Kapitel 29
Es war ein berauschendes Gefühl, auch wenn es nicht besonders lange anhielt und der Kuss auch nichts Weltbewegendes war. Trotzdem hatte sich Aniya noch nie in ihrem Leben so gut gefühlt. Jedenfalls war sie in diesem Moment überzeugt davon. Sie hatte sich für ein paar Sekunden einfach verlieren können, ohne sich Gedanken über die Konsequenzen gemacht zu haben. Im Prinzip wusste sie selbst nicht, was in sie gefahren war. Immerhin hatte Obi-Wan ihr zuvor klar gemacht, dass er nichts von Beziehungen dieser Art hielt.
Nachdem sie von ihrer Umarmung losgelassen hatte und wieder auf ihren Sitz sank, herrschte für eine kleine Weile Stille in Nozzis ehemaligem Schiff.
Dieses Schweigen empfand jeder der Anwesenden anders. Während Aniya, die die Stille als unangenehm empfand und ein wenig verunsichert zu Obi-Wan rüberschielte, der sie mit leicht geöffnetem Mund anstarrte und die Totenstille vermutlich kaum registrierte vor lauter Überraschung, genoss Anakin das Szenario sichtlich. Zwar konnte man auch ihm die Überraschung an einer hochgezogenen Augenbraue anmerken, aber ganz offensichtlich hatte er sich am schnellsten davon erholt. Nun saß er auf seinem Platz mit einem schiefen Grinsen und schaute von Aniya zu Obi-Wan und wieder zurück, nicht genau wissend, was ihm an allem das meiste Vergnügen bereitete: Aniyas Verlegenheit oder Obi-Wans Sprach- und Hilflosigkeit.
Obi-Wan machte Anstalten, die Stille zu unterbrechen, indem er Luft holte, entschied sich dann aber anders und schloss seinen Mund. Offenbar hatte er die vollkommene Tragweite der Situation erst jetzt registriert und seine Gesichtsfarbe wechselte von einem leichten rot zu sehr blass und er wandte sich schnell ab.
Aniya biss sich auf die Lippe und warf einen bittenden, ja flehentlichen Blick zu Anakin. Der hatte nun doch ein wenig Mitleid mit ihr und unterbrach die Stille: „Vielleicht sollten wir Meister Fisto nun, trotz einmaliger Ereignisse, nicht mehr warten lassen. Was meint Ihr, Meister?"
Den Blick, den Obi-Wan ihm nun zuwarf und der Bände sprach, ignorierte der junge Jedi einfach.
Sein ehemaliger Meister schluckte, bevor er antwortete und vermied es, Aniya anzuschauen, als er sprach: „Ich denke, wir sollten den Schritt wagen und durch unser Fenster fliegen. Mir ist bedauerlicherweise noch keine Lösung für das Problem unserer Begleiterin eingefallen. Dir, Anakin?"
Traurig ließ Aniya den Kopf hängen. Ganz offensichtlich hatte Obi-Wan die kurze Berührung ihrer beider Lippen nicht besonders gefallen. Er konnte ihr noch nicht einmal mehr in die Augen schauen.
Anakin räusperte sich. „Nein, leider ist mir auch nichts eingefallen, aber vielleicht wird sich Aniya ja bei uns ganz wohl fühlen, meint Ihr nicht auch?"
„Vermutlich. Probleme Kontakte zu knüpfen, hat sie schließlich nicht. Und jetzt würde ich vorschlagen, du startest unser kleines Schiff und bist so vorsichtig wie nur möglich."
„Ich bin immer vorsichtig, Meister. Das solltet Ihr doch inzwischen wissen."
Der junge Jedi tat, wie ihm befohlen und lenkte das Schiff vorsichtig Richtung Jedi-Starfighter. Dabei war Fingerspitzengefühl angebracht, wusste er doch nicht genau, wo sich das Fenster befand und wie groß genau es war. Das konnte der Pilot lediglich vermuten, auf Grund der Beobachtungen, die sie gemacht hatten im Hinblick auf das Verschwinden und Auftauchen von Kits Jäger.
Eine erneute Stille herrschte an Bord, doch diesmal empfand sie nur Aniya als unangenehm. Sie schämte sich wahnsinnig und war der Verzweiflung nahe. Traurig war sie auf ihrem Sitz zusammengesackt und hatte das Gefühl, alles falsch gemacht zu haben, was man falsch machen konnte. Sie hatte die wahnsinnige Chance missbraucht, die sich ergab, wenn einem jemand sein Vertrauen geschenkt hatte. Eine Chance, die sich ihr in der letzten Zeit nicht sehr oft geboten hatte. Weit weg von ihrer Heimat und zudem noch auf der Flucht vor den Jedi hatte sie kaum jemandem vertrauen können, bzw. hatte ihr kaum jemand vertraut. Es überfiel sie die plötzliche Eingebung, dass sie dieses Gefühl der Freundschaft wahnsinnig vermisst hatte. Vielleicht, so grübelte sie nun, hatte sie diese Euphorie einfach mit liebevoller Zuneigung verwechselt. Vielleicht war sie einfach nur froh, Obi-Wan als Freund und Vertrauten gefunden zu haben. Vielleicht… machte sie sich einfach nur etwas vor, damit sie ihre Trauer überwinden konnte.
