Ann : Ob Manyavel sich immer noch Chancen bei Faramir ausrechnet, wirst du im nächsten Kapitel erfahren.
Ali : Soll ich dir Baldriantabletten schicken/grins/ Viele Grüße aus dem verregneten Oberfranken.
Feael : Möglicherweise hat Manyavel auch einen anderen Grund, nach Dunharg zu reiten.
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Kapitel 29: Elronds Ratschlag
Bevor Faramir irgendetwas zu Manyavel sagen konnte, kam Éowyn herbei und nahm seine Hand.
„Was bedeutet das alles?" fragte sie staunend.
„Aragorn hat etwas bestimmtes vor", murmelte Faramir vor sich hin und sah noch einmal Manyavel verwundert an. „Er will zum Dimholt reiten."
„Geh nicht mit, hörst du!" bat ihn Éowyn entsetzt. „Noch nie ist jemand zurückgekehrt, der dorthin aufbrach. Dieser Ort ist verflucht."
Faramir zog seine Geliebte ein Stück zur Seite.
„Ich habe Aragorn noch nie im Stich gelassen", erklärte er leidenschaftlich. „Es ist immer alles gutgegangen, was wir zusammen unternommen haben. „
„Du hast keine Ahnung, was hinter dem Dimholt auf euch lauert", stieß Éowyn den Tränen nahe hervor. „Warum seid ihr Waldläufer nur so fürchterlich stur!"
Sie raffte ihre Röcke und lief zurück zu den Zelten. Faramir sah ihr hilflos nach.
Inzwischen war Manyavel vom Pferd gestiegen und trat neben dem rothaarigen Gondorianer hin.
„Na, gibt es Probleme zwischen dir und dieser Pferdemagd?" fragte sie spöttisch.
„Was tust du eigentlich hier?" entfuhr es Faramir gereizt. „Seit wann duldet Halbarad weibliche Krieger in seinen Reihen?"
„Seit im Winter die meisten von uns getötet wurden", erklärte Manyavel schlicht. „Auch mein Großvater Valacar kam ums Leben. Es waren Saurons Schergen aus Angmar, die uns angriffen."
Faramir schluckte , als er das vernahm. Er erinnerte sich noch gut an die große Versammlung der Dunedain des Nordens in Fornost. Und jetzt gab es nur noch diese kleine Schar!
„Das tut mir leid", stammelte er erschüttert.
„Ist schon in Ordnung", meinte Manyavel etwas freundlicher und fuhr sich durch das schwarze Haar.
Verlegenes Schweigen trat zwischen den beiden jungen Leuten ein.
„Warum sie und nicht ich?" fragte die junge Waldläuferin schließlich traurig. „Bin ich wirklich so hässlich und unsympathisch?"
„Nein, du bist wunderschön", sagte Faramir ernst. „Aber damals trug ich eine frische Wunde in meinem Herzen, die nun endlich verheilt ist."
„Aha, ich verstehe", entgegnete Manyavel etwas bissig.
„Nein, du verstehst gar nichts", antwortete Faramir seufzend. „Ich trauerte in der Zeit, als ich im Norden bei euch weilte, noch um eine liebe Verstorbene."
„Das hast du mir nie gesagt", meinte die dunkelhaarige Frau verbittert. „Ich hätte auf dich gewartet, statt dessen hast du mich ohne Begründung zurückgewiesen."
„Ich habe Fehler gemacht, das gebe ich zu", erwiderte der Gondorianer zerknirscht. „Warum können wir nicht einfach befreundet sein? Ich würde das hoch schätzen."
Manyavel blickte bedrückt zur Seite.
„Warum willst du nicht zu Halbarad und den anderen endlich gehen?" fragte sie kühl.
Faramir merkte, dass er bei der jungen Frau einfach nicht weiter kam. Er hatte ihr niemals wehtun wollen, und doch hatte er es getan. Dies machte ihm ziemlich zu schaffen. Aber er durfte nicht länger in der Vergangenheit herumstochern, er musste in die Zukunft blicken, und die hieß Éowyn.
