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Als am Nachmittag Kurt und Cooper bei ihm waren, erschien Dr. Miller und hatte gute Neuigkeiten für die Anwesenden.
„Blaines Zustand hat sich erheblich gebessert und daher kann er bereits nächste Woche entlassen werden!" sagte Dr. Miller und sah Cooper dabei mit einem Lächeln im Gesicht an. „Er sollte dann aber noch mindestens zwei Wochen sehr viel Ruhe haben und wird in der Zeit auch Hilfe benötigen. Trotz seiner gut verheilenden Rippen sollte er sich nicht unnötig anstrengen, nichts Schweres heben und Schuhe mit Schnürsenkeln sollte er auch lieber nicht tragen, solange er niemanden hat, der sie ihm zubindet." Dr. Miller richtete sein Wort jetzt direkt an Blaine. „Ich denke, in ein paar Wochen kannst du wieder zur Julliard gehen, Blaine."
„Das klingt doch super, danke Doktor!" Cooper grinste erleichtert und auch Kurt nickte enthusiastisch.
„Ja, danke, Doktor!" sagte Blaine, doch Kurt bemerkte, dass sein Lächeln aufgesetzt wirkte und seine Augen nicht erreichte. Er kannte ihn mittlerweile schon so gut, dass er wusste, dass Blaine etwas beschäftigte.
Nachdem der Doktor gegangen war, beobachtete Kurt Blaine während dieser sich mit seinem Bruder unterhielt. Als Cooper ein paar Minuten später verschwand, um ihnen allen einen trinkbaren Kaffee zu besorgen, fasste er sich ein Herz.
„Was ist mit dir, Blaine? Du freust dich anscheinend gar nicht richtig darüber, dass du entlassen wirst!"
Blaine holte tief Luft und blickte vor sich auf seine Bettdecke. „Cooper fliegt in zwei Tagen zurück nach L.A. und hast du den Arzt nicht gehört, Kurt? Ich werde Hilfe brauchen. Ich weiß nicht…"
Kurt unterbrach ihn. „Ich werde dir helfen, Blaine. Du kommst mit zu mir, ich habe bereits mit Rachel und Santana gesprochen. Sie sind einverstanden. Sie meinten, dass sie jetzt schon zwei Wochen deinen Bruder ertragen hätten und es kein Problem wäre, wenn du bei uns wohnst." Santanas bissige und anzügliche Kommentare zu seiner Verkündung, dass Blaine bald für eine Weile einziehen würde, erzählte er lieber nicht.
„Ich… ich will dir nicht zur Last fallen, Kurt! Ich …" Blaine stockte und er sah Kurt immer noch nicht an.
Kurt fasste nach Blaines Hand. „Du bist keine Last für mich, Blaine! Denk so etwas gar nicht erst. Ich bin froh, wenn ich dir helfen kann bis du wieder auf eigenen Füßen stehen kannst."
Blaine sah auf Kurts Hand, die seine festhielt. Es fühlte sich gut an, wie dieser sie festhielt. Endlich hob er seinen Blick und sah Kurt in die Augen. „Versprich mir, dass du die NYADA wegen mir nicht vernachlässigst, denn das will ich nicht!"
Kurt fing an zu lächeln. „Ich verspreche es! Wenn du willst, spreche ich auch noch mit Steve, dann kann er dir auch ab und zu helfen, wenn du z.B. zur Physiotherapie oder zu deiner Psychologin musst, okay?"
Nun fing Blaine auch an zu lächeln. „Okay!" sagte er und begann sich schon fast darauf zu freuen, bei Kurt einzuziehen. Er war auch wirklich froh, endlich aus diesem Krankenhaus herauszukommen.
Die Aussicht darauf, dass er demnächst allein mit Kurt in dessen Apartment sein konnte, war eigentlich gar nicht so übel.
Zwei Tage später flog Cooper zurück nach Los Angeles. Er war nachmittags noch im Krankenhaus bei Blaine gewesen und hatte sich lange und ausgiebig bei ihm verabschiedet. Coopers Flieger ging erst gegen 20.00 Uhr. Die beiden Brüder hatten sich geschworen, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Sie wollten häufig telefonieren und skypen und Blaine hatte bereits zugesagt, nach L.A. zu kommen, wenn es ihm möglich war, um Mellissa vielleicht noch vor der Geburt des Kindes kennenzulernen.
