Kapitel 29: Gefallene Brüder

Der Morgen graute bereits als dutzende Trupps schwer bewaffneter Todesser genau auf ihre Zielkoordinaten apparierten. Sie hatten durch Spähtrupps und Informanten innerhalb des Phönixordens die genaue Position des Ordenshauptquartiers in den Bergen gefunden. Die Phönixkrieger operierten über ein weit verzweigtes Höhlensystem im Umland von Hogwarts.

Die Todesser schlugen von Norden, Süden und Osten zu. Die westlichen Höhlenzugänge endeten an einer Klippe, die einige hundert Meter in die Tiefe führte.

Der Gefechtsplan sah vor die Höhlen einzunehmen und die verbleibenden Kämpfer des Ordens zur Klippe zu treiben. General Greed selbst erteilte den Befehl keine Gefangenen zu machen – auch nicht zu Vernehmungszwecken. Sollten sich Ordensmitglieder ihren Truppen ergeben waren diese sofort zu liquidieren.

Die Todesser bewegten sich in ihren schweren Kampfmonturen zwar nur verhältnismäßig langsam voran, doch war ihre Kampfkraft unbestritten.

Colonel James McGregor hatte den Oberbefehl über den Einsatz und war bei der Gruppe, die von Süden her angriff. Er setzte sich den Helm auf und zog die Schutzbrille über die Augen.

„AUSRÜCKEN!", rief er und seine Männer formierten und nährten sich dem südlichen Eingang. Dort erwartete sie bereits ein Empfangskomitee. Die Phönixkrieger hatten sich Sturmhauben übergezogen und trugen grüne Tarnkleidung. Sie hatten bereits auf sie gelauert und zündeten sofort die Lunten an ihren Molotowcocktails an, um diese sogleich ihren rüstungsbewehrten Gegnern entgegenzuschleudern.

„DECKUNG!", schrie McGregor und feuerte selbst einige Flüche auf die Männer ab.

Zwei, drei, vier Molowtows wurden durch die Luft geschleudert und verfehlten nur knapp seine Männer. Als sie auf dem Boden aufschlugen entzündete sich das Benzin in ihnen und versperrte ihnen den Weg. Sie schienen es mehr darauf angelegt zu haben, ihnen den Zugang zu versperren, als sie wirklich zu treffen. Die Feinde zogen sich ins Höhleninnere zurück, während sie Flüche auf sie abfeuerten und weitere Cocktails nach ihnen warfen. Die Flüche prallten den Rüstungen der Todesser ab, während die Brandbomben Bäume und Büsche in lodernde Flammen hüllten.

„VORRÜCKEN!", schrie McGregor und die Todesser hechteten durch die Flammen vor ihnen. Die fliehenden Kämpfer schleuderten ihnen immer noch Cocktails entgegen, die an den Höhlenwänden zerschellten und ihr brennendes Gemisch aus Benzin und Öl im Umkreis verteilten. Seine Männer feuerten auf die Gegner. Einer von ihnen wurde von einem Todesfluch im Kopf getroffen und fiel sofort leblos zu Boden.

Die Todesser beschleunigten ihre Schritte so schnell, wie es ihre Rüstungen zuließen. Sie folgten dem Tunnel. Das Trampeln der schweren Stiefel und das Klappern der Rüstungen hallten als tausendfaches Echo durch den Berg. Schließlich kam das Ende des Tunnels in Sicht.

„Vorsichtig das Gebiet säubern!", ermahnte McGregor seine Männer, doch als diese in die nächste, größere Höhle ausschwärmen wollten wurde die Luft von dem Donnern eines Maschinengewehrs durchschnitten. Unter der Erde hämmerten die Salven um ein vielfaches Lauter gegen das Trommelfell als dies normal der Fall war. Einer seiner Männer wurde mehrfach getroffen. Die großkalibrigen Patronen durchschlugen sofort die Rüstung und den Helm des Mannes. Der Kopf wurde von der Wucht des Einschlages von seinen Schultern gerissen und der leblose Leib des Todessers fiel scheppernd zu Boden.

„RÜCKZUG!", schrie McGregor sofort. Ihre Rüstungen waren auf Kämpfe gegen Magie ausgelegt. Den Waffen der Muggel konnten sie hingegen nur wenig entgegensetzen. Frontal konnten sie nicht hineinstürmen. Er zog eine der Fluchbomben von seinem Gürtel, entsicherte sie und warf sie in Richtung des Schützen. Der anschließende Knall und das Schweigen des MGs verrieten, dass er Erfolg gehabt haben musste. McGregor lehnte sich ein wenig nach vorn, um in die Höhle zu spähen. Der Kämpfer am MG lag leblos auf dem Boden, doch er verpasste ihm aus der Entfernung sicherheitshalber einen Kontrollschuss in den Kopf. Denn nur, weil er auf dem Boden lag hieß das noch lange nicht, dass er tot war.

Mit einem Handzeichen bedeutete McGregor seinem Zug weiter vorzurücken. Sie sicherten die Höhle. Aus einigen Nebengängen tauchten immer wieder Phönixkrieger auf, die allesamt mit Gewehren bewaffnet waren. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Kalaschnikows.

