AN: Weiter geht's :) Viel Spass beim Lesen! Carlisle ist auf der Suche nach Edward und findet ihn schließlich! Doch sein Sohn ist nicht allein ...
Disclaimer: Die Twilight Saga und ihre Charaktere gehören Stephenie Meyer und nicht mir!
Carlisles PoV
Wir waren einige Meter gegangen, als ich mich nach meinem Sohn umdrehte und … nur Bäume sah. Was?
Ich drehte mich einmal um die eigene Achse, doch auch jetzt blieb Edward verschwunden.
„EDWARD!"
Die Luft zwischen meinen Zähnen hervor pressend, beobachtete ich weiterhin den dunkelen und dichten Wald, in der Hoffnung, dass mein Junge gleich neben mir auftauchen würde. Ich war mehr als wütend und dass würde er gleich hier zu spüren bekommen.
Wie konnte er nur meine Anweisung mißachten, bei mir zu bleiben?
Ich überlegte, ob ich zurück laufen sollte – den Weg, den wir gekommen waren, doch entschied mich dann anders. Vielleicht hatte er die Spur von einem Tier gewittert und seine Vampirinstinkte hatten die Überhand gewonnen. Doch dann hätte er mir Bescheid sagen müssen, was er nicht getan hatte!
Ich setzte einen Fuß vor den anderen und marschierte weiter geradeaus durch die Bäume hindurch. Meine Wut trieb mich voran. Wenn ich ihn gefunden hatte und er okay war, würde ich ein und für alle mal klar machen, dass er sich zu fügen hatte! Und mir war ganz egal, warum er sich von mir abgesetzt hatte!
Leise knurrte ich und stieg über einen Baumstamm hinweg, der zwischen einigen Felsen lag. Ich federte den tiefen Sprung mit den Beinen ab und rannte weiter. Mein Ärger war groß und meine Angst, dass meinem Jüngsten hier draußen bei den Wölfen etwas passieren könnte, noch viel größer!
Ich war mehr als erleichtert, als ich an einem der Bäume stoppte und Edwards Geruch aufgenommen hatte. Er war hier lang gelaufen, ganz sicher!
Meine Augen färbten sich Gold und ich ließ mich von seiner Spur durch die Büsche führen. Einige Male hielt ich an, um an einem Baumstamm zu riechen und dann eine andere Richtung einzuschlagen. Der Geruch wurde stärker – weit konnte mein Sohn nicht mehr sein …
Also lief ich weiter, ohne auch nur einmal daran zu denken, dass ich hungrig war und eigentlich jagen sollte. Edward zu finden, war jetzt wichtiger!
Plötzlich hörte ich ein Knurren. Eins stand fest, es war weder menschlich noch kam es von einem Vampir! Ein Wolf und zwar ein äußerst wütender!
Angsterfüllt kämpfte ich mich durch die hohen Büsche hindurch, bis ich an eine kleine Lichtung kam. Sie war wirklich klein um nicht zu sagen, winzig klein. Und dort auf dieser Lichtung stand Edward, die Hände zu Fäusten geballt und den Blick starr gerade aus gerichtet. Er fixierte etwas und als ich einige Schritte nach links machte, sah ich auch was er fixierte!
Ein großer, brauner Wolf stand ihm gegenüber. Ich wusste sofort, dass dieser kein Werwolf war, sondern ein richtiges Tier mit riesigen Zähnen und fast fingergroßen Krallen an den Pfoten. Das war ein Problem!
Mit einem Mitglied aus Billy Blacks Rudel konnte man kommunizieren, reden und versuchen die Situation zu entschärfen, auch ohne Gewalteinwirkung. Doch mit einem normalen Tier, was sich bedroht fühlte oder Beute machen wollte, war ganz und gar nicht zu spassen. Edward wusste das auch und deshalb bewegte er sich auch keinen Zentimeter vom Fleck, während der Wolf ihn mit seinem Blick durchbohrte.
Angespannt versuchte ich meine Angst zu unterdrücken. Das würde meinen Sohn nur aus der Fassung bringen und er wäre unaufmerksam. Der Wolf vor ihm, würde das sofort merken und angreifen – mit all seiner Kraft und Stärke.
Langsam pirschte ich mich näher an Edward heran. Ich war immer noch zwischen den Büschen, was mir aber sicher keinerlei Vorteil verschaffte. Das Tier hatte mich sicher schon gewittert.
Mein Sohn hatte immer noch die schwarze Kapuze des Pullovers über den Kopf gezogen, wodurch ich sein Gesicht und vor allem seine Mimik nicht sehen konnte. War er sehr angespannt? Oder sogar bereit zu kämpfen? Hatte er Angst und würde sich im Notfall verteidigen?
