Disclaimer: Twilight gehört Stephenie Meyer und nicht mir :)


Edwards Pov

Der nächste Tag bricht an und mein Wecker klingelt so laut, dass ich manchmal glaube, allen in diesem Haus damit auf die Nerven zu gehen. Meine Hand knallt auf den großen Knopf und es herrscht wieder Stille. Müde ziehe ich die Decke über den Kopf und drehe mich auf die Seite. Nur noch ein paar Minuten ... Es klopft an meiner Zimmertür.

Ich werfe die Decke zurück. „WAS?!"

„Edward, kommst du," ruft Mum von der anderen Seite der Türe aus.

„Ja, ich komme," antworte ich gähnend und setze mich auf die Bettkante.

Ich überlege, wie es meiner Schwester heute wohl geht. Vielleicht hat Carlisle sie auch für einen Tag krank geschrieben? Das macht er ja manchmal, wenn er sieht, dass es uns sehr schlecht geht nach ... Und Rosalie ging es verdammt schlecht. Sie konnte gestern Abend beim Essen noch nicht mal auf einem Kissen sitzen und Mum musste ihr das Abendessen hoch bringen, damit sie im Liegen essen konnte. So weit habe ich es bis jetzt noch nie gebracht, obwohl mich Dad schon härter bestraft hat, als sie!

Vielleicht bin ich auch abgehärteter, weil er mich öfter bestrafen muss?

Ich sehe kurz auf die Uhr: 05:30 Uhr. Ich gehe duschen, ziehe mich an, packe meinen Rucksack zusammen – ohne das runde Döschen Benzin zu vergessen, was ich ganz unten hinein stopfe und schalte die Stereoanlage aus. Ich stecke meine Brieftasche in die Hose, greife mir die Autoschlüssel vom Tisch, meinen MP3-Player und schlüpfe in meine Stiefel.

Als ich auf den Flur hinaus trete, sehe ich in Dads Büro schon Licht brennen. Ich gehe zur Tür, klopfe an den Rahmen und trete ein. „Morgen, Dad!"

Er sitzt am Schreibtisch und hat eine Akte vor sich aufgeschlagen. Ein Kugelschreiber in den Fingern und eine Tasse mit wohl riechendem Blut vor sich. Ich lecke mir die Lippen und er sieht mich an. „Morgen, Edward. Alles okay?"

Ich zucke mit den Schultern. Was soll denn nicht okay sein? ... „Klar!"

Plötzlich sucht er den Papierkram auf dem Tisch ab und fischt ein Attest unter einem Stapel Blätter hervor. Er reicht es mir und ich nehme es ihm ab.

„Hier," sagt er seufzend. „Von Rosalie. Tust du mir den Gefallen und gibst das bitte ab?"

„Ja, mach ich," sage ich, während ich das Attest ausführlich studiere. Ein Räuspern unterbricht mich aber leider sofort wieder.

Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Was hast du geschrieben?"

Carlisle legt die Akten zusammen, steht auf und kommt zu mir.

„Das geht dich nichts an," flüstert er mir ins Ohr und hält mir dann grinsend die Tür auf.

„Sorry," antworte ich mit gesenktem Blick.

„Wieso bist du eigentlich schon so früh wach?"

„Warum nicht," frage ich zurück. „Ich will vorher noch in die Bibliothek!"

Er sieht mich skeptisch an. „Du? Willst vor der Schule noch in die Bibliothek?"

Carlisle schüttelt den Kopf und legt dann prüfend eine Hand flach auf meine Strin. Mit der anderen hält er meinen Kopf fest. Nach ein paar Sekunden, zieht er die Hand wieder weg. „Fieber hast du nicht ..."

Ich stöhne etwas genervt. „Dad, ich bin nicht krank! Kann ich nicht einfach mal vor dem Unterricht ein Buch lesen, ohne dass gleich alle denken, mit mir würde was nicht stimmen?!"

Er ist etwas überrascht über meinen Ausbruch und eigentlich würde er mich jetzt dafür tadeln, aber ... er hebt beschwichtigend die Hände. „Entschuldige! Aber das ist wirklich ungewöhnlich für dich, Edward!"

Ich zucke die Schultern, weil ich dieses Verhör hinter mich bringen will. „Darf ich jetzt gehen, Carlisle? Sonst habe ich gleich keine Zeit mehr, oder es ist zu voll!"

Mein Vater nickt nur und ich springe schnell die Treppe hinunter, um noch eine Tasse Blut zum Frühstück zu bekommen.

