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Kapitel 29 – Theaterprobe, Theaterprobe

Mittwochmorgen wachte Ginny etwas nervös auf. Es war früher als sonst, aber sie wollte mitbekommen, wie Blaise das Geschenk öffnete. Hoffentlich gefiel es ihm… schnell zog sie sich an und ging hinunter in die Große Halle. Wie erwartet saß er dunkelhaarige Slytherin bereits an seinem Tisch. Bei den Gryffindors waren erst wenige Schüler beim Frühstück. Ginny entdeckte Natalie McDonald, die ihr vor der Weihnachtsfeier die Haare gemacht hatte, und setzte sich zu ihr.

„Guten Morgen."

„Hallo!". Natalie lächelte sie fröhlich an. „Bist du heute früher dran als sonst? Um die Zeit habe ich dich noch nie hier gesehen."

„Äh, ja, wir schreiben nachher einen Test in Verwandlungen und ich muss dafür noch lernen."

„Oh, bei McGonagall? Ich finde das Fach sehr schwierig, Zauberkunst mag ich viel lieber."

Sie plauderten eine Weile unbefangen über tyrannische Lehrer und das Leben in Hogwarts. Dann wurde ihr Gespräch durch das Eintreffen der Eulen unterbrochen.

Gespannt sah Ginny hinauf. Ja, dort war die Eule mit Blaise' Geschenk! Sie flog direkt zum Slytherin-Tisch. Dort saß Blaise, neben Diamante, seiner blonden Freundin. Gab es da nicht irgendein Sprichwort über blonde Mädchen? Egal.

Die Eule, die Ginny ausgesucht hatte, war nicht die Einzige, die zu Blaise wollte. Schnell drängten sich 5 oder 6 Tiere vor dem Slytherin und versuchten alle, ihr Päckchen zuerst abzugeben. Blaise öffnete das erste – es war nicht das von Ginny. Heraus kam eine edle Schreibfeder. Diamante neben ihm lächelte ihn an und fragte etwas. Er lächelte höflich zurück, dann… küsste er sie. Ginny sah wieder auf ihr Toast. Es war ja auch zu auffällig, die ganze Zeit zu dem Slytherin-Tisch zu gucken. Kurz darauf hatte sie die Neugier allerdings wieder gepackt. Und tatsächlich – Blaise öffnete gerade ihr Geschenk. Beschämt stellte Ginny fest, dass ihr Geschenkpapier nicht halb so schön wie das seiner anderen Geschenke war. Aber es zählte ja schließlich der Inhalt.

Blaise zog das Buch aus dem Papier. Er hob beide Augenbrauen, als er den Titel las. War das Überraschung? Dann las er den Zettel mit der Widmung. Kurz runzelte er die Stirn. Dann blickte er zu Ginny. Mist, sie hatte ihn angestarrt!

Als er ihr nun in die Augen blickte, wurde sie rot und wandte sich wieder ihrem Toast zu. Dennoch konnte sie es nicht lassen, noch einmal zu ihm zu schielen. Er hatte inzwischen das Buch aufgeschlagen und blickte, offensichtlich interessiert, hinein. Ginny lächelte. Anscheinend gefiel es ihm.

Der Slytherin musste gemerkt haben, dass jemand ihn beobachtete, denn er sah wieder zu Ginny, welche immer noch lächelte. Blaise neigte leicht den Kopf, wie als wolle er ihr ‚Danke' sagen. War das die Andeutung eines Lächelns gewesen?

2 Tage später war wieder Probe. Die Szene, in welcher sie zu viert auftraten, sollte noch einmal geprobt werden. Als Ginny kurz vor 8 hinunter ging, standen die anderen schon da – wie immer waren Hannah und Justin möglichst weit weg von Blaise. Sie winkten Ginny zu sich. Aber auch Blaise… was war das? Hatte sie sich verhört?

