Anmerkungen: In diesem und im nächsten Kapitel werden die Weichen für die folgenden Bücher gelegt. Der aufmerksame Leser wird vielleicht ahnen auf was es hinausläuft, wenn nicht... Auch gut ;)

Ich habe keine Ahnung wie das Jedi-Training abläuft. Wie schon öfter gesagt: Ich habe es mir ausgedacht.

Vielen Dank für die Anmerkung von berg-ulme das es im Star Wars verse 'Kaff' heißt. Es wurde geändert ;)

And thanks again, MargotL. Your lovely review made me blush. I put so much work into BoD and nowing that you enjoy it is so motivational! Thanks a lot!

28.

Padmé hatte genug.

Seit Wochen hörte sie nichts anderes als Karlie hier und Karlie da. Ja, Padmé wusste das die Feuchtfarmer eine eingeschworene Gemeinde waren, aber seit diese Frau die kleine Feuchtfarm in der Nähe des Balinnen-Anwesens bezogen hatte, halfen ihr die Männer ausgesprochen viel. Wie es schien auch gern.

Die meisten anderen Frauen taten es mit einem erheiterten Achselzucken ab. Selbst Beru seufzte lediglich wenn das Thema aufkam und drückte beide Augen zu, wenn ihr sonst so grummeliger Mann Karlie zuvorkommend fragte ob er ihr helfen konnte.

Sie lachte mit ihnen, lobte sie, flirtete ununterbrochen. Die Männer sonnten sich gerade zu in ihrer Aufmerksamkeit. Gepaart mit ihrer fröhlichen Art und dem umgänglichen Wesen, gab es im Moment nicht viel mehr was die Farmer beschäftigte. Sie halfen ihr mit kaputten Motoren, beim schleppen von Containern, beim reparieren von Equipment.

Doch das Schlimmste war das sie ihr Auge auf Obi-Wan geworfen hatte. Es verging kein Tag das sie nicht mal eben vorbei kam um etwas auszuleihen, zu fragen wie etwas funktionierte oder einfach nur auf Gesellschaft aus war.

Es war später Nachmittag als Obi-Wan nach Hause zurück kehrte. Seine Jedi-Robe war ausgetauscht durch die beige und braune grob gewebte Kleidung die alle Feuchtfarmer hier trugen. Als sie ihn danach fragte, erklärte er ihr was passiert war.

"Sie hat was?" Padmé musterte Obi-Wan eindringlich. Es war seltsam ihn in etwas anderem als seiner Tunika zu sehen.

Er schüttelte den Kopf und sah sehr verlegen aus.

"Sie hat mich mit Motoröl übergossen. Ein dummes Versehen." Er wies auf seine neue Kleidung. "Beru hat mir etwas von Owen geliehen."

"Ein Versehen?" Padmé musste ein auflachen unterdrücken. Das war alles andere als ein Versehen, da war sie sich sicher. Schließlich war sie mit Vera verwandt. Sie hatte ihn höchstwahrscheinlich aus voller Absicht übergossen...

Padmé konnte sich vorstellen wie sie ihm anschließend zugesehen hatte wie er Tunika und Hemd abgelegt hatte. Und da war es wieder: Dieses Gefühl in Padmés Magengrube. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.

"Ist die Tunika noch zu retten?" brachte sie durch den unangenehmen Kloß in ihrem Hals hervor.

"Beru hat sich ihrer angenommen. Sie sagte die Chancen stünden gut." er ging zur Anrichte und schüttete sich ein Glas Wasser ein. "Ich hoffe darauf das Beru ein Wunder vollbringen kann. Ich hänge an dieser Tunika."

Er schien beinahe belustigt über die Situation.

"Ich weiß nicht was daran amüsant ist." schnappte sie verärgert und suchte die Lebensmittel zusammen die sie zu einem Eintopf verarbeiten würde.

Sie sammelte alles auf der Anrichte und begann dann etwas heftiger als nötig das Gemüse zu schneiden. Obi-Wan sah ihr lange Zeit dabei zu und trank sein Wasser.

"Bist du etwas eifersüchtig, Padmé?" Seine Frage kam unerwartet. Seine Stimme war ruhig, hielt keine Spur von Belustigung. Sie hielt in der Bewegung des Hackens inne. Das beruhigende Geräusch der klatternden Schneide wich einer schweren Stille.

"Eifersüchtig?" Sie wirbelte herum und sah ihn aus funkelnden Augen an. Er erwiderte ihren Blick.

"Eifersucht ist nicht nur für die Liebenden vorbehalten, Padmé." erklärte er und seine Stimme verfiel in den Singsang des Lehrers. "Auch in Freundschaften gibt es solche Regungen. Ich hatte in letzter Zeit oftmals nicht die Zeit für dich, die ich dir zuvor entgegengebracht habe."