Offenbar stimmten ihre Informationen, dass Dumbledore die Sowjets für sich gewinnen konnte – oder zumindest einen Teil der sowjetischen Magierclans, die den Orden mit Waffen belieferten. Es war allgemein bekannt, dass die Russen Muggelwaffen ihren eigenen Zauberstäben bevorzugten. Narren allesamt!

McGregor zog einen Lageplan aus seiner Hosentasche. Wenn ihre Informationen stimmten befanden sich die meisten Kämpfer in den Nordöstlichen Höhlen. Dort würden sie dann mit allen drei Trupps zusammentreffen und den Restwiderstand eliminieren.

„Augen aufhalten und weiter!", sagte McGregor und sie rückten in Richtung Nordosten vor. Sie trafen in den Tunneln nur auf leichten Widerstand, wenn überhaupt. Es verwunderte ihn sehr, dass der Orden hier so wenige Männer stationiert hatte. Obendrein griffen sie ihn und seine Männer nicht einmal ernsthaft an: Sie schossen absichtlich daneben und zogen sich ganz offensichtlich immer tiefer in den Berg zurück. Genau dorthin, wo er sie haben wollte.

Doch etwas war faul! McGregor fühlte es. Das roch verdammt nach einer Falle, einem feigen Hinterhalt. Ihm stand es allerdings nicht zu General Greeds Befehle anzuzweifeln. Wer zweifelte war nicht besser als das Gesindel, welches sie zur Strecke brachten.

Und so folgten sie den Phönixkriegern ins Innere des Berges. Sie töteten jeden, den sie finden konnten und stiegen über ihre Leichen.

McGregor war unruhig und er spürte, dass auch seine Männer von Nervosität gepackt wurden. Sie alle fühlten, dass sie sich in eine Sackgasse begaben. Doch McGregor brach den Einsatz nicht ab. Die Strafe, die ihn und seine Männer für Befehlsverweigerung erwartete war weitaus schlimmer als der Tod.

Schließlich führte ihr Weg durch einen schmalen Tunnel, der in eine große Höhle mündete.

„Augen aufhalten!", sagte McGregor, bevor sie weiter vorrückten.

„McGregor?", rief jemand von der anderen Seite.

„Ja?"

„Squall hier! Habt ihr Fenix' Team gesehen?" Eine Gruppe Todesser kam auf ihn zu. Sie trugen ebenfalls allesamt Rüstungen. Ihr Gruppenführer Jamie Squall war ein dünner, dafür ungemein flinker Mann. McGregor wusste, dass er früher eine Spähereinheit geleitet hatte.

„Nein, was ist los?"

„Die Schlammblüter scheinen ausgeflogen zu sein. Hab seit fast zwei Meilen keinen mehr vor den Zauberstab gekriegt."

McGregor hielt inne. Tatsächlich war ihr Widerstand bis hier hin immer geringer geworden. Noch seltsamer war jedoch, dass sie in der Höhle hier keinerlei Utensilien fanden.

„Habt ihr irgendetwas Interessantes gefunden?"

„Nein, keine Papiere, keine Waffen, nicht mal ihr Klopapier haben die hier gelassen. Wurde offenbar alles schon unlängst geräumt."

„Und warum haben sie dann Männer hier gelassen?", fragte McGregor.

„Keine Ahnung, vielleicht gehörten die zur Nachhut der Evakuierung."

Er nickte und zog seinen Zauberstab.

„Expacto Patronum!" Sogleich manifestierte sich aus silbernem Rauch ein riesiger Wolf.

„Suche Fenix.", sagte McGregor zu seinem Patronus und sogleich verschwand der Wolf in den Tiefen der Höhlen. „Sichert die Umgebung! Wir müssen sicher sein, dass niemand überlebt hat."

Die beiden Gruppen teilten sich auf und durchsuchten die riesige Höhle.

Nach einigen Minuten kehrte McGregors Patronus zurück und er saugte die Informationen, die dieser besaß in sich auf. Der Wolf verblasste und unter einem Windzug verschwand die silberne Gestalt. McGregor hingegen brüllte innerlich auf, als die Schreie der Gefallenen in seinen Ohren erklangen.

„ACHTUNG! KAMPFBEREITSCHAFT HERSTELLEN!!!", schrie McGregor und sofort formierten sich die beiden Gruppen. Die Dunkelheit der Höhlen schwieg. Sie hörten nichts außer ihren eigenen Atem und das Klopfen ihrer Herzen.

„Langsamer Rückzug.", sagte McGregor leise. Die Gruppe bewegte sich mit erhobenen Zauberstäben und formiert langsam rückwärts. In Richtung des Höhlenausgangs.

Doch plötzlich zerriss der Schrei einer seiner Männer die Luft. Blut spritzte und er ging getroffen zu Boden. Der Schütze jedoch war nirgends auszumachen.

„Verdammt! RÜCKZUG! RÜCKZUG!", schrie McGregor. Die Todesser rannten geschlossen zurück. Wieder brach einer seiner Männer zusammen.

Der Typ musste einen Schalldämpfer benutzen. Anders konnte sich es McGregor nicht erklären.