Dies würde nicht unbedingt klappen, das wusste Blaine, da Coopers Sohn oder Tochter bereits in den nächsten Wochen geboren werden konnte, da Mellissa bereits im 9. Monat war. Blaine freute sich darauf Mellissa kennenzulernen und noch mehr freute er sich auf seine Nichte oder seinen Neffen. Beide Andersons hatten Tränen in den Augen als sie sich verabschiedeten und Cooper Blaine noch einmal vorsichtig zum Abschied in den Arm nahm.
„Lass dir Kurt nicht von jemand anderem wegschnappen, Blainers! Er liebt dich und ihr beide seid füreinander bestimmt!" flüsterte er seinem kleinen Bruder als Abschiedsworte ins Ohr und dieser konnte ihm nur erstaunt zunicken bevor Cooper augenzwinkernd aus dem Zimmer verschwand.
Kurt hatte an der Tür gestanden und Coopers Worte nicht verstehen können. „Ich bringe deinen Bruder noch runter!" sagte er und schob Blaines erstaunten Gesichtsausdruck auf den gerade stattgefundenen Abschied von seinem Bruder.
Vor dem Krankenhaus verabschiedete er sich dann von Cooper, den er in der Zeit seines Aufenthaltes richtig lieb gewonnen hatte. Zwar war Blaines großer Bruder manchmal ein wirklich großer Kindskopf, besonders, wenn er mit Santana zusammen war, aber sein Umgang mit Blaine hatte Kurt gezeigt, dass er auch sehr erwachsen sein konnte. Er hielt ihm seine Hand hin, die Cooper auch sofort ergriff und schüttelte. „Danke, Cooper! Danke, dass du hier warst. Das hat Blaine viel bedeutet!"
„Hey, du bist derjenige, dem ich danken muss. Wenn du mich nicht angerufen hättest, hätte ich von alldem nichts erfahren und ich hätte immer noch keinen Kontakt zu meinem kleinen Bruder." Er schlug Kurt auf die Schulter. „Du hast sogar viel mehr als nur meinen Dank verdient, Kurt, aber vielleicht kann ich mich ja irgendwann einmal dafür revanchieren! Versprich mir jetzt, dass du auf Blaine aufpasst! Wenn irgendetwas sein sollte, egal was, ruf mich an und ich werde sehen, was ich machen kann. Ich bin nur ein paar Flugstunden entfernt!"
Kurt nickte lächelnd. „Ich verspreche, dass ich auf ihn aufpasse! Mach dir keine Sorgen um ihn!"
„Ich mache mir keine Sorgen um ihn, da ich weiß, dass er bei dir in guten Händen ist. Ach und Kurt, Blaine wird bald merken, dass er dich liebt, denn das tut er jetzt schon. Du musst ihm nur etwas Zeit geben, damit er sich darüber klar wird! Ihr passt übrigens sehr gut zusammen!"
Kurt schluckte und ihm blieb bei Coopers Worten kurz die Luft weg. Als dieser ihn nur wissend angrinste, nickte er endlich und räusperte sich. „Ich gebe ihm alle Zeit der Welt!"
„Gut, dann bis bald zukünftiger Schwager!" Cooper grinste noch breiter, schwang seine Tasche über seine Schulter und machte sich auf den Weg zur U-Bahn.
Kurt schaute ihm sprachlos hinterher. Zukünftiger Schwager hatte Blaines Bruder gesagt. Er begann ebenfalls zu grinsen. Er sah kurz zum Krankenhaus hoch und hoffte, dass Cooper mit seinen Zukunftsvoraussagungen Recht behielt. In seinen Träumen war Blaine auf jeden Fall derjenige, der ihm einmal einen Ring an den Finger stecken würde. Seufzend ging er zurück ins Krankenhaus.