Dieses Geständnis ließ Padmé errötend zu Boden schauen. Sie hatte sich tatsächlich zurück gesetzt gefühlt seit Karlie in ihre kleine Welt getreten war. Vielleicht... Vielleicht war es tatsächlich Eifersucht die sie empfand?

"Du musst dich dafür nicht schämen." Es war ihr unmöglich ihn anzusehen und so strich sie sich das Haar aus dem Gesicht und hielt ihre Hand schützend vor ihre Augen. Sich zu verstecken erschien ihr als das Einleuchtendste.

"Du hast recht. Ich bin eifersüchtig." Sie legte das Messer beiseite und wandte sich ihm zu. "Vielleicht... Vielleicht habe ich auch etwas Angst das du uns wieder verlässt."

Es blitzte in seinen Augen und er streckte den Rücken unbewusst.

"Ich habe dir gesagt das ich nicht mehr gehen-"

"Findest du es so abwegig das du dich verlieben könntest?"

Die Frage überraschte nicht nur ihn sondern auch sie selbst. Sie biss sich in die Innenseite ihrer Wange, doch die Worte waren bereits ausgesprochen. Seine Augen weiteten sich. Die Frage traf viel zu nahe das Ziel. "Es gibt den Orden nicht mehr. Du musst niemandes Regeln mehr einhalten außer deinen eigenen."

"Verlieben." murmelte er abwesend, als wäre dies ein vollkommen neues Wort, ein neues Konzept für ihn. Dann schüttelte er den Kopf. "Ich habe immer an den Kodex geglaubt. Mich letztendlich sogar für das Zölibat entschieden."

"Ja, in der alten Welt, Obi-Wan. Als du noch im Tempel gelebt hast. Als Jedi, unter den Jedi. Doch was ist hier? Hier leben wir in einer neuen Welt."

Sie lachte und zeigte auf ihre Behausung, ihr zuhause. "Hier ist alles anders. Tatooine ist anders. Die Umstände haben sich geändert. Glaubst du nicht das wir uns anpassen sollten?"

Er dachte kurz nach, dann antwortete er: "Ja, wir leben in einer anderen Welt. Doch ich bin der Gleiche wie zuvor. Meine Werte, meine Ansichten haben sich nicht verändert."

"Also ist Karlie in keinster Weise anziehend für dich?"

"Ich bin kein Eunuch, Padmé." erwiderte er lachend. "Ich kann durchaus zugeben das sie attraktiv ist."

"Das kann dich nicht locken?" presste sie weiter ohne auf seinen Heiterkeitsausbruch zu achten. Er wurde wieder ernst und suchte ihr Gesicht nach etwas ab. Seine Antwort kam erst nach einigen Momenten.

"Wirke ich auf dich wie jemand den das locken würde?"

Sie schüttelte den Kopf. Worte waren ihr einen Moment lang entfallen.

"Nein: Verliebtheit, Begierde, Sexuelle Erfüllung... Das hält für mich keinen großen Reiz." Obi-Wan schien ihrem zweifelhaften Blick zu bemerken, er blickte sie mit einem schiefen Lächeln an. "Was nicht heißt das mich diese Dinge kalt lassen. Nur halten sie keinen hohen Stellenwert für mich."

Er lehnte sich auf seinem Stuhl zurück, als wolle er etwas Abstand von dem Gespräch bekommen. Sein Blick war fokussierte auf einen Punkt neben seiner Hand die auf der Tischplatte lag.

"Liebe, Zuneigung und Freundschaft sind es die mich verlocken würden. Eine Frau, die mir ebenbürtig ist. Die meinen Geist genauso wie meinen Verstand anregt." Dieses Geständnis schien ihm schwer über die Lippen zu kommen. Die nächsten Worte waren fließender, hielten nicht so viel Gewicht: "Karlie ist jung. Kaum mehr Dreiundzwanzig. Sie ist eine gute Gesprächspartnerin, doch es fehlt ihr an... den Jahren und Erfahrung, die ihre wilde Persönlichkeit etwas abmildern würden."

Obi-Wan sah nicht fort, als wolle er das sie verstünde das er es ernst meinte.

"Selbst wenn sie... Mehr diesen Vorstellungen entsprechen würde... Ich weiß nicht ob ich bereit bin die Regeln des alten Ordens schon hinter mir zu lassen. Es lag für mich immer etwas Beruhigendes darin ihnen zu folgen."

Ja, das wusste sie. Hatte sie immer verstanden. Regeln hatten eine Macht welche die Meisten unterschätzten. Sie sahen nur die Grenze, die ihnen ein Stück weit die Freiheit nahm, doch Padmé wusste auch das Regeln Halt geben konnten und neue Möglichkeiten eröffneten.