Lumos Solem! Der Zauber hallte in seinem Verstand wieder und sogleich schoss eine riesige Kugel aus gleißendem Licht aus der Spitze seines Zauberstabs. Sie erhellte die gesamte Höhle in einen blendenden, weißem Licht.

Der Schütze hockte am anderen Ende der Höhle auf einem Vorsprung. Doch es war kein Phönixkrieger. Das erkannte McGregor sofort. Zwar trug auch er Tarnkleidung und Sturmmaske, aber um seinen Kopf hatte er ein grünes Stirnband gewickelt. Auf diesem waren goldene, arabische Buchstaben zu sehen.

McGregor erstarrte für eine Sekunde. Ein Krieger Sharad Akams. Das konnte unmöglich sein!

„FEUER! ERSCHIESST IHN!", schrie er und schoss einen Fluch auf den Assassinen ab. Dieser sprang mit animalischer Leichtigkeit von seinem Aussichtspunkt und raste durch die Höhle. McGregor hechtete ihm instinktiv hinterher. Der Assassine rannte in Richtung der Klippe. Dort würde er sein blaues Wunder erleben – insofern er nicht sprang. Bei den Sharad-Akamern musste man schließlich mit allem rechnen!

McGregors Truppe war hinter ihm, als plötzlich eine ohrenbetäubende Explosion die Höhle erschütterte. Die Wände und die Decke bekamen Risse und stürzten innerhalb von Sekunden auf die Todesser herab. Riesige Gesteinsbrocken begraben die Männer lebendig unter sich.

Nur McGregor schaffte es noch sich rechtzeitig durch den Tunnel nach vorn zu retten. Das Sonnenlicht blendete ihn für einen Augenblick, als er auf das Kliff hinaus trat. Die Staubwolke aus dem Inneren der Höhle begleitete ihn und nahm ihm für einen Moment die Luft zum Atmen.

McGregor sah sich um. Der Assassine hatte sich verflüchtigt. Oder lauerte er nur auf ihn?

Er war völlig allein. Allein an jener Stelle, wo sie doch den Phönixorden erledigen wollten. Welch Ironie! Eine grausame Ironie.

Wenn er Pech hatte, dann lauerten hier noch mehr Männer Akams. James McGregor war niemand, der sich so einfach geschlagen gab, doch war selbst ihm klar, dass er in einer ausweglosen Situation steckte. Entweder er Kämpfte und starb dabei oder er ergab sich – und das Wohlwollen seiner Feinde würde entscheiden, ob er leben oder sterben würde. Wie man es auch drehte und wendete; der Tod war ihm so gut wie gewiss. Und die Chance, dass die Assassinen ihn gefangen nahmen, anstatt ihn hinzurichten war verschwindend gering.

McGregor setzte seinen Helm ab, wobei sein kurzes, braunes Haar zum Vorschein kam. Sein Gesicht war rau und hart. Das Gesicht eines Soldaten, der zu lange im Krieg gedient hatte.

„ICH BIN HIER!", schrie McGregor und breitete die Arme aus. „KOMMT UND HOLT MICH!" Er beobachtete den steilen Hang über sich, doch auf dem kahlen, uralten Gestein bewegte sich nichts. Der Wald schwieg.

McGregor befestigte seinen Helm an seinem Gürtel und kletterte Mühsam den Hang hinauf. Seine Kampfausrüstung wog schwer auf seinen Schultern. Sie war immerhin auch nicht für Klettertouren konzipiert worden. Doch er wollte so schnell wie möglich von dieser Klippe weg. Und so quälte er sich diesen Hang hinauf, der bis auf spitze Felskanten und die knorrigen Wurzeln längst vergangener Bäume kaum Halt bot.

Als er schließlich oben ankam wurde er bereits von einer Gruppe erwartet. Es handelte sich um Phönixkrieger und Assassinen. Also stimmten die Gerüchte! Dumbledore hatte sich mit Sharad Akam verbündet. Das war schlecht, sehr schlecht sogar.

McGregor hob die Hände.

„Nicht schießen! Ich ergebe mich!", rief er ihnen zu, als sie schon ihre Gewehre auf ihn richteten. Einer der Männer trug ebenfalls Tarnkleidung, doch anstatt der Sturmhaube hatte er sich eine Baseballmütze und eine Sonnenbrille aufgesetzt.

„Auf die Knie!", sagte der Mann und kam auf ihn zu.

„Nein, wartet! Ich ergebe mich! Hier!" McGregor zog seinen Zauberstab und warf ihn demonstrativ zu Boden.

„Auf die Knie, hab ich gesagt!" Der Mann schlug ihm mit dem Schaft seines Gewehres in die Seite. McGregor stürzte zu Boden. Dank der Rüstung hatte der Schlag nicht so geschmerzt, wie das normalerweise der Fall gewesen wäre.

Der Mann packte sein Kinn und musterte ihn sehr genau.

„Sieh einer an.", sagte er leise. „Wen haben wir denn da." Er wandte sich seinen Männern zu, wobei er McGregor wie einen Köter am Genick packte. „Darf ich vorstellen? James McGregor, Oberkommandeur des 66. Batallions und Rechte Hand von unserem geliebten General Greed!"