„Guten Abend.", hatte der Schwarzhaarige gesagt. Nanu? Ignorierte er sie denn gar nicht mehr?

Die Probe an sich lief ganz gut. Sie brauchten viel weniger Zeit als in der letzten Woche, auch der Übergang zwischen Ginny und Blaise klappte nach dem zweiten Versuch. Insgesamt war Tonks sehr zufrieden damit.

Nach der Probe hatten sich Justin und Hannah schnell verabschiedet, da sie noch einen Aufsatz für Kräuterkunde schreiben mussten. Blaise war noch hier, da er seine Robe, welche er vor dem Spielen abgelegt hatte, wieder anzog. Tonks hatte bereits eine gute Nacht gewünscht. So waren Ginny und Blaise allein. Wann, wenn nicht jetzt, sollte sie also versuchen, ein Gespräch zu beginnen? Sie konnten ja nicht ewig schweigsam sein.

„Du hast gut gespielt.", begann sie also brüsk. ‚Na super! Perfekt! Spannend! So wird das doch nie was…', ärgerte sie sich dann.

„Es ist interessant, mit mehr Menschen als nur einem auf der Bühne zu stehen.", antwortete der Slytherin.

„Ja, finde ich auch."

Das Gespräch stand. Blaise drehte sich weg. Hey, musste sie ihm etwa mal wieder hinterher rufen, um sich zu verabschieden?!

Da drehte der Slytherin den Kopf zurück:

„Gute Nacht."

„Dir auch. Schlaf gut.", sagte Ginny und hätte sich im selben Moment am liebsten vor den Kopf gehauen. ‚Schlaf gut'? Was sollte das? Musste wohl die Macht der Gewohnheit sein, denn bei ihren Freunden sagte sie das immer so… er musste das jetzt sicher vollkommen lächerlich finden.

Während Ginny noch überlegte, wie man sich am besten in Luft auflösen konnte, nickte ihr Blaise noch einmal kurz zu und ging dann in Richtung Kerker. Den ganzen Weg zum Gryffindor-Turm grübelte das Mädchen darüber nach, warum er keine sarkastische Bemerkung gemacht hatte…

Am Freitag darauf wurde wieder die Szene mit Ginny und Hannah allein gespielt. Als sie kurz vor 8 hinunter kam, war sie erstaunt, auch Blaise zu sehen. Er würde also zuschauen?

Der Slytherin begrüßte sie kurz und höflich, ebenso wie er sich nach der Probe kurz und höflich verabschiedete. Abends lag Ginny noch lange wach. Sie verstand diesen Kerl einfach nicht. Sie hatte gedacht, er sei nur noch an seinen eigenen Proben interessiert. Wieso war er dann heute gekommen?

Da sie erst spät eingeschlafen war, fühlte sie sich am nächsten Morgen noch ziemlich müde. Eine lange Dusche half, ihre Lebensgeister zu wecken. Danach arbeitete sie an einem Aufsatz für Zauberkunst.

Am Samstagnachmittag hatte sie keine Lust mehr auf Hausaufgaben. Es gab doch noch etwas anderes als Schule… leider war Colin grad mal wieder unterwegs mit Nancy und auch Harry, Ron und Hermine waren unauffindbar. Hm. Vielleicht sollte sie einfach mal wieder ein Buch lesen? Ja, gute Idee! Sie machte sich auf den Weg in die Bibliothek.

Hey, diese Situation kannte sie doch? Auf dem Weg zur Bibliothek, sonst nichts zu tun… bingo! Sie könnte mal wieder bei Tonks vorbeischauen.

Kurz darauf stand sie vor der Tür der VgdDK-Lehrerin. Sie klopfte.

„Herein!", kam es von drinnen. Ginny öffnete die Tür und…

„Mblhmpf!"

Alles war genauso wie bei ihren letzten Besuchen. Chahan, der kleine Knuddelmuff, war ihr sofort ins Gesicht gesprungen. Zum Glück hatte sie ja etwas Übung darin, ihn von dort wieder zu entfernen.