"Aber das war meine Entscheidung. Andere Jedi haben andere Entscheidungen getroffen. Es gab schon immer verschiedene Strömungen innerhalb des Ordens. Vieles ist Auslegungssache. Sex zum Beispiel ist erlaubt, nur die emotionale Bindung dahinter ist das was als störend angesehen wird. So gibt... Gab es Jedi innerhalb des Ordens die durchaus lose... Verhältnisse pflegten."

Sie setzte sich ihm gegenüber an den Tisch und faltete ihre Hände. Sie erinnerte sich an einige Gespräche mit Anakin über den Orden. Ausführlich waren die Gespräche jedoch nie gewesen.

"Ich habe mich nach dem ich zum Meister ernannt wurde für einen anderen Weg entschieden. Regeln sind mir wichtig. Es widerspricht meiner Persönlichkeit Intimität ohne eine Verbindung einzugehen, doch dies wäre wiederum gegen den Kodex. Du siehst das Dilemma. In meiner Jugend bin ich einige Mal in Versuchung geführt worden. So war das Zölibat lediglich der nächste Schritt für mich."

Wenn er es so sagte, klang es vollkommen nachvollziehbar.

"Also willst du... ungebunden bleiben?"

"Ich sehe mich nicht als ungebunden, Padmé." Er schüttelte den Kopf. "Ich bin Teil dieser Familie. Auf gewisse Weise habe ich den Kodex bereits gebrochen."

"Ja, ich verstehe was du meinst." wisperte sie in Gedanken versunken.

"Was ist..." begann sie und hielt inne. "Was ist wenn ich nicht allein bleiben will?"

Sie schwiegen und sein Blick sagte ihr das er sich bis jetzt noch keine Gedanken darüber gemacht hatte, doch er schien nicht erstaunt. Einige Male öffnete den Mund um etwas sagen zu wollen, doch er schwieg letztendlich.

"Du bist eine junge Frau. Es ist nachvollziehbar das du nicht allein bleiben willst, sondern das Leben mit einem anderen Menschen teilen möchtest. Auf eine, für dich, intimere Art als eine Freundschaft."

Er sagte es ganz nüchtern und Padmé spürte wie ihr das ganz und gar nicht gefiel.

Die Freundschaft die er meinte war natürlich die ihre und sie fragte sich ob sie dort einen gewissen Vorwurf heraus hören konnte? Wäre es ein Problem für ihn wenn sie sich verlieben würde?

Eifersucht ist nicht nur den Liebenden vorbehalten.

Sie beobachtete ihn, doch er machte keinen Anstalten noch mehr zu sagen. War das wirklich alles was er sagen würde?

Plötzlich erschien ihr das Gespräch unangenehm und sinnlos. Was hatte sie sich dabei gedacht es anzusprechen?

"Wenn es soweit ist, werde ich meinerseits versuchen nicht zu eifersüchtig sein." Obi-Wan zwinkerte ihr zu, sie konnte nicht anders als zu lächeln und verdrehte die Augen.

Dann räusperte er sich und nestelte an dem Beutel den er über den Stuhl gehangen hatte. Das Gespräch war vorbei. Padmé spürte Erleichterung und Enttäuschung darüber. Worüber konnte sie nicht genau sagen, doch es fühlte sich so an, als wäre nicht alles gesagt worden.

"Das hat wenigstens nichts von dem Öl abbekommen." Obi-Wan stellte eine Figur vor Padmé auf die Anrichte.

Padmé nahm die Schnitzerei in die Hand und musterte sie. Es war eine einfache Holzschnitzerei einer Frau, die ein Tambourin in der Hand hielt und sich im Tanz bewegte. In ihrer Simplizität hatte die Figur etwas das Padmé berührte und ein Wiedererkennen durchfuhr sie.

"Ich habe sie auf dem Markt entdeckt bei einem Händler von außerhalb. Ich musste an deine Mondgöttin denken, als ich sie sah." Er hielt sein Kinn nachdenklich mit Zeigefinger und Daumen umfasst.

Padmé sah auf und lächelte versonnen. "Ja, es ist seltsam. Daran dachte ich eben auch."

Das Gespräch über Shiraya war schon einige Monate her. Überhaupt das er sich noch daran erinnerte... Sie lächelte den Jedi offen an und bedankte sich.

Mehr gab es nicht zu sagen. Ihre Gefühle in Worte auszudrücken wäre zu schwierig gewesen, zu gefährlich nahe würde sie an ein Eingeständnis kommen, zu dem sie nicht bereit war. Und er wohl auch nicht.

Vielleicht wird er niemals soweit sein.

Padmé sah hinab in das gelassene Gesicht der Mondgöttin und war trotz ihrer widersprüchlichen Gefühle und Gedanken mit Ruhe erfüllt. Shiraya, sei Dank.