Er versuchte sich zu erklären, woher sein Gegenüber ihn kannte. Nicht einmal die Stimme des Manns weckte bei ihm Erinnerungen.

Einer der Assassinen erwiderte etwas auf Arabisch. McGregor kannte nur die Geschichten über die Sharad-Akamer, aber er sprach ihre Sprache nicht. Durch die obere Führungsriege geisterten schon lange Gerüchte darüber, dass Sharad Akam, wenn er einen Krieg haben wollte, ihn auch gewinnen könnte. Voldemort selbst hatte vor wenigen Tagen angeordnet, dass die militärischen Aktivitäten der Todesser sich ab sofort auf ihre Grenzen konzentrieren sollten, sobald der Phönixorden ausgelöscht war.

„Nein, dort unten lebt keiner mehr. Aber vielleicht verrät uns unser Freund ja einige seiner Geheimnisse."

„Lieber sterbe ich!", sagte McGregor.

„Das lässt sich einrichten.", meinte der Mann und schlug ihm mit dem Schaft seines Gewehres ins Gesicht. McGregor fiel zur Seite und blieb bewusstlos liegen.

„Schöne Träume, wünsche ich."

Als James McGregor erwachte hatte man ihm seine Rüstung und den Zauberstab abgenommen. Seine Arme und Hände waren mit einer Eisenkette gefesselt worden, welche an einem Haken an einem Dachbalken befestigt worden war. Als er sich umsah bemerkte er, dass er sich auf einem Heuboden befand. Ganz sicher waren sie nicht mehr in der Nähe von Hogwarts.

Schließlich öffnete sich eine Bodentür und drei Männer stiegen über einer Leiter hinauf. Einen von ihnen erkannte McGregor als denjenigen, der ihn ausgeknockt hatte. Allerdings trug er jetzt Jeans und Pullover. Sein Gesicht war ausgezehrt und er hatte tiefe Augenringe. Er trug eine Brille und hatte einen Dreitagebart. Sein schwarzes Haar war wild, unzähmbar und reichte ihm nur knapp bis zu den Ohren.

Die beiden Männer, die ihn begleiteten waren Assassinen.

„Ich sehe, Sie sind erwacht.", sagte sein Gegenüber.

„Wer sind Sie?", fragte McGregor. Dieses Gesicht, diese Stimme … in seinem Gedächtnis regte sich eine vage Erinnerung, doch er konnte einfach nicht bestimmen zu wem es gehörte.

„Sie erinnern sich nicht mehr an mich? Das überrascht mich, um ehrlich zu sein. Ich bin Cain Hanks. Der Oberkommandant des Phönixordens in Großbritannien – mittlerweile. Aber vielleicht erinnern Sie sich ja an meinen Bruder Marc, den ihr Freund Greed bei der Einnahme von Hogwarts wie ein Tier abgeschlachtet hat."

Jetzt wusste McGregor, wieso ihm dieser Mann so bekannt vorkam. Er hatte einen Zwillingsbruder. Und ja, Greed hatte ihn umgebracht – auf bestialische Art und Weise.

„Was wollen Sie? Rache? Warum gehen Sie dann nicht nach Hogwarts und schnappen sich Greed?", fragte McGregor.

„Es geht mir nicht um Rache. Selbst wenn ich Erfolg hätte, dann würde das meinen Bruder auch nicht wieder lebendig machen." Cain trat näher an ihn heran. „Ich will Informationen."

McGregor begann zu lachen.

„Und warum sollte ich die Ihnen geben? Am Ende werden Sie mich ohnehin umbringen. Also warum sollte ich meine Männer verraten?"

„Weil Sie genau wissen, dass Sie mit Ihrer Mission versagt haben. Greed duldet kein Versagen. Würden Sie lebend zu ihm zurückkehren, dann wäre Ihnen der Tod ebenso gewiss."

„Und wenn schon? Ihr habt meine Männer getötet. Mich hält man mittlerweile vielleicht auch für tot. Der General wird euch Subversive bis ans Ende der Welt verfolgen und euch alle umbringen!"

„Wie rührend.", bemerkte Cain lapidar. „Ich hätte tatsächlich beinahe Angst bekommen."

„Der Orden ist am Ende! Ihr habt ja nicht einmal mehr genug Männer und müsst euch sogar schon mit Assassinen einlassen." McGregor nickte in Richtung von Cains Leibwachen.

„Überheblichkeit wird Ihnen und Ihren Freunden im Ministerium eines Tages das Genick brechen." Cain schwieg einige Sekunden. „Also nehme ich an, dass Sie nicht kooperieren?"

McGregor spuckte seinem Gegenüber ins Gesicht. Cain wischte sich den Speichel mit abschätziger Miene von der Wange.