Danach saßen Tonks und Ginny gemütlich bei einer Tasse Tee zusammen.

„Es ist schön, dass du mich mal wieder außerhalb des Unterrichts und der Theatergruppe besuchen kommst.", freute sich Tonks.

„Ja… tut mir Leid, dass ich so lange nicht da war, aber es war immer so viel los.", entschuldigte sich Ginny.

„Du brauchst dich doch nicht zu entschuldigen!", lachte die Frau mit den bonbonrosafarbenen Haaren.

Sie plauderten eine Weile über alles Mögliche: dass Professor McGonagall eigentlich viel zu streng war und das auch schon immer, dass nun, da es schon März war, wohl bald Frühling werden würde… irgendwann kamen sie auf die Theatergruppe zu sprechen.

„Die Szene mit dir, Hannah, Blaise und Justin auf der Bühne hat mir sehr gut gefallen.", meinte Tonks, „Und das, obwohl ihr zu Beginn so eure Schwierigkeiten hattet."

Sie zwinkerte Ginny zu, die etwas errötete.

„Es hat Spaß gemacht.", antwortete sie dann.

„Ja, das hat man gesehen. Du und Blaise, ihr harmoniert gut miteinander."

Aha. Worauf bezog sich Tonks da jetzt?

„Ähm…"

„Sei nicht so schüchtern, das stimmt wirklich. Ihr seid beide gute Schauspieler und die Rollen passen zu euch. Ich freue mich schon auf die nächste Probe mit euch beiden."

Sie zwinkerte der jungen Gryffindor zu.

Bald darauf ging Ginny in den Turm zurück. Es war ein schöner Nachmittag gewesen. Hoffentlich hatte Tonks recht und das Stück wurde wirklich gut… und vor allem: sie und Blaise spielten gut miteinander! Schließlich waren sie die Hauptfiguren des Stücks…

Der obligatorische Blick am Mittwoch auf ihren Probenplan sagte Ginny, dass sie am Freitag wieder spielen würde. Eine Szene, die sie bisher noch nicht gespielt hatte. Neugierig suchte sie in ihrem Textbuch. „Der Garten. Nacht und Mondschein" stand darüber. Aha, das war der Ort, wo die Szene spielte. Moment mal…

‚AAAAAAHHH!'

Es war die Kussszene. Mit Blaise. Kuss. Szene. Blaise. Sie.

Oh bei Merlin…

Am Freitag war sie viel nervöser als sonst, als sie hinunter zur Großen Halle ging. Sie kam später als sonst, weil sie vorher Blaise nicht treffen wollte. Da nur sie und der Slytherin in dieser Szene spielten, war sonst nur die Leiterin da. Tonks war zum Glück kurz vor Ginny gekommen und schloss gerade auf.

„Hallo.", sagte Ginny, an niemand bestimmten gerichtet. Blaise nickte ihr zu.

‚Kann der eigentlich nur nicken??'

Tonks dagegen antwortete mit einem fröhlichen „Guten Abend!!". Bildete sich das Ginny nur ein, oder hatte die Lehrerin heute wirklich ein schelmisches Grinsen auf ihrem Gesicht?

„Also, dann wollen wir mal!", sagte Tonks als sie in der Großen Halle waren und klatschte in die Hände. „Ginny, du sitzt zu Beginn auf der Bühne."

Die Gryffindor setzte sich hin.

„Hm… nein, so sieht man dich zu wenig.", entschied Tonks. Dann holte sie ihren Zauberstab hervor und murmelte ein paar Worte. Plötzlich spürte die Gryffindor, wie die Bühne unter ihr zu wachsen begann… ein Hügel entstand, auf dem sie nun saß.

„Stell dir vor, du schaust in die Sterne hinauf.", gab Tonks die nächste Anweisung.