Als Padmé an diesem Morgen von ihrem Frühstück aufsah, bohrte Luke gerade seinen Finger in sein Brot. Seine Schwester hingegen trank gierig ihre Milch, einige Tropen liefen an beiden Seiten an ihrem Mund hinab und tropften auf den Tisch und ihr Oberteil. Leia stellte ihre Tasse ab und sah Obi-Wan erwartungsvoll an.

„Noch ein bisschen Milch?"

„Ja." Er schraubte den Milchbehälter auf um ihr etwas einzuschütten. Stand dann auf um den Behälter in die Küche zurück zu bringen.

„Bringst du mir Kaff mit?" Padmé zog Luke seinen Teller weg, was er mit einem trotzigem Geräusch kommentierte. „Das Brot wird gegessen Luke, nicht damit gespielt. Wenn du spielen willst, dann steh auf."

Luke blieb sitzen und zog die Unterlippe trotzig hoch. Wenn er das tat erinnerte er sie an Anakin.

„Willst du das Brot noch essen, Luke?" Er nickte und Padmé schob ihm den Teller wieder rüber.

Neben ihr erschien Obi-Wan. Er schüttete ihr Kaff ein. Sie bedankte sich abwesend und sah dabei zu, wie Leia sich die andere Hälfte von Lukes Brot stahl.

Die beiden ließen sich von ihren Stühlen gleiten und verschwanden raus in den Hof um irgendwelchen Unsinn anzurichten. Padmé hoffte, dass sie die Reste des Brotes nicht von irgendwelchen Wänden kratzen musste.

Padmé seufzte und sah in Obi-Wans Gesicht. Sie bemerkte lächelnd, dass er Marmelade an der Unterlippe hatte und beugte sich zu ihm, um sie mit dem Daumen fort zu wischen. Sie leckte die Marmelade von ihrem Daumen, was er mit einem Schnauben und einem Kopfschütteln kommentierte.

Einen Augenblick zu lang blickte sie ihn an. Die Erkenntnis ließ sich Zeit. Weder setzte die Zeit aus, noch veränderte sich die Qualität des Lichtes.

Sie dachte: Wie habe ich das nur nicht bemerken können?

Padmé fühlte sich nicht anders. Alles schien noch genau so wie vor einigen Minuten. Doch allein die Tatsache dass Padmé sich nun eingestehen konnte was sie empfand änderte alles.

Ihre Gefühle für Obi-Wan waren nichts Plötzliches, sie waren über die letzten zwei Jahre herangewachsen und gereift. Sich dessen bewusst zu sein, fühlte sich gleichzeitig neu und vertraut an. Sie wusste, dass sie Obi-Wan brauchte und dass sie sich ein Leben ohne ihn nicht länger vorstellen konnte.

Es war beinahe lächerlich zweimal den gleichen Fehler zu begehen, schalt sie sich innerlich. Schon einmal hat ein Jedi dein Herz gebrochen.

Und doch wehrte sie sich gegen diese vernünftige Stimme. Es war für Padmé unvorstellbar, dass Obi-Wan ihr weh tun würde. Alles was sie ihrerseits tun müsste, war ihre Gefühle vor ihm zu verbergen, so dass alles genau so blieb wie es war. Denn so wie es war, war es gut.

Letzten Endes, überlegte sie, ist es das Beste für uns alle.


Im ersten Moment dachte sie Obi-Wan sei tot. In der Tür verweilend, nahm sie die Szene ein: Eine Gruppe Feuchtfarmer war in das kleine Zimmer gequetscht, es roch unangenehm nach Männerschweiß und Dünger. Nahe dem Bett standen Vera und Beru.

Inmitten der Kissen lag Obi-Wan. So still das selbst als sie näher trat sie nicht sagen konnte ob er atmete oder nicht. Die beruhigenden Worte Berus zogen ungehört an ihr vorbei.

Padmé suchte schließlich Owens Blick. Der andere Mann schüttelte den Kopf. Seine hinabhängende Mundwinkel schienen heute noch tiefer in sein Gesicht gegraben zu sein.

"Weiß nicht was passiert ist." Padmé blickte wieder zu Obi-Wan und ergriff die Hand die ihr am nächsten war. Seine Finger hielten noch Spuren von Dünger. Die Haut unter ihrer war rau. "Er ist ohne Vorwarnung umgekippt. Dabei war es heute gar nicht so heiß in den Gewächstunneln..." Zustimmendes Gemurmel von den anderen Männern.

Der zweite Teil Owen Erklärung schien mehr für ihn selbst bestimmt zu sein. Wenn Padmé es nicht besser wüsste würde sie denken, er versuche sich selbst zu beruhigen.