Die Tage vergingen. Kurt ging zur NYADA und verbrachte die anschließende Zeit und das Wochenende immer bei Blaine im Krankenhaus. Blaines Tage waren ausgefüllt mit Physio- und Atemtherapie und jeden zweiten Tag in der Woche erschien seine Psychologin Marie und unterhielt sich mit ihm. Seine Wunden verheilten gut. Einige der blauen Flecke in seinem Gesicht waren noch zu sehen, aber die meisten waren bereits verschwunden. Ihn schmerzten noch seine Rippen und auch die Operationsnarbe, wenn er sich zu hastig bewegte. Sein Atemtherapeut war sehr zufrieden mit ihm und zwei Tage vor seiner Entlassung hatte dieser ihm gesagt, dass er ihn nicht mehr benötigte. Seine Physiotherapie hingegen würde Blaine auch noch nach seiner Entlassung eine Weile weitermachen müssen. Zum Glück war Blaine mittlerweile wieder in der Lage, den Gang vor seinem Zimmer auf und ab zu gehen ohne dabei völlig außer Atem zu geraten. Jeden Tag ging Kurt mit ihm mehrmals diese Strecke, um seine Beinmuskulatur zu stärken und in Schwung zu bringen.
Als Kurt mit Blaine nach einer dieser Touren zurück in seinem Zimmer angelangt war, ließ sich Blaine erschöpft auf sein Bett sinken. Blaine hatte Kurt darum gebeten, den Gang öfter als sonst auf und ab zu gehen und jetzt war er völlig außer Atem. „Ich werde besser!" schnaufte er und sah grinsend zu Kurt auf. Dieser fing an zu lachen und er freute sich darüber, dass Blaine so glücklich war. „Natürlich wirst du besser! In ein paar Wochen kann du wieder einen Marathon laufen!"
Blaine sah ihn skeptisch an. „Nun übertreib mal nicht gleich, Kurt!"
Kurt half ihm grinsend sich in sein Bett zu legen und dann setzte er sich auf den Stuhl neben Blaines Bett. „Übermorgen wirst du entlassen, Blaine! Freust du dich schon?" fragte er.
„Ja, irgendwie bin ich froh, wenn ich endlich hier raus kann, aber…" Blaine stockte.
„Was aber?" fragte Kurt misstrauisch. Sofort begann er sich Sorgen zu machen, was Blaine wohl meinte.
„Kurt, ich bräuchte ein paar Sachen aus dem Apartment. Ich habe nichts zum Anziehen und ich möchte nicht im Krankenhauskittel hier rausmarschieren. Außerdem bräuchte ich meine Sachen für die Julliard. Alles ist noch dort! Könntest du … ich meine, könntest du mir ein paar Sachen aus dem Apartment holen."
Kurt nickte. „Natürlich mache ich das! Sag mir, was du brauchst und ich sehe, dass ich die Sachen finde. Ist es in Ordnung, wenn ich Santana und Rachel mitnehme, dann könnten sie mir helfen?"
„Ist völlig in Ordnung!" Blaine begann zu überlegen, was Kurt ihm aus dem Apartment holen sollte.
So standen am nächsten Tag Kurt, Santana und Rachel am frühen Morgen vor dem riesigen Apartmentkomplex, wo Blaine mit Justin zusammen gewohnt hatte. „Wow, das sieht hier aber alles ziemlich edel und angeberisch aus!" sagte Santana als sie die vergoldeten Namensschilder an der Eingangstür sah. Kurt nickte nur und schloss die Tür auf. Mit dem Fahrstuhl fuhren die drei anschließend in den fünften Stock und Kurt fand sofort das Apartment, da Blaine es ihm gut beschrieben hatte.
Er wusste nicht wieso, aber irgendwie war er nervös als er die Tür des Apartments aufschloss. Rachel sah seine zitternden Hände und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Kurt, wir sind bei dir!" sagte sie nur und er atmete tief durch. Er nickte und öffnete die Tür.
Als die drei eintraten, stockte Kurt der Atem. Das Apartment war riesig.