All das konnte ich nicht sehen. Und da ich auch keine Gedanken lesen konnte, machte es diese verfahrene Situation fast undurchschaubar.
Vorsichtig kontrollierte ich meine Gedanken, während ich ihn in meinem Kopf kontaktierte und zu mir rief. Edward? Ganz ruhig, okay. Wenn du dich ruckartig bewegst, wird er angreifen. Komm ganz langsam her zu mir. Rückwärts. Behalt ihn im Auge, Edward.
Der Wolf fletschte die Zähne und kam einen Schritt näher auf meinen Sohn zu, der sich immer noch nicht von der Stelle rührte. Ich wusste sehr gut, dass er mich gehört hatte und atmete tief aus. Wenn der Wolf noch einen Schritt näher kam, wären sie nur noch circa fünf Meter voneinander entfernt. Eine gute Sprungdistanz für das große Tier. Er konnte in einem Satz bei Edward sein und ihm seine messerscharfen Zähne in den Hals rammen und ihn töten.
Langsam wurde ich unruhig.
Zwar war Edward dank seiner Vampirfähigkeiten schneller als der Wolf, jedoch stand er scheinbar etwas unter Schock und seine Reaktionszeit würde eher langsam ausfallen als schnell. Ich schlich noch näher heran, während ich nur Augen für das mächtige Tier hatte, das meinen Sohn bedrohte.
Als Edward immer noch keinen einzigen Schritt in meine Richtung machte und der Wolf wieder eine Pfote an hob, um noch einen Schritt zu machen, konnte ich nicht noch länger warten.
In Bruchteilen von Sekunden schoss ich auf die Lichtung, ein wütendes Funkeln in den Augen. Ich gelangte vor Edward und ging in Angriffsstellung über. Der Wolf wich überrascht einen Meter zurück, doch flüchtete nicht. Ich hockte mich fast hin, nahm eine Hand zurück, um Edward zu signalisieren, dass er ja bleiben sollte, wo er war und knurrte das Tier vor mir wütend an.
„D-Dad ich," begann mein Sohn hinter mir zu sprechen.
Der braune Wolf fletschte erneut die Zähne. Ich hielt den Atem an.
Nicht sprechen, Edward. Sei bloß still, okay?
Er gab keine Antwort, doch ich wusste, dass er mich gehört hatte. Auch ohne Jaspers Gabe zu haben, spürte ich seine Angst. Edward wusste, dass ich ihm das hier nicht durchgehen lassen würde. Auf keinen Fall! Dafür hatte er sich heute viel zu viel herausgenommen und meine erste Regel gebrochen: Bringe dich niemals selbst in Gefahr!
Das Wildtier vor mir, hob die rechte Pfote hoch und legte die spitzen Ohren nach hinten. Ein klares Zeichen für einen direkten Angriff gegen uns.
Doch jetzt war ich es, der die Zähne fletschte und laut fauchte. Ich hoffte sehr, dass meine Warnung reichen würde, denn ich wollte dieses schöne Tier eigentlich nicht töten müssen. Doch wenn er sich auf mich oder gar Edward stürzen würde, würde ich keine Sekunde zögern!
Geh langsam rückwärts, Edward. Jetzt!
Ich spürte wie er sich sehr langsam von mir entfernte. Der Wolf knurrte laut und sah an mir vorbei. Dann sprang er mit einem Satz nach vorn. Ich reagierte sofort. Sprang ihm in den Weg, noch bevor er an mir vorbei war und Edward erreichen konnte. Alles ging sehr schnell! Das Tier sah mich zuerst und griff an. Seine spitzen Reißzähne zielten auf meinen Hals und meine Kehle. Dort hin und nirgendwo anders. Er wollte mich töten!
Ich riss meinen rechten Arm schützend nach oben und die Zähne gruben sich in meinen Unterarm. Die Schmerzen waren enorm, doch ich warf mich trotzdem auf den Wolf und riss ihn mit mir zu Boden.
„NEIN!"
Ich hörte Edward schreien, als ich das große Tier auf die Erde drückte. Schnell merkte ich, dass meine Kraft um einiges größer war – zum Glück. Da ich auf ihm lag und er meinen Arm in seinem Maul hatte, konnte ich ihm weder in die Kehle beißen, noch ihm das Genick brechen.
Doch eine Sekunde später war Edward neben mir. Er packte mit je einer Hand den Ober- und Unterkiefer und riss ihn auseinander. Der Wolf jaulte.
Ich schrie, als der Druck der monströsen Zähne endlich nach gab und zog meinen Arm aus der Gefahrenzone.
Edward stemmte sich auf das Tier und ich ließ mich erschöpft zur Seite fallen. Eine Hand presste ich auf die blutende Wunde und sah trotzdem auf den am Boden strampelnden Wolf, dem mein Sohn jetzt mit einer Hand das Maul zu hielt und dann mit einem kräftigen Ruck das Genick brach.