Ginny versuchte es. Dann trat auch schon Blaise auf. Er stand noch nicht bei ihr; laut Regieanweisung sollte er sie erst nach seinem ersten Satz bemerken.

„Oh Nacht, balsamisch wie die erste, die auf das Paradies herabsank!", begann er. Es klang verträumt; das hätte sie dem Slytherin gar nicht zugtraut. Er näherte sich ihr halb von hinten. Wenngleich Ginny das wusste, durfte sie ihn noch nicht bemerken. Sie selbst als Lena trauerte um ihr Schicksal, einen ihr Fremden heiraten zu müssen. Zudem philosophierte sie über den Mond, der ebenso einsam war wie sie. Sie sprach und endete mit:

„Wie der tote Engel auf seinem dunklen Kissen ruht und die Sterne gleich Kerzen um ihn brennen! Armes Kind! Es ist traurig, tot und so allein."

Da kam Blaise Stimme aus dem Hintergrund:

„Steh auf in deinem weißen Kleid und wandle hinter der Leiche durch die Nacht und singe ihr das Sterbelied!"

Nun gut, auch Leonce ist eher Pessimist…

Tonks unterbrach das Spiel der beiden.

„Blaise, an dieser Stelle solltest du schon näher bei Ginny sein. Vielleicht kannst du neben halb hinter sie treten, auch in den Himmel schauen und die Sterne beobachten? Und Ginny, wenn du danach wieder redest, springst du auf, schließlich hat dich diese andere Stimme erschreckt… versucht es. Und spielt danach einfach weiter, das wird schon. Denkt daran, mit viel Gefühl diese Szene!"

Ginny und Blaise nickten. Sie wollte nichts falsch machen, und so wie sie Blaise kannte, diesen Perfektionisten, wollte dieser auch, dass es gut wurde.

Die beiden begannen erneut. Als Blaise diesmal begann, bekam Ginny wirklich einen Schreck, so nah stand er ihr. So fiel es ihr nicht schwer, erschrocken aus ihrer gemütlich-sitzenden Haltung am Boden zu fahren und zu fragen: „Wer spricht da?"

Sie und Blaise standen sich nun gegenüber. Nein, Lena stand Leonce gegenüber. Sie sah ihn an, immer noch etwas erschrocken. Er betrachtete sie mit einem undefinierbaren Ausdruck in den Augen. Dann hob er eine Hand und strich ihr vorsichtig über die Wange.

„Ein Traum…", flüsterte er.

„Träume sind selig…", gab sie ebenso zurück. Sie trat einen Schritt näher an ihn heran, sie berührten sich nun fast. Immer noch sah Blaise sie mit diesem Ausdruck in den Augen an. Sie selbst war vollkommen von der Szene gefangen genommen – und von seiner Gegenwart.

Blaise schloss nun auch noch das letzte Stück zwischen ihnen.

„So träume dich selig und lass mich dein seliger Traum sein."

Während er dies sagte, hatte er sie langsam in seinen Arm genommen. Ihre Gesichter waren sich nun sehr nah. Ginnys Herz klopfte schneller. Es war nur eine Theaterszene… es war nur eine Theaterszene…

Sie wandte den Kopf ab. Schließlich musste Lena jemanden heiraten, den sie nicht kannte. Melancholie überfiel sie.

„Der Tod ist der seligste Traum.", sagte sie leise, den Blick zum Boden gerichtet.

Da spürte sie eine sanfte Hand an ihrem Kinn. Blaise, nein, Leonce zwang sie liebevoll, ihn wieder anzusehen.

„So lass mich dein Todesengel sein!" Blaise sprach immer noch leise, jedoch nun leidenschaftlicher. Seine Augen, grün mit braunen Sprenkeln, sahen sie intensiv an. „Lass meine Lippen sich gleich seinen Schwingen auf deine Augen senken."