Zu all dieser Verzweiflung gesellte sich auch noch die Angst, nie wieder in ihr eigenes Universum zu kommen. Zwar hatte sie sich in dieser Galaxie schon fast mit diesem nicht sehr einladenden Gedanken abgefunden. Aber nun, da sie theoretisch wusste, wie man von einem Universum ins andere kommen konnte und sie somit ihrem Universum verdammt nahe war, hatte sich ein kleines Fünkchen Hoffnung in ihrem Verstand einen Platz gesucht, nur, um gleich wieder von ihren zwei Gefährten verdrängt zu werden.
Sie versuchte sich mit dem Gedanken zu trösten, dass Anakins und Obi-Wans Universum aber immer noch besser war, als das hiesige, aber so recht wollte sich ihre gute Stimmung nicht wieder herstellen lassen.
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Mittlerweile waren sie Kits Starfighter immer näher gekommen.
Obi-Wan überlegte, ob er über das eben Geschehene nachdenken sollte. Vermutlich würde er nicht umhin kommen, darüber zu grübeln, nur wollte er sich nicht unbedingt ablenken lassen. Allerdings war schon die Überlegung, ob er überlegen sollte, eine Ablenkung und deshalb könnte er es jetzt hinter sich bringen, um nicht später abgelenkt zu sein.
Nun, vermutlich gab es gar nicht so viel zum Überdenken. Aniya hatte ihn außerplanmäßig geküsst, er war völlig überrumpelt worden und hatte sich nicht besonders gentlemanlike verhalten, indem er sie ignoriert hatte und immer noch ignorierte. Darin war er gut, im Probleme verdrängen und ignorieren. Verdammt, sie musste sich sehr schlecht fühlen. Er überlegte, wie er sich wohl in ihrer Situation fühlen würde und kam zu dem Schluss, dass er sich auf Grund mangelnder Erfahrung kein Urteil erlauben konnte. Es blieb ihm wohl kaum etwas anderes übrig, als mit Aniya darüber zu reden, sollte sich eine Gelegenheit ergeben, in der sie unter vier Augen sprechen konnten. Ganz wohl war ihm bei dieser Aussicht nicht, aber er war es ihr schuldig.
Momentan jedoch plagten sie ganz andere Probleme und Obi-Wan machte sich ernsthafte Sorgen darüber, ob ihr Schiff, so klein es auch sein mochte, wohl durch das Fenster passen würde. Um sich ein wenig zu beruhigen, versuchte er sich klarzumachen, dass sie es auf dem Hinweg auch geschafft hatte und da war ihr Schiff ungefähr genauso groß gewesen wie das jetzige. Warum sich also Sorgen machen? Obi-Wan nannte es eine Vorahnung, ein mieses Gefühl.
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Meister Kit Fisto hielt den Atem an. Er selbst hatte zwar keine Ahnung von irgendwelchen Fenstern und dergleichen Problemen, aber er fragte sich gespannt, von welchem Zeitpunkt an er Obi-Wans und Anakins Schiff wohl sehen würde. Immer noch war es ihm ein Rätsel, warum sie ihn sehen konnten, aber nicht umgekehrt. Doch vermutlich war es reine Zeitverschwendung, momentan über diese Frage nachzudenken, zählte doch schließlich das Ergebnis. Als Jedi musste man immer ergebnisorientiert arbeiten. Das war etwas, das Kit mit der Zeit gelernt hatte.
Allerdings drängte sich die Frage in den Vordergrund, wie er wohl von Komplikationen erfahren würde oder gar von einem Scheitern. Die überaus zarte mentale Verbindung, die Obi-Wan zu ihm hatte herstellen können und die Nachricht, die damit einhergegangen war, war so schwach gewesen, dass Kit die Vermutung hatte, dass Obi-Wan in keinem besonders fitten Zustand gewesen war. Normalerweise hätte ihm ein gesunder Obi-Wan mit seinen gewohnten Fähigkeiten vermutlich mehr übermitteln können. Offenbar gab es sehr viele unbeantwortete Fragen.
Kit hatte nur verstanden, dass sie ihn beobachten konnten, er sie nicht sehen konnte und sie sich in einer fremden Welt befanden, was auch immer das heißen mochte. Sofort nach Abbruch der Verbindung hatte Kit seinen Astromech angewiesen, eine Verbindung zum Rat herzustellen und ihn auf den neusten Stand zu bringen. Sprich, dass Kit eine Möglichkeit gefunden hatte, Kontakt zu den zwei vermissten Jedi aufzunehmen. Vermutlich stellte sich der Rat etwas anderes darunter vor, aber Kit hatte nicht die Nerven, sie über alles zu informieren, bzw. wollte er zunächst selbst abwarten, was tatsächlich geschehen war.
Noch immer zeigte sich nicht das geringste Anzeichen auf dem Sichtschirm des Delta-7 oder auf den Anzeigen und Kit fing an, sich Sorgen zu machen.
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Anakin hatte wirklich alle Hände voll zu tun. Er wollte sich nicht einmal vorstellen, was passieren würde, wenn man mit dem Schiff auf den „Rahmen" des Fensters prallen würde. Die Folgen waren schon verheerend, wenn man das Fenster traf, wie viel mehr würde geschehen, wenn man an den Rahmen stieß? Gab es einen solchen Rahmen überhaupt?
Da ihm die anderen beiden an Bord keine große Hilfe sein konnten und glücklicherweise auch still blieben, versuchte Anakin, ihre Anwesenheit auszublenden. Er hatte es noch nie gemocht, den prüfenden Blick seines Meisters im Rücken zu haben, deshalb schaltete er ihn jetzt einfach aus seinen Gedanken heraus.