Das Einzige was ich noch hörte, war ein kurzes Aufjaulen – dann war Stille.
Ich lag auf dem Rücken und hielt meine Hand auf die Wunde gepresst. Als Edward sicher war, dass das Tier tot ist, hockte er sich verängstigt zu mir. Meine schwarzen Augen fielen zu und mein Arm brannte wie Feuer.
Jemand rüttelte an meiner Schulter und ich sah Edward an, der Tränen in den Augen hatte.
War ich etwa ohnmächtig geworden?
Die klaffende Bisswunde ließ mich zusammen zucken und ich versuchte mich trotzdem aufzusetzen. Wir mussten hier weg und zwar so schnell wie möglich!
Ich nahm meine Hand und öffnete meinen Gürtel. Dann zog ich ihn aus den Schlaufen meiner Jeans und Edward band meinen Arm ab, damit ich nicht noch mehr Blut verlor. Kurz überlegte ich von dem toten Wolf zu trinken, aber das ließ ich dann doch lieber. Billy würde schon ausrasten, weil ich ihn getötet hatte, auch wenn es Notwehr gewesen war und wenn ich jetzt noch sein Blut trinken würde, hätten wir einen kleinen aber feinen Konflikt.
Als Edward die provisorische Aderpresse angelegt hatte, half er mir vorsichtig auf die Beine. Ich schwankte etwas, doch das ging vorbei. Tief atmete ich durch und sah auf den toten Wolf zu meinen Füßen.
Ich sah Edward an. „Versteck ihn und beeil dich."
Dieser nickte nur, unfähig mir in die Augen zu sehen und machte sich daran den Kadaver, den man bald sicher riechen würde, mit Ästen, Zweigen und Blättern zu bedecken.
Nach nur ein paar Minuten war er fertig und ich nickte ihm zu. „Wir gehen!"
Langsam stolperte ich nach vorne und mein Jüngster war sofort neben mir. Wir gingen genau den gleichen Weg zurück, den wir gekommen waren. Aber ich hoffte inständig, dass wir nicht auf Embry oder einen anderen Werwolf treffen würden.
Ich spürte Edwards Blick auf mir und auf meinem Arm. Ich schielte zur Seite. Sein Gesicht war wie versteinert. Dieser Angriff auf mich hatte ihm ziemlich zugesetzt, das war sicher. Ich seufzte.
„Es sieht schlimmer aus, als es ist, okay," sagte ich leise. „Er hat noch nicht mal den Knochen getroffen. Das wird wieder."
Ob er mir glaubte, wusste ich nicht ...
Während wir weiter liefen, blieb Edward die ganze Zeit neben mir.
Etwa eine halbe Stunde später passierten wir die Grenze, ohne dass uns einer der Werwölfe sah. Ich war sehr erleichtert, als wir durch unseren Wald liefen und dann auf unser Haus zusteuerten.
Auf halbem Weg durch den Garten kam mir Esme entgegen gerannt. Sie hatte das Blut gerochen! Meine Frau stoppte direkt vor mir und starrte auf meinen verletzten Arm. Edward trat einen Schritt von uns weg und raste dann ins Haus hinein.
Esme sah ihm verwirrt hinter her. „Was … was ist passiert?"
Ich stöhnte, als ich meine Hand wieder auf die Bissverletzung drückte. „Ist Jasper noch wach?"
Meine Frau nickte und sah auf die Wunde. „Carlisle, war das etwa ein Wolf?"
„Ja, Liebling," gab ich zurück und setzte mich dann in Bewegung. „Ich muss die Wunde sauber machen und Jasper kann sie dann nähen."
Sie sah mich mit großen Augen an und ging dann mit mir ins Haus. Es war schon sehr spät. Fast halb zwölf in der Nacht. Von Edward fehlte jede Spur. Er hatte sich mit Sicherheit in seinem Zimmer verkrochen. Aber das war auch okay, denn ich wollte ihn jetzt nicht sehen.
Als wir in meinem Büro waren, schloss Esme die Tür und iich leiß mich auf meinen Stuhl fallen. Den Arm legte ich auf den freien Tisch. Sie nahm meine Arzttasche vom Boden und stellte sie mir auf die Tischplatte direkt vor die Augen.
„Hol Jasper bitte," sagte ich und fügte dann noch, als sie schon aus der Tür war, leise hin zu. „Danke."
Ich griff mit meiner Hand über den Tisch und öffnete den Koffer. Routiniert legte ich einige Gegenstände bereit, die mein Sohn gleich brauchen würde.
