sie beladen mit Büchern zurück zum Regal ging, fiel ihr ein schweres Lexikon hin. Mit einem lauten BUMM schlug es auf dem Boden auf.
Sofort wirbelte Snape mit jähzornig verzogenen Mund herum, aufs äußerste gereizt, den Mund schon halb geöffnet um Schimpftiraden abzusetzen, dann sah er Hermine die gerade das Buch aufheben wollte. Ihre Blicke kreuzten sich. Snapes Mund klappte zu und er drehte sich weg. Rauschte durch die Bücherregale und fand in der nächsten Abteilung ein Opfer, das er wegen eines im Buch hinterlassenen Eselsohres lautstark niedermachen konnte.
„Die letzten 4 Wochen hat es nie gegeben, Hermine!"
Seine Worte hallten in ihren Ohren nach.
Aber es hatte diese Zeit sehr wohl gegeben und eingebracht hatte es ihr die Verachtung von Severus Snape. Nur was hatte sie denn erwartet? Dass er ihre Arbeit im Labor, ihre Anwesenheit in seiner Wohnung schätzen gelernt hätte. Wohl kaum, ein Mensch wie er.
Hatte sie erwartet, dass er sie nach ihrer gemeinsamen Zeit mit anderen Augen betrachtete als vorher? Nicht mehr als Miss Granger die Gryffindor-Besserwisserin sondern vielleicht als Hermine, die Frau mit der er die Ronkowa-Essenz hergestellt hatte?
Doch! Sie musste sich eingestehen dass sie es sehr wohl erwartet hatte. Umso größer war ihre Enttäuschung. Und auch Professor McGonagall hatte mit ihr nicht mehr über ihre Zeit bei Snape und über die Essenz gesprochen. Es interessierte niemanden wie es ihr ging. Sie war nur ein einfaches Werkzeug gewesen, das Mittel zum Zweck.
Diese Erkenntnis traf Hermine eisenhart und ein schwerer Klumpen bildete sich ihn ihrem Bauch.
Dieses Gefühl besserte sich auch in den nächsten Tagen nicht. Statt dass sie sich wieder in die Gemeinschaft der Schüler einfand, verschloss sie sich immer mehr. Fast wünschte sie sich in die Abgeschiedenheit von Snapes Wohnung zurück.
Was sie aber wirklich vermisste war die Arbeit im Labor. Hier hatte sie wenigstens kreativ sein können, mit ihren Händen und ihrem Geist arbeiten dürfen. Hier hatte abends auf den Tag zurückblicken können und wusste, sie hatte etwas geschafft. Und sie hatte so viel gelernt bei ihm. Wenigstens war ihr eines klar geworden, sie liebte den Umgang mit den Tränken, das Gebrodel in den Glaskolben, das umsichtige Handtieren mit gefährlichen Substanzen, die kleinen Gaswölkchen über kochenden Kesseln, hierzu war sie berufen. Doch was nützte die größte Begabung. In England konnte sie nicht Zaubertränke studieren. Das Zaubereiministerium hatte nur sehr wenige Studienplätze bewilligt. Samt und sonders gingen die in steter Regelmäßigkeit an reinblütige, männliche Nachkommen der alten Zaubererfamilien. Als Frau hatte man so gut wie keine Chance einen Studienplatz zu bekommen. Auf dem europäischen Festland schon eher, aber diese Hochschulen waren total überlaufen und es kostete viel, viel Geld dort zu studieren.
Nein, es ging ihr wirklich nicht gut!
tbc