Doch da ihr Gefühle zu aufgewühlt waren, nahm sie Owen nur am Rande war. Ihr Blick war auf den Mann auf dem Bett gerichtet. Padmé konnte nun sehen das Obi-Wan noch atmete. Seine Brust hob und senkte sich langsam. Der Puls unter ihren zitternden Fingern war ein bedächtiges Klopfen. An der rechten Stirn hatte er eine übel aussehende Beule.

Vera, die sich gerade über ihn beugte und seine Stirn fühlte sagte schließlich mit der Erfahrenheit der Mutter: "Er wird wieder gesund. Nur ein Hitzeschlag."

Ein Hitzeschlag? Padmé konnte es nicht glauben. Für die Anderen ist dies natürlich keine große Sache, aber sie wissen auch nicht das Jedis viel mehr als ein gewöhnliches Wesen aushalten können.

Seit sie der Vorarbeiter Owens vor einer Stunde aufgesucht hatte, bis zu diesem Moment hatte sie sich die schlimmsten Dinge ausgemalt, trotz seiner Versicherungen das alles in Ordnung war. Doch ihn jetzt hier liegen zu sehen, das Gesicht bleich und geschwitzt, war noch weit schlimmer als sie es sich vorgestellt hatte. Es machte ihr weit mehr Sorgen, als sie auszudrücken vermochte.

Beru brachte eine Schüssel mit Wasser und wollte sich daran machen ihm den Schweiß abzuwaschen. Padmé berührte ihre Hand.

Auf den verwirrten Blick der anderen Frau sagte Padmé nun: "Er würde es nicht mögen..." Sie wandte sich um und sah in die Gesichter der Feuchtfarmer.

"Er würde es nicht mögen, das ihr ihn so seht."

Das verstanden diese Männer. Sie verließen wortlos den Raum. Auch dies war ein Zeugnis dafür wie sehr sie Teil dieser Gemeinschaft waren. Obi-Wan, der Kernweltler, wurde von den anderen Farmern geschätzt.

"Ich sehe nach Luke und Leia." Beru legte ihr eine beschwichtigende Hand auf die Schulter. Padmé dankte ihrer Freundin abwesend.

Als die Tür hinter ihr zu viel seufzte sie schwer.

Ihr fiel auf wie trocken seine Lippen aussahen. Wann hatte er das letzte Mal etwas getrunken? Sie tauchte ihre Finger in das kühle Wasser und ließ dann die hinabfallenden Tropfen auf seine Lippen fallen. Nach einigen Augenblicken folgte ein Schlucken. Sie wiederholte das ganze noch einige Male.

Schließlich begann Padmé vorsichtig ihm das Gesicht vom Staub und Schweiß zu reinigen.

Ordentlich wusch sie den Lappen aus, bevor sie mit seinem Hals fortfuhr. Sie spürte wie sein Adamsapfel unter ihrer Hand auf und ab glitt, als er schluckte.

"Qu...Qui-Gon..."

Der Name war aus einer anderen Zeit, einem Abschnitt ihres Lebens über den sie dieser Tage nicht mehr oft nachdachte. Obi-Wans zuvor ausdrucksloses Gesicht verzog sich. Seine Augäpfel bewegten sich unter seinen Lidern hin und her, als träume er.

Doch Jedi träumen nicht, nicht wahr?

Noch einmal sagte er den Namen seines Lehrers, diesmal leiser.

Padmé schüttelte den Kopf. Was auch immer er träumte, es machte keinen Sinn sich damit zu beschäftigen. Sie begann seine Hände zu waschen, als sie fertig war, war das Wasser trüb. Der Sand war bereits zu Boden des Topfes gesunken.

Es klopfte an der Tür und Luke und Leia kamen hineingestürzt. Beru zuckte mit den Schultern und erklärte das die beiden keine Ruhe gegeben hätten.

Hinter ihr rief Leia lautstark das Ben aufwachen sollte, so wie sie es auch früh morgens tat. Er regte sich nicht. Bevor die beiden Kinder anfingen auf ihm herum zuspringen, ermahnte sie die beiden sich zu ihr zu setzen.

Sie hörten ihr aufmerksam zu als sie ihnen erklärte das es Ben gerade nicht gut ginge und er Ruhe bräuchte, das er aber bald gesund wäre.

"Das wissen wir doch." Lukes Lispeln wurde etwas stärker als er seine Mutter ein breites Grinsen zuwarf. Leia nickte zustimmend.

Padmé sah die beiden stirnrunzelnd an, als sie vom Bett rutschten und anfingen sorgenlos zu spielen.

Tatsächlich, am folgenden Morgen weckten die Zwillinge sie auf. Als sie das Zimmer betrat sah er sie lächelnd an. Er war wach und schien vollkommen gesund. Eine halbvolle Schüssel Frühstücksbrei und Milch standen neben ihm auf dem Nachttisch.