Als er den Kopf zur Tür herein streckte und etwas entgeistert auf meinen Arm starrte, versuchte ich so viel Ruhe auszustrahlen wie möglich. Das würde ihm gleich beim Nähen helfen. Er nickte mir kurz zu und trat dann wieder auf den Flur um sich die Hände zu waschen.
Ich schaltete meine helle Schreibtischlampe an, zusätzlich zu dem Deckenlicht und riss mit den Zähnen eine Plastikverpackung mit Handschuhen auf. Vorsichtig öffnete ich den Gürtel und rollte ihn ab. Die Blutung hatte aufgehört. Erleichtert inspizierte ich die Wunde und hörte dann wie die Tür geschlossen wurde.
„Warte," sagte mein Sohn überrascht und kam auf mich zu. „Dad lass mich das doch machen!"
Wie recht er hat!
Ich sank also in meinem Stuhl zurück und Jasper streifte sich Handschuhe über die Hände. Er säuberte gründlich die Verletzung mit Jod und setzte dann eine schmerzstillende Spritze einen Zentimeter neben den ersten Biss. Das tat weh. Ich verkrampfte mich etwas und Jasper sah mich mitleidig an.
„Entschuldige."
„Schon okay," beruhigte ich ihn, als wir beide auf die Wirkung des Mittels warteten.
Die Minuten vergingen und es klopfte leise an meiner Bürotür. Esme sah hinein und kam dann auf mich zu.
„Du solltest gleich mit ihm reden, Carlisle," sagte sie leise. „Er ist in seinem Zimmer und weint bitterlich. Edward ist am Boden zerstört, über das was passiert ist."
Ich nickte leicht. „Mach ich, Liebling."
Sie ging wieder und Jasper konnte sich dann endlich um meine Wunde kümmern. Er setzte eine perfekte Naht und verband den Arm. Ich schluckte noch zwei Tabletten und schickte meinen Sohn dann wieder ins Bett, wo meine Frau ihn hergeholt hatte.
Dann verließ auch ich mein Arbeitszimmer, ging ins Schlafzimmer und zog mich um. Die dreckigen Klamotten landeten im Wäschekorb und ich klopfte dann leise an Edwards Zimmertür.
Er gab keine Antwort, aber ich hörte ihn weinen.
Vorsichtig öffnete ich und lugte hinein. Er hockte auf dem Bett und das Zimmer war stockdunkel. Edward hatte immer noch die gleichen Sachen an, die Knie an den Bauch gezogen und sich mit dem Rücken an die weisse Wand gelehnt. Er zitterte und schluchzte laut. Ich schloss leise die Tür und ging zu ihm. Er wusste, dass ich da war, doch mein Sohn sah nicht auf. Er schämte sich zu sehr für das Vorgefallene.
Ich ließ mich neben ihm nieder, legte ihm den linken Arm um die Schulter und drückte ihm einen Kuss auf die Haare. Sanft zog ich ihn noch näher zu mir und spürte sofort Gegenwehr. Ich lockerte meine Hand um seine kalte Schulter und nahm stattdessen die warme Bettdecke, die ich dann über unsere Beine legte. Wärme tat ihm jetzt gut, das wusste ich. Er würde entspannen und mich näher an sich heran lassen.
Unsere Atmung war fast synchron, als ich nach ein paar Minuten meinen Kopf auf seinen legte und er näher an mich heranrückte.
Gut so … sch … komm schon Edward …
Das Weinen wurde leiser und er entspannte sich. Ich zog die Decke ein Stück höher und er kuschelte sich so nah an mich, wie es ging. Wieder legte ich meinen Arm um seine Schulter. Diesmal ließ er es zu.
Ich starrte die weisse Wand an und die Tür und streichelte sanft seine Schulter. Er gähnte ausgiebig. Nach nur ein paar Minuten, in denen wir beide nichts gesagt hatten, hörte ich ihn schwerer atmen. Er war eingeschlafen. Um ihn nicht zu wecken, rückte ich mit ihm von der Wand weg und legte mich auf sein Bett, wo ich Edward dann sanft an mich zog und seinen Kopf auf meine Brust legte. Mit der rechten Hand griff ich nach der Decke und zog sie über uns.
Während Edward an mich gekuschelt schlief, lag ich mit offenen Augen neben ihm und versuchte mir nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn ich nur eine Sekunde zu spät gehandelt hätte.
Ja, ich war sauer! Und ich würde ihm eine ordentliche Standpauke halten und ihm mit meiner Rechten sehr genau zu verstehen geben, niemals wieder so etwas Dummes zu tun! Doch jetzt … brauchte Edwrd meine ganze Liebe und Zuwendung, die ich ihm nur geben konnte, um wieder zu mir zu finden und sich nicht von mir zu entfernen.
Tbc ...