Ein paar Schweißperlen traten auf seine Stirn und er rief sich ins Gedächtnis, dass er bereits weitaus schwierigere Situationen in einem Fahrzeug gemeistert hatte, angefangen beim Podrennen auf Tatooine im Alter von neun Jahren. Da war das hier doch ein Kinderspiel.
Mit diesen Gedanken bzw. Beruhigungen im Kopf drosselte Anakin das Tempo einmal mehr, um auf Nummer sicher zu gehen. Glücklicherweise hatte er keinen Zeitdruck, auch wenn man manchmal den Eindruck haben könnte, er arbeitete besser unter einem solchen.
Die Stimmung im Schiff war beklemmend, denn es herrschte eine angespannte Stille, die nur ab und zu von Anakins stoßweise abgegebenem Atem durchbrochen wurde.
Der junge Jedi schluckte.
Ein plötzliches „Halt" von Obi-Wan ließ ihn zusammenfahren, doch er hatte gelernt, seinem ehemaligen Meister zu vertrauen und stoppte sofort, um sich dann ruckartig zu Obi-Wan herumzufahren. „Im Namen des… Was ist los?"
„Was ist geschehen, als wir das Fenster zum ersten Mal passiert haben?"
„Was soll das? Wir sind in diesem verdammten Universum gelandet? Ich denke nicht, dass wir Zeit für Frage-Antwort-Spielchen haben, Meister."
„Denk nach, Anakin, wir sind nicht einfach im freien Raum gelandet, sondern mitten auf Coruscant. Ich für meinen Teil jedenfalls. Ohne Schiff. Vielleicht sollten wir nicht davon ausgehen, einfach so auf der anderen Seite zu landen."
Nun mischte sich auch Aniya ein. „Sondern?"
„Wenn ich das wüsste…"
Anakin schaute ihn ernst an. „Ich finde, wir sollten dieses Risiko eingehen. Wenn es einen Weg rein gab, den wir überlebt haben, dann gibt es auch einen Weg raus. Davon ausgehend, dass dies unser Eingang ist, benutzen wir ihn jetzt einfach als Ausgang. Oder habt ihr eine Alternatividee?"
Sowohl Obi-Wan als auch Aniya schüttelten den Kopf.
„Das habe ich mir gedacht. Darf ich jetzt unseren Weg fortsetzen?"
Während Aniya beschlossen hatte, ihr Schicksal zu akzeptieren, wie auch immer es aussehen mochte, war Obi-Wan nicht gewillt, einfach so, ohne nachzudenken, sich in etwas reinzustürzen.
„Meister, hättet Ihr einen akzeptablen anderen Plan, wäre ich der erste, der Euch folgen würde. Aber ich sehe keine andere Möglichkeit. Ich bekomme uns schon heil rüber."
„Wenn nicht, werde ich dir das Leben in der ewigen Macht zur Hölle machen, Anakin"
Anakins Gesicht verzog sich zu einem Grinsen. „Daran habe ich keine Zweifel."
Doch sein Gesicht wurde schnell wieder ernst und er konzentrierte sich wieder auf ihren Übergang, startete das kleine Schiff abermals in einem sehr langsamen Tempo. Doch jetzt, da Obi-Wan seinen Einwand gebracht hatte, machte sich Anakin immer mehr Sorgen und es kostete ihn immer mehr Mühe, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Verdammt, sollte Obi-Wan beim nächsten Mal doch selbst fliegen.
Immer näher rückte Kits Starfighter. Man konnte nun schon einige Details erkennen. Kit hatte bereits kurz nach Verlassen des Hyperraums seinen Delta-7 aus dem Hyperraumring gelöst und nun schwebte tatsächlich nur der Starfighter vor dem Fenster. Anakin konnte seine messerartige spitze Form bereits deutlich erkennen. Es konnte sich nur noch um wenige Sekunden handeln, die sie von ihrem Universum trennten.
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Meister Yoda riss in seinem Zimmer die Augen auf. Da war es. Für einen kurzen Augenblick hatte er Anakin und Obi-Wan spüren können.
Nachdem der Tempel die Nachricht erhalten hatte, dass Kit Fisto Kontakt mit den beiden vermissten Jedi aufgenommen hatte, hatte sich zwar im Tempel eine gewisse Freude breit gemacht, die Yoda jedoch nicht teilen konnte. Ihm war klar, dass hinter dieser kurzen Nachricht noch weit mehr stecken musste, denn während er Kits Präsenz deutlich spüren konnte, fühlte er Obi-Wan und Anakin nur wie durch einen Schleier, ganz weit weg. Man musste also die Schlussfolgerung ziehen, dass der „Kontakt", von dem Meister Fisto sprach, nicht von der Art sein konnte, wie man zunächst vermuten würde.
Nun musste sich Yoda erneut Sorgen machen, denn ebenso schnell wie Obi-Wans und Anakins Präsenz auf einmal zu spüren gewesen war, war sie auch schon wieder weg. Es gab zwei mögliche Erklärungen, die ihm beide nicht besonders zusagten. Die erste war, dass die beiden tot waren. Und die zweite, dass etwas Unvorhergesehenes passiert war, zu dem es bisher keine Erklärung gab. Auch wenn beide Möglichkeiten nicht besonders wünschenswert waren, hoffte Yoda inständig, dass die zweite Möglichkeit eingetroffen war. Doch noch immer konnte er nichts Genaues spüren.
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Obi-Wan Kenobi erwachte plötzlich und setzte sich mit einem Ruck auf. Wo war er? Was war passiert? Wo war Anakin?