"Geht es dir gut?" Die Sorge konnte sie nicht ganz abstellen, selbst jetzt im Angesicht seiner Genesung. Noch immer nagte der Zweifel an ihr, das es noch einen anderen Grund für seinen Schwächeanfall gegeben haben musste.

Ohne sie anzusehen erklärte er ihr das er sich wohl übernommen hatte. Das sie ihm nicht glaubte, brauchte sie nicht zu sagen. Doch sie beließen es erst mal dabei. Jetzt gerade war sie zu erleichtert das es ihm wieder gut ging.

Am Abend bereits schon, kehrten sie nach Hause zurück. Nichts mehr erinnerte an den Vorfall.


Es begann mit Dingen, die langsamer fielen als sie sollten.

Padmé bemerkte es. Und schwieg.

Sie war sich sicher das es Obi-Wan es ebenfalls aufgefallen war.

Sie versuchte sich keine Gedanken darüber zu machen welcher ihrer Kinder sich da austestete. Es war zu früh dem zu viel Aufmerksamkeit zu schenken.

Von den ersten langsam fallenden Spielzeugen dauerte es nicht lange bis Dinge durch den Raum schwebten, wenn Luke und Leia ein bestimmtest Spielzeug wollten und dann war es nur noch ein kleiner Schritt bis hin zu Lukes Wutanfall, mit herum wirbelnden Gegenständen, knarzenden Möbeln und dem unmissverständlichen Knistern der Energie in der Luft.

Ein Spielzeug traf sie urplötzlich an der Stirn und sie stolperte zurück. Obi-Wan musste ihren Aufschrei gehört haben. Er kniete sich neben sie und rieb über ihre Stirn. Sie fühlte die heilende Energie und die Wärme seiner Berührung.

"Geh und kühl die Stelle", Er half ihr auf. Seine Mund war in eine Linie gepresst. Sie bemerkte nun erst das Luke immer noch schrie und Dinge umherflogen, doch alles prallte eine knappe Armlänge entfernt vor Obi-Wan zu Boden.

Diese Tatsache schien Luke noch mehr aufzubringen und noch mehr Dinge flogen auf den Mann zu.

"Ich kümmere mich um, Luke." er warf einen Blick über seine Schulter zu dem Jungen. "Dann müssen wir reden."

Padmé seufzte resigniert und sah das weinende Kleinkind an, der inzwischen rot angelaufen war. Rotz und Tränen liefen ihm über das sonst so hübsche Gesicht. Padmé schmerzte nicht nur die Stirn, sondern auch das Herz.

Irgendwie habe ich immer noch gehofft-

Sie nickte Obi-Wan zu und verließ dann das Kinderzimmer. Luke tobte weiter, aber sie wusste das sie kaum etwas würde tun können.

Eine seltsame Angst durchfuhr sie. Was hatte sie als Mutter diesen Kräften entgegen zu setzen?

Einige Zeit später kam ein sehr unglücklicher Luke ins Wohnzimmer. Seine Schwester saß am Boden und malte, doch sie sah von ihrem Bild auf um ihren Bruder zu beobachten.

Obi-Wan stand im Türrahmen und wartete. Er gab Luke einen kleinen Schubs.

Luke kam vorsichtig zu ihr hinüber, seine speckige Hand legte sich auf die ihre. Seine Hände waren warm und weich. Die Anspannung fiel von Padmé ab. Sie sah ihren kleinen Jungen seufzend an.

" 'schuldige, Mommy." nuschelte er, den Blick auf ihr Knie gerichtet.

"Entschuldigung akzeptiert, Luke." Ihre Hand streichelte seine gerötete Wange bei diesen Worten. Mehr fiel ihr nicht ein, da sie selbst immer noch aufgewühlt war. Doch der Junge schien nicht mehr zu erwarten und lächelte sie schüchtern an.

"Warum spielst du nicht mit Leia. Ihr könnt zusammen ein schönes Bild für euer Zimmer malen." schlug Obi-Wan vor. Luke nickte eifrig und schloss sich seiner Schwester an.

Obi-Wan nahm ihr gegenüber Platz und faltete die Hände vor sich.

"Schon seit längerem beobachte ich die Entwicklung ihrer Kräfte. Und auch wenn du es nicht gerne hörst, werde ich anfangen die beiden zu unterrichten", Er sagte es ganz sachlich, doch trotz allem sah sie das er Widerstand erwartete.

Wäre sie sich nicht so aufgewühlt, würde sie lachen.

"Da ist das Vernünftigste." Padmé ließ das Kühlpack sinken. Sein Gesicht verriet Überraschung.

"Nein, ich werde nicht darüber diskutieren", meinte sie kopfschüttelnd. "Ich habe keine Möglichkeiten den beiden in dieser Angelegenheit zu helfen. Das ist dein Gebiet."

Er nickte erleichtert. Er hatte sich auf eine längere Debatte eingestellt und als sie dies erkannte lächelten sie einander an.