„Heiliges Kanonenrohr!" hörte er Santana neben sich sagen und auch Rachel murmelte etwas unverständliches, was aber definitiv beeindruckt klang. Die beiden Frauen machten sich sofort an die Erkundung des Apartments, Kurt jedoch stand einen Moment lang starr da und konnte sich nicht bewegen. Hier hatte Blaine gewohnt und hier wäre er beinahe gestorben. Ihn überkam der Drang, sich umzudrehen und einfach wegzulaufen. Doch als er Rachel nach ihm rufen hörte, atmete er ein paar Mal tief durch und überwand diesen Drang. Er hatte Blaine versprochen, seine Sachen zu holen und an dieses Versprechen wollt er sich auch halten.
Er ging Rachels Rufen nach und fand sie in einem riesigen Ess-Wohnbereich, in dem sich ein wundervoller schwarzer Flügel befand, der die Blicke sofort auf sich zog, wenn man den Raum betrat.
„Dieses Apartment ist ein absoluter Traum, Kurt!" hörte er Rachel sagen, während er sich umsah.
Santana kam aus einem anderen Zimmer. „Hier geht es zum Schlafzimmer", sagte sie nur und deutete hinter sich.
Kurt zögerte und Rachel sah dies. Sie ging auf ihn zu und fasste ihn an der Hand. „Komm schon Kurt, lass uns Blaines Sachen holen!" Sie zog ihn mit sich mit. Als sie das Schlafzimmer betraten, zwang Kurt sich nicht auf das Bett zu achten, sondern er öffnete sofort den Kleiderschrank. Ihm fiel gleich auf, dass die eine Hälfte des Kleiderschranks komplett leer geräumt war. Dort hatten anscheinend Justins Sachen gehangen. Blaines Sachen auf der anderen Seite waren alle noch da.
„Hier, ich habe eine Reisetasche gefunden. Da können wir alles hineinräumen!" sagte Rachel und legte eine schwarze geräumige Tasche auf den Boden. Gemeinsam begannen sie Sachen für Blaine aus den Schränken zu suchen.
„Kurt, könntest du in den Kommoden da drüben mal nachsehen, ob du Unterwäsche und Socken von Blaine findest." Rachel deutete hinter ihn und Kurt sah sich um. Langsam ging er zu der ersten Kommode und als er die oberste Schublade öffnete, fand er auch sofort Blaines Unterwäsche. Mit einem komischen Gefühl in der Magengegend, nahm er einige der dunklen Boxershorts heraus und legte sie mit in die bereits gut gefüllte Reisetasche. Socken waren auch schnell gefunden.
Santana wanderte in der Zwischenzeit im Apartment herum und sah in alle Zimmer und alle Schränke. Hin und wieder pfiff sie anerkennend durch die Zähne. Kurt hatte ihr nicht gesagt, mit wem Blaine zusammen gewesen war, doch ihr wurde jetzt sehr schnell bewusst, dass dieser Justin stinkreich sein musste.
Als sie eine weitere Tür öffnete und in das Zimmer trat, stellte sie sofort fest, dass es sich um eine Art Büro handeln musste. Sie setzte sich an den Schreibtisch und begann die Schubladen nacheinander zu öffnen. In den meisten befand sich Papierkram oder sie waren leer. Nichts sah so aus, als ob es sie interessieren würde.
Gelangweilt wollte sie auch die letzte Schublade wieder zuschieben, als ihr Blick auf ein Bündel fiel, was mit Gummiringen zusammengehalten wurde und in der hintersten Ecke der letzten Schublade lag. Neugierig griff sie danach und stellte fest, dass es Briefe und Postkarten waren. Sie wollte sie schon wieder desinteressiert in die Schublade zurücklegen, als ihr auffiel, dass Blaines Name auf den Briefen stand und dass alle Briefe ungeöffnet waren. Mit einem Mal wusste sie, was das für Briefe waren.
Sie hatte während Coopers Aufenthalt bei ihnen an einem Abend ein ausführliches Gespräch mit ihm darüber gehabt, warum und wie er den Kontakt zu Blaine verloren hatte. Cooper hatte Briefe und Karten erwähnt und Santana wusste mit einem Mal, dass sie genau diese Briefe und Karten gerade gefunden hatte.
Nachdenklich sah sie das Bündel an.
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Was wird Santana mit den Briefen machen?