Er beugte sich etwas zu ihr hinunter, um sie zu küssen, anscheinend auf ein Augenlid. Ginny, Lena jedoch wandte den Kopf etwas weiter nach oben. Ihre Lippen trafen sich. Seine Lippen, die sie vor knapp drei Monaten schon einmal geküsst hatte…

In ihrem Bauch passierte irgendetwas Komisches. Es fühlte sich an, als würde eine Horde Hippogreife Samba tanzen. Das war kein sehr romantischer Vergleich, ja, aber im Moment war sie einfach zu durcheinander um klar zu denken.

Sie und Blaise lösten sich wieder voneinander. Er hielt sie immer noch im Arm und sprach:

„Schöne Leiche, du ruhst so lieblich auf dem schwarzen Bahrtuch der Nacht, dass die Natur das Leben hasst und sich in den Tod verliebt."

Wieder wollte er sich herunterbeugen und sie küssen. Sie jedoch stieß ihn von sich. Wie konnte er sie küssen, wenn es doch nie sein konnte? Als Lena war sie einem anderen versprochen…

„Nein, lass mich!", sagte sie und wollte schnell weggehen. Leider hatte sie jedoch vergessen, dass Tonks einen Hügel gezaubert hatte und die Bühne nicht so glatt wie sonst war. Der Schritt, den sie nach hinten ging, ging tiefer als sie dachte und fast wäre sie gefallen… wenn Blaise sie nicht rechtzeitig am Arm festgehalten hätte.

„Äh, danke…", nuschelte sie.

Die Szene war vorbei. Tonks klatschte in die Hände.

„Super!!! Das war toll! Na gut, der Abgang von Ginny war noch nicht perfekt, aber sonst…", sie zwinkerte den beiden zu.

Der Gryffindor war das alles plötzlich wahnsinnig peinlich. Sie war immer noch etwas in der Erinnerung an den Kuss gefangen.

‚Es war nur ein Bühnenkuss!', rief sie sich ins Gedächtnis.

Auch Blaise war sehr schweigsam. Er sah Ginny nicht an. Tonks meinte, diese Szene brauchte, für heute, keine weitere Probe. Einerseits war das Mädchen darüber froh, aber andererseits… ‚Schluss jetzt!', befahl sie sich Contenance.

Tonks verabschiedete sich von den beiden indem sie ihnen eine gute Nacht wünschte. Auch Ginny und Blaise sagten kurz „Gute Nacht.", dann gingen alle 3 in ihre Richtungen davon.

Auch an diesem Tag fiel es Ginny wieder schwer, einzuschlafen. Immer wieder kam ihr der Kuss in den Sinn oder auch der Ausdruck in Blaise' Augen…

Die nächste Woche kam und mit ihr eine Menge Stress. Ginnys Stundenplan war ziemlich voll, da sie 6 Fächer gewählt hatte. Manchmal, so wie diese Woche, ging ihr das schon auf die Nerven, denn zu all diesen Fächern musste sie auch noch die Hausaufgaben erledigen.

Mittwochnachmittag war sie auf dem Weg zu Zaubertränke. Viele Schüler hatten bereits Schluss. Aber Zaubertränke und Wahrsagen begann leider erst um 4. Colin sah wenigstens seine Freundin bei Wahrsagen. Sie dagegen musste in den kalten, jetzt, gegen Ende März besonders feuchten Keller.

Einige Gänge vor dem Unterrichtsraum hörte sie plötzlich ein leises Kichern. Als sie um die nächste Ecke bog, sah sie auch, woher das kam: Da stand Draco Malfoy, offensichtlich in eine Umarmung mit einem Mädchen verschlungen, dass Ginny nicht erkannte, da sie hinter im stand. Die Gryffindor wollte schnell vorbeigehen – leider kannte sie keinen anderen Weg zum Unterrichtsraum, weil sie so selten hier unten war. Als sie nur noch 2 Meter von dem Pärchen entfernt war, drehten sich die beiden etwas und Ginny konnte erkennen, wen Malfoy dort gerade küsste: es war Diamante. Moment mal…

Erschrocken zog Ginny Luft ein. War sie denn nicht mit Blaise zusammen? Leider war ihre Reaktion wohl so laut gewesen, dass es die 2 Slytherins störte. Sie lösten sich voneinander und sahen Ginny verächtlich an.