Er hat das Benzin nicht gerochen, das heisst, das diese kleinen Dosen, die er mal gekauft hat, wirklch gut und luftdicht verschließen ...

Ich lasse mir zwanzig Minuten Zeit mit dem Frühstück und steige dann in der Garage in meinen Volvo, den ich gestern noch von der roten Farbe gereinigt habe. Ich starte den Motor, stelle das Licht und das Radio an. Dann fahre ich langsam rückwärts aus meinem Parkplatz, lasse das Fenster herunter und ziehe an der Strippe, die das Tor öffnet. Mit ohrenebtäubender lauter Rockmusik und aufheulendem Motor rase ich in Richtung Forks High School davon.


Um viertel nach sieben steht mein Auto auf meinem Parkplatz vor der Schule. Ich steige aus und sehe mich kurz aufmerksam um. Es sind noch nicht viele Wagen und Schüler hier. Dann fällt mir der schwarze Porsche am Ende der Reihe auf. Grinsend nicke ich, krame in meinem Rucksack nach der Dose und stecke sie mir unter meine Jacke, die ich ein Stück zu mache. Dann taste ich meine Jeans ab und grinse wieder. Es scheint ja alles perfekt zu laufen ...

Langsam und gemütlich schlendere ich wie immer über den dunkelen Parkplatz der Schule – zu dem teuren Porsche hinüber. Während ich laufe, drehe ich meinen Kopf ein paar Mal um, nur um sicher zu gehen, dass ich nicht die Aufmerksamkeit von anderen Schülern oder gar Lehrer auf mich ziehe. Aber so früh am Morgen fällt hier so wieso noch Niemandem irgendwas auf!

Schon von weitem hab ich gesehen, dass mein Erzfeind nicht in seinem Auto sitzt, sondern wahrscheinlich schon im Gebäude oder in der gegenüberliegenden Bibliothek ist. Diese Lüge mit dem Buch gegenüber Dad war ziemlich blöd von mir. Ich hätte mir denken können, dass er mir das nicht abkauft!

Ich spaziere einmal um die Luxuskutsche herum und hocke mich kurz hin, um einen prüfenden Blick unter den Sportwagen zu werfen. Nickend stehe ich wieder auf und krame die Dose unter meiner schwarzen Jacke hervor.

Soll ich das wirklich durchziehen? Aber ... der Arsch hat mein Baby, meinen Volvo besprüht!

Noch schlimmer! Er hat in Rot FREAK drauf geschrieben und das haben hier alle gesehen! Alle!

Meine Entscheidung ist gefallen – ich tue es!

Nervös sehe ich mich wieder auf dem Parkplatz um, doch ich werde nicht beobachtet. Dann bücke ich mich wieder und gieße einen Schuss des brennbaren Treibstoffs unter das Auto nahe an den Tank. Ich ziehe mit dem Rest eine Spur von dieser Pfütze nach außen hin und dann den vorderen Reifen hoch auf die Motorhaube und über das schwarze Cabriodach, was aus brennbarem Stoff besteht. Oben angekommen kippe ich den letzen Tropfen aus und verschließe das Döschen wieder, was ich dann unter meiner Jacke verschwinden lasse, um es nachher hier in der Schule im Müll verschwinden zu lassen. Warum Müll mit nach Hause bringen, wenn man ihn wo anders abgeben kann?

Ich sehe mich wieder um und merke, dass der Parkplatz vor der Schule und die Strasse menschenleer sind – perfektes Timing!

Wie selbstverstandlich krame ich aus meiner Hosentache eine Streichholzschachtel hervor. Dann gehe ich ein paar Schritte zurück, zünde das Hölzchen an der Brennlinie an und sehe kurz auf die kleine Flamme in meiner Hand. Eigentlich kann ich Feuer nicht leiden, so wie jeder andere Vampir auch. Feuer bedeutet für uns Tod! ... Also weg damit!

Ich lasse es auf die Pfütze Benzin fallen, die sich vor dem Autoreifen gebildet hat und trete schnell ein paar Schritte zurück. Sofort fängt die Flüssigkeit Feuer und noch ein paar Sekunden später brennt der ganze Porsche Boxter S zündelnd vor sich hin.

Ich grinse und springe dann hinter die nächsten Büsche und mache mich wie selbstverständlich auf den Weg in das Schulgebäude. Hoffentlich hat mich niemand gesehen ...