„Ich vermute, dass war ein endgültiges Nein?" Der Phönixkrieger atmete tief. „Wie Sie wollen." Cain nickte in Richtung der Assassinen. Diese Schritten unverzüglich auf McGregor zu. Einer von ihnen bildete mit der rechten Hand eine Faust, die er blitzschnell wieder öffnete und eine hiebartige Bewegung in Richtung McGregors ausführte. Die Ketten um seine Arme lösten sich und fiel erschöpft zu Boden. Noch bevor er sich aufrappeln könnte packten ihn die beiden Männer an den Armen und schleiften ihn zur Leiter und stießen ihn grob nach unten. McGregor fiel fast drei Meter nach unten und schlug hart auf. Da er kopfüber nach unten gestoßen wurde hatte er versucht sich instinktiv mit den Armen abzufangen, doch ein lautes Knacken und ein stechender Schmerz in seinem linken Ellenbogen zeugten von einem Bruch. Er lag da und stöhnte schmerzerfüllt, aber schon kurz darauf hatten ihn die Assassinen wieder an den Armen gepackt. McGregor schrie erbärmlich auf, als sie ihn an seinem gebrochenen Arm fortschleiften. Die Schmerzen steigerten sich ins Unerträgliche bis die Sharad-Akamer ihn endlich wieder los ließen und auf einen Stuhl bugsierten.

McGregor nahm durch den trüben Schleier der Qualen seine Umgebung nur unwirklich war. Jedoch reichte es, um festzustellen, dass es sich um eine Art Verhörraum handelte. Der Boden und die Wände waren mit Laken behangen worden, auf denen die verblassten Spuren eingetrockneten Blutes zu erkennen waren.

McGregor fiel nach vorn und versuchte sich auf seinem gesunden Arm aufzustützen. Der gebrochene Ellenbogen wurde bereits dick und hing unnatürlich schlapp herunter.

Cain holte sich einen weiteren Stuhl heran und setzte sich ihm gegenüber. Er nahm den Kopf des Todessers in seine Hände.

„Ich will Informationen über die Verteidigung von Hogwarts und Greeds Truppenstärke."

McGregor schüttelte den Kopf.

„Und Sie werden mir diese Informationen geben, James."

„Niemals!", erwiderte er unter Tränen. Die Schmerzen in seinem Arm brachten ihn um den Verstand, doch er durfte nicht zum Verräter werden. Egal, was sie ihm antun würden, er durfte es nicht sagen! Dabei dachte er weniger an sich und seine Männer, sondern an seine eigene Familie. Die Folter, die seine Frau und seine Kinder durch die Hand Greeds aushalten müssten wäre nichts im Vergleich zu seiner jetzigen Misere. Und McGregor wusste, dass es nur einen Weg gab, wie er seine Familie retten konnte: Er selbst musste bei diesem Verhör sterben. Er musste als Kriegsheld, als Idealist sterben.

„Euch sag' ich gar nichts!", rief McGregor hasserfüllt aus.

Cain lehnte sich zurück und musterte sein Gegenüber aufmerksam.

„Ich möchte das nicht tun.", sagte er ruhig. „Denken Sie nach. Wir könnten Sie und, wenn Sie es wollen, auch ihre Familie ins Exil bringen und sie beschützen."

„Das ich nicht lache! Ihr … ihr wollt mich beschützen? Ihr könnt doch noch nicht einmal euch selbst beschützen!", rief McGregor unter Tränen. „Ihr seid verdammte Separatisten! Scheinheilige, denen wir diesen Krieg überhaupt erst zu verdanken haben! Ihr versprecht den Leuten Freiheit und Schutz, aber ihr könnt ihn überhaupt nicht gewährleisten!"

„Wir müssten Sie natürlich unter ständiger Bewachung nach Sharad Akam bringen. Sie wären am Leben.", fuhr Cain besonnen fort.

„Und wofür? Um als Gefangener unter Magiern zu leben, die uns noch mehr verabscheuen als wir sie und uns am Liebsten eigenhändig umbringen würden? Reizendes Angebot! Darauf verzichte ich gern!"

Cain erhob sich.

„Ich sehe, Sie haben ihre Wahl bereits getroffen. Schade, aber unabänderbar." Sein Gegenüber ging zu einer Kiste, die an der Wand stand, holte einen Hammer daraus hervor und setzte sich wieder auf seinen Platz. Cain legte den Hammer auf McGregors Schulter.

„Ich hoffe Sie haben Verständnis dafür, dass wir keine Magie benutzen können."

„Macht das denn einen Unterschied?", fragte McGregor. Jegliche Gefühle schienen aus seinem Verstand zu weichen. Er wusste, dass es nur noch das hier geben würde. Die Folter und den folgenden Tod. Es gab kein Entkommen, keine Hoffnung.

McGregor wusste, dass er niemals zu seiner Familie zurückkehren würde, dass er niemals mehr die Zärtlichkeiten seiner Frau entgegennehmen könnte und, dass er seine Kinder nie wieder in den Arm nehmen würde. All das machte ihm die Versäumnisse seines Lebens bewusst. Stunden vor seinem Tod wurden ihm all seine Fehler vor Augen geführt.

Und obwohl es vielleicht menschlich gewesen wäre in Tränen auszubrechen und sich selbst für seine Taten zu verdammen schwieg er. Der Hass und die Tränen von vorhin schienen plötzlich ausgelöscht. An ihre Stelle trat nun eine fast schon beängstigende Gelassenheit.