Er schaute auf und versuchte, sich zu orientieren, seine Gedanken zu sammeln und die Schmerzen zu ignorieren, die seinen Körper durchfuhren. Helles Licht blendete ihn und er schirmte seine Augen mit einer Hand ab, um besser sehen zu können. Was er sah, ließ alle Erinnerungen wach werden, die er in den letzten Tagen gesammelt hatte: eine Reise mit Anakin, das plötzliche Erwachen auf Coruscant, die Entdeckung, dass er sich in einer fremden Welt befand und der Versuch, nach Hause zu kommen. Der Versuch nach Hause zu kommen… War es ihm gelungen? Obi-Wan hatte seine Zweifel, denn er befand sich abermals auf einem Planeten, jedoch war ihm nicht ganz klar, welcher Planet das war. Klar war für ihn, dass es sich nicht um Coruscant handelte. Das hätte er erkannt, denn dazu war Coruscant zu markant und er lebte schon zu lange dort.
Seufzend und mit einigen Schmerzen verbunden, stand der Jedi-Meister auf und drehte sich abermals, wie schon vor ein paar Tagen, um seine eigene Achse. Zum Glück hatte er die Schmerzen inzwischen einigermaßen im Griff und konnte sich nun auf andere Dinge konzentrieren.
Der Planet war definitiv bewohnt und er befand sich mitten in der Zivilisation der Bewohner des Planeten. Momentan konnte er kein Merkmal ausmachen, das ihm einen Hinweis gegeben hätte, auf welchem Planeten er sich befand. Die Einwohner waren durchweg humanoid und wiesen keine besonderen für ihre Rasse typischen Merkmale auf. Jedenfalls keine auf den ersten Blick erkennbaren.
Das konnte unmöglich wahr sein. Wie konnte jemand zweimal in einen derartigen Albtraum geraten? Doch Obi-Wan zwang sich zur Ruhe und zog nun auch die Möglichkeit in Betracht, durchaus in seiner Galaxie zu sein, nur an der falschen Stelle, was bei einer zivilisierten Welt wie dieser kein allzu großes Problem sein sollte.
Zu allererst stellte Obi-Wan eine Prioritätenliste auf und setzte an die erste Stelle die Frage, auf welchem Planet er sich befand. Dicht gefolgt von der Frage, in welchem Universum er sich befand. Als dritter Punkt war der Kontakt zu Anakin vorgesehen und als vierter Punkt die Beschaffung eines Transportmittels. Doch alles zu seiner Zeit.
Während er so durch die Stadt, denn offenbar befand er sich in einer, schlenderte, merkte er, dass ihm dieser Planet bekannt vorkam. Ganz offensichtlich war er schon einmal hier gewesen, doch musste es schon eine ganze Weile her sein, denn die Erinnerung daran war nur sehr vage.
Die Häuser der Stadt hatten ihre besten Jahre offenbar schon hinter sich gehabt, wie man an den maroden Fassaden erkennen konnte und auf der Straße, auf der er sich befand, herrschte glücklicherweise kein Verkehr, sondern nur Fußgänger eilten von einer auf die andere Seite, ohne ihn groß zu beachten. Aber der Jedi konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, um welchen Planeten es sich handelte.
Allerdings hatte er feststellen können, dass es schon ein wenig später am Tag sein musste, denn die Sonne hatte ihren höchsten Stand offenbar schon überschritten und hatte eine für die Augen ungünstige Höhe, wie er schon beim Erwachen gemerkt hatte.
Obi-Wan beschloss, dass es wohl am besten sein würde, sich an einen Einheimischen zu wenden und ein Gespräch anzufangen. Um einen geeigneten Kandidaten herauszusuchen, schaute er aufmerksam in die Gesichter der Passanten und entschied sich für einen alten Mann, der auf einer Bank saß und einen langen Bart hatte.
„Verzeiht die Störung, aber könnte ich wohl eine Auskunft von Euch bekommen?" Höflich beugte sich Obi-Wan zu dem Mann vor und wartete seine Antwort ab.
Der alte Mann hustete als erste Reaktion und strich sich behäbig über seinen Bart. „Womit kann ich Euch helfen, junger Mann?"
Obi-Wan lächelte leicht, obwohl ihm nicht danach zumute war, was mehrere Gründe hatte. Zum einen natürlich auf Grund seiner aktuellen Lage und zum anderen aber auch, weil er es nicht mochte, „junger Mann" genannt zu werden. Dabei kam er sich jedes Mal tatsächlich verdammt jung und vor allem unerfahren vor, doch war er der Meinung, inzwischen durchaus nicht mehr ganz unerfahren zu sein. Immerhin war er keine 20 mehr. Doch schnell machte er sich klar, dass der alte Mann das nur im Vergleich zu sich selbst gemeint haben konnte.
„Ich würde gerne wissen, in welcher Stadt ich mich befinde. Wisst Ihr, ich habe eine dumme Wette verloren und bin von ein paar Freunden hier abgesetzt worden und weiß nun nicht, wo ich bin." Obi-Wan hoffte inständig, dass der Mann ihm das abkaufen würde und musste insgeheim schmunzeln, dass er sich nun gerade doch wie ein sehr junger Mann benahm. Hm, sollte doch der alte Mann seinen jungen Mann kriegen.
Ein erneutes Husten folgte, wobei sich Obi-Wan nicht hundertprozentig sicher war, ob es nicht auch ein Lachen hätte sein können.
„Ihr befindet Euch in Galu, merkwürdiger junger Freund. Ich bin wohl schon zu lange zu alt, um die Jugend noch verstehen zu können."