Der Mathematikunterricht der ersten Stunde hat noch nicht mal richtig begonnen, als draußen auf dem Hof Sirenen aufheulen. Natürlich laufen alle zu den Fenstern und gucken hinaus.

„Da brennt irgendein Auto," schreit Jemand.

Auch Mr. Facinelli tritt an die große Fensterfront und glaubt seinen Augen nicht zu trauen. „Das gibt es ja nicht!"

Nachdem wirklich meine ganze Klasse jetzt an den Fenstern steht und gafft, kann ich natürlich nicht auf meinem Stuhl sitzen bleiben, denn das würde sofort auffallen. Also stehe ich auf und gehe auch meine Nase an der Scheibe platt drücken, wie alle anderen hier.

„Wow," sage ich erstaunt. „Gut, dass das nicht mein Auto ist!"

Ich ernte für diesen Kommentar ein paar Blicke und zucke die Schultern. „Stimmt doch!"

Jetzt kann ich sogar Taylor Newton erkennen, der Besitzer des Boxter, der aus dem Gebäude gestürmt kommt, doch es ist schon zu spät. Ein paar Sekunden später gibt es einen Ohren betäubenden Knall und der Porsche fliegt in einer filmreifen Explosion in die Luft.

Erschreckt treten alle von dem Fenster zurück, sogar ich. Die Mädchen schreien voller Panik und die Jungs schütteln den Kopf und grinsen hämisch. Ich beiße mir auf die Unterlippe. Dass der Wagen gesprengt wird, gehörte eigentlich nicht zum Plan! Er sollte nur etwas ankokeln, aber na ja ...

Die Feuerwehrmänner beginnen jetzt mit den Löscharbeiten und Taylor Newton kniet auf dem kalten Stein der Treppe und heult wie ein kleines Kind.

Leg dich niemals mit Edward Cullen an ...

In der gesamten Forks High ist kein normaler Unterricht mehr möglich. Alle stehen an den Fenstern oder auf dem Hof, in sicherem Abstand zu dem Flammenden Inferno, was mal ein Sportwagen gewesen ist und glotzen. Eine weitere Sirene ertönt und ein Krankenwagen des Forks Hospital schießt mit quietschenden Reifen um die Ecke.

Er hält ein paar Meter entfernt und ein Arzt und ein Rettungssanitäter steigen aus. Sie laufen zu Taylor, um ihn zu behandeln. Zwangsläufig muss ich an Carlisle denken ... Wenn dieses Debakel mal heraus kommen sollte, dann werde ich eine ganze Weile nicht mehr auf meinem Hintern sitzen können. Und meine Freiheit könnte ich dann auch sicherlich vergessen – auch für eine ganze Weile! Noch dazu könnte ich diese Enttäuschung in seinem Gesicht nicht ertragen!

Warum habe ich jetzt auf einmal ein schlechtes Gewissen?

Ich sehe wie der Direktor bei dem Krankenwagen steht und mit Taylor redet. Leider kann ich nicht hören, was sie sagen, denn das Gekreische auf dem Hof und die Sirenen des Feueralarms sind zu laut. Der Direktor geht wieder und verschwindet im Schulgebäude. Facinelli versucht unterdessen uns alle etwas zu beruhigen, besonders die Mädchen.

Dann spüre ich wie mein Handy in der Jackentasche vibriert. Ich trete von den Fenstern weg und gehe in eine Ecke, um ungestört telefonieren zu können, was hier eigentlich nicht erlaubt ist.

„Ja," flüstere ich leise.

Es ist Alice. „Edward, ist alles okay bei dir? Hast du auch die Explosion gesehen?"

„Alice," frage ich leise in den Hörer. „Wer hat die nicht gesehen?"

„Das ist der Wagen von Taylor Newton gewesen, oder," fragt sie weiter. „Das ist doch der Typ, der deinen Volvo beschmiert hat, oder?"

Ich rolle mit den Augen. Alice ist echt verdammt gut! „Ja und?!"

Es herrscht einen Moment Stille. „Hast du dich gerächt, Edward?"

Noch bevor ich antworten kann, wird mir das Handy aus der Hand genommen und zu geklappt. Facinelli sieht mich etwas sauer an und ich grinse zurück.

„Mr. Cullen," sagt er und verschränkt die Arme vor der Brust. „Sie wissen, dass ich Handys in meinem Unterricht nicht dulde." Er sieht noch mal auf das Telefon. „Es macht ihnen doch sicher nichts aus, wenn ich ihren Vater anrufe und ihn frage, ob er es Morgen abholen kann?"