Schweigend folgte er Manyavel zu den anderen Waldläufern. Er unterhielt sich kurz mit Halbarad, der Faramir inzwischen sehr viel Respekt entgegenbrachte. Die Zeit verging wie im Fluge und der junge Gondorianer wurde unruhig, weil Éowyn sich überhaupt nicht sehen ließ. Sein Blick wanderte zu den Elben hinüber, bei denen sich jetzt auch Arwen befand. Sie wirkte recht aufgelöst und den Tränen nahe. Ihr Vater redete unaufhörlich mit ernster Miene auf sie ein.
Anscheinend wollte Elrond, dass Arwen wieder nach Bruchtal mitzurückkehrte.
Der junge Gondorianer beschloß, Éowyn zu suchen und mit ihr zu sprechen. Kaum setzte er sich in Bewegung, rief ihn Aragorn zu sich...
„Ich denke, du solltest vielleicht jetzt zu Elrond gehen und dir deinen Traum deuten lassen", meinte der ältere Waldläufer nachdenklich. „Dieser Traum könnte von wichtiger Bedeutung sein für deine Zukunft, Faramir."
Der jüngere Mann nickte und wandte sich verlegen Elrond zu, der gerade König Theoden die Hand schüttelte und mit ihm zu sprechen begann. Faramir wagte die beiden Männer, die Anführer ihrer Völker waren, nicht zu stören. Doch der Elbenfürst hielt sogleich im Gespräch inne und wandte sich dem jungen Gondorianer zu.
„Faramir, was ist dein Anliegen?"
Der rothaarige Mann berichtete Elrond kurz seinen immer wiederkehrenden Traum. Das Gesicht des Elben verdüsterte sich, als er zuhörte. König Theoden hatte sich inzwischen diskret zurückgezogen.
„Dein Traum bedeutet nichts Gutes, Faramir", sagte Elrond besorgt. „Dein Vater wird bald sterben. Minas Tirith wird womöglich vom Feind gebrandschatzt."
„Dann muß ich unbedingt dorthin", stieß Faramir entsetzt hervor. „Ich möchte mit meinem Vater endlich Frieden machen. Ich habe auch die Pflicht, ihm von Boromirs Tod zu berichten."
„Ich bin noch nicht fertig", unterbrach ihn der Elbenfürst streng. „Du weißt genau, dass dein Vater nicht gut auf dich zu sprechen sein wird, Faramir. Außerdem ist er laut Gandalfs Berichten dem Wahnsinn verfallen. Dein Vater wird dich vielleicht töten lassen. Bleibe besser hier und ziehe mit Rohans Heer nach Gondor."
„Ich kann nicht bleiben!" betonte Faramir leidenschaftlich. „Ich würde mir ewig Vorwürfe machen, wenn ich nicht noch einmal mit meinem Vater sprechen könnte."
Elrond seufzte und legte dem jungen Mann die Hände auf die Schulter.
„Dann ist dies dein Schicksal. Faramir. Ich hoffe, wir sehen uns wieder."
Faramir schluckte und bedankte sich bei dem Elbenfürst für die Traumdeutung. Jetzt war es Zeit, Éowyn aufzusuchen und ihr sein Vorhaben zu erklären.
Die junge Schildmaid saß zusammen mit Merry in ihrem kleinen Zelt. Der Hobbit probierte gerade eine Kinderrüstung an und Éowyn lachte, als er in dem schweren Harnisch fast das Gleichgewicht verlor. Als sie Faramir sah, verstummte sie augenblicklich und wurde ernst.
„Können wir reden, Éowyn?" fragte der junge Mann leise.
„Ist schon in Ordnung", meinte Merry grinsend und verließ das Zelt.
Éowyn verschränkte die Arme und blickte Faramir finster an.
„Du willst mit Aragorn zum Dimholt reiten, stimmt's?"
„Nein, Éowyn", sagte Faramir sanft. „Elrond hat mir gerade meinen Traum gedeutet: ich muß nach Minas Tirith zu meinem Vater. Ich will ihn noch einmal wieder sehen, bevor er..."
„Nimm mich mit!" flehte die junge Frau ihn leidenschaftlich an.
Der rothaarige Gondorianer seufze und schloß Éowyn fest in seine Arme.
„Das geht nicht, meine Blume. Ich habe mit meinem Vater einiges zu klären."