„Schau an, die Blutsverräterin…", begann Malfoy.

Diamante starrte sie böse an. „Was machst du hier unten?"

„Ich bin nur auf dem Weg zu Zaubertränke, lasst euch nicht stören.", erklärte Ginny. Dass die beiden auch immer gleich Streit suchen mussten…

„Lass uns in Ruhe.", fauchte Diamante.

„Bin schon weg.", sagte Ginny genervt und bog um die nächste Ecke.

Was sollte das jetzt eben? Offensichtlich waren Draco Malfoy und Diamante zusammen. Wusste Blaise davon? Hatten sich die beiden getrennt?

Am nächsten Morgen beim Frühstück sah Ginny genauer hin. Tatsächlich: Blaise und Diamante saßen nicht, wie in den letzten Wochen, beieinander, sie versuchte auch nicht ständig ihn zu küssen. Ihre ganze Aufmerksamkeit galt nun Malfoy, der sich ihr ebenso intensiv widmete. Blaise beachtete die beiden kaum.

Am Freitag bei der Theaterprobe wurde wieder eine Szene mit Ginny und Hannah gespielt. Wieder war Blaise anwesend. Die Proben machten Ginny inzwischen noch mehr Spaß, denn sie konnte sich nun gut in Lena hinein fühlen. So ging auch diese Probe glatt. Blaise war höflich zu ihr und ignorierte sie nicht; tatsächlich wünschte er ihr eine gute Nacht und zeigte ihr die Andeutung eines Lächelns.

Der Tag darauf, Samstag, war ein Hogsmead-Tag. Ginny genoss es, mit ihren Freunden durch das kleine Dorf zu schlendern, im Honigtopf Süßes zu kaufen und im Scherzartikelladen ihrer älteren Brüder nach neuen Artikeln zu stöbern. Einmal hatten sie auch Blaise gesehen, er war gerade aus dem Bücherladen gekommen. Irgendwann hatten sich Ron und Hermine verabschiedet und sie mit Harry allein gelassen. Daraufhin schlenderten sie in die „Drei Besen" um ein Butterbier zu trinken.

Nach einer Weile trafen dort auch Colin und Nancy ein und setzten sich zu Harry und Ginny. Daraufhin verabschiedete sich Harry: „Ich muss dann noch mal los…"

Kurz wunderte sich Ginny. Dann fiel es ihr auf: sie hatte am nächsten Dienstag Geburtstag. Wahrscheinlich wollte Harry noch ein Geschenk für sie kaufen. Typisch Kerl – immer spät dran. Grinsend winkte Ginny ihm nach.

Dienstag! Ihr 17. Geburtstag! Ab heute war Ginny offiziell volljährig. Fröhlich stand sie auf.

Im Gemeinschaftsraum warteten bereits Colin, Harry, Ron und Hermine auf sie und begrüßten sie mit einem lauten „Happy Birthday!". Sie fiel ihren besten Freunden nacheinander in die Arme. Sie hatten alle ein kleines Geschenk für sie ausgesucht: von Colin bekam sie ein Besenpflegeset, Ron und Hermine hatten für einen hübschen, dunkelgrünen Pullover zusammengelegt der sehr gut zu ihrem roten Haar passte und Harry schenkte ihr einen magischen mp3-Player.

„Das kann ich doch unmöglich annehmen.", sagte sie, als sie auf Harrys Geschenk starrte.

„Doch, du musst. Ich habe nämlich schon einen.", erklärte er lächelnd. „Einige Lieder sind auch schon darauf."