Ich schlucke nervös. „Nein, Sir."

„Gut," antwortet er und spaziert zurück zu seinem Lehrerpult. Er klatscht in die Hände, als er sieht, dass die Feuerwehr den Brand gelöscht hat und Taylor Newton in den Krankenwagen verfrachtet wurde. „Da diese kleine Showeinlage jetzt vorrüber ist, können wir mit dem Unterricht fort fahren, ja?"

Wir fahren mit dem Unterricht fort, so gut wir uns jetzt noch konzentrieren können und werden nur kurzzeitig von dem lauten Krach des Abschleppwagens unterbrochen, der den schwarzen Klumpen Metall auflädt und wegschafft.

Ein paar Minuten später klopft es an der Tür. Sie öffnet sich und unser Direktor tritt ein. Facinelli sieht von seinem Buch auf und steht auf. „Direktor Greene? Was können wir für sie tun?"

Greene zeigt auf mich. „Ich muss ihnen leider Mr. Cullen entführen. Ist das in Ordnung, Mr. Facinelli?"

Ein Raunen geht durch die Klasse und Facinelli nickt. „Natürlich, Sir!"

Ich werde auf meinem Stuhl etwas kleiner und nervös. Greene geht zur Tür. „Packen sie ihre Sachen zusammen, Mr. Cullen und folgen sie mir bitte!"

Schnell stopfe ich alles in meinen Rucksack und trete mit Greene auf den Schulflur hinaus. Er schließt die Tür und ich gehe stumm neben ihm her in das Verwaltungsgebäude der Forks High.


Als wir wenig später in seinem Büro stehen, befiehlt er mir Platz zu nehmen und setzt sich ebenfalls hinter seinen Schreibtisch. Stumm mustert er mich und ich werde noch nervöser. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass er etwas ahnt. Natürlich könnte ich jetzt seine Gedanken lesen, aber das verkneife ich mir lieber.

Er seufzt tief. „Edward? Haben sie heute früh den Wagen von Taylor Newton mit Benzin übergossen und angezündet?"

Mann, das war aber jetzt sehr direkt! Ja? Nein? Vielleicht? ... Kreuzen sie bitte hier an!

Ich versuche meine Überraschung nicht zu offensichtlich zu zeigen, verschränke die Arme vor der Brust und schüttele den Kopf. „Nein, Sir? Warum sollte ich?"

Greene trommelt mit den Händen auf der Tischplatte herum und stöhnt. „Edward! Warum lügen sie mich an? ... Okay, wenn sie bei dieser Antwort bleiben wollen, dann habe ich keine andere Möglichkeit."

Er greift über den Tisch und drückt eine Taste auf der Telefonanlage. „Mary? Verbinden sie mich bitte mit dem Forks Hospital! ... Notaufnahme ... Dr. Carlisle Cullen!"

Ja, Sir! Wird erledigt," sagt seine Sekretärin über den Lautsprecher und ich verkrampfe mich in meinem Stuhl. Das wird richtig Ärger geben! Dad geht die Wände hoch!

Er hat meine Reaktion gesehen und beugt sich ein Stück vor. „Man hat mir erzählt, dass es einen kleine Auseinandersetzung gegeben hat, Edward! Und Taylor hat mir gebeichtet, dass er vor ein paar Tagen ihren Volvo besprüht hat. Sie sollten sich für ihren Vater besser eine gute Antwort überlegen, denn-"

Die Telefonanlage piept und blinkt. „Mr. Greene? Dr. Cullen für sie!"

Sie telefonieren kurz und Greene legt dann auf. Er wirft mir einen Blick zu. „Er ist unterwegs! ... Und Edward? Wenn ich ihnen einen guten Tipp geben darf: Das Benzin an ihrem rechten Ärmel, geht nicht mehr raus! Die Jacke haben sie ruiniert!"

Jetzt würde ich am liebsten über den Tisch springen und meine Zähne in seinen Hals rammen ...

Tbc ...


AN: Ein Action reiches Kapitel :D Und ich glaube Carlisle wird total begeistert sein, wenn der in einigen Minuten in der Schule auftaucht, lol ... Ich hab mich bei der kleinen Szene mit Edward und dem Streichholz totgelacht "Feuer bedeutet Tod! ... Also weg damit!" Hahaha ... Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen, war ja mal etwas länger als sonst! So dann sehen wir mal, was Carlisle zu der ganzen Sache sagt!