Man konnte es drehen und wenden, wie man wollte: Der Tod war ein unausweichliches Ereignis. Und er würde nicht vor ihm kriechen. Nein, er würde erhobenen Hauptes aus dieser Welt gehen. So wie es dem Kriegshelden und Idealisten gebührte.

Wurde ein Soldat im Feld getötet so erhielt die Familie die Hundemarken des Gefallenen und einen Brief in dem stand, wie tapfer der Mann, Vater oder Sohn gegen den Feind gekämpft habe, bevor er sein Leben verlor. Doch sagte dies nie etwas über die wahren Umstände des Todes aus. War der Soldat aufrecht in der Schlacht gestorben? Oder wurde er zum Opfer eines Heckenschützen, einer Sprengfalle oder starb er nach stundenlanger Folter durch den Feind? War er im Angesicht des Gevatter Tod stehend auf diesen zugegangen oder kniete er vor dem Sensenmann und bettelte in den letzten Augenblicken seines Lebens verzweifelt um einen kleinen Aufschub?

All diese Fragen blieben für die Hinterbliebenen eines Gefallenen oft für immer offen. Man konnte nur hoffen den Hergang des Todes von einem Kameraden des Gefallenen zu erfahren oder – sollte dies nicht möglich sein – darauf hoffen, dass der Soldat so tapfer war, wie es das Schreiben propagierte.

Auch Magier kannten die Symbolik durch die sie von den Gefallenen in ihren eigenen Familien erfuhren. Nur, dass es bei ihnen zur Tradition gehörte neben den Hundemarken und dem Brief, der von der Tapferkeit des Soldaten zeugte, noch den zerbrochenen Zauberstab hinzuzufügen. Ein Zauberstab, der über Jahrzehnte hinweg als Fixierungsmittel für die Quelle der magischen Macht diente, nahm immer Teile der Persönlichkeit des betreffenden Magiers auf. Es war das letzte Überbleibsel seiner Seele im Diesseits. Ihn zu zerbrechen bedeutete der Seele des Gefallenen die letzte, ewige Ruhe zu gewähren und alle Teile seines Ichs vom Diesseits ins Jenseits hinüber zu geleiten. Es war die Erlösung von der irdischen Existenz.

Wer als Soldat ins Feld zog wusste, dass dies am Ende seines Weges stand. Der Tod klopfte jeden von ihnen freundschaftlich auf die Schulter, während er die Sense wetzte, um sich bald einen der Kameraden zu holen. War man hingegen selbst an der Reihe so lag es einzig an einem selbst, wie man dem Gevatter entgegentrat.

James McGregor war ein Mann gewesen, der dem Tod schon oft ins Auge geblickt hatte und während seines qualvollen Todes nicht einmal vor ihm zu kuschen suchte.

Seine Leiche und die seiner Männer wurden nach einigen Tagen von einem Spähtrupp gefunden. Während seine Kameraden vom Stein erschlagen und verschüttet wurden hatte man McGregor lange gequält. Die Spuren der langen Folter wollte selbst jemand wie Maximus Greed dessen Frau und Kindern nicht zumuten. Es war eine Sache einen Separatisten so zuzurichten und sie zur Schau zu stellen. Eine völlig andere die eigenen Landsmänner derart verstümmelt vorzufinden. Denn in der Armee waren sie allesamt mehr als Kameraden: Sie waren Brüder!

Und James war für Maximus nicht nur sein Vize gewesen, sondern auch ein guter Freund. Nachdem er von seinem Tod erfahren hatte war er zu dessen Frau Kathrina appariert und hatte ihr die Nachricht persönlich überbracht. Sie sparte nicht an Tränen, um ihren Mann. Glücklicherweise waren James' Kinder noch zu klein, um Ausmaß der Tragödie sofort zu begreifen. Er hatte einen dreijährigen Sohn und eine einjährige Tochter.

Maximus bemühte sich darum Kathrina zu trösten und zu beruhigen. James war ein guter Soldat gewesen und er war stets mit erhobenem Haupt in die Schlacht gezogen. Dreimal war er in Gefangenschaft geraten und jedes Mal hatte man ihn gefoltert. Nur dieses eine Mal hatte er dem Tod nicht von Schippe springen können. Das war ihr Berufsrisiko, welches sie jeder Zeit einholen konnte. Doch Maximus trauerte weniger tränenreich um James wie dessen Frau. Natürlich war das auch für ihn ein herber Schlag, doch er stieß lieber auf die siegreichen Toten an. Früher oder später würden sie alle in die Hallen Vallhallas einziehen – wo Krieger, wie sie, ewig lebten.

Wenige Tage später gab es ein Begräbnis mit militärischen Ehren. Sie setzten James auf dem Magierfriedhof in der Nähe von Edinburgh bei. Äußerlich unterschied sich der Friedhof nicht von einem Muggel-Friedhof, mit der Ausnahme, dass hier hauptsächlich Reinblüter und auch einige Halbblüter begraben wurden.