„Danke!". Sie fiel ihm um den Hals. Das war wirklich ein wunderschönes Geschenk.

Beim Frühstück kamen dann noch einige Eulen für sie: Geschenke von ihren Eltern, Brüdern und anderen Verwandten. Nacheinander öffnete sie diese.

Aus einem der Päckchen kam ein Buch. Neugierig betrachtete sie den Titel – und runzelte verwirrt die Stirn: Jean-Paul Sartre – Die Kindheit eines Chefs. Wer schenkte ihr so etwas? Da fiel eine Karte aus dem Buch:

„Alles Gute. B."

War es etwa…? Konnte das Geschenk von Blaise kommen? Schließlich las auch er Sartre... sie sah zum Slytherin-Tisch hinüber. Blaise schien mit seinem Frühstück beschäftigt. Aber wie als ob er bemerken würde, dass sie ihn ansah, sah er plötzlich auf. Er hob eine Augenbraue, wie als wolle er fragen: „Was ist?" Unwillkürlich musste Ginny lächeln. Und wieder zeigte es sich aufs Blaise Gesicht: diese Andeutung eines Lächelns. ‚Er könnte ruhig öfter lächeln…', dachte die Gryffindor und wandte sich dann wieder ihrem Geschenk zu.

Gespannt las Ginny den Buchrückentext um zu verstehen, von was das Buch handelte. Es ging um die Entwicklung von Lucien Fleurier, der auf der Suche nach sich selbst und seiner Existenz ist. In seiner Unsicherheit schließt er sich schließlich einer rechtsradikalen Gruppe an. Es hörte sich interessant an; Ginny nahm sich vor, das Buch bald zu lesen.

Dennoch stellte sich immer noch die Frage, von wem es kam. Blaise hatte nicht gesagt, dass es von ihm sei… aber er hatte es auch nicht bestritten. Na gut, gesagt hatte er sowieso nichts, sondern sie nur angesehen.

Hm. Sie musste ihn fragen.

Am Donnerstag ergab sich endlich die Gelegenheit dazu. Nach dem Ende des Unterrichts lief sie ihm über den Weg. Sie hatte gerade Verteidigung gegen die dunklen Künste gehabt, er kam aus dem Zauberkunst-Klassenzimmer. Anscheinend war er einer der letzten gewesen.

„Blaise, hast du kurz Zeit?"

„Worum geht es?", antwortete er ausweichend.

Eine Horde Zweitklässler von Hufflepuff lief vorbei. Genervt verdrehte der Slytherin die Augen.

„Lass uns in das Klassenzimmer gehen, dort ist es ruhiger.", schlug sie vor.

Er nickte, offenbar gleichgültig. Also gingen sie in den leeren Klassenraum. Ginny schloss die Tür hinter ihnen.

Bildete sie sich das nur ein, oder wirkte der Slytherin wirklich nervös? Er sah sie jedenfalls nicht an, sondern betrachtete den Boden. Sie ging einen Schritt auf ihn zu.

„Was ich dich eigentlich fragen wollte… ich habe ein Buch von Jean-Paul Sartre bekommen. Ist das von dir?"

Anmerkungen:

Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner. Das Stück „Die Kindheit eines Chefs" gehört Jean-Paul Sartre.

Muhaha, ein Cliffhanger! Und, was denkt ihr? Wie hat euch die eine Probe gefallen?(Ihr wisst schon welche ;-) )

WÄH! Auf das letzte Kapitel habt ihr mir nur gaaanz wenige Reviews gegeben… schnüff Mögt ihr die Geschichte nicht mehr? Oder habt ihr nur keine Lust, einer armen, kleinen Autorin ein kleines Review zu schreiben?Ich freu mich wirklich über jeden Kommentar, es kann nur helfen, die Geschichte noch zu verbessern!

DANKE jedenfalls an sweetlittleginny, dramine, zaubermaus, natsucat und Elanor Ainu!!!!