Kurze Zeit lang sahen den Zwillingen beim malen zu. Sie schwiegen, doch Padmé stellte etwas anderes fest das sie bis jetzt ebenfalls ignoriert hatte. Es gab Momente, da sah Leia suchend auf, als wolle sie im nächsten Moment nach einer bestimmten Farbe verlangen. Doch ohne das gesprochen wurde reichte ihr Bruder ihr einen Stift, ohne aufgesehen zu haben, ohne das auch nur ein Wort gewechselt wurde.

Die Tränen die ihr in die Augen schossen waren nicht zu erklären. Es war keine wirklich Traurigkeit die sie empfand, mehr eine gewisse Rührung. Es lag eine Wehmut in ihrem Herzen die sie nicht verstand.

Obi-Wans Blick ruhte immer noch aufmerksam auf ihr. Als sie zu ihm hinüber sah, verstand sie das er es schon länger wusste oder gespürt hatte und nur darauf gewartet hatte das sie es sah. Das er vielleicht sogar Teil davon war, ohne das sie es bemerkt hatte. Zahlreiche Veränderungen, hunderte kleine Momente fielen ihr plötzlich ein.

Leia sah mit fragenden Augen auf, blickte von ihr zu Obi-Wan und Padmé bemerkte ihr Minenspiel, als würden tatsächlich Worte gewechselt werden. Er gab ihr ein antwortendes Lächeln und nickte.

"Ben." Padmé Stimme war gepresst und nun war es an ihm zu seufzen.

"Hat Anakin dir jemals von der Verbindung zwischen Meister und Schüler erzählt?" fragte er letztendlich.

Sie versuchte sich zu erinnern, doch nichts kam. "Nein." erwiderte sie kopfschüttelnd.

"Gewöhnlich wählte ein Meister einen Schüler, etwa um das 13te Lebensjahr des Schülers. Dann... Formt sich eine Art Band zwischen Meister und Schüler. Die meisten humanoiden Wesen durchleben in dieser Zeit eine Art Umbruch, so ist es sehr hilfreich für beide Seiten im täglichen Leben. Der Meister spürt wenn der Padawan aufgeregt, wütend oder verängstigt ist und kann seinerseits durch Anleiten beruhigen oder sogar durch das gezieltes Eingreifen die Emotionen des Schülers beruhigen."

Sie stellte sich vor das jemand anders Teil ihrer Gefühlswelt war und erschauerte. Der Gedanke war fremd.

"Das klingt... hilfreich, aber auch angsteinflößend." Obi-Wan nickte verstehend.

"Hmm. Es ist schwer in Worte zu fassen. Es ist nicht so als wäre man nicht mehr Herr seiner Gefühle und Gedanken. Eher so... Als sähe man sich ebenfalls auf der mentalen Ebene, wo alles sehr viel klarer ist. Auch hier ist es so wie überall sonst, eine Beziehung ist nur so tief wie man es zulässt.

"Die Verbindung zwischen Qui-Gon und mir zum Beispiel... War, trotz anfänglicher Probleme, ungewöhnlich stark. Während Anakin und ich..." Er hielt inne und schluckte, nach Worten suchend. Unruhig fuhr er sich durchs Haar. "...unsere Beziehung war weniger paternal als brüderlich. Ich sah ihn immer mehr als einen jüngeren Bruder, als einen Sohn. Qui-Gon war schließlich sehr viel älter, als ich sein Padawan wurde.

"Anakin hatte immer seine Schilde hinter denen er sich versteckte, doch er konnte auch sehr offen, manchmal gar zu offen sein. Es fiel ihm schwer eine Balance zu finden. Ganz so wie es manchmal bei Geschwistern der Fall ist."

"Ist es so bei Luke und Leia?" Es fiel ihr schwer dieses Konzept zu begreifen.

"Nein, ihre Verbindung ist sehr viel rudimentärer, sehr viel kindlicher. Sie kommunizieren viel über Bilder und Gefühle. Es gibt noch keine wirklichen Schilde, da sich ihre Persönlichkeiten gerade erst herausbilden. Sie sind sich zwar bewusst das sie eigenständig sind, aber gleichzeitig sind sie beide sowohl Luke als auch Leia. So bald sie eigenständiger werden und lernen sich abzuschirmen wird sich das verändern.

Sie werden selbst dafür Sorgen sich vom anderen abzunabeln. Trotz allem denke ich das ihre Verbindung immer stark bleiben wird."

Padmé nickte und blickte hinüber zu den beiden. Sie waren ganz in ihrer Welt.

"Du sagtest das Padawane erst mit dreizehn ausgewählt werden..." Sie sind noch so jung...

"Ja, bis dahin werden die Jünglinge von vielen Meistern unterrichtet. Das soll verhindern das sich ein Band formt."