Der Tag der Beerdigung war ein trüber, aber dennoch seltsam warmer Tag. Die schwarz gekleidete Prozession, die über den gepflasterten Weg des Friedhofs schritt, bestand aus fast fünfzig Leuten und wurde von fünf Mitgliedern der Magischen Garde angeführt. Sie waren in schwarze Gewänder gekleidet und die hatten sich einzig ihre Brustpanzer und Helme angelegt. Vier Mann trugen James' Sarg. Der fünfte Mann ging voraus und trug das Banner der Garde: Das Dunkle Mal, welches golden auf schwarzen Leinen aufgenäht worden war und von einer kreisförmigen Schlange umrahmt wurde, welche sich in den eigenen Schwanz biss.

Maximus ging an der Seite seiner Frau und des Priesters hinter ihnen her. James hatte sich immer eine katholische Beisetzung gewünscht.

Hinter ihm liefen Kathrina und ihre Kinder. Maximus wagte es nicht sich umzudrehen, doch drang ihr leises, unterdrücktes Schluchzen dennoch zu ihm vor. Unwillkürlich nahm er die Hand seiner Frau und sah zu Boden.

Als sie das vorgesehene Grab erreichten ging der Bannerträger zur Front des Grabes und salutierte dort stramm, während seine Kameraden den Sarg hinab ließen. Die Anwesenden versammelten sich um die Stätte. Die Gardisten traten schließlich zurück und ließen dem Priester den Vortritt. Während der Zeremonie schweiften Maximus Gedanken ab. Er dachte daran wie er und James sich kennen gelernt hatten. Es war auf einer Werbungsveranstaltung der Marines im Sommer '56 gewesen. Sie stammten beide aus eher bescheidenen Verhältnissen, doch ihre Väter waren beide beim Corps gewesen. Anders als James hatte Maximus seinen alten Herren nie gekannt. Er war im Kampf gegen die deutschen Faschisten gefallen. Die Magierschaften hatten im Weltkrieg mit all ihrer Kraft an der Seite der Muggel gekämpft. Auch wenn ihr Blutstatus sie trennte so waren sie im Herzen doch alle Briten. Und als Briten war es ihre Pflicht gewesen die Nazis mit all ihrer Macht zurückzuschlagen und ihnen das Fürchten zu lehren.

Doch damals waren es völlig andere Zeiten gewesen. Zeiten in denen du schief angesehen wurdest, wenn du andere nach ihrem Blutstatus gefragt hast. Das war Tabu. Dennoch konnte er sich gut daran erinnern, wie er als Kind von anderen deshalb herumgeschubst wurde.

„Blaublütiger!", hatten sie ihn immer genannt. Oder „Dinosaurier", weil es von den Reinblütern damals wie heute nur noch wenige gab. Die Schlamm- und Halbblütigen hatten sich oft weit aus dem Fenster gelehnt, wenn es darum ging ihre dummen Scherze und Anmaßungen von sich zu geben.

Doch heute war Maximus mit dem herumschubsen dran. Er hatte diese Proletariatsmagier in seiner Kindheit hassen gelernt. Und bereits in Hogwarts hatte er ihnen gezeigt, dass sie es bereuen würden, wenn sie sich mit ihm anlegten. Nur Dumbledore war nie sonderlich begeistert davon gewesen! Dumbledore, dieser Muggelfreund! Damals war er sein Hauslehrer gewesen. Ein parteiischer Mistkerl war er, aber auch ein guter Mentor, um ehrlich zu sein.

Der Dienst in der Armee war zu dieser Zeit der einzige Weg gewesen, um diesen Muggelbefürwörtern und ihren ewigen Reden zu entkommen. Hier wurde man nicht permanent als „Dinosaurier" bezeichnet, nur, weil man einen aristokratischen Stammbaum aufwies. Und wenn schon? Seiner Familie hatte dieser Stand nichts genützt. Bis heute schickte er einen Teil seines Soldes seiner Mutter damit sie nicht auf der Straße saß. Stets hatten diese verfluchten Schlammblüter versucht ihnen noch das letzte Bisschen an Würde zu nehmen, was sie besaßen. Und heute bekamen sie die Zeche dafür!

Der Priester endete und die plötzliche Stille riss Maximus aus seinen Gedanken. Er ließ die Hand seiner Frau los und trat nach vorn. Für einen Augenblick stand er nur schweigend da, wissend, dass alle Augen auf ihn gerichtet waren. Er öffnete den Mund, als wolle er etwas sagen, doch entschied er sofort, dass derartige Worte am Grab seines Freundes nicht angebracht waren. Und so griff er in die Innentasche seines Jacketts und holte James' Zauberstab heraus.

„Möge er in Frieden ruhen." Er zerbrach diesen geräuschvoll in zwei Teile, die er sogleich in die Grube warf.

Nach der Beisetzung fand sich die Prozession auf dem Anwesen der McGregors ein. Dieses war bei weitem nicht so prunkvoll wie das der Malfoys, sondern stellte vielmehr eine Art provinziale Residenz dar. Diese bestand aus einem großen Landhaus und einem Stückchen eingezäunten Feldes. Das Totenmahl fand im Festsaal im Erdgeschoss statt. Die Räumlichkeiten waren allesamt im bäuerlichen Stil gehalten und einfach ausgestattet. Prachtvoller Prunk fehlte völlig. Das alte Parkett knarrte bedrohlich unter Maximus Füßen, als er eintrat. An den Wänden hingen nur wenige Bilder und diese stammten aus dem Jahrhunderte alten Familienbesitz der McGregors. Sie zeigten überwiegend Landschaftspanoramen und hiesige Tiere.