Obi-Wan räusperte sich, bedankte sich dann und wandte sich dann ab. Galu. Galu. Natürlich Galu! Er war mit Qui-Gon Jinn in Galu gewesen, der Hauptstadt des Planeten Gala. Manche Völker waren wirklich wenig einfallsreich, was die Städtenamen betraf.
Wie lange war das nun schon her? Er war damals um die 13 Jahre alt gewesen und sie hatten einen Konflikt im Königshaus lösen müssen. Gala befand sich im Outer Rim in der relativen Nähe von Phindar und fast im Mid Rim. Das bedeutete, ein ganzes Stück von Coruscant entfernt.
Der erste Punkt seiner Liste war also abgehakt und Obi-Wan beschloss, übergangslos zum zweiten Punkt zu kommen und sich Informationen über das Universum zu holen. Das würde sich als weitaus schwieriger darstellen, so vermutete er. Schließlich konnte er kaum einen Passanten nach den Jedi fragen, wenn er selbst wie einer aussah. Dass der alte Mann keinen Verdacht geschöpft hatte, lag vermutlich nur daran, dass er halb blind war. Jedenfalls hatte er so ausgesehen. Obi-Wan musste einfach hoffen, dass ihm solch ein weiterer Glücksgriff gelang. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür war nicht sonderlich groß. Selbst wenn ihm tatsächlich jemand etwas Negatives über die Jedi sagen sollte, hieß das noch lange nicht, dass er sich nicht in seinem Universum befand. Dazu war Obi-Wan nicht mehr jung genug, um soviel nicht schon zu wissen.
Immer noch ein wenig am Rand der Straße stehend, beschloss er, den dritten Punkt seiner Liste nach vorne zu schieben und Kontakt zu Anakin aufzunehmen. Er kramte sein Comlink hervor und versuchte, Anakin zu kontaktieren, jedoch ohne Erfolg.
„Obi-Wan?"
Der Angesprochene fuhr herum, um zu sehen, wer dort sprach und erkannte, dass es sich um Aniya handelte, die ihn angesprochen hatte. Eine Mischung aus Freude und einem undefinierbaren anderen Gefühl bestimmten seinen Verstand. „Aniya! Wie schön, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Weißt du, wo Anakin ist?"
Aniya schüttelte den Kopf. „Nein, ich bin hier aufgewacht und ein wenig herumgelaufen, in der Hoffnung, einen von euch beiden zu treffen. Aber bestimmt ist er auch hier, wenn wir zwei hier sind."
Obi-Wan nickte. „Ja, vermutlich. Wir müssen ihn unbedingt finden und von hier verschwinden, um festzustellen, in welcher Galaxie wir uns befinden. Kennst du diesen Planeten hier?"
„Nein, diese Welt ist mir völlig fremd. Ich bin sicher, noch nie hier gewesen zu sein. Kennst du den Planeten?" Aniya sah sehr blass aus, wie Obi-Wan feststellte.
„Ja, er heißt Gala. Ich war vor vielen Jahren als junger Padawan schon einmal hier. Wir sollten uns auf die Suche nach einer Kommunikationsmöglichkeit machen, um Kontakt zu Coruscant herzustellen."
„Hältst du das für eine so gute Idee? Wenn wir uns immer noch im falschen Universum befinden, dann geben wir den Jedi einen Hinweis darauf, wo wir uns befinden." Müde schloss Aniya die Augen.
„Dieses Risiko müssen wir eingehen. Außerdem glaube ich nicht, dass wir uns immer noch in dem alten Universum befinden. Vielleicht nicht im richtigen, aber bestimmt nicht im vorigen. Komm, suchen wir den Raumhafen."
Schulter zuckend vollführte Aniya eine Geste, die so viel besagte wie „von mir aus, geh doch einfach vor".
Obi-Wan zuckte ebenfalls die Schultern und setzte sich in Bewegung. Wenn die Einwohner Galas nicht ihren Planeten umstrukturiert hatten, dann wusste er noch ungefähr, wo sich die Schiffe befanden.
Eine Weile gingen die beiden Jedi schweigend nebeneinander her, doch dann beschloss Obi-Wan, das Wort zu ergreifen: „Aniya, hör zu, ich glaube, wir müssen reden. Ich werde einfach mal anfangen. Ich habe mich dir gegenüber vielleicht nicht ganz korrekt verhalten, indem ich dich nach… nun, nach…"
„Du meinst nach dem Kuss?" Aniya sah ihn interessiert an.
Obi-Wan räusperte sich. „Ja, genau. Danach ignoriert habe. Das war nicht korrekt. Es ist nur so, dass du mich völlig überrumpelt hast, weißt du. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du…dass…"
„Dass ich dich küsse?", beendete Aniya erneut seinen angefangenen Satz.
„Ja." Obi-Wan kam sich vor, wie ein tollpatschiger, pubertierender Padawan, aber er konnte nichts dagegen tun. Ihm kam der alte Mann von der Bank in den Sinn und als wie wahr sich der Satz, in dem die Worte „junger Mann" vorgekommen waren, nun erwies. „Nun, es tut mir Leid. Ich hätte mich mehr wie ein Erwachsener verhalten sollen. Allerdings ändert das nichts an meiner Meinung von Beziehungen."
„Ja, ich weiß, Obi-Wan. Was ich getan habe, war falsch, auch wenn es sich nicht so angefühlt hat. Es tut mir auch Leid, dass ich dich in eine solche Situation gebracht habe. Es wird wohl am besten sein, wenn wir so tun, als ob das Ganze nicht passiert wäre."