"Weil?"

"In dem Alter eine solch tiefgehende Verbindung nicht gewünscht ist."

"Aber du hast eine solche Verbindung zu Luke und Leia." stellte sie fest.

"Ja. Was zu erwarten war. Ich bin neben dir, ihre einzige Bezugsperson."

"Was bedeutet das?" Es war kaum möglich die Sorge zu unterdrücken die in ihr aufwallte.

Er zupfte an seinem Bart herum, die Augen auf die Kinder gerichtet, doch gleichzeitig blickte er nach innen.

Seine Antwort war vorsichtig: "Es widerspricht den Jedi-Regeln."

"Und was heißt das? Ist es schlecht für sie? Werden sie... Werden sie wie... Wie-" Sie konnte seinen Namen nicht aussprechen. Mit flehenden Augen sah sie Obi-Wan an.

"Padmé, auch ich habe nicht die Antworten auf alles. Ich stelle mir diese Fragen auch. Ja, es steht im kompletten Gegensatz zu dem was ich im Tempel gelernt habe. Ist es schlecht? Ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen. Noch nicht. Doch es könnte auch ein Vorteil sein. Vielleicht lernen sie dadurch mit ihren Gefühlen besser umzugehen. Vielleicht ist es auch ein neuer Anfang für den Orden."

Padmé starrte ihn mit unverhohlenem Erstaunen an.

"Aber ich dachte... Dachte die Regeln seien dir so wichtig?", bohrte sie nach.

"Sie sind mir wichtig. Aber ich habe auch nachgedacht über das was du neulich zu mir gesagt hast."

Er lehnte sich nach vorne auf seine Ellenbogen. Die meerblauen Augen ernst und ehrlich. Die Sicherheit in seiner Stimme nahm ihr die Furcht.

"Dies ist eine neue Welt. Die Umstände für Luke und Leia sind vollkommen anders. Wir können ihnen beibringen das beides möglich ist, was es heißt ein Jedi und Teil einer Familie zu sein und mit festen, sicheren Bindungen zurecht zu kommen. Den einen Teil werden sie von mir lernen, den anderen von dir."

Seine Hände hatten ihre ergriffen ohne das sie es bemerkt hatte.

"Ich habe ein gutes Gefühl was das angeht, Padmé", schloss er und sah sie abwartend an.

Schließlich nickte sie und erwiderte den Druck seiner Hände.


Es gab verschiedene Trainingseinheiten über den Tag verteilt. Morgens nach dem aufstehen wurde meditiert um gut in den Tag zu finden.

Am Vormittag fand sie die Drei im Innenhof, während sie sich dehnten, fangen, Ball spielten oder tanzten.

In der Nachmittagszeit saßen sie drinnen und er erklärte ihnen auf einfache Art was die Macht war, zeigte ihnen wie man etwas zum schweben brachte, es zu fühlen und zu kontrollieren.

Abends, vor dem Zubettgehen meditierten sie noch einmal.

Die einzelnen Einheiten waren nie länger als zehn bis zwanzig Minuten. Danach ließ die Aufmerksamkeit der beiden nach und sie widmeten sich wieder anderen, für sie wichtigeren Dingen zu.

An manchen Tagen war er sichtlich frustriert mit ihnen. Doch das war zu erwarten. Kleinkinder waren nicht für ihre unermüdliche Aufmerksamkeit bekannt.

Die Zwillinge lernten. Und Obi-Wan lernte mit ihnen.

Er lernte sie Räder zu schlagen oder einen Purzelbaum zu machen. Gerade diesen akrobatischen Übungen sah Padmé eher zwiegespalten entgegen. Doch er versicherte ihr das diese Dinge ebenso wichtig waren wie ihr sich entwickelnder Geist.

Einmal beobachtete sie wie er ihnen zeigte einen Handstand zu machen und die beiden versuchten einige Zeit lang ihn lachend um zu werfen. Schließlich verlor er sein Gleichgewicht und plumpste unbeholfen zu Boden.

Padmé erwischte sich dabei wie sie die Erste war die lauthals lachte. Es war einfach zu lustig wie er da im Sand lag, alle viere von sich war einfach zu lustig wie er da im Sand lag, alle Viere von sich gestreckt.

"Ich dachte nie das euch mal jemand zu Fall bringen würde, Meister Kenobi." Sie kicherte unkontrolliert. Er verdrehte seine Augen, doch schien selbst amüsiert.

Manchmal ist das Leben gut. Wie jetzt gerade, befand Padmé, als sie in sein gerötetes Gesicht sah. Das Lächeln das er ihr schließlich schenkte wurde von Erstaunen abgelöst als Luke und Leia auf ihn sprangen.

Wenn sie die Drei so ansah, hatte auch sie ein gutes Gefühl was die Zukunft anging.