„Ist schon klar", stieß die Schildmaid zornig hervor. „Die Wilde aus dem Norden würde nur dabei stören."
„Éowyn, du weißt ganz genau, dass ich dich über alles liebe", betonte Faramir traurig. „Aber mein Vater betrachtet die Rohirrim mit anderen Augen als ich. Ich möchte ihn nicht vor vollendete Tatsachen stellen, sondern langsam darauf vorbereiten. Verstehst du mich?"
„Was bleibt mir anderes übrig", erwiderte sie verbittert und wischte sich die Tränen weg.
Faramir küsste sie jetzt leidenschaftlich.
„Bleib hier und warte auf mich, bis ich zurückkehre", sagte er schließlich leise und strich ihr noch einmal sanft über die Wangen.
Faramir wollte sofort aufbrechen. Éowyn folgte ihm auf Schritt und Tritt. Sie wollte so lange wie möglich an seiner Seite bleiben.
Im Lager herrschte allgemeine Aufbruchsstimmung. Aragorn und die Dunedain bereiteten sich auf den Ritt zum Dimholt vor. Auch Legolas und Gimli waren bei ihnen. Als Faramir sich von ihnen verabschieden wollte, erblickte er das große, neue Schwert, dass Aragorn bei sich hatte.
„Das ist Andúril, die Flamme des Westens, aus den Bruchstücken von Narsil geschmiedet", erklärte der Waldläufer, der jetzt plötzlich größer und könglicher wirkte, als er auf stolz und gerade auf Brégo saß.
„Werden wir uns wieder sehen?" fragte Faramir leise.
Aragorn beugte sich von seinem Hengst herab und legte dem jungen Mann die Hand auf die Schulter.
„Gehe du nach Minas Tirith und bereite dort alles für die Rückkehr des Königs vor."
„Ich tue, was der König mir befiehlt", sagte Faramir mit belegter Stimme.
Aragorn hatte jetz t Tränen in die Augen. Soviele Monate waren er und der junge Gondorianer unzertrennlich gewesen und jetzt reisten sie beide auf verschiedenen Wege ins Ungewisse.
Der kleine Trupp der Waldläufer brach jetzt auf. Manyavel drehte sich noch einmal zu Faramir um und nickte ihm stumm zu.
„Wer ist sie?" fragte Éowyn jetzt eifersüchtig.
„Sie ist nur ein Schatten und ein Gedanke", erwiderte Faramir schlicht.
Auch die Elben rüsteten sich zum Aufbruch. Elladan und Elrohir, die Söhne Elronds, ritten Aragorn und seiner Schar nach. Bei sich führten die beiden Elben ein zusammengerolltes Banner, das Arwen bereits vor geraumer Zeit in Bruchtal gestickt hatte. Elrond, Arwen, Haldir und die Galadhrim saßen jetzt auch auf ihren Pferden aus. Arwen blickte traurig drein. Der Abschied von Aragorn war ihr sicherlich schwer gefallen.
„Lebt wohl!" sagte Elrond zu Faramir und Éowyn. Dann setzte sich die kleine Truppe Elben in Bewegung. Sie würden nach Bruchtal zurückkehren.
Für Faramir war es jetzt auch Zeit zum Aufbruch. Er sattelte Hasufel. Éowyn holte seinen Bogen und den Köcher. Während Faramir den Köcher und den Bogen am Sattel befestigte, stand Éowyn bedrückt neben ihm und drehte gedankenverloren an ihrem Ring herum, den sie am Finger trug. Es war ein Erbstück ihrer Mutter. Plötzlich nahm sie den Ring ab und gab in Faramir.
„Damit bin ich immer bei dir, Liebster."
Der junge Mann stutzte, aber lächelte schließlich. Dann nestelte er an der bogenförmigen Brosche herum, die seinen Umhang verschloß und gab sie Éowyn.
„Jetzt ist auch ein Teil von mir bei dir", meinte er schwermütig.
„Ich habe solche Angst um dich!" stieß sie hervor und fiel ihm noch einmal in die Arme.
Sie küssten sich ganz lange, bis Faramir sich dann löste und schließlich auf sein Pferd stieg.
Wortlos drehte er sich um und winkte so lange zurück, bis er sie nicht mehr zwischen den Bäumen sah.