Im Saal war eine große Tafel gedenkt worden. Maximus nahm in der Mitte zusammen mit seiner Frau Platz. Zu seiner Rechten ließ sich Abraxas mit seiner Frau nieder und zu seiner Linken Kathrina mit ihren Kindern. Er warf ihr einen flüchtigen Blick zu. Sie weinte nicht mehr, sah dafür aber auch niemandem mehr direkt in die Augen. Die anderen Anwesenden waren Familienmitglieder und Militärangehörige, die den McGregors nahe standen. Er beachtete sie nicht näher.

Als sie sich alle versammelt hatten erhob sich Maximus. Alle Augen waren auf ihn gerichtet.

„Ich möchte gern einige Worte über James McGregor sagen. Zu allererst war er für mich einer der besten Freunde, die ich je hatte. Ein aufrichtiger und mutiger Mann – in jeder Lebenslage. James war ein außerordentlicher Mensch und Soldat. Er hat sich nie ergeben. Nie! Selbst, wenn die Lage aussichtslos erschien hat er alles gegeben. Wir haben mit James einen unserer Besten verloren." Maximus griff nach seinem Weinglas, woraufhin sich alle Anwesenden erhoben und ebenfalls feierlich ihre Gläser erhoben. „Heil unserem gefallenen Bruder James McGregor!"

„HEIL!", rief die Menge feierlich aus und trank aus. Maximus setzte sich wieder. Die gesamte Feierlichkeit über blieb er recht einsilbig. Er wollte kein Mitleid. Und er wollte nicht darüber reden wie heldenhaft James' Opfer war – denn das war es nicht.

Sie hatten ihn und drei weitere Züge seiner besten Einheiten abgeschlachtet. Seine Gedanken kreisten an diesem Abend immerzu um dieses Ereignis und erzeugten in ihm Wut, Hass, aber auch Trauer. Keine Frage, sie befanden sich im Krieg. Und dieser erforderte nun mal Opfer. Es war beileibe nicht das erste Mal, dass er einen guten Freund durch die Hand der Schlammblüter verlor. Und doch war es dieses Mal anders. Der Tod von James hatte ihn mehr getroffen als er es erwartet hätte.

Schließlich erhob Maximus sich und ging nach draußen. Vor der Haustür atmete er tief, fast einwenig erleichtert durch. Die Nacht war ruhig und klar. Die sommerliche Schwüle verflüchtigte sich langsam und wich einer erfrischenden Kühle.

Er griff in die Innentasche seines Jacketts, holte ein Päckchen Zigarillos heraus und steckte sich eine an.

„Na, alter Freund, sind dir die Erinnerungen zuwider?", sagte plötzlich eine bekannte Stimme hinter ihm. Maximus wandte sich um und erblickte Abraxas in der Tür. Er antwortete nicht.

„Was ist los, Max?"

„Mir geht eine Sache nicht aus dem Kopf. Wie konnten sie unsere Leute in so eine Falle locken?"

„Nun, ich will nicht anmaßend wirken, aber ich schätze deine Truppe ist nicht sauber."

Maximus stimmte ihm im Gedanken zu. Es gab Männer unter seinem Befehl, die ihren eigenen Kameraden ohne zu zögern ein Messer zwischen die Rippen jagen würden.

„An wen hast du dabei gedacht?"

„Was ist mit deinem ewigen Liebling Victor Graysmith?", fragte Abraxas.

„Der ist in der Tat ein Krisenherd ohne gleichen. Leider kann ich ihn nicht ohne Aufsehen liquidieren lassen. Sein Beliebtheitsgrad unter den Männern verhindert das."

„Was würde passieren, wenn ihm zufällig etwas zustößt? Einen Unfall kann die Truppe wohl kaum auf dich abwälzen."

Maximus begann grimmig zu lächeln. Solche Pläne gefielen ihm schon immer. Vor allem, wenn es darum ging einen Freund zu rächen.

„Wie gut, dass es in Hogwarts nicht gerade ungefährlich ist. Wäre ja nicht das erste Mal, dass sich dort jemand aus Versehen den Hals bricht.", sagte Maximus und zog an seinem Zigarillo.

„Wirklich ein unfassbares Glück.", stimmte Abraxas zu.

Die beiden lachten leise und schlossen sich schließlich wieder der Gesellschaft im Haus an. Maximus Laune besserte sich bei dem Gedanken an Graysmiths Tod sichtlich.

„Was ist passiert?", fragte seine Frau schließlich, die ihren Mann in den letzten Tagen nie so fröhlich gesehen hatte.

„Mir ist nur etwas klar geworden, mehr nicht.", sagte er zu ihr und küsste sie sanft auf die Wange. „Etwas sehr wichtiges."

„Was?", fragte sie.

„Etwas Berufliches.", sagte Maximus woraufhin sie kein Wort mehr darüber verlor. Sie wusste, dass sie sich nicht in seine Angelegenheiten einzumischen hatte.

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