„Einverstanden. Wenn du es so willst."
Nach diesem kurzen Gespräch setzten sie ihren Weg zum Raumhafen fort, der sich noch genau dort befand, wo Obi-Wan ihn in Erinnerung gehabt hatte.
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Um Anakin herum war es dunkel und der junge Jedi fasste sich an den schmerzenden Kopf. Dann allerdings stellte er fest, dass es um ihn herum gar nicht dunkel war, sondern, dass er einfach nur die Augen öffnen musste. Nachdem er das getan hatte, fand er sich in einem kleinen Raum mit einer einzigen Tür wieder. Es rauschte noch ein wenig in seinen Ohren, aber Anakin hatte seine Sinne soweit beisammen, um das Déjà-vu-Erlebnis zu erkennen, das er gerade hatte. Doch wie bei fast allen solchen Erlebnissen gab es Unterschiede zu seinem ersten Erwachen: Er war allein in dem Raum, er hatte alle seine Waffen und sonstigen Gegenstände bei sich und er war in der Lage, die Tür zu öffnen, wie er nach einmaligem Probieren feststellte.
Nachdem die Tür aufgeschwungen war, spähte Anakin vorsichtig in den Flur und sah einen langen, hohen Gang, dessen Decke von hohen Säulen gehalten wurde und dessen Boden mit dicken, roten Teppichen ausgelegt war. Jedoch war weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Mit gerunzelter Stirn ging Anakin den Gang entlang und kramte dabei sein Comlink hervor. Langsam hatte er es satt, eben noch in einem Schiff zu sitzen und kurz darauf alleine, getrennt von seinen Begleitern in einem verschlossenen Raum zu landen. Eigentlich hatte er eine etwas andere Lebensplanung gehabt.
Über sein Comlink kontaktierte er Obi-Wan.
„Anakin? Ein Glück. Wo bist du?" Obi-Wans Stimme klang sehr erfreut und erleichtert.
„Ich habe keine Ahnung. Wo seid Ihr? Ich befinde mich zurzeit in einem sehr großen Gebäude mit einem langen Gang, den ich gerade entlang gehe. Sehr prunkvoll, soweit ich das beurteilen kann."
„Prunkvoll, sagst du. Wir befinden uns mitten in der Stadt Galu auf Gala. Vermutlich befindest du dich ebenfalls in der Nähe."
„Vermutlich. Ich werde versuchen, das Gebäude zu verlassen. Wo wollen wir uns treffen?"
„Am besten am Raumhafen, aber bitte keine Toten, Anakin." Nun klang Obi-Wan doch wieder besorgt, wie sonst auch.
„Wie kommt Ihr darauf, Meister?"
„Du klingst wütend." Obi-Wan kannte ihn tatsächlich sehr gut.
„Ihr kennt mich doch, Meister."
„Eben. Sei vorsichtig. Melde dich, wenn du auf dem Weg bist."
„Bis gleich. Ach, Meister, habt Ihr eine Ahnung, in welchem Universum wir uns befinden?"
„Ich habe eine Vermutung, weiß aber noch nichts Genaues. Wir sehen uns." Damit beendete der Jedi-Meister die Verbindung und überließ Anakin sich selbst und seinen Gedanken.
Noch immer war ihm niemand begegnet und Anakin überlegte, ob das gut oder schlecht war. Er streckte sein Machtfühler aus und stellte fest, dass hinter der nächsten Tür ein paar bewaffnete Personen befanden. Der junge Jedi holte tief Luft, machte sich auf einen Konflikt gefasst und passierte die Tür.
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Voller Ungeduld warteten Obi-Wan und Aniya am Raumhafen von Gala auf die Ankunft von Anakin. Beide fingen langsam an, sich Sorgen zu machen. Mittlerweile war eine Menge Zeit vergangen, seit sie mit Anakin gesprochen hatten und der junge Jedi hatte sich immer noch nicht gemeldet, geschweige denn, war erschienen.
Inzwischen durchdachte Obi-Wan mehrere Lösungen. Zum einen bestand die Möglichkeit, schon jetzt Kontakt mit Coruscant aufzunehmen und schon mal die Lage zu klären. Zum anderen konnte er Anakin kontaktieren, um eine gewisse Klarheit zu erlangen. Aber er wollte Anakin auch nicht das Gefühl von Misstrauen von seiner Seite aus geben und ihm nicht ständig wie ein Lehrmeister über die Schulter schauen und ihn überprüfen. Diese Zeiten waren glücklicherweise vorbei. Glücklicherweise? Obi-Wan hatte gerne Gewissheit.
Der Jedi wurde abrupt aus seinen Gedanken gerissen, als ihn Aniya am Arm fasste, ihn in den Schatten einer Häuserfassade zog und ihn auf einen Mann aufmerksam machte, der verdächtig wie ein Jedi aussah. Jedenfalls deuteten Kleidung und Laserschwert stark darauf hin. Allerdings konnten sie nicht erkennen, ob sie den Jedi kannten.
Die beiden sahen sich an und Obi-Wan zog eine Augenbraue hoch. „Was nun?", raunte er Aniya zu.
Sie zuckte wieder einmal mit den Schultern. „Wir sind zu zweit. Fangen wir doch ein Gespräch an."
Obi-Wan überlegte kurz und stimmte dann zu. Schnell traten sie aus dem Schatten hervor und hatten den Jedi schnell erreicht, den Obi-Wan nun identifizieren konnte, sich aber natürlich nicht sicher sein konnte, ob es tatsächlich der Mann war, für den er ihn hielt.
