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Teil 29

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Gefrustet fuhr Dean sich durch die Haare und bemerkte erst dadurch, dass sie ihm durch das Schlafen wie Stacheln vom Kopf abstanden. Klasse, sogar die Dinger wollten vor ihm flüchten. Kaum hatte er diesen lächerlichen Gedanken zur Seite geschoben und sich wieder auf das energisch geflüsterte Gespräch mit Bobby konzentriert, als er das alte Fliegengitter der Haustür gegen den Rahmen donnern hörte.

Dean war nicht der Einzige gewesen, der das Geräusch aufgeschnappt hatte, Bobby hatte mitten in der Bewegung aufgehört, wild mit dem Pfannenwender herumzugestikulieren, um seinen Argumenten mehr Nachdruck zu verleihen. In seiner Schürze mit Mütze sah er jetzt aus wie eine Scherzreklame für Verzweiflungsgriller.

Beide lauschten, aber dieses Mal hörten sie keineswegs diese beunruhigende plötzliche Stille, die beim letzten Mal Sams dämonische Flugversuche angekündigt hatten, nein, jetzt hörten sie ein leises Fluchen außerhalb des Hauses.

„Sam!"

Wie auf Kommando stürmten beide Männer zur Tür, stießen sich zur gleichen Zeit die Schulter am Rahmen an, als sie - jeder für sich - beschlossen hatten, Vorfahrt zu haben bei ihrem Weg nach draußen.

Hochgezogene Augenbrauen, ein schiefes Grinsen von den Männern und ein kleines Nicken von Bobby: „Mach schon Junge, es sieht so aus, als ob unser kleiner Flüchtling gerade im Matsch gelandet ist."

Dean schluckte hart.

Es war ein Scherz des Älteren und doch waren die liebevollen Worte, die sich dazwischen verbargen, mehr als deutlich: ‚Er braucht dich mehr als mich … geh schon, Schwachkopf.'

Ein kurzer Ruck, der menschliche Stau löste sich auf und Dean stürmte zur Tür, riss sie auf, ohne dabei zu bemerken, wie sie beinahe aus den Angeln flog.

Ein zweites Mal erklang das hölzerne Scheppern und Bobby stand innerhalb weniger Tage schon wieder da, wusste nicht, ob er dem Jungen eine reinhauen sollte oder ihn einfach weiter dafür lieben sollte, dass er so ein verrückter Chaot war. Es wärmte dem Älteren das Herz, in Deans Augen wieder etwas von dem alten Glanz zu sehen, wenn es um Sam ging und er würde den Teufel tun, sich gerade dazwischen zu stellen.

Ein tiefes Seufzen entwischte ihm, er war mehr als neugierig, was genau passiert war, aber er wusste, dass er Geduld haben musste. Dean hatte immerhin ein halb genuscheltes: ‚Lilith ist tot', von sich gegeben, als sie auf dem Rückweg im Auto saßen. Der Blick, den der Jüngere dabei auf die Rückbank warf, sagte alles.

Luzifer – Hölle … Feuer.

„SCHEISSE!" Genau in diesem Moment bemerkte er den verschmorten Fleischgeruch, der ihm aus der Küche entgegen schlug. Soviel zum Thema saftiges Steak. Das hier war wohl ein Vorgeschmack auf die Dinge, die sie erwarten würden, denn wer hatte als Jäger schon Zweifel daran, als Spießbraten der Unterwelt zu enden, der eben hier und da etwas angesenkt war.

Einfach himmlisch der Gedanke.

Dean stand auf der alten Veranda unter dem Vordach, das einmal weiß gewesen sein musste, wie die abblätternde Farbe am Holz bröselnd verriet.

Der Sonnenschein, der vor kurzem ein kleiner Lichtblick gewesen war, wurde jetzt verdrängt durch dunkle Regenwolken, die den Himmel verdüsterten. Leichter Nieselregen setzte ein, der aus kühlen Temperaturen unangenehm feuchte Kälte machte, als Dean den ersten Schritt machte und sich langsam seinem Bruder näherte.

Sam kniete zusammengesunken mitten auf dem Hof, nach vorne gebeugt, die Hände im Matsch abgestützt, den Kopf kraftlos auf den Schultern nach vorne hängend. Ein Schuh hatte sich anscheinend im feuchten Untergrund festgesaugt und den Jüngeren ins Straucheln gebracht. Lächerlich, alleine der Gedanke, und doch zugleich so erschreckend. Alles, was Sam an Stärke in sich gehabt hatte, schien fort zu sein, der Körper seiner letzten Reserven beraubt.

Dean konnte Sam schnell und flach atmen hören. Noch mehr Grund zur Sorge.

„Sammy?"

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