„Meister Kenobi! Wie schön, Euch zu sehen. Wir haben uns große Sorgen gemacht. Wo ist Anakin? Ist er nicht bei Euch?"
Immer noch ein wenig misstrauisch antwortete Obi-Wan: „Nein, aber er befindet sich vermutlich auch irgendwo hier. Wie kommt es, dass Ihr hier seid? Offenbar habt Ihr auf uns gewartet? Schickt Euch Meister Yoda?"
„In der Tat. Meister Yoda konnte Eure Präsenzen auf diesem Planeten hier spüren und da ich zufällig in unmittelbarer Nähe war, hat er mich beauftragt, Euch abzuholen, beziehungsweise zu empfangen. Sagt mir, wie seid ihr nur hierher gekommen. Soweit ich weiß, war Meister Fisto auf einer Rettungsmission in einem ganz anderen Teil der Galaxie."
Eine unglaubliche Erleichterung durchströmte Obi-Wan und am liebsten hätte er den Jedi-Ritter vor ihm umarmt, riss sich aber zusammen. „Das ist eine unglaublich lange Geschichte. Zu allererst müssen wir uns um Anakin kümmern. Er müsste eigentlich bald hier sein."
Kaum drehte sich der Jedi-Meister um, da stürmte auch schon sein ehemaliger Schüler auf sie zu mit einem äußerst gereizten Gesichtsausdruck und einem misstrauischen Blick auf den Jedi-Ritter neben Obi-Wan.
„Anakin. Alles in Ordnung? Schön, dass du hier bist. Wir sind tatsächlich im richtigen Universum gelandet." Obi-Wan empfing Anakin mit einem zufriedenen Lächeln. „Du hast uns offenbar heil durch das Fenster gebracht."
„Hattet Ihr je Zweifel, Meister? Bleibt nur noch die Frage offen, wie wir hierher gelangt sind. Ich finde das schon seltsam. Ihr nicht? Und wieso werden wir schon erwartet?"
„Meister Yoda hat unsere Präsenz hier gespürt und den Jedi geschickt, der am dichtesten an uns dran ist. Und ja, wir sollten klären, wie wir hierher gelangt sind."
Der Jedi-Ritter an ihrer Seite mischte sich nun ein: „Meister Fisto ist bereits benachrichtigt worden und versucht, herauszufinden, was genau passiert ist. Wenn Ihr mir nun folgen würdet. Ich habe bereits ein Transportmittel organisiert."
Die kleine Gruppe setzte sich in Bewegung, nachdem Obi-Wan versichert hatte, dass Aniya eine Freundin war, der man vertrauen konnte und die mitkommen durfte.
Nachdem sie ein weiteres kleines Schiff betreten hatten und ihren Flug nach Coruscant antraten, fragte Obi-Wan Anakin: „Sag mal, wo bist du eigentlich gelandet auf Gala."
Anakin stieß ein verächtliches Schnauben aus. „Nun, während Ihr immer das Glück zu haben scheint, unbehelligt mitten in einer Stadt aufzuwachen und das auch noch bei strahlendem Sonnenschein, scheine ich wohl immer das Pech zu haben, von irgendwelchen Gestalten aufgegabelt zu werden. Ich befand mich diesmal in einer Art Vorpalast des königlichen Palastes und aus der Angst heraus, nicht zu wissen, wer genau ich bin und um nicht in Schwierigkeiten zu geraten, hat man beschlossen, mich zunächst in einen kleinen Raum zu sperren. Glücklicherweise hatten sie mir meine Waffen diesmal überlassen und nach ein paar Überredungen haben sie dann entschieden, dass es wohl das klügste sei, mich gehen zu lassen."
„Überredungen?" Obi-Wans Stimme verriet seinen Zweifel.
Anakin grinste jedoch nur in sich hinein.
Währenddessen hatte sich Aniya ein wenig abseits in eine Ecke verkrümelt und zog es offenbar vor, zu schweigen. Sowohl Obi-Wan als auch Anakin machten keine Anstalten, das zu ändern und es schien, als ob alle damit zufrieden wären. Mehr oder weniger, denn jeder hatte immer noch mit einigen seiner Probleme zu kämpfen. Denn Obi-Wan hatte immer noch Schmerzen, Anakin überdachte immer noch den Verlust des Schiffes und das Erwachen auf Gala und Aniya hatte immer noch wahnsinnige Angst, in einem fremden Universum festzusitzen.
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Meister Yoda stand auf seinen Stock gestützt an einem der Fenster des Jedi-Tempels und beobachtete die Landung des Schiffes, das Obi-Wan und Anakin nach Hause bringen sollte. Die Rampe fuhr herunter und das Duo stieg aus, gefolgt von einer Frau, die Yoda nicht kannte und dem Jedi, der sich in der Nähe vom Planeten Gala befunden hatte und zu der Rettung geschickt worden war.
Meister Fisto war bereits über die erfreuliche Nachricht informiert worden, blieb aber immer noch vor Ort, um zu klären, was genau vorgefallen war. Sobald Obi-Wan und Anakin sich ein wenig erholt hatten, konnte man ihn mit genaueren Informationen versorgen, die ihm vermutlich weiterhelfen würde, aber Yoda hatte schon einen Verdacht, worum es ging. Es machten schon seit einer ganzen Weile zahlreiche Gerüchte über Parallelwelten die Runde. Bis jetzt hatte man nur nie feststellen können, was davon wahr und was Nonsens war. Vielleicht würde nun ein bisschen Licht in dieses Dunkel kommen.
Zufrieden beobachtete der kleinste der großen Jedi, wie ein Heilerteam die Jedi empfing und versorgte, wobei es so aussah, als ob es Anakin besser ging als Obi-Wan. Er beschloss, ihnen entgegen zu gehen.
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Anakin stand mitten im höchsten Gebäude des Jedi-Tempels umringt vom Jedi-Rat und erstattete zusammen mit Obi-Wan, der immer noch ein wenig blass, aber dennoch gefasst wirkte, Bericht. Neben ihm stand Aniya, allerdings hatte man sich noch nicht mit ihr befasst. Der junge Jedi hatte den Eindruck, als ob sie sich nicht besonders wohl fühlte. Aller Mitglieder des Rates bis auf Yoda, der einen Teil der Geschichte schon gehört hatte, vernahmen ungläubig ihre Worte und stellten zwischendurch immer wieder ein paar Fragen.
Doch nachdem er und Obi-Wan alles aus ihrer Perspektive erzählt hatten, wandte man sich nun Aniya zu und sie erzählte ihre gesamte Geschichte. Fasziniert hörte Anakin ihr zu, denn den größten Teil kannte er ebenfalls nicht. Lediglich Obi-Wan schien alles zu wissen, wie Anakin an seinem Gesichtsausdruck ablesen konnte. Als sie geendet hatte, begann die Diskussion über eine mögliche Erklärung für alles, was ihnen passiert war.
Meister Yoda berichtete von Gerüchten, die die Runde machten, und entsprechende Dinge betrafen. Er hatte Meister Fisto angewiesen, weitere Erkundigungen einzuholen, jedoch war er noch nicht zurückgekommen. Dabei war Anakin doch so gespannt, was bei seinen Nachforschungen herausgekommen war. Am liebsten hätte er sich selbst auf den Weg gemacht, aber Obi-Wan hatte darauf bestanden, dass sie sich ein wenig Ruh gönnten. Und das, obwohl Anakin gar nicht verletzt gewesen war.
Mittlerweile beriet man darüber, was nun mit Aniya geschehen sollte. Doch da Meister Fisto noch nicht zurück war, beschloss man, die Angelegenheit erst dann zu besprechen, wenn man mehr Informationen hatte und so entließ man sie mit dem Kommentar, dass man für Aniya ein Zimmer im Tempel zur Verfügung stellen wird und wies Anakin an, sie dorthin zu führen.
Anakin und Aniya wandten sich nach einer Verbeugung um und verließen den Ratssaal.
Ein wenig zögerlich schaute Anakin Aniya an, nicht so recht wissend, ob er mit ihr reden sollte. Momentan gingen sie schweigend durch die Gänge des Tempels. Doch dann ergriff er doch das Wort: „Kann ich dir irgendwie helfen, Aniya?"
Die Jedi seufzte. „Nein, Anakin, du kannst leider nichts tun. Was auch? Meine Situation ist leider nicht veränderbar."
„Hey, man kann jede Situation ändern. Zum Beispiel hast du mich zum ersten Mal bei meinem Namen genannt und mich nicht mit ‚Kleiner' angesprochen", grinste er sie an.
Traurig lächelte sie zurück. „Ja, aber vermutlich ist das kaum zu vergleichen mit meiner Problematik. Außerdem habe ich es mir, glaube ich, mit deinem Meister Obi-Wan verscherzt."
Kopfschüttelnd blieb Anakin vor einer Tür stehen, öffnete sie und trat ein. „Das glaube ich aber nicht. Erstens ist er nicht mehr mein Meister, zweitens ist er, was das betrifft, einfach nur unsicher und drittens ist er nicht nachtragend. Jedenfalls nicht bei anderen", fügte er mit einem Grinsen hinzu. „Willkommen in Eurem neuen Quartier, Mylady."
Aniya schaute sich um. Das Zimmer war relativ spärlich eingerichtet und wirkte sehr steril, was daran lag, dass es keinerlei persönliche Gegenstände oder Dekorationen gab.
„Du hältst nicht viel von dieser Beziehungsregel, nicht wahr?" Aniya schaute nun wieder Anakin an.
Der senkte den Kopf. „Bist du zufrieden mit deinem Zimmer?", fragte er, den Kopf nun wieder hebend.
„Ja, vielen Dank."
Anakin nickte ihr zum Abschied noch einmal zu und verließ dann kommentarlos das Zimmer. Er wollte lieber allein sein oder bei Padmé sein und in Ruhe Meister Fistos Rückkehr abwarten. Mit Sicherheit würde er Licht in das Dunkel bringen können.
Nachbemerkung der Autorin:
So, Zuhause sind sie nun schon mal, auch wenn's nicht so ganz einfach war! Ich hoffe, trotz der Komplikationen wars nicht allzu lang, ihr hattet Spaß und seid trotz Heimkehr gespannt auf die Erklärung für all das!
Hm, was wollte ich noch sagen? Genau, das Kapitel hat sich auch aufgrund des vielen Geredes über Gefühle usw. in die Länge gezogen. Ich weiß noch nicht genau, ob mir das 100ig gefällt, aber ich kann ja nicht zwei Leute sich küssen lassen und dann zur Tagesordnung übergehen lassen, ohne, dass darüber geredet wird. Ihr meint vielleicht, ich hätte das Ganze auf Gala weglassen können, aber nein, das hätte ich nicht!
